Inhaltsübersicht
I. Inhalt
und Abgrenzung des Produktionscontrollings
II. Operatives
Produktionscontrolling durch PPS-Systeme
III.
Strategisches Produktionscontrolling durch PEI-Systeme
I. Inhalt und Abgrenzung
des Produktionscontrollings
Die Versuche, das Produktionscontrolling begrifflich zu
definieren, fallen nicht einheitlich aus. Dies verwundert kaum, da die Fassung
des allgemeinen Controllingbegriffs eine Fülle alternativer Konzeptionen
hervorgebracht hat (vgl. Küpper, H.-U.
1997, S. 5 ff.; Corsten,
H./Friedl, B. 1999).
Produktionscontrolling meint nicht die Erledigung einzelner
Aufgaben der Produktionsplanung und -steuerung, sondern stellt vielmehr ein
Meta-System von Instrumenten zur Unterstützung der Bewältigung dieser Aufgaben
einschließlich der Bereitstellung der dafür notwendigen Informationen dar.
Instrumente des Produktionscontrollings sind in diesem Zusammenhang Modelle und
Methoden, die der Erledigung dieser Aufgabenstellung dienen. In Anlehnung an
Horváth (vgl. Horváth, P.
1996, Sp. 1486) lassen sich diese zeitlich, phasenmäßig und inhaltlich
gemäß Abb. 1 gliedern.
Abb. 1: Instrumente des Produktionscontrollings
Hoitsch (vgl. Hoitsch,
H.-J. 1994, S. 423) sieht im Produktionscontrolling eine
Management-Servicefunktion, die zentralen Führungsaufgaben Produktionsplanung,
-steuerung und -kontrolle zu bewältigen und die erforderliche
Informationsversorgung darauf abzustimmen. Daraus resultiert ein erheblicher
Adaptions- und Koordinationsbedarf innerhalb der Führung, dem durch eine
geeignete Systemgestaltung und Systemnutzung in strategischer und operativer
Hinsicht Rechnung getragen werden soll. Während operativ Leistungsmaßstäbe wie Produktivität
und Wirtschaftlichkeit Verwendung finden, stehen strategisch
wettbewerbsrelevante Kriterien wie Qualität, Flexibilität, Umweltschutz und
Sozialverpflichtung im Mittelpunkt des Produktionscontrollings (vgl. Hoitsch,
H.-J. 1989, S. 159).
Folgt man dem von Küpper (vgl. Küpper, H.-U.
1997, S. 13 ff.) vorgetragenen koordinationsorientierten
Controlling-Konzept und überträgt es auf die Produktion, so verbindet
Produktionscontrolling als Teil des Führungssystems der Unternehmung die
dispositiven Instrumente der Planung, Organisation und Kontrolle, um die
zielgerechte Kombination der Ressourcen Personal, Betriebsmittel, Material und
Information für die betriebliche Leistungserstellung vorzunehmen. Aus der
modernen Sicht des Entwurfs so genannter
Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Systeme (vgl. Kurbel, K.
1999, S. 324 ff.; Fandel, G.
2001, S. 204 ff.) schlägt dieses Konzept unmittelbar die Brücke zur
Geschäftsprozessmodellierung als Instrument der Gestaltung integrierter
Informationssysteme der Produktionsplanung und -steuerung (vgl. Scheer, A.-W.
1995).
Zum Zwecke einer geeigneten Erfassung der zeitlichen und
sachlichen Interdependenzen zwischen den Aufgaben und Instrumenten des
Produktionscontrollings und der sich daraus ergebenden Notwendigkeiten der
Koordination und Information reicht zeitlich eine robuste Aufteilung in
strategisches und operatives Produktionscontrolling aus. Inhaltlich geht die
aufgabenmäßige und instrumentelle Gliederung im Wesentlichen bereits auf
Gutenberg (vgl. Gutenberg, E.
1951) zurück und wird hier übernommen (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Aufgabenfelder des Produktionscontrollings
Die zeitliche Koordinierung geschieht durch eine
hierarchische Einbettung der operativen in die strategischen Aufgabenfelder bei
inhaltlicher Vorgabe. Zur sachlichen Koordination der Aufgabenfelder im
operativen Produktionscontrolling dienen Produktionsplanungs- und
-steuerungs-(PPS-)Systeme (vgl. Fandel,
G./François, P./Gubitz, K.-M. 1997, S. 2) bzw. deren Erweiterungen
zu ERP-Systemen. Sie verwirklichen den Gedanken der phasenmäßigen
Vorgehensweise (vgl. Abb. 1), die Geschäftsführungsfunktionen mit den zeitlich
und inhaltlich gegliederten Aufgabenfeldern zu verknüpfen und die
Informationsversorgung und -verarbeitung zu integrieren. Eine analoge
Koordination der Aufgabenfelder im strategischen Produktionscontrolling kann
durch den Aufbau ähnlich strukturierter Produktionsentwicklungs- und
-informationssysteme, so genannte PEI-Systeme, erfolgen, die der interaktiven
Abstimmung der langfristigen Perspektiven des Produktionssystems durch das
Produktionscontrolling dienen. Die Koordinationsmechanismen werden durch die
Abb. 3 veranschaulicht.
Abb. 3: Koordinationsmechanismen des Produktionscontrollings
In operativ ausgerichteten PPS-Systemen – und entsprechend
dann auch in strategisch orientierten PEI-Systemen – braucht innerhalb des
Produktionscontrollings nicht mehr zwischen Systemen der Produktionsplanung,
-steuerung und -kontrolle einerseits und solchen der Informationsversorgung
andererseits unterschieden zu werden (vgl. z.B. Horváth, P.
1996, Sp. 1484; Hoitsch,
H.-J. 1994, S. 424 f.). In ihnen werden vielmehr durch das
interdisziplinäre Zusammenwirken von Betriebswirtschaftslehre, Operations
Research und Wirtschaftsinformatik betriebliche Aufgabenstellungen der
Produktion durch Entscheidungsmodelle aufgabengerecht formuliert und durch
quantitative Methoden in einer computergestützten Prozedur integrierter
Informationsverarbeitung gelöst. Der Informationsoutput vorgelagerter
Dispositionsstufen wird zum Informationsinput nachgelagerter Stufen (vgl. Fandel, G.
1994, S. 218 f.; Fandel,
G./François, P./Gubitz, K.-M. 1997, S. 4 ff.). Ebenso sind
Lösungsmethoden und Modellformulierungen eng miteinander verbunden, sodass es
einer Differenzierung dieser Art innerhalb der Instrumente des
Produktionscontrollings nicht mehr bedarf.
II. Operatives
Produktionscontrolling durch PPS-Systeme
PPS-Systeme sind praktische Lösungsprozeduren für die
klassischen Aufgaben der Produktionsplanung (vgl. inhaltliche Gliederung in
Abb. 1). Die in Teilaufgaben zerlegte Sukzessivplanung, welche in PPS-Systemen
die komplexe Simultanplanung ersetzt, verlangt nach Koordination.
Diese Koordination sowie die Möglichkeit, im Dialogverkehr mit dem Rechner noch
laufend Verbesserungen der Aufgabenerfüllung anstreben zu können, machen einen
dauernden integrierten Informationsaustausch zwischen den Teilmodulen eines
PPS-Systems notwendig. Die Darstellung der Teilaufgaben eines PPS-Systems, ihre
informatorischen Input-Output-Beziehungen zueinander und die interaktive
Lösungsprozedur sind durch das Ablaufdiagramm in Abb. 4 veranschaulicht. Die ersten
vier Teilaufgaben A1 bis A4 eines solchen PPS-Systems werden üblicherweise
zur Planung gezählt, die letzten drei A5 bis A7 dagegen zur Steuerung. Die inhaltlichen
Verbindungen zu den Aufgabenfeldern des operativen Produktionscontrollings sind
offensichtlich (vgl. Abb. 4).
Abb. 4: Struktur eines PPS-Systems und Beziehungen der
Aufgabenfelder des operativen Produktionscontrollings zu seinen Teilaufgaben
Auf dem Markt verfügbare PPS-Systeme bewerkstelligen
dementsprechend das operative Produktionscontrolling in der Abfolge der
Teilmodule aus Abb. 4 (vgl. im Folgenden Fandel,
G./François, P./Gubitz, K.-M. 1997, S. 128 ff.).
Die Bestimmung der Primärbedarfe, d.h. der herzustellenden
Mengen an Endprodukten, absatzfähigen Zwischenprodukten und autonomen
Lageraufstockungen, kann sich aus den Auftragsbüchern ergeben, mithilfe von
Prognoseverfahren erfolgen oder durch die Deckungsbeitragsrechnung vorgenommen
werden. Im letzten Fall dient die (lineare) Optimierung unter den
Nebenbedingungen der Produktionstechnologie als Lösungsmethode. Die
Informationsinputs kommen, wie auch sonst meistens, aus der Produktions- und
Kostentheorie sowie der darauf fußenden Kostenrechnung. Sie werden ergänzt um
Marktdaten wie Absatzpreise und -höchstmengen.
Aus den Primärbedarfen werden die Materialbedarfe abgeleitet.
Dateninputs sind Primärbedarfsmengen, Lagerbestände, Stücklisten, Rüst- und
Lagerkosten. Mithilfe der ABC- und RSU-Analyse lässt sich bei Wahlfreiheit über
die Dispositionsart entscheiden, ob die Materialbedarfe programmgebunden über
Verfahren der Stücklistenauflösung oder der Teileverwendungsnachweise geplant werden
oder ob sie verbrauchsgebunden über Prognoseverfahren und bestimmte
Bestellpunkt- oder Bestellrhythmusverfahren ermittelt werden. Dabei kommen je
nach Fertigungstechnologie ein- und mehrstufige Verfahren der Losgrößenplanung
zum Einsatz. Informationsoutputs sind die Bestelllose und Fertigungsaufträge.
Dateninputs der Durchlaufterminierung sind die Liefertermine,
Arbeitsgänge und Durchlaufzeiten der Fertigungsaufträge. Sie kann methodisch
unterstützt werden durch Verfahren der Netzplantechnik. Durchlaufzeitverkürzungen
lassen sich durch Lossplitting, Alternativarbeitspläne, Überlappungen der
Arbeitsgänge und die Reduzierung der Übergangszeiten der Aufträge vornehmen.
Als Informationsoutput der Durchlaufterminierung erhält man terminlich
zulässige Fertigungsaufträge sowie deren früheste Anfangszeitpunkte und
späteste Endzeitpunkte der Fertigung.
Die Dateninputs und -outputs der Durchlaufterminierung bilden
zusammen mit den einzusetzenden Betriebsmittelgruppen, den
Kapazitätsrestriktionen sowie Rüst- und Belegungszeiten die Informationsinputs
des Kapazitätsabgleichs. Hier müssen Kapazitätsangebot und -nachfrage
gegenübergestellt und aufeinander abgestimmt werden. Anpassungsprozesse sowie
die Entscheidung über Eigenfertigung oder Fremdbezug ermöglichen Freiräume in
der Gestaltung des Kapazitätsangebots. Die zeitliche Verschiebung oder das
Splitten von Arbeitsgängen und Aufträgen sowie die nachträgliche Veränderung
der Produktionsmengen (Lose) lassen die Variation der Kapazitätsbelastung zu.
Als Methoden des Kapazitätsabgleichs kommen Optimierungsverfahren des
Operations Research sowie Abgleichsheuristiken und die Simulation in Betracht.
Datenoutputs des Kapazitätsabgleichs sind die terminlich und kapazitätsmäßig
zulässigen Fertigungsaufträge.
Die Informationsoutputs des Kapazitätsabgleichs gehen
zusammen mit den Plandurchlaufzeiten der Aufträge sowie den Ergebnissen aus den
Verfügbarkeitsprüfungen der Ressourcen als Dateninputs in das PPS-Modul der
Auftragsfreigabe ein. Als Methoden der Auftragsfreigabe kommen in der Regel
Heuristiken zum Einsatz. Datenoutputs sind die freigegebenen bzw.
zurückgestellten Aufträge.
Auftragsbezogene Informationen über die freigegebenen
Aufträge sowie die Verfügbarkeiten und Kapazitätsrestriktionen der
Potenzialfaktoren bilden die Dateninputs für die Termin- und
Reihenfolgeplanung. Zur Lösung dieser Aufgabe hat das Operations Research eine
Fülle von exakten und heuristischen Verfahren entwickelt, sodass von der
linearen Programmierung über die dynamische Programmierung, die Kombinatorik
bis hin zur Simulation, den einfachen und kombinierten Prioritätsregeln sowie
den naturanalogen Verfahren und dem Konzept der neuronalen Netze eine breite
Palette von Instrumenten zur Problembewältigung zur Verfügung steht. Die
Belegung der Maschinen und die Durchlaufzeiten der Aufträge sind das Ergebnis
dieses Planungsschritts der Produktionsplanung und -steuerung.
Mit dem PPS-Modul der Betriebsdatenerfassung und -kontrolle,
das die Soll- und Ist-Daten über Aufträge, Betriebsmittel, Personal, Produktqualitäten
und technische Prozessparameter in einer Abweichungsanalyse miteinander
vergleicht und auf laufende Verbesserungen des Produktionsablaufs ausgerichtet
ist, wird innerhalb von PPS-Systemen den Aspekten der Effizienz und der
Minimalkostenkombination im operativen Produktionscontrolling Rechnung
getragen.
Anbindungen des Produktionscontrollings mithilfe der
PPS-Systeme an andere unternehmerische Teilbereiche oder das Gesamtcontrolling
sowie an technische Notwendigkeiten der Leistungserstellung finden über die
Erweiterungen zum CIM-Konzept und zu den ERP-Systemen hin statt (vgl. Scheer, A.-W.
1995, S. 348; Fandel, G.
2001, S. 205 f.). Sie integrieren die CAx-Techniken und die betrieblichen
Funktionen der Logistik von der Beschaffung über die Lagerhaltung bis hin zum
Vertrieb sowie die der Investitionsplanung, des Personalwesens, der
Finanzbuchhaltung und der Kostenrechnung in ein einheitliches Konzept der
Informationsverarbeitung.
Trotz jeweils unternehmensspezifischer Eigenheiten und sehr
unterschiedlicher Anwendungsbranchen werden die Funktionalitäten des
Produktionscontrollings in praktischen Fällen der PPS- oder ERP-Auswahl (vgl. Fandel,
G./François, P. 2001, S. 279 ff.; Fandel, G.
2001, S. 212 ff.) mittelständischer Unternehmen meist durch mehrere auf
dem Markt verfügbare Systeme zufrieden stellend erfüllt, sodass die Unternehmen
eine attraktive Wahlmöglichkeit haben.
III. Strategisches
Produktionscontrolling durch PEI-Systeme
Analog zum operativen Produktionscontrolling durch
PPS-Systeme oder erweiterte ERP-Systeme wird hier vorgeschlagen, das strategische
Produktionscontrolling durch PEI-Systeme der Produktionsentwicklung und
-information zu besorgen. Sie sollen dem Zweck dienen, Systeme der
strategischen Produktionsplanung, -steuerung und -abstimmung sowie der dafür
notwendigen Informationsversorgung zu koordinieren. Solche Überlegungen lehnen
sich an bekannte Konzepte der Managementinformationssysteme (vgl. Griese, J.
1993, Sp. 1769 ff.; Gluchowski,
P./Gabriel, R./Chamoni, P. 1997) und ihre Instrumente an. Neu ist
allerdings die empfohlene Art des Planungsablaufs, der für diesen Fall
entsprechend iterativ und interaktiv wie bei PPS-Systemen gestaltet sein soll.
Abb. 5 vermittelt einen Eindruck von der nahe liegenden Struktur eines PEI-Systems.
Ähnlich wie bei einem PPS-System transformieren die Lösungen der Teilaufgaben B1 bis B5 eines PEI-Systems wegen der integrierten
Datenverarbeitung Informationsinputs in Informationsoutputs, die für
nachfolgende Stufen eines Systems des strategischen Produktionscontrollings
benötigt werden.
Abb. 5: Struktur eines PEI-Systems und Beziehungen der
Aufgabenfelder des strategischen Produktionscontrollings zu seinen Teilaufgaben
Innerhalb eines PEI-Systems können die Entscheidungsträger
freier und grober disponieren, da nicht der operative Zwang zur unmittelbaren
Verwirklichung hergeleiteter Planungsergebnisse besteht. Die Langfristigkeit
der Aufgabenbewältigung, der größere Umfang der Aufgabenstellungen und die
geringere Detailliertheit der Planungsinhalte eröffnen dem strategischen
gegenüber dem operativen Produktionscontrolling mehr Gestaltungsspielraum und
Flexibilität. Dies kommt interessanterweise auch dadurch zum Ausdruck, dass
durch Überlegungen zur Effizienz und Minimalkostenkombination nun sogar Produktionsstrukturen
selbst langfristig verbessert werden können.
Die Entwicklung der Produktpalette kann mithilfe einer
mehrdimensionalen Produkt-Markt-Kombination erfolgen (vgl. Meffert, H.M.
2000, S. 233 ff.), die eine Abgrenzung der strategischen
Geschäftseinheiten des Unternehmens ermöglicht. Zur Bewertung dieser
strategischen Geschäftseinheiten stehen zahlreiche und inhaltlich sehr
unterschiedliche Portfolio-Ansätze zur Verfügung (vgl. Hahn, D.
1999, S. 407 ff.; Portfoliomodelle).
Dateninputs sind die (potenzielle) Kundenstruktur, Produktfunktionen und die
Diversifizierungsmöglichkeiten sowie relative Marktanteile und das
Marktwachstum. Als Ergebnisse lassen sich Normstrategien formulieren, die auf
die Marktdurchdringung, die Schließung von Umsatzlücken, die Behandlung von
Produktgruppen und die Mittelbindung abzielen. Dadurch werden die Grenzen
abgesteckt, innerhalb derer sich die operative Programmplanung zukünftig
bewegt. Zugleich ergeben sich neben dieser zeitlichen Integration wichtige
Informationen für die sachliche Koordination weiterer strategischer
Aufgabenfelder des Produktionscontrollings.
Überlegungen zur strategischen Entwicklung der
Produktionsstruktur betreffen sowohl Aspekte der wirtschaftlichen
Fertigungsbreite als auch solche der optimalen Produktionstiefe. Die
langfristige Fertigungsbreite und -tiefe werden zu einem wesentlichen Teil
bereits durch die strategischen Entscheidungen zur Produktpalette sowie dazu
schon verfügbare Informationen über Stücklisten und Arbeitspläne festgelegt.
Andererseits beeinflussen – wie im operativen Fall – die kostenoptimalen
Kapazitätsnutzungen und Materialbereitstellungen den Grad, in dem geplante
Produktpaletten verwirklicht werden. Eine weitere wichtige Einflussgröße der
Entwicklung der Fertigungsstruktur ist die Verfahrenswahl, die sich strategisch
nicht nur auf die effiziente und kostenminimale Faktorkombination bezieht,
sondern noch viel stärker als in der operativen Sicht das Interesse auf die
Entscheidungen über Eigenfertigung und Fremdbezug lenkt. So kann die
Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug als wichtiges
Konstruktionselement in der Gestaltung der Wertschöpfungskette aufgefasst
werden, für die sich Normstrategien aus einem entsprechenden Kompetenzportfolio
ableiten lassen (vgl. Gallon,
M.R./Stillman, H.M./Coates, D. 1995, S. 23 ff.). Sie führen bis hin
zur entscheidungsorientierten Erweiterung der Produktionsstufen um Hybridformen
der Zulieferer-Abnehmer-Beziehungen (vgl. Wollseiffen,
B. 1999, S. 264 ff.), die für das logistische Supply Chain
Management (SCM) (vgl. Stadtler,
H./Kilger, C. 2000) fruchtbar gemacht werden können. Aus einer
anschließenden simultanen mehrperiodigen Produktions- und Investitionsplanung
erhält man Gestaltungsempfehlungen für die Dimensionierung der
Produktionsstufen und ihrer Teilprozesse.
Soweit die Entwicklung des Produktionspotenzials – und auch
die der Produktionsstruktur und des Produktionsprozesses – durch Veränderungen
in der Technologie und der Minimalkostenkombination beschrieben werden können,
kommen Instrumente der dynamischen Produktions- und Kostentheorie in Betracht
(vgl. Fandel, G.
1996; Fandel, G.
2005). Dabei können Lerneffekte, die Kostenerfahrungskurve sowie
qualitative Verbesserungen in den Ressourcen ebenso einbezogen werden wie
produktionsanalytische Einflüsse durch den Umweltschutz (vgl. Pitz, T.
2000; Rudolph, A.
1999). Aufstockungen und Reduzierungen in den Kapazitäten der
Potenzialfaktoren obliegen der (langfristigen) Investitions- und
Personalplanung. Für weiterreichende Umwälzungen in Technologie und
Potenzialfaktorkapazitäten sind spezielle Strategiekonzepte entwickelt worden,
die Normstrategien für Innovationen, Intensivierungen, Erweiterungen und
Konzentrationen herleiten (vgl. Zäpfel, G.
1989, S. 115 ff.; FuE-Controlling).
Sie berühren häufig auch gleichzeitig die Entwicklung von Produktionsstruktur
und -prozess. Strategische Gestaltungsmöglichkeiten in Materialwirtschaft und
Logistik haben sich vornehmlich aus dem Just-in-Time-Prinzip (vgl. Lackes, R.
1995) und dem Supply Chain Management ergeben, die sich in einer
Veränderung der Architektur des Systems der Leistungserstellung niederschlagen
können.
Zu der dem Produktionscontrolling unterliegenden
strategischen Aufgabe der Entwicklung des Produktionsprozesses gehört die
Festlegung und qualitative Spezifizierung der Produktionsstandorte. Im weiteren
Sinne geht es dabei um die Betriebsstandorte, für die aus einem
Standortportfolio nach den Gesichtspunkten des Erfolgspotenzials der
hergestellten Produkte und der Standortattraktivität Standortstrategien
abgeleitet werden (vgl. Zäpfel, G.
1989, S. 146 ff.). Sie kommen in Empfehlungen wie der räumlichen
Diversifizierung oder Verdichtung, der Erweiterung oder Teilstilllegung
vorhandener Produktionsstätten bzw. durch Konzentrationsstrategien infolge
Fertigungssegmentierung zum Ausdruck.
Auch die innerbetriebliche Standortfestlegung (im engeren
Sinne) muss aufgrund der Langfristigkeit der Aufgabenstellung im Hinblick auf
den Produktionsprozess zum Umfeld der strategischen Problemstellungen gezählt
werden, wobei die Verbindungen zur Layout-Planung schon detailliertere
Aufgabeninhalte formulieren. Zur Lösung solcher genauer spezifizierter
Problemstellungen sind vom Operations Research leistungsfähige Modelle und
Algorithmen entwickelt worden (vgl. Domschke,
W./Stahl, W. 1979, Sp. 1887 ff.; Domschke, W.
1996, Sp. 1916 ff.; Bloech, J.
1979, Sp. 1877 ff.). Betrachtungen zur Fertigungstechnik führen zu
Technologiestrategien der Prozessintensivierung und -innovation. Dabei soll der
Preiswettbewerb auf dem Markt durch Kostenreduktionen der innerbetrieblichen
Leistungserstellung unterstützt werden; sinkende Gewinnmargen lassen sich unter
Umständen durch Betriebsgrößeneffekte kompensieren (vgl. Zäpfel, G.
1989, S. 85 ff.). In Abhängigkeit der Technologieattraktivität und der
Ressourcenstärke des Unternehmens bestehen die Maßnahmen in der Selektion und
Investition. Typenvielfalt als Ausdruck der Flexibilität und die Losgröße als
Orientierungsmaßstab für die Möglichkeiten der Automation bilden wichtige
Bausteine bei der Entscheidung über die Fertigungssysteme (vgl. Ossadnik,
W./Maus, S. 1995, S. 19 ff.). Alternativen in der Entwicklung
des Produktionsprozesses sind Transferstraßen, flexible Fertigungssysteme oder
CNC-Automaten, wobei die Eigenschaften der Potenzialelemente Bearbeitungs-,
Handhabungs-, Transport- und Lagersystem für die wirtschaftliche Fertigung der
Aufträge und der Verbesserung ihrer Durchlaufzeiten nutzbar gemacht werden
(vgl. Zäpfel, G.
1989, S. 172 ff.).
Die Plandatenerhebung und -abstimmung als letzte Teilaufgabe
eines PEI-Systems soll für die sachliche Koordination der Systeme des
langfristigen Produktionscontrollings Sorge tragen. Dadurch wird vermieden,
dass vom Denkansatz her unterschiedliche Planungskonzepte zu divergierenden
Entwicklungen führen, die für die Effizienz und Kostenoptimalität der
Produktion abträglich sind. Wegen der Langfristigkeit der Überlegungen sind
diese Kriterien naturgemäß nicht so präzise zu fassen wie im operativen
Produktionscontrolling, sondern erlauben nur eine grobe Orientierung. Ihre
Konkretisierung finden sie in Kennzahlensystemen (vgl. Männel,
W./Weber, J. 1982; Binner, H.F.
1993, S. 35; Kaplan,
R.S./Norton, D.P. 1992, S. 43 ff.; Bieri, B.
1995), die sinnvoll sind, wenn man die genauen Wirkungszusammenhänge der
Leistungserstellung nicht kennt.
Für die Koordination des langfristigen
Produktionscontrollings durch PEI-Systeme stehen noch keine standardisierten
Softwaresysteme der integrierten Datenverarbeitung zur Verfügung. Für einzelne
Teilaufgaben gibt es aber sehr wohl Ansätze einer Entwicklung (vgl. Lackes, R.
1995, S. 250 ff.; Meyr,
H./Rohde, J./Wagner, M. 2000, S. 241 ff.; Kilger, C.
2000, S. 281 ff.). Die beobachtbare weitere interdisziplinäre
Verflechtung von Betriebswirtschaft, Operations Research und
Wirtschaftsinformatik dürfte in den nächsten 10 Jahren diese Lücke erfolgreich
schließen.
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