Inhaltsübersicht
I. Grundlagen
II. Arten
von Verbundeffekten
III. Bedeutung
und Ausprägungen des Sortimentsverbundes
IV. Die
Messung von Verbundeffekten
V. Zukunftsaspekte
I. Grundlagen
Verbundeffekten kommt in einer Vielzahl von
betriebswirtschaftlichen Planungs- und Entscheidungsbereichen eine große Bedeutung
zu. Genauso zahlreich wie Verflechtungen sachlicher, räumlicher, quantitativer,
qualitativer, zeitlicher, inhaltlicher, psychologischer, rechtlicher oder
sonstiger Art auf der Angebots- und Nachfrageseite auftreten können, sind auch
die Erscheinungsformen und Abgrenzungsmöglichkeiten von Angebot und Nachfrage
verbunden. Ein Angebotsverbund ist regelmäßig dann gegeben, wenn
Zusammenfassungen angebotener Sach- und/oder Dienstleistungen erfolgen, um den
Beschaffungsbedürfnissen bestimmter Nachfrager bzw. Zielgruppen Rechnung zu
tragen (Engelhardt,
W. H. 1976). Neben akquisitorisch bedingten Gesichtspunkten können
auch technologische Zwänge oder kostenwirtschaftliche Synergieeffekte zu einem
Angebotsverbund führen.
In Bezug auf die inhaltliche Abgrenzung und Definition des
Nachfrageverbundes weist die Literatur eine Vielzahl von Ansätzen auf, die
unterschiedliche Ziele und Schwerpunkte beinhalten. Neben typologisierenden
Ansätzen können vornehmlich kausale, messtheoretische, deskriptive und
normative Ansätze nachfragebedingter Verbundenheiten unterschieden werden (Fischer, C.
1989). Allgemein beinhalten Nachfrageverbunde jene Fälle, bei denen
Beschaffungsentscheidungen nicht isoliert getroffen werden, sondern sowohl zeitpunkt- als auch zeitraumbezogen auf vielfältige Weise miteinander verbunden sind.
Darüber hinaus kann es sich als sinnvoll erweisen, bei der Erörterung von
Nachfrageverbunden die häufig anzutreffende Bindung der Handlungen von
Nachfragern an einzelne Artikel oder Produkte aufzugeben und stattdessen in
erweiterter Sicht »Strategien des
Einkaufs« den Untersuchungen zugrunde zu legen. Unter diesen Strategien von
Nachfragern sind dann bestimmte Verhaltensmuster und -konstanten zu verstehen,
die eine bestimmte Eigenschaft oder
auch Kombinationen von Eigenschaften
aufweisen (Müller-Hagedorn,
L. 1978). Auch diese der Erforschung des Konsumentenverhaltens
zuzurechnende Verbundanalyse kann wichtige Informationen für marketingpolitische
Entscheidungen liefern.
Aufgrund theoretischer Erfassungs- und praktischer
Umsetzungsprobleme bereitet bis heute trotz experimenteller
Nutzungsmöglichkeiten neuer Informations-
und Kommunikationstechnologien die Berücksichtigung von Verbundeffekten bei
der Planung des Marketing-Mix
große Schwierigkeiten. Hinzu kommt, dass Verbunderfolge
sowie Verbundelastizitäten wegen
einer Vielzahl komplementärer, substitutiver und zeitlicher Interdependenzen im
Marketing-Mix außerordentlich schwer messbar sind. Aufgrund ihrer
akquisitorischen Wirkung sowie ihrer zentralen Bedeutung für den Markterfolg
sind Verbunderscheinungen jedoch in der Marketing-Strategie von Anbietern
entweder passiv zu nutzen bzw. durch aktive Maßnahmen zu schaffen, zu
verstärken oder auch abzuschwächen (Engelhardt,
W. H. 1976). Da eine große Zahl gerade nachfragebezogener
Verbundenheiten festzustellen ist, bestehen vielfältige Möglichkeiten der
instrumentalen Förderung und Unterstützung, sodass Marketing- und Verbundpolitik
gleichsam einen Wirkungsverbund zur
Schaffung von Synergieeffekten beinhalten. Einerseits wirken
Marketinginstrumente im Verbund, andererseits sind bei ihrem Einsatz
Verbundphänomene auf der Angebots- und Nachfrageseite zur Erhöhung des
akquisitorischen Potenzials zu berücksichtigen. Die vorangehenden Überlegungen
sollen im Folgenden anhand ausgewählter Verbundarten konkretisiert werden.
II. Arten von
Verbundeffekten
Bevor wichtige Ausprägungen des Angebots- und
Nachfrageverbundes erörtert werden, sind zunächst interinstrumentelle und intertemporale
Verbundeffekte darzulegen, die beim Einsatz marketingpolitischer
Instrumente häufig zu nicht beabsichtigten bzw. teilweise unerwünschten
Ausstrahlungseffekten führen und neben dem Komplexitäts-, Synergie- und
Interdependenzproblem die Optimierung des Marketing-Mix
als Ergebnis instrumenteller Allokationsentscheidungen in qualitativer und
quantitativer Hinsicht erschweren.
1. Ausgewählte interinstrumentelle und
intertemporale Verbundeffekte
Interinstrumentelle Markt- und Verbundwirkungen stellen in
erster Linie sachliche Wirkungsübertragungen von Marketinginstrumenten in Form
so genannter Spill-over-Effekte (Überlaufeffekte) dar. Hiermit soll zum
Ausdruck gebracht werden, dass einzelne Maßnahmen über einen anvisierten
Zielbereich hinaus positive oder auch negative Wirkungen entfalten können (Nieschlag,
R./Dichtl, E./Hörschgen, H. 1991). Typische Beispiele für die
Nutzung von Spill-over-Effekten sind Produkt- oder Markenfamilien im
Konsumgüterbereich, bei denen die Werbung
oder Verkaufsförderung
für ein Produkt gleichzeitig Umsatzverbesserungen bei anderen Produkten
derselben Markenfamilie zur Folge hat. Führen hingegen kommunikationspolitische
Maßnahmen bei einzelnen Sach- oder Dienstleistungen zu einer Umsatzverringerung
anderer Teilbereiche des Angebotsprogramms einer Unternehmung, liegen negative
Spill-over-Effekte vor, die ihre Ursache beispielsweise in
Substitutionsprozessen oder Imageverbundproblemen
haben können.
Neben dem Wirkungsverbund zwischen einzelnen
Marketinginstrumenten sind intertemporale Verbundeffekte von Bedeutung, die in
der Marktreaktionstheorie aufgrund periodenübergreifender Wirkungen einzelner
Instrumente als Carry-over-Effekte bezeichnet werden. Zeitliche
Wirkungsverzögerungen entstehen dadurch, dass ein Teil der Maßnahmen bereits in
der Periode des Instrumentaleinsatzes wirksam wird, ein anderer Teil jedoch erst
mit einer entsprechenden Wirkungsverzögerung. Erfolgt keine sofortige Wirkung,
liegt ein Time lag vor; eine
Abschwächung der Wirkung im Laufe der Zeit wird hingegen als Decay-Effekt
bezeichnet. Typische Beispiele für derartige Zerfallserscheinungen sind temporäre
Wirkungsverluste im Bereich der Werbung oder der Preispolitik (Nieschlag,
R./Dichtl, E./Hörschgen, H. 1991).
Weitere instrumentelle Verbundeffekte treten insbesondere in
Form des Zielgruppenverbundes auf,
bei dem Ausstrahlungseffekte segmentspezifischer Marketingmaßnahmen aufgrund
der Überschneidung von Zielgruppen auch auf andere Segmente wirken (Tietz, B.
1992). Im Rahmen des Wirkungsverbundes
von Instrumentaleinsätzen verursachen auch diese Ausstrahlungseffekte
erhebliche Erfassungs- und Messprobleme und führen zu einer weiteren
Komplexitätssteigerung. Hinzu kommen teilweise nicht unerhebliche
kostenrechnerische Probleme, da beispielsweise die Ergebnisse von
Absatzsegmentrechnungen durch die dargestellten Verbundphänomene schwer
wiegende Verzerrungen erfahren können.
2. Erscheinungsformen des Angebotsverbundes
Werden die Möglichkeiten eines zwischenbetrieblichen Angebotsverbundes (z.B.
Unternehmungsverbindung, Kooperationen,
Strategische
Allianzen, horizontale und vertikale Verbundsysteme usw.) außer
Betracht gelassen, liegt ein innerbetrieblicher
Angebotsverbund immer dann vor, wenn mehrere Güter oder Leistungen (Sach-
und Dienstleistungen) aktuellen und potenziellen Abnehmern zusammen angeboten werden. Da in der Realität eine Vielzahl von
Phänomenen des Angebotsverbundes existiert, sind lediglich wichtige
Erscheinungsformen darzulegen.
Neben technologischen
Zwängen oder Vorteilen – z.B.
durch die Kuppelproduktion oder im Rahmen eines Fertigungs- und
Forschungsverbundes – führen in erster Linie kosten- und/oder
ertragswirtschaftliche Synergieeffekte zum Angebotsverbund, sodass sich im
Wesentlichen fertigungsprozessbedingte, anlagenbedingte, beschaffungsbedingte,
kapitalbedingte, vertriebsdurchführungsbedingte (einschließlich Cross-Selling),
logistikbedingte und nachfragebedingte Angebotsverbundformen unterscheiden
lassen (Engelhardt,
W. H. 1976). Da bei der Schaffung von Angebotsverbunden
akquisitorischen Überlegungen in Käufermärkten regelmäßig die größte Bedeutung
zukommt, hat die anbietende Unternehmung dafür Sorge zu tragen, vornehmlich
solche Angebotsverbunde zu fördern, die den Beschaffungsbedürfnissen
von aktuellen Nachfragern und anvisierten Zielgruppen gerecht werden.
3. Erscheinungsformen des Nachfrageverbundes
Da der vorgestellten Definition des Begriffes
Nachfrageverbund eine Orientierung an den verbundenen
Beschaffungsentscheidungen von Nachfragern zugrunde liegt, bietet sich der Zeitaspekt als grundlegendes Kriterium
zur Systematisierung der zahlreichen Erscheinungsformen des Nachfrageverbundes
an. Den zeitpunktbezogenen Nachfrageverbund
repräsentieren in erster Linie der Mengen-, Einkaufs- und Auswahlverbund; als zeitraumbezogener Nachfrageverbund mit
zeitlich nachgelagerten und assoziativen Beschaffungsentscheidungen gelten
Markentreue, Lieferanten- oder Geschäftsstättentreue und der Preisklassenwechsel
(Engelhardt,
W. H. 1976).
Beim Mengenverbund
werden vom Nachfrager zur Erreichung von Preisvorteilen bzw. zur Mengen- und
Qualitätssicherung größere Mengen von Gütern zusammengefasst. Im Rahmen des Einkaufsverbundes, der sich auf mehr
oder minder bedarfsverwandte Güter bezieht, werden in einem Einkaufsakt mehrere
Güter gleichzeitig beschafft, sodass aus der Sicht des Anbieters additive
Kaufmöglichkeiten einzuräumen sind. Der Auswahlverbund
als dritte Form des zeitpunktbezogenen Nachfrageverbundes beinhaltet Güter
gleicher Gattung und korrespondiert mit alternativen Beschaffungswünschen der
Nachfrager.
Die zeitraumbezogenen Nachfrageverbundenheiten Markentreue (Nachfrage des gleichen
Gutes über einen längeren Zeitraum), Lieferantentreue
oder Geschäftsstättentreue (Nachfrage über einen längeren Zeitraum beim
selben Lieferanten bzw. im selben Geschäft) und Preisklassenwechsel (Wechsel segmentspezifischer Preislagen im
Zeitablauf bei gleichen Produkten unterschiedlicher Qualität innerhalb der
gleichen Güterkategorie) implizieren im Sinne eines habituellen Verbundes komplexe zeitliche und sachliche Beziehungsstrukturen,
die eine Bestimmung und Messung des Nachfrageverbundes erheblich erschweren und
in der Konsumverhaltensforschung jeweils partiell Berücksichtigung finden. Da
sich Qualitätsvorstellungen und -präferenzen von Nachfragern im Zeitablauf häufig
verändern, bietet sich etwa zur Förderung des Preislagenwechsels im Sinne eines
Akquisitionsverbundes zunächst eine
intensive Bewerbung unterer Preisklassen an. Hierdurch kann nicht nur ein
Anlockeffekt auf preissensitive Käufer ausgeübt werden, sondern auch mithilfe
weiterer kommunikationspolitischer Maßnahmen häufig eine bewusste Ausnutzung
dieses zeitraumbezogenen Verbundeffektes zur Erhöhung der Kundenbindung
erfolgen. Somit impliziert der Preisklassenwechsel in vielen Fällen einen
sequentiellen Verbund von Marken- und Lieferanten- bzw. Anbietertreue, wenn
dieser unterschiedliche Marktsegmente mit seinem Angebotsprogramm bedient.
Unabhängig von den Problemen einer Erfassung und
Quantifizierung von Verbundeffekten auf der Nachfrageseite hat jede anbietende
Unternehmung zur Erhöhung ihres akquisitorischen Potenzials Nachfrageverbunde
in ihre marktstrategischen Überlegungen
einzubeziehen und nach Möglichkeit im Angebot zu antizipieren (Engelhardt,
W. H. 1976).
III. Bedeutung und
Ausprägungen des Sortimentsverbundes
Dem Sortimentsverbund kommt bei der Planung von
Handelssortimenten eine besondere Bedeutung zu, da erst durch die Vielzahl von
gegenseitigen Ausstrahlungseffekten
zwischen den einzelnen Artikeln und Warenbereichen eine ganzheitliche
akquisitorische Wirkung von Sortimenten entsteht. Der Begriff Sortimentsverbund
hat in der Literatur eine sehr unterschiedliche Interpretation erfahren und
gilt als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Ausstrahlungseffekten auf der Angebots-
und Nachfrageseite. Zwar ist theoretisch eine Differenzierung von Angebots- und
Nachfrageverbundeffekten möglich, beide Aspekte lassen sich aber in der Praxis
häufig nicht deutlich voneinander trennen, weil zwischen den vom Anbieter
intendierten und den vom Nachfrager perzipierten bzw. in Kaufakten realisierten
Verbundwirkungen erhebliche Diskrepanzen bestehen können (Merkle, E.
1981).
Unter einem Sortimentsverbund
versteht man allgemein einen synergetischen Effekt, der sich als Folge einer
nach absatz- und beschaffungspolitischen Prinzipien und Bedingungen
vorgenommenen Zusammenfassung unterschiedlicher Artikel und Warengruppen
ergibt. Ein derartiger Synergismus bedeutet, dass bei Elimination eines Sortimentsteiles nicht nur auf den über das
selektierte Sortimentsteil zu realisierenden Umsatz verzichtet wird, sondern
auch die Umsätze anderer Artikel durch diese Entscheidung eine positive oder
negative Beeinflussung erfahren (Barth, K.
1993). Aufgrund substitutionaler, komplementärer und/oder partizipativer
Beziehungen zwischen einzelnen Sortimentsteilen sind derartige Einflüsse auch
bei der Aufnahme von Artikeln in ein Handelssortiment gegeben.
Marketingpolitisch geht es insbesondere um die im Handel wichtige Frage, von
welchen Waren und Artikeln eines Sortiments Kaufimpulse
auch auf andere Sortimentsteile ausgehen (Böcker, F.
1978).
Bevor eine akquisitorische Umsetzung von Verbundeffekten in
konkrete sortimentspolitische Maßnahmen möglich ist, sind zunächst Sortimentsverbundanalysen durchzuführen.
Die Aufgabe derartiger Verbundanalysen besteht darin, mögliche Ausstrahlungseffekte
einzelner Sortimentsbereiche aufzudecken, um diese in konkrete marketingpolitische Maßnahmen umsetzen
zu können. Dabei liefern derartige Untersuchungen nicht nur gezielte Hinweise
für sortimentspolitische Entscheidungen, sondern auch für Maßnahmen der
Preispolitik (Diller, H.
1991), Werbepolitik, Warenpräsentationspolitik, Sonderangebotspolitik und nicht
zuletzt auch für die Beschaffungs- und Personalpolitik im Handel.
Trotz der Vielzahl von in der Literatur vorgestellten
Ausprägungsformen und Kategorien des Sortimentsverbundes (exemplarisch Merkle, E.
1981; Hauzeneder,
R. 1975) hat es sich im Rahmen der Verbundanalyse als zweckmäßig
erwiesen, die jeweiligen Untersuchungen an den vollzogenen Kaufakten (Einkaufs- oder Kaufverbund bzw. Verbundkauf)
anzusetzen, da lediglich diese Informationen zweifelsfrei empirisch erfassbar
sind. Die Konzentration der Literatur auf den Kaufverbund bei der Behandlung des Sortimentsverbundes hat im
Wesentlichen folgende Gründe (Böcker, F.
1978):
-
Der auf vollzogenen Kaufakten beruhende
Sortimentsverbund ist direkt und plausibel mittels Kassenbons erfassbar.
-
Die Definition lässt zunächst jegliche Analyse von Verbundursachen unberücksichtigt,
wodurch eine erhebliche Vereinfachung der Analyse zu erreichen ist.
-
Durch die Erfassung des tatsächlichen Verhaltens von
Nachfragern am Point of Sale hat der auf diese Weise abgegrenzte
Sortimentsverbund unmittelbare Bedeutung für marketingpolitische
Entscheidungen in der Unternehmung.
-
Die Entwicklung von Scanner-Kassen und EDV-gestützten Warenwirtschaftssystemen
erlaubt zunehmend eine Erhebung der erforderlichen Daten mit wirtschaftlich
vertretbarem Aufwand.
-
Eine abweichende Definition des Sortimentsverbundes
erfordert in der Regel eine zeitaufwändige und kostenintensive Primärerhebung
in Form von Befragungen.
Ein erheblicher Nachteil dieser Vorgehensweise ist darin zu
sehen, dass eine Beschränkung auf lediglich beobachtbare Sachverhalte erfolgt
und eine Analyse von teilweise ausgeprägten verbundenen
Kaufentscheidungsprozessen der Konsumenten unterbleibt.
IV. Die Messung von
Verbundeffekten
Im Rahmen messtheoretischer Ansätze der Verbundforschung
wurden verschiedene Methoden zur Ermittlung und Bewertung von
Verbundbeziehungen im Sortiment des Einzelhandels entwickelt und partiell einer
kritischen Analyse unterzogen. Als wichtige Verfahren zur Messung
nachfragebezogener Verbundenheiten finden in der Literatur neben mikroökonomischen Ansätzen insbesondere Assoziations- und Korrelationsmaße Beachtung.
Volkswirtschaftlich ausgerichtete Autoren haben im Rahmen preis- und nutzentheoretischer Analysen
eine Quantifizierung substitutionaler und komplementärer Verbundenheiten von
Gütern auf der Grundlage von Kreuzpreiselastizitäten sowie kardinaler und
ordinaler Nutzenmessbarkeit (Pareto, V.
1906) vorgenommen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind jedoch
nutzentheoretische Ansätze für eine Verbundmessung nicht operational, da eine
valide empirische Erfassung und Bestimmung von Nutzengrößen sowie
Nutzen-(Index-)Funktionen weitgehend auszuschließen ist. Zudem eignen sich die
Beiträge einschließlich der Elastizitätsanalysen aufgrund der Vielzahl von
Artikeln in Handelssortimenten sowie der dargestellten Carry-over-Effekte nicht
für eine verbundbezogene Planung. Da auf der Grundlage asymmetrischer Verbundmodelle – wie dem Wahrscheinlichkeitsmodell (Hruschka, H.
1991) oder der intervallskalierten Regressionsanalyse (Bordemann,
H.-G. 1985) – keine Aussagen über die gegenseitige Intensität von
Verbundbeziehungen getroffen werden können, bieten sich zur Verdichtung von
Werten symmetrische Verbundmodelle in
Form von Assoziationsmaßnahmen an,
bei denen in der Regel nominalskalierte Daten zugrunde gelegt und
Zweierbeziehungen einer so genannten Frequenzmatrix in eine Vierfeldertafel
(Kontingenztafel) transformiert werden.
In der Literatur ist eine Vielzahl unterschiedlicher
Assoziationskoeffizienten entwickelt worden, sodass der Auswahl des jeweiligen Verbundmaßes
wegen erheblicher materieller Unterschiede der Messergebnisse bei
Zugrundelegung gleicher Skalierungsobjekte besondere Bedeutung zukommt (Merkle, E.
1981). Die vorgestellten Koeffizienten weisen jedoch teilweise erhebliche methodische
und praktische Mängel auf und bilden bei auswertungstechnischen Ansätzen wie
der Mehrdimensionalen Skalierung häufig eine nicht unerhebliche Schwachstelle.
Eine weitere Form symmetrischer Verbundmodelle stellt die Korrelationsanalyse
dar, bei der mindestens ordinal- oder intervallskalierte Daten der
Verbundmessung zugrunde zu legen sind und je nach Skalenniveau verschiedene
Korrelationskoeffizienten Anwendung finden können. Neben formalen Einwendungen
gegen den korrelationsanalytischen Ansatz (Bordemann,
H.-G. 1985) zeigt sich auch hier eine Vielzahl grundlegender Anwendungsprobleme im Rahmen der
Sortimentsverbundmessung (ausführlich Möhlenbruch,
D. 1994), sodass diese zeitpunktbezogenen ex post-Analysen zu teilweise
unrealistischen zukünftigen Annahmen über die Verbundbeziehungen führen und
ergänzende Primärerhebungen zur genauen Analyse des Kauf- und Konsumentenverhaltens
erforderlich werden.
Insgesamt weisen Messung und Nutzung von
Sortimentsverbundeffekten noch erhebliche theoretische Defizite und praktische
Probleme auf. Neben dem Fehlen ausreichender empirischer Grundlagen
beeinträchtigt insbesondere die Abstraktion von Konkurrenzmaßnahmen die Aussagekraft der Messergebnisse. Darüber
hinaus sind Verbundbeziehungen immer auch ein Ergebnis marketingpolitischer
Aktivitäten, sodass Variationen im Instrumentaleinsatz regelmäßig auch zu
Veränderungen der Verbundbeziehungen führen (Wirkungsverbund).
V. Zukunftsaspekte
Da durch die bewusste Nutzung von Verbundeffekten erhebliche
akquisitorische Wirkungen und damit Wettbewerbsvorteile
erzielt werden können, bietet sich der Betriebswirtschaftslehre in diesem
wichtigen und durch die Scanner-Technologie immer mehr zu durchdringenden
Bereich (Zentes,
J./Anderer, M. 1993) ein weit reichendes Betätigungsfeld. Zur
genaueren Operationalisierung von Verbundphänomenen empfiehlt sich zukünftig
neben einer Verbesserung messtheoretischer Grundlagen eine verstärkte
Berücksichtigung verhaltenswissenschaftlicher
Erkenntnisse, da diese Verknüpfung erheblich zum besseren Verständnis der
komplexen verbundbezogenen Kaufentscheidungsprozesse beiträgt.
Literatur:
Barth, K. : Betriebswirtschaftslehre
des Handels, 2. A., Wiesbaden 1993
Böcker, F. : Die Bestimmung der
Kaufverbundenheit von Produkten, Berlin 1978
Bordemann, H.-G. : Analyse von
Verbundbeziehungen zwischen Sortimentsteilen im Einzelhandel, Duisburg 1985
Diller, H. : Preispolitik, 2. A.,
Stuttgart et al. 1991
Engelhardt, W. H. : Erscheinungsformen
und absatzpolitische Probleme von Angebots- und Nachfrageverbunden, in: ZfbF,
1976, S. 77 – 90
Fischer, C. : Nachfragebedingte
Verbundenheiten im Sortiment, Hamburg 1989
Hauzeneder, R. : Der Sortimentsverbund
im Einzelhandel, München 1975
Hruschka, H. : Bestimmung der
Kaufverbundenheit mit Hilfe eines probabilistischen Meßmodells, in: ZfbF, 1991,
S. 418 – 434
Merkle, E. : Die Erfassung und Nutzung
von Informationen über den Sortimentsverbund in Handelsbetrieben, Berlin 1981
Möhlenbruch, D. : Sortimentspolitik
im Einzelhandel, Wiesbaden 1994
Müller-Hagedorn, L. : Das Problem des
Nachfrageverbundes in erweiteter Sicht, in: ZfbF, 1978, S. 181 – 193
Nieschlag, R./Dichtl, E./Hörschgen,
H. : Marketing, 16. A., Berlin 1991
Pareto, V. : Manuel d\'economie
politique, Paris 1906
Tietz, B. : Marketing, 3. A.,
Düsseldorf 1992
Zentes, J./Anderer, M. :
EDV-gestützte Warenwirtschaftssysteme im Handel, in: Management & Computer,
1993, S. 25 – 31
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