Inhaltsübersicht
I. Begriffsabgrenzung
II. Personalbeschaffung
als personalwirtschaftliche Einzelfunktion
III. Aufgaben
und Ziele der Personalbeschaffung
IV. Beschaffungsprozess
und Maßnahmen
V. Arten
der Personalbeschaffung
VI. Methoden
und Wege der Personalbeschaffung
VII. Beschaffungspolitische
Grundsätze
VIII. Ausblick
I. Begriffsabgrenzung
Unter Personalbeschaffung versteht man den gesamten Prozess
von der Suche bis zur Bereitstellung von Arbeitskräften. Die
Personalbeschaffung benötigt die Daten, die in der Personalbedarfsermittlung
gewonnen wurden, anhand derer sie den Personalbedarf in qualitativer, quantitativer
und zeitlicher Hinsicht zu decken sucht. Dabei handelt es sich bei der
Akquisition um den Prozess der Suche geeigneter Bewerber des internen oder
externen Arbeitsmarktes zur Besetzung der neuen Stelle. Damit kann die
Personalakquisition mit der Personalwerbung gleichgesetzt werden, welche die
internen und externen Interessenten über die freien Stellen im Unternehmen
informiert. Daneben umfasst der Prozess der Personalbeschaffung die Personalauswahl,
deren Aufgabe die Überprüfung der Übereinstimmung der Qualifikationen der
Bewerber mit dem Anforderungsprofil der jeweiligen Stelle ist. Maßnahmen zur
Einarbeitung und Einführung der neuen Mitarbeiter in das Unternehmen und ihren
Arbeitsplatz werden ebenfalls zum Personalbeschaffungsprozess gezählt (Mentzel,
/Dürr, 1997, S. 161 f.; Weber,
/Mayrhofer, /Nienhüser, 1997, S. 202 f.; Büdenbender,
/Strutz, 1996, S. 271).
II. Personalbeschaffung
als personalwirtschaftliche Einzelfunktion
Die Personalwirtschaft als Teil der Betriebswirtschaftslehre
befasst sich mit den arbeitenden Menschen und den dadurch anfallenden
personellen und sozialen Aufgaben in Unternehmen. Dies berücksichtigt sowohl
die Notwendigkeiten des Unternehmens nach Versorgung mit geeigneten
Mitarbeitern (z.B. Personalbeschaffung, -auslese, -einstellung, -beurteilung,
-entlassung, etc.) sowie die Bedürfnisse der Mitarbeiter (Personalbetreuung,
-entwicklung, -förderung, -ausbildung, -führung, -verwaltung, -entlohnung,
etc.) (Jung, 2001, S. 4 f.). Die Personalbeschaffung
nimmt im System der Personalwirtschaft einen entscheidenden Platz ein, der auf
die gesamte Unternehmenssteuerung Auswirkungen hat. Die Beschaffung und
Bereitstellung von Personal zur rechten Zeit, am rechten Ort, in genügendem
Umfang und mit der gefragten Qualifikation ist unerlässlich für das
reibungslose Funktionieren und Ineinandergreifen von Unternehmensprozessen.
Stehen die personellen Ressourcen nicht zur Verfügung, kann dies entscheidende
Auswirkungen auf Produktion, Dienstleistung und Absatzplanung haben. Ebenso
gilt dies für die betriebliche Investitionsplanung (z.B. Aufbau von
Betriebsstätten im Ausland). Umgekehrt hat die Personalbeschaffung mit den
durch sie anfallenden Kosten Auswirkungen auf die Finanzplanung (Maess, et
al. 2001, S. 152 f.). Die
organisatorischen und institutionellen Voraussetzungen für eine effiziente
Personalbeschaffung werden allerdings erst mit zunehmender Betriebsgröße
geschaffen, ebenso wie eine leistungsfähige Aufbau- und Ablauforganisation und
die sich daraus ergebenden Möglichkeiten der Entlastung der Personalbeschaffung
durch akquisitorische Anreize wie Personalentwicklung
(Hentze, 1994, S. 220). Nicht zuletzt müssen auch
arbeitsrechtliche (AÜG, TzBfG, Gleichbehandlung), insbesondere
betriebsverfassungsrechtliche Regelungen im Rahmen der Personalbeschaffung
berücksichtigt werden.
III. Aufgaben und Ziele
der Personalbeschaffung
Aufgabe der Personalbeschaffung ist die Beseitigung von
personeller Unterdeckung nach Anzahl (quantitativ), Art (qualitativ), Zeitpunkt
und Dauer (zeitlich) sowie Einsatzort (örtlich). D.h., die Personalbeschaffung
hat das Ziel, die als notwendig ermittelte Zahl an Mitarbeitern
bereitzustellen, die den Anforderungsprofilen der vakanten Arbeitsplätze entsprechen
und über die für die Stellen erforderlichen Qualifikationen verfügen (Jung, 2001,
S. 128; Scholz, 2000,
S. 455). Dies erfolgt anhand der Daten des Nettopersonalbedarfsplanes aus der
Personalbedarfs- und Personalbestandsplanung. Grundsätzlich ist die
Arbeitsmarktforschung ein entscheidender Baustein der Personalbeschaffung. Die
genaue Kenntnis der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte ist als
Kontrollfunktion gegenüber der Personalbedarfsplanung
und Unternehmensplanung erforderlich (Jung, 2001,
S. 128 f.).
IV. Beschaffungsprozess
und Maßnahmen
Der Personalbeschaffungsprozess beginnt mit der Gewinnung
beschaffungsrelevanter Informationen. Zu diesen Informationen gehört die
Ermittlung des Personalbedarfes, der als Voraussetzung für den Beginn der
Beschaffungsaktivitäten gilt (vgl. Abb. 1). Der Personalbedarf muss
geplant werden, um die Personalbedarfsentstehung und die Personalbedarfsdeckung
aufeinander abzustimmen. Je länger die Personalbeschaffungszeiträume sind und
je geringer das Angebot an Arbeitskräften auf dem externen und internen
Arbeitsbeschaffungsmarkt ist, desto weiter im Voraus sollte die
Personalbedarfsermittlung reichen. Durch Vergleichen des Ist-Personalstandes
mit dem Soll-Personalstand ergibt sich der geplante Netto-Personalbedarf, d.h.
dem Stellenplan wird der Stellenbesetzungsplan gegenübergestellt. Ein
Ersatzbedarf entsteht, sobald durch Fluktuation,
die z.B. durch Erreichen der Altersgrenze entstehen kann, oder durch Versetzung
eine personelle Unterdeckung entsteht. Ein Neubedarf ergibt sich, falls im
Stellenplan eine Steigerung der Sollzahlen vorgesehen ist. Neben der
quantitativen Dimension des Personalbedarfes sind ebenso die Qualifikation des
Ersatz- oder Neubedarfes sowie Bedarfszeitpunkt und Bedarfsdauer entscheidend
für die Auswahl der Beschaffungsarten (Hentze, 1994,
S. 219 ff.).
Abb. 1: Der Personalbeschaffungsprozess (Scholz, 2000,
S. 456; Stelzer-Rothe,
/Hohmeister, 2001, S. 59; Bröckermann, 2001,
S. 50)
Nachdem der Personalbedarf festgelegt worden ist, erfolgt
eine systematische Untersuchung des Beschaffungspotenzials der in Frage
kommenden Arbeitsmärkte. Um hier einen Überblick zu erhalten, besteht die
Möglichkeit der Einrichtung einer betrieblichen Arbeitsmarktforschung. Diese
hat allgemein die Aufgabe, Informationen über den Arbeitsmarkt zu beschaffen
und das Beschaffungspotenzial und die Beschaffungsmöglichkeiten transparent zu
machen, die der Betrieb für personalwirtschaftliche Entscheidungen benötigt.
Dazu werden der interne und der externe Markt beobachtet und analysiert.
Daraufhin kann die Wahl des Beschaffungsweges stattfinden,
die in den folgenden Kapiteln beschrieben wird. Hier wird nach potenziellen
Bewerbern auf dem internen, dem externen Arbeitsmarkt oder auf beiden Märkten
gesucht. Dies erfolgt anhand einer Selektion von Medien, anhand derer auf dem
Bewerbermarkt kommuniziert wird, dass eine bestimmte Stelle zu besetzen ist.
Man bezeichnet diesen Prozess allgemein als die Personalwerbung.
Ist die Personalwerbung abgeschlossen, folgt die Personalauswahl,
die die Bewerber anhand von unterschiedlichen Auswahlverfahren auf die
geforderten Qualifikationen überprüft. Die Personalauswahl endet mit der
Entscheidung für einen Bewerber. In den Vertragverhandlungen wird dem Bewerber
ein Einstellungsangebot unterbreitet. Ist der Bewerber mit den vertraglichen
Bedingungen einverstanden, kommt es zu einem Vertragsabschluss und einer
Einstellung. Damit ist jedoch der Personalbeschaffungsprozess noch nicht
abgeschlossen. Der Arbeitsbeginn und die Einarbeitungsphase gelten als die
gefährlichsten Monate, in denen der neue Mitarbeiter mit der Kultur des
Unternehmens und mit seinem Arbeitsbereich vertraut gemacht werden sollte (Scholz, 2000,
S. 456; Stelzer-Rothe,
/Hohmeister, 2001, S. 59; Bröckermann, 2001,
S. 50).
V. Arten der
Personalbeschaffung
Im Folgenden werden die unterschiedlichen Arten dargestellt,
die dem Unternehmen für die Personalbeschaffung und -akquisition zur Verfügung
stehen. Grundsätzlich ist zwischen dem internen und dem externen
Personalbeschaffungsmarkt zu unterscheiden. Der im Unternehmen vorhandene Pool
an Mitarbeitern mit ihren Qualifikationen, Eignungen und Neigungen wird als
interner Beschaffungsmarkt bezeichnet. Der außerhalb des Unternehmens
vorhandene Markt an für die ausgeschriebene Stelle qualifiziertem und
geeignetem Personal kennzeichnet den externen Beschaffungsmarkt.
„ Dabei sollte eine externe Stellenbesetzung erst dann ins
Auge gefasst werden, wenn intern kein geeigneter Mitarbeiter zur Verfügung
steht. Es gehört zu einer modernen Führungskultur, der internen
Stellenbesetzung grundsätzlich den Vorrang einzuräumen, also freie Stellen
bevorzugt aus den eigenen Reihen zu besetzen “ (Fröhlich, 2001,
S. 141).
1. Interne Personalbeschaffung
Die innerbetriebliche Personalbeschaffung gewinnt in
Unternehmen zum einen mehr und mehr an Bedeutung, da die Mitarbeiter verstärkt
an der Entwicklung der eigenen Karriere interessiert sind und zum anderen, da
auf dem externen Beschaffungsmarkt nicht die notwendigen Arbeitskräfte mit den
geforderten Qualifikationen vorhanden sind. Dabei unterscheidet man eine
interne Bedarfsdeckung mit oder ohne Personalbewegung bzw. Änderung bestehender Arbeitsverhältnisse
(Jung, 2001,
S. 130).
Ziele der internen
Personalbeschaffung sind
-
die Minimierung von Einarbeitungskosten,
-
synergetische Nutzung von Kenntnissen des Personals
über das Unternehmen z.B. hinsichtlich der Unternehmenskultur,
-
Realisation von Aufstiegsangeboten als Teil des
akquisitorischen Potenzials. Dabei stellt akquisitorisches Potenzial die
Menge aller Vorteile dar, die ein Beschäftigungsverhältnis mit einer
Unternehmung dem einzelnen Mitarbeiter bietet (Drumm, 2000,
S. 315 ff.).
Beschaffungswege und -medien entfallen bei der internen
Beschaffung weitgehend, da sich der Prozess der Personalwerbung auf
betriebsinterne Medien beschränkt.
Beschaffungsorte können die Ausprägung betriebsintern,
unternehmensweit, konzernweit, national oder international aufweisen. Die informatorische Untermauerung und
Kommunikation der internen Beschaffung kann in Form der Homepage bzw.
Internet oder des nur für Mitarbeiter zugänglichen Intranets oder durch die
Betriebszeitschrift erfolgen.
Zu beachten ist darüber hinaus, dass der Betriebsrat eine
interne Stellenausschreibung nach § 93 BetrVG verlangen kann.
Für eine langfristige
interne Beschaffungsplanung sollte eine Kopplung mit Laufbahn- und
Karriereplanung ergänzt durch Personalentwicklung
angestrebt werden. Hier sollte durch Entwicklungskontrollen und
Mitarbeitergespräche ein notwendiger Raum für die Karriere- und Laufbahnplanung
gewährt werden (Drumm, 2000,
S. 321 ff.).
a) Bedarfsdeckung ohne Personalbewegung
Handelt es sich bei dem Personalbedarf nur um eine
vorübergehende Situation, kann eine Bedarfsdeckung ohne Personalbewegung bzw.
Änderung des Arbeitsverhältnisses in Anspruch genommen werden. Hier hat der
Arbeitgeber die Möglichkeit, den Bedarf durch zusätzliche Arbeitsleistungen
auszugleichen, wie:
-
Mehrarbeit,
-
Überstunden,
-
Urlaubsverschiebung,
-
Flexibilisierung/Verlängerung der betriebsüblichen
Arbeitszeit.
Diese Maßnahmen sind alle mit dem Risiko verbunden, dass bei
zu starker Beanspruchung der Beschäftigten gesundheitliche und soziale Folgen
resultieren können, mag dies auch für die Beschäftigten hinsichtlich des
zusätzlichen Verdienstes positiv erscheinen.
Die Erhöhung des
Qualifikationsniveaus der Mitarbeiter kann als eine vorbeugende Maßnahme
zur Bedarfsdeckung bezeichnet werden. Nicht die Zahl der Mitarbeiter wird
erhöht, sondern deren Qualifikation. Somit können quantitativ und qualitativ
bessere Arbeitsergebnisse und ein flexiblerer Arbeitseinsatz gewährleistet
werden. Vorteil für den Mitarbeiter ist die Chance auf beruflichen Aufstieg,
wie für den Arbeitnehmer die Möglichkeit des flexibleren Arbeitseinsatzes des
Mitarbeiters.
Schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit der internen
Personalbedarfsdeckung durch die Einarbeitung
und Umschulung von Ungelernten und die Qualifizierung von angelernten
Arbeitskräften (Jung, 2001,
S. 131 f.).
b) Bedarfsdeckung mit Personalbewegung
Handelt es sich nicht nur um einen vorübergehenden
Personalbedarf, besteht die Möglichkeit der internen Personalbeschaffung mit Personalbewegung. Hier bestehen die
Möglichkeiten der Umschulung, des Stellenclearings, der Versetzung durch
Weisung oder Änderungskündigung, der innerbetrieblichen Stellenausschreibung, Personalentwicklung
oder Umwandlung von Teilzeit- in Vollzeitverträge bzw. befristeten in
unbefristete Beschäftigungsverhältnisse (Jung, 2001,
S. 132 ff.).
2. Externe Personalbeschaffung
Der Personalmarkt teilt sich in unterschiedliche Teilmärkte
auf, auf denen ein mehr oder minder großes Angebot an Arbeitskräften zur
Verfügung steht. Einige dieser Märkte werden durch einen Mangel an
nachwachsenden und sich qualifizierenden Arbeitskräften charakterisiert. Zum
Beispiel die externe Personalbeschaffung insbesondere von Fach- und
Führungskräften wird in den vergangenen Jahren immer schwieriger, da das
Angebot an Arbeitskräften insbesondere dieses Segments am Markt ständig
geringer wird. Das Unternehmen verfolgt mit der externen Personalbeschaffung
primär die Ziele der Nutzung von
Fähigkeitspotenzialen als Ressource, wenn Potenziale im eigenen Unternehmen
nicht vorhanden sind. Ein weiteres Ziel stellt die Anwerbung von
Berufsanfängern und Auszubildenden dar, um bei diesen Fähigkeitspotenziale für
das eigene Unternehmen aufbauen zu können.
Die externe Personalbeschaffung hat die Teilfunktionen der Information, Auswertung, Auswahl, Einstellung
und Stellenbesetzung der Bewerber.
Die Beschaffungswege und -methoden
sind vielfältig und werden im folgenden Kapitel dargestellt.
Beschaffungsmittel
der externen Personalbeschaffung sind durch das akquisitorische Potenzial
beschränkt. Wobei die Beschaffungszeitpunkte
die Ausprägung vorzeitig, nachträglich und zum Bedarfszeitpunkt aufweisen
können. Die Beschaffungsorte können
sowohl lokale, regionale, überregionale, nationale als auch internationale
Arbeitsmärkte sein (Drumm, 2000,
S. 325 ff.).
Wie Abb. 2 veranschaulicht, hat der Arbeitgeber die
Möglichkeit des Abschlusses neuer Arbeitsverträge oder sich auf die Form der
Fremdarbeitnehmer zu verlassen. Durch einen Werkvertrag mit einem anderen
Betrieb können bestimmte festgelegte Aufgaben nach vertraglicher Vereinbarung
von diesem übernommen und ausgeführt werden. Hingegen unterscheidet sich der
Werklieferungsvertrag dadurch vom reinen Werkvertrag, dass sich der
Fremdarbeitnehmer die Arbeitsmaterialien selbst zu beschaffen hat und das
fertige Werk dem Besteller zu übergeben hat. Innerhalb eines Dienstvertrages
verpflichtet sich der Vertragsnehmer zu einer selbstständigen Arbeit oder
Leistungen, die er weisungsfrei in einem vertraglich vorgesehenen Rahmen erbringt
(Hentze, 1994,
S. 239).
Abb. 2: Wege der Personalbeschaffung (Hentze, 1994,
S. 238; Jung, 2001,
S. 131)
Beim Personalleasing tritt ein personalsuchendes Unternehmen
als Auftraggeber (Entleiher) an einen Verleiher von Arbeitskraft heran, der dem
Unternehmen die Arbeitskräfte zeitweilig gegen eine Leihgebühr überlässt. Der
gesetzliche Begriff hierfür lautet Arbeitnehmerüberlassung
(Bröckermann, 2001,
S. 76 f.).
VI. Methoden und Wege der
Personalbeschaffung
Da sich der Wettbewerb auf dem Rekrutierungsmarkt zunehmend
verschärft und bewährte Konzepte nicht mehr ausreichen, um die passenden
Mitarbeiter zu finden und zu halten, sind neue innovative Methoden und Wege der
Personalbeschaffung gefragt (Kerkow,
/Kipker, 2000a, S. 56). Neben den traditionellen Methoden der
Personalbeschaffung wie Stellenangebote in Printmedien, Arbeitsvermittlung, Personalberatung
und Personalleasing werden hier neue Ideen der Beschaffung von Mitarbeitern
dargestellt (vgl. Abb. 3).
Abb. 3: Methoden der Personalbeschaffung (Bröckermann, 2001,
S. 63 ff.)
1. Stellenanzeigen
Die Stellenanzeigen in
Printmedien sind das herkömmliche Instrument der externen
Personalbeschaffung. Ihr Ziel ist es, eine möglichst breite Zielgruppe
anzusprechen und dabei einen werbewirksamen Effekt zu erzeugen, der sich auf
das Image des Unternehmens positiv auswirkt. Dieses relativ kostspielige
Instrument (10.000 bis 50.000 Euro inklusive Kosten der Anzeige, etwaige Kosten
für Vermittlungsaktivitäten) ermöglicht eine zielgruppengerechte Auswahl des
Anzeigenträgers, der mit einem genauestens abgestimmten Zeitpunkt der
Anzeigenschaltung abgestimmt werden sollte. Von Bedeutung sind die Art der
Anzeige, das Layout (Optik) und in erster Linie die inhaltliche Gestaltung.
Neben den Stellenanzeigen in Printmedien ist auch die Werbung
in Non-Print-Medien üblich. Hier besteht z.B. die Möglichkeit des Aushangs von
Stellenangeboten, Plakatwerbung und Postwurfsendungen, Rundfunk &
Fernsehen, Kinowerbung sowie Videotext und Faxabruf (Bröckermann, 2001,
S. 63 ff., 72).
2. E-recruiting
Stellenanzeigen im
Internet ersetzen zwar noch nicht die Stellenanzeige in Printmedien, finden
aber immer mehr Resonanz insbesondere bei Studierenden, EDV-Experten und
Medienkennern (Migula,
/Alewell, 1999, S. 599; Scholz, 2000,
S. 463). Hier findet man die Möglichkeiten des Gestaltens von Stellenangeboten
auf der eigenen Homepage, welches eine Kopplung mit einem Self-Assessment
(Selbsttest) der Teilnehmer, Web-Spielen als Einstiegstests (Crusius, 2000,
S. 44), Bewerbungsformularen als Web-form aufweisen kann. Diese Form des
Werbens von Mitarbeitern über das Internet wird auch als E-recruiting
bezeichnet.
Weitere Formen des E-recruiting sind z.B. die Werbung auf
Bannern mit dem Index der Stellenangebote bzw. mit einem konkreten Jobangebot,
das Angebot vakanter Stellen über Jobbörsen, Werben in einer Virtual Community
im Internet (Interessengemeinschaft, die sich in Newsgroups oder
Diskussionsforen trifft. Beispiel: Junge Karriere) (Bröckermann, 2001,
S. 67 ff.).
3. Arbeitsvermittlung
Die Arbeitsvermittlung ist vor allem für kurzfristigen
Arbeitskräftebedarf eine häufig gewählte Lösung. Der bekannteste gesetzliche
Arbeitsverwalter ist die Arbeitsagentur. Daneben existieren noch die
Landesstellen für Arbeitsvermittlung und Fachvermittlung, die sich mit der
Vermittlung von Fachschul-, Fachhochschul- und Universitätsabsolventen sowie
besonders qualifizierten Fach- und Führungskräften beschäftigt. Daneben
veröffentlicht die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung einen zentralen
Stellenanzeiger und ist zuständig für die Vermittlung ins Ausland.
Private Arbeitsvermittler sind durch eine behördliche
Genehmigung befugt, Arbeit Suchende an Unternehmen und an Unternehmen
Arbeitnehmer zu vermitteln. Da sie sich meist auf ein bestimmtes
Qualifikationssegment spezialisiert haben, können sie sehr kundenorientiert
arbeiten (Bröckermann, 2001,
S. 73 f.).
4. Personalberatung
Die Personalberatungsdienstleistungs-Branche auch unter dem
Namen Direct-/Executive-Search bekannt, wächst zur Zeit stetig an (Steppan, 2000,
S. 34 f.). Hinter der Personalberatung
verbirgt sich die Beratung eines die Personalberatung beauftragenden
Unternehmens hinsichtlich des sog. Head-Huntings (Direktansprache oder
Abwerbung von Fach- und Führungskräften) (Bröckermann, 2001,
S. 74 ff.).
5. Sourcing
Sourcing oder auch Posting bezeichnet die Ausschreibung
offener Stellen und die zielgerichtete Recherche nach Kandidaten für offene
Stellen. Diese Suche kann erfolgen durch:
-
Die Auswertung unaufgeforderter Bewerbungen
(Initiativbewerbungen),
-
Recherche in Stellengesuchen,
-
Recherche in elektronischen Stellenbörsen,
-
Hochschulmarketing,
-
Absolventenkongresse/Rekrutierungsmessen, insbesondere
sind hier innovative und witzige Ideen gefragt, um die Absolventen auf das
Unternehmen aufmerksam werden zu lassen (Kerkow,
/Kipker, 2000b),
-
Scouting (Personalbeschaffung in Bildungseinrichtungen
durch Vorträge von Personalverantwortlichen und anschließende Aufforderung
zur Bewerbung),
-
Absolventenkataloge von Hochschulen,
-
Internet-Sourcing von Absolventenkatalogen im
Internet,
-
Networking in der gefragten Szene,
-
Party-Sponsoring,
-
Firmenbesichtigungen durch Schulklassen (Freund, 2001,
S. 63; Bröckermann,
2001, S. 75 f.).
6. Personalleasing
Personalleasing, auch Zeitarbeit genannt, ist besonders
geeignet für absehbare, zeitlich begrenzte Bedarfssituationen. „ Beim
Personalleasing wird der beim Unternehmen Beschäftigte – unter Aufrechnung des
zwischen beiden Parteien geschlossenen Arbeitsvertrages – einem Dritten
vorübergehend zur Verfügung gestellt “ (Scholz, 2000,
S. 465 ff.). Diese Form der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung
wird durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) geregelt.
7. Goodwill
Goodwill bezeichnet die Werbung von Personal aufgrund von
Mund-Werbung/Mund-zu-Mund-Propaganda. Mitarbeiter des Unternehmens erfahren von
einer zu besetzenden Position in ihrem Unternehmen und verbreiten im Bekannten-
und Freundeskreis die Nachricht. Dies funktioniert nur bei positivem Image des
Unternehmens und einer Unternehmenskultur, die es den Mitarbeitern ermöglicht,
sich voll mit dem Unternehmen zu identifizieren (Bröckermann, 2001,
S. 73).
8. Hochschulmarketing
Hochschulmarketing verfolgt die Strategie der Werbung von
Fach- und Führungsnachwuchskräften an Hochschulen. Dies kann unterschiedliche
Ausprägungen annehmen, durch die die Studierenden oder Absolventen mehr oder
minder stark an das Unternehmen gebunden werden, bevor sie dort beschäftigt
sind. Die Gestaltungsmöglichkeiten des Hochschulmarketings sind Folgende:
-
Hochschultage im Unternehmen,
-
Fachvorträge durch Unternehmensangehörige,
-
Aushänge,
-
Studierendenbetreuungsprogramme,
-
Anzeigen in Hochschulpublikationen,
-
Präsenz von Personalfachleuten auf Fachmessen,
-
Mitarbeit an Hochschulgremien,
-
Schenkungen/Spenden,
-
Firmenguide für Bewerber,
-
Besichtigungen und Exkursionen,
-
Unternehmenspräsentationen,
-
Stipendien,
-
Unterstützung bei Dissertationen,
-
Zusammenarbeit bei praxisbezogenen Studien- und
Diplomarbeiten,
-
Probearbeitsverhältnisse,
-
Praktikumsplätze,
-
Hochschulmessen (alle nach Hentze, 1994,
S. 246),
-
Konzentration auf kleine Universitäten (Kerkow,
/Kipker, 2000b),
-
Recruitment via Qualifizierungsprojekt (Koschitzky,
von, 2000, S. 20).
VII. Beschaffungspolitische
Grundsätze
Um eine dauerhafte Leistungsfähigkeit der ausgewählten
Mitarbeiter zu gewährleisten, ist dem neigungsgerechten Mitarbeitereinsatz bei
der Zielsetzung, die Mitarbeiterpotenziale bestmöglich auszuschöpfen, eine
besondere Rolle beizumessen.
Oftmals klagen Führungskräfte darüber, dass vom
Qualifikationsprofil bestens geeignete Mitarbeiter die an sie gestellten
Leistungserwartungen nicht erfüllen. Dabei sind vorrangig zwei Aspekte von
Bedeutung: Zum ersten werden die Aufgaben in Aufgabenbeschreibungen oftmals
nicht realistisch formuliert, sondern möglichst euphemistisch dargestellt, um
qualifizierte Kandidaten zu „ locken “ . Andererseits entspricht die Aufgabe nicht
den subjektiv geprägten Erwartungen des neuen Mitarbeiters. Dies kann man als
einen nicht neigungsgerechten Mitarbeitereinsatz bezeichnen, der mit hoher
Wahrscheinlichkeit zu Motivationsblockaden führen kann und somit negative
Folgen auf die Leistungsbereitschaft und das Leistungsverhalten haben kann.
Die Schlussfolgerung, dass Mitarbeiter, die sich auf eine
freie Stelle bewerben, über eine hohe Neigung verfügen, ist unzulässig.
Denkbare Problemlösungen für den mitarbeiterorientierten Einsatz sind erstens
eine größere Selbststeuerung und Selbstverantwortung jedes einzelnen
Mitarbeiters und zum zweiten der jeweiligen Organisationseinheit, die der
Führungskraft direkt zugeordnet ist. Dem Mitarbeiter sollte bei der ersten
Lösung die Möglichkeit gegeben werden, Verbesserungsmöglichkeiten, die den
eigenen Arbeitsplatz betreffen, einbringen zu können und Hindernisse für die
Leistungsmotivation sanktionsfrei aussprechen zu können. Da sich das Vermeiden
von ungeliebten Aufgaben schwierig gestalten kann, erscheint es sinnvoll, in
einem weiteren Schritt alle Mitarbeiter einer Organisationseinheit in den
neigungsgerechten Mitarbeitereinsatz einzubeziehen. In einem Workshop können
die Aufgaben so umverteilt werden, dass jeder seinen Neigungen gerecht werdende
Aufgaben zugeteilt bekommt (Fröhlich, 1999,
S. 9 ff.; Fröhlich, 2001,
S. 141 f.) (a.a. Arbeitsgestaltung).
In der Phase während der Vertragsunterzeichnung sollte der
neue Mitarbeiter bereits stark integriert werden, da sich heute auch durch
einen Vertragsabschluss nicht mehr garantieren lässt, dass der Mitarbeiter die
Stelle tatsächlich antritt. Hier kann ein persönlicher Ansprechpartner dazu
beitragen, dass sich der Mitarbeiter nicht nach der Phase der intensiven
Umwerbung und der Vielzahl von Kontaktpartnern bei der Entscheidung allein
gelassen fühlt. Oft ist es schon mit einem Anruf oder einer Einladung zur
Klärung von offenen Fragen getan (Kerkow,
/Kipker, 2000a, S. 56 f.; Kerkow,
/Kipker, 2000b, S. 192 f.).
VIII. Ausblick
„ Die Zeiten, in denen ein Stelleninserat eine Flut von
Bewerbungen auslöste, gehören der Vergangenheit an. Innovative Wege der
Personalbeschaffung sind nötig “ (Furkel, 1999,
S. 6). Neue Anforderungen an die Personalabteilungen sind: Schnelligkeit,
Reaktionsvermögen und Eigeninitiative beim Auffinden neuer Rekrutierungswege. Personalmarketing
und -rekruting haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, da die
Konkurrenz der Unternehmen um hoch qualifizierte Nachwuchskräfte bei steigenden
Erwartungen der potenziellen Mitarbeiter sich stark intensiviert hat.
Innovative Rekrutierungsmethoden haben oftmals Kostenvorteile gegenüber den
herkömmlichen Auswahlverfahren wie z.B. Assessment
Center. Für die Rekrutierung eines Hochschulabsolventen (von der
Stellenanzeige bis zum Assessment
Center) sind durchschnittlich 13.000 Euro zu veranschlagen (Furkel, 1999,
S. 6).
Im Bewerbungsgespräch und den ersten Mitarbeitergesprächen
ist es unabdinglich für Führungskräfte,
die beidseitigen subjektiven und objektiven Blickwinkel hinsichtlich der
Anforderungen, Ziele und Arbeitsaufgaben in Übereinstimmung zu bringen. Gelingt
dies, dann können Führungskraft und Mitarbeiter eine lang anhaltende gemeinsame
„ Freude “ an der Zusammenarbeit haben. Für die Führungskraft gilt es
insbesondere, den Mitarbeiter nicht nur einzustellen, sondern auch an das
Unternehmen zu binden. Dies kann zum einen durch eine offene
Kommunikationskultur zwischen Führungskraft und Mitarbeiter gefördert werden,
als auch durch personenbezogene Personalentwicklung
und Anpassungsqualifizierung, sowie langfristig durch die Laufbahn- und
Karriereplanung.
Literatur:
Bröckermann, R. : Personalwirtschaft:
Lehrbuch für das praxisorientierte Studium, 2. A., Stuttgart et al. 2001
Büdenbender, U./Strutz, H. :
Gabler-Lexikon Personal: Personalwirtschaft, Personalmanagement, Arbeits- und
Sozialrecht, Wiesbaden 1996
Crusius, M. : E-Business Personal:
Jobs und Spiele, in: Personalwirtschaft, H. 10/2000, S. 44 – 47
Drumm, H. J. : Personalwirtschaft, 4.
A., Berlin et al. 2000
Freund, M. : Kopfgeldjäger, in:
Netinvestor, H. 2/2001, S. 62 – 67
Fröhlich, W. : Zukunftsvisionen
moderner Personalarbeit: Effiziente Personalarbeit durch Kunden- und
Problemlösungsorientierung, in: Effiziente Personalarbeit, hrsg. v. Fröhlich,
W., Neuwied 1999, S. 3 – 19
Fröhlich, W. : Führung und
Personalmanagement: Erfolgsfaktoren der betrieblichen Zusammenarbeit, 2. A.,
München, Mering 2001
Furkel, D. : Personalsuche: Auf dem
Weg zu neuen Mitarbeitern, in: Personalmagazin, H. 2/1999, S. 6 – 9
Hentze, J. : Personalwirtschaftslehre
1, Grundlagen, Personalbedarfsermittlung, -beschaffung, -entwicklung und
-einsatz, 6. A., Bern, Stuttgart et al. 1994
Jobline.de, : Online-Umfrage:
Umsteiger suchen Herausforderung, in: Personalmagazin, H. 4/2001, S. 52
Jung, H. : Personalwirtschaft, 4. A.,
München, Wien et al. 2001
Kerkow, H./Kipker, I. :
Personalrekrutierung: Mehr persönlicher Kontakt, in: Personalwirtschaft, H.
3/2000a, S. 56 – 57
Kerkow, H./Kipker, I. :
Paradigmenwechsel bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften, in: Personal, H.
4/2000b, S. 192 – 194
Klimecki, R./Gmür, M. :
Personalmanagement: Strategien – Erfolgsbeiträge – Entwicklungsperspektiven, 2.
A., Stuttgart 2001
Koschitzky, M. von : Recruitment via
Qualifizierungsprojekt, in: Personalführung, H. 2/2000, S. 20 – 25
Maess, K. : Personal-Jahrbuch 2001.
Wegweiser für zeitgemäße Personalarbeit, Neuwied et al. 2001
Mentzel, W./Dürr, C. : Lexikon der
Personalpraxis, Planegg 1997
Migula, C./Alewell, D. :
Internet-Stellenanzeigen als Medium der Personalbeschaffung, in: Personal, H.
12/1999, S. 599 – 603
Scholz, C. : Personalmanagement:
informationsorientierte und verhaltenstheoretische Grundlagen, 5. A., München
2000
Stelzer-Rothe, T./Hohmeister, F. :
Personalwirtschaft, Stuttgart et al. 2001
Steppan, R. : \'War for Talents\' sorgt
für Boom beim Headhunting, in: Personalführung plus, H. 2/2000, S. 34 – 36
Weber, W./Mayrhofer, W./Nienhüser, W.
: Taschenlexikon Personalwirtschaft, Stuttgart 1997
|