Inhaltsübersicht
I. Begriff
II. Charakteristika
funktionaler Organisation
III. Modifizierungen
funktionaler Organisation
IV. Bewertung
I. Begriff
Die Basisvermutung der Organisationstheorie behauptet, eine
strukturierte Aufgabenerfüllung führe zu einem höheren Grad an Effizienz als
eine nicht strukturierte (Witte,
Eberhard 1969, Sp. 20). In Anerkennung dieser Grundthese wurde und
wird daran gearbeitet, diejenige Alternative der Strukturierung zu entwickeln,
die bei gegebenen Rahmenbedingungen das höchste Maß an Effizienz ermöglicht (zu
den Dimensionen der Effizienz vgl. Grochla,
Erwin/Welge, Martin K. 1975). Damit wird „ Organisation “ zu einem –
ökonomischen – Optimierungsproblem (Müller-Merbach,
Heiner 1980), das durch bewusste, kriteriengeleitete
Entscheidungsprozesse (Bea, Franz
Xaver/Göbel, Elisabeth 1999, S. 15 ff.) zu Lösungen geführt wird.
Eine unter vielen Varianten der aufbauorganisatorischen Konfigurationen ist die
„ funktionale Organisation “ .
Der Begriff „ funktional “ geht auf das Lateinische „ functio “
zurück und bedeutet „ Verrichtung “ . Da Aufgaben als „ Verrichtungen an Objekten “
definiert sind (Kosiol, Erich
1969, Sp. 202), wird mit „ funktionaler Organisation “ lediglich ein spezifischer Wesensteil der Aufgabe
als organisatorischem Element angesprochen (Lochstampfer,
Peter 1980, Sp. 756). Der andere Teil – die materiellen und
immateriellen Objekte – werden hierbei als zunächst nachrangig interpretiert
und als von den Verrichtungen umschlossen betrachtet. In gleicher Weise stellt
eine „ objektorientierte Organisation “ die an den Objekten vorzunehmenden
Verrichtungen in den Hintergrund der Betrachtung.
In der organisationstheoretischen Literatur wird mit
„ funktionaler Organisation “ eine Konfiguration bezeichnet, die ein
arbeitsteiliges, mit Abteilungsgliederungen versehenes Unternehmen auf der
ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung nach Verrichtungen strukturiert (Bühner, Rolf
1999, S. 131). Alternativen hierzu sind die „ Objekt- “ , die „ Sparten- “ , die
„ Geschäftsbereichs- “ , die „ Matrix- “ , die „ Regionalorganisation “ oder weitere
Formen (Eisenführ,
Franz 1980) – stets wird das Strukturierungskriterium der ersten
Gliederungsebene nach der Geschäftsleitung als Bezeichnung der
Organisationsstruktur des gesamten Unternehmens herangezogen (Schulte-Zurhausen,
Manfred 1999, S. 237; anders Alewell, Karl
1992). Für den Fall, dass das Geschäftsführungsorgan multipersonal besetzt ist,
kann auch dieses eine verrichtungsorientierte Kompetenzverteilung aufweisen und
damit den Tatbestand der funktionalen Organisation erfüllen. Durch diese
nomenklatorische Fokussierung wird jedoch eine äußerst simplifizierte
Darstellung vorgenommen, die der Problematik der Organisation eines
Unternehmens nicht gerecht wird: Es genügt nicht, lediglich die oberste
Gliederungsebene heranzuziehen, es ist vielmehr geboten, das gesamte
Unternehmen sowie die in ihm zu vollziehenden Aktionen in die Analyse
einzubeziehen (Krüger,
Wilfried 1992, Sp. 222).
Da bei der ganzheitlichen Strukturierung eines Unternehmens
sämtliche Bestandteile der Aufgaben beachtet werden müssen, bedeutet eine
einseitige organisatorische Fokussierung auf einer Ebene zwingend einen
Perspektivenwechsel auf einer anderen – nach- oder vorgelagerten – Ebene. Bei
der üblicherweise vertikal abwärts erfolgenden Analyse einer
Unternehmensorganisation heißt das, dass die funktionale Organisation von einer
objektorientierten innerhalb einer Funktion gefolgt wird, da Verrichtungen
nicht beliebig weit in sich differenziert und die Objekte nicht ausgeklammert
werden können (Braun,
Günther E./Beckert, Joachim 1992, Sp. 642). Dieser „ Wechsel des
Organisationskriteriums “ wird stets dann erforderlich, wenn die
organisatorische Ebenendifferenzierung über zwei hinausgreift. In Abb. 1 ist
dieser Zusammenhang am Beispiel eines Handelsunternehmens angedeutet.
Abb. 1: Funktionale Organisation eines Handelsbetriebs (Beispiel)
II. Charakteristika
funktionaler Organisation
Organisatorische Strukturierungen basieren auf den
vielfältigen Spezialisierungseffekten der Arbeitsteilung (Kieser,
Alfred/Kubicek, Herbert 1992, S. 86 ff.). Alle Aktivitäten von
Menschen und Maschinen bestehen ausschließlich in Verrichtungen, die an
unterschiedlichen Objekten vollzogen werden können. Jegliche Spezialisierung –
im personellen Bereich durch Ausbildung und Training gefördert, im maschinellen
Bereich durch Konstruktion herbeigeführt – richtet sich auf Verrichtungen,
gleichgültig ob körperlicher oder geistiger, materieller oder immaterieller
Art. Damit wird die Verrichtung zum zentralen Element organisatorischer
Gestaltung auf der Ebene der unmittelbar transformierenden
Ausführungshandlungen. Verrichtungen bleiben über die Zeit relativ stabil,
Veränderungen weisen regelmäßig evolutorische Züge auf. Die Verrichtungsträger
– Personen und Maschinen – sind innerhalb kurzer Zeitspannen nur in begrenztem
Maße zu Anpassungen fähig; sollte eine gravierende Veränderung innerhalb der
Verrichtungen rasch erforderlich werden, sind die Verrichtungsträger normalerweise
auszutauschen – mit der Wirkung erneuter Verrichtungsstabilität auf verändertem
Niveau. Die Objekte hingegen können durchaus einer höheren Variabilität
unterliegen: Das Bohren eines dicken oder eines dünnen Brettes stellt dieselbe
Verrichtung dar, nicht aber dasselbe Objekt. Auf der untersten
organisatorischen Ebene ist eine funktionale Ausrichtung aller Aufgabenträger
zwingend gegeben; bei sehr hohem Aufgabenvolumen kann es darüber hinaus dazu
führen, dass gleichzeitig eine Objektspezifizierung erfolgt, die jedoch nach
Abarbeitung dieses Aufgabenvolumens eine Veränderung erfährt.
Im arbeitsteiligen, multipersonalen Aufgabenerfüllungsprozess
wird es erforderlich, die einzelnen Leistungsbeiträge ergebnis- und
prozessorientiert zu koordinieren, um die Unternehmens-Gesamtaufgabe zu
erfüllen (Rühli, Edwin
1992). Die Kriterien der Koordination orientieren sich dabei an den aktuellen
Gegebenheiten der Aufgabenstellung. Koordination ist aufwendig, folglich ist zu
versuchen, die organisatorische Strukturierung des Gesamtunternehmens unter
Minimierung des Koordinationsaufwandes vorzunehmen. Das ist gleichbedeutend mit
der Maximierung der Leitungsspanne als Anzahl von Mitarbeitern, die einer
Führungskraft zugeordnet sind (Müller,
Wolfgang 1980). Da die Leitungsspanne u.a. von der Homogenität der
zu koordinierenden Aufgaben abhängt, ist c.p. anzustreben, innerhalb einer
Gruppe möglichst gleichartige Aufgaben zusammenzufassen. Dadurch ergibt sich
zwischen den Gruppen hohe Heterogenität.
Die Homogenität resultiert u.a. aus der Menge von Objekten,
an denen gleichartige Verrichtungen zu vollziehen sind – beispielsweise bei
Massenproduktion. Erfordert die Leistungserstellung eine hohe Anzahl
gleichartiger Verrichtungen, so lassen sich die zahlreich benötigten
Mitarbeiter über eine relativ große Leitungsspanne koordinieren. In diesem Fall
läge eine „ reine “ funktionale Organisation auf dieser Ebene vor. Werden
hingegen an den Objekten sehr zahlreiche unterschiedliche Verrichtungen vollzogen
und gibt es keine anderen Objekte, die dieselben Verrichtungen erfordern, dann
bietet sich eine funktionale Organisation c.p. nicht an, sondern eine
objektorientierte.
Die begrenzte Führungskapazität einer Person kann es
bedingen, dass mehrere gleichartige Gruppen gebildet werden müssen, deren
Leiter ihrerseits einer Führung bedürfen, die dann ebenfalls inhaltlich auf
Verrichtungen gerichtet ist und damit den Tatbestand der funktionalen
Organisation auch auf dieser nachgeordneten Ebene darstellt. Hiermit ergibt
sich eine mehrstufige rein funktionale Organisation innerhalb dieses
Linienzuges. Allerdings besteht dann hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass im
Sinne gesteigerter gruppeninterner Homogenität den verschiedenen
Untergliederungen – so weit wie möglich – unterschiedliche Objektbereiche
zugeordnet werden, die sie funktional zu betreuen haben. Dann dominieren
innerhalb des Linienzuges zwar die Verrichtungen, die aber durch eine
Objektdifferenzierung voneinander separiert werden ( „ Funktions-Produkt-Spezialisten “ ,
Eisenführ,
Franz 1972). In einem solchen Fall wäre es durchaus gerechtfertigt,
von einem Kriterienwechsel der Konfiguration zu sprechen, wenn die
unterschiedlichen Objektbereiche eindeutig voneinander getrennt werden können.
Wird die Koordination in hierarchischer Ordnung weiter nach
„ oben “ fortgeführt, wird durch die Aggregation der Einzelteile zu Teil- und
dieser zu Gesamtobjekten die Wahrscheinlichkeit größer, dass die
objektorientierte Homogenität bzw. die objektspezifischen Anforderungen
bedeutsamer werden und damit eine Objektorganisation sinnvoll ist – vor allem
dann, wenn sehr unterschiedliche Objekte zum Leistungsprogramm des Unternehmens
gehören. Auf wiederum höherer Ebene kann sich indessen wieder die funktionale
Organisation als zweckmäßig erweisen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
über Verrichtungsspezifika Synergieeffekte realisierbar sind – etwa über die
größervolumige Beschaffung für sämtliche Objekte des Produktionsprogramms oder
über gemeinsame Marketingaktivitäten für mehrere Produktlinien. Auf diese Weise
kann sich ein mehrfacher Wechsel des Organisationskriteriums innerhalb eines
Unternehmens herausbilden. Aus diesem Zusammenhang wird deutlich, dass in
Unternehmen, die lediglich ein einziges Produkt – oder eine in sich sehr
homogene Produktfamilie – anbieten, die funktionale Organisation das
vorherrschende Gestaltungsmuster darstellt (Doppelfeld,
Volker 1987).
Eine derartige Erscheinung tritt zunehmend auf, indem sich
immer mehr Unternehmen mit umfangreicher Produktpalette im Sinne
differenzierender Konzernierung in zahlreiche Tochterunternehmen mit jeweils
sehr engem Produktprogramm aufspalten (Bleicher,
Knut 1992, Sp. 1163). In diesen Fällen wird eine
betriebsübergreifende objektorientierte Organisation über die Konzernstruktur
herbeigeführt, die innerhalb jeden Konzerngliedes als funktionale Organisation
aufgestellt ist. Ebenso ist zu beobachten, dass Unternehmen, die eine
Geschäftsbereichsorganisation aufweisen – die den objektorientierten
Konfigurationen zugerechnet wird – , innerhalb der Geschäftsbereiche eine
funktionale Ausrichtung auf der folgenden Organisationsebene aufweisen. Ebenso
gilt für kleinere und mittlere Unternehmen, dass sie weitaus überwiegend
funktional organisiert sind (Frese, Erich
2000, S. 409).
III. Modifizierungen
funktionaler Organisation
Elemente funktionaler Organisation sind darüber hinaus in
komplexeren Konfigurationen zu finden. So sind Stäbe
sowie Zentralstellen vielfach funktional orientiert – ihre Aufgabe besteht in
der Unterstützung anderer Instanzen bei deren Verrichtungen. Auch persönliche
Referenten von Linieninstanzen werden regelmäßig mit Aufgaben betraut, bei
denen sie ihre individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten, ihr Expertenwissen
einbringen können und sollen – die zu bearbeitenden Objekte ergeben sich aus
der jeweils aktuellen Situation. Zentralstellen oder -abteilungen wie
„ Personal “ , „ Finanzen “ , „ Rechnungswesen “ , „ EDV “ , „ Steuern “ , „ Recht “ ,
„ allgemeine Verwaltung “ , „ Public Relations “ oder „ Investors Relations “ oder
„ Customer Relations “ werden üblicherweise als funktionale Bereiche
interpretiert – auch wenn es in einzelnen Fällen auf Grund der Spezifität der
Objekte gerechtfertigt sein könnte, eine objektorientierte Konfiguration zu
identifizieren. Dies wäre etwa der Fall, wenn – in der Rechtsabteilung –
ausschließlich Vertragsprüfungen stattfänden und alle anderen rechtserheblichen
Fälle nach außen vergeben würden. Aber auch dann ist die Frage noch nicht
entschieden, ob eher das Funktionale oder die Objekte im Vordergrund der
Betrachtung stehen – auf jeden Fall sind die Verrichtungen der Fallbearbeitung
unabdingbar.
In Matrix- oder Tensorkonfigurationen ist regelmäßig ein Strang funktional ausgerichtet,
während andere Stränge objektbezogen, regional, kundengruppig o.ä. gestaltet
sind. Da in diesen Fällen keine hierarchische Ordnung zwischen den Matrixköpfen
besteht, lassen sich derartige Konfigurationen als auch funktional interpretieren.
In gleicher Weise sind Projektorganisationen zu
interpretieren (Grün, Oskar
1992). Projekte stellen besondere, inhaltlich und zeitlich klar begrenzte, für
das Unternehmen mehrheitlich innovative oder einmalige Spezialaufgaben dar (Schmidli,
Albert 2001, S. 11), die von Personen aus unterschiedlichen
Bereichen – bisweilen unter Einbeziehung Externer – bearbeitet werden. Nach
Abschluss des Projektes kehren die involvierten Mitarbeiter in ihre
ursprünglichen Stellen zurück. Die Projektorganisation ist primär am durch das
Projekt vorgegebenen Objekt orientiert, das es zu bearbeiten gilt, innerhalb
der Projektgruppe stehen aber die Verrichtungen im Vordergrund. Denn die am
Projekt beteiligten Mitarbeiter werden auf Grund ihres jeweiligen
Sachverstandes ausgewählt – dieser könnte sich zwar gleichermaßen auf
Verrichtungen wie auf Objekte beziehen. Da es sich jedoch meistens um nicht
wiederholbare Aufgaben handelt, die regelmäßig abteilungsübergreifende
Auswirkungen zeitigen, stehen die funktionalen Aspekte des Projektes im Zentrum
der Behandlung. Nur wenn alle erforderlichen Verrichtungskompetenzen im
Projektteam gebündelt sind, besteht Aussicht auf hinreichenden Projekterfolg.
Insofern ist auch hier von einer Funktionsorientierung auszugehen, die mit der projektspezifischen
Objektorientierung einhergeht. Worauf das Schwergewicht zu legen wäre, könnte
nur anhand des konkreten Falles beurteilt werden, das Funktionale ist auf jeden
Fall nicht vernachlässigbar.
IV. Bewertung
Die funktionale Organisation durchzieht die gesamte
Konfiguration der Aufbaustruktur. Dennoch wird von einer funktionalen
Unternehmensorganisation nur dann gesprochen, wenn dieses Kriterium auf der
ersten Ebene nach der Geschäftsleitung angesiedelt ist. Diese durch die – vor
allem ältere (Weber, Helmut
1968) – Literatur geprägte Sichtweise mag beibehalten werden; in zahlreichen
modernen Formen der Aufbaustrukturierung ist eine derartige Differenzierung
jedoch obsolet. Vielmehr kommt es darauf an, den einzelnen Aufgabenträgern klar
und eindeutig abgegrenzte Aufgaben zuzuweisen, die diese effektiv und effizient
erfüllen können. Da die Aufgaben stets aus Verrichtungen an Objekten bestehen,
ist es eher eine Frage des Betrachtungsstandpunktes denn objektiver Kriterien,
welches Differenzierungsmerkmal in den Vordergrund gestellt wird. Darüber
hinaus gilt, dass durch Veränderungen sowohl innerhalb der Aufgabenerfüllung
als auch der Aufgabenträger Neuzuschnitte der Aufbaustrukturierung erforderlich
werden, die die konventionelle Einteilung als unzweckmäßig erscheinen lassen.
Es ist folglich zielführender, nach den jeweiligen Anteilen
funktionaler Organisation zu fragen, die bei der jeweiligen Aufgabenerfüllung
erforderlich oder zweckdienlich sind. Damit wird die Frage der Funktionalität
neu gestellt: Es geht nicht – mehr – um „ grobe “ Einteilungen wie „ Beschaffung “ ,
„ Absatz “ , „ Produktion “ , „ Verwaltung “ , sondern um einen relativ präzisen Katalog
von Funktionsbündeln, die für die unterschiedlichen Aufgabenerfüllungen
erforderlich sind. Damit wird die durch eine weitgehende Aufgaben- und
Arbeitsanalyse erarbeitete funktionale Spezialisierung über ganzheitliche Aufgabenfelder
zurückgeführt und eine „ Multifunktionalität “ der Aufgabenträger aufgebaut, die
organisatorisch zahlreiche Vorteile aufweist. Selbst bei relativ einfachen
Verrichtungen wird zunehmend versucht, so genannte „ Mehrfachqualifikationen “
bei Mitarbeitern zu erreichen. Dies erlaubt es den Unternehmen, hochflexibel
auf volumenmäßige wie auch auf inhaltliche Aufgabenveränderungen reagieren zu
können. Gleichzeitig bedeutet dies, dass auf Grund der
Verrichtungsarten-Erweiterung je Mitarbeiter eine verstärkte Objektzentralisierung
möglich ist, indem das Objekt als Kristallisationspunkt der Aufgabenerfüllung
vorgegeben werden kann.
In gleicher Weise wirken zahlreiche Bemühungen um eine
Humanisierung der Arbeitswelt (Kreikebaum,
Hartmut 1992). Für personelle Aufgabenträger gilt, dass eine sehr
weit getriebene Spezialisierung zu einseitigen Belastungen führt, die als personalwirtschaftlich
nachteilig erkannt wurden. Zur Verminderung derartiger Nachteile führen moderne
Konzepte der Arbeitsstrukturierung zu ganzheitlichen Aufgabenzuschnitten, bei
denen der Mitarbeiter – z.T. sehr – unterschiedliche Verrichtungen an Objekten
vornimmt. Damit wird das Objekt zentralisiert, die Verrichtungen entsprechend
dezentralisiert. Dennoch erscheint es unangemessen, hierbei von
Objektorganisationen zu sprechen, da es sich in Wirklichkeit um eine veränderte
Verrichtungskompetenz der Mitarbeiter handelt: Statt hoch spezialisierter
Einzelverrichtungen werden nunmehr ebenso hoch spezialisierte
Verrichtungscluster herangezogen, die folglich veränderte
Organisationsstrukturen bedingen. Das gilt auch für maschinelle Aufgabenträger,
die mittels Programmierung zahlreiche unterschiedliche Verrichtungen bewältigen
können, die auf mechanischem Wege nicht darstellbar waren.
Das Erfordernis organisatorischer Gestaltung ergibt sich aus
der Notwendigkeit der Koordination arbeitsteilig zu erfüllender Teilaufgaben.
In der klassischen Organisation erfolgte diese über personelle Hierarchien mit
Weisungsrechten und -unterworfenheiten. Die Beherrschung der Koordination wurde
durch Homogenisierung der zu koordinierenden Teilaufgaben erreicht. Gelingt es
jedoch, die Koordinationsnotwendigkeit zu reduzieren, indem über
nicht-personale Mechanismen – wie Programme, technische Zwangsfolgen
(Fließband), Ablaufstrukturen o.Ä. – die Abstimmung der einzelnen Teilaufgaben
im Sinne der Gesamtaufgabenerfüllung erfolgt, stellt sich die Frage nach der
Art der Konfiguration nicht mehr in gleicher Weise: Je besser die einzelnen
Aufgabenträger ausgebildet oder konstruiert und mit übergreifenden
Aufgabenerfüllungen vertraut sind, um so weniger ist eine auf Weisungen
basierende Koordination erforderlich. Stattdessen entwickeln sich neue Formen
der Organisation, in denen neuartige Kombinationen von Funktionen und Objekten
erfolgen – beispielsweise über Projekte oder über „ Aufträge “ in teilautonomen
Arbeitsgruppen – , die eine eigenständige organisatorische Einbettung in die
Gesamtstruktur erfordern. Es wird damit deutlich, dass präzise Abgrenzungen
zwischen verschiedenen Funktionen zwar theoretisch noch möglich,
organisationspraktisch aber zunehmend irrelevant sind. Vielmehr bedarf es einer
ganzheitlichen Betrachtung. Dennoch dienen Konfigurationen der deklaratorischen
Visualisierung des jeweils vorherrschenden organisatorischen
Gestaltungsprinzips auf Grund betriebswirtschaftlicher Metakriterien (Kieser,
Alfred/Kubicek, Herbert 1992, S. 126 f.).
Literatur:
Alewell, Karl : Regionalorganisation,
in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp. 2184 – 2195
Bea, Franz Xaver/Göbel, Elisabeth :
Organisation, Stuttgart 1999
Bleicher, Knut : Konzernorganisation,
in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp. 1151 – 1164
Braun, Günther E./Beckert, Joachim :
Funktionalorganisation, in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992,
Sp. 640 – 655
Bühner, Rolf : Betriebswirtschaftliche
Organisationslehre, 9. A., München 1999
Doppelfeld, Volker :
Organisationsformen in einem funktional gegliederten Großunternehmen, in: ZfbF,
Jg. 39, 1987, S. 577 – 584
Eisenführ, Franz : Divisionale
Organisation, in: HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, 2. A., Stuttgart 1980, Sp.
558 – 568
Eisenführ, Franz : Zur Entscheidung
zwischen funktionaler und divisionaler Organisation, in:
Unternehmensorganisation, hrsg. v. Grochla, Erwin, Hamburg 1972, S. 256 – 278
Frese, Erich : Grundlagen der
Organisation, 8. A., Wiesbaden 2000
Grochla, Erwin/Welge, Martin K. : Zur
Problematik der Effizienzbedingungen von Organisationsstrukturen, in: ZfbF, Jg.
27, 1975, S. 273 – 289
Grün, Oskar : Projektorganisation,
in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp. 2102 – 2116
Kieser, Alfred/Kubicek, Herbert :
Organisation, 3. A., Berlin 1992
Kosiol, Erich : Aufgabenanalyse, in:
HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, Stuttgart 1969, Sp. 199 – 212
Kreikebaum, Hartmut : Humanisierung,
in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp. 816 – 826
Krüger, Wilfried : Aufgabenanalyse
und -synthese, in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp.
221 – 236
Lochstampfer, Peter : Funktionale
Organisation, in: HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, 2. A., Stuttgart 1980, Sp.
756 – 766
Müller, Wolfgang : Leitungsspanne,
in: HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, 2. A., Stuttgart 1980, Sp. 1199 – 1205
Müller-Merbach, Heiner :
Aufbauorganisation, in: HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, 2. A., Stuttgart 1980,
Sp. 187 – 200
Rühli, Edwin : Koordination, in: HWO,
hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp. 1164 – 1175
Schmidli, Albert : Projektmanagement:
Führung, Planung, Kontrolle, Basel et al. 2001
Schulte-Zurhausen, Manfred : Organisation,
2. A., München 1999
Weber, Helmut : Funktionsorientierte
und produktorientierte Organisation der industriellen Unternehmenung, in: ZfB,
Jg. 38, 1968, S. 587 – 604
Witte, Eberhard : Ablauforganisation,
in: HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, Stuttgart 1969, Sp. 20 – 30
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