Inhaltsübersicht
I. Grundfragen
und Ziele
II. Strukturierung
des Analysefeldes
III. Elemente
der Markt- und Konkurrenzanalyse
IV. Prognose
der Marktentwicklung
I. Grundfragen und Ziele
Die Analyse der Marktstruktur und der Konkurrenzsituation ist
neben der internen Ressourcenanalyse seit jeher das Herzstück jeder
marktorientierten Unternehmensführung, insbesondere aber der Strategischen
Planung. Ziel der Markt- und Konkurrenzanalyse ist es, einen Einblick in die
aktuelle Wettbewerbssituation und ihre mutmaßliche Entwicklung zu gewinnen, um
informierte Entscheidungen treffen zu können. Wie intensiv jedoch die
Bemühungen auch immer sein mögen, der Informationsstand nach Abschluss der
Analyse wird immer unvollständig sein, d.h. marktorientierte Entscheidungen
sind prinzipiell Entscheidungen unter Unsicherheit (Oster, S.
1999). Der tiefere Grund dafür ist darin zu sehen, dass das
Wettbewerbsumfeld komplex ist und
damit seine Entwicklung aufgrund der unüberschaubar vielen potenziellen
Anschlüsse der Elemente untereinander nur sehr begrenzt vorhergesehen werden
kann. Die Wettbewerbsanalyse kann helfen, eine Orientierung zu schaffen und
damit die Unsicherheit in ein handhabbares Format zu bringen, sie kann sie aber
grundsätzlich nicht beseitigen. Der Unternehmung muss daher trotz sorgfältiger
Analyse immer gegenwärtig sein, dass sich die Dinge anders entwickeln als
angenommen und zu Überraschungen werden (Schreyögg,
G./Steinmann, H. 1987).
Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive steht die Analyse
des Wettbewerbsumfeldes unter einer zweifachen, latent widersprüchlichen
Perspektive, der Ermittlung von Chancen einerseits und von
Bedrohungen/Restriktionen andererseits. Das Wettbewerbsumfeld steckt die
Grenzen des unternehmerischen Entscheidungsspielraums ab und gibt Richtwerte
für das Handeln vor. Gegenstand der Wettbewerbsanalyse ist aber auch die
Exploration von Handlungsspielräumen, die Entdeckung von Nischen oder von
Chancen für neue Produkte und neue Strategien.
Das wettbewerbliche Umfeld und seine mutmaßliche Entwicklung sollen nicht nur
erkundet werden, um sich den Anforderungen optimal anpassen, sondern auch, um
sie ggf. zugunsten der Unternehmung beeinflussen zu können (Porter, M.E.
1999). Diesem Doppelverständnis der Wettbewerbsanalyse liegt eine
interaktive Theorie der Unternehmung zugrunde (Schreyögg, G.
2003). Hiernach wird die Marktumwelt weder als deterministische Bestimmungsgröße
verstanden, wie dies etwa die Mikroökonomische Gleichgewichtstheorie vorsieht,
noch als beliebig beeinflussbarer Raum, der einen exklusiven Blick nach innen
und auf die eigenen Ressourcen erlaubt. Im interaktiven Ansatz steht
stattdessen die Interdependenz von Marktumwelt und Unternehmung im Vordergrund.
Die Marktumwelt ist Bestimmungsgröße und Gegenstand betrieblicher
Einflussstrategien zugleich. Die Möglichkeiten des Unternehmens, auf die
Marktumwelt einzuwirken, hängen einerseits von den Marktstrukturen ab,
andererseits von der eigenen Finanzkraft wie auch von der Fähigkeit, Lücken
zwischen den etablierten Strukturen aufzuspüren (Kirzner, I.M.
1978; Schneider, D.
1993) oder mit neuen Produkten neue Märkte aufzubauen. Jeder Eingriff in
die Marktstrukturen wirkt allerdings auf die Marktteilnehmer als veränderter
Handlungsrahmen zurück (D\'Aveni, R.A.
1994). Die Marktteilnehmer beobachten sich gegenseitig und reagieren auf
die beobachteten Handlungen. Dies verweist auf die bereits erwähnten
Prognoseprobleme zurück.
II. Strukturierung des
Analysefeldes
Um die Analyse zu erleichtern, hat es sich bewährt, das
entscheidungsrelevante Umfeld eines Unternehmens vertikal und horizontal zu
strukturieren. Zunächst wird zwischen der allgemeinen oder globalen Umwelt
einerseits und der Wettbewerbsumwelt andererseits unterschieden. Während die
Analyse der Wettbewerbsumwelt die unmittelbaren Einflusskräfte des Marktes und
der Konkurrenzbeziehungen erfassen will, konzentriert sich die Analyse der
globalen Umwelt auf allgemeine, mehr indirekt auf das Geschäft wirkende
Faktoren und Systeme aus Politik, Kultur, Technologie usw. Letztere bilden
gewissermaßen den Rahmen für Erstere (Pearce,
J.A./Robinson, R.B. 2004). Abb. 1 zeigt schematisch den
vertikalen Aufbau.
Abb. 1: Die globale und die Wettbewerbs-Umwelt
Ein anderer Strukturierungsvorschlag macht das
Interaktionsgeflecht von Unternehmung und Umwelt nicht an einer sektoralen
Aufspaltung fest, sondern an einzelnen Interessengruppen, genauer:
Stakeholdern. Gemeint sind gesellschaftliche Gruppen (Kunden, Aktionäre,
Banken, Verbände usw.), die in irgendeiner Weise mit der Unternehmung verbunden
sind und Ansprüche an diese richten (Freeman, E.R.
1984; Ulrich, P.
1999). Die Umwelt- und Wettbewerbsanalyse hat sich dieser Konzeption nach
primär auf die Identifikation dieser Gruppen und ihrer Ansprüche zu
konzentrieren. Es ist jedoch schnell zu erkennen, dass diese Gruppen aber auch
bei der vorher genannten Vorgehensweise eine wesentliche Rolle spielen.
Insofern wird hier nur ein anderer Schnitt gezogen, nicht aber ein prinzipieller
Unterschied gemacht.
III. Elemente der Markt-
und Konkurrenzanalyse
Aufgabe der Markt- und Konkurrenzanalyse ist es, die engere ökonomische Umwelt zu
strukturieren und die relevanten Kräfte in ihren Wirkungen zu analysieren. Dazu
ist es zunächst notwendig, den Untersuchungsgegenstand zu bestimmen, also den
für die Analyse relevanten Markt
(bisweilen auch Geschäftsfeld, Industriezweig oder Branche) genauer zu
bestimmen. Die Frage der geeigneten Abgrenzung des relevanten Marktes gilt als
eine der schwierigsten Fragestellungen, sie ist nicht zuletzt auch
kartellrechtlich von hoher Bedeutung (Hoppmann, E.
1974). Während in der Volkswirtschaftslehre zumeist die fehlende
Substituierbarkeit zwischen Gütern als Abgrenzungskriterium bzw. eine geringe
Kreuzpreiselastizität der Nachfrage zwischen den fraglichen Produkten verwendet
wird (Bester, H.
2004), drängt die Betriebswirtschaftslehre auf eine handlungsorientierte
Sichtweise, die das entscheidungsbezogene Interaktionsfeld umreißt (Bauer, H.H.
1989; Bea,
F.X./Haas, J. 2005). Als bedeutsame Abgrenzungskriterien haben
sich hier erwiesen (Abell, D.F.
1980; Grant, R.M.
2004): Regionen (lokal, national, global), Produkte/Funktionserfüllung,
Technologien und Kundenkreise.
Nach Abgrenzung des relevanten Marktes sind die einzelnen
Wirkkräfte genauer zu analysieren. Abbildung 2 stellt im Anschluss an
industrieökonomische Forschungen (zusammenfassend Oster, S.
1999) und das sog. Fünf-Kräfte-Modell (Porter, M. E.
1999) die zentralen Einflusskräfte zusammen, die typischerweise die
Struktur und die Entwicklung eines Geschäftsfeldes prägen.
1. Potenzielle
Konkurrenz durch Neuanbieter (Markteintrittsbarrieren)
Einer der wesentlichen Faktoren für die Marktanalyse ist die
Zutrittsmöglichkeit und die Zahl wahrscheinlicher Zutritte durch Neuanbieter.
Neue Anbieter stellen für die etablierten immer eine Bedrohung dar. Sie bauen
neue Kapazitäten auf, versuchen über günstigere Preise, die Nachfrage auf sich
zu lenken usw.; in den meisten Fällen verschlechtern sie für die etablierten
Anbieter das Gewinnpotenzial. Die Wahrscheinlichkeit, dass neue Anbieter in dem
Markt aktiv werden, hängt in erster Linie von der Höhe der Markteintrittsbarrieren ab (vgl. Bain, J.S.
1956; Minderlein,
M. 1989). Markteintrittsbarrieren sind definiert als Kräfte,
die außerhalb des Feldes stehende Unternehmen davon abhalten, in diesem
Geschäftsfeld tätig zu werden.
Abb. 2: Die Wettbewerbsumwelt
Man unterscheidet zwei Hauptarten von Eintrittsbarrieren:
strukturelle und strategische. Während Erstere gewissermaßen automatisch
entstehen, werden Zweitere gezielt hergestellt zum Schutz des Gewinnpotenzials.
Die Entstehungsgründe sind entsprechend unterschiedlich:
(a) Quellen struktureller
Eintrittsbarrieren sind:
-
Betriebsgrößenersparnisse ( „ economies of scale “ ),
-
absolute Kostenvorteile der stärksten Anbieter,
-
Bekanntheitsgrad der etablierten Anbieter usw.
(b) Quellen strategischer
Eintrittsbarrieren sind:
-
Umstellungskosten der Abnehmer bei Wechsel des
Anbieters,
-
Hohe Käuferloyalität,
-
Exklusiver Zugang zu Vertriebskanälen usw.
Ferner gibt es politisch
gewollte Marktzutrittssperren, wie etwa im Falle von Versorgungsmonopolen
(z.B. Postdienste, Wasser) oder Apotheken, Handwerksbetrieben usw.
Eine der am häufigsten genannten und analysierten
Eintrittsbarrieren sind Betriebsgrößenersparnisse; der Zusammenhang sei kurz
erläutert:
In jedem Geschäftsfeld bestehen mehr oder weniger große
Möglichkeiten, die Stückkosten eines Gutes durch eine Steigerung der
Ausbringungsmenge zu senken. Hohe Skalenerträge bringen strukturelle
Kostenvorteile für große Anbieter und damit hohe Eintrittsbarrieren für
Neuanbieter. Der Umfang der erzielbaren Skalenerträge muss jedoch differenziert
gesehen werden; in manchen Bereichen sind sie relativ rasch erschöpft.
Empirische Studien zeigen (insb. Scherer,
F.M./Ross, D. 1990), dass in vielen Fällen früher oder später
immer ein Punkt erreicht wird, von dem ab eine zusätzliche Steigerung der
Ausbringungsmenge zu keiner weiteren signifikanten Senkung der Stückkosten mehr
führt ( „ Mindestoptimale Betriebsgröße “ ).
Für die Ermittlung der Eintrittsbarrieren ist deshalb die Kenntnis dieses
Punktes sehr wichtig, denn es gilt: Je höher die Ausbringungsmenge, die
konkurrenzfähige Stückkosten ermöglicht, um so schwieriger ist der
Markteintritt. Man braucht nicht nur ein erhebliches Startkapital, sondern
steht auch vor dem Problem, gleich zu Beginn erhebliche Mengen auf dem Markt
absetzen zu müssen (Oster, S.
1999).
Größenvorteile resultieren aber nicht nur aus der Fertigung,
sondern auch aus anderen Bereichen, wie Vertrieb, Logistik, Einkauf oder
Forschung und Entwicklung.
Ob geringe Eintrittsbarrieren jedoch tatsächlich zu einem
schnellen Zutritt neuer Anbieter führen, hängt von weiteren Faktoren ab,
insbesondere von der Vergeltung, die
der potenzielle Neuanbieter von den etablierten Anbietern zu erwarten hat. Muss
er davon ausgehen, dass dem Eintritt heftige Reaktionen seitens der etablierten
Konkurrenten folgen (etwa in Form von Preissenkungen
oder Verdrängungswettbewerb mit Hilfe
von extrem vergünstigten Konditionen), kann dies trotz ansonsten niedriger
Barrieren den Markt versperren (Bester, H.
2004).
Es ist augenscheinlich, dass die Vergeltungshärte und
-wahrscheinlichkeit mit dem Markt-Lebenszyklus
variiert. In der Wachstumsphase wird der Markteintritt in der Regel weniger
hart sanktioniert als in Reife-Phasen, wenn Markteintritte in jedem Falle mit
Umsatzeinbußen der etablierten Wettbewerber verbunden sind (Liebermann,
M.B. 1987).
2. Abnehmer
Den Abnehmern kommt in der marktorientierten
Unternehmensführung an vielen Stellen eine zentrale Rolle zu: Marktabgrenzung,
neue Bedürfnisse, Kaufverhalten etc. Im Rahmen der Marktanalyse, die eine
Bestimmung des Profitabilitätspotenzials des relevanten Marktes zum Ziel hat,
werden sie primär als Wettbewerbskraft analysiert, die mehr oder weniger stark
die Rentabilität des Geschäfts beeinflussen kann. Gegenstand der Analyse ist
die Verhandlungsstärke bzw. das Einflusspotenzial der Abnehmer (Porter, M.E.
1999).
Eine hohe Verhandlungsmacht der Abnehmer entsteht bei einem
-
hohen Konzentrationsgrad der Abnehmergruppe;
-
geringen Anteil des Gutes an den Gesamtkosten der
Abnehmer: Je höher die Bedeutung, um so härter wird verhandelt und um Preis
und Leistung gerungen;
-
geringen Standardisierungsgrad: Ein hoher
Standardisierungsgrad stärkt tendenziell die Position des Abnehmers, weil alternative Lieferanten verfügbar
sind;
-
geringen Umstellungskosten: Entstehen dem Abnehmer bei
einem Anbieterwechsel geringe Umstellungskosten, so stärkt dies generell
seine Verhandlungsmacht;
-
guten Informationsstand des Abnehmers über die
Situation der Anbieter.
Die Einschätzung der Verhandlungsstärke bedarf der
Differenzierung. Häufig ist die Abnehmerschaft
keine homogene Gruppe, sondern gliedert sich in verhandlungsstärkere und
-schwächere Segmente.
3. Lieferanten
Den dritten relevanten Analysefaktor bilden die Lieferanten.
Ihre Verhandlungsstärke ergibt sich analog zur Abnehmeranalyse, nur eben aus
der umgekehrten Marktposition, d.h. die analysierende Unternehmung ist jetzt
der Abnehmer. Typische Quellen hoher Lieferantenmacht sind dementsprechend:
hohe Konzentration des Faktormarktes, hohe Umstellungskosten bei Lieferantenwechsel,
fehlende Substitutionsprodukte und hohe (geringe) Markttransparenz der
Lieferanten (Abnehmer).
4. Bedrohung
durch Substitutionsprodukte
Substitutionsprodukte sind Produkte anderer Märkte, die für den Abnehmer die gleiche Funktion wie das Produkt des zu
analysierenden Geschäftsfeldes erfüllen können und somit zu diesem in einer
(häufig unerkannten) Konkurrenzbeziehung stehen. Für die Bestimmung von
Substitutionsbeziehungen ist es erforderlich, zunächst die Bezugsebene zu
definieren (also etwa „ Transport “ im Falle von Bahn und Flugzeug). Wichtig ist
die Sichtweise der Abnehmer,
Substitutionalität ist keine objektive Eigenschaft von Gütern, sondern ein
Urteil von Wirtschaftssubjekten.
Die Existenz von Substitutionsprodukten begrenzt das
Gewinnpotenzial eines Geschäftsfeldes, sie stellen eine Art externe Konkurrenz
dar. Bei Substitutionsprodukten besteht folglich eine beträchtliche
Kreuzpreiselastizität der Nachfrage. Substitutionsprodukte begrenzen den
Preisspielraum des lokalen Marktes, und zwar um so stärker, je preiselastischer
die Nachfrage ist. Substitutionsbeziehungen relativieren die Marktstrukturen,
selbst Monopole können durch Substitutionsprodukte einen starken Preisdruck
erfahren ( „ Bestreitbare Märkte “ , Baumol,
W.J./Panzar, J.C./Willig, R.D. 1982)
Für die Beurteilung der Marktattraktivität ist vor allem
wichtig zu wissen, wie sich das Preis/Leistungs-Verhältnis der
Substitutionsprodukte darstellt und zukünftig entwickeln wird. Dieses
Verhältnis ist allerdings bei neuen Alternativen nur schwer bestimmbar, weil
der (potenzielle) Abnehmer noch keine Erfahrungen gesammelt hat.
5. Industrielle
Beziehungen und staatliche Regulierung als Wettbewerbsfaktoren
Der Staat nimmt in vielfacher Weise Einfluss auf
Geschäftsfelder. Neben allgemeinen gesetzlichen Schranken (z.B. UWG, BetrVG)
gibt es direkt auf das Geschäftsfeld bezogene Einflüsse, deren Bedeutung im
Rahmen der Marktanalyse zu erfassen ist. Zu denken ist hier zum einen an die
Marktregulierung, z.B. in Form von Preisbindungen, Importschranken oder
Exportverboten. Die Marktregulierung wirkt sich häufig dämpfend auf die
Marktattraktivität aus, kann aber durchaus auch attraktivitätssteigernd sein
(z.B. Importquoten oder Zulassungsschranken). Das Gegenteil ist die
Deregulierung, wie sie in allen EU-Staaten seit ca. 10 Jahren erklärtes
politisches Ziel ist.
Ein anderer Bereich sind die geschäftsfeld-/branchenspezifischen
industriellen Beziehungen. Sie definieren Rahmenbedingungen für die Regelung
der Konflikte zwischen den verschiedenen Interessengruppen, in erster Linie
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, etwa in Form von Flächentarifverträgen
oder branchenspezifischen Zusatzversorgungssystemen. Arbeitgeberverbände und
Gewerkschaften sind in Deutschland ja auch dementsprechend branchenspezifisch
organisiert und auf sektorale Lohn-/Preisbildung hin orientiert (Berthold, N.
2000). Die Funktionstüchtigkeit der meist historisch gewachsenen
Konfliktregelungsmechanismen beeinflussen die Attraktivität eines
Geschäftsfeldes erheblich.
6. Rivalität
unter den Konkurrenten
Der Wettbewerb kann mehr oder weniger intensiv geführt werden.
Dies hängt zunächst einmal von der Zahl der Anbieter ab, aber auch von den
impliziten Verhaltensmaximen der Wettbewerber und anderen strukturellen Faktoren. Die Spannweite ist groß, sie reicht vom
Verdrängungswettbewerb bis zur (geheimen) Marktabsprache. Eine starke Rivalität führt tendenziell zu massivem Preisdruck,
vermeidet die Preisdifferenzierung und schmälert somit die Ertragsaussichten
eines Geschäftsfeldes (Cool,
K./Röller, L.-H./Leleux, B. 1999). Zu den wichtigsten
strukturellen Bestimmungsfaktoren gehören:
-
Homogenität der
Produkte: Gibt es viele gleichartige Anbieter, so entsteht ein labiler
Zustand, der sehr schnell in eskalierende Preiskämpfe umschlägt.
-
Hohe Fixkosten:
Nicht ausgelastete Kapazitäten lassen die Stückkosten steigen; jedes
Unternehmen ist daher bestrebt, seine Kapazitäten voll auszulasten. Auf diese
Weise entsteht leicht ein Überangebot, das unter Umständen einen aggressiven
Auslastungswettbewerb entstehen lässt. Dies gilt vor allem dann, wenn der
Markt Sättigungserscheinungen zeigt.
-
Marktsättigung:
Ist das Wachstumspotenzial eines Geschäftsfeldes weitgehend erschöpft, so
wird die Konkurrenz um Umsatzsteigerungen schnell zum Nullsummenspiel. Mit
anderen Worten, in der Wachstumsphase ist die Wettbewerbsintensität
gewöhnlich geringer als in der Sättigungsphase. Dieser Aspekt wird verstärkt
durch begrenzte Mobilität, d.h. bei Existenz von Austrittsbarrieren.
-
Hohe
Austrittsbarrieren: Marktaustrittsbarrieren sind Faktoren, die
Unternehmen bewegen, Anbieter in einem Markt zu bleiben, selbst dann, wenn
die Preise unter die Rentabilitätsschwelle sinken oder im Extremfall die
Erlöse kaum mehr einen Deckungsbeitrag erzielen. Hierzu gehören Kosten, die
durch Desinvestitionen entstehen (wie z.B. Abbruchkosten, Umsiedlungskosten,
Sozialpläne, Konventionalstrafen), oder Einbußen
(Buchverluste), die sich durch mangelnde Liquidierbarkeit der Anlagen
ergeben. Ferner zählen dazu Verluste von Synergien,
die durch die Desinvestition eines Geschäftsbereichs für die anderen
entstehen können (z.B. der Verlust günstiger Finanzierungskonditionen,
Imageeinbußen oder schwindendes Vertrauen). Geschäftsfelder mit hohen
Austrittsbarrieren sind bei gesättigten und schrumpfenden Märkten meist mit
chronischen Überkapazitäten belastet, weil die Grenzanbieter am Ausstieg
gehindert werden. Dies führt im Ergebnis zu einem wesentlich verschärften
Wettbewerb, der keine auskömmliche Rendite der Anbieter mehr zulässt.
Geschäftsfelder mit hohen Austrittsbarrieren sind z.B. die Rohstahlerzeugung,
der Kohlebergbau oder der Schiffsbau.
Auf andere Quellen erhöhter Wettbewerbsintensität verweist
das neuere Konzept des Hyperwettbewerbs
(D\'Aveni, R.A.
1994). Hiernach verlieren in vielen Märkten Strukturen und
Wettbewerbsvorteile einzelner Konkurrenten durch die stark beschleunigten
Interaktionen immer rascher an Bedeutung. Die Strategien der Marktteilnehmer
werden notgedrungen immer kurzlebiger, der ganze Markt gerät in eine extreme
Rivalität, die nur Unternehmen mit permanent neuen Strategien eine
Überlebenschance lässt. Gewinne sind nur durch (kreative) Zerstörung
vorhandener Wettbewerbspositionen und Gleichgewichte möglich.
IV. Prognose der
Marktentwicklung
Eine Markt- und Konkurrenzanalyse ist nicht nur an der
Erfassung der derzeitigen Attraktivität eines Geschäftsfeldes interessiert,
sondern soll auch Aussagen über die zukünftige Entwicklung des Geschäftsfeldes und seiner Ertragsaussichten
ermöglichen. Eine exakte Prognose ist jedoch – wie eingangs dargelegt – nicht
möglich, weil man niemals alle relevanten Faktoren, geschweige denn deren
zukünftigen Verlauf kennen kann. Nicht zuletzt hängt ja die Entwicklung eines
Geschäftsfeldes auch davon ab, wie die betreffende Unternehmung agiert und wie
die Wettbewerber auf diese Aktion reagieren. Die hohe Ungewissheit ist also
unwillentlich auch selbst verursacht. Dennoch werden verdichtete
Entwicklungsaussagen gebraucht, um eine Grundlage für wichtige Entscheidungen
des Unternehmens zu schaffen (zunächst unter der Prämisse, dass sich die eigene
Strategie nicht ändert). Die Prognose der Geschäftsfeldentwicklung muss auch
versuchen, die relevantesten Entwicklungen aus der globalen Umweltanalyse
einzubeziehen.
Dabei ist insgesamt zu beachten, dass eine segmentierte Analyse
in der dargestellten Form potenzielle Querverbindungen zwischen den Sektoren
systematisch vernachlässigt und damit die Problemstellung sehr vereinfacht.
Eine prognostizierte Entwicklung eines Sektors kann die Geschwindigkeit oder
die Richtung eines Trends aus einem anderen Sektor signifikant beeinflussen.
Deshalb muss in einer nächsten Stufe versucht werden, Wahrscheinlichkeit und Umfang von Querverbindungen abzuklären.
Obgleich dies in den meisten Fällen nur auf der Basis plausibler Vermutungen
möglich sein wird, ist für den Fall eines präziseren Informationsstandes ein
spezielles Instrument entwickelt worden, die Cross-Impact-Analyse. Heute werden
vielfach auch „ Landkarten “ verwendet,
die die einzelnen Bewegungskräfte kausal miteinander zu verknüpfen trachten und
als komplexe Netzwerke abbilden (vgl. dazu Probst,
G./Gomez, P. 1999).
Häufig wird in einem abschließenden
Schritt der Versuch unternommen, die vielen gesammelten Informationen zu
bündeln, um daraus ein Zukunftsbild, ein Szenario,
zu entwerfen (Götze, U.
1991). Die vielfältigen Einflüsse und Kräfte, die in der Umweltanalyse
herausgearbeitet wurden, werden zu überschaubaren plausiblen Bildern der
Zukunft verdichtet. Nachdem die Trends und Projektionen in der Regel keineswegs
eindeutig sind und nur selten einen hohen Wahrscheinlichkeitsgrad haben, ist
man dazu übergegangen, mehrere alternative
Szenarien zu erstellen, etwa angefangen von einer „ überraschungsfreien “
Zukunft bis hin zur „ schlechtesten aller denkbaren Zukunftssituationen “ ( „ worst
case “ ).
Szenarien versuchen eine kondensierte Zusammenschau der
unterschiedlichen Faktoren und ihrer Wirkungsverflechtung; sie grenzen damit
nicht nur den Bereich der Möglichkeiten ein, sondern sie stellen auch ein
Restfeld für alle zu formulierenden Handlungsalternativen dar. Nachdem der
Ressourceneinsatz nicht beliebig lange flexibel gehalten werden kann, ist die
gleichzeitige Verwendung verschiedener Szenarien nur begrenzt möglich.
Schließlich ist eine endgültige Entscheidung zu treffen, auf welche der
denkbaren Zukunftssituationen hin die Entscheidung ausgerichtet werden soll.
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