Inhaltsübersicht
I. Notwendigkeiten
einer dynamischen Betrachtungsweise
II. Formen
der Dynamisierung
III. Dynamische
Aktivitätsanalyse
I. Notwendigkeiten
einer dynamischen Betrachtungsweise
Im bwl. Schrifttum wird eine Fülle von Argumenten angeführt,
dass die Beschreibung und Erläuterung praktischer Produktionsvorgänge eine
dynamische Betrachtungsweise notwendig macht:
-
Küpper (Küpper,
H.-U. 1980) weist darauf hin, dass die Durchführung von
Produktionsprozessen infolge des Beginns, der Dauer, Gang- und
Operationsfolge von Arbeitgängen sowie des Bearbeitungsfortschritts Zeit beansprucht. Der Bestand und
Einsatz von Arbeitskräften hängt wesentlich von Einstellungs- und
Entlassungsentscheidungen in den Vorperioden ab. Aufgrund der Abnutzung im
Produktionsprozess nimmt die Produktivität von Anlagen über die Zeit ab, und
die Ausschussquote steigt. Nachfrageänderungen beeinflussen das
Produktionsprogramm und die Strukturierung des Produktionsprozesses. Und
schließlich hält Küpper die Nutzung begrenzter Kapazitäten der
Produktiveinheiten, die Mehrstufigkeit
von Stückprozessen und die Fertigung in Losen als weitere Indizien dafür,
dass solche zeitlichen Interdependenzen zwischen Inputs, Outputs und
Produktionsverfahren in die produktionstheoretischen Überlegungen mit
aufgenommen werden müssen.
-
Kistner/Luhmer
(Kistner,
K.-P./Luhmer, A. 1988) zeigen, dass die Überlegungen, der
Verschlechterung der technischen Situation eines Aggregats infolge von
Verschleiß durch Wartungs- bzw. Instandhaltungsmaßnahmen zu begegnen, die
Formulierung eines dynamischen Modells des Betriebsmitteleinsatzes notwendig
machen.
-
Trossmann (Trossmann,
E. 1986) begründet in der mehrstufigen Mehrproduktfertigung die
explizite Einbeziehung der Zeit in die Produktionsanalyse durch die Vorlaufzeitverschiebungen
der Aufträge bei einer mehrstufigen Bedarfsauflösung. Zeitliche Verlagerungen
von Arbeitsgängen durch Kapazitätsbegrenzungen können dazu führen, dass
unbearbeitete Vorprodukte oder Zwischenprodukte bis zu ihrer
Weiterbearbeitung gelagert werden müssen, wodurch sich Lager- und Wartezeiten
ergeben, die einer entsprechenden Behandlung und Erklärung bedürfen.
-
Einen weiteren Grund für die Notwendigkeit der
Formulierung von dynamischen Ansätzen in der Produktionstheorie stellt der
technische Fortschritt dar. Er kann in autonomer Form auftreten, wenn die
Zeitabhängigkeit von Technologien durch Innovationen begründet ist, die von
außen in das Unternehmen hereingetragen werden. Dagegen handelt es sich um
induzierten technischen Fortschritt, wenn er auf Lernprozessen basiert, die
aus den Unternehmungen selbst heraus angestoßen werden. In jedem Falle aber
wird die Produktion durch fallende Produktionskoeffizienten zeitabhängig und
damit eine Funktion des Standes der Technik (siehe hierzu z.B. Ihde, G. B.
1970 und Lücke, W.
1976).
Zusammenfassend kann man also hier sagen, dass sich die
Beweggründe und Notwendigkeiten für eine dynamische produktionswirtschaftliche
Betrachtungsweise allg. unmittelbar aus den dynamischen Veränderungen heraus
ergeben, welche die Elemente einer Produktionstechnologie im Laufe der Zeit
erfahren können (Fandel, G.
2005). Elemente einer jeden beliebigen Produktionstechnologie sind aber die
Outputs und die Inputs sowie die Produktionsverfahren, die festlegen, welche
Input-Output-Kombinationen bzw. Produktionspunkte realisiert werden können,
also die Aktivitäten. Sie für die dynamischen Produktionsfälle der
Unternehmungen geeignet zu fassen, wäre der methodische Einstieg für eine
praktisch verwertbare dynamische Aktivitätsanalyse, die den bislang nur
vereinzelt vorliegenden und mitunter sehr heterogenen Ansätzen der dynamischen
Produktionstheorie eine einheitliche bzw. gemeinsame Untersuchungsbasis bilden
würde. Dafür aus der Unternehmenspraxis passende Anhaltspunkte zu finden, war
das Motiv einer empirisch-deskriptiven Analyse
von Fandel et al. (Fandel,
G./Dyckhoff, H./Reese, J. 1994) über die industrielle
Produktionsentwicklung in ausgewählten Branchen.
II. Formen der
Dynamisierung
Die bisher in der Literatur vereinzelt vorgetragenen Ansätze
einer dynamischen Produktionstheorie schienen Wittmann (Wittmann, W.
1979, S. 277) so verschiedenartig, dass er meinte, es sei wohl »keine
dynamische Theorie mit einheitlicher Grundlage als Pendant zur statischen« zu
erwarten, »sondern eher verschiedene dynamische Theorien unterschiedlicher
Herkunft und mit unterschiedlichen Verfahrensweisen«. Zudem handle es sich bei
den vorliegenden Traktaten meist um isolierte Arbeiten, die eher als
Sonderfälle anzusehen seien, sodass der statischen Produktionstheorie wohl kein
gleichwertiger Konkurrent aus dynamischer Perspektive erwachse. Zu diesem
Zeitpunkt war das Buch von Shephard/Färe
(Shephard, R.
W./Färe, R. 1980) über eine dynamische
Theorie der Produktionskorrespondenzen noch nicht erschienen, das die
Erkenntnisse der früheren Publikationen Shephard/Färe
(Shephard, R.
W./Färe, R. 1975) und Shephard
et al. (Shephard, R.
W./Al-Ayat, R. A./Leachman, R. C. 1977) verallgemeinert, auf die Wittmann (Wittmann, W.
1979) zum Teil seine Behauptung stützte. Bevor jedoch die Möglichkeiten der
entsprechenden Axiomatisierung einer aktivitätsanalytisch fundierten
dynamischen Produktionstheorie erörtert werden, soll zunächst trotz der
vermeintlichen Unverbundenheit versucht werden, die wesentlichen, bereits
existierenden Formen einer Dynamisierung systematisch anzusprechen und kurz
kritisch zu würdigen. Auf die Unterschiede in der Analyseform, die sich aus
einer diskreten oder kontinuierlichen Zeitbetrachtung ergeben – also dadurch,
dass man den zeitlichen Produktionsverlauf anhand von Gütermengen und
alternativ anhand von Produktionsgeschwindigkeiten der Outputs bzw.
Verbrauchsgeschwindigkeiten der Inputs studiert – , soll dabei nicht näher
eingegangen werden, obwohl dadurch Änderungen in den Effizienzaussagen
notwendig werden könnten. Denn bei gleichen Output- und Inputmengen über die
Zeit könnten durchaus die entsprechenden Geschwindigkeiten verschiedenartig
zeitlich verteilt sein.
Förstner/Henn (Förstner,
K./Henn, R. 1957) formulieren ihren diskontinuierlichen dynamischen
Ansatz als mehrperiodige Produktions- und Absatzprogrammplanung, wobei die
Dynamik eher über die Absatz- und Beschaffungsseite insofern eingebracht wird,
als von in der Zeit veränderlichen Output- und Inputpreisen ausgegangen wird. Die
Produktionstechnologie selbst erfährt dagegen keine zeitlichen Veränderungen,
sodass hier statische Produktionsbedingungen vorherrschen, die für weitere
Überlegungen so nicht sehr fruchtbar sind. In der kontinuierlichen
Formulierungsvariante sind die Produktions- und Verbrauchsgeschwindigkeiten
dann zwar zeitabhängig, was aber ebenfalls noch keine Dynamik der
Produktionsbedingungen bedeuten muss, denn derartige Verhältnisse wären bei
variabler Leistungsintensität auch innerhalb der Gutenberg-Produktionsfunktion
darstellbar, die jedoch zu den statischen Ansätzen gerechnet werden muss.
Lediglich die Einführung eines zusätzlichen Terms für den technischen
Fortschritt in die Produktionsfunktion hält in dieser Konzeption noch die
Möglichkeiten für dynamische Technologien offen. Eine solche Vorgehensweise
deckt sich mit der Formulierung dynamischer Produktionsfunktionen, in denen
technologische Produktionsveränderungen mit Qualitätsänderungen der Faktoren
identifiziert und durch in der Zeit
fallende Produktionskoeffizienten beschrieben werden. Ähnliche
Phänomene treten speziell beim Faktor Arbeitskräfte infolge eines durch Lernen
in der industriellen Produktion induzierten technischen Fortschritts auf.
Hierbei wird im Rahmen der Linearhypothese der Lernkurven häufig unterstellt,
dass der Produktionskoeffizient einer bestimmten Personalart mit der
Verdopplung der Zahl der hergestellten Produkteinheiten um einen gleich
bleibenden prozentualen Betrag fällt (Baur, W.
1967). Das ist eine explizit zum Ausdruck gebrachte Zeitinterdependenz von
Inputs und Outputs verschiedener Produktionsperioden, die als Beschreibungselement
einer dynamischen Produktionsfunktion gelten kann. Dies leitet über zu einer
zweiten Gruppe von Ansätzen, die solche Zeitinterdependenzen in allg. Form
betrachtet.
Küpper (Küpper, H.-U.
1979) hat auf der Basis des Input-Output-Ansatzes eine allg. dynamische
Produktionsfunktion formuliert, welche die Beschreibung der zeitlichen
Entwicklung von Gütereinsatz, Fertigungszeiten und Güterausbringung und die
Verbindung von produktionstheoretischen und ablauforganisatorischen
Tatbeständen der Fertigung ermöglichen soll. Speziell unter dem ersten Aspekt
bringt die dynamische Produktionsfunktion die Beziehungen zwischen den
Gütermengen und ihrer Verwendung für den Absatz oder für
Lagerbestandsveränderungen zum Ausdruck. Je nach der Verweildauer der
Einsatzgüter in den Teilprozessen der mehrstufigen Fertigung wird dabei den
zeitlich unterschiedlich gestuften Produktionsvorgängen wahlweise durch die
statische oder dynamische Formulierung von Transformationsfunktionen Rechnung
getragen. Nichtnegativitätsbedingungen, Kapazitätsrestriktionen und
Bilanzgleichungen der Produktion treten ergänzend hinzu.
Der Ansatz von Stöppler
(Stöppler, S.
1975) ist stärker auf die Klärung der Frage gerichtet, wie sich ökonomische Entscheidungen über die
Produktionstechnologie eines Unternehmens zu früheren Zeitpunkten auf die
produktionstechnologischen Möglichkeiten des Unternehmens zu späteren
Zeitpunkten auswirken können und wie man diese Einflüsse und Zusammenhänge in
geeigneter Weise erfasst. Kernelemente des sich der Systemtheorie bedienenden
dynamischen Produktionssystems von Stöppler
sind Technologie-, Kontroll-, Ziel-, Produktions- und Übergangsgleichungen,
wobei die hier insb. interessierende Technologiegleichung
Veränderungen der Technologiemenge im Zeitablauf ausdrückt. Diese
Vorgehensweise besitzt den Vorteil, technologische Wandlungen einer
Unternehmung umfassender zu erklären, scheitert aber in aller Regel am
Komplexitätsgrad des Beschreibungsmodells. Das gilt erst recht dann, wenn z.B.
mithilfe der Variationsrechnung alle Produktionsmöglichkeiten zum Zeitpunkt t
ermittelt werden sollen, die infolge der Entwicklung aller zulässigen
Produktionssysteme denkbar sind. Hinzu kommt ein weiterer methodischer
Vorbehalt. Dynamische Aktivitäten sind i.A. so zu spezifizieren, dass sie sich
über einen Zeitraum erstrecken und
nicht nur auf einen Zeitpunkt
beziehen. Dann ist aber die Charakterisierung einer Technologie T zum Zeitpunkt
t allein durch die Güterkomponenten in t insofern wieder eine unbefriedigende
Verkürzung, als diese Technologie eigentlich ausdrücken soll, welche
Aktivitäten dem Unternehmen im Zeitpunkt t aufgrund seines technischen Wissens
zur Realisierung zur Verfügung stehen.
Eine derart wünschenswerte Erweiterung des Technologiebegriffs wird in den am weitesten
vorangetriebenen Konzepten einer dynamischen Aktivitätsanalyse von Malinvaud (Malinvaud, E.
1953) und Shephard/Färe (Shephard, R.
W./Färe, R. 1980) vorgetragen. Auf sie wird im Folgenden noch näher
eingegangen. Insb. das Letztere der beiden Konzepte scheint mit einigen simplen
Modifikationen am ehesten unmittelbar dafür geeignet zu sein, dynamische
Produktionen in Unternehmungen praxisadäquat zu erfassen und in eine
handhabbare Formulierung zu bringen sowie als gemeinsame Basis der zuvor
angesprochenen Dynamisierungsformen zu fungieren; sie stellen dann explizit
ausgedrückte Spezialfälle einer impliziten Beschreibung der dynamischen
Produktionsvorgänge dar, wie es analog in der statisch-deterministischen
Situation der Fall ist.
May (May, E.
1992) hat mit seiner Arbeit einen wichtigen Schritt in dieser Richtung getan,
indem er die aktivitätsanalytische Betrachtung dynamischer Input-Output-Modelle
der Produktion mit dem Konzept im
Zeitablauf veränderlicher Transformationsfunktionen und dem Verfahren der
Diagonalmatrizenmultiplikation verknüpft, um evolutorische
Produktionszusammenhänge über mehrere Perioden hinweg zu modellieren und zu
beschreiben. Diese Ergebnisse haben dazu angeregt, die axiomatische Fundierung
der dynamischen Produktionstheorie weiterzuentwickeln.
III. Dynamische
Aktivitätsanalyse
1. Der Ansatz von Malinvaud
Der Ansatz von Malinvaud
(Malinvaud, E.
1953) bezieht sich ursprünglich auf eine volkswirtschaftliche Problematik, kann
aber ohne weiteres aus bwl. Perspektive entsprechend verstanden werden. Es geht
um die Frage, wie die Produktion zeitlich verteilt sein soll, damit ein Produktionsplan mit maximalem Gegenwartswert
herauskommt. Lässt man die Bewertung außen vor, da sie aus
produktionstheoretischer Sicht unerheblich ist, dann ist ein solcher
Produktionsplan eine Aktivität des
Unternehmens über alle zukünftigen Perioden hinweg bis ins Unendliche, deren
Menge von Malinvaud als Chronik bezeichnet wird. Dabei lässt
sich die Aktivität als eine Folge von Produktionsvektoren spezieller Art
auffassen, die aus Teilvektoren für Güterbestände bt, Güterentnahmen et,
Güterweiterverwendungen r?t, Güterzuführungen r^t von
außerhalb des Unternehmens, Gütereinsatzmengen rt und daraus hergestellten Gütermengen bt+1 zusammengesetzt sind (Abb. 1; Wittmann, W.
1979). Eine solche Sichtweise schließt die Lagerhaltung, Investition und
Desinvestition mit ein. Produktionsprozesse finden jeweils stets nur mit einem
einperiodigen Verzug von einer Vorperiode zur unmittelbar nachfolgenden
Zeitperiode statt. Die Zeit wird im
Modell als diskrete Größe behandelt.
Abb. 1: Wirkungsbeziehungen bei einem einperiodigen Verzug
Der Ressourcenvektor r^t unterliegt Obergrenzen der Verfügbarkeit.
Fasst man die Produktionsaktivität im
Zeitpunkt t zusammen als vt = (-rt,bt+1)\', rt ≥ 20, dann wird die Technologiemenge Tt definiert als
mit RKt als reellwertigem Güterraum zum Zeitpunkt t.
Für eine Chronik C gilt dann
C = {v ∊ R | v = v1, v2, ?,vt, ? ) und
.
Eine solche Chronik bzw. ihre Aktivitäten werden naturgemäß
durch ein System von Mengenbilanzen
über die Zeit begleitet, wobei man im Zeitpunkt t
,
bzw. allgemein
r = b + r^ – e, r ∊ R,
mit r = (r1,r2, ?,rt, ?) und b, r^ bzw. e entsprechend hat.
Abgesehen von einzelnen vwl. Erklärungsschwächen dieses
Ansatzes gibt es aus bwl.-produktionstheoretischer Sicht im Wesentlichen zwei
Kritikpunkte an der Bildung von Chroniken bzw. den damit zusammenhängenden
Technologien. Erstens sind Aktivitäten mit einem unendlichen Zeithorizont aus
praktischer Sicht wenig brauchbar, da die Auswirkungen von Entscheidungen im
Produktionsbereich i.d.R. zeitlich beschränkt sind. Dies verlangt nach einer
praktisch plausibleren begrifflichen Fassung von dynamischen Aktivitäten.
Zweitens ist die Beschreibung von Produktionsvorgängen jeweils durch die
Input-Output-Vektoren nur zweier unmittelbar aufeinander folgender Perioden zu
speziell, als dass sie bei unterschiedlichen Verweilzeiten einer mehrstufigen
Fertigung mit Zwischenprodukten befriedigen könnte. Normalerweise erstrecken
sich derartige Produktionsprozesse auf mehr als nur zwei Zeitperioden. Ein
Kompromiss, der gleichermaßen beiden Kritikpunkten in gewisser Weise Rechnung
zu tragen versucht, könnte darin bestehen, dynamische Technologien als Mengen
von mehrperiodigen, zeitlich begrenzten Aktivitäten zu begreifen. Bevor eine
solche Modifikation durchgeführt wird, soll zunächst noch auf die
wesentlichsten Gedanken von Shephard/Färe
(Shephard, R.
W./Färe, R. 1980) zur Behandlung dynamischer Technologien bzw.
Korrespondenzen eingegangen werden. Abwandlungen und Vereinfachungen dieser
Überlegungen finden sich in Shephard
et al. (Shephard, R.
W./Al-Ayat, R. A./Leachman, R. C. 1977), Shephard (Shephard, R.
W. 1983) und Färe (Färe, R.
1988). Sie geben Einblick in die Möglichkeiten der axiomatischen Begründung von
dynamischen Technologien.
2. Der Ansatz von Shephard/Färe
In dem Ansatz von Shephard/Färe
(Shephard, R.
W./Färe, R. 1980) wird die Zeit
als stetige Größe behandelt. Die Autoren definieren
r = r(t), t ∊ [0,+∞),
als einen Vektor der zeitlichen Historie von
Inputgeschwindigkeiten und entsprechend
x = x(t), t ∊ [0,+∞),
als Vektor der zeitlichen Historie von Outputgeschwindigkeiten.
Dann ist eine dynamische Outputkorrespondenz eine Abbildung
wobei Γ(r) die Teilmenge der Vektoren von zeitlichen
Historien von Outputgeschwindigkeiten
ist, die mit dem Vektor r der zeitlichen Historie von Inputgeschwindigkeiten erreicht werden kann. (L∞)+I bzw. (L∞)+J* sind die zeitlich unendlichen,
positiven Räume der Vektoren der Input- und Outputgeschwindigkeiten. P steht für das Symbol der Potenzmengen. Die Outputmengen Γ(r)
werden den folgenden Axiomen
unterworfen:
Zwei weitere Axiome treten plausiblerweise noch hinzu, welche
die zeitliche Verteilung der Outputhistorie betreffen. Sei v? = (x,r)′
und
,
,
,
dann gelte weiterhin
,
(A9) fordert, dass es Zeit dauert, bis aus Inputs Outputs
werden; (A10) impliziert, dass es weiter keinen Output mehr gibt, wenn kein
Input mehr eingesetzt wird.
Die Axiome können analog für dynamische Inputkorrespondenzen
formuliert werden, wobei Δ(x) eine Teilmenge von
zeitlichen Historien von Verbrauchsgeschwindigkeiten der Inputs ist mit
Shephard/Färe (Shephard, R.
W./Färe, R. 1980) beweisen die Widerspruchsfreiheit und
Unabhängigkeit dieser Axiome. Sei nun
T = {v = (x,-r)′ | x ∊ Γ(r), r ∊
Δ(x)} ⊂ (L∞)K
die dynamische
Technologiemenge, die aus der Menge aller Vektoren von zeitlichen Historien
der Output- und Inputgeschwindigkeiten besteht, und
Te = {v ∊ T | w
∊ T∧ w≥v→v=w} ⊂ T
die Teilmenge der
effizienten Historien, dann sei f: (L∞)K →R
eine dynamische Produktionsfunktion genau dann, wenn gilt
f(v) = f(v(t)) = f((x(t),-r(t))′) = 0, t ∊
[0,+∞), ↔ v∊Te.
Die Relation w ≥ v in der Definition von Te sei dabei verstanden als
w ≥ v ↔ wk(t) ≥ vk(t) für alle k ∊ {1, ?,
K} und alle t ∊ [0,+∞).
Erweiterungen dieser Axiomatik um zusätzliche Annahmen, wie
z.B. die Verteilung eines Ressourcenbudgets über die Zeit, machen diese Analyse
unmittelbar verwertbar für die Produktionsplanung komplizierter
Erzeugungsprozesse; Shephard et al. Shephard, R.
W./Al-Ayat, R. A./Leachman, R. C. 1977) und Shephard (Shephard, R.
W. 1983) führen das explizit am Fallbeispiel des Schiffbaus aus. So
brillant diese vorgetragene Axiomatisierung dynamischer Technologien bzw.
Produktionskorrespondenzen von den Autoren auch zweifelsohne konzipiert worden
ist, sie weist dennoch aus praktischer Sicht eine erhebliche Schwäche auf, die
aus der Diskussion des Ansatzes von Malinvaud
(Malinvaud, E.
1953) bekannt ist: Dynamische Aktivitäten bzw. Input-Output-Historien zu einem
Zeitpunkt t = 0 entwickeln sich i.d.R. nicht zeitlich ins Unendliche weiter,
sondern sind üblicherweise in ihren zeitlichen Auswirkungen beschränkt.
Vorteilhaft ist dagegen im Vergleich zu Malinvaud
(Malinvaud, E.
1953), dass die Historien hinsichtlich der realen Erzeugungsvorgänge mehr als
nur zwei unmittelbar aufeinander folgende Perioden umfassen können. Wie die
zuvor monierte Schwäche durch Modifikation bzw. andere Spezifizierungen
dynamischer Aktivitäten (Fandel, G.
1990) behoben werden kann, soll im Folgenden gezeigt werden, wobei die Zeit als
diskrete Größe behandelt wird. Einer Umformulierung auf den stetigen Fall steht
prinzipiell nichts entgegen.
3. Ein modifizierter Ansatz
Eine dynamische Aktivität zum Zeitpunkt t sei als eine
begrenzte zeitliche Folge von Input-Output-Vektoren der Form
,
definiert, wobei Θ die maximale Anzahl von Perioden
angibt, über die hinweg sich noch Auswirkungen in der Produktion eines
Unternehmens bei der Wahl dieser Aktivität ergeben können, d.h. es soll gelten
Für Θ = 3 hieße das z.B., dass eine Aktivität, die man
zum Zeitpunkt t wählen kann, vier Perioden später und danach keinen Effekt auf
die Produktionssituation des Unternehmens mehr hat. Das entspricht u.a. der
Tatsache endlicher Verweilzeiten von Gütern bis zur Fertigstellung der
Produkte, begrenzten Verteilungsmustern von Ressourcenbeständen über die Zeit
bzw. einer beschränkten Lebenszeit von Maschinen sowie einer allg. schlechthin
maximalen Verfügbarkeitszeit an Betriebsmitteln.
Seien
mit t ≤ t′ ≤ t + Θ,
die Teilfolgen der
Folge ,
die auf die Glieder τ ≥ t′ bzw. τ ≤ t′
eingeschränkt sind, dann sei die dynamische
Technologie Tt,Θ zum Zeitpunkt t mit der Wirkungsreichweite
Θ definiert durch
.
Für υ ≠ 0 kann man sich die Teilfolgen mit weniger
als Θ+1 Gliedern durch Glieder, die jeweils aus dem Nullvektor bestehen,
aufgefüllt vorstellen. Diese Teilfolgen fangen die Auswirkungen, die
Aktivitäten aus zeitlich vorgelagerten Technologien Tt+υ,Θ noch auf die Technologie Tt,Θ haben, mit ein. Das sind die Konsequenzen vergangener
Entscheidungen in der Produktion, die – auch bei sonstigem Nichtstun – insofern
noch als Aktivitäten der Technologie zum Zeitpunkt t mit zu berücksichtigen
sind, als sie entweder sinnvollerweise zu Ende geführt werden müssen oder über
ihren Abbruch noch zu entscheiden ist.
Neben den üblichen Anforderungen an Technologien bzw. deren
Elemente sollen an die Folgen, die zur Technologie Tt,Θ gehören, noch die nachstehenden Bedingungen gestellt sein.
Die strukturellen Zusammenhänge seien durch Abb. 2 für Θ
= 3 skizziert. Die Pfeile stellen Reichweiten von Folgen oder Teilfolgen dar,
die zur Technologie Tt,3 gehören.
Abb. 2: Dreiperiodige Wirkungsbeziehungen der Technologie T t, 3
Die Menge der
effizienten Produktionsvektorfolgen bzw. die dynamische Produktionsfunktion f t, Θ lassen sich analog zu Shephard/Färe (Shephard, R.
W./Färe, R. 1980) formulieren.
Für die hier vorgetragene Modifikation dynamischer
Technologien gilt offensichtlich, dass man daraus
1.
für Θ → +∞ – abgesehen von der
diskreten Zeitbetrachtung – das Konzept der dynamischen
Produktionskorrespondenzen von Shephard/Färe
(Shephard,
R. W./Färe, R. 1980) erhält;
2.
für Θ = 1 die Beschreibung der dynamischen
Aktivitätsanalyse durch Malinvaud (Malinvaud,
E. 1953) herleiten kann;
3.
für Θ = 0 eine Auflösung dynamischer Produktionen
in komparativ-statische Einzelfälle vornimmt;
4.
für Θ beliebig eine formal einheitliche Grundlage
der zuvor behandelten, aus der Literatur bekannten Dynamisierungsformen
bilden. kann.
Literatur:
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betrieblichen Planung, Berlin et al. 1967
Fandel, G. : Bedeutung der
ökonomischen Theorie für das betriebswirtschaftliche Gebiet der Produktion, in:
Betriebswirtschaftslehre und ökonomische Theorie, hrsg. v. Ordelheide, D./Rudolph,
B./Büsselmann, E., Stuttgart 1990, S. 227 – 254
Fandel, G. : Produktion I,
Produktions- und Kostentheorie, 6. A., Berlin et al. 2005
Fandel, G./Dyckhoff, H./Reese, J.
: Industrielle Produktionsentwicklung, 2. A., Berlin et al. 1994
Fandel, G./Reese, J. :
Kostenminimale Kraftwerksteuerung in einem Industriebetrieb, in: ZfB, 1988, S.
137 – 152
Färe, R. : Fundamentals of
Production Theory, Berlin et al. 1988
Förstner, K./Henn, R. : Dynamische
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Ihde, G. B. : Lernprozesse in der
betriebswirtschaftlichen Produktionstheorie, in: ZfB, 1970, S. 451 – 468
Kistner, K.-P./Luhmer, A. : Ein
dynamisches Modell des Betriebsmitteleinsatzes, in: ZfB, 1988, S. 63 – 83
Küpper, H.-U. : Dynamische
Produktionsfunktion der Unternehmung auf der Basis des Input-Output-Ansatzes,
in: ZfB, 1979, S. 93 – 106
Küpper, H.-U. : Interdependenzen
zwischen Produktionstheorie und der Organisation des Produktionsprozesses,
Berlin 1980
Leontief, W. : The Structure of the
American Economy, 1919 – 1939, New York 1951
Lücke, W. : Produktions- und
Kostentheorie, Würzburg et al. 1976
Malinvaud, E. : Capital
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Shephard, R. W. : Dynamic
Production Networks, in: Quantitative Studies on Production and Prices, hrsg.
v. Eichhorn, W./Henn, R./Neumann, K. et al., Würzburg et al. 1983, S. 113 – 128
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Wirtschaftslenkung, hrsg. v. Albach, H./Helmstädter, E./Henn, R., Tübingen
1977, S. 627 – 654
Shephard, R. W./Färe, R. : A
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75 – 13, Univ. of California, Berkeley 1975
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Trossmann, E. : Betriebliche
Bedarfsplanung auf der Grundlage einer dynamischen Produktionstheorie, in: ZfB,
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Wittmann, W. :
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v. Mellwig, W., Wiesbaden 1979, S. 273 – 304
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