Inhaltsübersicht
I. Grundlagen
der CI
II. Der
CI-Prozess
III. CI
und Marketing
IV. Spezialaspekte
der CI
V. Zusammenfassende
Bewertung des CI-Konzeptes
I. Grundlagen der CI
1. Begriff der CI
Der Begriff der Corporate
Identity (CI) wird in Wissenschaft und Praxis uneinheitlich verwendet. Ein
wesentlicher Grund hierfür ist in dem Umstand zu sehen, »dass bisher noch keine
anerkannte und allgemeingültige Theorie vorliegt, die so umfassend, präzise und
in sich schlüssig wäre, dass man bei seiner Argumentation darauf zurückgreifen
könnte« (Merkle, W.
1992, S. 30).
Als allgemeine Definition hat sich der Ansatz von Birkigt/Stadler durchgesetzt: Corporate
Identity ist »die strategisch geplante und operativ eingesetzte
Selbstdarstellung und Verhaltensweise eines Unternehmens nach innen und außen
auf Basis einer festgelegten Unternehmensphilosophie, einer langfristigen
Unternehmenszielsetzung und eines definierten (Soll-)Images – mit dem Willen,
alle Handlungsinstrumente des Unternehmens in einheitlichem Rahmen nach innen
und außen zur Darstellung zu bringen« (Birkigt,
K./Stadler, M. M. 1992, S. 18).
Die Corporate Identity ist von dem Corporate Image zu
unterscheiden: »Corporate Identity bezeichnet das Selbstbild des Unternehmens,
Corporate Image dagegen sein Fremdbild. Image ist also die Projektion der
Identity im sozialen Feld« (Birkigt,
K./Stadler, M. M. 1992, S. 23).
2. Unterschiedliche Auffassungen der CI
Unterschiedliche Auffassungen bestehen vor allem über den
Zusammenhang zwischen CI und dem häufig gleichzeitig genannten Begriff der
»Unternehmensidentität« sowie über die Bewertung der CI im
Gesamtunternehmenskontext.
Garbett betont, dass alle Unternehmen über eine
Identität und ein Image verfügen: »All corporations have an identity and
project an image of some sort, whether they are aware of it or not« (Garbett, T. 1988, S. 3). Die CI muss bei einem solchen Verständnis nicht
unbedingt geplant sein, sondern existiert grundsätzlich in jedem Unternehmen.
Demgegenüber steht das Verständnis, dass ein Unternehmen immer eine
Unternehmensidentität habe, eine Corporate Identity jedoch nur bestehe, wenn es
systematische Gestaltungsbemühungen gebe in Richtung einer Soll-Identität (Merkle, W.
1992; Schneider, F.
1991). Eine solche eindeutige Trennung zwischen dem deutschen Begriff
»Unternehmensidentität« und dem englischen Ausdruck »Corporate Identity«, wie
sie vor allem in der wissenschaftlichen Diskussion zu finden ist, führt jedoch
zu Begriffsunklarheiten und wird insb. in der Unternehmenspraxis nicht
wahrgenommen. Im Folgenden wird daher Corporate Identity synonym zu der
Unternehmensidentität verwendet.
Weiterhin wird die Meinung übernommen, dass eine CI
(respektive Unternehmensidentität) in jedem Unternehmen existiert, wobei diese
historisch entstanden, aber auch systematisch im Rahmen eines CI-Prozesses
entwickelt sein kann (Scheuch, F.
1987).
Die zweite Gruppe von unterschiedlichen Auffassungen betrifft
die Bewertung der CI im Gesamtunternehmenskontext. Nach Scheuch sind die Inhalte des CI-Gedankens nichts grundsätzlich
Neues, sondern die Analyse von Erfolgsgeschichten von Unternehmungen mit
zumeist gewachsenen »Identitäten« und die Übertragung der gewonnenen
Erkenntnisse auf andere Unternehmen (Scheuch, F.
1987).
Raffée/Wiedmann
stellen die Corporate Identity in den Kontext eines integrierten
Kommunikations-Managements und wiesen auf zwei »Interpretationsvarianten« des
Begriffes Corporate Identity hin: Corporate Identity als Unternehmensidentität
und Corporate Identity als strategisches Orientierungskonzept (Raffée,
H./Wiedmann, K.-P. 1993). Sie betonen im Zusammenhang mit der Kommunikationspolitik,
»dass sowohl CI im Sinne eines strategischen Orientierungskonzepts als auch die
in spezifischer Weise ausgeformte Identität
eines Unternehmens jeweils eine wichtige Basis«
darstellt (Raffée,
H./Wiedmann, K.-P. 1993, S. 45). Wiedmann
führt aus, dass die CI als ein allgemeines Orientierungskonzept der gesamten
strategischen Unternehmensplanung zu begreifen sei (Wiedmann,
K.-P. 1989). Als Kernaufgabe sieht er die Entwicklung eines
Identitätsentwurfs (Wiedmann,
K.-P. 1989). Nieschlag/Dichtl/Hörschgen
verstehen CI als konsequente Weiterentwicklung des Public-Relations-Gedankens:
»Ausschlaggebend hierfür war die immer wider gemachte Erfahrung, dass es insb.
bei einem heterogenen Firmenimage nicht genügt, irgendwelche positiven
Leistungen eines Unternehmens mittels Firmenwerbung und PR-Maßnahmen
herauszustellen. Vielmehr sind das gesamte Erscheinungsbild eines Betriebes
sowie das Verhalten aller auf ein definiertes Soll-Image hin auszurichten« (Nieschlag,
R./Dichtl, E./Hörschgen, H. 1991, S. 497).
In der Unternehmenspraxis wurde und wird häufig die Corporate
Identity mit Corporate Design, d.h.
mit dem äußeren Erscheinungsbild von Unternehmen, sei es auf Briefbögen, bei
Werbeanzeigen oder Firmenbauten, gleichgesetzt bzw. diese beiden Elemente
werden in den Vordergrund gerückt (Wiedmann,
K.-P./Jugel, S. 1987).
Grundsätzlich bleibt bei den unterschiedlichen Sichtweisen
der CI zu klären, ob von der Corporate Identity als »Strategie« gesprochen
werden soll oder eher von einem »CI-Konzept«.
Insgesamt erscheint es als nicht sinnvoll, die CI als
Strategie zu versehen, da dadurch eine Überbewertung ihrer Erfolgspotenziale
vorgenommen wird. Bei dem Verständnis als Strategie erfolgt zudem eine
Gesamtbetrachtung der CI, was wenig sinnvoll ist, da, wie noch gezeigt werden
wird, einzelne Instrumente der CI separat eingesetzt werden können, um z.B.
eine gewünschte Identität und ein Soll-Image zu erreichen. Die Entscheidungen
zur Identität und dem Soll-Image haben natürlich von ihren Inhalten her, gerade
wenn es um die Festlegung einer Soll-Identität und eines Soll-Images geht,
strategischen Charakter. Die Umsetzung erfolgt jedoch über die CI-Instrumente,
die operativen Charakter haben. Somit liegt eine Geschlossenheit von CI im
Sinne einer Strategie nicht vor.
Bei dem Verständnis der CI als »Konzept« wird dagegen betont,
dass die für das Unternehmensimage relevanten Aspekte in einen Analyse- und
Aktivitätenrahmen eingebunden werden, mit welchem systematisch unternehmensspezifische
CI-Konzepte entwickelt und durchgesetzt werden können. In der Systematisierung
und Strukturierung der identitätsrelevanten Aspekte ist das Hauptverdienst der
CI-Diskussion zu sehen. Die Sichtweise der CI als Konzept wird hier unterstützt.
3. Aufgaben, Inhalte und Wirkungen der CI
Raffée/Wiedmann
nennen drei Aufgabenbereiche der CI: »Identitätsfindung und -bestimmung,
Identitätsgestaltung oder -sicherung sowie Identitätsvermittlung« (Raffée,
H./Wiedmann, K.-P. 1993, S. 53). Die Frage, in welche Richtung ein
Unternehmen nun konkret zu arbeiten hat, entscheidet sich in Abhängigkeit von
der vorliegenden Situation. Alternative Stoßrichtungen der CI-Arbeit können die
»Korrektur des Selbstbildes«, die »Korrektur des Fremdbildes«, die »Korrektur
der Identitätserwartungen« und die »Korrektur der Unternehmensidentität« sein (Raffée,
H./Wiedmann, K.-P. 1993, S. 55).
Zur Umsetzung der genannten Aufgaben verfügt das Konzept der
Corporate Identity über drei Instrumente, die zu einem Identitäts-Mix
zusammengefasst werden: das Unternehmens-Verhalten (Corporate Behaviour), das Unternehmens-Erscheinungsbild (Corporate Design) und die
Unternehmens-Kommunikation (Corporate
Communications). Sie dienen als Medium für die Vermittlung der
Unternehmens-Persönlichkeit gegenüber den internen und externen Zielgruppen (Birkigt,
K./Stadler, M. M. 1992) (s. Abb. 1).
Das Corporate Behaviour beinhaltet sämtliche
»konzeptverträgliche Verhaltensweisen« des Unternehmens (Suckrow, C.
1992, S. 179). Es ist von besonderer Bedeutung, da nicht nur das visuelle
Erscheinungsbild bzw. die Kommunikation, sondern auch das schlüssige Handeln
des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern und seinen externen Partnern
Identität schafft (Birkigt,
K./Stadler, M. M. 1992). »Nicht so sehr das, was sie sagt oder wie
sie aussieht, sondern das, was sie tut, macht die Person« (Birkigt,
K./Stadler, M. M. 1992, S. 21 f.). Dies trifft auf Unternehmen
analog zu.
Abb. 1: Die Instrumente der CI
Unter Corporate Communications wird der systematisch
integrierte Einsatz aller Kommunikationsinstrumente des Unternehmens
verstanden. Angestrebt werden durch die Corporate Communications synergetische
Effekte insb. im Bereich der Kommunikationswirkungen, wobei gewünschte
Imagewirkungen im Vordergrund stehen (Hermanns, A.
1992). Im Vergleich zur PR stellt Corporate Communications ein erweitertes
Konzept dar, da alle Kommunikationsmaßnahmen im Feld der Öffentlichkeitsarbeit
und der Absatz- und Beschaffungspolitik zu einem umfassenden Kommunikations-Mix
kombiniert werden sollen (Raffée,
H./Wiedmann, K.-P. 1985).
Das Corporate Design umfasst alle visuell-stilistischen
Ausdrucksformen des Unternehmens, vor allem bezüglich der Gestaltung der
eingesetzten Schriften, Symbole und Farben. Corporate Design zielt als Variante
der Bildkommunikation auf die Erzeugung eines stets gleichen und damit
einprägsamen Unternehmensbildes (Kramer, S.
1992). Es wird häufig in einem »CI-Manual« zusammengefasst, in dem Vorgaben für
den Einsatz von Firmenlogos, Briefköpfen etc. festgehalten sind.
Das Corporate Design hat von den drei Komponenten des CI in
der Praxis die weiteste Verbreitung gefunden (Wiedmann,
K.-P./Jugel, S. 1987). Die Corporate Communications erlangen im
Rahmen der Ansätze zur integrierten
Kommunikation an Bedeutung und auch Beachtung. Am wenigsten systematisch
wird bei dem Corporate Behaviour angesetzt, das als das »Stiefkind im Corporate
Identity-Mix« bezeichnet werden kann (Suckrow, C.
1992).
Insgesamt muss betont werden, dass Corporate Identity nur
funktionieren kann, »wenn das Identitäts-Mix zur individuellen Konzeption
geformt wird. Die Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes allein genügt nicht
mehr. Nur das Identitäts-Mix kann auf Dauer Corporate Identity konstruieren,
nicht Gestaltungsrichtlinien, Firmenschriftzüge oder Firmenslogans allein« (Birkigt,
K./Stadler, M. M. 1992, S. 36). Diese Aussage wird von Häusel plastisch formuliert: »Ein
Corporate Design ist wie ein Kleidungsstück – es unterstützt die
Persönlichkeit, definiert sie aber nicht« (Häusel, H. G.
1991, S. 29).
Als Wirkung von CI wird angenommen, dass sie einen positiven
Beitrag zum Unternehmenserfolg liefert. Dabei kann zwischen unternehmensinternen
und unternehmensexternen Wirkungen unterschieden werden (Gutjahr,
G./Keller, I. 1992; Klage, J. P.
1991; Merkle, W.
1992). Unternehmensintern wird davon ausgegangen, dass eine klare CI z.B. durch
Vermittlung eines »Wir-Gefühls« eine bessere Identifikation und Motivation der
Unternehmensangehörigen mit dem Unternehmen und damit zusammenhängend ein
effektiveres und effizienteres Arbeiten in der Unternehmung zur Folge hat (Klage, J. P.
1991). Eine der unternehmensexternen Wirkungen der Corporate Identity ist die Abhebung
gegenüber dem Wettbewerb: »Corporate Identity can set a company apart from
competition in a way that is hard to duplicate« (Ackermann, L.
1988, S. 28). Dies kann z.B. durch nonverbale Kommunikation im Rahmen des
Corporate Designs und der Corporate Communications oder durch direkte
Interaktion mit den Unternehmenspartnern im Rahmen des Corporate Behaviours
geschehen. Das unternehmensexterne Ergebnis der CI ist ein bestimmtes Image,
welches, wenn es positiv ist, einen Beitrag zum Unternehmenserfolg (z.B. zum
Umsatz, Ertrag) liefert. Empirische Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass
ein solcher Zusammenhang besteht (Klage, J. P.
1991; Hinterhuber,
H. H./Höfner, K./Winter, L. G. 1989). Eine Quantifizierung des
CI-Beitrages zum Unternehmenserfolg ist allerdings nicht möglich (Klage, J. P.
1991).
4. Situationen der systematischen Beschäftigung
mit CI
Die Beschäftigung mit der CI hat in bestimmten Situationen
eine herausragende Bedeutung für ein Unternehmen. Generell kann jedoch nicht
davon ausgegangen werden, dass sich jedes Unternehmen intensiv mit seiner
Corporate Identity beschäftigen muss und andernfalls in kürzester Zeit »in den
Ruin liefe«. Es gibt jedoch Unternehmenssituationen, bei denen eine
systematische Entwicklung einer CI von besonderer Bedeutung ist. Z.B. gewinnt
der bewusste Einsatz von CI-Konzepten tendenziell an Bedeutung, wenn
Informations- und Konsistenzprobleme strukturbedingt stark ausgeprägt sind (Scheuch, F.
1987). Dies ist häufig der Fall bei folgenden Beispielen:
-
„ Großorganisationen mit hoher Mitarbeiterzahl,
-
kooperative Organisationen selbstständiger Personen
und Unternehmungen (Genossenschaften, Dachverbände, Berufs- und
Interessenvertretungen etc.),
-
nationale und internationale Unternehmungen und
Kooperationsformen mit regionaler Dezentralisierung (Konzernunternehmungen,
Filialunternehmungen, Franchise-Systeme),
-
Unternehmungen, die aufgrund ihrer Brancheneigenart in
vielen Betriebsbereichen direkten Kundenkontakt haben
(Dienstleistungsanbieter, Handels- und Gewerbebetriebe) “ (Scheuch, F.
1987, S. 36).
Weitere wichtige Situationen der systematischen Beschäftigung
mit der CI sind Fusionen und Zusammenschlüsse, um über die CI eine gemeinsame
Unternehmensidentität der beteiligten Unternehmen zu schaffen (Klage, J. P.
1991).
II. Der CI-Prozess
1. CI-Entwicklung in prozessualer Sichtweise
Wenn die Erfordernis der Entwicklung einer Corporate Identity
besteht, bietet es sich an, diese als Projekt durchzuführen. Teilweise wird
Corporate Identity selbst als »Prozess« verstanden: »Corporate Identity ist der
Prozess, durch den kulturelle Identität entsteht und weiterentwickelt wird« (Schneyder, A.
B. 1991, S. 261). Eine solche Begriffsverwendung führt jedoch zu
Unklarheiten. Daher ist es sinnvoller, zwischen der Corporate Identity als Konzept und dem CI-Prozess als dem Prozess der systematischen Entwicklung einer CI
für ein bestimmtes Unternehmen zu unterscheiden. In dem CI-Prozess werden vor
dem Hintergrund von Ist-Persönlichkeit
und Ist-Image die Soll-Persönlichkeit und das Soll-Image als Positionierungsziel für
das Unternehmen festgelegt, um zur angestrebten Deckungsgleichheit zwischen
Selbstbild und Fremdbild eines Unternehmens bei sämtlichen internen und
externen Zielgruppen zu kommen (Hermanns, A./Püttmann,
M. 1993; Schneider,
D.J. G. 1989).
Dabei sind folgende internen und externen Faktoren zu
berücksichtigen:
-
„ aktuell gelebte Unternehmenskultur
-
Unternehmensmission bzw. Unternehmensphilosophie als
manifestiertes Selbstverständnis des Top-Managements
-
Selbstverständnis der Mitarbeiter
-
Erwartungen der verschiedenartigen internen und
externen Zielgruppen bzw. -personen an das Unternehmen
-
aktuelles Image bei den Zielpersonen
-
Positionierung der Wettbewerber bei diesen
Zielpersonen “ (Hermanns,
A./Püttmann, M. 1993, S. 27).
Allgemein kann über den CI-Prozess gesagt werden, dass es
sich um sehr komplexe als auch arbeits- und kostenintensive Projekte handelt.
2. Die Prozessphasen
Eine Phaseneinteilung und -beschreibung des CI-Prozesses
findet sich in vielfältiger Form (Achterholt,
G. 1988; Ackermann, L.
1988; Klage, J. P.
1991; Renner, S. G.
1991; Schneider, F.
1991; Segler, K.
1989; Wirtz, J.
1992; Kroehl, H.
1994). Ein allgemeines, an den Phasen der Entscheidungstheorie angelehntes
Schema des CI-Prozesses stellt Abb. 2
dar.
Abb. 2: Phasenschema des CI-Prozesses
3. Erfolgsfaktoren des CI-Prozesses
Die erfolgreiche Entwicklung und vor allem die Umsetzung
einer CI im Unternehmen hängt von einer Reihe von Erfolgsfaktoren ab.
Allgemeine Anforderungen für die erfolgreiche Durchführung eines CI-Projektes
sind nachstehend angeführt:
-
»Beharrlichkeit und realistische Einschätzung des
Machbaren als Vorbedingung
-
Festlegung eines klaren Orientierungsrahmens und
Schaffung geeigneter organisatorischer Voraussetzungen (z.B. Integration der
Unternehmensleitung in das CI-Projekt; Partizipation der Mitarbeiter;
Einbeziehung externer Berater in das CI-Projekt)
-
Ganzheitliches Denken und Früherkennung als Maximen
einer systematischen Identifikation relevanter Herausforderungen an die
Identitätsgestaltung und -vermittlung
-
Die Vermittlung der neu bestimmten Unternehmensphilosophie
im Rahmen einer umfassenden \'Kulturpolitik\'
-
Installation eines Corporate Identity-Controlling« (Wiedmann,
K.-P./Jugel, S. 1987, S. 193 ff.).
Die besondere Bedeutung eines hohen Partizipationsgrades der
betroffenen Mitarbeitet, der Voraussetzung für den Erfolg der entsprechenden
Maßnahmen ist, hebt Wirtz hervor (Wirtz, J.
1992). Einschränkend muss jedoch angemerkt werden, dass sich viele CI-Projekte
auf die Erstellung eines Corporate Designs beschränken und als Hauptergebnis
ein CD-Manual hervorbringen. In einem solchen Fall ist eine Partizipation der
Mitarbeiter eher prozessbehindernd.
Wilkening betont
die Bedeutung der Umsetzung der entwickelten CI auf allen Unternehmensebenen,
um den Erfolg der entwickelten CI sicherzustellen. Dabei geht ein besonderer
Einfluss von den Führungskräften aus, die auch in Bezug auf die CI eine
Übermittlungsfunktion zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft ausüben (Wilkening,
H.-R. 1992).
III. CI und Marketing
1. Bedeutung der CI für das Marketing
CI wird als ein für den langfristigen Unternehmenserfolg
relevantes Konzept angesehen. Versteht man unter Marketing in allgemeiner Form
die »marktorientierte Führung eines Unternehmens«, so sind alle für den
Markterfolg des Unternehmens wichtigen Aspekte auch für das Marketing von
Bedeutung, also ebenfalls die CI.
Sie wendet sich an interne und externe Zielgruppen mit der
Zielsetzung, »alle Handlungsinstrumente des Unternehmens in einheitlichem
Rahmen innen und außen zur Darstellung zu bringen« (Birkigt,
K./Stadler, M. M. 1992, S. 18). Insofern bewegt sich das CI-Konzept
auf einer Metaebene und kann als Rahmenbedingung (Orientierungssystem) für das
Marketing aufgefasst werden, an dem die Entscheidungen des strategischen und
operativen Marketing ausgerichtet werden müssen.
2. CI und Strategisches Marketing
In einer weiten Sichtweise kann festgestellt werden, dass
Marketingstrategien von Unternehmen generell in dem durch die CI gesteckten
Rahmen ausgewählt werden müssen, da es ansonsten zu Unstimmigkeiten bzw. kognitiven
Dissonanzen bei den Zielgruppen kommen wird. In einer engeren Sichtweise
besteht der Zusammenhang zwischen Corporate Identity und strategischen
Entscheidungen im Marketing darin, »dass Grundsätze festzulegen sind,, welche
die Kommunikationsinhalte gegenüber wesentlichen Adressaten wie Eigentümern,
Kapitalgebern, Kunden, Lieferanten, standespolitischen Vertretern usw.
bestimmen« (Scheuch, F.
1987, S. 35).
3. CI und Operatives Marketing
Zwischen CI und operativem Marketing existieren vielfältige
Zusammenhänge. So ist z.B. das Verhalten der Mitarbeiter gegenüber den
Marktpartnern als ein Aspekt des Corporate Behaviour anzuführen. Eine besondere
Bedeutung kommt bei den Marketing-Instrumenten und dem Marketing-Mix
dem Instrument der Kommunikationspolitik
zu. Da durch die CI die Corporate Communications und das Corporate Design festgelegt
werden, gilt es, die entsprechenden Festlegungen im Rahmen des kommunikativen
Auftrittes, z.B. bei der Gestaltung von Werbeanzeigen, der Belegung von Medien
oder der Auswahl von PR-Aktionen, zu beachten. Dies fängt bei einem
einheitlichen Layout für die Werbung
an und geht hin bis zu einem einheitlichen Auftritt der Vertriebsmitarbeiter.
IV. Spezialaspekte der CI
1. CI in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen
Scheuch ist zuzustimmen, dass grundsätzlich für die
Überlegungen zur CI keine Beschränkung nach Branchen, Unternehmensgrößen,
Eigentümerstruktur, Profit- oder Nonprofit-Orientierung notwendig ist. Und weiterhin:
»Jede Organisation hat eine Ist-Identität, kann Soll-Identitäten formulieren
und unter Anwendung des CI-Konzeptes konsistente Maßnahmen planen und
innerbetriebliche Organisationsentwicklungsprozesse in Gang setzen« (Scheuch, F.
1987, S. 36).
Einige Autoren beschäftigen sich speziell mit der Corporate
Identity in einzelnen Wirtschaftszweigen (z.B. Klage, J. P.
1991 mit der Corporate Identity im Kreditwesen; Harbrücker, U.
1992 mit der Corporate Identity von Versicherungsunternehmen) oder für
spezielle Organisationen (z.B. Harder, O. M.
1985 mit der Corporate Identity politischer Parteien). Die Übertragung des
Corporate Identity-Konzeptes auf Städte wurde von Lalli/Plöger vorgenommen. Sie stellen in einer empirischen
Untersuchung fest, dass mehrere Städte CI-Projekte durchgeführt haben (Lalli,
M./Plöger, W. 1991).
Es kann festgehalten werden, dass das CI-Konzept nicht auf
privatwirtschaftliche Unternehmen beschränkt ist, sondern vielfältige
Anwendungsmöglichkeiten existieren.
2. CI und Internationalisierung
Im Zuge der Internationalisierung der Wirtschaft gewinnt die
CI eine besondere Bedeutung: »A company cannot be a different company
everywhere it operates« (Garbett, T.
1988, S. 3). Befindet sich ein Unternehmen auf dem Weg der
Internationalisierung, so muss es versuchen, seine internationalen Engagements
zu vereinheitlichen. Eine Möglichkeit, diese Einheitlichkeit zu forcieren, ist
der Weg über die systematische Entwicklung einer CI-Konzeption für das
Gesamtunternehmen, über Ländergrenzen hinweg. Segler nennt dies einen »Identifikationskern«, der vor allem bei
multinationalen Kapitalgesellschaften eine große Bedeutung habe: »Vor allem bei
anonymen multinationalen Kapitalgesellschaften ist die Schaffung eines Identifikationskernes zur Entstehung
eines Wir-Gefühls über das Stammhaus und alle Tochtergesellschaften hinweg von
zentraler Bedeutung« (Segler, K.
1989, Sp. 255).
V. Zusammenfassende
Bewertung des CI-Konzeptes
Allgemein kann festgehalten werden, dass die CI einen
positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg liefern kann. Vor einer Überschätzung
insb. der kurzfristigen Erfolgswirksamkeit einer CI-Konzeption muss jedoch
gewarnt werden.
Zusammenfassend ist festzustellen:
-
das CI-Konzept ist ein wichtiger Ansatz zur Steuerung
des Unternehmensimages,
-
eine systematische Beschäftigung mit der CI ist in
spezifischen Unternehmenssituationen, z.B. bei Fusionen, besonders wichtig,
-
die CI bietet Rahmenbedingungen bzw. einen
Orientierungsrahmen für das Marketing,
-
eine Erfolgswirksamkeit der CI ist vorhanden, sie ist
jedoch mittel- bis langfristig angelegt und ökonomisch nicht quantifizierbar,
-
die Erfolgswirksamkeit der CI darf nicht überschätzt
werden; der Haupterfolgsfaktor eines Unternehmens ist seine Marktleistung.
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