Inhaltsübersicht
I. Funktionen
II. Anforderungen
III. Finanzielle
und nicht finanzielle Performancemaße
IV. Rechnungswesenorientierte
Performancemaße
V. Gestaltung
von Wertbeitragskennzahlen
VI. Anwendung
I. Funktionen
Performancemessung und Performance Evaluation sind zentrale
Elemente von Anreiz- und Vergütungssystemen zur Verminderung von
Interessenkonflikten zwischen Anteilseignern und Unternehmensleitung, aber auch
zwischen Unternehmensleitung und nachgeordneten Stellen. Die Performancemessung
kann sich auf ein Individuum, eine Abteilung, einen Geschäftsbereich oder das
gesamte Unternehmen beziehen. Da Interessenkonflikte auf verschiedenen Ebenen
vorliegen können, wird im Folgenden von einem Entscheidungsträger gesprochen,
der im Auftrag einer Instanz handelt. Performancemaße
müssen den Entscheidungsträger motivieren, die Ziele der Instanz zu verfolgen.
Im Rahmen des wertorientierten Managements gilt es, den Wert für die Eigentümer
zu steigern. Performancemaße dienen somit primär der Verhaltenssteuerung der
Entscheidungsträger durch die Instanz. Darüber hinaus dienen sie der
Information und Planung und sind Grundlage für Entscheidungen.
Als Performance Evaluation wird jener Prozess bezeichnet, der
verschiedene Performancemaße im Hinblick auf die Wichtigkeit der Zielerreichung
beurteilt. Neben Performancemessung und Performance Evaluation bestimmen das
Belohnungssystem sowie die Verteilung von Entscheidungsrechten das Anreiz- und
Vergütungssystem in Unternehmen (Zimmerman,
J.C. 1997a, S. 157 f.).
II. Anforderungen
Anreiz- und Vergütungssysteme sollen Führungskräfte
motivieren, den Eigentümerwert zu steigern, indem sie nach Projekten mit
positivem Kapitalwert suchen. Dieser Zusammenhang wird als
Anreizverträglichkeit der Performancemessung bezeichnet und ist die
Basisanforderung bei der Gestaltung von Performancemaßen. Weitere Anforderungen
sind Entscheidungsverbundenheit, Manipulationsfreiheit und effiziente
Risikoaufteilung (Laux, H.
1999, S. 31).
Unter Entscheidungsverbundenheit wird ein entscheidungsnaher
Erfolgsausweis verstanden (Hax, H.
1989, S. 162). Diese Anforderung ist mit der Anreizverträglichkeit
verbunden und ist wichtig, wenn Entscheidungsträger und Instanz
unterschiedliche Zeithorizonte oder Zeitpräferenzen haben. Die
Entscheidungsverbundenheit wird auch bei der Frage tangiert inwieweit
Ereignisse bei der Performancemessung erfasst werden sollten, die nicht vom
Management zu vertreten sind. Das Herausrechnen derartiger Effekte kann nicht
empfohlen werden, weil Entscheidungsträger zwar nicht alle Ereignisse
kontrollieren, oftmals aber die Kontrolle über deren Konsequenzen haben (Zimmerman,
J.L. 1997a, S. 191).
Die Notwendigkeit der Manipulationsfreiheit ist
offensichtlich, da das Performancemaß nicht beliebig vom Entscheidungsträger
beeinflusst werden darf. Wäre dies möglich, könnte er sich der Kontrolle durch
die Instanz entziehen.
Bei der Errichtung eines Anreiz- und Vergütungssystems muss
zudem auf eine effiziente Risikoverteilung geachtet werden. Ist der Entscheidungsträger
risikoscheuer als die Instanz – wovon auszugehen ist, da er seine
(Human-)Vermögensposition nicht diversifizieren kann – wäre es sinnvoll, die
Variabilität des Performancemaßes und somit das Risiko des Entscheidungsträgers
zu mindern. Verhaltenstheoretische Forschungen bestätigen die Vorteile einer
Varianzminderung des Performancemaßes (Winter, S.
1997, S. 622).
III. Finanzielle und nicht
finanzielle Performancemaße
Finanzielle Performancemaße können sich an Kosten- oder
Umsatzgrößen, Gewinn-, Rentabilitäts- oder Wertbeitragskennzahlen sowie
Einzahlungsüberschüssen orientieren. Dabei kann man zwischen realisierten und
erwarteten Größen unterscheiden.
An Einsatzfaktoren, Kosten oder Umsätzen orientierte
Performancemaße erfassen nur die Leistungserstellung oder die Leistungsverwertung. Sie führen nur zu einer Orientierung
am Shareholder
Value, wenn direkte Kontrollen hinsichtlich der nicht erfassten
Aktionen des Entscheidungsträgers durch die Instanz möglich sind. Insbesondere
Entscheidungsträger auf nachgeordneten Ebenen werden nach Performancegrößen der
Leistungserstellung bewertet (Riegler, C.
2000, S. 170).
Verfügt der Entscheidungsträger über einen
Informationsvorteil, sind isolierte kosten- oder umsatzorientierte
Performancemaße ungeeignet, weil notwendige Kontrollen nicht mehr möglich sind.
Erfolgsorientierte Performancemaße erfassen Leistungserstellung und Leistungsverwertung. Sie sind
anzuwenden, wenn der Entscheidungsträger einen Wissensvorsprung hinsichtlich
des Einsatzes von Inputfaktoren, Art und Menge der verkauften Produkte, Preisgestaltung
und Qualitäten hat. Qualitätseinschränkungen zur Kostenminimierung schaden dem
Umsatz; ein starkes Umsatzwachstum kann Nachteile bei der Leistungserstellung
hervorrufen. Der Informationsstand beeinflusst die Auswahl von Performancemaßen
(Zimmerman,
J.L. 1997a, S. 185).
Neben internen, am Rechnungswesen orientierten Maßen können
auch externe finanzielle Größen wie Aktienkurs oder -renditen zur
Performancemessung verwendet werden (Horngren,
C./Foster, G./Datar, S.M. 2000, S. 822). Hierarchie und
Verantwortlichkeit der Entscheidungsträger sowie das Vorhandensein von
Marktpreisen für Unternehmen(sbereiche) bestimmen u.a. welche Form gewählt wird
(Pellens,
B./Crasselt, N./Rockholtz, C. 1998, S. 3).
Darüber hinaus können aus einer Balanced
Scorecard nicht finanzielle Kriterien zur Performancemessung
hergeleitet werden. Empfohlen werden Performancemaße aus der Kundenperspektive,
der internen Prozessperspektive und der Lern- und Entwicklungsperspektive (Kaplan,
R.S./Norton, D.P. 1997, S. 23 – 34). Entsprechende Kriterien
werden anhand eines Punktwertes (einer Scorecard) in ein Anreiz- und
Vergütungssystem integriert. Die nicht finanziellen Performancemaße können als
Mittel zur Steigerung des Unternehmenswerts verstanden werden. Allerdings sind
die Zusammenhänge der nicht finanziellen Performancemaße und der
Unternehmenswertsteigerung keineswegs eindeutig belegt (zur Kritik Pfaff,
D./Kunz, A./Pfeifer, T. 2000, S. 45 – 47).
IV. Rechungswesenorientierte
Performancemaße
1. Kapitalwert
Eine Orientierung der Performancemessung am Kapitalwert ist
anreizverträglich und entscheidungsverbunden, da ein Erfolg nur ausgewiesen
wird, wenn ein Projekt mit positivem Kapitalwert realisiert wird, das den Wert
für die Eigentümer erhöht. Darüber hinaus kann der Manager im Zeitpunkt der
Entscheidung über das Projekt den Erfolg ausweisen. Die Performancemessung an
den Kapitalwert einer Investition zu koppeln, wäre somit unter der Zielsetzung
der Steigerung des Eigentümerwertes nur konsequent. Allerdings würde eine am
Kapitalwert orientierte Entlohnung zur Manipulation einladen. Bei ungleich
verteilter Information zwischen Entscheidungsträger und Instanz ist der
Kapitalwert wegen der Manipulationsanfälligkeit kein sinnvolles Performancemaß,
obwohl er anreizverträglich und entscheidungsverbunden ist. Die
Performancemessung muss sich an verifizierbaren Größen orientieren (Pfaff,
D./Kunz, A./Pfeifer, T. 2000, S. 37).
2. Einzahlungsüberschuss
Die Messung der Performance anhand des
Einzahlungsüberschusses ist nicht zu empfehlen: Ein Einzahlungsüberschuss ist
nicht anreizverträglich und entscheidungsverbunden (Hax, H.
1989, S. 165; Stewart, B.B.
1991, S. 4). Insbesondere wenn der Entscheidungsträger einen kürzeren
Zeithorizont oder eine höhere Gegenwartspräferenz als die Instanz hat, kommt es
zu Anreizkonflikten, da Entscheidungsträger an Projekten mit einem frühen
Zahlungsrückfluss interessiert sind und langfristige Erfolgspotenziale mit
späten Rückflüssen vernachlässigen. Zudem ergeben sich Probleme für die
Entlohnung, da eine „ Verlustbeteiligung “ des Entscheidungsträgers an der
Anfangsauszahlung erforderlich wird. Bei einem Verzicht würden auch Investitionen
ohne einen positiven Wertbeitrag für die Instanz realisiert; es entsteht ein
Überinvestitionsproblem. Probleme entstehen auch aufgrund möglicher
Manipulationsspielräume: Zwar werden Spielräume aus der Anwendung von
Bilanzierungsvorschriften ausgeschlossen (Zeitpunkt der Ertragsrealisation,
Rückstellungsbildung), Zahlungsgrößen erlauben aber Sachverhaltsgestaltungen
durch Verschieben von Zahlungen.
3. Rentabilität
Die Rentabilität
erfreut sich als Performancemaß in der Praxis großer Beliebtheit, weil sie
einen relativen Erfolg ermittelt, indem der Gewinn auf das eingesetzte
Buchvermögen bezogen wird. Die Rentabilität ist als Steuerungsgröße und
Grundlage der Entlohnung wenig geeignet: Entscheidungsträger werden nur jene
Projekte mit der höchsten Rentabilität durchführen und so ein geringes
Investitionsvolumen realisieren (Laux, H.
1999, S. 281). Auf diese Weise werden zwar zu hohe Kapitalforderungen der
einzelnen Sparten verhindert, allerdings können Projekte trotz positivem
Kapitalwert nicht realisiert werden, weil sie die Rentabilität senken
(Unterinvestitionsproblem).
4. Wertbeitragskennzahlen
Wertbeitragskennzahlen (nicht zu verwechseln mit der Wertschöpfung)
wollen eine Anbindung der Performancemessung an den Shareholder
Value erreichen, indem der positive Wertbeitrag aus einer
Investition auf ihre erwartete Nutzungsdauer verteilt wird. Dies kann durch
eine Verrentung des Kapitalwertes (Küpper, H.-U.
1998, S. 532) oder durch Aktivierung der investiven Auszahlungen als
Vermögensbestand und anschließender Verteilung der Kosten der Kapitalnutzung
über die Nutzungsdauer erreicht werden. Hinter den Kosten der Kapitalnutzung
verbergen sich (a) die Abschreibung der Investitionen und (b) die Verzinsung
des eingesetzten Kapitals.
In der Praxis verwendete Konzepte wie Economic Value Added
oder Cash Value Added lösen die Verteilung der Kosten der Kapitalnutzung
unterschiedlich. Zudem baut der Economic Value Added auf einer operativen
Gewinngröße vor Zinsaufwendungen auf, sodass Bilanzierungsregeln notwendig
sind, während der Cash Value Added auf dem Cashflow vor Investitionen und
Finanzierung basiert und auf die Periodisierung von Zahlungen mit Ausnahme der
investiven Auszahlungen verzichtet. Wertbeitragskennzahlen sind, obwohl in
jüngerer Zeit aggressiv von Beratungsgesellschaften vermarktet, keineswegs neu
(Solomons, D.
1965, S. 63).
Wertbeitragskennzahlen entsprechen jedoch nicht der Wertänderung aus der Sicht der
Anteilseigner in einer Periode, da die Veränderungen nicht bilanzierter
Erfolgspotenziale nicht beachtet werden (Bromwich,
M./Walker, M. 1998, S. 396; Ballwieser,
W. 2000, S. 164). Wertbeitragskennzahlen erlauben lediglich
eine kapitalwertneutrale Periodisierung der Anschaffungsauszahlung und somit
eine anreizverträgliche Performancemessung (Küpper, H.-U.
1998, S. 529; Laux, H.
1999, S. 181).
V. Gestaltung von
Wertbeitragskennzahlen
1. Kosten
der Kapitalnutzung
Bei der Gegenüberstellung von Wertbeitragskennzahlen
unterstellen wir zunächst, dass in einer spezifischen Periode alle Erträge auch
einzahlungswirksam und alle Aufwendungen mit Ausnahme der Kosten der
Kapitalnutzung auch auszahlungswirksam sind; nur für Investitionen in
Erfolgspotenziale fallen Auszahlung und Aufwand auseinander (Erfolgsrechnung
versus Finanzierungsrechnungen).
Schwierigkeiten bereitet die Trennung von operativen und investiven
Zahlungsströmen. Auszahlungen für Forschung und Entwicklung werden im Gegensatz
zur Rechnungslegung als Investitionen in Erfolgspotenziale klassifiziert (Stewart, B.B.
1991, S. 115 f.; Lewis, T.G.
1995, S. 58 f.).
Beim Economic Value Added werden die Kosten der
Kapitalnutzung anhand einer linearen Abschreibung und der Verzinsung des zu
Beginn der Periode eingesetzten Buchkapitals bestimmt (zu
Wertbeitragskennzahlen unter Verwendung von Fair Values vgl. Baldenius,
T./Fuhrmann, G./Reichelstein, S. 1999, S. 60 – 62).
Beim Cash Value Added werden hingegen die Kosten der
Kapitalnutzung aus der Verzinsung der ursprünglichen Anschaffungs- und
Herstellungskosten, der Bruttoinvestitionsbasis und einer nach
kapitaltheoretischen Überlegungen gewonnenen Abschreibung ermittelt (Ewert,
R./Wagenhofer, A. 2000b, S. 21 – 23).
Die Abschreibung entspricht jenem konstanten Betrag, der
zurückgelegt werden muss, um eine Reinvestition nach der erwarteten
Nutzungsdauer zu ermöglichen, wobei eine Verzinsung der Abschreibungsgegenwerte
unterstellt wird (Stelter, D.
1999, S. 233).
Die Summe aus (3) und den Kapitalkosten auf die
Bruttoinvestitionsbasis entspricht einer Annuitätenabschreibung mit gleich
bleibender Belastung über die Nutzungsdauer.
Beispiel: Bei einem
gewogenen Kapitalkostensatz von 10 % hat ein Projekt mit dem Zahlungsprofil
– 10.000; 5.000; 5.000; 5.000 einen Kapitalwert von 2.434 EUR. Alle
Zahlungen mit Ausnahme der Anschaffungsauszahlung sind sofort erfolgswirksam.
Beim EVA unterstellen wir eine lineare Abschreibung. Beim CVA wird die
Abschreibung mithilfe von Formel (3) berechnet. Die Verzinsung des eingesetzten
Kapitals wird beim EVA von den Buchwerten zu Beginn der Periode bestimmt; beim
CVA wird die Anschaffungsauszahlung verwendet (siehe Abb. 1).
Abb. 1: Erfolgsermittlung nach EVA und CVA
Bei beliebigen positiven Zahlungsüberschüssen für ein
wertsteigerndes Projekt kann aufgrund der Kosten der Kapitalnutzung ein
negativer Wertbeitrag in einzelnen Perioden entstehen. Wertvernichtende
Projekte mit positiven Erfolgen in einzelnen Perioden können somit
wertsteigernden Projekten mit negativem Wertbeitrag in einzelnen Perioden
vorgezogen werden. Insbesondere der Aufbau nicht bilanzierter Erfolgspotenziale
kann zu einem negativen Wertbeitrag in einzelnen Perioden führen.
Beispiel: Statt
eines uniformen Zahlungsstroms erwarten wir Einzahlungen in Höhe von 6.000;
3.000; 6.000. Anschaffungsauszahlung und gewogener Kapitalkostensatz betragen
weiterhin 10.000 EUR und 10 %. Der Kapitalwert des Projekts ist 2.441,7 EUR. In
2003 würde bei dem unterstellten Zahlungsüberschuss von 3.000 EUR, einer Abschreibung
von 3.021,1 EUR und Kapitalkosten von 1.000 ein negativer CVA von – 1.021,1 EUR
ermittelt werden, obwohl das Projekt einen positiven Wertbeitrag aufweist.
Ähnlich sehen die Werte aus, wenn wir eine lineare Abschreibung unterstellen:
Aufgrund der Abschreibung ( – 3.333,3) und der Kapitalkosten ( – 666,6) folgt ein
negativer EVA von – 1.000 EUR.
Das Problem kann vermindert werden, wenn die
Kapitalnutzungskosten nach der Belastungsfähigkeit der Perioden verteilt
werden, d.h. Perioden mit hohen Zahlungsüberschüssen sollen einen relativ hohen
Anteil der Kosten der Kapitalnutzung tragen, et vice versa (Grinyer, J.R
1985, S. 137; Feltham,
G.A./Ohlson, J.A. 1996, S. 218; Rogerson,
W.P. 1997, S. 789 – 791; Reichelstein,
S. 1997, S. 167 – 170). Bei einem konstanten Zahlungsprofil wird
mit dem Cash Value Added und der Annuitätenabschreibung eine solche
belastungsorientierte Verteilung der Kapitalnutzungskosten erreicht.
Bei einer am Tragfähigkeitsprinzip orientierten Verrechnung
von Kapitalnutzungskosten werden jedoch nicht nur Erwartungen über die
Nutzungsdauer, sondern auch über das Zahlungsprofil des Projekts benötigt. Ohne
eine Prognose periodenübergreifender Wirkungen kann jedoch keine Verbindung
zwischen dem Erfolg einer Periode und
der Unternehmenswertsteigerung hergestellt werden (Küpper, H.-U.
1998, S. 534).
2. Vorteile
und Nachteile einer Zahlungsperiodierung
In der bisherigen Darstellung wurde vernachlässigt, dass
Bilanzierungsregeln nicht nur Investitionsauszahlungen auf die Laufzeit
verteilen, sondern auch bei anderen Sachverhalten zum Auseinanderfallen von
Auszahlung und Aufwand bzw. Einzahlung und Ertrag führen können. Beim Economic
Value Added müssen eine Vielzahl anderer Sachverhalte mithilfe konkreter
Bilanzierungsregeln bewertet werden. Cashflow und Bruttoinvestitionsbasis sind
hingegen von solchen Bilanzierungsregeln unabhängig (Hachmeister,
D. 1997, S. 561 – 564). Der Cash Value Added ist auf dieser
Seite weniger manipulationsanfällig als der Economic Value Added; Zeitpunkt der
Ertragsrealisation oder Rückstellungen sind unerheblich. Allerdings ergeben
sich Spielräume durch ein Verschieben der Zahlungszeitpunkte. Problematisch ist
zudem, dass der periodische Cashflow erheblich schwanken kann (Ewert,
R./Wagenhofer, A. 2000a, S. 550 f.).
Dass der Economic Value Added von zahlreichen
Bilanzierungsvorschriften nach HGB, IAS oder US-GAAP beeinflusst wird,
erschwert einen Vergleich von Unternehmen. Von Beratungsgesellschaften werden
daher Bereinigungen vorgeschlagen (Beispiele bei Stewart, B.B.
1991, S. 112 – 117): Beispielsweise soll die Aktivierung der Auszahlungen
für Erfolgspotenziale eine „ Bestrafung “ des Managers durch frühe
Aufwandsverrechnung verhindern und so die Gefahr einer kurzfristigen
Erfolgsoptimierung vermindern. Weiterhin wird ein Verzicht auf eine
Verlustantizipation vorgeschlagen, da eine imparitätische Bilanzierung zu
Fehlanreizen führt und Entscheidungsträger riskante Geschäfte meiden könnten.
Bei der Umsetzung des Economic Value Added-Konzepts wird
jedoch auf eine Bereinigung der Zahlen des Rechnungswesens oftmals verzichtet.
Dies wird zum einen mit Kommunikationsproblemen hinsichtlich der Bereinigungen
begründet, die den Führungskräften nur schwer zu vermitteln sei. Die Prüfung
dieser Daten im Rahmen der Abschlussprüfung durch einen Wirtschaftsprüfer
unterstützt zudem die Glaubwürdigkeit des Performancemaßes. Zum anderen soll
die Integration externer und interner
Unternehmungsrechnung die Transparenz der Performancemessung verbessern (Zimmerman,
J.-L. 1997b, S. 107 – 109.
VI. Anwendung
Erfolgsorientierte Performancemaße sind heute in nahezu allen
größeren, börsennotierten Unternehmen eingeführt (KPMG, 2000).
Dabei erfolgt eine Performancemessung überwiegend auf Konzernebene und bei nachgeordneten
Ebenen.
Wertbeitragskennzahlen scheinen eine herausragende Position
einzunehmen. Allerdings kann von einem einheitlichen Standard keine Rede sein,
da die Berechnungsgrundlagen in den Unternehmen unterschiedlich definiert sind.
Trotz der Probleme werden unterschiedlich definierte Renditen weiterhin als
erfolgsorientierte Performancemaße eingesetzt.
Die Ermittlung erfolgsorientierter Performancemaße erfolgt
weitgehend in Nebenrechnungen. Eine Integration in bestehende IT-Systeme
erfolgt selten. Die Ermittlung erfordert somit zusätzlichen Zeitbedarf; darüber
hinaus bestehen potenzielle Fehlerquellen bei der Datenübertragung.
Auffällig ist, dass in vielen Fällen erfolgsorientierte
Performancemaße als Spitzenkennzahl eingeführt wurden, aber die Verbindung zu
anderen operativen Steuerungskennzahlen nicht gelingt. Auch hinsichtlich der
Verbindung von Planung und Performancemessung sind Defizite erkennbar.
Literatur:
Baldenius, Tim/Fuhrmann,
Gregor/Reichelstein, Stefan : Zurück zu EVA, in: BFuP, Jg. 51., 1999, S. 53 – 65
Ballwieser, Wolfgang :
Wertorientierte Unternehmensführung: Grundlagen, in: ZfbF, Jg. 52., 2000, S.
160 – 166
Bromwich,
Michael/Walker, Martin : Residual Income Past and Future, in: Management
Accounting, Vol. 9., 1998, S. 391 – 419
Ewert, Ralf/Wagenhofer,
Alfred : Interne Unternehmensrechnung, Berlin et al., 4. A., 2000a
Ewert, Ralf/Wagenhofer,
Alfred : Rechnungslegung und Kennzahlen für das wertorientiere Management, in:
Wertorientiertes Management, hrsg. v. Wagenhofer, Alfred/Hrebicek, Gerhard,
Stuttgart 2000b, S. 3 – 64
Feltham, Gerald
A./Ohlson, James A. : Uncertainty Resolution and the Theory of Depreciation
Measurement, in: JAR, Jg. 34, 1996, S. 209 – 234
Grinyer, John R. :
Earned Economic Income – A Theory of Matching, in: Abacus, Jg. 21, 1985, S.
130 – 148
Hachmeister, Dirk : Der
Cashflow Return on Investment als Erfolgsgröße einer wertorientierten
Unternehmensführung, in: ZfbF, Jg. 49., 1997, S. 556 – 579
Hax, Herbert :
Investitionsrechnung und Periodenerfolgsmessung, in: Der Integrationsgedanke in
der Betriebswirtschaftslehre, FS für Helmut Koch, hrsg. v. Delfmann, Werner,
Wiesbaden 1989, S. 153 – 170
Horngren, Charles
T./Foster, George/Datar, Sirkat M. : Cost Accounting, Upper Saddle River (N.
J.), 10. A., 2000
Kaplan, Robert
S./Norton, David P. : Balanced Scorecard, Stuttgart 1997
KPMG, : Shareholder
Value Konzepte, Frankfurt am Main 2000
Küpper, Hans-Ulrich :
Marktwertorientierung – neue und realisierbare Ausrichtung für die interne
Unternehmensrechnung?, in: BFuP, Jg. 50., 1998, S. 517 – 539
Laux, Helmut : Anreiz
und Kontrolle, Berlin et al., 2. A., 1999
Lewis, Thomas G. :
Steigerung des Unternehmenswertes, Landsberg a.L., 2. A., 1995
Pellens,
Bernhard/Crasselt, Nils/Rockholtz, Carsten : Wertorientierte Entlohnungssysteme
für Führungskräfte, in: Unternehmenswertorientierte Entlohnungssysteme, hrsg.
v. Pellens, Bernhard, Stuttgart 1998, S. 1 – 28
Pfaff, Dieter/Bärtl,
Oliver : Wertorientierte Unternehmenssteuerung – Ein kritischer Vergleich
ausgewählter Konzepte, in: Rechnungswesen und Kapitalmarkt, ZfbF-Sonderheft Nr.
41, hrsg. v. Gebhardt, Günther/Pellens, Bernhard, Düsseldorf 1999, S. 85 – 115
Pfaff, Dieter/Kunz,
Alexis/Pfeifer, Thomas : Balanced Scorecard als Bemessungsgrundlage
finanzieller Anreizsysteme – Eine theorie- und emperiegeleitete Analyse der
resultierenden Grundprobleme, in: BFuP, Jg. 52., 2000, S. 36 – 55
Reichelstein, Stefan :
Investment Decision and Managerial Performance Evaluation, in: Research in
Accounting Studies, Jg. 2., 1997, S. 157 – 180
Riegler, Christian :
Anreizsysteme und wertorientiertes Management, in: Wertorientiertes Management,
hrsg. v. Wagenhofer, Alfred/Hrebicek, Gerhard, Stuttgart 2000, S. 145 – 176
Rogerson, William P. :
Intertemporal Cost Allocation and Managerial Investment Incentives, in: Journal
of Political Economy, Jg. 102, 1997, S. 770 – 795
Solomons, David :
Divisional Performance: Measurement and Control, Homewood (Ill.) 1965
Stelter, Daniel :
Wertorientierte Anreizsysteme, in: Wertorientiere Anreizsysteme für
Führungskräfte und Manager, hrsg. v. Bühler, Wolfgang/Siegert, Theo, Stuttgart
1999, S. 207 – 241
Stewart, B. Bennett :
The Quest for Value, New York 1991
Winter, Stefan :
Möglichkeiten der Gestaltung von Anreizsystemen für Führungskräfte, in: DBW,
Jg. 57., 1997, S. 615 – 629
Zimmerman, Jerold L. :
Accounting for Decision Making and Control, Boston (Mass.) et al., 2. A., 1997a
Zimmerman, Jerold L. :
EVA and Divisional Performance Measurement: Capturing Synergies and other
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98 – 109
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