Inhaltsübersicht
I. Kennzeichnung
II. Die
Relativierung der Einzelkosten
III. Die
Gestaltung der Grundrechnung
IV. Prognose
relevanter Kosten
V. Auswertung
in den Formalphasen
VI. Empirische
Relevanz
I. Kennzeichnung
Die Kennzeichnung muss sich auf den verwendeten Kostenbegriff
und die Definitionsmerkmale beziehen. Hieraus ergibt sich die Abgrenzung zur
Grenzplankostenrechnung.
1. Entscheidungsorientierte
Kosten
Der relativen Einzelkostenrechnung wird der sog.
entscheidungsorientierte Kostenbegriff zugrunde gelegt. Hiernach sind Kosten
„ ? die durch die Entscheidung über das betrachtete Objekt ausgelösten
zusätzlichen – nicht kompensierten – Ausgaben “ (Riebel, P.
1994, S. 427). Mit diesem Begriffsinhalt kann die Differenzierung in die
kurzfristige Betrachtung und die langfristige Betrachtung überwunden werden, da
für jede Situation die Ergebnisse
i.S.d. Entscheidungstheorie (vgl. Blumentrath,
U. 1969, S. 8) prognostiziert werden können.
Entsprechend der weit verbreiteten Verwendung des Begriffs
der (entscheidungsorientierten) Kosten
und der hiermit verbundenen Bezeichnung für das zu diskutierende System des
internen Rechnungswesens wird im Weiteren von Kosten gesprochen, obwohl
inhaltlich genauer von Ausgaben zu sprechen wäre.
2. Definitionsmerkmale
Prägendes Merkmal der relativen Einzelkostenrechnung im
Verhältnis zu anderen Systemen des internen Rechnungswesens ist die
Relativierung des Einzelkostenbegriffs; die relative Einzelkostenrechnung weist
darüber hinaus – wie andere Systeme auch – jedoch noch weitere Merkmale auf.
-
Entsprechend der sequenziellen Zerlegung der
betrieblichen Gesamtplanung werden alle
Ergebnisse i.S.d. Entscheidungstheorie erfasst, die durch eine
Handlungsalternative ausgelöst werden.
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Es werden nach dem entscheidungsorientierten
Kostenbegriff Ausgaben (und
entsprechend Einnahmen für den
Output) als Rechengrößen verwendet.
-
Zur Vermeidung der generellen Schlüsselung und zur
Erreichung der hiermit verbundenen Relativierung
des Begriffs der Einzelkosten wird eine Bezugsobjekthierarchie aufgebaut.
Relative Einzelkosten sind Kosten, die durch ein beliebiges Objekt der Hierarchie veranlasst und nach dem
Identitätsprinzip (vgl. Riebel, P.
1994, S. 76) bei ihm originär, d.h. ohne Schlüsselung, erfasst werden.
Es wird von Bezugsobjekten statt von Bezugsgrößen
gesprochen, um eine deutlichere Unterscheidung gegenüber dem in der
Plankostenrechnung verwendeten Begriff der Bezugsgröße zu erreichen, der
einen ganz anderen Sachverhalt wiedergeben soll (vgl. Kilger, W.
1993, S. 141).
-
Die beschäftigungsunabhängigen
und beschäftigungsabhängigen Kosten werden nach ihrer Verhaltensweise unabhängig von einer
Plandauer differenziert (vgl. Layer, M.
1967, S. 43).
-
Für die beschäftigungsunabhängigen Kosten wird ihre
zeitliche Struktur ausgewiesen (vgl. Layer, M.
1967, S. 38). Sie schlägt sich nieder in der Mindestdauer der
Unveränderlichkeit.
-
Die mit der Bereitstellung und dem Einsatz von
Produktionsfaktoren verbundenen Kosten werden weiter so differenziert, dass
sie als natürliche Kostenarten ausgewiesen werden können.
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Die kostenbestimmenden Merkmale der
Produktionsfaktoren, die Planwerte und die Istwerte werden nach den
Kostengliederungskriterien in Grundrechnungen ausgewiesen.
3. Abgrenzung
zur Grenzplankostenrechnung
Die Grenzplankostenrechnung
schließt prinzipiell an die hierarchische Zerlegung der betrieblichen
Gesamtplanung an, bei der zwischen Investitionsplanung
und Produktionsplanung unterschieden wird. Sie bezieht sich auf die Produktionsplanung.
Die Differenzierung in Einzelkosten und Gemeinkosten wird
lediglich auf eine Kostenträgereinheit bezogen. Die (analog hierzu zu
entwickelnde) Bezugsobjekthierarchie der Grenzplankostenrechnung hat daher nur
zwei Hierarchieebenen, nämlich die Ebene der Kostenträgereinheiten und die
Ebene aller Kostenträgereinheiten aller Kostenträger; sämtliche zusätzlich
denkbaren Leistungsverbundenheiten zwischen Bündeln von Erzeugnissen und Kosten
werden ignoriert.
Der Planungshorizont der Grenzplankostenrechnung beträgt ein Jahr. Die Kosten werden in
(beschäftigungs-)variable und fixe danach differenziert, ob sie innerhalb eines
Jahres beeinflusst werden sollen oder
nicht (vgl. Kilger, W.
1993, S. 352). Durch die Einführung von sog. Fristigkeitsgraden (vgl. Kilger, W.
1993, S. 355) wird versucht, die zeitliche Struktur der fixen Kosten
rudimentär zu erfassen.
Die Grenzplankostenrechnung baut auf vorgegebener Kapazität
und Auslastung auf, sodass davon ausgegangen werden muss, dass sämtliche
Dispositionen für die Planperiode bereits getroffen wurden. Sie ist daher von
der Konzeption her nicht für die Entscheidungsvorbereitung einsetzbar. Die
Verwendung der vorgegebenen Planbeschäftigung für die Ableitung der zulässigen
Kosten bewirkt, dass sich Entscheidungen eines Stellenleiters, die sich auf die
Beschäftigung seiner Stelle auswirken, nicht kontrolliert werden können.
II. Die Relativierung der
Einzelkosten
Der Aufbau der Bezugsobjekthierarchie dient dazu, durch den
Ausweis der Leistungsverbundenheit die generelle Schlüsselung von Gemeinkosten
zu vermeiden. Nach dem Identitätsprinzip können Bezugsobjekte für die
Kostenzuordnung u.a. Erzeugnisse, Kostenstellen, Absatzsegmente und Projekte
sein. Entsprechend der Zugehörigkeit eines Bezugsobjekts zu mehreren Kategorien
existieren für jedes Bezugsobjekt mehrere Bezugsobjekthierarchien (vgl. z.B. Riebel, P.
1994, S. 179 f.). Für die Gestaltung der Grundrechnung ist es jedoch
notwendig, im Wege einer Über- und Unterordnung der Kategorien eine
Schachtelung der Bezugsobjekthierarchien zu erreichen, sodass als Ergebnis eine Bezugsobjekthierarchie entsteht.
Welche Kategorie der Bezugsobjekte für die Basishierarchie
ausgewählt wird, ist u.a. vom Wirtschaftszweig abhängig. Für Industriebetriebe
mit mechanisch-technologischer Produktion kann die Orientierung an den
Erzeugnissen und Erzeugnisbündeln (vgl. Layer, M.
1967, S. 39) als zweckmäßig angesehen werden, während z.B. in
Universitäten die Stellen die Basis für die Bezugsobjekthierarchie bilden
müssen (vgl. Layer, M.
2000, S. 507), weil die Kernleistungen der Universität, Forschung und
Lehre, Kuppelprodukte sind und daher in der Bezugsobjekthierarchie erst
nachrangig getrennt erfasst werden können.
Bezugsobjektebenen resultieren in einer Basishierarchie der
Erzeugnisbündel aus der Leistungsverbundenheit der Erzeugnisse, die aus der
gemeinsamen Inanspruchnahme von Kostenstellen und der Differenzierung der
Absatzsegmente ersehen werden kann. Das Ergebnis ist eine Bezugsobjekthierarchie, in der nach dem Prinzip der
Schachtelung sämtliche Kategorien von Bezugsobjekten enthalten sind (vgl. z.B. Layer, M.
1967, S. 40 f.; Layer, M.
2000, S. 510).
III. Die Gestaltung der
Grundrechnung
Die Ausrichtung des internen Rechnungswesens auf die
Unterstützung sämtlicher unternehmerischer Aufgaben macht es erforderlich, die
Aufzeichnungen auswertungszweckneutral
zu gestalten. Hierzu ist eine Grundrechnung aufzubauen, die von individuellen
Auswertungsrechnungen zu differenzieren ist. Die Grundrechnung ist als
Datenbank zu interpretieren, aus der die jeweils relevanten Kosten für einen
bestimmten Zweck zu extrahieren sind. Sie ist eine simultane Kostenarten-,
Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung. Der Zweck der Gestaltung der
Grundrechnung liegt in der Minimierung der mit dem Einsatz der Grundrechnung und der Auswertungsrechnungen
verbundenen Kosten.
Die Grundrechnung ist zur Abdeckung des Informationsbedarfs
in allen Formalphasen prinzipiell für die kostenbestimmenden Merkmale, die
Planwerte sowie die Istwerte parallel zu führen.
1. Prinzipien
der Gestaltung
Die Prinzipien beziehen sich auf die anschauliche Darstellung
der Grundrechnung, während für die Identifikation jeder Aufzeichnungsstelle in
einem System der Datenverarbeitung i.d.R. nur eine ziffernmäßige Bezeichnung in
Frage kommt.
a) Grundrechnung
in Tabellenform
Die tabellarische Grundrechnung gibt die Bezugsobjekte der
Bezugsobjekthierarchie sowie die ihnen zugeordneten Stellen und Absatzsegmente
i.d.R. in den Spalten der Tabelle sowie alle Differenzierungen der Kostenarten
nach ihrer Verhaltensweise auf Beschäftigungsänderungen, nach der zeitlichen
Struktur und den natürlichen Kostenarten in den Zeilen einer Tabelle wieder
(vgl. z.B. Riebel, P.
1994, S. 167 und S. 172). Die Eintragung in einer Zelle der Tabelle
kennzeichnet die dort gesammelten Kostenelemente eindeutig hinsichtlich aller Merkmale der Kostengliederung. Die
Anschaulichkeit der Darstellung wird bei realen Unternehmensgrößen jedoch
schnell zunichte, weil die Tabelle so groß wird, dass sie keine Übersicht mehr
bieten kann.
b) Grundrechnung
in Kontenform
Die kontenmäßige Grundrechnung verwendet die in einem
Kontenplan für die Abbildung der innerbetrieblichen Vorgänge zur Verfügung
stehenden Kontenklassen (Gemeinschaftskontenrahmen) bzw. Kontengruppen der
Klasse 9 (IKR) (vgl. Kronthaler,
L. 1999, S. 64 ff.). Entsprechend der simultanen Erfassung von
Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgergesichtspunkten sowie der
Differenzierungsmerkmale der Kostenarten in der Kontonummer kennzeichnet die
Eintragung in einem Konto die dort gesammelten Kostenelemente eindeutig
hinsichtlich aller Merkmale der
Kostengliederung (vgl. hierzu z.B. Layer, M.
1967, S. 189 ff.).
2. Umsetzung
in betriebswirtschaftlicher Standardsoftware
Betriebswirtschaftliche Standardsoftware enthält u.a. Module
bzw. Teilmodule, die der Abbildung der Vorgänge dienen, die sich im
betrieblichen Rechnungswesen niederschlagen. Da die Leistungen und Kosten in
Datenbanken abgespeichert werden, ist prinzipiell auch die Grundrechnung der
relativen Einzelkostenrechnung in betriebswirtschaftlicher Standardsoftware
abbildbar. Die Erfassung aller Merkmale der Kostengliederung ist im Übrigen
unabhängig davon erreichbar, ob die originäre Aufzeichnung unmittelbar die Merkmale
der Kostengliederung ausweist oder nicht, sofern nur sämtliche Merkmale bei der
Buchung miterfasst werden. Bei dem Modul CO-PA der Standardsoftware R/3 der SAP
AG können z.B. die Aufzeichnungen der Finanzbuchhaltung, die nach der
herkömmlichen Form der Abrechnung in Kostenarten, Kostenstellen und
Kostenträgern unterscheidet, entsprechend den Grundsätzen der relativen
Einzelkostenrechnung ausgewiesen werden.
IV. Prognose relevanter
Kosten
Die volle Abdeckung aller Formalphasen durch das interne Rechnungswesen
macht es notwendig, dass die nach dem Identitätsprinzip einer
Handlungsalternative zuzurechnenden Kosten bzw. Erlöse und Kosten aus den
Aufzeichnungen der Grundrechnung systematisch abgeleitet werden können.
Relevant sind hierbei Veränderungen der beschäftigungsvariablen und der beschäftigungsfixen Kosten (vgl.
z.B. Riebel, P.
1994, S. 82) durch die Realisierung einer Handlungsalternative auf allen in Frage kommenden Ebenen der
Bezugsobjekthierarchie. Hiernach werden alle
Ergebnisse i.S.d. Entscheidungstheorie erfasst, sodass die relevanten Kosten
nicht als Teilkosten bezeichnet
werden können.
Die einsetzbaren Instrumente für die Prognose der relevanten
Kosten hängen davon ab, ob bei der Realisierung der Handlungsalternative
Engpässe zu erwarten sind oder nicht.
1. Prognose
ohne Erfassung potenzieller Engpässe
Kann von ungehemmter Bereitstellung der benötigten Ressourcen
ausgegangen werden, so bieten die Instrumente der Produktionsfunktion und der
Investitionsfunktion die Möglichkeit, die Input-Output-Beziehungen abzubilden
und die Lösung schnell zu errechnen.
Die Mehrproduktunternehmung und die Erfassung gegenseitiger
Leistungsverflechtungen in mehrstufiger Produktion erfordern den Einsatz der
sog. betriebswirtschaftlichen Produktionsfunktion (vgl. Kloock, J.
1969, S. 126). Wenn zur realistischen Abbildung die endliche
Produktionsgeschwindigkeit (vgl. Preßmar, D.
1971, S. 36) und der hieraus resultierende Zeitbedarf berücksichtigt
wird, so sind dynamische Produktionsfunktionen (vgl. z.B. Küpper, K.-U.
1980, S. 82 f. oder Troßmann, E.
1983) erforderlich. Die Produktionsfunktion ergibt den Bedarf an
Repetierfaktormengen und Potenzialfaktorleistungen
(vgl. Layer, M.
1975, S. 138).
Infolge der mangelnden Teilbarkeit von Potenzialfaktoren
lassen sich aus den Faktorleistungen die notwendigen Bereitstellungen nicht
unmittelbar ableiten. Mithilfe einer modifizierten Gaußklammer-Funktion (vgl. Kakarott, A.
1991, S. 231) lassen sich die Potenzialfaktorquantitäten bestimmen, die durch die Handlungsalternative
veranlasst werden (vgl. Layer, M.
1992, S. 232 ff.).
2. Prognose
unter Erfassung potenzieller Engpässe
Wenn nicht von ungehemmter Bereitstellung ausgegangen werden
kann, so sind je nach der Art des Entscheidungsfelds unterschiedliche
Folgeaktionen mit unterschiedlichen Kategorien von Einnahmen bzw. Ausgaben zu
erfassen. So muss beim Auftreten eines Engpasses der bisherige Plan revidiert
werden, wodurch Deckungsbeiträge entgehen. Die Ermittlung der in der jeweiligen
Situation tatsächlich eintretenden Folgen macht den Einsatz von Entscheidungstabellen
notwendig (vgl. Krüger, G.
1972, S. 85 ff.).
V. Auswertung in den
Formalphasen
Bei jeder Zerlegung des Gesamtplans in Teilpläne ist die
Lösung von Teilplanungsproblemen Ausgangspunkt für die Gesamtplanung und die
Kontrollen, die zusammen mit der Realisation die Formalphasen des
Betriebsprozesses (vgl. Kosiol, E.
1973, S. 355) bilden.
1. Lösung
von Teilplanungsproblemen
Die prognostizierten Ergebnisse aller Handlungsalternativen
bilden die Basis für die rationale Auswahl. In Risiko- bzw.
Ungewissheitssituationen sind auf die Ergebnisse Entscheidungsregeln anzuwenden
(vgl. Layer, M.
1975, S. 23 f.).
Beispiele für die Lösung einzelner Entscheidungen sind in der
Literatur sehr zahlreich zu finden (vgl. z.B. Riebel, P.
1994, S. 176 ff., S. 204 ff., 269 ff.; Layer, M.
1967, S. 58 ff.). Die Systematisierung der Teilplanungsprobleme (Layer, M.
1967, S. 62 f., S. 211 ff.; Layer, M.
2000, S. 518 ff.) sichert die Vollständigkeit der Teilpläne.
2. Die
Gesamtplanung
Die Aktionen aus der Umsetzung eines Plans sind
unterschiedlich verbindlich. Zu Beginn der Realisierung einer Maßnahme sind
nicht zwangsläufig sämtliche Aktionsparameter für die gesamte Plandauer
endgültig festzulegen. Die Realisierung der später notwendigen Aktionen kann
durch eine Planrevision verhindert werden, sodass ihre Ergebnisse zunächst nur
Vorschauwerte sind.
Vorschauwerte sind in Perspektivplänen abzubilden. Die
Teilperioden eines Perspektivplans müssen der Mindestdauer der
Unveränderlichkeit der beschäftigungsunabhängigen Ausgaben entsprechen, da die
Ausgaben lediglich zum Ende der Mindestdauer vermeidbar sind. Sind in einem
Perspektivplan Ausgaben mit unterschiedlichen Mindestdauern der Unveränderlichkeit
abzubilden, so führt das zu einer Solldeckungsrechnung (vgl. Layer, M.
1967, S. 171) mit einem System geschachtelter Teilperioden
unterschiedlicher Länge.
Aktionspläne enthalten dagegen Vorgabewerte für die
Dispositions- und Realisierungsaufgaben der Verantwortlichen. Sie sind für die
Aktionen in der Kontrollperiode verbindlich. Die Art der Vorgaben ist auf den
Dispositionsspielraum des Verantwortlichen (vgl. Layer, M.
1967, S. 157) abzustimmen. Zu den Vorgabearten zählen Mengenvorgaben,
Ausgabevorgaben, Produktivitätskennziffern (Riebel, P.
1994, S. 173), Wirtschaftlichkeitskennziffern und Deckungsbudgets (vgl. Riebel, P.
1994, S. 475 ff., S. 498 ff.) bzw. Solldeckungsbeiträge über die
beeinflussbaren Ausgaben.
3. Kontrollrechnungen
Aufgaben von Kontrollrechnungen sind die Koordination von
Teilentscheidungen sowie die Verbesserung künftiger Planungen, die Motivation
rechenschaftspflichtiger Verantwortlicher sowie die Vorbeugung. Zur Erfüllung
der Aufgaben ist sowohl die Überwachung der Planeinhaltung als auch die
Kontrolle der Betriebsgebarung erforderlich.
a) Überwachung
der Planeinhaltung
Die Unsicherheit der Planung erfordert die
realisationsbegleitende Kontrolle, damit bei erkennbaren systematischen
Abweichungen rechtzeitig Korrekturmaßnahmen ergriffen werden können. Hierzu ist
es notwendig, sowohl den Kostenanfall, die Kostenabdeckung als auch die
Erwirtschaftung der Solldeckungsbeiträge auf der Basis der Solldeckungsrechnung
zu überwachen (vgl. Layer, M.
1967, S. 172 ff.) sowie auftretende Abweichungen zu analysieren. Die
Kontrolle der Planeinhaltung ist auch Ausgangspunkt für die Selbstkontrolle von
Verantwortlichen, die Dispositionen unter Erfassung von Einflussfaktoren, die
von ihnen nicht beeinflussbar sind, zu treffen haben.
b) Überwachung
der Betriebsgebarung
Die Kontrolle der Betriebsgebarung ist Fremdkontrolle durch
die rechenschaftsberechtigten Verantwortlichen im Unternehmen. An Hand der
Vorgaben und der realisierten Werte wird überwacht, ob der rechenschaftspflichtige
Mitarbeiter seine Aufgaben plangemäß erfüllt hat. Bei der Überwachung
beschäftigungsunabhängiger Ausgaben ist hierbei zwischen beeinflussbaren und
planmäßig anfallenden Ausgaben (vgl. Layer, M.
1967, S. 134 ff.) zu unterscheiden.
c) Unterstützung
von Kontrollrechnungen Externer
Für die Unterstützung von Kontrollrechnung externer Rechenschaftsberechtigter
sind aus der Unternehmung Nachrichten zu übermitteln, die bestimmten
Konventionen (z.B. Vorschriften des HGB) genügen müssen. Bei Kenntnis der
Konventionen kann aus der Grundrechnung konzeptionell ohne Schwierigkeiten z.B.
der Jahresabschluss erstellt werden.
VI. Empirische Relevanz
Die empirische Relevanz der relativen Einzelkostenrechnung
lässt sich an Hand von zwei Kriterien beurteilen, und zwar einmal daran, ob es
Unternehmen gibt, für deren individuelle Betriebsverhältnisse sie angemessen
ist. Zum anderen ist danach zu fragen, wie häufig sie in der Praxis eingesetzt
wird.
Die Angemessenheit eines Systems des internen Rechnungswesens
ist an Hand von Situationsmerkmalen (vgl. Schmitt-Eisleben,
D. 1994, S. 308 ff.) und Strukturmerkmalen (vgl. Schmitt-Eisleben,
D. 1994, S. 151 ff.) des Unternehmens zu beurteilen. Vor allem
Strukturmerkmale des Absatzes werden in der Praxis als wichtig oder sehr
wichtig eingeschätzt (vgl. Layer, M.
1985, S. 727). Durch die Erhebung der in einem Unternehmen vorzufindenden
Merkmale ist es erreichbar, die relative Einzelkostenrechnung als nicht
zweckmäßig auszuschließen oder als zweckmäßig zu klassifizieren.
Nach einer empirischen Erhebung wurde von 21,4 % der in der
Stichprobe enthaltenen 254 Unternehmen die relative Einzelkostenrechnung
eingesetzt (vgl. Schmitt-Eisleben,
D. 1994, S. 52). Ein weiterer Anhaltspunkt ergibt sich aus der
Anzahl eingesetzter Teilmodule betriebswirtschaftlicher Standardsoftware, in
denen die Grundsätze der relativen Einzelkostenrechnung abgebildet sind. In
einer Vortragsveranstaltung an der Universität Frankfurt am 22. Januar 1999
wurde von Sinzig erwähnt, dass das Modul CO-PA der R/3-Software von SAP mehr
als 1200 Mal im Einsatz sei (vgl. auch Sinzig, W.
1990). Da die relative Einzelkostenrechnung nicht in jeder
Unternehmenssituation angemessen ist, kann hiernach für \'angemessene\'
Situationen von einer weiten Verbreitung ausgegangen werden.
Literatur:
Blumentrath, Ulrich :
Investitions- und Finanzplanung mit dem Ziel der Endwertmaximierung, Wiesbaden
1969
Kakarott, Axel :
Strategische Preis- und Kapazitätsplanung für neue Produkte, Münster 1991
Kilger, Wolfgang :
Flexible Plankostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung, Wiesbaden, 10. A.,
1993
Kloock, Josef :
Betriebswirtschaftliche Input-Output-Modelle, Wiesbaden 1969
Kosiol, Erich : Zur
Problematik der Planung in der Unternehmung, in: Bausteine der
Betriebswirtschaftslehre, Bd I, hrsg. v. Kosiol, Erich, Berlin 1973, S. 353 – 381
Kronthaler, Ludwig : in:
Schlußbericht des Arbeitskreises „ Hochschulrechnungswesen “ der deutschen
Universitätskanzler, hrsg. v. Weichselbaumer, Jürgen, München 1999
Krüger, Gerhard :
Vergleichsrechnungen bei Wertanalysen, München 1972
Küpper, Hans-Ulrich :
Interdependenzen zwischen Produktionstheorie und der Organisation des
Produktionsprozesses, Berlin 1980
Layer, Manfred :
Sollkonzeption für ein universitäres Berichts- und Controllingsystem, in: Neues
öffentliches Rechnungswesen, hrsg. v. Budäus, Dietrich/Küpper,
Willi/Streitferdt, Lothar, Wiesbaden 2000, S. 489 – 522
Layer, Manfred : Die
Prognose der Investitionsausgaben für mehrstufige Mehr-Produkt-Projekte mit
Hilfe einer dynamischen Investitionsfunktion, in: Praxis und Theorie der
Unternehmung, hrsg. v. Hansmann, Karl-Werner/Scheer, August-Wilhelm, Wiesbaden
1992, S. 223 – 242
Layer, Manfred : Die
Abstimmung des Internen Rechnungswesens auf die individuellen
Unternehmensverhältnisse, in: Information und Wirtschaftlichkeit, hrsg. v.
Ballwieser, Wolfgang/Berger, Karl-Heinz, Wiesbaden 1985, S. 715 – 742
Layer, Manfred : Die
Kostenrechnung als Informationsinstrument der Unternehmensleitung, in: Neuere
Entwicklungen in der Kostenrechnung (I), hrsg. v. Jacob, Herbert, Wiesbaden
1976, S. 97 – 138
Layer, Manfred :
Optimale Kapazitätsausnutzung und Kapazitätsbereitstellung, Würzburg et al.
1975
Layer, Manfred :
Möglichkeiten und Grenzen der Anwendbarkeit der Deckungsbeitragsrechnung im
Rechnungswesen der Unternehmung, Berlin 1967
Preßmar, Dieter :
Kosten- und Leistungsanalyse im Industriebetrieb, Wiesbaden 1971
Riebel, Paul :
Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung, Wiesbaden, 7. A., 1994
Schmitt-Eisleben, Daniel
: Abstimmung des Internen Rechnungswesens auf die individuellen Unternehmensbedürfnisse,
Münster et al. 1994
Sinzig, Werner :
Datenbankorientiertes Rechnungswesen: Grundzüge einer EDV-gestützten
Realisierung der Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung, Berlin et al., 3.
A., 1993
Troßmann, Ernst :
Grundlagen einer dynamischen Theorie und Politik der betrieblichen Produktion,
Berlin 1983
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