Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Ausrichtung
II. Ziele,
Aufgaben, Kontext
III. Gestaltungsparameter
IV. Entwicklungslinien
V. Zukünftige
Entwicklungen
I. Begriff und
Ausrichtung
Trotz gradueller Unterschiede sollen Human Resources
Management (z.B. Cascio,
Wayne/Awad, Elias 1981) sowie Personalmanagement (z.B. Wunderer,
Rolf/Kuhn, Thomas 1993) als synonym für den hier und auch an anderer
Stelle (z.B. Schuler,
Randall/Jackson, Susan 1996) verwendeten Ausdruck Human Resource
Management gelten. Dieses HRM verbindet drei Grundorientierungen:
-
In seiner Humanorientierung fokussiert es auf
Mitarbeiter als Individuen, auf wechselseitigen Respekt sowie wirksame
Partizipation.
-
In seiner Ressourcenorientierung optimiert es nutzbare
Fähigkeiten der Mitarbeiter als Inputfaktoren für die betriebliche
Leistungserstellung.
-
In seiner Managementorientierung erfüllt es eine
unternehmerische Führungsfunktion im Interesse von Mitarbeitern, Unternehmen
und Gesellschaft.
Je nach Mischungsverhältnis stehen einzelne Aspekte verstärkt
im Vordergrund. In jedem Fall aber grenzt sich das daraus resultierende HRM von
der Personalverwaltung (Personnel Administration) ab (vgl. Tab. 1).
Tab. 1: Abgrenzung zwischen PA und HRM (basierend auf a Krulis-Randa,
Jan 1986; bStorey, John
1992; cSchuler,
Randall 1998; dBerthel,
Jürgen 2000; eScholz,
Christian 2000; fWunderer,
Rolf/Arx, Sabrina von 2002)
II. Ziele, Aufgaben,
Kontext
Das HRM dient einer Vielzahl von Zielen (vgl. z.B. Ulrich, Dave
1997; Ridder,
Hans-Gerd 1999), die sich aber auf vier zentrale Ziele zurückführen
lassen, nämlich
-
Akquisition als Gewinnung von Mitarbeitern,
-
Qualifikation als Weiterentwicklung ihrer
Leistungsfähigkeit,
-
Retention als Erhöhung ihrer
Verbleibewahrscheinlichkeit und
-
Motivation als Steigerung der individuellen
Leistungsbereitschaft.
Um diese Ziele zu erreichen, gibt es klar definierte Aufgaben
im HRM, über die in der Literatur weitgehend Einigkeit besteht:
-
Informatorische Grundlage sind Personalbedarfsplanung
und -bestandsanalyse.
-
Aktionsfelder sind Personalbeschaffung, -entwicklung
und -freisetzung.
-
Verhaltenssteuerung erfolgt durch Personalführung.
-
Unterstützend wirken Personalmarketing und
Personalcontrolling.
Eingebettet ist HRM in ein betriebsinternes Umfeld, zu dem
Unternehmenskultur und -image ebenso gehören wie die Unternehmensleitung, die
Firmengeschichte oder die Produktionsverfahren, sowie ein betriebsexternes
Umfeld, geprägt durch Landeskultur, Demographie, Wertvorstellungen und
Technologie. Vor allem aber wird das HRM durch gesetzliche Rahmenbedingungen
beeinflusst (vgl. Oechsler,
Walter 2000): Neben dem Individualarbeitsrecht regelt das kollektive
Arbeitsrecht die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen. Zentralen Einfluss auf
die personalwirtschaftlichen Gestaltungsspielräume hat das
Betriebsverfassungsgesetz mit seinen Mitwirkungsrechten (Informations-,
Beratungs-, Einsichts- und Anhörungsrecht) sowie Mitbestimmungsrechten
(Initiativ-, Zustimmungs- und Widerspruchsrecht).
HRM bedeutet sowohl Funktion, zu verstehen als
Aktivitätenbündel, als auch Institution, zu verstehen als Organisation der
Personalarbeit. Im Ergebnis soll HRM zur Verbesserung der Gesamteffektivität
durch höhere Produktivität bzw. personalwirtschaftliche Wertschöpfung führen (vgl.
z.B. Hentze,
Joachim/Kammel, Andreas 2001; Wunderer,
Rolf/Arx, Sabrina von 2002).
III. Gestaltungsparameter
Um seine zentralen Ziele und Aufgaben zu erfüllen, gibt es
für das HRM verschiedene Gestaltungsparameter, die dann jeweils zu einer
spezifischen HRM-Orientierung führen.
1. Mikro versus Makro
Eine erste Polarisierung ergibt sich aus dem originären
HRM-Ansatzpunkt (Wright,
Patrick/Boswell, Wendy 2003):
-
Mikro beinhaltet ein eng gefasstes Vorgehen, bei dem
das HRM einzelfallbezogen Mitarbeiter betrachtet. Theoretische Grundlagen
liefern Organisationspsychologie und Arbeitswissenschaft.
-
Makro zielt weitreichend und ganzheitlich auf
Funktionen und Aufgaben von HRM im gesamten Unternehmen. Die Grundlagen
hierfür ergeben sich u.a. aus der Unternehmensplanung.
„ Mikro “ impliziert also eine operativ-individuumsbezogene, „ Makro “
eine strategisch-unternehmensbezogene Vorgehensweise.
2. Ressourcenorientiert versus
strategieorientiert
Innerhalb der Makro-Perspektive im HRM haben sich zwei
Ausrichtungen herausgebildet (z.B. Boxall, Peter
1996):
-
Ressourcenorientiertes HRM folgt der
Inside-Outside-Perspektive und will das Humankapital im Kontext von
Unternehmensstrategie und Organisationsstruktur maximieren.
-
Strategieorientiertes HRM will in der
Outside-Inside-Perspektive durch HRM strategische Überlegenheit des
Unternehmens in seinem Wettbewerbsumfeld erreichen.
Der Fokus im ersten Fall liegt auf den Mitarbeitern, die es
als Ressource zu optimieren gilt. Im zweiten Fall wird den
Umfeld-Herausforderungen durch strategische HRM-Aktivitäten begegnet.
3. „ People “ versus „ Process “ versus „ Structure “
Ein weiterer Gestaltungsparameter betrifft den Abgleich
zwischen Stabilisierungs- und Flexibilisierungstendenzen:
-
Mitarbeiterorientierung (z.B. Klimecki,
Rüdiger/Gmür, Markus 2001) stellt das Stabilisierungsprinzip in
den Vordergrund und will bisher bewährte Verhaltensmuster möglichst
kontinuierlich fortschreiben.
-
Prozessorientierung (z.B. Huselid,
Mark 1995) zielt auf das Flexibilisierungsprinzip und die
Fähigkeit zur kurzfristigen Anpassung, u.a. durch entsprechende HRM-Systeme.
-
Strukturorientierung (z.B. Drumm, Hans
Jürgen 2000) befasst sich mit der Stabilität und Flexibilität
schaffenden Arbeitsteilung zwischen Unternehmensleitung, Personalabteilung,
Führungskräften in der Linie und Mitarbeitern.
Wie in Abbildung 1 dargestellt, führt die Mikro-Perspektive
unmittelbar zum einzelnen Mitarbeiter (People), während die Makro-Perspektive
in ihren jeweiligen Ausprägungen alle drei Orientierungen abdeckt.
IV. Entwicklungslinien
HRM ist im betriebsexternen Umfeld stets in den nationalen
Kontext eingebunden, also gekennzeichnet durch wirtschafts- und
sozialpolitische Rahmendaten, Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen sowie
landeskulturelle Werte (vgl. z.B. Pieper,
Rüdiger 1990; Brunstein,
Ingrid 1995). Dies erklärt die teilweise unterschiedlichen landestypischen
Entwicklungen.
1. USA
Hier hat HRM seine Wurzeln in den großen
Produktionsunternehmen mit bürokratisierten und kontrollorientierten
Abteilungsstrukturen. Teilweise als Gegenbewegung resultierten daraus drei
Entwicklungslinien (vgl. Boxall, Peter
1992), die ihren Ursprung Mitte der 1980er-Jahre haben.
a) Der Michigan-Ansatz des
verhaltensorientierten Subsystems
Vertreter dieser Richtung (z.B. Tichy,
Noel/Fombrun, Charles/Devanna, Mary 1982) sehen im HRM die fördernde
Funktion der Ressource Mensch sowie die integrative Funktion seiner Verknüpfung
mit der Organisation. Das aus der Unternehmensstrategie abgeleitete Ergebnis
ist ein eigenständiger „ Human Resource Cycle “ (Personalauswahl,
Leistungsbeurteilung, Belohnung, Entwicklung), der sukzessive die
Personalarbeit und die Mitarbeiterleistung verbessert.
b) Der Harvard-Ansatz der optimierten
Personalressource
Für die Autoren dieses Ansatzes (z.B. Beer, Michael
et al. 1985) sind HRM als zentraler Teil des General Managements und
Personalstrategie eng verbunden mit der Unternehmensstrategie. Aktionsparameter
sind Partizipation der Mitarbeiter, Personalanpassung über Beschaffung und
Freisetzung, Anreizsysteme sowie Arbeitsorganisation.
Die Strategielogik der Harvard Business School zielt hier auf
die umfassende Berücksichtigung der internen und externen Stakeholder, um den
Mitarbeiter als treibende Kraft einzubinden, gleichzeitig aber auch, um die
personalpolitischen Aspekte auf die Stakeholder auszurichten.
Weiterentwickler dieses Ansatzes (z.B. Fitz-enz, Jac
2000) wollen v.a. diejenigen Mitarbeiter langfristig fördern, die zur
Wertschöpfung und Kulturentwicklung beitragen. Dies setzt mitarbeiterseitig den
Nachweis erbrachter Leistung und unternehmensseitig angemessene Entlohnung
voraus.
c) Der New York-Ansatz des strategischen
„ Matchings “
Eine eigenständige Synthese von Teilaspekten der beiden hier
beschriebenen Ansätze liefert eine Denkschule, die sich auf die New York
University und jetzt auf die Rutgers University zurückführen lässt (vgl. z.B. Huselid,
Mark/Jackson, Susan/Schuler, Randall 1997). Wichtig sind hier v.a.
die strategische Stimmigkeit zwischen Personal- und Unternehmensfunktionen
sowie die managementfokussierte Rolle der Personalverantwortlichen. Der
HR-Manager sieht sich also als ein Investor in Human Resources, v.a. aber als
„ Manager “ .
Aus dieser Denkschule resultierte eine HR-Scorecard (Becker, Brian
E./Huselid, Mark A./Ulrich, Dave 2001), basierend auf der von Kaplan
und Norton geschaffenen Balanced Scorecard (Kaplan,
Robert S./Norton, David R. 1992), die speziell ein nach
personalwirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgestaltetes Performance Measurement
System darstellt. Als solches kann sie entweder zur Operationalisierung der
„ Lern- und Wachstumsperspektive “ der gesamtunternehmensbezogenen Balanced
Scorecard oder als bereichsspezifische Scorecard für die Personalarbeit dienen.
Weiterentwicklungen des Ansatzes konzentrieren sich auf
sinnvolles „ Matching “ bei Spezialaufgaben wie Mergers und Akquisitionen (vgl.
z.B. Schuler,
Randall/Jackson, Susan 2001).
2. Großbritannien
HRM in Großbritannien war geprägt von gewerkschaftlich
dominierten Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen. Das Berufsbild des
Personalverantwortlichen war dementsprechend defensiv und primär auf die
Sicherstellung eines akzeptablen Verhältnisses zu den Gewerkschaften
ausgerichtet (z.B. Blyton,
Paul/Turnbull, Peter 1992). Dies änderte sich angesichts der
Wirtschaftskrise der 1970er-Jahre und dem ultraliberalen Thatcherismus, der zunächst
zwei Pole für ein HRM (vgl. Storey, John
2001) und später eine dritte Ausprägung hervorbrachte.
a) Der London-Ansatz als mitarbeiterbezogene
Entwicklung
Die „ weiche “ HRM-Variante des „ entwicklungsbezogenen
Humanismus “ (Legge, Karen
1995, S. 66), setzt den Mitarbeiter in den Mittelpunkt der HRM-Aktivitäten, um
durch Einsatzbereitschaft, Anpassungsfähigkeit, Qualifizierung und
Leistungsbereitschaft Wettbewerbsvorteile zu erringen (vgl. z.B. Guest,
David/Conway, Neil 1997). Im weichen HRM werden Mitarbeiter explizit
als eigenverantwortliche Akteure angesehen, die in den Leistungserstellungsprozess
mit eingebunden werden und so zur Zielerreichung beitragen.
Neuere Ansätze differenzieren sich insb. über die
instrumentellen Konzepte, die eine Anwendbarkeit weichen HRMs ermöglichen: So
stellt gerade die Beschäftigung mit Employability (z.B. Baruch,
Yehuda 2001) auf die Erfordernisse von Mitarbeitern ab.
b) Der Warwick-Ansatz als strategischer
Taylorismus
Diese „ harte “ HRM-Variante basiert auf dem „ utilitaristischen
Instrumentalismus “ (Legge, Karen
1995, S. 66) und will Systeme zum optimalen Einsatz des „ Faktors “ Personal
schaffen. Dieser in der Warwick Business School propagierte Ansatz (z.B. Hendry,
Chris/Pettigrew, Andrew 1992) ist marktorientiert, rational und
kalkulatorisch geprägt.
Der Schwerpunkt liegt auf der Integration von HR-Abläufen,
-Systemen und -Aktivitäten, um geschäftsstrategische Ziele der Organisation zu
erreichen (vgl. z.B. Sparrow,
Paul/Hiltrop, Jean 1994, S. 14 – 25).
In der Weiterentwicklung des „ harten “ HRM werden die
Humanressourcen noch konsequenter optimiert, wozu gerade die
Wertschöpfungssteigerung in personalbezogenen Bereichen sowie Prozessinnovation
dienen (z.B. Storey, John
et al. 2002).
c) Der Cranfield-Ansatz als „ Europäisches “
Modell
Eine weitere Ausrichtung im HRM ist der Versuch von Brewster
et al. (Brewster,
Chris et al. 1992) von der Cranfield School of Management, ein
„ European HRM “ zu entwickeln. Er sucht ein HRM, das vom landeskulturellen
Kontext und der jeweiligen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Struktur geprägt wird.
Anders als die unter (c) in den USA und im deutschsprachigen Raum behandelten
Ansätze gibt es hier aber keine substanzielle Stimmigkeitsdiskussion.
Aktuelle Weiterentwicklungen sehen Großbritannien als ideales
Testdesign für internationales HRM, weil es eine konzeptionelle Brücke zwischen
den USA und Kontinentaleuropa bildet, dabei gleichzeitig einer vergleichsweise
hohen Wettbewerbs- und Regulationsdynamik unterliegt (vgl. z.B. Budhwar,
Pawan 2000).
3. Deutschland/Österreich/Schweiz
Parallel – aber nicht erkennbar beeinflusst durch die
Entwicklung in den USA – fand im deutschsprachigen Raum zu Beginn der
1980er-Jahre eine Neuorientierung der Personalarbeit statt, teilweise hin zu
einer integrativen, proaktiven und strategischen Sichtweise (vgl. Überblick bei
Staehle,
Wolfgang 1989; Scholz,
Christian 1996; Muller,
Michael 1999), teilweise aber auch in bewusster Abkehr, denn „ HRM
für deutsche Unternehmen zu fordern, wäre undifferenziert, irreführend und
potenziell gefährlich “ (Garnjost,
Petra/Wächter, Hartmut 1996, S. 806).
a) Die verhaltenstheoretische
„ Human “ -Orientierung
Unter der Annahme, dass eine verhaltensorientierte Ausrichtung
das zentrale Thema des HRM sein muss, konzentriert sich die deutsche BWL v.a.
ausgehend von Berlin (z.B. Staehle,
Wolfgang 1980) und Wien (z.B. Eckardstein,
Dudo von/Schnellinger, Franz 1978) auf die Erklärung und Gestaltung
des Verhaltens von Personen in bestimmten Umweltsituationen. Hierbei werden
bspw. auch Trainings- und Entwicklungskomponenten des HRM (Weber,
Wolfgang 1985) thematisiert, die die Personalentwicklung in den
unternehmensübergreifenden Organisationsentwicklungsprozess einbinden sollen.
Dieser Ansatz wird in zwei Formen fortgeführt:
-
Zunächst wird eine starke Differenzierung in
verhaltenstheoretische Teilgebiete erkennbar, etwa in geschlechterbezogenes
Diversitätsmanagement (z.B. Krell,
Gertraude 2003) oder mitarbeiterzentrierte Ansätze wie Mikropolitik
oder Mobbing (z.B. Neuberger,
Oswald 1999).
-
Gleichzeitig bedienen sich zunehmend und erfolgreich
diverse Personalmanagement- „ Gurus “ im Hinblick auf Selbstmotivation und
Vertrauenskultur des verhaltensorientierten Ansatzes (z.B. Sprenger,
Reinhard 2002).
Auf der einen Seite findet also eine komplexitätserhöhende
Aufsplittung der Themen in Richtung Arbeitspsychologie statt, auf der anderen
Seite eine komplexitätsreduzierende Trivialisierung des Gebietes.
b) Die ökonomieorientierte Ressourcen-Optimierung
Ein stark planungsorientierter HRM-Ansatz, der auch eine
unmittelbare Verbindung zu den Ressourcen des Unternehmens sowie seiner
Strategie betont, lässt sich im deutschsprachigen Raum u.a. an Orten wie
Stuttgart (z.B. Macharzina,
Klaus/Oechsler, Walter 1977; Ackermann,
Karl-Friedrich 1987) und Zürich (z.B. Rühli, Edwin
1977; Krulis-Randa,
Jan 1986) festmachen. Im Vordergrund steht die Integration der
sozialen mit der technokratischen Führung in eine ganzheitliche Sicht. Hier
wird die Personalführung auf die Unternehmenspolitik ausgerichtet, indem die
strategischen Planungsvorgaben für das gesamte Unternehmen bis in das
Personalmanagement als Handlungsrestriktionen hineinwirken.
Die gegenwärtig u.a. in Bonn und erneut in Zürich propagierte
Form des HRM ist eine implizite Weiterentwicklung dieses Ansatzes, da von der
operativen bis hin zur strategischen Personalplanung die gleichen
Themenbereiche einer ressourceneffizienten Lösung zugeführt werden sollen.
Diese Personalökonomie führt zu Fragestellungen hinsichtlich
modelltheoretischer Entlohnungssysteme als Motivationsinstrumente (z.B. Sadowski,
Dieter 2002, S. 146), strategischer
Personalbeschaffungsentscheidungen bei Informationsasymmetrie (z.B. Backes-Gellner,
Uschi/Lazear, Edward/Wolff, Birgitta 2001, S. 119) oder
spieltheoretischer Analysen von Beförderungssystemen (z.B. Kräkel,
Matthias 1999).
Charakteristisch für diese Personalökonomie ist das Primat
der Mikroökonomie, das in dieser Form allerdings weder in Großbritannien noch
in den USA eine dominante Entsprechung findet.
c) Die unternehmerische
Management-Orientierung
Wie der New York-Ansatz begann auch diese u.a. in St. Gallen
und Saarbrücken vertretene HRM-Variante mit einer systematisch-strategischen
Personalplanung (vgl. z.B. Scholz,
Christian 1982) mit Betonung strategischer Stimmigkeiten (vgl. z.B. Scholz,
Christian 1984), der Ausrichtung an unternehmensstrategisch
relevanten Aspekten wie interner Vision und externen Anspruchsgruppen (z.B. Hilb, Martin
1994) und einer wertschöpfungsorientierten Einbindung der HRM-Funktion als
generelle Managementfunktion (vgl. z.B. Wunderer,
Rolf 1992).
Erfolgreiches Personalmanagement muss demnach die zentralen
Felder, Ebenen und Ausrichtungen berücksichtigen, die zusammen einen stimmigen
Rahmen für eine systematische Personalarbeit bilden (z.B. Scholz,
Christian 2000). Ähnlich argumentieren auch Autoren wie Drumm (Drumm, Hans
Jürgen 2000), Berthel (Berthel,
Jürgen 2000) und Hentze et al. (Hentze,
Joachim/Kammel, Andreas/Lindert, Klaus 1997).
Die neueren Konzepte dieses Ansatzes weiten das HRM auf
aktuelle unternehmerische Fragestellungen zum einen die stimmige Gestaltung der
expliziten und impliziten Kontrakte zwischen Unternehmen sowie Mitarbeiter und
die Berücksichtigung unternehmensseitigen Wettbewerbsdruck sowie
mitarbeiterseitigen Optimierungswünschen (vgl. z.B. Scholz,
Christian 2003; Wunderer,
Rolf/Küpers, Wendelin 2003). Zum anderen manifestiert sich das
unternehmerisch ausgerichtete HRM verstärkt in Vorschlägen wie der „ Saarbrücker
Formel “ (Scholz,
Christian/Stein, Volker/Bechtel, Roman 2006), bei der die Human
Ressourcen differenziert in Euro-Werten abgebildet und so der strategischen
Steuerung zugeführt werden.
V. Zukünftige
Entwicklungen
HRM wird zukünftig nicht mehr nur die klassischen Funktionen
und Aufgaben erfüllen. Vielmehr stellen der sich weiter verschärfende globale
Wettbewerb, die Forcierung der technologischen Entwicklung, eine sich
ausweitende Fusionswelle und die Veränderung der Beschäftigungsverhältnisse
immer neue Anforderungen an das HRM. Insgesamt geht es dabei nicht mehr
vordringlich um die Suche nach einer strategischen Rolle: Entweder das HRM als
Institution nimmt diese wahr, oder aber HRM als Funktion wird zunehmend von
anderen internen bzw. externen Organisationseinheiten realisiert. Dies gilt
umso mehr, als die zunehmende Informationstechnologisierung zur verstärkten
Virtualisierung und Grenzauflösung führt. In diesem Kontext gilt es, für das
HRM zentrale Führungsfunktion wahrzunehmen – und zwar funktional wie
institutional. Hierzu kann das HRM auf eine breite Palette an möglichen
Realisationsformen zurückgreifen.
Betrachtet man dazu die oben skizzierten Gestaltungsparameter
und Entwicklungslinien, so werden trotz länder- und „ schulen “ -bezogener
Spezifika durchaus Gemeinsamkeiten zwischen den HRM-Ansätzen deutlich (vgl.
Abb. 1): So gibt es teilweise parallele (aber offenbar kausal weitgehend
unabhängige) Entwicklungen in den jeweiligen Ländern. Sie sind und bleiben
allerdings mit markanten landesspezifischen Charakteristika verbunden, die sich
jeweils u.a. aus den Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen ergeben.
Abb. 1: Zusammenfassender Überblick über das HRM
Ein Vergleich der jeweiligen Weiterentwicklungen zeigt, dass
die drei Säulen (Human, Ressource, Management) sukzessive breiter werden: So
weiten sich auch Konzepte, die ursprünglich auf den Mikroaspekt
„ Mitarbeiterverhalten “ fokussierten, auf den Ressourcen- und Managementaspekt
aus. Auch wenn dies nicht in gleicher Intensität für alle Ansätze gilt,
verändert sich das HRM doch insgesamt von einer Ansammlung eher
partikularistischer Vorschläge hin zu einem etwas einheitlicheren, integrativen
Konzept: Diese HRM-Ansätze gehen somit zwar von unterschiedlichen Startpunkten
aus, decken dann aber dennoch das gesamte Spektrum der oben skizzierten
Aufgaben ab.
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