Inhaltsübersicht
I. Positionierung
II. Inhalte
und Komponenten
III. Methodische
Aspekte
IV. Funktionen
und Anwendungskontext
V. Handhabung
von Stellenbeschreibungen
VI. Kritische
Würdigung
I. Positionierung
Mit einer Stellenbeschreibung wird in der Regel versucht, die
Arbeitsaufgaben eines Mitarbeiters und seine Stellung im betrieblichen Gefüge
einer Organisation zu beschreiben sowie seine Kompetenzen im Rahmen dieser
Tätigkeit abzustecken. Als eines der klassischen Führungsinstrumente dient die
Stellenbeschreibung sowohl als Hilfsmittel zur Strukturierung und Veränderung
von organisationalen Prozessen als auch als Grundlage für eine Reihe von
Personalführungs- bzw. Human Resource Management Aufgaben wie z.B. Zielvereinbarungssysteme,
Personalauswahl
oder qualitative Personalplanung.
Eine Stellenbeschreibung setzt zunächst, wenn sie sorgfältig
erarbeitet wird, eine Arbeitsanalyse
der bestehenden Tätigkeit bzw. Aufgaben im Rahmen eines Arbeitssystems voraus.
In ihrer Intention als Führungsmittel bleibt sie aber nicht auf die
Verhaltensdeskription beschränkt, sondern zielt weitergehend auf die
Kennzeichnung und Festlegung eines optimalen und damit im Sinne der
Unternehmensziele erwünschten Verhaltens im Rahmen einer bestimmten Stelle. Als
Verhaltenspräskription sollen Stellenbeschreibungen somit auch eine
verhaltenssteuernde Funktion ausüben, wobei sie diese Funktionen erst im Rahmen
von weiteren Führungsaktivitäten entfalten, insbesondere durch das Führen durch
Ziele bzw. Zielvereinbarungen und das Führen durch Delegation.
Stellenbeschreibungen werden schriftlich fixiert, wobei dies
in der Regel anhand formalisierter Darstellungsschemata erfolgt. Diese
Darstellungsschemata folgen bestimmten Konventionen. Es existieren aber keine
festen Regelwerke oder Systeme zur Darstellung, sodass es unzählige Varianten
im Aufbau der Stellenbeschreibungsformulare, bezüglich des inhaltlichen
Spektrums der Beschreibungsmerkmale und hinsichtlich ihrer sprachlichen
Abfassung sowie bei der Erfassung der Tätigkeiten für die Stellenbeschreibung
gibt. Dies ist auch dadurch bedingt, dass Ansätze zur theoriegeleiteten und
systematischen methodischen Fundierung von Stellenbeschreibungen aus
wissenschaftlicher Sicht bisher kaum vorliegen. Das im Folgenden dargestellte
Instrumentarium zur Erstellung und Anwendung von Stellenbeschreibungen beruht
somit in erster Linie auf Erfahrungen aus der Personalführungspraxis.
Stellenbeschreibungen sind gegenüber Organisations- und
Stellenplänen, Funktionsdiagrammen und Arbeitsplatzbeschreibungen einerseits
und Anforderungsprofilen, Personalbeurteilungen und Zielvereinbarungen andererseits
abzugrenzen, wobei allerdings die Übergänge zwischen den genannten
Verfahrenstypen der Organisationsgestaltung und Personalführung fließend sind.
Organisations- und Stellenpläne werden zur Darstellung der Aufbauorganisation
eines Unternehmens verwendet und verdeutlichen die hierarchische Gliederung und
Einordnung von Stellen bzw. Positionen. Sie machen somit zwar Aussagen über die
disziplinarische Unterstellung von Positionen, geben aber keine Auskünfte über
die Aufgaben dieser Stellen. Funktionsdiagramme oder
Arbeitsverteilungsübersichten werden zur genauen Darstellung der
Arbeitsverteilung innerhalb eines Geschäftsbereichs oder Arbeitssystems
verwendet. Im Mittelpunkt der Analyse und Darstellung steht nicht eine einzelne
Stelle, sondern das Zusammenwirken unterschiedlicher Positionen bei der
Erfüllung einer Gesamtaufgabe.
Arbeitsplatzbeschreibungen und Stellenbeschreibungen werden
teilweise als Synonyme aufgefasst (Reiß, 1984).
Erstere beinhalten zusätzlich eine genaue Beschreibung der Art der
Arbeitsdurchführung und der dazu erforderlichen Arbeitsmittel sowie der
Verhältnisse am Arbeitsplatz, während die Stellenbeschreibung die Einordnung
der Stelle in den hierarchischen Aufbau der Organisation sowie die
Kennzeichnung der mit einer Position verbundenen Befugnisse und
Verantwortlichkeiten stärker fokussiert (Bisani, 1995).
Fließende Übergänge existieren ebenfalls zwischen Stellenbeschreibungen und
Anforderungsprofilen. Letztere werden zur Personalbeurteilung
oder Personalauswahl erarbeitet und kennzeichnen somit eher die Art und
Ausprägung von Qualifikationen und Eignungsmerkmalen, die für die Ausübung
einer bestimmten Tätigkeit erforderlich sind. Für Zielvereinbarungen gilt
schließlich, dass sie sich auf Angaben aus der Stellenbeschreibung (Gesamtziel
der Position, Aufgabenbeschreibungen) beziehen. Umgekehrt haben (veränderte)
Zielvereinbarungen insbesondere der übergeordneten Organisationseinheiten aber
auch einen Einfluss auf die Aufgaben- und Kompetenzverteilung von Positionen
innerhalb eines Bereichs. Stellenbeschreibungen und Zielvereinbarungen stehen
somit in einem engen Wechselverhältnis.
Protagonisten der Verwendung von Stellenbeschreibungen
behaupten, dass sie bei richtiger Handhabung Impulsgeber für die Realisierung
wichtiger Ziele fortschrittlicher Mitarbeiterführung sind (Knebel,
/Schneider, 1997). Andererseits wird die Praxis der Handhabung
von Stellenbeschreibungen auch als formalistisch und wenig praktikabel in ihren
Möglichkeiten zur Anpassung an Veränderungen der Arbeitsaufgaben und
-beziehungen beschrieben und die Tauglichkeit dieses Verfahrens als
Organisations- und Führungsinstrument bei einer zunehmenden Dynamik der
Veränderungen von Organisations- und Arbeitsstrukturen in Zweifel gezogen (Bisani, 1995).
II. Inhalte und
Komponenten
Stellenbeschreibungen variieren – wie bereits erwähnt –
hinsichtlich Aufbau, Inhalten und Form der Darstellung. In diesem Zusammenhang
ist entscheidend, welcher Umfang für eine Stellenbeschreibung angemessen ist.
Als Komponenten bzw. Inhalte, die mindestens vorhanden sein sollten, geben
Knebel und Schneider (Knebel,
/Schneider, 1997) an:
-
Bezeichnung der Stelle;
-
Organisationale Einordnung der Stelle
(Organisationsbereich, Positionsrang, Eingruppierung der Stelle);
-
Unterstellungsverhältnisse (Bezeichnung des direkten
Vorgesetzten und der direkt unterstellten Mitarbeiter);
-
Vertretungsregelungen (Bezeichnung des Vertreters und
der Stelle, die vom Stelleninhaber vertreten wird);
-
Beschreibungen der Aufgaben bzw. Tätigkeiten, die der
Stelleninhaber auszuführen hat (ggf. Angaben zum Zeitanteil der jeweiligen
Aufgaben an der Gesamtarbeitszeit oder deren Gewichtung im Vergleich zu
anderen Aufgaben);
-
Kompetenzen im Sinne von Befugnissen und
Verantwortlichkeiten, die dem Stelleninhaber zur Ausübung seiner Aufgaben
übertragen werden;
-
Unterschrift des Vorgesetzten, Stelleninhabers,
nächsthöheren Vorgesetzten und ggf. zuständigen Arbeitsanalytikers.
Mögliche ergänzende Komponenten bzw. Inhalte von
Stellenbeschreibungen können sein:
-
Beschreibung der Zielsetzungen einer Stelle
(erwarteter Beitrag des Stelleninhabers zum übergeordneten Ziel der
Organisationseinheit sowie ggf. Angaben, in welchem zeitlichen Rahmen welche
Anzahl von Produkten bzw. Dienstleistungen zu erbringen ist);
-
Sonderfunktionen oder -aufgaben, die der
Stelleninhaber zu übernehmen hat (bspw. als Sicherheitsbeauftragter in einem
Arbeitsbereich);
-
Beschreibung der Qualifikations- und
Eignungsanforderungen, die für die Ausübung der Stelle erforderlich sind, im
Sinne eines Anforderungsprofils;
-
Kennzeichnung von Kommunikationsbeziehungen mit
internen und externen Personen im Rahmen der Aufgaben;
-
Ausstattung der Stelle in Form von Arbeits(hilfs-)
mitteln, Richtlinien zur Aufgabenausführung etc.;
-
Fachliche Weisungsbefugnisse gegenüber anderen
Personen;
-
Mitarbeit in tätigkeitsrelevanten Gremien,
Arbeitskreisen etc.
Bezüglich eines angemessenen Umfangs von Stellenbeschreibungen
lässt sich kein pauschaler Wert angeben, da dieser abhängig von den
Zielsetzungen ist, die mit dem Einsatz von Stellenbeschreibungen verfolgt
werden. In der Praxis haben sich eher kurze Stellenbeschreibungen bewährt, die
sich auf die Beschreibung der wesentlichen Aufgaben und Kompetenzen einer
Stelle konzentrieren (Knebel,
/Schneider, 1997).
III. Methodische
Aspekte
Ausgangspunkt für Stellenbeschreibungen ist die Erfassung der
an den einzelnen Arbeitsplätzen durchgeführten Tätigkeiten. Methodisch wird
dies in der Praxis meist mit Hilfe sog. „ Aufnahmebögen “ unterstützt, mit denen
der Ist-Zustand der Tätigkeiten anhand einer Reihe von Fragen (z.B. Wer nimmt
Ihre Aufgaben bei Ihrer Abwesenheit wahr? oder, Welche Tätigkeiten führen Sie
aus?) schriftlich festzuhalten ist. Diese Beschreibungen sind in der Regel vom
Stelleninhaber zu erstellen und werden in weiteren Schritten durch die
Vorgesetzten und/oder Arbeitsanalytiker ergänzt, korrigiert und unter formalen
Gesichtspunkten überarbeitet. Die Einbeziehung des Stelleninhabers hat den
Vorteil, dass das Wissen des Stelleninhabers als Experte seiner Arbeit mit
einbezogen und genutzt wird und dass sich der Stelleninhaber mit einer
Stellenbeschreibung meist besser identifizieren kann, bei der er selbst
mitgewirkt hat.
In einer methodisch fundierteren Form können
Stellenbeschreibungen auch auf der Grundlage von Arbeitsanalysen erstellt
werden. Hierzu bieten sich insbesondere aufgabenanalytische Methoden an oder
kombinierte Verfahren, die aufgabenanalytische Komponenten mit der Analyse von
Arbeitsanforderungen verknüpfen (für einen Überblick hierzu siehe Schaper,
/Sonntag, 1998; Sonntag, 2006).
Als Verfahrensbeispiel ist auf den Leitfaden
zur qualitativen Personalplanung bei technisch-organisatorischen Innovationen
(LPI) von Sonntag, Schaper und Benz (Sonntag, /Schaper,
/Benz, 1999) hinzuweisen.
Als Ergänzung bei der Aufnahme von Tätigkeiten für
Stellenbeschreibungen wird die Erstellung von Arbeitsverteilungsübersichten
und/oder Funktionsdiagrammen empfohlen (Knebel,
/Schneider, 1997; Pillat, 1995).
Beide Instrumente dienen dazu, sämtliche Aufgaben innerhalb eines
Arbeitssystems oder -bereichs genau zusammenzustellen sowie zu prüfen, welchen
Beitrag welche Stelle zur Erledigung der gemeinsamen übergeordneten Aufgaben
eines Bereichs leistet. Man erhält dadurch einen Überblick über die
Arbeitsverteilung und kann damit gezielt Unklarheiten und Überschneidungen der
Aufgaben- und Kompetenzzuweisung aufklären und die Stellenbeschreibungen
innerhalb eines Arbeitsbereichs besser aufeinander abstimmen.
Stellenbeschreibungen dienen – wie eingangs erwähnt – nicht
nur zur Iststandserfassung, sondern haben auch die Funktion, zur Verbesserung
der Arbeitsorganisation und der Aufgabenausführung mit beizutragen und die
Umsetzung innovativer Organisations- und Führungsmodelle zu unterstützen. Diese
Funktion kann durch unterschiedliche methodische Ansätze gefördert werden. Um
Verbesserungsvorschläge aus Sicht der Stelleninhaber zu erhalten, können
bereits bei der Iststandserfassung gezielte Fragen nach
Verbesserungsmöglichkeiten gestellt werden (z.B. Was müsste sich an Ihrer
Tätigkeit ändern, damit Sie wirkungsvoller arbeiten können?).
Zunehmend bedeutsamer wird in diesem Zusammenhang die
Abstimmung von Stellenbeschreibungen mit Zielvereinbarungen. In diesem
Zusammenhang haben einerseits Zielformulierungen bzw. -vereinbarungen auf
übergeordneten Ebenen (z.B. für einen Geschäfts- oder Arbeitsbereich) Einfluss
auf die Aufgaben- und Kompetenzzuweisung der einzelnen Stellen in diesem
Bereich. Andererseits können Stellenbeschreibungen auch durch
Zielvereinbarungen ergänzt werden, in denen für jede Stelle angegeben wird,
welche quantifizierten Leistungsziele in welchem Zeitraum zu erreichen sind.
Um bei der Entwicklung von Stellenbeschreibungen auch
geplante bzw. strategisch orientierte Veränderungen der Organisation und
Arbeitsprozesse mit zu berücksichtigen, sind im Vorfeld prospektive bzw.
strategisch orientierte Arbeitsanalysen durchzuführen (vgl. hierzu Sonntag, 2006).
Stellenbeschreibungen sind – wie bereits skizziert – die
informatorische Grundlage von weiteren Personalführungsfunktionen. Aus diesem
Grund sind auch an Stellenbeschreibungen Ansprüche bezüglich ihrer methodischen
Qualität zu stellen (Ghorpade, 1988):
Die Daten, die man durch dieses Instrument erhält, sollten somit reliabel,
valide und genau sein. Da Stellenbeschreibungen sich einerseits aus ganz
unterschiedlichen Komponenten zusammensetzen und andererseits die ermittelten
Daten eher qualitativer als quantitativer Natur sind, ist eine summarische und
insbesondere quantitative Bestimmung der genannten Qualitätskriterien nicht
möglich. Somit kann eine Qualitätsanalyse immer nur für bestimmte Komponenten
oder Facetten von Stellenbeschreibungen erfolgen. Aufgrund der qualitativen
Natur der Daten sind außerdem klassische Methoden der Objektivitäts-,
Reliabilitäts- und Validitätsanalyse nur sehr eingeschränkt anwendbar (z.B. die
Bestimmung der Beurteilerübereinstimmung). Vorschläge, wie die Reliabilität,
Validität und Genauigkeit für Teilaspekte bei Stellenbeschreibungen überprüft
werden können, liegen von Ghorpade (Ghorpade, 1988)
vor. Entsprechende Untersuchungen zur methodischen Qualität von
Stellenbeschreibungen existieren aber nach Wissen der Autoren nicht. Von
Bedeutung wäre darüber hinaus die Klärung der Frage, welche Faktoren und
Bedingungen zu beachten sind, damit Stellenbeschreibungen reliabel, valide und
genau abgefasst werden.
IV. Funktionen und
Anwendungskontext
Stellenbeschreibungen werden in der Praxis als
multifunktionales Instrument der Organisationsgestaltung und Personalführung
verwendet. Im Rahmen von verschiedenen Führungsaufgaben bzw. -modellen stellen
sie eine wichtige Grundlage für die Einweisung von neuen Mitarbeitern, zur
Delegation von Aufgaben und Kompetenzen an Mitarbeiter, zur Klärung von
Tätigkeitszielen und Leistungserwartungen sowie zur Unterstützung und Kontrolle
von Arbeitsverhalten bzw. -leistungen dar. Eine besondere Rolle spielen
Stellenbeschreibungen darüber hinaus in den Führungsmodellen des Management by
Objectives (Führen durch Zielvereinbarungen) und im Harzburger Modell (Führen
durch Delegation) (Bisani, 1995).
Eine wichtige Funktion wird Stellenbeschreibungen auch im
Rahmen der Personalplanung
zugewiesen. Sie unterstützen dabei insbesondere Aufgaben der qualitativen
Personalplanung. Anhand von Informationen über die Aufgaben und Anforderungen
bei bestimmten Stellen lassen sich über die Auswertung von
Stellenbeschreibungen systematisch Personalentwicklungs-, Personaleinsatz- und
Personalbeschaffungsbedarf ermitteln (Bröckermann, 2000).
Von Bedeutung sind Stellenbeschreibungen außerdem bei der
Entgeltfindung (Oechsler, 2000).
Dies gilt insbesondere für Angestelltentätigkeiten, da hier die Arbeitsleistung
nicht direkt gemessen werden kann und daher anforderungsbezogen und anhand von
Leistungsbewertungen entlohnt wird. Die Stellenbeschreibung wird in diesem
Zusammenhang sowohl für die Ableitung von Kriterien für die Leistungsbewertung
herangezogen als auch zur Bewertung der Anforderungskomponenten der Stelle
anhand von Methoden der Arbeitsbewertung.
Stellenbeschreibungen haben darüber hinaus diverse Funktionen
im Rahmen administrativer Aufgaben des Personalwesens. Als Dokumentations- und
Kommunikationsinstrument werden sie bspw. in Organisationshandbüchern bzw.
Personalinformationssystemen gesammelt und dienen als Grundlage für
Stellenausschreibungen, Personalbeurteilungen, Arbeitszeugnisse und -verträge
oder bei der Handhabung arbeitsrechtlicher Konflikte.
Sie sind weiterhin eine wichtige Grundlage bei der
Vorbereitung von Personalauswahlverfahren und Personalbeurteilungsinstrumenten.
Stellenbeschreibungen werden in diesem Zusammenhang herangezogen, um
Anforderungsprofile bzw. Auswahl- und Beurteilungskriterien abzuleiten. Im
Rahmen der Personalentwicklung
werden sie schließlich mit herangezogen, um Schulungsmaßnahmen vorzubereiten
und um Karriere- und Entwicklungspfade für Fach- und Führungskräfte im
Unternehmen zu gestalten bzw. um entsprechende Fördermaßnahmen für
Potenzialkandidaten abzuleiten.
Abschließend ist die Funktion von Stellenbeschreibungen als
Diagnoseinstrument zu nennen, um Verbesserungsmöglichkeiten der
Arbeitsorganisation bzw. Reorganisationsbedarfe (z.B. bei Aufgaben- bzw.
Kompetenzüberschneidungen) zu identifizieren. Beispiele und methodische Ansätze
hierzu wurden bereits weiter vorne erörtert.
Bezüglich des Anwendungsfokus von Stellenbeschreibungen ist
festzustellen, dass grundsätzlich jede Stelle in jedem Organisationskontext
beschreibungsfähig und -bedürftig ist, unabhängig von der hierarchischen Ebene,
Abteilung, Betriebsgröße, Branche oder Profession. In der Praxis sind teilweise
Lösungen verbreitet, in denen Stellenbeschreibungen nur für bestimmte
Mitarbeitergruppen in einem Unternehmen erstellt werden (z.B. nur für den
tariflich entlohnten Personenkreis). Diese Anwendungseinschränkungen sind
letztlich nicht stichhaltig begründbar. Darüber hinaus ist es psychologisch
ungünstig, Mitarbeiter verschiedener Ebenen unterschiedlich zu behandeln.
V. Handhabung von
Stellenbeschreibungen
Damit Stellenbeschreibungen die vorne genannten Funktionen im
Rahmen eines organisationalen Kontextes erfüllen können, bedarf es einer
gezielten Steuerung bei der Implementierung und Handhabung dieses Instruments.
Die Implementierung eines neuen Systems von
Stellenbeschreibungen ist als organisationaler Veränderungsprozess zu
gestalten, bei dem die unterschiedlichen betrieblichen Akteure
(Unternehmensleitung, Mittleres Management, Mitarbeitervertretung,
Personalwesen, Mitarbeiter etc.) in unterschiedlichen Rollen und Funktionen in
den Veränderungsprozess mit eingebunden werden sollten. Der
Implementierungsprozess erfordert darüber hinaus, dass die Vorgesetzten und
Mitarbeiter ausreichend informiert und geschult werden in der methodischen
Umsetzung der verschiedenen Schritte zur Entwicklung von Stellenbeschreibungen.
Der Analyse- und Abfassungsprozess muss in der Regel auch fachlich unterstützt
und begleitet werden durch arbeitsanalytisch geschulte Mitarbeiter der
Personalabteilung bzw. externe Berater. Sie sind erforderlich für die
Bewältigung von methodischen Umsetzungsproblemen sowie die Kontrolle und
Aufrechterhaltung von Verfahrensprinzipien und Qualitätsstandards und
übernehmen darüber hinaus meist koordinierende Aufgaben im Einführungsprozess.
Zu regeln sind in diesem Zusammenhang auch klar die Verantwortlichkeiten von
Vorgesetzten, nächsthöheren Vorgesetzten, Arbeitsanalytikern und
Stelleninhabern bei der Abfassung von Stellenbeschreibungen, um das Vorgehen zu
strukturieren und eine Verantwortungsdiffusion zu vermeiden.
Damit Stellenbeschreibungen kontinuierlich angepasst werden
an die sich ändernden betrieblichen Gegebenheiten, sind Regelungen erforderlich
zur Handhabung des Änderungsdienstes. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass
der Änderungsbedarf und Änderungsdienst die Achillesferse der meisten
Stellenbeschreibungssysteme ist (Knebel,
/Schneider, 1997).
VI. Kritische Würdigung
Stellenbeschreibungen sind ein in der Personalpraxis weit
verbreitetes und vielfältig verwendetes Instrument der Personalführung, das bei
einer sorgfältigen methodischen Anwendung und Handhabung auch viel
versprechende Potenziale und Nutzenaspekte für die Unterstützung der
Personalarbeit hat. Diesem praktischen Erfolg stehen aber erhebliche Defizite
in der konzeptionellen und empirischen Fundierung dieses Instruments gegenüber.
So ist bisher kaum untersucht bzw. validiert worden, welche Formen der
Stellenbeschreibung bestimmte Personalführungsfunktionen erfolgreich bzw. nicht
ausreichend unterstützen. Darüber hinaus fehlt es an systematischen
wissenschaftlichen Arbeiten zur methodischen Qualität und zu Bedingungen der
Handhabung von Stellenbeschreibungen.
Ungeklärt sind im Hinblick auf zukünftige Einsatzgebiete
schließlich auch Fragen, welche Rolle Stellenbeschreibungen im Rahmen von
Personalführungs- und Organisationsgestaltungsansätzen spielen können, die auf
den Umgang mit Bedingungen einer hohen Änderungsdynamik von Arbeits- und
Organisationsprozessen ausgerichtet sind oder sich unter Bedingungen neuer
Arbeitsformen wie bspw. Telearbeit
oder virtuelle Teamarbeit bewähren müssen. Auch in diesen Zusammenhängen ist
der Einsatz von Stellenbeschreibungen denkbar, wird aber voraussichtlich
veränderte bzw. angepasste Formen der Stellenbeschreibung erfordern. Dieser
Fragestellung sollten sich zukünftige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu
diesem Instrument in besonderem Maße zuwenden.
Literatur:
Bisani, F. : Personalwesen und
Personalführung, 4. A., Wiesbaden et al. 1995
Bröckermann, R. : Personalführung,
Köln 2000
Ghorpade, J. : Job Analysis – a
handbook for the human resource director, Englewood Cliffs 1988
Knebel, H./Schneider, H. : Die
Stellenbeschreibung, 6. A., Heidelberg 1997
Oechsler, W. A. : Personal und Arbeit
– Grundlagen des Human Resource Management und der
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, 7. A., München et al. 2000
Pillat, R. : Neue Mitarbeiter
erfolgreich anwerben, auswählen und einsetzen, 5. A., Freiburg 1995
Reiß, M. : Varianten der Stellenbeschreibung.
1. Teil, in: ZfO, H. 5 – 6/1984, S. 361 – 370
Schaper, N./Sonntag, K. :
Aufgabenanalysen und arbeitsplatzbezogene Lernprozesse, in: Zeitschrift für
Arbeitswissenschaft, Jg. 52, H. 3/1998, S. 132 – 143
Sonntag, K. : Personalentwicklung in
Organisationen, 3. A., Göttingen et al. 2006
Sonntag, K./Schaper, N./Benz, D. :
Leitfaden zur qualitativen Personalplanung bei technisch-organisatorischen
Innovationen (LPI), in: Handbuch psychologischer Arbeitsanalyseverfahren, hrsg.
v. Dunckel, H., Zürich 1999, S. 285 – 317
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