Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Abgrenzung
II. Arten
von Mentoring
III. Mentoring
als Konzept
IV. Rollenträger
des Mentoring
V. Komponenten
des Mentoring
VI. Erfolgsevaluation
des Mentoring
VII. Kritische
Würdigung und Ausblick
I. Begriff und
Abgrenzung
In den USA erkannten Unternehmen bereits in den 1970er-Jahren
die Bedeutung des Mentoring für die Entwicklung von erfolgreichen obersten
Führungskräften. Wissenschaftliche Untersuchungen (Dreher, /Ash,
1990; Whitely, et
al. 1991) und Praxiserfahrungen (Hilb, 1997,
S. 49 ff.) zeigen, dass Führungskräfte
mit Mentoren im Vergleich zu denen ohne Mentoren ihre Potenziale beruflich
besser entfalten können und später selbst Nachwuchskräfte gezielt fördern (Stegmüller, 1995).
Im Folgenden soll der Begriff des Mentoring bestimmt und
gegen andere Förderinstrumente abgegrenzt werden.
1. Bedeutung und Herkunft von Mentoring
Der angelsächsische Begriff Mentoring bedeutet die gezielte
Personalentwicklungsbeziehung zwischen einem Berater, dem so genannten Mentor
und einem Ratsuchenden, dem so genannten Mentee. Der Mentee wird in der
Literatur vereinzelt auch als Begleiteter, Eleve oder Schützling, häufiger
jedoch als Protegee bezeichnet. Ziel des Mentoring ist sowohl die
Weiterentwicklung der Persönlichkeit des Mentees, als auch die Förderung seiner
beruflichen Karriere. Eine Führungsnachwuchskraft oder Führungskraft aus dem
mittleren bzw. unteren Management wird speziell dazu ausgewählt, ein
maßgeschneidertes, beratendes und lehrendes Programm durch eine erfolgreiche
und erfahrene Führungskraft aus den oberen Managementebenen zu erfahren (Haasen, 2001;
Winsen, van, 1999).
Das Wort Mentor findet seinen Ursprung in der griechischen
Mythologie. Vor Auszug in den Trojanischen Krieg übertrug König Odysseus seinem
Vertrauten namens Mentor die Verantwortung dafür, während seiner Abwesenheit
die Erziehung seines Sohnes Telemachos zu übernehmen. Mentors Aufgabe war es in
dieser Zeit, sowohl ihn in die Gesellschaft einzuführen als auch für ihn
väterlicher Freund, Lehrer, Vertrauter und Berater zu sein (Stegmüller, 1995;
Winsen, van, 1999).
2. Abgrenzung zu Coaching
Das Mentoring als ein ausgewähltes
Personalentwicklungsinstrument für besonders förderungswürdige Mitarbeiter wird
in der Literatur u.a. von Traineeprogrammen, Leadership-Foren und Externen
Management Foren als weitere Förderungsinstrumente unterschieden. Da der
Begriff Coaching in vielen Publikationen mit dem des Mentoring synonym
verwendet wird, erscheint eine Abgrenzung hierzu beispielhaft sinnvoll (Arhén, 1992;
Winsen, van, 1999).
Während Coaching den Schwerpunkt auf die aufgabenbezogene
Vermittlung von Wissen zwischen Mitarbeiter und direktem Vorgesetztem legt,
geht die Funktion des Mentoring darüber hinaus. Die Einflussnahme des Mentors
auf den beruflichen Werdegang seines Schützlings reicht vom Knüpfen von
Kontakten über die Vermittlung informaler Strukturen bis hin zum Aufzeigen von
Gelegenheiten für den Mentee, sein Können unter Beweis zu stellen. Im Gegensatz
zum Coaching legt das Mentoring einen starken Akzent auf emotionale Kriterien
wie Vertrauen, Wertschätzung und Anerkennung (Kram, 1985).
II. Arten von Mentoring
Im Folgenden werden zwei Haupt-Formen des Mentoring
unterschieden (Kram, 1988;
Haasen, 2001;
Winsen, van, 1999;
Raabe,
/Beehr, 2003).
1. Spontanes oder informelles Mentoring:
Mentoren haben sich in allen Kulturen und Berufen in den
vergangenen Jahrhunderten in sehr persönlichen Beziehungen um auffällige
Talente gekümmert, wobei ausschließlich die Begabtesten und Aktivsten gefördert
wurden. Im Gegensatz zum organisierten, institutionellen Mentoring entwickeln
Mentor und Schützling beim informellen Mentoring von Beginn an eine
Mentoring-Beziehung, bei der sie allein Intensität, Inhalt und Zeitraum
bestimmen.
2. Institutionelles Mentoring:
Diese Mentoringform wird auch als formelles, offizielles oder
organisiertes Mentoring bezeichnet. Hier gestaltet eine Institution oder ein
Unternehmen ein formelles Programm mit festen Richtlinien wie
Teilnahmevoraussetzungen, Anzahl der Teilnehmer, Inhalte sowie Dauer.
Institutionelle Mentoringformen wiederum teilen sich in interne und externe
Mentoringprogramme.
Internes Mentoring existiert im Rahmen von Personalentwicklungsmaßnahmen
innerhalb eines Unternehmens. Mentor und Mentee sind zwar im selben Unternehmen
beschäftigt, stehen aber nicht in einem direkten Arbeitsverhältnis zueinander,
sondern es liegen i.d.R. zwei Hierarchiestufen zwischen ihnen. Während Kritiker
hervorheben, dass unternehmensspezifische Programme stereotype
Führungspersönlichkeiten hervorbringen, die kreativen Wandlungsprozessen in
Organisationen im Weg stehen, gibt es eine Reihe von potenziellen Vorteilen im
Zusammenhang mit internem Mentoring. Mentoren können die Karriere ihrer
Schützlinge i.d.R. direkt beeinflussen und ihnen spezielle unternehmensinterne
Spielregeln und Strukturen vermitteln. Als organisatorischer Vorteil ist die
räumliche Nähe zwischen beiden Mentoringpartnern zu sehen, die kurzfristige
Treffen bzw. häufigere persönliche Besprechungen ermöglicht.
Externes Mentoring: Hier gehören Mentor und Mentee zwei
unterschiedlichen Unternehmungen an. Eine externe Institution bringt beide
Partner innerhalb eines von ihr organisierten Rahmenprogramms zusammen.
Vorteile des externen Mentorships reichen vom offeneren, unbelasteten
Informations- und Ideenaustausch zwischen Mentor und Mentee über neue Inputs
und breitere Perspektiven für den Mentee, die über das eigene
Unternehmensdenken hinausgehen, bis hin zu der Möglichkeit für kleine und
mittelständische Unternehmen, sich an externen Programmen zu beteiligen, da
sich für sie die Etablierung eines eigenen Programms nicht rentiert. Nicht
zuletzt ergibt sich für die Mentees eher als beim internen Mentorship die
Möglichkeit, außerhalb des Unternehmens Karrierechancen wahrzunehmen. Als
Nachteile gelten, dass es zwischen Mentor und Mentee nicht nur eine räumliche
Distanz gibt, sondern auch, dass unterschiedliche Organisationskulturen und
-verhältnisse zu Reibungsverlusten zwischen beiden Partnern führen können.
Als spezielle Form des externen Mentoring ist das
Cross-Mentoring zu nennen, bei dem sich verschiedene Unternehmen
zusammenschließen und gemeinsam ein Mentoringprogramm organisieren (Haasen, 2001).
Hier bekommt ein Mentor stets einen Schützling aus den jeweils anderen
Unternehmen.
III. Mentoring als
Konzept
Im folgenden Mentoring-Konzept unterscheiden wir:
-
Rollenträger des Mentoring (kreisförmig dargestellt),
-
Komponenten des Mentoring (als Dreiecke miteinander
integriert) und
-
Erfolgsevaluation (als Quadrat dargestellt).
Abb. 1: Mentoring – ein Konzept
IV. Rollenträger des
Mentoring
Wie in Abbildung 1 dargestellt, sind neben den Hauptträgern
des Mentoring der Unternehmensleiter zu nennen, dem die Promotorrolle zukommt,
der Vorgesetzte, der die Coachrolle innehat, sowie der Personalverantwortliche,
der Berater und Evaluator des Mentorship zugleich ist. Im Folgenden werden die
Rolle des Mentors und die des Mentees näher erläutert.
1. Die Rolle des Mentors
Bell (Bell, 1996,
S. 6) definiert den Mentor als eine Person, die einer anderen Person etwas
lehrt, was diese sonst weniger gut, langsamer oder überhaupt nicht gelernt
hätte. Diese These unterstreicht, dass das Mentoring an vorhandenem
Humankapital ansetzt. Die fachliche Qualifikation sowie die notwendige
Sozialkompetenz zur Übernahme von Führungsfunktionen werden von Beginn an
vorausgesetzt. Die Aufgabe des Mentors besteht lediglich darin, die vorhandenen
Leistungspotenziale zu erkennen, zu vertiefen, auszubauen und zum Einsatz zu
geleiten (Kayne,
/Jacobson, 1996).
Die Rolle des Mentors beinhaltet eine persönliche, fachliche,
soziale und führungsmäßige Vorbildfunktion. Dabei sind erfolgreiche Mentoren
eher Gefährten als Lehrer (Bell, 1996,
S. XVII). Sie sollen Türen öffnen, Fehler beheben, Herausforderungen bieten und
Gelegenheiten für den Mentee schaffen, sein Können zu zeigen (Kram, 1985).
2. Die Rolle des Begleiteten
Der Begleitete eines modernen Mentoringprogramms versteht
sich folgendermaßen: Er besetzt keine bestimmte Stelle, sondern erledigt
wechselnde Aufgaben, die sowohl zur Entwicklung des Unternehmens als auch des
Mentees beitragen. Neben klassischen Beförderungen wechseln sich Job Rotation,
Mitwirkung in Projektgruppen und Job Enrichment ab. Somit ist der Mentee ein
echter „ Multipreneur “ (vgl. Gorman, 1996),
der mit seinem Mentor eine zielorientierte Partnerschaft eingeht. Diese
Beziehung basiert auf einem gemeinsam entwickelten Kontrakt und legt fest, wann
der Mentee seine Lernziele erreicht hat, es sei denn, eine neue oder
modifizierte Vereinbarung wird zwischenzeitlich getroffen (Shae, 1994,
S. 11).
3. Die Beziehung zwischen Mentor und
Begleitetem
Wie in den beiden vorangegangenen Abschnitten gezeigt, muss
die Beziehung zwischen Mentor und Begleitetem auf gegenseitigem Vertrauen fußen
und partnerschaftlich gestaltet sein. Sie soll sich idealerweise so weit
entwickeln, dass mit dem enger werdenden Vertrauensverhältnis die
Rollenverteilung zwischen Mentor und Mentee an Bedeutung verliert (Shae, 1994,
S. 54).
Allerdings besteht bei dieser modernen Ausrichtung die
Gefahr, dass der Begleitete (Mit-Unternehmer) irrealistische Erwartungen an
seine Laufbahn entwickelt und damit einer erhöhten Gefahr der Inneren Kündigung
(vgl. Hilb, 1995)
unterliegt, wenn er später ohne Mentor seine Laufbahn fortsetzt und sich das
erhoffte berufliche Fortkommen nicht einstellen sollte.
Weitere mögliche Gefahren von Mentoring-Programmen zeigen
sich vor allem in der Umgebung des Begleiteten. Unter den Mitarbeitenden, die
sich ohne Mentoren entwickeln müssen, kann sich wegen des intern möglicherweise
als elitär betrachteten Programms Neid oder gar Verzicht auf Engagement
einstellen. Ist die Beziehung zwischen Mentor und dem direkten Vorgesetzten
nicht klar geregelt, können Konflikte auftreten, da der Mentor allenfalls
Aufgaben übernimmt, die üblicherweise dem Vorgesetzten als Coach zukommen. Er
fühlt sich dann übergangen und nicht ernst genommen.
Weist der Mentor keine Vorbildfunktion auf, können sich durch
Mentor-Programme illegitime innerbetriebliche Zweierbeziehungen bilden. Hierbei
nutzt der Mentor die ihm zugewiesene Position als Lehrmeister zu seinem Vorteil
und missbraucht die ihm eigene Vertrauensposition, indem er sich vom Mentee
zuarbeiten lässt und dessen Arbeitsleistungen möglicherweise als die eigenen
ausgibt. Der Mentee begibt sich in eine Untergebenenrolle und partizipiert
lediglich an den Vorteilen der Macht seines Mentors und einem oftmals
vermeintlichen Karrierebonus (Spremann, 1990,
S. 234).
V. Komponenten des
Mentoring
Das in Abb. 1 gezeigte Konzept basiert auf einem
Adäquanzdreieck: welches Ziel (WAS?), Vorgehen (WIE?) und Mittel (WOMIT?)
(Arten von Mentoring s. Punkt II).
1. Ziele des Mentorings
Erfolgreiches Mentoring setzt vier Kernkompetenzen voraus,
die Bell als „ SAGE-Motto “ (vgl. Bell, 1996,
S. 11 f.) zusammenfasst. Abbildung 2 stellt die vier Kernkompetenzen des
Mentoring als Formel dar, die besagt, dass bei Nicht-Existenz einer dieser
Kernkompetenzen Mentoring wirkungslos bleibt.
Abb. 2: Die „ SAGE “ Formel des Mentoring
Unter den vier Kernkompetenzen ist Folgendes zu verstehen:
-
„ Surrendering “ meint die bedingungslose Unterstützung
des Lernprozesses beim Begleiteten durch den Mentor.
-
Unter „ Accepting “ wird nach Carl Rogers, die
bedingungslose Wertschätzung des Begleiteten durch den Mentor verstanden.
-
„ Gifting “ meint die Großzügigkeit des Mentors im Sinne
von „ ? jemandem etwas Wertvolles geben, ohne dann von anderen etwas zu
erwarten “ .
-
Unter „ Extending “ wird verstanden, dass die
Beziehungen zwischen Mentor und Begleiteten so gestaltet sind, dass sie
ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Im Einzelnen werden mit einem Mentoring-Programm folgende
Ziele angestrebt:
-
Gezielter Transfer von speziellem Know-how an
Nachwuchskräfte:
Unternehmen können sich das Erfahrungspotenzial älterer, kurz vor dem
Ruhestand stehender Führungskräfte zu Nutze machen und ihnen junge, talentierte
Mitarbeiter zur Seite stellen. In einer Art Tandem-System arbeiten diese so
genannten VEPs (Very Experienced Persons) gezielt mit den Nachwuchskräften
zusammen und bereiten ihnen den Weg in die Nachfolge.
-
Gezielte Förderung spezieller (bisher benachteiligter)
Arbeitnehmergruppen:
Die Etablierung weiblicher Führungskräfte im Unternehmen kann durch geeignete
Mentoren verstärkt werden. Die Anerkennung ihrer gleichberechtigten Position
durch angesehene Mitglieder mit Leitungsfunktion kann dazu beitragen,
Vorbehalte gegenüber Frauen auszuräumen und die Akzeptanz von Frauen in
Führungsstellen generell zu erhöhen. Auch Behinderte mit besonderer
Qualifizierung lassen sich mit Hilfe von Mentorenprogrammen in das
Unternehmensbild integrieren und dort einsetzen, wo sie gegenüber den
Nicht-Behinderten komparative Vorteile aufweisen.
-
Förderung des Selbstentwicklungspostulats innerhalb
des Personals sowie des Primats der on-the-job-Entwicklung:
On-the-job-Mentorenprogramme bieten die Möglichkeit, Eigenverantwortung für Personalentwicklung
gezielt zu fördern. Das Primat liegt auf on-the-job-Entwicklung mit
ergänzenden near- und gezielten off-the-job-Maßnahmen. Die Einflussnahme des
Mentors auf die berufliche Laufbahn des Mentees darf Letzteren jedoch nicht
zu einer passiven Haltung verleiten, in der er seine berufliche
Karriereplanung seinem Förderer überlässt. Mentoring-Programme fungieren
lediglich helfend und unterstützend, was bedeutet, dass der Mentee für die
Entfaltung seiner Leistungspotenziale selbst verantwortlich ist.
2. Vorgehen beim Mentoring
Wirksames Mentoring setzt eine lernfreudige Vertrauenskultur
im Unternehmen voraus. Dabei reagiert die Umgebung auf Fehler nicht mit
Negativsanktionen, sondern akzeptiert sie als Teil eines Lern- und
Entwicklungsprozesses (Shae, 1994,
S. 25). Da es sich beim Mentoring-Programm um ein langfristiges Investitionsprogramm
handelt, sollten bestimmte Vorgehensempfehlungen berücksichtigt werden:
-
Gegenseitige
Selbstbestimmung bei der Partnerwahl:
Die Betroffenen sollten, sofern sich eine Mentorenbeziehung nicht auf
natürlichem Wege bildet, an der Partnerwahl beteiligt werden, um die
gegenseitige Akzeptanz und damit den für beide zu erwartenden höchstmöglichem
Nutzen aus der Kooperation zu gewährleisten.
-
Rollenergänzung
statt Rollengleichheit der Partner:
Die Lernerfolge aus der Wissensübermittlung von Menschen mit komplementären
Stärken und Denkweisen fallen erfahrungsgemäß höher aus.
-
Klarlegung der
gegenseitigen Erwartungen vor Beginn der Partnerschaft:
Je klarer die gegenseitigen Erwartungen vorgängig definiert sind, desto
größer sind die Erfolgschancen einer Mentoring-Partnerschaft.
-
Abschluss eines
Partnerschaftsabkommens:
Da es sich um einen freiwilligen Zusammenschluss der Partner auf Zeit
handelt, ist es nicht primäres Ziel, einen schriftlichen Vertrag
abzuschließen. Vielmehr geht es darum, einen Konsens über die zentralen
Fragen der zukünftigen Partnerschaft zu finden.
VI. Erfolgsevaluation
des Mentoring
Da es sich bei Unternehmen, die erfolgreich
Mentoring-Programme eingeführt haben, meist um erfolgreiche Organisationen mit
einer konstruktiv-offenen Vertrauenskultur handelt, kann zur Erfolgsevaluation
ein 360˚-Konzept verwendet werden. Dabei beurteilt sich der Begleitete
periodisch selbst. Der Mentor führt bei relevanten Anspruchsgruppen des
Begleiters (wie z.B. bei Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitenden, internen und
externen Kunden) informale Gespräche durch, um dem Mentee ein möglichst
objektives Feedback zu vermitteln, wie er von außen betrachtet wird. Aus der
Gegenüberstellung von Fremd- und Selbstbild können wertvolle Entwicklungsmaßnahmen
abgeleitet werden, die auf gleiche Weise wieder überprüft werden.
Für die Selbst-Beurteilung des Mentors eignet sich z.B. der
Bell-Test (Bell, 1996,
S. 38 ff.), der auf dem „ FIRO-B “ -Fragebogen von Schutz (vgl. Schutz, 1989)
aufbaut. Dabei werden die Sozialkompetenz, die Partnerschaftsorientierung und
die konstruktive Offenheit beurteilt, die als die drei zentralen
Kompetenzdimensionen für erfolgreiches Mentoring gelten. Dabei besteht die
Sozialkompetenz aus drei Komponenten, der emotionalen Intelligenz, d.h. dem
Umgang mit sich selbst, der sozialen Intelligenz, d.h. dem Umgang mit anderen,
und der Integrität, d.h. der Vermeidung von Interessenskonflikten.
VII. Kritische Würdigung
und Ausblick
Ähnlich wie Mentor die Erziehung von König Odysseus\' Sohn
übernahm und ihm so zur Erfüllung seines Geburtsrechts verhalf, König von
Ithaka zu werden, betrachtet Antal (Antal, 1993)
es als eine Art Geburtsrecht, dass in einer demokratischen Gesellschaft
Menschen zu dem werden, was in ihnen steckt ( „ to become all they can be “ ). Laut
Antal ist es Aufgabe von Mentoren, eben dieses Geburtsrecht an ihren Mentees zu
erfüllen.
Unternehmen sind gut beraten, das Humankapital ihrer Arbeitnehmer
bestmöglich auszuschöpfen, weshalb die Förderung und Entwicklung
leistungsstarker Mitarbeiter unbestritten eine strategische Führungsaufgabe
darstellt. Als ein immer wesentlicher werdendes Instrument der Personalentwicklung
basiert das Mentoring-Konzept auf der einfachen Idee der Wissens- und
Kompetenzweitergabe von einer Generation zur nächsten. Es schlägt Brücken
zwischen den \'Alten, Erfahrenen\' und den \'Neuen, Innovativen\', die idealerweise
im Wege der Kooperation voneinander profitieren.
Die aktuellen demographischen und volkswirtschaftlichen
Entwicklungen, die sich bislang u.a. in einer wachsenden Zahl von
Vorruhestandsregelungen niederschlugen, eröffnen für das Mentoring neue
Perspektiven. Das über lange Jahre gebildete Humankapital der älteren
Führungskräfte kann im Rahmen von Mentorships an die Nachfolgegeneration
weitergegeben werden. Gleichzeitig verhilft die Wertschätzung und Anerkennung
der Älteren dazu, dass die innovativen Ideen der Mentees Gehör finden und
fördert so die Bereitschaft beim Topmanagement, neue Wege zu gehen. Den im
allgemeinen Verständnis noch immer vorherrschenden elitären Charakter von
Mentoring-Programmen gilt es weiterhin abzubauen.
Literatur:
Antal, A. E. : „ Odysseus “ Legacy to
Management Development, in: European Management Journal, H. 4/1993, S. 445 – 454
Arhén, G. : Mentoring in Unternehmen,
Landsberg a. Lech 1992
Bell, C. R. : Managers as Mentors
(Building Partnership For Learning), San Francisco 1996
Dreher, G. F./Ash, R. A. : Among Men
and Women in Managerial, Professional and Technical Positions, in: Journal of
Applied Psychology, 1990, S. 539 – 546
Gorman, T. : Multipreneuring, New York
1996
Haasen, N. : Mentoring. Persönliche
Karriereförderung als Erfolgskonzept, München 2001
Hilb, M. : Innere Kündigung, Zürich
1995
Hilb, M. : Management by Mentoring –
How to develop Presidents, Berlin 1997
Hilb, M. : Integriertes
Personal-Management, Berlin 2001
Kayne, B./Jacobson, B. : Reframing
Mentoring, in: Training and Development, August/1996, S. 44 – 47
Kram, K. E. : Mentoring at Work,
Glenview 1985
Kram, K. E. : Mentoring at Work.
Developmental relationships in Organizational Life, Lanham et al. 1988
Raabe, B./Beehr, T. A. : Formal
mentoring versus superior and coworker relationships: differences in
perceptions and impact, in: Journal of Organizational Behavior, H. 24/2003, S.
271 – 293
Schutz, W. B. : Firo: A Three
Dimensional Theory of Interpersonal Behaviour, Mill Valley, CA. 1989
Shae, G. F. : Mentoring – Helping
Employees Reach Their Full Potential, New York 1994
Spremann, K. : Vom Wandel des
Menschen in Organisationen, in: Neue Zürcher Zeitung, Bd. 234, 1990, S. 67 f
Stegmüller, R. : Mentoring, in: Handwörterbuch
der Führung, hrsg. v. Kieser, A./Reber, G./Wunderer, R., Stuttgart 1995, Sp.
1510 – 1518
Whitely, W. T. : Relationship of
Career Mentoring and Socioeconomic Origin to Managers and Professional Early
Career Progress, in: American Management Journal, Jg. 1991, S. 331 – 351
Winsen, C. van : Wie komme ich in die
Führungsauswahl? Mentoring und Coaching, Regensburg, Düsseldorf 1999
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