Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Hintergrund
II. Personalimage
und Personalmarketing
III. Aufbau
einer Personalmarketingkonzeption
IV. Personalmarketing
als Querschnittsfunktion und personalpolitische Zielsetzung
V. Defizite
des Personalmarketings
VI. Ausblick
I. Begriff und
Hintergrund
Mit Personalmarketing
werden Bemühungen bezeichnet, Strategien und Instrumente aus dem
Absatzmarketing für Produkte und Dienstleistungen auch für das
Personalmanagement, insbesondere die Personalbeschaffung
und -akquisition, zu nutzen. Leitgedanke dabei ist, dass es sich bei
potenziellen wie schon im Unternehmen beschäftigten Mitarbeitern in einem
weiteren Sinne auch um „ Kunden “ handelt, die es zu gewinnen und zu halten gilt.
Kunden, die zwar keine Produkte nachfragen, jedoch Arbeitsplätze in
Unternehmen. Kunden, deren Bedürfnisse und Erwartungen hinsichtlich
Unternehmen, Arbeitsplatz sowie der materiellen wie immateriellen Arbeitsbedingungen
(z.B. Entgelt- und Arbeitszeitsysteme, Karriereperspektiven, Betriebs- und
Organisationsklima) viel stärker und systematischer als bisher im
personalpolitischen Fokus stehen müssen. Personalmarketing lässt sich somit als
bedarfs- und nachfragegerechte „ Vermarktung von Arbeitsplätzen “ verstehen, d.h.
als Aufgabe, den akuten oder geplanten quantitativen wie qualitativen
Personalbedarf des Unternehmens unter den gegebenen oder zu erwartenden
Bedingungen des Arbeits-/Personalmarktes zu decken. Konsequenterweise wäre hier
eigentlich statt von Personal-Marketing von Arbeitsplatz-Marketing zu sprechen,
jedoch hat sich inzwischen der nur wenig präzise Begriff Personalmarketing
durchgesetzt.
Hintergrund und Auslöser einer breiteren Rezeption des Marketing-Denkens
in Personalpolitik
und Personalmanagement waren in den achtziger Jahren vor allem sechs sich
abzeichnende, teilweise interdependente Entwicklungsstränge:
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Der Mangel an geeigneten Fach- und Führungskräften,
damit verbunden ein verschärfter Wettbewerb sowohl zwischen den Unternehmen
als auch zwischen den Branchen um qualifizierte Mitarbeiter.
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Sinkende Geburtenquoten, Verschiebungen in der
Alterspyramide hin zu älteren Jahrgängen und abnehmende Erwerbsbevölkerung.
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Einseitige, insbesondere zu Lasten technischer und
handwerklicher Berufe gehende Studien- und Berufswahlentscheidungen der
Schulabgänger.
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Die Aufgabenprofile moderner Arbeitsplätze stellen
neue und höhere Anforderungen an Qualifikationen und Motivation der
Mitarbeiter.
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Die Suche nach einer neuen Balance und Sinnvermittlung
zwischen Berufswelt und betrieblichen Arbeitsanforderungen auf der einen
sowie den individuellen, persönlichen Lebensentwürfen und Zielen der Menschen
auf der anderen Seite.
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Die bei einigen Unternehmen aufkommende Erfahrung,
dass systematisches, zielgruppenorientiertes Personalmarketing
Wettbewerbsvorteile im Personalmarkt verschaffen kann: Bekanntheitsgrad und
Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber bei den wichtigen Zielgruppen
(z.B. bestimmte Hochschulabsolventen) lassen sich steigern und damit können
unter mehr und besseren Bewerbern die geeigneten Mitarbeiter ausgewählt
werden.
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Zunächst waren es vor allem die großen Banken, Versicherungen
und großen Industrieunternehmen, die das „ Marketingdenken “ im Rahmen ihrer
Personalbeschaffungsplanungen in ein „ Personalmarketing “ transformiert haben.
Je nach Aktionsfeld der Personalmarketingbemühungen wird
heute zwischen dem externen und dem internen Personalmarketing unterschieden:
1. Externes Personalmarketing
Das externe Personalmarketing umfasst zunächst alle Aktionen
mit dem Ziel der Stärkung oder Sicherung von Attraktivität und
Akquisitionspotenzial der Unternehmen bei relevanten Zielgruppen im Hinblick
auf die Mitarbeitergewinnung, z.B. bei Multiplikatoren wie Hochschulen und
Schulen, auf Absolventenmessen, bei potenziellen Bewerbern.
Grundsätzlich sind dem externen Personalmarketing jedoch alle
Aktivitäten subsumierbar, die dem Abschluss eines Arbeitsvertrages vorausgehen,
so z.B. von der Schaffung attraktiver, nachfragegerechter Arbeitsplatzangebote,
über die Personalwerbung (z.B. Stellenanzeigen in Printmedien, Auftritt in
Internet-Stellenbörsen) bis hin zur Bewerberauswahl und zum Eignungsinterview
mit interessanten Bewerbern.
Das Grundanliegen lautet: Wo und wie lassen sich
leistungsfähige und leistungsbereite Mitarbeiter am besten gewinnen?
2. Internes Personalmarketing
Internes Personalmarketing hingegen zielt auf die Vermeidung
unerwünschter Fluktuation,
d.h. auf den Erhalt der Attraktivität des Unternehmens als Arbeitsplatz für die
schon beschäftigten Mitarbeiter sowie auf die Stärkung ihrer Qualifikationen
und Motivation. In Analogie zum Absatzmarketing lässt sich das interne
Personalmarketing auch als „ after-sale-service “ des externen Personalmarketings
bezeichnen.
Das Grundanliegen lautet hier: Wie können gute Mitarbeiter im
Unternehmen gehalten und gefördert werden?
Damit geraten wichtige Aufgaben und Instrumente des
Personalmanagements ins Visier des Personalmarketings: Mitarbeiterführung, Personaleinsatzplanung,
Arbeitsplatzgestaltung, Personal- und Führungskräfteentwicklung, Arbeitszeitmanagement,
Entgeltsysteme, Incentives u.a. sind daraufhin zu prüfen und zu gestalten, wie
sie diese Grundanliegen am besten unterstützen können. Ziel soll letztlich die
Schaffung und Akzeptanz einer attraktiven, erkennbar an den Bedürfnissen der Mitarbeiter
orientierten Unternehmenskultur sein.
II. Personalimage und
Personalmarketing
Anliegen und Maßnahmen des Personalmarketings lassen sich
aber in ihren Wirkungen nicht strikt auf ihr externes oder internes Aktionsfeld
begrenzen, sie sind vielmehr hoch interdependent.
So werden Führungsgrundsätze, Vergütungssysteme,
Karrieremöglichkeiten u.a. mitarbeiterorientierte Faktoren in aller Regel auch
außerhalb des Unternehmens, etwa von potenziellen Mitarbeitern, wahrgenommen
und bewertet. Sie tragen neben der Branchenzugehörigkeit, dem Image der
angebotenen Produkte oder Dienstleistungen, der Stellung im Markt (z.B.
Marktführer), dem Standort des Unternehmens, seiner Öffentlichkeitsarbeit,
seinem Verhalten am Arbeitsmarkt (expansiver oder rezessiver Personalbedarf)
ganz erheblich zur Bildung des Personalimage eines Unternehmens bei.
Das Personalimage ist ein rufartiges Gebilde, die spezifische
Ausprägung der Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber und deren
Wahrnehmung und Bewertung bei relevanten Zielgruppen, z.B. Führungsnachwuchs.
Das Personalimage eines Unternehmens beeinflusst bei potenziellen Bewerbern
deutlich die Bereitschaft, das Unternehmen mehr oder weniger ernsthaft als
Arbeitgeber/Arbeitsplatz in Erwägung zu ziehen und wirkt somit präselektiv. So
weisen Personalimagestudien und Analysen von Bewerberpräferenzen z.B. bei
Hochschulabsolventen eindeutig auf einen Zusammenhang zwischen Personalimage
und Bewerberqualität hin: Je positiver das Personalimage von der Zielgruppe
eingeschätzt wird, um so interessanter wird das Unternehmen gerade für
besonders gut qualifizierte Absolventen. Unternehmen mit einem ausgeprägt
positiven Personalimage bei ihren Zielgruppen können regelmäßig unter mehr und
besseren Bewerbern auswählen. Einige Unternehmen (vorwiegend Großunternehmen)
versuchen daher schon seit langem, über eine aktive, langfristig angelegte
kommunikative Präsenz in den für sie wichtigsten Personalmärkten eine positive,
unverwechselbare Corporate Identity aufzubauen oder zu bewahren, somit Inhalte
und Wahrnehmung ihres Personalimage positiv zu beeinflussen. Das geschieht z.B.
über systematische Hochschulkontakte, interessante Praktikumsangebote für
Studenten, informative Bewerberbroschüren und Web-Seiten, Personalimageanzeigen
und Informationsstände, die auf wichtigen Messen über Einstiegs- und
Karrieremöglichkeiten im Unternehmen informieren.
Die gezielte Beeinflussung des Personalimage durch das
Unternehmen ist nicht kurzfristig und auch nur in Grenzen möglich. Ein
Unternehmen, das z.B. einer negativ belegten Branche angehört, dessen Produkte
eher als zweitklassig gelten, das häufig konjunkturellen Schwankungen
ausgesetzt ist oder sich an einem unattraktiven Standort befindet, wird sich
deutlich schwerer tun, Attraktivitätspotenzial aufzubauen oder dauerhaft zu
sichern als ein innovatives High-Tech-Unternehmen mit interessanten Produkten
in einer landschaftlich reizvollen Region.
Maßnahmen des externen Personalmarketings werden aber auch im
Binnenbereich des Unternehmens wahrgenommen und bewertet. Kommt es hier zu
„ Brüchen “ , d.h. das extern kommunizierte Bild (oft nur ein „ Wunsch-Bild “ )
stimmt nicht mit der von den Mitarbeitern gelebten und erlebten betrieblichen
Realität überein, können Glaubwürdigkeits- und Motivationsdefizite entstehen,
die Anliegen und Maßnahmen des internen Personalmarketings konterkarieren.
Planung und Realisierung einer Personalmarketingkonzeption
müssen daher solche Wechselwirkungen und mögliche Zielkonflikte einkalkulieren.
Optimal angelegt ist Personalmarketing immer dann, wenn es sich in seinen
externen wie internen Wirkungen positiv ergänzt, also dazu führt, die
relevanten Zielgruppen beständig anzusprechen, dort geeignete Bewerbungen
auszulösen und qualifizierte Mitarbeiter in ausreichender Zahl zu gewinnen und
im Unternehmen motiviert zu halten.
III. Aufbau einer
Personalmarketingkonzeption
Die Vorgehensweise zur Entwicklung einer
Personalmarketingkonzeption orientiert sich im Wesentlichen am klassischen
Absatzmarketing und beginnt mit der Zielformulierung, d.h. der Festlegung von
Zielen, (Ziel-)Personalmarkt und/oder Zielgruppe(n).
1. Zielformulierung
Konkrete Ziele des externen Personalmarketings können z.B.
sein:
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Identifizierung des relevanten Personalmarktes. Unter
Personalmarkt wird im Personalmarketing verstanden a) der geographische Raum
(intern: das Unternehmen selbst, extern: lokal, regional, überregional,
international), in dem sich für das Unternehmen interessante oder relevante
Zielgruppen befinden und über geeignete Personalmarketingmaßnahmen angesprochen
werden können und b) Zielgruppen, die über bestimmte Qualifikationen,
demographische und/oder psychographische Merkmale verfügen, die sie als
Mitarbeiter interessant machen, z.B. Hochschulabsolventen bestimmter
Fachrichtungen, Frauen, sicherheitsorientierte oder risikofreudige
Mitarbeiter.
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Steigerung des Bekanntheitsgrades im relevanten
Personalmarkt und damit Senkung der Kosten für Personalwerbung durch
Förderung von Initiativbewerbungen aus Zielgruppen, an denen regelmäßig oder
längerfristig Bedarf besteht.
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Verbesserung des Personalimage bei interessanten
Zielgruppen.
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Im internen Personalmarketing werden als Ziele z.B. oft
genannt:
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Aufbau eines internen Potenzials qualifizierter
Mitarbeiter für höherwertige Aufgaben, um Karrieremöglichkeiten anzubieten
und Führungspositionen verstärkt „ aus den eigenen Reihen “ zu besetzen.
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Verbesserung des Betriebsklimas zur Erhöhung der
Mitarbeitermotivation (auch Vermeidung „ innerer Kündigung “ ) und zur Senkung
unerwünschter Fluktuation oder hoher Fehlzeiten.
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Einführung neuer Arbeitszeitmodelle oder von Telearbeit
zur Erschließung neuer Mitarbeitergruppen, z.B. Frauen nach einer
Familienpause.
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Wichtig ist, dass Personalmarketingziele operationalisiert
und möglichst messbar sind, nur so ist eine Erfolgskontrolle möglich.
2. Personalmarketing-Mix
Der sog. „ Personalmarketing-Mix “ stellt als operative
Komponente den nächsten Schritt dar und befasst sich mit den Optionen für den
Aufbau einer Konzeption, d.h. der Auswahl geeigneter Instrumente und Maßnahmen.
Er umfasst in der Regel Maßnahmen oder Maßnahmenkombinationen zum Einsatz der
Instrumente Leistungsangebot, Kommunikationsgestaltung sowie Entgelt- und
Vertragsgestaltung.
Das Leistungsangebot zielt auf die zielgruppen- wie
unternehmensgerechte Ausgestaltung der Arbeitsplätze im engeren wie weiteren
Sinne und/oder des kompletten Arbeitsangebotes im Unternehmen. Dies kann sich
z.B. auf Einarbeitungsprogramme, Qualifikationsanforderungen, Arbeitsaufgaben,
Kompetenzen, Arbeitszeit, räumlich-sachliche Ausstattung der Arbeitsplätze,
Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter, nicht-materielle
Leistungsanreize (Incentives) u.ä. beziehen.
Eine konkrete Option wäre z.B., für Führungsnachwuchskräfte
ein Training on the job anzubieten und dieses so zu gestalten, dass es für die
Zielgruppe (Hochschulabsolventen) genügend attraktiv ist, oder die Einführung
von Jahresarbeitszeitkonten zur Erhöhung der Zeitsouveränität der Mitarbeiter.
Das Instrument Kommunikationsgestaltung umfasst alle
Entscheidungen darüber, welche Aussagen zum Unternehmen und Leistungsangebot in
welcher Form, über welche Kanäle und Medien den Personalmarkt und/oder die
jeweilige Zielgruppe innerhalb oder außerhalb des Unternehmens erreichen
sollen/können. Sollen z.B. Erstkontakte zu potenziellen Bewerbern über die
Präsenz von Unternehmensvertretern auf Absolventenmessen aufgebaut werden,
sollen bevorzugt Multiplikatoren (z.B. Belegschaftsmitglieder, Schulen) zur
Gewinnung von Auszubildenden eingeschaltet werden, sind
Unternehmens-/Bewerberbroschüren sinnvoll, wie sollen diese aussehen und der
Zielgruppe zugänglich gemacht werden, sollen Stellenanzeigen geschaltet werden,
in welchen Printmedien? Aber auch der kommunikative Umgang mit Bewerbern
während des Auswahlprozesses, etwa im Vorstellungsgespräch oder in einem
Absageschreiben, gehört hierher.
Die Entgelt- und Vertragsgestaltung zielt im
Personalmarketing-Mix zwar auf eine qualifikations-, leistungs- und
zeitgerechte Gestaltung des Entgeltes und der arbeitsvertraglich zu regelnden
Pflichten und Rechte der Mitarbeiter, diese ist jedoch insbesondere im
Tarifbereich zahlreichen gesetzlichen und tarifvertraglichen Restriktionen
ausgesetzt. Vorwiegend im außertariflichen Bereich, bei leitenden Mitarbeitern
sowie bei den freiwilligen betrieblichen Sozial- und Nebenleistungen bietet
sich ein größerer Spielraum, individuellen Bedürfnissen und Erwartungen stärker
Rechnung zu tragen. Hier eröffnet sich dann die Chance einer innovativen,
marketingorientierten „ Entgelt- und Vertragspolitik “ (z.B. über differenzierte
Tantieme- und Bonussysteme).
3. Personalmarketing-Controlling
Eine Personalmarketingkonzeption und die daraus abgeleiteten
Maßnahmen bedürfen über brauchbare Indizes immer einer systematischen
Überprüfung hinsichtlich ihrer Effektivität (Zielwirksamkeit) und Effizienz
(Kostenwirksamkeit) – etwa im Rahmen eines Personal- oder
Personalmarketing-Controlling. So wäre z.B. zu prüfen, ob das Ziel einer
bestimmten Personalimage-Kampagne, bei einer interessanten Zielgruppe
Initiativbewerbungen auszulösen, wirklich (messbar!) erreicht worden ist und ob
der Zielerreichungsgrad den mit der Kampagne verbundenen zeitlichen und
finanziellen Einsatz rechtfertigt. Je nach Ergebnis müssten ggf. Konzeption
und/oder Maßnahmen revidiert werden. Eine solche Überprüfung oder
Erfolgskontrolle findet in der Praxis aber selten oder nur ansatzweise statt,
Überlegungen und Ergebnisse hierzu erweisen sich bei näherem Hinsehen zu häufig
als bloße Annahmen und Spekulationen.
IV. Personalmarketing
als Querschnittsfunktion und personalpolitische Zielsetzung
Für welche Instrumente und für welchen „ Maßnahmen-Mix “ sich
ein Unternehmen auch immer entscheidet, wichtig ist, dass diese sich den
übergeordneten Zielen der allgemeinen Unternehmenspolitik und -strategie sowie
den personalpolitischen Zielen einfügen und Zielkonflikte vermieden werden.
Dabei geht es zwar erstrangig um die hiermit gebotene ganzheitliche Sichtweise,
aber auch um Abstimmungen mit anderen Funktionsbereichen im Unternehmen. Von
daher ist Personalmarketing nicht lediglich eine neue Stelle oder
Organisationseinheit in der Personalabteilung, sondern hat vielmehr den
Charakter einer Querschnittsfunktion, die einer neuen personalpolitischen
Zielsetzung zum Durchbruch verhelfen soll: Nämlich 1. alle Funktionsbereiche
und deren Aktivitäten im Unternehmen daraufhin zu überprüfen, wie sie die
Wettbewerbssituation im externen und internen Personalmarkt beeinflussen, sie
2. konsequent und dauerhaft auch an Personalmarketingzielen zu orientieren und
3. Personalmarketing gleichsam als eine Denk- und Arbeitshaltung bei allen
Mitarbeitern, vor allem den Führungskräften, zu etablieren – vergleichbar den
Bemühungen zur Schaffung eines Qualitätsbewusstseins im Rahmen des Total
Quality Management.
Prinzipiell geht es hier um die Aufgabe, jeden Arbeitsplatz
im Unternehmen, gleich auf welcher Stufe der Hierarchie oder in welchem
Aufgabengebiet, sowohl aus der Perspektive des Absatzmarktes wie aus der des
Personalmarktes wettbewerbsfähig zu halten.
V. Defizite des
Personalmarketings
Vor diesem Hintergrund konturieren sich auch die Grenzen oder
Defizite des Personalmarketings, wie es bis heute überwiegend betrieben wird:
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Konzeptionslosigkeit und hektischer Aktionismus statt
systematischer, langfristig angelegter Strategie zum Aufbau von
Attraktivitätspotenzialen. Personalmarketing wird zu oft halbherzig, rein
intuitiv und als einmalige ad hoc Aktion betrieben – es soll nur möglichst
schnell ein gerade akuter Personalbedarf befriedigt werden.
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Es wird übersehen oder bewusst ausgeblendet, dass alle
Aktivitäten eines Unternehmens (einschl. der Verhaltensweisen seiner Führungskräfte),
gleichgültig, wo sie ihren Ausgang nehmen, sich zumindest mittelbar auf
Attraktivitätspotenzial und Personalimage auswirken, also hier hoch relevant
sind. Diese Relevanzen werden zumeist nicht erkannt und richtig eingeschätzt.
Es fehlt hier fast regelmäßig z.B. an einer „ Personalforschung nach innen “ ,
etwa über systematische Fehlzeiten- und Fluktuationsanalysen,
Abgangsinterviews, Führungsstilanalysen, Betriebsklimastudien u.ä.
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Über Personalimage-Kampagnen, Stellenanzeigen,
Bewerberbroschüren u.ä. wird externen Zielgruppen und potenziellen Bewerbern
(vor allem Hochschulabsolventen) oft ein Unternehmensbild vermittelt, das der
Realität im Unternehmen nur wenig entspricht und mehr einer Mogelpackung
ähnelt. Hier wird mit aus der Produktwerbung entlehnten übertriebenen
werblichen Versprechen gearbeitet, die in einem seriösen Personalmarketing
deplaziert sind.
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In Zeiten eines rückläufigen Personalbedarfs oder gar
des Arbeitsplatzabbaus werden von den meisten betroffenen Unternehmen
regelmäßig alle Aktivitäten des externen Personalmarketings eingestellt. Es
wird nicht anerkannt, dass Personalmarketing auch bedeutet, im externen
Personalmarkt Vertrauensvorschuss auf- und auszubauen und bei den relevanten
Zielgruppen auf Dauer das (häufig mühsam!) erreichte positive Personalimage
zu erhalten. Ziel muss bleiben, über ein entsprechendes Personalmarketing
auch für die Zukunft – und bessere Zeiten – als interessanter Partner bei den
relevanten Zielgruppen präsent zu bleiben. Pointiert ausgedrückt: Der Sohn
muss übermorgen als motivierter Mitarbeiter zu gewinnen sein, auch wenn der
Vater gestern in diesem Unternehmen seinen Arbeitsplatz verloren hat.
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Immer noch sehr wenig verbreitet ist ein konsequentes
„ Personalmarketing-Denken nach innen “ (internes Personalmarketing), nämlich
die Einsicht, dass die Entscheidungen der Mitarbeiter, im Unternehmen zu
bleiben oder nicht, sich für ihre Aufgaben zu engagieren oder nicht, und die
Begründungen für diese Entscheidungen von gleicher existentieller Bedeutung
für den Unternehmenserfolg sind wie Entscheidungen, Produkte dieses
Unternehmens zu kaufen oder nicht.
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VI. Ausblick
Wie und wohin sich das Personalmarketing in Zukunft
entwickeln wird, ist nur schwer abschätzbar. Manches deutet aber darauf hin,
dass dem internen Personalmarketing ein größerer Stellenwert zukommen wird. So
dürften Engpässe bei der Beschaffung von qualifizierten Fach- und
Führungskräften in vielen Unternehmen immer mehr dazu führen, die
Mitarbeiterrekrutierung „ aus den eigenen Reihen “ zu forcieren und den
Einstellungsbedarf schwerpunktmäßig auf die Ebene der Nachwuchsmitarbeiter
(Auszubildende, Hochschulabsolventen) zu verlagern. Diese Strategie wird aber
größere Anstrengungen im Hinblick auf die Mitarbeiterbindung sowie eine
bedarfsgerechte Personal- und Führungskräfteentwicklung erzwingen. Das externe
Personalmarketing wird sich unter diesen Bedingungen mehr und systematischer
der bisher (im Gegensatz zu den Hochschulabsolventen) weitgehend
vernachlässigten Zielgruppe Auszubildende widmen müssen – eine große Aufgabe,
die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen zu lösen haben werden.
Für externes wie internes Personalmarketing wäre es insgesamt
sehr hilfreich, wenn in nicht allzu ferner Zukunft auf der Basis
wissenschaftlicher Bemühungen (etwa als Ergebnis interdisziplinärer Personalforschung)
Fortschritte, ein gewisser Standard bei der theoretischen Fundierung des
Personalmarketings erreicht werden könnten. Es ist auf Dauer sehr
unbefriedigend und dem Anliegen des Personalmarketings wenig angemessen, Personalmarketing
primär im Wege der „ Anleihe “ beim Absatzmarketing zu definieren und zu
betreiben.
Literatur:
Bröckermann, R./Pepels, W. :
Personalmarketing, Stuttgart 2002
Fröhlich, W. : Nachhaltiges
Personalmarketing, Frechen 2004
Hummel, T./Wagner, D. : Differentielles
Personalmarketing, Stuttgart 1996
Moser, K./Zempel, J. :
Personalmarketing, in: Lehrbuch der Personalpsychologie, hrsg. v. Schuler, H.,
Göttingen 2001, S. 63 – 91
Reich, K.-H. : Der Einsatz von
Marketinginstrumenten im Personalbereich, in: Strategien des Personalmarketing.
Was erfolgreiche Unternehmen besser machen, hrsg. v. Strutz, H., Wiesbaden
1992, S. 13 – 27
Schmidtke, C. : Signaling im
Personalmarketing. Eine theoretische und empirische Analyse des betrieblichen
Rekrutierungserfolges, Mering 2002
Simon, H./Wiltinger, K./Sebastian,
K.-H. : Effektives Personalmarketing, Wiesbaden 1995
Strutz, H. : Handbuch
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Strutz, H./Wiedemann, K. :
Internationales Personalmarketing, Wiesbaden 1992
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