Inhaltsübersicht
I. Begriffsbestimmung
II. Randbedingungen
des Innovationsmanagements
III. Management
einzelner Innovationsprozesse
IV. Management
von Innovationssystemen
I. Begriffsbestimmung
Innovationen sind das Ergebnis eines kreativen Prozesses von
verschiedenen Akteuren aus einer oder mehreren Organisationen, der zu einer
qualitativ neuartigen Zweck/Mittel-Kombination führt, die von einer
Organisation erstmalig auf dem Markt oder im Betrieb (Produktion oder
Administration) eingeführt wird. Der Begriff Innovation umfasst nicht nur
physische Produkte, sondern auch neue Dienstleistungen sowie prozessuale,
organisatorische, soziale, gesellschaftliche und vertragliche Neuerungen. Das
Ausmaß der Neuerung im Vergleich zu einem Zustand ex ante variiert zwischen
inkrementalen Produktmodifikationen und radikalen Änderungen. Auch wenn
zumindest in Bezug auf die zugrunde liegende Technologie der Grad der Änderung
objektiv bestimmbar erscheint, ist der Innovationsgrad in den meisten Fällen
eine Frage der individuellen Wahrnehmung (Hauschildt,
Jürgen 1997). Die Bestimmung der Neuartigkeit ist damit
subjektgebunden und kann je nach Perspektive unterschiedlich ausfallen. Aus
betriebswirtschaftlicher Perspektive bietet es sich an, zwischen einer Makro-
und Mikroebene der Neuartigkeit zu unterscheiden (Garcia,
Rosanna/Calantone, Roger 2002). Auf der Makroebene kann eine
Innovation neu für die Welt (Patentierungskriterium), für eine Region oder eine
spezifische Gruppe von Organisationen sein. Die Mikroebene bezeichnet die
Neuartigkeit aus der Perspektive einer Organisation.
Innovationsmanagement ist das an betriebswirtschaftlichen
Kriterien orientierte Management innovativer Aufgaben. Die Eigenart der Aufgabe
erfordert im Vergleich zur Steuerung von Routineprozessen ein qualitativ
anderes Management und ist daher bewusst vom üblichen Geschäftsgang zu trennen.
Innovationsmanagement bezieht sich einerseits auf die Steuerung einzelner
Innovationsprozesse und andererseits auf die Gestaltung des Innovationssystems
als Rahmen für einzelne Innovationsprozesse. In den systembezogenen
Aufgabenbereich fallen die innovationsorientierte Gestaltung von Strategie,
Programm-Management und Kultur.
II. Randbedingungen des
Innovationsmanagements
Die Ausgestaltung des Innovationsmanagements ist abhängig von
situativen Randbedingungen, die sich in unterschiedlicher Komplexität,
Unsicherheit, Konfliktträchtigkeit sowie zu überwindender Barrieren
manifestieren. Dabei kann zwischen der durch die innovative Aufgabe bestimmten Problemumwelt, der auf die Organisation
bezogenen Systemumwelt und der
darüber hinausgehenden externen Umwelt
unterschieden werden.
Empirische Untersuchungen zu Erfolgsbedingungen des
Innovationsmanagements identifizieren überwiegend den Innovationsgrad als eine zentrale Ausprägung der Problemumwelt. Der
Innovationsgrad ist dabei als ein multi-dimensionales Phänomen zu verstehen (Salomo, Sören
2003; Hauschildt,
Jürgen/Schlaak, Thomas M. 2001; Danneels,
Erwin/Kleinschmidt, Elko J. 2001). Entsprechend der als neuartige
Zweck/Mittel-Kombination definierten Innovation muss zwischen Veränderungen in
einer Markt- und Technologiedimension unterschieden werden. Ergänzend bestimmt
sich der Innovationsgrad aus internem und externem Ressourcen-Fit. Interne
Ressourcen manifestieren sich nicht nur im Know-how bezüglich Markt und
Technologie, sondern umfassen auch interne Prozesse und Strukturen, die
notwendig sind, um eine innovative Leistung zu erbringen (Leker, Jens
2000). Externe Ressourcen-Fits beziehen sich zum einen darauf, inwieweit
vorhandene Präferenzen, Wissen und Bindungen von Technologie- und Marktpartnern
für Innovationen vorteilhaft genutzt werden können oder ob sie neu geschaffen
und Akzeptanzbarrieren überwunden werden müssen. Im weiteren Umfeld sind
gesellschaftliche Veränderungen, erforderliche neue Infrastrukturen sowie
Veränderungen regulatorischer Rahmenbedingungen zu berücksichtigen (Salomo, Sören
2003).
Das Innovationsmanagement muss sich des Innovationsgrades als
kritischer Ausprägung des Problemumfeldes stets bewusst sein. Die Wahl des
Innovationsgrades bestimmt die Gestaltung des Innovationssystems und der
Innovationsprozesse (Salomo,
Sören/Billing, Fabian/Gemünden, Hans Georg 2003). Um eine optimale
Auswahl geeigneter Managementinstrumente treffen zu können, bedarf es daher
einer bewussten Gestaltung und Kontrolle des Umfangs der geplanten und
realisierten Neuerung.
Bedeutende Charakteristika der Systemumwelt sind vor allem
Größe und Entwicklungsstadium der Organisation. Der Umfang internen
Konfliktpotenzials, insb. an Schnittstellen organisatorischer Bereiche, stellt
bei großen etablierten Organisationen eine größere Herausforderung an das
Innovationsmanagement dar als bei neu gegründeten. Auf der anderen Seite ist
bei neu gegründeten Organisationen, die ein innovatives Produkt anbieten
wollen, aufgrund limitiert zugänglicher interner wie externer Ressourcen ein in
Teilen qualitativ anderes Innovationsmanagement notwendig.
III. Management einzelner
Innovationsprozesse
Der Erfolg von Innovationsprozessen wird durch verschiedene
Managementaktivitäten positiv beeinflusst. Aufbauend auf einer Vielzahl an
empirischen Studien identifizieren eine Reihe von zusammenfassenden
Literaturanalysen zentrale erfolgsrelevante Aspekte des Innovationsmanagements
(Ernst, Holger
2002; Brown,
Shona/Eisenhardt, Kathleen 1995; Henard,
David/Szymanski, David 2001; Albers,
Sönke/Brockhoff, Klaus/Hauschildt, Jürgen 2001).
1. Gestaltung der frühen Phasen
Den frühen Phasen des Innovationsprozesses kommt eine
besondere Bedeutung zu, da hier die Gestaltungsfreiheit am größten ist und die
Nutzen und Kosten bestimmenden Parameter der Innovation festgelegt werden. Auf
der anderen Seite ist auch die Unsicherheit über die Entscheidungswirkungen
besonders groß. Der Empfehlung, in den frühen Phasen mehr zu investieren, da
bei geringem Aufwand hohe Kosten- und Nutzenwirkungen erreicht werden, ist
entgegenzuhalten, dass viele Initiativen zu einem späteren Zeitpunkt
abgebrochen werden und diese Kosten mit zu tragen sind. Zudem müssen auch die
Ressourcen für die Umsetzung der Initiativen bereitgestellt werden. Es stellt
sich somit ein Optimierungsproblem hinsichtlich des Umfangs an
Ressourceneinsatz in den frühen Phasen. Zusätzlich ergibt sich auch ein Such-
und Auswahlproblem nach Lösungsvorschlägen, deren Umsetzung sich besonders
lohnt.
Initiativen zur Innovation lassen sich durch verschiedene
Paradigmen erklären (Gemünden,
Hans Georg
2001). Beim Planungsparadigma werden
aus einem „ Road-Mapping “ von Technologieentwicklungen, Marktentwicklungen und
gesellschaftlichen Veränderungen besonders attraktive Such- und Handlungsfelder
abgeleitet, um die Anstrengungen zu fokussieren. Die Kritik an Aufwand und
Schwerfälligkeit der Umsetzung solcher Planungen sowie an der Risikoscheu der
Entscheidungsträger begründet das unternehmerische
Paradigma, bei dem der Schwerpunkt auf eigenverantwortlichem pro-aktivem
Handeln und rascher Umsetzung liegt. Das Divergenz-
und das Barrierenparadigma gehen von
Mitarbeitern und Führungskräften unterer und mittlerer Ebenen aus, die
Innovationsbedürftigkeit und Innovationsmöglichkeit erkennen und aktiv werden (sollen).
Gewährt man diesen Akteuren mehr Handlungsspielraum und Unterstützung, nehmen
die Initiativen zu. Bei zunehmendem Handlungsspielraum entwickelt sich der
Nutzenzuwachs jedoch nur degressiv, während die Kosten für die Auswahl und die
frustrierende Ablehnung linear steigen. Um den optimalen Punkt zu verbessern,
sind Orientierung gebende Führung durch die höheren Führungskräfte sowie
Effizienz steigernde Koordination durch das mittlere Management erforderlich (Gebert,
Diether 2002). Das Trichter-Paradigma
beschreibt die Entwicklung und Metamorphose von Initiativen durch das
Innovationssystem einer Organisation. Empirische Studien weisen darauf hin,
dass der Mund des Trichters recht weit geöffnet sein sollte, insb. auch
gegenüber externen Initiativen, wobei jedoch eine frühe und effektive Selektion
geeigneter Initiativen wichtig ist. Für werthaltige Initiativen, die nicht
(mehr) in den Trichter passen, sollte mit Hilfe der Methoden des Corporate
Venture Managements eine externe Verwertung gesucht werden. Im Netzwerk-Paradigma steht die externe
Gewinnung von Innnovations-Initiativen im Mittelpunkt.
In den frühen Phasen des Innovationsprozesses kommt auch der Zielbildung und der Risikoabsicherung
eine besondere Rolle zu (Gemünden,
Hans Georg 1995). Klare Ziele sind wichtig für die Motivation und
die Koordination der Beteiligten. Die Ziele sind jedoch gerade bei hoch
innovativen Entscheidungen nicht gegeben, sondern vielmehr Gegenstand eines
zeit- und arbeitsaufwendigen Lernprozesses. Daher empfiehlt es sich bei
komplexen hoch innovativen Vorhaben Machbarkeitsstudien durchzuführen, um eine
größere Zielklarheit und Zielstabilität in den späteren Phasen zu
gewährleisten. Es ist sinnvoll, Lernziele für die Reduktion der markt-,
technologie- und umfeldbezogenen Unsicherheiten zu formulieren und deren
Umsetzung organisatorisch zu unterstützen.
2. Prozesssteuerung
In den späteren Phasen nehmen Unsicherheit und
Gestaltungsfreiheiten ab, aber die Komplexität, gemessen an der Zahl der zu
koordinierenden Akteure und ihrer (weltweiten) Schnittstellen, nimmt zu. Die
schnelle und zuverlässige Umsetzung der Konzepte ist erfolgskritisch, da
Zeitverzögerungen und Fehler in diesen Phasen mit hohen zusätzlichen Kosten
oder Erlöseinbußen verbunden sind. Die Prozesssteuerung durch
Ablauforganisation, Planung und Kontrolle rücken in den Vordergrund. Um Zeit
einzusparen, rückt man von traditionellen sequentiellen Ablaufmustern ab und
versucht Phasen zu überlappen und Aktivitäten zu parallelisieren, erhöht aber
dadurch den Planungs- und Koordinationsbedarf und die Risiken. Die bevorzugten
Maßnahmen für diese Phasen sind klar definierte Ziele und Prozesse,
zeitaktuelles Projektcontrolling, insb. an wohl definierten Meilensteinen, und
ein gutes Schnittstellenmanagement zwischen den betroffenen Akteuren. Dem
Konfigurations- und Wissensmanagement sowie dem Qualitätsmanagement kommt in
diesen Phasen der Implementierung und des „ Roll-out “ eine große Bedeutung zu.
3. Promotoren
Allen Lippenbekenntnissen zum Trotz sind Innovationen
keinesfalls selbstverständlich. Es gibt vielmehr mannigfaltige Barrieren und
Widerstände gegen Innovationen. Zur Überwindung der Barrieren werden
Schlüsselpersonen benötigt, die sich aktiv und intensiv für eine Innovation
einsetzen und auch bereit sind, persönliche Risiken auf sich zu nehmen. Dabei
werden vier Arten von Promotoren unterschieden: Macht-, Fach-, Prozess- und
Beziehungspromotoren (Hauschildt,
Jürgen/Gemünden, Hans Georg 1999).
Fachpromotoren
verfügen über das Expertenwissen, um Barrieren des Nicht-Wissens zu überwinden.
Um Barrieren des Nicht-Wollens zu überwinden, bedarf es der aktiven Förderung
der Innovation durch Machtpromotoren.
Sie sind auf den obersten Führungsebenen angesiedelt und können ihr
hierarchisches Potenzial nutzen, um die erforderlichen Ressourcen
bereitzustellen, Wertkonflikte auszutragen und die Befürworter der Innovation
vor Opponenten zu schützen (Witte,
Eberhard 1973). Die Vorbereitung und Ausführung eines innovativen
Projektes erfordert zusätzlich eigenständige Prozesspromotoren, die üblicherweise im mittleren Management
angesiedelt sind. Sie tragen dazu bei, bürokratische Barrieren des
Nicht-Dürfens zu überwinden. Sie wirken als vielfältige Verknüpfer, indem sie
zwischen den Ebenen vermitteln, den Innovationsprozess initiieren, über seine
Phasen hinweg begleiten und indem sie die Arbeit verschiedener Spezialisten
motivieren und koordinieren. Viele Innovationsprozesse bergen bilaterale oder
multilaterale Innovationskooperationen zwischen verschiedenen Unternehmen,
Hochschulen oder Forschungsinstitutionen. Um die vielfältigen Barrieren der
Kooperation mit externen Partnern zu überwinden, werden Beziehungspromotoren benötigt. Sie kennen potenzielle
Kooperationspartner, besitzen gute persönliche Beziehungen zu ihnen und können
Kooperationen mit ihnen anbahnen und Vertragsverhandlungen unterstützen. Sie
sind sowohl für den Einkauf als auch für den Verkauf von Know-how von
entscheidender Bedeutung und tragen zur erfolgreichen Durchsetzung von
Innovationen im Markt bei. Vor diesem Hintergrund wird das Finden, Fördern und
Binden der Promotoren sowie die Bildung von internen und externen sozialen
Netzwerken, die die Zusammenarbeit der Promotoren fördern, eine zentrale Aufgabe
des Innovationsmanagements.
4. Teams
Multifunktionale interdisziplinäre Teams spielen im
Innovationsmanagement eine zentrale Rolle. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass
der Wissensaustausch zwischen den Funktionsbereichen erfolgt und neue Lösungen
entstehen, die den unterschiedlichen Anforderungen von Forschung und
Entwicklung, Marketing und Produktion entsprechen. Dabei kommt es entscheidend
auf eine gute Qualität der Zusammenarbeit innerhalb der Teams an, insb. bei
hoch innovativen Vorhaben (Högl,
Martin/Parboteeah, K. Praveen/Gemünden, Hans Georg 2003). Bei großen
Innovationsvorhaben mit zahlreichen Teams gewinnt auch die Gestaltung der
Zusammenarbeit zwischen den Teams eine große Bedeutung (Gemünden,
Hans Georg/Högl, Martin 2001).
5. Markt- und technologiebezogene Interaktionen
Mit zunehmender Fokussierung auf Kernkompetenzen gewinnt die
Kooperation mit Partnern, die komplementäre Ressourcen in ein innovatives
Geschäft einbringen, zunehmend an Bedeutung, insb. im internationalen Geschäft
(Walter, Achim
2003). Daher spielen die externen Innovationsnetzwerke zur Gewinnung und
Vermarktung neuen Wissens eine große Rolle. Voraussetzungen für ein
erfolgreiches Netzwerkmanagement sind eine klare technologiebasierte Strategie,
hohe eigene Kompetenzen, die die Attraktivität als Entwicklungs- und
Vermarktungspartner erhöhen sowie eine hohe Netzwerkkompetenz, um die einzelnen
Kooperationen erfolgreich zu managen und ihre Koordination zu verbessern (Ritter,
Thomas/Gemünden, Hans Georg 2003).
IV. Management von
Innovationssystemen
1. Management der Innovationsstrategie
Die auf Innovationen ausgerichteten Aktivitäten der
Organisation bedürfen einer Zielvorstellung mit langfristiger Bindungswirkung –
einer Innovationsstrategie. Diese muss mit der Wettbewerbsstrategie laufend
synchronisiert werden. Zentrale Elemente der Innovationsstrategie umfassen in
inhaltlicher Hinsicht die Ausrichtung auf spezifische Technologiefelder
(Technologiestrategie) sowie das Ausmaß des angestrebten Innovationsgrades (Specht,
Günter/Beckmann, Christoph 1996). Strategische Optionen zur
Wissensgewinnung unterscheiden zwischen der Alleinentwicklung und verschiedenen
Formen der externen Wissensakquisition (Brockhoff,
Klaus 1999). In Verbindung mit der Wettbewerbsstrategie ist zudem
die zeitliche Orientierung (Führer- oder Folgerstrategie) relevant (Schewe,
Gerhardt 1992).
Um die Umsetzung der Innovationsstrategie sicherzustellen,
muss das Innovationssystem eine Verknüpfung der Innovationsstrategie mit
einzelnen Innovationsprozessen im Sinne eines strategischen Portfoliomanagements erreichen.
2. Management von Innovationsprogrammen
Das Management von Innovationsprogrammen vereinigt
verschiedene Aufgaben:
-
Im Sinne eines Initiativen-Managements
ist sicherzustellen, dass laufend ausreichend Initiativen zur Innovation
angeregt werden und dass diese Initiativen nicht probleminadäquat vor einer
systematischen Beurteilung ausgesteuert werden. Die Bereitschaft und Qualität
von Initiativen durch Mitarbeiter ist abhängig von der Motivation
und dem individuellem Wissen
(Mensel,
Nils 2004). Damit Initiativen nicht nur inkrementale
Verbesserungsvorschläge umfassen, muss das Initiativen-Management
intrinsische Motivation fördern und den Mitarbeitern Zugang zu strategischem
Wissen ermöglichen. Die Unterstützung von Initiativen sollte sowohl als
laufende Aufgabe institutionalisiert werden (Vorschlagswesen etc.) als auch
Gegenstand eigener Initiativprojekte sein (Ideen-Olympiaden,
Lead-user-Workshops etc.).
-
Die Autonomie
von Innovationsvorhaben ist ein wichtiger Gestaltungsparameter von
Innovationsprogrammen (Gaitanides,
Michael/Wicher, Hans 1985). Eine zentrale Herausforderung ist die
Positionierung von Innovationsprozessen innerhalb der Organisation in
Abhängigkeit ihres Innovationsgrades (Tushman,
Michael/O\'Reilly, C. 1997). Dabei muss zum einen ein ausreichender
Zugriff auf vorhandene Ressourcen der Organisation gewährleistet sein, um
Entwicklung und Wachstum effizient unterstützen zu können, und zum anderen
muss ausreichende Unabhängigkeit sichergestellt werden, damit
Innovationsprozesse nicht durch Aufgaben des Tagesgeschäfts dominiert werden.
-
Während im Portfoliomanagement übergeordnete
strategische Entscheidungen zur Struktur von Innovationsprogrammen getroffen
werden, setzt das Programmmanagement auf taktischer und operativer Ebene Standards für die prozessbegleitende
Zuteilung und Kontrolle der Ressourcenverwendung in Innovationsprozessen.
Empirische Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Ansatz starker
Formalisierung und sequenzieller Bearbeitung diskreter Projektphasen wie er
in „ Stage-Gate-Modellen “ (Cooper,
Robert/Kleinschmidt, Elko J. 1986) vorgesehen ist, eher für
inkrementale Innovationsvorhaben geeignet ist.
-
Die Aufgabe der Prozessstrukturierung umfasst auch die
Gestaltung zentraler Transferprobleme. Dabei sind insb. die zentralen Schnittstellen zwischen der nicht
produktbezogenen Forschung und Vor-Entwicklung und der anwendungsbezogenen
(Serien-)Entwicklung und sowie zwischen Entwicklung einerseits Produktion und
Marketing anderseits zu koordinieren (Benkenstein,
Martin 1987). Das Innovationssystem kann diese Aufgabe durch
prozessübergreifende Koordinationsmaßnahmen wie z.B. spezielle
Transferabteilungen, Prozesspromotoren, Steuerungsgremien und integrierte
Planungsansätze erfüllen (Brockhoff,
Klaus/Hauschildt, Jürgen 1993).
3. Innovationsorientierte Organisationskultur
und Anreizsysteme
Unter einer innovationsorientierten Organisationskultur
sind Einstellung, Werte und Verhaltenweisen zu subsumieren, die Bereiche wie
Risikofreude, Fehlertoleranz, kreative Atmosphäre, Aggressivität und
unternehmerische Einstellung umfassen (Hauschildt,
Jürgen 1997). Zwar entwickelt sich eine Organisationskultur eher in
einem zeitintensiven evolutorischen Prozess und ist daher auch nur in einem
komplexen und ressourcenintensiven Prozess zu beeinflussen (Andriopoulos,
Costa 2001). Die Gestaltung von Anreizsystemen, die Rekrutierung von
geeignetem Personal und die Vorbildfunktion von Führungskräften sind jedoch
grundsätzlich geeignet, eine innovationsorientierte Kultur zu fördern.
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