Inhaltsübersicht
I. Gegenstand
der Unternehmensentwicklung
II. Veränderung
des Umfangs der Wertschöpfungsaktivitäten
III. Umgestaltung
der Wertschöpfungsaktivitäten
IV. Dynamik
der Unternehmensentwicklung
V. Verlaufsmuster
von Unternehmensentwicklungsprozessen
I. Gegenstand der
Unternehmensentwicklung
Unternehmensentwicklung bezeichnet Veränderungen im Umfang
und/oder der Struktur der Wertschöpfungsaktivitäten eines Unternehmens über die
Zeit. Ein Unternehmen kann seine Wertschöpfungsaktivitäten
ausweiten (z.B. aufgrund einer Umsatzsteigerung in einem gegebenen Markt
oder der Ausweitung des bedienten Marktes oder des Leistungsprogramms), reduzieren (z.B. durch Rückzug aus einem
Geschäftsfeld oder Auslagerung von Wertschöpfungsaktivitäten) und/oder umgestalten (z.B. durch Rationalisierung
der Leistungserstellung, den Einsatz neuer Technologien oder Outsourcing). Die
Ausweitung, Reduzierung oder Umgestaltung der Wertschöpfungsaktivitäten kann
dabei in Bezug auf die Inputs der Leistungserstellung, die Struktur und den
Prozess der Leistungserstellung und/oder den Leistungsoutput erfolgen.
Unternehmensentwicklung hat zum Ziel, den Unternehmenswert zu
steigern. Durch die Gestaltung der Wertschöpfungsaktivitäten sollen Potenziale
zur Unternehmenswertsteigerung erschlossen und realisiert werden (Coenenberg,
Adolf G./Salfeld, Rainer 2003). Hierzu muss die Geschäftsführung
eines Unternehmens entscheiden, in welche Geschäfte sie mittel- bis langfristig
investieren, welche sie abbauen und welche Wertschöpfungsaktivitäten das
Unternehmen in welcher Weise selbst erbringen und welche es zukaufen möchte.
Bei diesen Entscheidungen hat die Geschäftsführung die Entwicklung der Umwelt-
und Wettbewerbsbedingungen ebenso abzuwägen wie die internen Fähigkeiten und
Ressourcen des Unternehmens sowie dessen relative Wettbewerbsstärke und
angestrebte -positionierung. Konzepte des Portfolio-Managements können die
Geschäftsführung dabei unterstützen, die Zusammensetzung der Geschäfte zu
bestimmen, die über die Zeit das relativ größte Erfolgspotenzial bieten.
II. Veränderung des
Umfangs der Wertschöpfungsaktivitäten
1. Unternehmenswachstum
Bei Unternehmenswachstum nimmt die Menge an
Wertschöpfungsaktivitäten zu, die ein Unternehmen durchführt. Dies ist
gleichbedeutend mit einer Zunahme der Größe des Unternehmens. Häufig verwandte
Größenindikatoren sind die Beschäftigtenzahl, die Ausbringungsmenge und der
Umsatz. Empirische Untersuchungen zeigen, dass wachstumsstarke Unternehmen
signifikant höhere Wertsteigerungen realisieren als wachstumsschwache (Coenenberg,
Adolf G./Salfeld, Rainer 2003). Unternehmen haben verschiedene
Möglichkeiten Wachstum zu realisieren, die sich in ihrer Richtung und Form
unterscheiden.
Eine viel verwendete Differenzierung unterschiedlicher
Wachstumsrichtungen geht auf Ansoff, Igor
1965 zurück, der, wie in Tab. 1 dargestellt, die Wachstumsoptionen in Bezug auf
die Veränderung der bearbeiteten Produkt-/Marktsegmente beschreibt.
Tab. 1: Wachstumsrichtungen in Anlehnung an (Ansoff, Igor
1965, S. 109)
In der Literatur wird auch ein weiter gefasstes Verständnis
von Diversifikation vertreten, das die Produkt- und Marktentwicklung mit
einschließt. Verbundene Diversifikation bezeichnet eine Ausweitung des
Leistungsprogramms auf verwandte Produkt-/Marktsegmente, die z.B. ähnliche
Inputfaktoren, Leistungserstellungsprozesse, Produktmerkmale und/oder
Vermarktungsformen aufweisen. Eine solche verbundene Diversifikation kann horizontal auf derselben
Wertschöpfungsstufe erfolgen oder vertikal,
indem vor- oder nachgelagerte Wertschöpfungsstufen in das Leistungsprogramm
aufgenommen werden. Bei unverbundener Diversifikation (auch laterale oder
konglomerate Diversifikation genannt) bestehen solche Verwandtschaften
innerhalb des Leistungsprogramms eines Unternehmens hingegen nicht. Historisch
hat es verschiedene Diversifikationswellen gegeben, die unterschiedliche
Auslöser und Zielrichtungen hatten (Mayer,
Michael C. J./Whittington, Richard 1999; Gould,
Michael/Luchs, Kathleen 1993).
Eine Reihe von empirischen Untersuchungen der
Erfolgswirkungen von Diversifikation haben gezeigt, dass sich der Erfolg von
Unternehmen mit zunehmendem Grad der Diversifikation zunächst leicht erhöht,
dann aber mit steigender Unterschiedlichkeit der Geschäftsfelder wieder abnimmt
(Palich,
Leslie E./Cardinal, Laura B./Miller, C. Chet 2000). Im Vergleich zu
Einproduktunternehmen können Unternehmen insbesondere durch verbundene Diversifikation
Vorteile aus ihrer gesteigerten Marktmacht gegenüber Kunden und Zulieferern
realisieren sowie Skalen- und Synergievorteile nutzen. Mit zunehmendem Grad der
Unterschiedlichkeit der Geschäfte werden diese Vorteile jedoch geringer,
während die Koordinations- und Komplexitätskosten zunehmen (Besanko,
David/Dranove, David/Shanley, Mark 2000).
Unternehmenswachstum können Unternehmen durch Investition in
bestehende oder neue Geschäfte realisieren (internes Wachstum) oder durch
Akquisition, Fusion, Allianzen oder Joint Ventures mit anderen Unternehmen
(externes Wachstum). Internes Wachstum ist vor allem in frühen Phasen des
Produkt- und Branchenlebenszyklus die dominante Wachstumsform, während in der
Reife- und Konsolidierungsphase externes Wachstum an Bedeutung gewinnt. Im
Vergleich zur Option des internen Wachstums können Unternehmen mittels externen
Wachstums ihre Wachstumsziele in der Regel schneller und in größeren Schritten
erreichen. Allerdings müssen sie hierfür vergleichsweise höhere Risiken in Kauf
nehmen, weil die Bewertung der Ressourcen und Fähigkeiten der
Partnerunternehmen mit Unsicherheit behaftet ist und die Zusammenarbeit mit dem
Partnerunternehmen sich unvorteilhafter entwickeln kann als erwartet.
Empirische Untersuchungen belegen, dass ein großer Anteil von Akquisitionen,
Fusionen und Unternehmenskooperationen nicht die erhofften ökonomischen
Vorteile bringt (Bühner, Rolf
1990; Park, Seung
H./Ungson, Gerardo R. 1997; King, David
R. et al. 2003).
2. Unternehmensschrumpfung
Eine Reduzierung der Menge der Wertschöpfungsaktivitäten und
damit der Unternehmensgröße wird als Unternehmensschrumpfung bezeichnet
(englisch: Downsizing). Wie in Tab. 2 wiedergegeben, kann
Unternehmensschrumpfung Resultat des Rückzugs aus einzelnen
Produkt-/Marktsegmenten sein, oder ist bei unverändertem Leistungsprogramm auf
schrumpfendes Marktvolumen und/oder eine Verringerung des Marktanteils
zurückzuführen.
Tab. 2: Richtungen der Unternehmensschrumpfung
Historisch gab es verschiedene Wellen der
Unternehmensschrumpfung, zuletzt in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren
und dann nach 2001, in denen vor allem Großunternehmen massenhaft Personal
abbauten und dabei erstmals in großem Umfang auch Verwaltungs- und
Managementpositionen einbezogen (Baumol,
William J,/Blinder, Alan S./Wolff, Edward N. 2003). Es handelte sich
dabei zum Teil um defensive Reaktionen auf rückläufige Nachfrage oder sinkende
Marktanteile. Einige Unternehmen bauten aber auch in Zeiten des Erfolgs
Personal ab, um Möglichkeiten der Produktivitätssteigerung zu realisieren.
Erfolgreiche Strategien der Unternehmensschrumpfung haben sich dabei nicht nur
auf den reinen Personalabbau beschränkt, sondern ihn durch umfassende,
proaktive Umgestaltung der Wertschöpfungsaktivitäten und eine systematische
Reorientierung der Beschäftigten auf neue Ziele unterstützt (Love, E.
Geoffrey/Nohria, Nitin 2005; Cameron, Kim
S./Freeman, Sarah J./Mishra, Aneil K. 1993). Harrigan,
Kathryn R. 2003 beschreibt verschiedene strategische Optionen,
welche mit der Branchenstruktur und relativen Wettbewerbsposition variieren,
die Unternehmen in schrumpfenden Märkten ergreifen können.
III. Umgestaltung der
Wertschöpfungsaktivitäten
Durch Ausweitung des angebotenen Leistungsspektrums und/oder
der bedienten Märkte realisiertes Unternehmenswachstum impliziert, dass
Unternehmen ihre bestehenden Wertschöpfungsaktivitäten auf neue, vor-, nach-
oder parallel gelagerte Wertschöpfungsstufen ausdehnen. Dies geht regelmäßig
mit einer Ausweitung der Inputs und häufig auch mit einer Umgestaltung von
Prozessen der Leistungserstellung einher, durch die Skalen- und/oder
Synergieeffekte realisiert werden sollen. Eine Unternehmensschrumpfung, die auf
eine Verringerung des Leistungsspektrums oder der bedienten Märkte zurückgeht,
wird häufig durch Abspaltung, Verkauf oder Schließung von Unternehmensteilen
und durch Beendigung bestehender Allianzen und Joint Ventures umgesetzt.
Unternehmensentwicklung kann sich aber auch ohne Veränderung
des Leistungsprogramms und der bedienten Märkte allein durch Umgestaltung der
Wertschöpfungsaktivitäten vollziehen. Unternehmen können ihre
Wertschöpfungsaktivitäten innerhalb des gegebenen Umfangs umgestalten, um
mittels neuer Inputs, veränderter Organisationsstrukturen und/oder der
Anwendung neuer Verfahren eine Steigerung der Effizienz und Effektivität der
Leistungserstellung zu erreichen. Als Reaktion auf nachhaltig schrumpfende
Marktvolumina oder Marktanteile werden Unternehmen ihre Ausbringungsmengen und
die hierfür verwendeten Inputs reduzieren; dies ist regelmäßig mit
Umsatzeinbußen und häufig mit Personalabbau verbunden. Schließlich können
Unternehmen bei unverändertem Leistungsprogramm und gleicher Marktabdeckung den
Umfang der durchgeführten Wertschöpfungsaktivitäten ausdehnen oder reduzieren,
wenn sie bislang von anderen Unternehmen erstellte Leistungen eingliedern bzw.
bislang selbst erstellte Leistungen ausgliedern. Damit verändern Unternehmen
ihre Wertschöpfungsarchitektur und ihre Position innerhalb der
Branchenwertschöpfungskette. Solche Maßnahmen zielen darauf, den Erfolg des
Unternehmens durch Verbesserung seiner Wettbewerbsposition zu steigern. Heuskel,
Dieter 1999 beschreibt vier Typen von Wertschöpfungsarchitekturen
von Unternehmen: Schichtenspezialisten
wie etwa Amazon spezialisieren sich auf eine eng begrenzte
Wertschöpfungsaktivität und vermarkten diese in verschiedenen
Produkt-/Marktsegmenten; Pioniere wie
etwa Sabre generieren neue Wertschöpfungsstufen und schaffen damit einen neuen
Markt; Orchestratoren wie Dell oder
Generalbauunternehmen führen nur die für ihre Wettbewerbsfähigkeit zentralen
Elemente der Wertschöpfungskette selbst durch, koordinieren aber gegenüber dem
Kunden die Leistungserstellung aller an der Wertschöpfung beteiligten Unternehmen;
Integratoren wie z.B. die BASF oder
ThyssenKrupp führen einen Großteil der Wertschöpfungsaktivitäten in eigener
Regie durch und realisieren damit Größen- und Koordinationsvorteile. Welche
Wertschöpfungsarchitektur für ein Unternehmen vorteilhaft ist, hängt zum einen
von den relativen Wettbewerbsvorteilen ab, welche das Unternehmen in Bezug auf
die von ihm durchgeführten Elemente der Wertschöpfungskette besitzt, und zum
anderen davon, wie effizient das Unternehmen seine Beziehungen zu Unternehmen
in vor-, nach- und nebengelagerten Wertschöpfungsstufen gestaltet. Letztere
Frage wird insbesondere von der Institutionenökonomik analysiert.
IV. Dynamik der
Unternehmensentwicklung
Das Zusammenspiel von internen und externen Treibern
begründet die Dynamik der Unternehmensentwicklung (Burgelman,
Robert A. 1991). Einschlägige Beschreibungs- und Erklärungsmodelle
thematisieren dabei oft verschiedene Entwicklungsstufen oder -phasen, die
jeweils besondere Herausforderungen für die Gestaltung der
Unternehmensentwicklung implizieren. In der Literatur sind aber auch
verschiedene hemmende Faktoren aufgezeigt worden, welche zu fehlender Dynamik
der Unternehmensentwicklung beitragen können.
1. Externe Treiber
In Bezug auf relevante externe Entwicklungen gehören Modelle
des Branchen- und Produktlebenszyklus zu den ältesten (Rogers,
Everett M. 1962; Levitt,
Theodore 1965). Üblicherweise werden eine Pionier-, Wachstums-,
Reife- und Niedergangsphase differenziert, die in idealtypischer Sicht über den
Zeitverlauf zusammen einen S-förmigen Wachstumsverlauf zeigen. Es werden dann
für jede Phase typische Maßnahmen erfolgreicher Unternehmensentwicklung
postuliert, was jedoch nicht unproblematisch ist.
Ein weiterer häufig analysierter externer Treiber der
Unternehmensentwicklung ist die technische
Entwicklung (vgl. Abb. 1). Hier werden in idealtypischer Betrachtung in
Abhängigkeit vom kumulierten F&E-Aufwand ebenfalls S-Kurvenverläufe der
Entwicklung der Leistungsfähigkeit von technischen Lösungen über die Zeit
unterstellt. Dieses Konzept ist insbesondere von den Unternehmensberatungen
Arthur D. Little und McKinsey verbreitet worden, die Unternehmen für jede
Entwicklungsphase einer Technik bestimmte Normstrategien vorschlagen, die
jedoch allenfalls Plausibilität beanspruchen können (Wolfrum,
Bernd 1991).
Abb. 1: S-Kurvenkonzept der Technikentwicklung (Foster,
Richard N. 1986)
Die neuere Forschung hat sich insbesondere der Frage
zugewandt, welche Implikationen technische Diskontinuitäten, d.h. die Ablösung
einer Basistechnik (z.B. mechanische durch Quartz-Uhren) oder eines technischen
Standards durch eine/n andere/n, auf die Unternehmensentwicklung besitzen. Es
ist offensichtlich, dass technische Diskontinuitäten eine große Herausforderung
für die in der alten Technik erfolgreichen Unternehmen bedeuten, weil die
besonderen Kompetenzen dieser Unternehmen in der alten Technik entwertet
werden. Nicht selten kommt es daher zu einer Ablösung der Industrieführer durch
Pioniere der neuen Technik (Tushman,
Michael L./Anderson, Philip 1997). Dies kann auf verschiedene
Beharrungskräfte zurückgeführt werden, welche die Unternehmensentwicklung
hemmen können (s. unten).
Ein weiterer externer Treiber der Unternehmensentwicklung ist
die Wettbewerbsdynamik. Die strategischen Handlungen ihrer Zulieferer, Kunden
und Konkurrenten stellen Unternehmen permanent vor die Herausforderung, sich
neuen Wettbewerbsbedingungen zu stellen und sich im Wandel zu behaupten. Neben
der Strategieforschung (s. Müller-Stewens,
Günther/Lechner, Christoph 2005) haben sich insbesondere
populationsökologische Studien mit den Implikationen der Wettbewerbsdynamik auf
die Unternehmensentwicklung beschäftigt (s. Kieser,
Alfred/Woywode, Michael 2006).
Schließlich können auch von der weiteren institutionellen
Umwelt Impulse ausgehen, die eine veränderte Unternehmensentwicklung erfordern,
z.B. dem Rechtssystem, dem Kapitalmarkt oder gesellschaftlichen Gruppen. Solche
Entwicklungen und ihre Implikationen für Unternehmen sind insbesondere von der
neo-institutionalistischen Organisationstheorie untersucht worden (s. Walgenbach,
Peter 2006).
2. Interne Treiber
Der wohl wichtigste interne Treiber der
Unternehmensentwicklung ist das Innovationsmanagement. Hier geht es darum,
Neuerungen in Bezug auf die Gestaltung der Wertschöpfungsaktivitäten, des
Leistungsprogramms und seiner Vermarktung zu generieren (Invention), zu
realisieren (Innovation) und dann im Markt erfolgreich zu verbreiten (Adoption
und Diffusion). Hierzu sind verschiedene Verfahren entwickelt worden, die den
Innovationsprozess unterstützen (s. Gerpott,
Torsten J. 2005). Die aufgrund von Innovationen erforderliche
Restrukturierung der Wertschöpfungsaktivitäten erfolgt im Rahmen von
Change-Management-Prozessen, die in unterschiedlicher Weise gestaltet werden
können.
Während das Innovations- und Change Management versuchen, die
Unternehmensentwicklung gezielt zu gestalten, gibt es andere interne Treiber der
Unternehmensentwicklung, die eher ungeplant endogene Entwicklungsdynamiken
auslösen. Eines der bekanntesten entsprechenden Modelle ist das von Greiner,
Larry E. 1998 (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Modell der Unternehmensentwicklung nach Greiner,
Larry E. 1998
Dieses Modell postuliert, dass in Abhängigkeit von Alter und
Größe eines Unternehmens phasenspezifisch bestimmte Managementstile
vorherrschen, die mit zunehmendem Alter und Größe der Unternehmung in
phasenspezifische Krisen führen. Erfolgreiche Unternehmen lösen diese Krisen
dann durch Einführung eines neuen Managementstils, der Ergebnis der
Charakteristika der vorhergehenden und Auslöser derer der nächsten Phase ist.
Wie für andere Phasenmodelle gilt aber auch für dieses, dass es zwar Beispiele
für solche Abfolgen geben mag, das Modell jedoch keine allgemeine Gültigkeit
beanspruchen kann.
Ein weiterer interner Treiber der Unternehmensentwicklung,
der in jüngerer Zeit verstärkt untersucht wurde, ist das organisationale Lernen
(Levitt,
Barbara/March, James G. 1988). Organisationales Lernen bezeichnet
den Prozess, in dem Organisationen ihre internen Verfahren und Routinen, die
als organisatorische Wissensbestände aufgefasst werden, aufgrund gemachter
Erfahrungen verändern, was wiederum Auswirkungen auf den Leistungsoutput hat.
Die Forschung hat u.a. untersucht, wie organisationales Lernen induziert wird,
welchen Hemmnissen es ausgesetzt sein kann, wie es institutionalisiert wird und
welche Wirkungen von ihm ausgehen (Argote, Linda
1999).
Eine interne und externe Treiber kombinierende Perspektive
wird z.B. von Burgelman, Robert A. vertreten, der Unternehmensentwicklung als
Prozess extern induzierten und intern gesteuerten, evolutionären Wandels
konzeptualisiert (Burgelman,
Robert A./Grove, Andrew S. 2002).
3. Beharrungskräfte
Insbesondere im Rahmen der Forschung zur Populationsökologie
und ökonomischen Evolutionstheorie, zum organisationalen Lernen und in der
Innovationsforschung sind verschiedene Faktoren und Prozesse identifiziert
worden, welche die Unternehmensentwicklung hemmen können.
Die populationsökologische und evolutionstheoretische
Forschung hat in verschiedenen empirischen Studien Faktoren identifiziert, die
zu einer Beharrung von Organisationen (englisch: inertia) in gegebenen
Wertschöpfungsaktivitäten und Strukturen beitragen: höheres Alter der
Organisation, beträchtliche Größe der Organisation, organisatorische Routinen,
externer Legitimitätsdruck, vergangener Erfolg u.a.m. (Baum, Joel A.
C./Amburgey, Terry L. 2002; Aldrich,
Howard E. 1999; Hannan,
Michael T./Freeman, John 1984).
March, James
G./Olsen, Johan P. 1976 beschreiben vier mögliche Unterbrechungen
des organisationalen Lernzyklus, welche Lernerfolg verhindern können:
eingeschränkte Problemwahrnehmung der Entscheidungsträger; mangelnde Umsetzung
in Entscheidungen und individuelles Handeln; fehlende Auswirkungen
individueller Entscheidungen und Handlungen auf Entscheidungen und Handlungen
der Organisation; und fehlende Wirkung der organisatorischen Entscheidungen und
Handlungen auf den Leistungsoutput.
In der Innovationsforschung wird die mangelnde Fähigkeit von
bislang erfolgreichen Unternehmen, technische Diskontinuitäten zu überstehen,
darauf zurückgeführt, dass sich diese Unternehmen in einer Kompetenzfalle
befinden (Leonard-Barton,
Dorothy 1992). Diese lässt sie die Bedrohung durch die neue Technik
zunächst nur schwer erkennen und schränkt dann auch die Motivation und Optionen
zu reagieren ein. Denn für Industrieführer, die gewohnt sind, hohe
Marktanteile, hohe Volumina und hohe Renditen zu erzielen, sind die durch eine
neue Technik entstehenden kleinen Marktnischen zunächst unattraktiv; die
Unternehmensressourcen, Strukturen und Prozesse sind auf die bestehenden
Produkte und Kunden ausgerichtet; eine Umstellung auf die neue Technik und
deren z.T. neuen Kunden(-anforderungen) erscheint angesichts des hohen
Umstellungsaufwands nicht so rentabel wie die Reinvestition in die bestehende
Technik (Christensen, Clayton
M. 1997).
V. Verlaufsmuster von
Unternehmensentwicklungsprozessen
In der Literatur werden verschiedene Verlaufsmuster von
Unternehmensentwicklungsprozessen aufgezeigt, die je spezifische
Herausforderungen, Chancen und Risiken bergen. Die wohl meist verwandte
Differenzierung beschreibt Verlaufsformen von Unternehmensentwicklungsprozessen
auf dem Spektrum zwischen inkrementeller und revolutionärer Veränderung. Diese
Differenzierung wird beispielsweise von Greiner,
Larry E. 1998 zur Beschreibung von Unternehmensentwicklungsprozessen
verwandt, in Bezug auf Prozessmanagement (Hammer,
Michael/Champy, James 1993) und Prozesse des Change Managements oder
zur Beschreibung von Prozessen technischen Wandels (Christensen,
Clayton M. 1997; Tushman,
Michael L./Anderson, Philip 1997).
Inkrementelle Veränderungsprozesse (auch als evolutionäre
bezeichnet) bringen allmähliche, schrittweise Veränderungen in relativ wenigen
Wertschöpfungsaktivitäten oder Leistungsmerkmalen und begründen eine
Kontinuität der Entwicklung. Revolutionäre Veränderungen (auch transformative
oder radikale Veränderungen genannt) ziehen hingegen einen grundlegenden Wandel
in einer Vielzahl von Bereichen nach sich, welche die bestehende Struktur und
Inhalte der Wertschöpfungsaktivitäten nachhaltig umgestalten und damit eine
Diskontinuität der Entwicklung bedingen. Inkrementelle Entwicklungsprozesse
sind vergleichsweise besser planbar, bergen geringere Risiken, aber auch
weniger Chancen auf außerordentliche Verbesserungen. Revolutionäre
Entwicklungsprozesse bieten hingegen vergleichsweise größeres Potenzial, bedeutende
Verbesserungen realisieren zu können, sind aber auch mit entsprechend höheren
Risiken verbunden.
In Bezug auf die Implikationen der technischen Entwicklung
haben verschiedene Studien untersucht, ob revolutionäre Pioniere, deren frühe
Folger oder Nachzügler, die eine neue Technik erst spät übernehmen,
erfolgreicher sind. Während in einigen Fällen die Pioniere auch Pioniergewinne
realisieren konnten, die sie ihrer temporären Monopolstellung verdankten, waren
es in der Mehrzahl der Fälle jedoch die frühen Folger, welche die relativ
größten Vorteile aus der Übernahme der neuen Technik ziehen konnten. Denn sie
mussten die mit der neuen Technik verbundenen Anlaufschwierigkeiten nicht
tragen, konnten aus den Fehlern des Pioniers lernen und von dessen Vorbereitung
des Marktes für die Innovation profitieren (Grant, Robert
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