Inhaltsübersicht
I. Grundlagen
II. Strategische
Planung auf Geschäftsfeldebene
III. Strategische
Planung auf Unternehmensebene
IV. Nutzen
und Grenzen der strategischen Planung
I. Grundlagen
1. Merkmale
und Abgrenzung der strategischen Planung
Planung beschäftigt sich damit, die Zukunft eines
Unternehmens gedanklich zu durchdringen, um zukünftige Entscheidungsfelder zu
strukturieren und zukünftige Entscheidungen zu fundieren. Sie gehört damit zu
den wichtigsten Aufgaben des Managements. Dies gilt in besonderem Maße für die
strategische Planung, die sich mit Entscheidungen befasst, die:
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die grundsätzliche Richtung der
Unternehmensentwicklung bestimmen und damit prinzipiell langfristige
Gültigkeit beanspruchen;
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darauf abzielen, den langfristigen Erfolg eines
Unternehmens zu sichern, indem Vorteile im Wettbewerb mit anderen Unternehmen
gesucht und aufgebaut werden;
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die Positionierung eines Unternehmens im Markt und
seine Ressourcenbasis gestalten, wobei diese bei der Entscheidungsfindung als
veränderlich angesehen werden;
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versuchen, Handlungsmöglichkeiten zu schaffen, die in
der Zukunft genutzt werden können – so genannte Erfolgspotenziale.
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aus einer übergreifenden Perspektive heraus getroffen
werden und damit in erster Linie durch das Top-Management eines Unternehmens
zu verantworten sind.
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Andere Aufgaben des Managements unterscheiden sich von der
strategischen Planung durch unterschiedliche Zeithorizonte, unterschiedliche
Freiheitsgrade und vor allem durch ihre unterschiedliche Bedeutung für den
Erfolg eines Unternehmens. Geht man von diesen Unterschieden aus, so lässt sich
die strategische Planung vor allem von zwei anderen Planungsaufgaben des
Managements abgrenzen.
a) Strategische
Planung und operative Planung
Die strategische Planung gibt einen übergreifenden
Handlungsrahmen vor, der über Organisationseinheiten hinweg geht. Innerhalb
dieses Handlungsrahmens vollzieht sich die operative Planung. Ihre Aufgabe
besteht darin, über konkrete Handlungen am Markt oder im Unternehmen zu
bestimmen. Zu diesem Zweck sind vor allem Ziele und Maßnahmen für die einzelnen
Funktionsbereiche eines Unternehmens zu erarbeiten. Die operative Planung ist
daher eine der strategischen Planung nachgeordnete Aufgabe – sie soll durch
kurz- und mittelfristig wirksame Entscheidungen die strategisch vorgezeichnete
Unternehmensentwicklung verwirklichen.
b) Strategische
Planung und normative Planung
Der strategischen Planung vorgelagert ist demgegenüber die
normative Planung. Sie befasst sich mit Entscheidungen, die nicht durch
übergeordnete Unternehmensentscheidungen sachlich begründet werden, sondern von
den Trägern eines Unternehmens als Norm vorgegeben werden. Zentraler Gegenstand
normativer Entscheidungen ist das Selbstverständnis eines Unternehmens, das
seinen Ausdruck in der Vision und den grundlegenden Zielen des Unternehmens
findet. Die strategische Planung soll die Voraussetzung dafür schaffen, dass
diese normativen Ansprüche an die Entwicklung des Unternehmens langfristig
erfüllt werden können.
2. Objekte
und Prozess der strategischen Planung
Die strategische Planung befasst sich mit Entscheidungen über
die beiden zentralen Bestimmungsfaktoren des Erfolgs von Unternehmen: ihre
Positionierung im Markt und die Ausgestaltung ihrer Ressourcenbasis. Im
Mittelpunkt der strategischen Planung stehen deshalb Strategien,
denn sie bestimmen die grundsätzliche Geschäftsausrichtung eines Unternehmens,
indem sie die langfristigen Geschäftsziele definieren, indem sie festlegen, wie
sich das Unternehmen in seinen Märkten positionieren soll, und indem sie dafür
Sorge tragen, dass die wettbewerbsrelevanten Ressourcen identifiziert und
aufgebaut werden. Strategien stehen aber in engem Zusammenhang mit den
Strukturen und Systemen des Unternehmens, die die wichtigsten Grundlagen und
Instrumente darstellen, auf deren Basis in die angestrebte Richtung gearbeitet
werden kann. Dabei sind es Strategien, die die Richtung für das zukünftige
Unternehmenshandeln vorgeben ( „ Direktion “ ), während Systeme und Strukturen dazu
dienen, das Handeln im Unternehmen im Interesse der verfolgten Strategie zu
beeinflussen ( „ Koordination “ ).
Die strategische Planung befasst sich also mit Entscheidungen
über die grundsätzliche Ausrichtung eines Unternehmens. Sie ist folglich Teil
eines strategischen Entscheidungsprozesses, der neben der Entscheidungsfällung
auch die Vorbereitung und die Umsetzung getroffener Entscheidungen umfasst. Zur
strategischen Planung sollen dabei die beiden folgenden Teilschritte dieses
Entscheidungsprozesses gezählt werden.
a) Strategische
Analyse
Im Mittelpunkt des strategischen Entscheidungsprozesses steht
die Auswahl einer Strategie. Um diese Entscheidung treffen zu können, muss
jedoch zunächst die dafür notwendige Informationsbasis erarbeitet werden. Sie
besteht im Wesentlichen aus Informationen über die gegenwärtige und zukünftige
Stellung eines Unternehmens in seinen Umfeldern, in seiner Branche und im
Verhältnis zu seinen Kunden und Wettbewerbern. Hierzu sind eine (externe)
Analyse und Prognose der Unternehmensumwelt sowie eine (interne) Analyse und
Prognose des Unternehmens selber durchzuführen.
b) Strategieformulierung
und -auswahl
Hierauf aufbauend werden dann Strategiealternativen
erarbeitet, die geeignet erscheinen, das Unternehmen dauerhaft erfolgreich in
seinen Umfeldern zu positionieren. Ergebnis der Formulierungsphase sind (im
Regelfall) mehrere, prinzipiell zweckmäßig erscheinende Strategiealternativen.
Diese sind dann auf ihre Zielwirksamkeit hin zu beurteilen, um letztlich jene
Alternative auszuwählen, die am besten geeignet ist, die Ziele des Unternehmens
zu erfüllen.
Abgeschlossen wird der strategische Entscheidungsprozess
durch die Strategieimplementierung, die aber nicht mehr zur strategischen
Planung, sondern zu ihrer Umsetzung zählt. Ihre Aufgabe ist es sicherzustellen,
dass die angestrebte Strategie auch verwirklicht wird. Zu diesem Zweck sind
Strukturen und Systeme in Abstimmung mit der gewählten Strategie zu gestalten.
Hierauf aufbauend sind dann die angestrebten Veränderungen von Strategien,
Strukturen und Systemen zu operationalisieren, indem ihre Konsequenzen in die
nachgeordneten, operativen Planungen eingebaut werden. Schließlich sind die
Veränderungen auch gegenüber den Mitarbeitern des Unternehmens durchzusetzen.
Information, Schulung und Motivation der Mitarbeiter dienen diesem Zweck.
3. Ebenen
und Ziele der strategischen Planung
Die strategische Planung ist eine Aufgabe, die aus einer
übergreifenden Perspektive heraus wahrgenommen werden muss, da die Ausrichtung
eines Unternehmens nur dann grundlegend beeinflusst werden kann, wenn über
Organisationseinheiten hinweg gedacht wird. In einem Unternehmen, das nur ein
Produkt oder eine relativ homogene Produktgruppe anbietet – also, wie man auch
sagt, nur in einem Geschäftsfeld tätig ist – , sind die strategischen
Planungsaufgaben daher auf der Ebene der Unternehmensführung angesiedelt. Nur
sie kann das Geschäft des Unternehmens über alle Funktionsbereiche hinweg
strategisch ausrichten.
Setzt sich ein Unternehmen jedoch aus mehreren
Geschäftsfeldern zusammen, die von selbstständigen Organisationseinheiten
unterhalb der Unternehmensführung verantwortet werden, so kommt zu den strategischen
Planungsaufgaben für jedes einzelne Geschäftsfeld die Aufgabe hinzu, die
Geschäftsfelder aus der Sicht des Gesamtunternehmens strategisch auszurichten.
Damit ergeben sich zwei eigenständige Ebenen der strategischen Planung: die
Ebene des Gesamtunternehmens und die Ebene einzelner Geschäftsfelder. Während
es auf der Ebene einzelner Geschäftsfelder darum geht, wie das Unternehmen in
jedem einzelnen Geschäft operieren will, um im Wettbewerb erfolgreich zu
bestehen, besteht die zentrale strategische Fragestellung auf Unternehmensebene
darin, in welchen Geschäften das Unternehmen agieren will und wie diese
untereinander zu priorisieren sind. Man kennzeichnet diese Aufgaben auch
begrifflich unterschiedlich als Planung der Wettbewerbsstrategie (je Geschäftsfeld)
und Planung der Unternehmensstrategie (für das Gesamtunternehmen).
Um die Ziele zu benennen, die bei der strategischen Planung
auf diesen beiden Ebenen verfolgt werden, muss zunächst die (normative) Frage
geklärt werden, welche der Interessengruppen eines Unternehmens bei der
Festlegung der Unternehmensziele vorrangig befriedigt werden sollen. Geht man
davon aus, wie es heute allgemein üblich ist, dass die Interessen der
Eigentümer die prioritäre Grundlage für die Ziele eines Unternehmens sind, so
steht folglich auch für die strategische Planung das Ziel, Wert für die
Eigentümer des Unternehmens zu schaffen, im Mittelpunkt. Dementsprechend wird
die Maximierung des Unternehmenswerts – des Shareholder
Value – zum obersten strategischen Ziel.
In einem Unternehmen, das in mehreren Geschäftsfeldern tätig
ist, setzt sich der Unternehmenswert konzeptionell aus zwei Teilen zusammen:
den summierten Werten der einzelnen Geschäftsfelder und dem Wertbeitrag der
Unternehmenszentrale. Wenn man den Wert der einzelnen Geschäftsfelder unter der
Fiktion ermittelt, dass ein Geschäftsfeld unabhängig vom Rest des Unternehmens operieren
kann ( „ stand-alone value “ ), so wird die Maximierung des Geschäftsfeldwerts zum
obersten Ziel der strategischen Planung auf Geschäftsfeldebene. Der Wertbeitrag
der Unternehmenszentrale ergibt sich demgegenüber als Differenz der positiven
und negativen (zahlungswirksamen) Effekte, die durch die Zusammenfassung von
mehreren Geschäftsfeldern in einem Unternehmen und ihre Führung durch eine
gemeinsame Unternehmenszentrale entstehen. Den Wertbeitrag der
Unternehmenszentrale zu maximieren, wird folglich zum obersten Ziel der
strategischen Planung auf Unternehmensebene (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Bestandteile des Unternehmenswerts
II. Strategische Planung
auf Geschäftsfeldebene
Die zentrale Fragestellung der strategischen Planung auf
Geschäftsfeldebene besteht darin, wie das Unternehmen in einem bestimmten
Geschäftsfeld operieren will, um erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen. Unter
einem Geschäftsfeld versteht man dabei vereinfacht eine eigenständige
Marktaufgabe eines Unternehmens, die durch eine spezielle Wettbewerbssituation
gekennzeichnet ist und daher strategisch eigenständig zu behandeln ist. Ziel
der strategischen Planung ist es, den Wert eines bestimmten Geschäftsfelds zu
maximieren, was nur dann möglich ist, wenn dieses die Bedürfnisse seiner Kunden
dauerhaft auf einem höheren Niveau befriedigt, als es die Konkurrenten können.
Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass ein Geschäftsfeld einen
Wettbewerbsvorteil besitzen muss. Das Erzielen und Aufrechterhalten von
Wettbewerbsvorteilen wird deswegen als wichtigstes nicht monetäres Ziel der
strategischen Planung auf Geschäftsfeldebene besonders betont.
1. Strategische
Analyse auf Geschäftsfeldebene
Im Mittelpunkt der strategischen Planung auf
Geschäftsfeldebene steht die Frage, welche Wettbewerbsstrategie ein Unternehmen
verfolgen soll, um einen Wettbewerbsvorteil zu entwickeln. Um diese
Entscheidung treffen zu können, muss jedoch zunächst die dafür notwendige
Informationsbasis erarbeitet werden. Sie besteht im Wesentlichen aus Informationen
über die gegenwärtige und zukünftige Stellung des Geschäftsfelds in seinen
Umfeldern, in seiner Branche und speziell im Verhältnis zu seinen Kunden und
Wettbewerbern. Hierzu sind eine externe Analyse (und Prognose) der
Unternehmensumwelt sowie eine externe Analyse (und Prognose) des Geschäftsfelds
selbst durchzuführen.
Die Aufgabe der externen Analyse besteht vor allem darin,
Chancen zu erkennen, die sich dem Unternehmen in seinem externen Umfeld
eröffnen. Gleichzeitig soll die externe Analyse aber auch auf Risiken
aufmerksam machen, die dem Unternehmen aus seinen Umfeldern drohen. Beide –
Chancen und Risiken – können durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren aus der
externen Umwelt eines Geschäftsfelds hervorgerufen werden. Man unterscheidet
dabei im Allgemeinen zwischen Einflussfaktoren aus einer weiteren Umwelt (auch
Makroumwelt genannt) und einer näheren Umwelt – der Branchenumwelt. Die
Makroumwelt umfasst weitergehende politisch-rechtliche, ökonomische,
technologische, gesellschaftliche und ökologische Rahmenbedingungen, die für
Unternehmen aller Branchen vom Grundsatz her gleich sind. Demgegenüber zählen
zur Branchenumwelt solche Faktoren wie Kunden und Wettbewerber, die spezifisch
für die Branche sind, in der ein Geschäftsfeld angesiedelt ist. Für beide
Umweltbereiche stehen vielfältige Methoden der Umweltanalyse zur Verfügung, mit
deren Hilfe das Umfeld eines Unternehmens durchdrungen und besser verstanden
werden kann.
Inwieweit ein Unternehmen die Chancen und Risiken seiner
Umwelt nutzen bzw. bewältigen kann, hängt auch davon ab, wie gut es selbst
dafür gerüstet ist: von seinen Stärken und Schwächen. Aus diesem Grund wird in
der internen Analyse auch die interne Situation eines Geschäftsfelds
betrachtet. Sie lässt sich allgemein zunächst durch bestimmte finanzielle
Merkmale beschreiben. Diese sind der quantitative Ausdruck seiner
Leistungsfähigkeit im Wettbewerb und bieten erste Anhaltspunkte, um die Stärken
und Schwächen eines Geschäftsfelds zu verstehen. Eigentliche Ursachen dieser
Stärken und Schwächen sind jedoch die besonderen Kompetenzen des Geschäftsfelds
– also seine Ressourcen und Fähigkeiten, die es im Wettbewerb zum Einsatz
bringt. Diese stehen in qualitativer Hinsicht hinter den finanziellen Größen
und bilden daher den eigentlichen Kern der internen Analyse (siehe Abb. 2).

Abb. 2: „ SWOT “ -Analyse
2. Strategieformulierung
und -auswahl auf Geschäftsfeldebene
Auf der strategischen Analyse baut der zweite Teilschritt des
strategischen Planungsprozesses auf: die Strategieformulierung und -auswahl. In
ihrem Mittelpunkt steht die Entwicklung von Wettbewerbsstrategien, die
prinzipiell geeignet erscheinen, ein Geschäftsfeld so im Markt zu
positionieren, dass es Wettbewerbsvorteile erzielen und langfristig verteidigen
kann. Einen Wettbewerbsvorteil zu besitzen ist die entscheidende Voraussetzung
dafür, dass die übergeordneten Ziele der strategischen Planung – speziell das
Ziel, den Wert eines Geschäftsfelds zu steigern – erreicht werden können. Für
ein Geschäftsfeld ergibt sich ein Wettbewerbsvorteil, wenn es eine im Vergleich
zur Konkurrenz bessere Leistung erbringt und sich diese Leistung durch Merkmale
abhebt, die von den Kunden wahrgenommen werden, für die Kunden wichtig sind und
von der Konkurrenz nicht ohne weiteres eingeholt werden können – also dauerhaft
sind.
Welchen Wettbewerbsvorteil ein Unternehmen erzielen kann,
hängt natürlich von seinem Umfeld, aber auch von seinen Ressourcen und
Fähigkeiten ab. Diese tragen jedoch nur insofern zum Entstehen von
Wettbewerbsvorteilen bei, wie es dem Unternehmen gelingt, seine besonderen
Kompetenzen auch für den Kunden erlebbar zu machen. Daher ist es wichtig,
Wettbewerbsvorteile stets aus der Kundensicht zu betrachten. Allgemein
gesprochen nehmen Kunden Wettbewerbsvorteile immer in Form von Preisunterschieden
– niedriger Preis bei gleichem Nutzen – oder Nutzenunterschieden – höherer
Nutzen bei gleichem Preis – zwischen den Angeboten einzelner Wettbewerber wahr.
Dementsprechend unterscheidet man meist zwei generische Strategiealternativen,
die Unternehmen verfolgen können: eine Strategie der Differenzierung, die
darauf abzielt, dem Kunden einen höheren Nutzen zu vermitteln, für den er auch
bereit ist, einen höheren Preis zu zahlen, und eine Strategie der
Kosten-/Preisführerschaft, bei der ein Unternehmen den Kunden einen besonders
günstigen Preis anbietet, ohne dass sich das Produkt in seinen Nutzenmerkmalen
nennenswert von denen der Konkurrenz unterscheidet. Möglich ist aber auch eine
Kombination beider Ansatzpunkte – also eine Verbindung von Kosten-/Preisführerschaft
und Differenzierung – , was zu einer so genannten Outpacing-Strategie führt
(siehe Abb. 3).

Abb. 3: Differenzierungs- und
Kosten-/Preisführerschaftsstrategie
Unabhängig davon, welche konkreten Strategiealternativen als
Ergebnis der Strategieformulierung vorliegen, sind dann die einzelnen
Alternativen miteinander zu vergleichen und schließlich ist eine
Wettbewerbsstrategie auszuwählen, die tatsächlich verfolgt werden soll. Maßstab
für die Bewertung aus Auswahl von Strategiealternativen sind stets die Ziele,
die ein Unternehmen anstrebt – vorrangig also das Ziel der Wertmaximierung. Es
gibt verschiedene Verfahren der Strategiebewertung, mit deren Hilfe
Wertbeiträge aller identifizierten Strategiealternativen ermittelt werden
können. Das bekannteste derartige Verfahren ist die so genannte
Discounted-Cashflow-Methode (DCF-Methode), die den Wert eines Geschäftsfelds
als diskontierten Wert (Gegenwartswert) der betrieblichen Cashflows berechnet, die das Geschäftsfeld zukünftig erwirtschaften
wird. Alternativ können aber auch periodisch ausgerichtete Bewertungsgrößen wie
der Economic Value Added verwendet werden. Sie sollten jedoch in jedem Fall von
einer ergänzenden Risiko- und Chancenabschätzung (Sensitivitätsanalyse,
Optionswertermittlung) begleitet werden.
III. Strategische Planung
auf Unternehmensebene
Die strategische Planung auf Unternehmensebene befasst sich
mit der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens, das mehr als ein
Geschäftsfeld bearbeitet. Sie unterscheidet sich von der strategischen Planung
auf Geschäftsfeldebene dadurch, dass das gesamte Unternehmen und nicht das
einzelne Geschäftsfeld Gegenstand der Betrachtung ist. Folglich ist die
Unternehmenszentrale Trägerin dieses Teilkomplexes der strategischen Planung.
Ihre Aufgabe besteht darin, durch die Auswahl, Priorisierung und Ausrichtung
der Geschäftsfelder sicherzustellen, dass das Unternehmen als Ganzes seine
Ziele erreicht. Ob ihr dies gelingt, drückt sich im Wertbeitrag der
Unternehmenszentrale aus – also der Differenz zwischen den summierten
Einzelwerten der Geschäftsfelder und dem Gesamtwert (Marktwert) des
Unternehmens. Diese zu maximieren, ist das oberste Ziel der strategischen
Planung auf Unternehmensebene.
1. Strategische
Analyse auf Unternehmensebene
Auch auf Unternehmensebene setzt die Strategieformulierung
zunächst eine Auseinandersetzung mit dem Unternehmen selbst und seinen
Umfeldern voraus. Ähnlich wie bei der strategischen Analyse auf
Geschäftsfeldebene dient sie dazu, die Informationsbasis zu erarbeiten, die für
eine zielorientierte Entscheidung über die Unternehmensstrategie erforderlich
ist. Zu diesem Zweck müssen die interne und externe Situation des
Gesamtunternehmens analysiert und deren zukünftige Entwicklung prognostiziert
werden. Dabei konzentriert man sich jedoch auf solche Merkmale, die für das
Unternehmen als Ganzes von Bedeutung sind. Während auf Geschäftsfeldebene die
entscheidenden Einflüsse vor allem von der Branchenumwelt ausgehen, steht bei
der externen Analyse auf Unternehmensebene daher die Makroumwelt im
Mittelpunkt, da alle Geschäftsfelder des Unternehmens deren Einflüssen
ausgesetzt sind. Im Rahmen der internen Analyse wird die finanzielle Situation
des Gesamtunternehmens durchleuchtet, und es werden die Ressourcen und
Fähigkeiten analysiert, die wertvoll, schwierig zu imitieren und in mehr als
einem Geschäftsfeld nutzbar sind – so genannte Kernkompetenzen.
Es geht darum, in der Nutzung von Ressourcen und Fähigkeiten Gemeinsamkeiten
und Komplementaritäten zwischen Geschäftsfeldern zu erkennen, damit diese so
nutzbar gemacht werden können, wie es den strategischen Prioritäten des
Gesamtunternehmens entspricht.
2. Strategieformulierung
und -auswahl auf Unternehmensebene
Die zentrale Fragestellung der strategischen Planung auf
Unternehmensebene besteht in der Festlegung des geschäftlichen Tätigkeitsfelds
eines Unternehmens. Ihr Grundgedanke ist dabei, dass sich das gesamte
Tätigkeitsfeld als ein Portfolio von Geschäftsfeldern darstellen lässt, unter
denen einzelne Geschäftsfelder weiterentwickelt, aufgegeben oder neu geschaffen
werden können. Die Planung des Geschäftsfeldportfolios steht daher im
Mittelpunkt der Strategieformulierung und -auswahl.
Alternative Unternehmensstrategien unterscheiden sich in
erster Linie dadurch voneinander, welche Zusammenstellung des
Geschäftsfeldportfolios sie vorsehen, wie die darin enthaltenen Geschäftsfelder
bei der Ressourcenverteilung priorisiert werden und welche Prinzipien für die
Führung der Geschäftsfelder durch die Unternehmenszentrale sie grundsätzlich
vorsehen. Speziell für die erste Frage – die Portfoliozusammenstellung – sind
vielfältige Portfoliomodelle vorhanden, die die Unternehmensführung bei dieser
Aufgabe unterstützen können. Die Ressourcenallokation zielt darauf ab, den
Geschäftsfeldern jene Ressourcen zuzuweisen, die notwendig sind, um die aus
Sicht des Gesamtunternehmens angestrebte strategische Entwicklung zu verwirklichen.
Dabei geht es einerseits um die Verteilung der finanziellen Ressourcen des
Unternehmens – also der Investitionsmittel, die einzelnen Geschäftsfeldern zur
Verfügung stehen sollen. Andererseits geht es aber auch um die Zuordnung nicht
finanzieller Ressourcen und Fähigkeiten, die im Rahmen eines
geschäftsfeldübergreifenden Kompetenzmanagements zwischen den Geschäftsfeldern
zu verteilen sind. Abschließend sind dann die Prinzipien für die Führung der
Geschäftsfelder zu bestimmen. Hierbei geht es vor allem darum, Möglichkeiten
und Grenzen für die übergreifende Ausrichtung und Inbeziehungsetzung der
Geschäftsfelder zu erkennen.
Auch auf Unternehmensebene liegen als Ergebnis der
Strategieformulierung mehrere Handlungsalternativen vor, unter denen die
letztlich zu verfolgende Strategie auszuwählen ist. Strategiebewertung und
-auswahl folgen dabei auf Unternehmensebene der gleichen Logik wie auf der
Ebene der einzelnen Geschäftsfelder.
IV. Nutzen und Grenzen der
strategischen Planung
Als Kern eines strategischen Managements ist die strategische
Planung für Unternehmen unverzichtbar. Sie trägt dazu bei, die Zukunft des
Unternehmens zu durchdringen, und sie hilft dem Unternehmen dabei, seine
Zukunft soweit wie möglich selbst zu gestalten, zumindest aber zukünftige
Ereignisse besser zu bewältigen. Strategische Planung ist aber mehr als nur die
Auseinandersetzung mit Hintergründen und Alternativen der langfristigen
Unternehmensentwicklung: sie ist in hohem Maße ein Koordinationsinstrument, das
einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, das Handeln der
Unternehmensangehörigen auf die gemeinsamen Ziele auszurichten.
Um diese Koordinationswirkung zu entfalten, muss die
strategische Planung in mehrfacher Hinsicht integriert erfolgen: Sie muss in
einen integrierten Prozess des strategischen Managements eingebunden sein, der
auch Strukturen und Systeme in die strategische Überlegungen einbezieht. Und
sie muss integriert mit den anderen Planungsaufgaben des Unternehmens erfolgen.
Dies gilt in besonderem Maße für die Verbindung von strategischer und
operativer Planung. Wo diese fehlt, wird jedes strategische Durchdenken der
Zukunft ohne Konsequenzen für das Handeln im Unternehmen sein. Und erst durch
die Beeinflussung des Handelns der Unternehmensangehörigen stiftet die strategische
Planung ihren Nutzen.
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