Inhaltsübersicht
I. Begriffliche
Einordnung
II. Gegenstände
des FuE-Controlling
III. Internes
Rechnungswesen und FuE-Controlling
IV. Einbindung
des FuE-Controlling in die Organisation
I. Begriffliche Einordnung
Die Literatur stimmt in einem Punkte überein: Es gibt keine
Übereinstimmung hinsichtlich des Begriffs Controlling. Hier wird eine weite
Begriffsfassung bevorzugt, um viele Teilaspekte berücksichtigen zu können.
Aufgrund einer Diskussion der Strukturmerkmale von Controlling-Konzeptionen
kann gezeigt werden, dass eine weite Auffassung „ uneingeschränkt führungsorientiert “
ist (Schweitzer,
M./Friedl, B. 1992). In Anlehnung an eine dieser Konzeptionen
(vgl. Weber, J.
1999) wird Controlling die Aufgabe zugewiesen, die Rationalität der
Führung eines Unternehmens oder eines Teils eines Unternehmens im Rahmen eines
bestimmten Kontextes zu ermöglichen. Dies ist eine Sichtweise, in der
funktionale und institutionelle Aspekte integriert werden können und je nach
der besonderen Ausprägung der zur Ermöglichung der Führungsrationalität
berücksichtigten Elemente zugleich unterschiedliche Typen des
Controlling-Verständnisses abbilden kann (vgl. Weber, J.
1999, S. 40). Tatsächlich zeigt der Blick in die Praxis, dass auch dort
das Aufgabenspektrum der Controller unscharf abgegrenzt ist und durch die
Verschiedenartigkeit der Schwerpunktwahl eben gleichfalls zur Bildung unterschiedlicher
Typen führt. Dies gilt selbst dann, wenn man sich auf eine bestimmte Art von
Führungsaufgaben konzentriert, wie beispielsweise die der Führung von
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.
Forschung und Entwicklung (im Folgenden: F&E) wurde als
eine Menge von Aktivitäten definiert, die durch Kombination von
Produktionsfaktoren zur Gewinnung neuen Wissens beitragen soll (vgl. Brockhoff, K.
1999, S. 48), wobei aus unternehmerischer Perspektive nur solches Wissen
interessiert, durch dessen Nutzung die Wettbewerbsposition des Unternehmens
gestärkt wird. Einzelne Elemente der hier herangezogenen Definition werden an
der angegebenen Stelle erläutert. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass durch
einen umweltinduzierten Wandel der F&E auch Konsequenzen für das
F&E-Controlling erwachsen. Dieser Wandel wird einmal darin gesehen, dass
heute ingenieur- und naturwissenschaftliches Wissen nicht mehr ausreicht, um
die Wettbewerbsposition zu stärken, sondern dieses in hohem Maße mit –
beispielsweise – sozialwissenschaftlichem Wissen kombiniert werden muss. Nur
damit können häufig Zulassungsprozeduren erfolgreich durchgestanden und
Diffusionsprozesse eingeleitet werden. Dies gilt besonders dort, wo neue
Technologien einer latent kritischen Einstellung ihrer potenziellen Nutzer
gegenüberstehen. Damit wandelt sich das F&E-Management zum Innovationsmanagement.
Ein anderer Aspekt des Wandels wird darin gesehen, dass höherer
Wettbewerbsdruck und die Nachfrage nach komplexeren Produkten dazu führen, dass
die Wissensbeschaffung nicht ausschließlich unternehmensintern erfolgt und die
Wissensverwendung ebensowenig auf das Unternehmen selbst beschränkt werden
kann. Damit wandelt sich das F&E-Management zum Technologiemanagement oder
zu einem technologischen Wissensmanagement. Insbesondere die externe
Wissensbeschaffung führt zu neuen Controlling-Aufgaben, was beispielsweise
durch den Hinweis auf F&E-Kooperationen überzeugend belegt wird.
Selbst bei einer traditionellen und engen Bezugnahme auf
F&E ist zu berücksichtigen, dass unter diesem Begriff ein sehr
uneinheitliches Spektrum von Aktivitäten anzutreffen ist. Sie werden unscharf
in die Gruppen der Grundlagenforschung, der Angewandten Forschung und der
Entwicklung unterteilt, wobei allein schon diese Begriffsbildungen Folgen für
die Strategieformulierung oder die Budgetaufteilung haben (vgl. Averch, H.A.
1991) und unterschiedliche Unsicherheitsniveaus in den vorstellbaren
Produktionsprozessen für neues Wissen sowie unterschiedlich enge Orientierungen
am Verwertungsziel des neuen Wissens zum Ausdruck bringen. Auch deshalb ist zu
verstehen, dass Controller in den Unternehmen branchen- oder
unternehmensspezifische Unterteilungen des gesamten Aktivitätsspektrums von F&E
antreffen.
Mit diesen Hinweisen wird deutlich, dass F&E-Controlling
in dem Sinne bereichsbezogen ist, dass es die Führungsrationalität von
Handlungsträgern in F&E-Bereichen unterstützt. Das kann aber bedeuten, dass
die betrachteten Aktivitäten über die an der Personalzuordnung zu F&E
gezogenen organisatorischen Grenzen hinausreichen.
II. Gegenstände des
F&E-Controlling
1. Organisationscontrolling
Das F&E-Controlling sollte in größeren Zeitabständen die
Aufbau- und die Ablauforganisation der F&E-Bereiche des Unternehmens
untersuchen. Bei der Aufbauorganisation stellen sich Fragen nach ihrer
Einbettung in das Unternehmen und ihrer Binnengliederung. Aspekte der
Realisierung von Spezialisierungsvorteilen sind gegenüber denjenigen Aspekten
abzuwägen, die die Kommunikation zwischen der Innen- und Außenwelt des
Unternehmens beeinflussen. Unter Berücksichtigung der F&E-internen
Kommunikation sind gute Gründe für die Existenz optimaler
F&E-Bereichsgrößen angegeben (vgl. Brockhoff, K.
1999) und sogar empirisch nachgewiesen worden (vgl. Kümmerle, W.
1998). Die Internationalisierung von F&E stellt besonders in
Unternehmen mit breit gefächerten Angebotsprogrammen eine zusätzliche
Herausforderung an das Controlling dar, weil mit den häufig anzutreffenden
Nabe-Speiche-, Netzwerk- oder Kompetenzzentrumsorganisationen ganz spezifische
Vor- und Nachteile verbunden sind. Allerdings sind diese bisher überwiegend aus
Sicht der Unternehmenszentrale heraus untersucht worden (vgl. Schmaul, B.
1995), wobei eine Tendenz zur Rezentralisierung erkennbar wird. Dies könnte
aber auch eine besondere Form des Antwortbias sein.
Bei der Ablauforganisation, die natürlich von der
Aufbauorganisation nicht völlig unabhängig ist, sind in den letzten Jahren vor
allem solche Maßnahmen untersucht worden, die eine Verkürzung der Entwicklungsdauer
ermöglichen, ohne dabei andere wettbewerbsrelevante Entwicklungsziele
aufzugeben (vgl. Murmann, P.
1994). Neuere organisatorische Lösungen, wie das concurrent engineering
oder das simultaneous engineering, haben dabei zugleich tiefgreifende Wirkungen
auf die zwischen den überlappend bearbeiteten Projektmodulen ausgetauschten
Informationen. Die Bewältigung dieser Probleme ist durch Computerunterstützung
von Entwicklungsprozessen (computer aided design) wesentlich gefördert worden.
Der Verzicht auf eine kommentarlose Weiterreichung von Teilaufgaben an
nachgelagerte organisatorische Einheiten, wie er früher häufig praktiziert
wurde, hat auch zu einer intensiven Befassung mit Problemen des
Schnittstellen-Management beigetragen. Hier kann das Controlling zur Auswahl
einer Vielzahl einerseits personen- oder objektorientierter und andererseits struktur-
oder prozessorientierter Instrumente beitragen (vgl. Brockhoff, K.
1994).
2. Bereichscontrolling
Die bei gegebener Organisation innerhalb des F&E-Bereichs
ablaufenden Aktivitäten sollen sowohl effektiv als auch effizient gesteuert
werden. Hierzu steht eine Vielzahl von Prognose- und Planungstechniken sowie
Kennzahlen zur Verfügung. Diese können hier nur beispielhaft erwähnt werden.
Ihr Einsatz ist in hohem Maße von dem Charakter der F&E-Aktivitäten
abhängig. Für einen Teil der an Aufgaben mit geringem Neuheitsgrad orientierten
Planungs- und Analysetechniken fehlen die Anwendungsvoraussetzungen, wenn
Aufgaben mit hohem Neuheitsgrad zu bewältigen sind, wie beispielsweise in der
Angewandten Forschung oder der Grundlagenforschung. In diesem Bereich greifen
auch Unternehmen auf Controlling-Techniken zurück, wie sie sich in akademischen
Institutionen herausgebildet haben, beispielsweise peer reviews oder
Forschungsaudits. Damit wird durchaus theoretischen Überlegungen zur
aufgabenspezifischen Gestaltung von Kontrollsystemen entsprochen (vgl. Ouchi, W.
1979).
Zu den Prognosetechniken zählen diejenigen der
Technologieprognose, beispielsweise Delphi-Studien (in denen durch eine
besondere Form der Befragung von Experten ein konsensuelles Urteil über die
Wahrscheinlichkeit des Auftretens bestimmter Technologien in künftigen Jahren
gesucht wird), Szenarien (in denen ein widerspruchsfreies Bild auf einen
bestimmten Zeitpunkt bezogener künftiger Technologien so wie gesellschaftlicher
Zustände gezeichnet wird) und S-Kurven (in denen die Entwicklung der
technologischen Leistungsfähigkeit einer bestimmten Art von Technologien über
die Zeit oder in Abhängigkeit von den kumulierten F&E-Aufwendungen dargestellt
wird). Trotz ihrer unmittelbaren Plausibilität ist die Validität der mit
solchen Methoden abgeleiteten Ergebnisse häufig in Frage zu stellen (vgl. Brockhoff, K.
1999). Als wesentlicher Grund dafür gilt, dass es bisher keine
überzeugende und operationale Produktionsfunktion für technologisches Wissen
gibt, sodass der Versuch einer Aggregation von Expertenmeinungen an ihre Stelle
tritt.
Zu den Planungstechniken zählen vor allem verschiedene Typen
von Portfolios, die sowohl zur Ist-Aufnahme als auch zur Darstellung von
Soll-Zuständen dienen können. Auf den Bereich einer reinen F&E-Planung
bezogen, sind hier zum Beispiel Technologieportfolios zu nennen. In ihnen
werden die in einem Bereich verfolgten Projekte nach wettbewerbsrelevanten
Kriterien, wie Technologieattraktivität im Sinne breiter Nutzbarkeit und
Ressourcenstärke im Sinne relativer finanzwirtschaftlicher und auf Know-how
begründeter Überlegenheit gegenüber Wettbewerbern, aufgrund meist subjektiver
Einschätzungen abgebildet. Der Abbildung werden Normstrategien unterlegt,
aufgrund derer zukünftig bevorzugte Portfolios entstehen sollen (vgl. Pfeiffer, W.
et al.1985). Eine spezifische, auf objektiven Daten begründete Form von
Technologieportfolios stellen Patentportfolios dar, die nicht nur zur Steuerung
von Forschung und Entwicklung verwendet werden können, sondern auch
beispielsweise zur Beurteilung von mergers und acquisitions oder zur
Identifikation von Schlüsselerfindern.
Im zwischenbetrieblichen Vergleich (benchmarking) und im
Zeitvergleich können Kennzahlen eine wesentliche Hilfe bei der Steuerung von
F&E-Bereichen sein. Kennzahlen können aber auch innerbetrieblich von hohem
Nutzen sein, wenn es darum geht, Leistungen von F&E-Bereichen in einer
solchen Weise zu beschreiben, wie dies für andere Funktionsbereiche eines
Unternehmens längst üblich ist, obwohl jede dieser Kennzahlen nur ein
partielles Maß darstellt. So könnte beispielsweise in Parallele zum Marktanteil
ein Technologieanteil bestimmt werden, der die qualitätsgewichtete Anzahl
eigener Patente zu denen aller Wettbewerber in Beziehung setzt (vgl. Brockhoff,
K./Chakrabarti, A.K. 1997).
Soweit diese Kennzahlen lediglich Inputs zueinander in
Beziehung bringen, wie bei der Bestimmung des F&E-Aufwands je
Wissenschaftler, sind sie relativ unproblematisch. Die Bildung von
Input-Output-Kennzahlen, wie beispielsweise F&E-Aufwand je Patent, sind
allerdings sehr problematisch, weil in ihnen bei periodenweiser Bestimmung in
der Regel die zeitliche Verzögerung zwischen Inputs und zugehörigen Outputs
nicht oder nur pauschal berücksichtigt wird. Ebenso wie für andere Bereiche
setzt sich in F&E der Gedanke durch, dass eine Kennzahl für die Steuerung nicht ausreicht und deshalb eine
ausbalancierte Menge von Kennzahlen zu verschiedenen direkt oder indirekt zur
Erzielung guter finanzwirtschaftlicher Ergebnisse beitragende Kennzahlen
(Balanced Scorecard: vgl. Weber,
J./Schäffer, U. 1999) miteinander zu verknüpfen und gemeinsam
zu analysieren sind. In der Zusammenstellung solcher Kennzahlen-Mengen und der
Analyse ihrer Aussagen sowie in der Diffusion dieses Intruments liegt eine
bedeutende Controlling-Aufgabe.
3. Projektcontrolling
Wegen der Möglichkeit, Projektaufwendungen, Bearbeitungsdauer
und Ergebnisniveau zumindest partiell gegeneinander zu substituieren, ist eine
gemeinsame Erfassung und Analyse dieser drei Größen und der bei ihnen
entstehenden Abweichungen erforderlich. Erstaunlicherweise wird dieser seit
langem bekannten Tatsache in der Praxis nicht immer entsprochen (vgl. Reinhardt, W.
1993; Warschkow, K.
1993). Vor allem die Zeitüberwachung und die Analyse aus einer Hand sind
vernachlässigt worden. Das Controlling darf sich dabei aber nicht allein auf
Plan-Ist-Abweichungen beschränken, sondern sollte zusätzlich auch den Realismus
der Pläne in Plan-Plan-Abweichungen erfassen. Als Zeitpunkte für die
Abweichungsanalysen bieten sich die für das Erreichen von Meilensteinen im
Projektablauf vorgesehenen an. Eine Vielzahl von Darstellungstechniken für die
Abweichungen sind in der Literatur vorgestellt worden. Stärker marktorientierte
Controlling-Techniken, wie Target
Costing, haben dabei in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen
(vgl. Werner, H.
1997).
Einen häufig vernachlässigten Aspekt des Projektcontrolling
stellt die im Laufe der Projektbearbeitung sich verändernde Auffassung über die
Wahrscheinlichkeit dar, einerseits einen technologischen Erfolg und
andererseits einen Markterfolg zu erzielen. Fasst man diese beiden Komponenten
als voneinander unabhängig auf, so können sie als die Achsen eines als
Unsicherheitskarte bekannten Diagramms dienen. Die Verfolgung der Projekte in
diesem Diagramm sollte zum Abbruch führen, wenn beide Wahrscheinlichkeiten
sinken. Nur wenn beide Wahrscheinlichkeiten steigen, sollte eine Weiterführung
erfolgen. Besonders problematisch ist es, wenn die technologischen
Unsicherheiten abgebaut werden können, die Marktunsicherheiten aber nicht und
umgekehrt. In diesen Fällen sind sorgfältige Analysen erforderlich (vgl. Lange, E.
1993).
Die Berücksichtigung institutioneller Bedingungen als
Projektkontext kann bedeutsam sein. Darauf weist die Untersuchung des
Projektcontrolling in Hochschulen hin (vgl. Hartmann,
Y.E. 1998).
III. Internes
Rechnungswesen und F&E-Controlling
Von den spezifischen Gegenstandsbereichen nicht unmittelbar
zuzuordnenden Instrumenten des F&E-Controlling, die in Dokumentations-,
Planungs- und Kontrollinstrumente unterteilt werden, können hier nur einige
Aspekte zur ersten Gruppe angesprochen werden.
Die dazu zu zählende Kostenrechnung und erst recht die
Leistungsrechnung wird in F&E-Bereichen (Kostenstellen) und für
F&E-Projekte (mögliche Kostenträger) bisher nur rudimentär eingesetzt (d.h.
es erfolgt eine Beschränkung auf Kostenartenrechnung). Das ist um so
erstaunlicher, als einmal empirisch gezeigt werden konnte, dass ein zunehmender
Grad an Differenzierung dieser Rechenwerke mit dem Erfolg positiv korreliert
ist (vgl. Littkemann,
J. 1997). Zum anderen ist dies erstaunlich, weil sowohl für
die Ebene der F&E-Bereiche (vgl. Dellmann, K.
1982) als auch für die der Projekte (vgl. Coenenberg,
A.G./Raffel, A. 1988) ausgearbeitete Vorschläge für die
Gestaltung der Rechnungssysteme vorliegen, die im letztgenannten Fall auch noch
weiter vertieft wurden (vgl. Brockhoff, K.
1999).
Die Kosten- und Leistungs- bzw. Erlösrechnung ist nicht nur
für die bereichs- oder projektbezogene Ergebnisdarstellung von Interesse,
sondern aus wenigstens zwei weiteren Gründen. Erstens bieten neuere Techniken
der Marktforschung die Möglichkeit, Preisziele zu entwickeln, aus denen dann
retrograd auch Kostenziele abgeleitet werden können. Natürlich erfordert deren
Einhaltung eine Konstruktionsbegleitende Kostenrechnung (allgemeiner:
entwicklungsbegleitende Kostenrechnung), die mit der Verfolgung von
Meilensteinen verknüpft werden sollte, um den eingangs genannten simultan zu
erreichenden Zielen zu entsprechen. Von weiterer Bedeutung ist die Verknüpfung von
Projektkosteninformationen mit Projektcharakteristika, um beispielsweise auf
regressionsrechnerischer Basis Projektkostenprognosen abzuleiten. Freilich sind
diese Möglichkeiten um so stärker beschränkt, je höher der Neuheitsgrad der
Aufgabenstellung ist (vgl. Platz,
J./Schmelzer, H.J. 1986; Marschak,
T./Glennan, T.K./Summers, R. 1967). Zum Zweiten bietet das
Rechnungswesen eine Grundlage für die Entwicklung eines extrinsisch
motivierenden Anreizsystems auf betrieblicher Ebene, das rechtlichen
Generalnormen (wie im Arbeitnehmererfindergesetz) deshalb überlegen sein kann,
weil die besonderen Bedingungen der Erzeugung neuen Wissens (z.B. international
zusammengesetzte Teams, Einbeziehung von Externen) und der Beteiligten (z.B.
unterschiedliche Bedürfnisse in verschiedenen Lebensphasen) besser zu
berücksichtigen sind.
Die Kosten- und Leistungsrechnung stellt ein hochaggregiertes
Element eines vom Controlling zu entwickelnden und zu pflegenden Berichtssystems
dar. Es dient der Vorbereitung, der Entscheidungsfindung, der
Fortschrittskontrolle und der Nachbereitung von F&E-Aktivitäten.
Beispielsweise ist eine laufende Zuordnung individuell geleisteter
Arbeitsstunden zu einzelnen Projekten oder Gemeinkosten-Kostenstellen eine
Voraussetzung für eine Kostenträgerrechnung auf Projektbasis und die manuelle
oder elektronische Führung von Laborbüchern die Grundlage für Projektberichte,
Begründung von Prioritätsrechten oder der Gewinnung von Lernerfahrungen.
Neben diesen Dokumentationen von F&E-Aktivitäten sind
Dokumentationen für F&E-Aktivitäten zu nennen, denen im Zuge neuerer
Überlegungen zum Wissensmanagement hohe Bedeutung zugemessen wird.
Beispielsweise sind Literatur-, Patent-, Projekt-, Geräte- oder Spezialistendatenbanken
zu nennen, durch die Hinweise auf potenzielle Inputfaktoren ebenso gewonnen
werden, wie sie der Vermeidung von Doppelarbeiten dienen und damit
Effizienzziele erfüllen. Der zweckmäßige Aufbau solcher Instrumente und die
Regelung der Zugriffsrechte auf sie stellen ebenfalls Controlling-Aufgaben dar.
IV. Einbindung des
F&E-Controlling in die Organisation
Es gibt unterschiedliche Lösungen, um das F&E-Controlling
in die Aufbauorganisation eines Unternehmens einzufügen. Es hat den Anschein,
dass der dem Controlling zugemessene Aufgabenumfang, der mit der jeweiligen
Definition von Controlling ebenso variiert wie mit der Größe und Führung (vgl. Bürgel,
H.D./Haller, C./Binder, M. 1996) des F&E-Bereiches, die
Größe des Unternehmens sowie die Aufbauorganisation der F&E-Organisation
wichtige Bestimmungsgrößen für die Wahl der Organisationsform sind. Auch
unternehmensexterne Bestimmungsgründe können relevant werden, wenn
beispielsweise Drittmittelgeber oder Kooperationspartner bestimmte Lösungen
durchsetzen. Zwischen den Extremlösungen der Wahrnehmung von
F&E-Controllingaufgaben als Teil einer anderen Aktivität, wie Planung oder
Revision, und der Schaffung einer ausschließlich auf F&E konzentrierten
Controlling-Funktion liegt die häufig realisierte Form einer
Doppelunterstellung des F&E-Controlling disziplinarisch unter ein
unternehmensübergreifendes Controlling und fachlich unter die Leitung des
F&E-Bereichs (vgl. Offermann, A.
1985). Trotz der generell zu vermutenden Probleme von
Doppelunterstellungen liegen darin Vorteile, weil eine fachliche Orientierung
an den Bedürfnissen des F&E-Bereichs erfolgt und übergreifende Aspekte
aufgrund der disziplinarischen Zuordnung zum zentralen Controlling zur Geltung
gebracht werden können (vgl. Stockbauer,
H. 1989). Ersteres ist von Bedeutung, weil die Prozesse zur
Erzielung neuen Wissens aufgrund ihrer Zeitdauer, der Unschärfe einiger ihrer
Inputs sowie der Unsicherheit ihres Erfolgs spezifische
Controlling-Anforderungen zur Folge haben, die in routinemäßig ablaufenden, aus
Gozinto-Graphen oder Rezepturen klar bekannten Inputfaktoren und bei hoher
Erfolgssicherheit regelmäßig nicht auftreten. Es kommt hinzu, dass durch einen
vergleichsweise geringen Anteil von F&EAufwendungen an den
Gesamtaufwendungen ein ungewöhnlich hoher Anteil an den Gesamtaufwendungen von
Produkten bestimmt wird, sodass durchgreifende Korrekturen in der Frühphase
einer Entwicklung höhere Wirkungen haben können als während späterer
Produktionsprozesse. Damit wird aber auch erneut deutlich, dass
F&E-Controlling über den F&E-Bereich hinaus wirkt.
Literatur:
Averch, H.A. : The
political economy of R&D taxonomies, in: Research Policy, Jg. 20, H.
3/1991, S. 179 – 194
Brockhoff, Klaus :
Forschung und Entwicklung. Planung und Kontrolle, München, 5. A., 1999
Brockhoff, Klaus :
Management organisatorischer Schnittstellen – unter besonderer Berücksichtigung
der Koordination von Marketingbereichen mit Forschung und Entwicklung,
Göttingen 1994
Brockhoff,
Klaus/Chakrabarti, Alok K. : Take a proactive approach to negotiating your
R&D budget, in: Research-Technology Management, Jg. 40, H. 5/1997, S. 37 – 42
Bürgel, Hans
Dietmar/Haller, Christine/Binder, Markus : F&E-Management, München 1996
Coenenberg, Adolf
G./Raffel, Andreas : Integrierte Kosten- und Leistungsrechnung von Forschungs-
und Entwicklungsprojekten, in: Kostenrechnungspraxis, H. 5/1988, S. 199 – 207
Dellmann, Klaus :
Rechnung und Rechnungslegung über Forschung und Entwicklung, in: WPg,
Jg. 35, H. 20/1982, S. 557 – 561
Dellmann, Klaus :
Rechnung und Rechnungslegung über Forschung und Entwicklung, in: WPg,
Jg. 35, H. 21/1982, S. 587 – 590
Hartmann, Yvette E. :
Controlling interdisziplinärer Forschungsprojekte. Theoretische Grundlagen und
Gestaltungsempfehlungen auf der Basis einer empirischen Erhebung, Stuttgart
1998
Kümmerle, Walter : Optimal
scale of research and development laboratories abroad, in: Research Policy,
1998, S. 111 – 126
Lange, Edgar :
Abbruchentscheidungen für F&E-Projekte, Wiesbaden 1993
Littkemann, Jörn :
Innovation und Rechnungswesen, Wiesbaden 1997
Marschak, Thomas/Glennan
jr., Thomas K./Summers, Robert : Strategies for R&D. Studies in the
Microeconomics of Development, Berlin et al. 1967
Murmann, Philipp :
Zeitmanagement für Entwicklungsbereiche im Maschinenbau, Wiesbaden 1994
Offermann, Andreas :
Projekt-Controlling bei der Entwicklung neuer Produkte, Frankfurt 1985
Ouchi, William G. : A
Conceptual Framework for the Design of Organizational Control Mechanisms, in:
Management Science, 1979, S. 833 – 848
Pfeiffer, Werner :
Technologie-Portfolio zum Management strategischer Zukunftsgeschäftsfelder,
Göttingen, 5. A., 1989
Platz, Jochen/Schmelzer,
Hermann J. : Projektmanagement in der industriellen Forschung und Entwicklung,
Berlin et al. 1986
Reinhardt, Walter :
Controlling von F&E-Projekten: ergebnis- und prozessorientiertes F&E-Projektcontrolling
als Baustein im Konzept just in time in F&E und Konstruktion,
Ludwigsburg/Berlin 1993
Schmaul, Bernd :
Organisation und Erfolg internationaler Forschungs- und Entwicklungseinheiten,
Wiesbaden 1995
Schweitzer,
Marcel/Friedl, Birgit : Beitrag zu einer umfassenden Controlling-Konzeption,
in: Controlling. Grundlagen – Informationssysteme – Anwendungen, hrsg. v.
Spremann, Klaus/Zur, Eberhard, Wiesbaden 1992, S. 141 – 167
Stockbauer, Herta :
F&E-Controlling, Wien 1989
Warschkow, Kai : Organisation
und Budgetierung zentraler F&E-Bereiche, Stuttgart 1993
Weber, Jürgen :
Einführung in das Controlling, Stuttgart, 8. A., 1999
Weber, Jürgen/Schäffer,
Utz : Balanced Scorecard & Controlling, Wiesbaden, 2. A., 1999
Werner, Hartmut :
Strategisches Forschungs- und Entwicklungs-Controlling, Wiesbaden 1997
|