Inhaltsübersicht
I. Konzeptionelle
Grundlagen des Prozessmanagements
II. Planungsaufgaben
im Rahmen des Prozessmanagements
III. Kontrollaufgaben
im Rahmen des Prozessmanagements
I. Konzeptionelle
Grundlagen des Prozessmanagements
Prozessmanagement beinhaltet die Gesamtheit aller Maßnahmen,
die der zielorientierten Integration und Koordination von Prozessen im Hinblick
auf Kosten, Qualität und Zeit dienen. Unter einem Prozess ist dabei eine auf
das Erbringen eines Outputs gerichtete Kette von Aktivitäten zu verstehen, die
durch Input- und Outputbeziehungen charakterisiert werden kann. Prozesse können
nach verschiedenen Kriterien, wie z.B. der Zugehörigkeit bzw. Zuordenbarkeit zu
betrieblichen Funktionen, organisatorischen Einheiten oder Unternehmen, dem
Beitrag zur Wertschöpfung, der Wiederholbarkeit, der Spezifität etc.
systematisiert werden. Mit der Integration von Prozessen ist die konzeptionelle
Gestaltung und Abstimmung von Prozessen angesprochen. Die Koordination von
Prozessen umfasst Abstimmungsvorgänge im Zusammenhang mit der Nutzung von
Prozessen und Prozessstrukturen. Aus der Integrations- und Koordinationsaufgabe
des Prozessmanagements sind Planungs- und Kontrollaufgaben abzuleiten, die im
Folgenden dargestellt werden.
Für die Beurteilung der Vorteilhaftigkeit alternativer
Prozesse und Prozessstrukturen sind deren Auswirkungen auf Prozesskosten,
Prozessqualität und Prozessdauer zu bestimmen. Die benötigten
Prozesskosteninformationen können mit Hilfe einer Prozesskostenrechnung (vgl.
z.B. Kloock, Josef
1992; Horváth,
Péter/Mayer, Reinhold 1993) ermittelt werden.
Prozesskostenrechnungen stellen Informationen darüber bereit, welcher
Ressourcenverzehr und welche Kosten den Prozessen bspw. in der Beschaffung, der
Produktion, dem Vertrieb, der Verwaltung, dem Service oder in Forschung und
Entwicklung zugerechnet werden können. Mit der Planung der Prozesskosten ist
oftmals zugleich eine Planung der Prozessdauer verbunden, da aus dieser die
Anzahl maximal durchführbarer Prozesswiederholungen in einer Periode
(Prozesskapazität) hervorgeht. Bei der Planung der Prozesskapazität sind
Warte-, Durchlauf- und Lagerungszeiten etc. ergänzend zu berücksichtigen. Zur
Messung der Prozessqualität sind Kennzahlen wie z.B. Fehlerquoten, Anzahl
Rücksendungen, Anzahl Reklamationen oder Ausschussquoten heranzuziehen, die
Auskunft darüber geben, inwieweit den Anforderungen der jeweiligen internen
oder externen Kunden entsprochen wird (vgl. Kaplan,
Robert S./Norton, David P. 1997, S. 89 ff.). Den Zusammenhang von
Prozessqualität und Prozesskosten macht eine Qualitäts(prozess)kostenrechnung
deutlich, welche die Kosten zur Vermeidung fehlerbehafteter Produkte und
Prozesse, die Kosten von Qualitätstests sowie die internen und externen Kosten
für fehlerbehaftete Produkte und Prozesse ausweist (vgl. Drury, Colin
2004). Auf der Grundlage der Informationen über (Teil-)Prozesse sind Kosten,
Qualität und Dauer übergeordneter (Haupt-)Prozesse zu bestimmen, die entweder
vollständig in einer Periode (z.B. Kosten und Dauer der Abwicklung eines
periodenbezogenen Kundenauftrags von der Bestellung bis zur Auslieferung) oder
in mehreren aufeinander folgenden Perioden (bspw. Kosten und Dauer der
Konzeption, Entwicklung und Konstruktion eines Produktes bis zu seiner
Markteinführung) ablaufen.
Letztlich zielt das Prozessmanagement auf eine Optimierung
des Erfolgs des Unternehmens oder der betrachteten Geschäftseinheit ab. Da die
zu treffenden Entscheidungen in der Regel Auswirkungen auf den Erfolg mehrerer
Perioden haben, sind die mit den jeweiligen Prozessen und Prozessstrukturen
einhergehenden künftigen Residualgewinne (Economic Value Added) zu bestimmen. Hierbei
ist zu beachten, dass die Annahmen bzgl. der Prozesskosten, der Prozessqualität
und der Prozessdauer bei gegebenem Produktions- und Absatzprogramm im Rahmen
einer sequenziellen Planung von Produkten und Prozessen auch Auswirkungen auf
die Erlöse haben. Im Rahmen einer simultanen Produkt- und Prozessplanung wird
dieser Zusammenhang unmittelbar berücksichtigt. Der für
eine wertorientierte Unternehmensführung maßgebliche Marktwert des
Unternehmens oder der Geschäftseinheit ergibt sich aus der Summe der mit dem
risikoangepassten Kapitalkostensatz diskontierten Residualgewinne (Market Value
Added) und dem Buchwert des betrieblichen Vermögens zu Beginn des
Planungszeitraums.
II. Planungsaufgaben im
Rahmen des Prozessmanagements
1. Identifikation von Prozessen und
Prozessstrukturen
Die zielorientierte Planung von Prozessen und
Prozessstrukturen im Hinblick auf Kosten, Qualität und Zeit beinhaltet die
Identifikation der Prozesse, die in einem Unternehmen und zwischen Unternehmen
ablaufen (Prozessidentifikation). Der singulären Prozessidentifikation (vgl.
z.B. Gaitanides,
Michael 1999) liegt der Gedanke zugrunde, dass die in Unternehmen
ablaufenden Prozesse aufgrund der spezifischen Problemlage stets grundsätzliche
Unterschiede aufweisen. Infolgedessen sind unternehmensspezifische Prozesse aus
der konkreten Problemsituation heraus abzuleiten. Demgegenüber wird bei der allgemeinen
Prozessidentifikation (vgl. z.B. Sommerlatte,
Tom/Wedekind, Eberhard 1991) davon ausgegangen, dass es Prozesse
gibt, die in allen Unternehmen gleichartig sind. Unternehmensspezifische
Prozesse sind dann durch eine Präzisierung entsprechender Rahmenprozesse
abzuleiten. Beurteilt man die beiden Ansätze hinsichtlich ihrer
Praktikabilität, so ist vor allem festzustellen, dass dem Planer bei der
singulären Prozessidentifikation nur unzureichend konkrete Hilfestellung
gegeben wird. Eine allgemeine Prozessidentifikation hingegen ist mit der Gefahr
verbunden, dass die Prozesse in nicht ausreichendem Maße einen Bezug zu den
kritischen Erfolgsfaktoren des Unternehmens oder der Geschäftseinheit
aufweisen. Insofern liegt der Gedanke nahe, beide Ansätze miteinander zu
verknüpfen.
Als Ausgangspunkt der Prozessidentifikation bietet sich das
Konzept der Wertkette von Porter an (vgl. Porter,
Michael E. 1985, S. 33 ff.). Die Wertkette eines Unternehmens
umfasst alle strategisch relevanten Prozesse, wobei zwischen primären und
unterstützenden (Rahmen-)Prozessen unterschieden wird. Die primären Prozesse
Eingangslogistik, Produktion, Marketing und Vertrieb, Ausgangslogistik sowie
Kundendienst beziehen sich auf die unmittelbare Versorgung des Marktes mit
Produkten. Die unterstützenden Prozesse Beschaffung, Technologieentwicklung,
Personalwirtschaft und Unternehmensinfrastruktur stellen die Versorgung des
Unternehmens mit den zur Produktion notwendigen Gütern sicher. Da die Prozesse
eines Unternehmens in der Regel mit den Prozessen in den Wertketten der
Lieferanten und Kunden verknüpft sind, sollte die Analyse nicht auf einzelne
Unternehmen beschränkt, sondern auf unternehmensübergreifende Prozesse und
relevante Prozesse in anderen Unternehmen ausgeweitet werden. Des Weiteren
erweist sich zur Erhöhung der Transparenz oftmals eine, ggf. auch mehr als
zweistufige hierarchische Strukturierung der Prozesse als zweckmäßig. So kann
bspw. ein kostenstellenübergreifender (Haupt-)Prozess in kostenstellenspezifische
(Teil-)Prozesse zerlegt werden, womit eine Verbindung zur existierenden
Organisationsstruktur hergestellt wird. Zu beachten ist, dass schon im Zuge der
Prozessidentifikation eine Basis für die Bestimmung der Kosten, Qualität und Dauer
der Prozesse geschaffen wird. Ferner muss die strategische Bedeutung von
Prozessen hinsichtlich ihres Wertbeitrags sowie ihrer Spezifität,
Nicht-Imitierbarkeit und Nicht-Substitutierbarkeit deutlich werden.
2. Optimierung von Prozessen und Prozessstrukturen
Im Rahmen der Prozessoptimierung werden mit den Ansätzen des
Business Process Reengineering und den Ansätzen der kontinuierlichen
Prozessverbesserung zwei verschiedene Formen diskutiert. Sofern nicht alle
Prozesse in die Optimierung einbezogen werden sollen, kann eine Prozessauswahl
nach Maßgabe der Relevanz, des Verbesserungspotenzials und der zu
berücksichtigenden Restriktionen vorgenommen werden (vgl. Beinhauer,
Manfred/Schellhaas, Karl-Ulrich 1996, S. 327 ff.).
Die Ansätze des Business Process Reengineering (siehe Hammer,
Michael/Champy, James 1993) sind durch ein fundamentales Überdenken
und radikales Redesign von Prozessen gekennzeichnet, wodurch einmalige
Quantensprünge erreicht werden sollen. In speziellen und zeitlich begrenzten
Projekten werden ausgehend von einer Vision unter Einbeziehung weniger
Mitarbeiter die wesentlichen, erfolgskritischen Prozesse top-down konzipiert.
Teilweise wird davon ausgegangen, dass für diese Planung eine detaillierte
Kenntnis der Ist-Prozessstruktur nicht erforderlich sei, da dieses nur zu einem
Festhalten an alten Lösungen führen und das Erreichen der angestrebten
Quantensprünge verhindern würde. In der praktischen Anwendung hat sich hingegen
gezeigt, dass der Erfolg eines solchen Projektes ganz wesentlich von der
Kenntnis der Ist-Prozessstruktur abhängt. Das radikale Redesign von Prozessen
ist Ausdruck der Forderung nach einer prozessorientierten
Organisationsstruktur, durch die Schnittstellenprobleme zwischen den Funktionen
beseitigt oder zumindest vermindert werden sollen. Hierbei ist jedoch zu
berücksichtigen, dass eine Verminderung der Schnittstellenprobleme zwischen den
Funktionen in der Regel zu einer Erhöhung der Schnittstellenprobleme zwischen
den Prozessen führt (siehe hierzu Steinmann,
Horst/Schreyögg, Georg 2005, S. 472 f.).
Die Ansätze der kontinuierlichen Prozessverbesserung (vgl.
grundlegend Imai, Masaaki
1992) streben nicht eine einmalige, sondern eine permanente Optimierung von
Prozessen an. Die aktive Einbeziehung aller Prozessbeteiligten und deren Wissen
in einem bottom-up-Ansatz soll zu stetigen, inkrementellen Verbesserungen im
Hinblick auf Kosten, Qualität und Zeit bei allen Prozessen führen. Aufgrund der
Pfadabhängigkeit der kontinuierlichen Prozessverbesserung führt diese nicht zu
gänzlich neuen Prozess- und Organisationsstrukturen.
Bei näherer Betrachtung der beiden Formen der Prozessoptimierung
wird deutlich, dass sich diese wie folgt kombinieren lassen (vgl. Corsten, Hans
1997, S. 35 f.): An eine Neugestaltung von Prozessen und Prozessstrukturen
schließt sich deren kontinuierliche Verbesserung an. Die kontinuierliche
Prozessverbesserung stößt jedoch an Grenzen, wenn sich die Wettbewerbssituation
(z.B. Konkurrenten oder die Verhandlungsmacht der Lieferanten und Kunden) oder
die Unternehmensressourcen (z.B. finanzielle oder technologische Ressourcen
sowie Humanressourcen) in einem solchen Maße verändert haben, dass auf Basis
der bestehenden Prozesse und Prozessstrukturen keine geeignete Antwort auf die
veränderten Rahmenbedingungen gefunden werden kann. In einer solchen Situation
wird eine grundlegende Neugestaltung der Prozesse und Prozessstrukturen
erforderlich, worauf wiederum eine Phase der kontinuierlichen
Prozessverbesserung folgt.
Maßnahmen zur Prozessoptimierung können wie folgt
systematisiert werden (vgl. Porter,
Michael E. 1985, S. 45 ff.; Hergert,
M./Morris, D. 1989, S. 182): Zum Ersten können sich die Maßnahmen
auf die Optimierung eines Prozesses in einer Wertkette beziehen. Z.B. ist
denkbar, dass ein Prozess in veränderter Art und Weise, auf der Basis einer
anderen Technologie oder mit veränderter Prozessqualität durchgeführt wird.
Ferner könnten die Elimination eines nicht-wertschöpfenden Prozesses oder das
Outsourcing eines Prozesses in Erwägung gezogen werden. So genannte
Kernprozesse, die ggf. im Zusammenhang mit anderen Prozessen die Quelle eines
nachhaltigen Wettbewerbsvorteils bilden, sollten jedoch stets innerhalb des
Unternehmens angesiedelt sein. Zum Zweiten können sich die Maßnahmen auf die
Optimierung der Zusammenhänge zwischen den Prozessen innerhalb einer Wertkette
(z.B. die veränderte Abwicklung eines Kundenauftrags oder die Erhöhung
qualitätssichernder Prozesse zugunsten einer Verminderung von Garantiefällen),
den Prozessen in unterschiedlichen Geschäftseinheiten oder den Prozessen in den
Wertketten verschiedener Unternehmen beziehen. Im Zuge der Optimierung von
Prozessen und Prozessstrukturen kommen in zunehmendem Maße computergestützte
Informationswerkzeuge wie bspw. Bonapart von UBIS oder das ARIS Toolset von IDS
Prof. Scheer zum Einsatz (vgl. Corsten, Hans
1997, S. 33 ff.).
3. Nutzung vorhandener Prozesse und
Prozessstrukturen
Neben der konzeptionellen Gestaltung ist die Nutzung von
Prozessen und Prozessstrukturen Gegenstand der Planungsaufgabe im Rahmen des
(operativen) Prozessmanagements. Als Planungsgrundlage dienen in diesem
Zusammenhang Plangrößen im Hinblick auf Prozesskosten, Prozessqualität und
Prozessdauer. Zur Ermittlung der Plan-Prozesskosten einer Planungsperiode sind
die Plan-Prozessmengen der beschäftigungsabhängigen Prozesse abzuleiten und die
Plan-Prozessmengen beschäftigungsunabhängiger Prozesse zu bestimmen. Aus den
Plan-Prozessmengen kann bei Kenntnis der Prozesskostensätze auf die
Plan-Prozesskosten einzelner (Teil-)Prozesse sowie auch übergeordneter
(Haupt-)Prozesse geschlossen werden. Unter Einbeziehung der
prozessmengenneutralen Prozesskosten erhält man die gesamten Plan-Prozesskosten
einer Planungsperiode. In entsprechender Weise sind Plangrößen im Hinblick auf
Prozessqualität und Prozessdauer in Form von Kennzahlen festzulegen. Da auch
die geplanten Prozesskosten als Kennzahlen interpretiert werden können, sollten
alle Kennzahlen möglichst in einem Kennzahlensystem zusammengefasst werden.
III. Kontrollaufgaben
im Rahmen des Prozessmanagements
Da sowohl die Nutzung als auch die Gestaltung von Prozessen
und Prozessstrukturen mit Unsicherheiten behaftet sind, bedarf es einer
ergänzenden Kontrolle, welche die jeweiligen Pläne und deren Umsetzung
fortlaufend begleitet und auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft. Hieraus
resultiert zum einen die Notwendigkeit einer operativen Kontrolle, die sich im
Wesentlichen auf die Nutzung der Prozesse und Prozessstrukturen bezieht. Zum
anderen ist eine strategisch ausgerichtete Kontrolle durchzuführen, die die
Beurteilung der konzeptionellen Vorteilhaftigkeit der Prozesse und
Prozessstrukturen zum Inhalt hat.
1. Operative Kontrolle
Im Rahmen der operativen Kontrolle sind die Plangrößen im
Hinblick auf Prozesskosten, Prozessqualität und Prozessdauer mit Istgrößen zu
vergleichen. Die Kontrolle muss Antwort auf die Frage geben, auf welche
Ursachen etwaige Abweichungen zurückzuführen sind. Sofern die betreffenden
Kennzahlen in einem Kennzahlensystem zusammengefasst sind, können die
Abweichungen übergeordneter Kennzahlen dazu in ursachenspezifische
Teilabweichungen untergeordneter Kennzahlen aufgespalten werden. So kann die
Gesamtabweichung der Prozesskosten unter anderem in folgende Teilabweichungen
zerlegt werden (siehe Dierkes,
Stefan 1998, S. 88 ff.): Prozesskostensatz-, Prozessmengen-,
Absatzmengen-, Komplexitäts-, Struktur-, Kapazitätskostensatz-,
Beanspruchungskoeffizienten-, Nutz- und Leerkostenabweichungen. Bezüglich der
Prozessdauer ist bspw. eine Aufspaltung der Prozessdauerabweichung
übergeordneter (Haupt-)Prozesse in die Prozessdauerabweichungen untergeordneter
(Teil-)Prozesse möglich. Des Weiteren ist festzustellen, ob die z.B. in den
geplanten Ausprägungen der Kennzahlen zur Messung der Kundenzufriedenheit zum
Ausdruck kommende Prozessqualität tatsächlich erreicht wurde. Die Durchführung
solcher operativer Kontrollen erhöht das Wissen aller Prozessbeteiligten.
Dieses Wissen kann einerseits für Anpassungsmaßnahmen zur verbesserten Nutzung
der gegebenen Prozesse und Prozessstrukturen genutzt werden. Andererseits kann
das Wissen im Rahmen der kontinuierlichen Prozessverbesserung für eine
Anpassung der Prozesse und Prozessstrukturen in konzeptioneller Hinsicht
verwendet werden (Double-Loop-Learning). Da die durch operative Kontrollen
ausgelösten inkrementellen Verbesserungen bei starken Veränderungen der
Unternehmenssituation unter Umständen nicht ausreichen, ist ergänzend eine
strategische Kontrolle durchzuführen.
2. Strategische Kontrolle
Im Rahmen der strategischen Kontrolle ist die von Anfang an
revisionsbedürftige konzeptionelle Festlegung der Prozesse und
Prozessstrukturen auf ihre weitere Vorteilhaftigkeit hin zu überprüfen, um
rechtzeitig Bedrohungen erkennen und möglicherweise erforderliche grundlegende
Veränderungen einleiten zu können. Eine hierauf ausgerichtete strategische
Kontrolle sollte eine Prämissenkontrolle, eine strategische
Durchführungskontrolle und eine strategische Überwachung umfassen (vgl. Schreyögg,
Georg/Steinmann, Horst 1985). Im Rahmen der Prämissenkontrolle sind
die im Planungsprozess gesetzten Annahmen bezüglich der Unternehmensumwelt und
der Unternehmensressourcen sowie auch im Hinblick auf die Determinanten der
Prozesskosten, der Prozessqualität und der Prozessdauer kontinuierlich auf ihre
Richtigkeit hin zu überprüfen. Insbesondere ist hierbei zu untersuchen, ob sich
die Annahmen bzgl. des Beitrags der Prozesse und Prozessstrukturen zur
Realisierung von Wettbewerbsvorteilen bewahrheitet haben. Zudem sind die
Annahmen bzgl. der externen und internen Kundenwünsche zu hinterfragen, da sich
aus diesen die Anforderungen an die Qualität von Prozessen ableiten. Die durch
fehlerhafte Annahmen hervorgerufenen Erfolgsabweichungen werden im Rahmen der
strategischen Durchführungskontrolle analysiert, wobei nicht nur Abweichungen
in abgelaufenen Perioden (Ex-post-Kontrolle), sondern darüber hinaus auch die
in künftigen Perioden zu erwartenden Abweichungen (Ex-ante-Kontrolle)
untersucht werden. Abgerundet wird die strategische Kontrolle durch eine
strategische Überwachung, in der z.B. mittels eines Frühwarnsystems unerwartete
Risiken bzgl. technologischer Entwicklungen oder der Änderungen der
nachfrageseitigen Präferenzen, die die Vorteilhaftigkeit der existierenden
Prozesse und Prozessstruktur in Frage stellen, rechtzeitig erkannt werden
sollen. Alle Elemente der strategischen Kontrolle können somit die
Notwendigkeit einer grundlegenden Veränderung und Neugestaltung von Prozessen
und Prozessstrukturen im Sinne des Business Process Reengineering indizieren.
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