Inhaltsübersicht
I. Erlösbegriff
II. Erlösartenrechnung
als Teil der Erlösrechnung
III. Kategorisierung
von Erlösarten
IV. Probleme
der Erlöserfassung
I. Erlösbegriff
1. Definition
von Erlösen
Erlöse werden unter Rückgriff auf Schmalenbach (vgl. Schmalenbach,
E. 1956) gemeinhin als „ bewertete, betriebszweckbezogene
Güterentstehung “ (Weber, J.
1996, S. 52) definiert. Zusammen mit den Kosten der jeweils betrachteten
Bezugsobjekte, z.B. bestimmte Leistungen (Kostenträger) oder Perioden, gehen
Erlöse als Stromgröße in die innerbetriebliche Erfolgsrechnung
sowie in andere nachgelagerte Rechnungen ein. Dabei ist zwischen zwei
Kategorien von Erlösen zu differenzieren:
-
pagatorische Erlöse, die aus den dem Unternehmen
zufließenden Einnahmen abgeleitet werden. Dies sind im Wesentlichen die
Umsatzerlöse, aber auch alle anderen Einnahmen aus am Markt abgegebenen
Sachgütern und Leistungen, sowie
-
kalkulatorische Erlöse, die die im Unternehmen
verbleibende Güterentstehung der Periode repräsentieren. Darunter fallen u.a.
Bestandserhöhungen, selbst erstellte Gegenstände des Anlagevermögens oder
originärer Goodwill.
2. Abgrenzung
von Erlösen und Leistungen
Vor allem in der älteren Literatur wird von Leistungen als
Gegenbegriff zu Kosten gesprochen. Aufgrund der Mehrdeutigkeit des
Leistungsbegriffs, der z.B. auch die Menge der im Unternehmen erstellten
Realgüter bezeichnet, hat sich als Wertkategorie in jüngerer Zeit der
Erlösbegriff durchgesetzt.
3. Abgrenzung
von Erlösen und Erträgen
Erträge messen ebenfalls die Güterentstehung im Unternehmen.
Als handelsrechtlich belegte Begriffskategorie rekurrieren sie dabei aber nicht
allein auf betriebszweckbezogene Vorgänge, sondern auf jedwede Art der
Reinvermögenserhöhung. Um von den Erträgen zu den Erlösen überzuleiten (vgl. Schmalenbach,
E. 1956, S. 11), sind Erstere zunächst um die neutralen
Erträge (außerordentlich, periodenfremd oder betriebsfremd) zu bereinigen.
Darunter fallen z.B. Erträge aus der Veräußerung von Gegenständen des
Anlagevermögens oder Mieterträge aus Arbeitnehmern zur Verfügung gestellten
Wohnungen.
Weitere Korrekturen bestehen in der Berücksichtigung
alternativer Wertansätze in Form von Anderserlösen, z.B. bei einer Bewertung
von Bestandserhöhungen zu höheren Wiederbeschaffungskosten, sowie in der
Addition von Zusatzerlösen, d.h. Formen der Güterentstehung, die nicht
ertragswirksam werden (dürfen), wie z.B. die Berücksichtigung selbst erstellter
immaterieller Gegenstände des Anlagevermögens. Auch die Ergebniskorrekturen bei
der Ermittlung des Unternehmenserfolgs als Economic Value Added können als
Anders- bzw. Zusatzerlöse interpretiert werden. Risikobedingte Erlöszu- oder
-abschläge werden i.d.R. nicht im Rahmen der kalkulatorischen Erlöse
berücksichtigt, sondern als kalkulatorische Wagnisse innerhalb der
Zusatzkosten.
II. Erlösartenrechnung als
Teil der Erlösrechnung
1. Bedeutung
der Erlösrechnung
Die Erlösrechnung bemisst die betriebszweckbezogene
Güterentstehung für vorgegebene Bezugsobjekte wie Perioden, Produkte, Aufträge,
Sparten, Kundengruppen oder Vertriebswege (Erlösträger, im Marketingcontrolling
wird in diesem Zusammenhang auch von Absatzsegmenten gesprochen. Vgl.
grundlegend Geist, M.
1974, sowie neuer Link,
J./Gerth, N./Voßbeck, E. 2000 S. 251 ff.). Im Gegensatz zur
Kostenrechnung haben sich in den letzten Jahrzehnten allerdings nur wenige
Beiträge konzeptionell mit der Gestaltung der Erlösrechnung auseinandergesetzt.
Insbesondere in der Praxis wird vielfach unterstellt, dass die Erlöse
unproblematisch aus der Fakturierung übernommen bzw. durch einfache
Multiplikation von Menge und Preis abgeleitet werden können. Oftmals ist die
Erlösrechnung kein eigenständiges Element innerhalb der internen
Rechnungslegung, sondern lediglich ein stark verkürzter Teil der kurzfristigen Erfolgsrechnung.
Aus konzeptioneller Sicht erscheint diese Vorgehensweise
jedoch problematisch. Zum einen ist nicht immer ein eindeutiger Zusammenhang
zwischen Erlös und konkret zugrunde liegender Leistung herstellbar. Solche
Zurechnungsprobleme spielen u.a. bei Netzbetreibern oder Verkehrsbetrieben eine
Rolle. Zum anderen existieren häufig sachliche oder zeitliche
Verbundbeziehungen zwischen einzelnen Erlösen. Werden diese nicht, z.B. mittels
multivariater Erlösfunktionen (vgl. Krafft, M.
2000), berücksichtigt, sinkt die Aussagekraft innerbetrieblicher
Erfolgsmaße. Auch der Informationsgehalt anderer, auf der Erlösrechnung
aufbauender Rechenwerke, wie Target
Costing oder Lebenszykluskosten- und -erlösmanagement, kann
verfälscht werden. Damit besteht die Gefahr falscher Steuerungsimpulse, wenn
z.B. Umsätze oder Deckungsbeiträge als Maßzahlen für die Allokation knapper
Ressourcen (vgl. z.B. Albers, S.
1998) verwendet werden.
2. Konzeptionelle
Grundlagen der Erlösrechnung
a) Struktur
der Erlösrechnung
Für die Strukturierung einer Erlösrechnung als Komplement
einer laufenden Kostenrechnung stehen zwei Möglichkeiten offen. Analog zur
konventionellen Kostenrechnung kann auch die Erlösrechnung in die Teilgebiete
Erlösartenrechnung, Erlösstellenrechnung
und Erlösträgerrechnung
untergliedert werden. Als Ergänzung einer relativen Einzelkostenrechnung ist
die Erlösrechnung dagegen in Grund- und Auswertungsrechnung der Erlöse zu
strukturieren. Weiterhin kann die Erlösrechnung als Plan-, Soll- oder
Istrechnung ausgestaltet werden. Aufgrund der fehlenden konzeptionellen wie
praktischen Umsetzbarkeit der relativen Einzelkostenrechnung (vgl. Weber,
J./Weißenberger, B.E. 1997 S. 284 ff.) wird im Folgenden nur
die konventionelle Form der Strukturierung näher betrachtet.
Hier werden die Erlöse der betrachteten Periode zunächst
innerhalb der Erlösartenrechnung vollständig und überschneidungsfrei nach einer
oder mehreren objektbezogenen Kategorien, wie z.B. Produkten, Aufträgen,
Regionen, Kundengruppen oder Vertriebswegen, erfasst. Die mehrdimensionale
Erfassung ist häufig nicht nur für die innerbetriebliche Erfolgsrechnung
notwendig, sondern auch für Zwecke des Marketingcontrolling
oder der handelsrechtlichen Segmentberichterstattung. In Abhängigkeit von den
durch die Erfolgsrechnung
vorgegebenen Erlösträgern ist dann zwischen Einzelerlösen, die direkt in die Erlösträgerrechnung
übernommen werden, und Gemeinerlösen, die innerhalb der Erlösstellenrechnung
auf der Basis festgelegter Zurechnungsprinzipien verteilt werden, zu
unterscheiden.
Teilweise wird in der Literatur eine engere Sichtweise der
Erlösartenrechnung vertreten, die eine Erfassung lediglich nach einzelnen
Entgeltbestandteilen vorsieht. Die Erfassung der Erlöse nach objektbezogenen
Kriterien wird dann gesondert einer vorgeschalteten Erlösquellenrechnung
zugewiesen oder gilt als Bestandteil der Erlösträgerrechnung
(vgl. Männel, W.
1983a) bzw. der Erlösstellenrechnung (vgl. Eisele, W.
1999, S. 799 ff.). Letzteres erscheint lediglich beim Wegfall jeglicher
Verbundbeziehungen und Zurechnungsprobleme praktikabel, was jedoch als
absoluter Ausnahmefall anzusehen ist.
b) Zwecke
der Erlösrechnung
Als Komplement zur Kostenrechnung verfolgt die Erlösrechnung
vom Grundsatz her identische Rechnungszwecke, nämlich – neben der Dokumentation
der im Unternehmen anfallenden Güterentstehung – die Fundierung betrieblicher
Entscheidungen (funktionale Perspektive) und die Steuerung des Verhaltens
einzelner Entscheidungsträger (akteursbezogene oder institutionale
Perspektive). Für die Ausgestaltung der Erlösartenrechnung impliziert dies
insbesondere:
-
Die im Einzelfall relevanten betrieblichen
Dokumentations- und Entscheidungsprobleme sowie die damit verbundenen
Rechnungen sind maßgeblich für die konkrete Ausgestaltung der
Erlösartenrechnung.
-
Bei der Bildung objektbezogener Erlöskategorien sind
Zurechnungsprobleme sowie wesentliche sachliche oder zeitliche Verbundeffekte
zu beachten, da diese erst innerhalb einer nachgelagerten
Erlösstellenrechnung berücksichtigt werden.
III. Kategorisierung von
Erlösarten
1. Objektbezogene
Kategorisierung
Innerhalb der objektbezogenen Kategorisierung werden Erlöse
nach inhaltlichen Merkmalen der zugrunde liegenden Transaktion bzw.
Güterentstehung unterschieden. Pagatorische Erlöse entstehen aus der
rechtlichen oder wirtschaftlichen Zahlungsverpflichtung eines Marktpartners
gegen Abnahme der vereinbarten Leistung. Damit sind als objektbezogene
Erlöskategorien i.d.R. die zugrunde liegende Leistungsart bzw. das
Leistungsartenbündel, die Identität des Marktpartners, seine regionale
Verortung und der Zeitpunkt des Eigentumsübergangs ableitbar. Auch Merkmale wie
die rechtliche Kategorisierung der Erlöse (Verkaufserlöse, Miet- und
Pachterlöse, u.Ä.), der gewählte Vertriebsweg oder der leistende
Unternehmensbereich, können typischerweise erfasst werden.
Vergleichbare objektbezogene Kategorien existieren i.d.R.
auch für kalkulatorische Erlöse. Ihr Betrag ist jedoch nicht durch externe
Transaktionen objektiviert, sondern wird mit Hilfe einer unternehmensinternen
Bewertungsfunktion, z.B. über die Ermittlung der Herstellungskosten,
abgeleitet. Werden kalkulatorische Erlöse einer organisatorischen Einheit an
anderer Stelle im Unternehmen als Kosten belastet, bezeichnet man sie
stückbezogen auch als Verrechnungspreise.
2. Rechnungsbezogene
Kategorisierung
a) Einzel-
versus Gemeinerlöse
Einzelerlöse (Gemeinerlöse) sind einem vorher festgelegten Erlösträger
(nicht) direkt zurechenbare Erlöse. Dieses Begriffsverständnis folgt analog der
Kategorisierung von Einzel- und Gemeinkosten, ist inhaltlich aber anders zu
beurteilen: Während Gemeinkosten vor allem fixe Kosten darstellen, sind
Gemeinerlöse eher variabel, da sie bereits dann wegfallen, wenn nur eine
Leistung in dem zugrunde liegenden Leistungsbündel ausfällt. Während
Gemeinkosten zudem aufgrund der Kenntnis innerbetrieblicher Produktionsprozesse
meist gut zu identifizieren sind, werden Gemeinerlöse, insbesondere aufgrund
von Verbundbeziehungen im Nachfragebereich, leicht fälschlich als Einzelerlöse
erfasst.
b) Variable
versus fixe Erlöse
Variable (fixe) Erlöse verändern sich (nicht) in Abhängigkeit
von vorher festgelegten Erlöseinflussgrößen, z.B. dem Einsatz absatzpolitischer
Instrumente, wie Preis-, Produkt-, Distributions- oder Kommunikationspolitik in
den betrachteten Marktsegmenten. Inhaltlich entspricht diese Differenzierung
der Unterscheidung in fixe und variable Kosten und dient als Grundlage für die Erlösplanung
und Erlöskontrolle. Fixe Erlöse, z.B. aufgrund von
Pauschalentgelten, induzieren weiterhin grundsätzlich einen Angebotsverbund
bezogen auf die abgenommene Stückzahl. Eine Verwendung multivariater
Erlösfunktionen (z.B. innerhalb der Absatzmodelle der Betriebsplankostenrechnung)
hat sich – trotz der konzeptionellen Bedeutung dieses Ansatzes – in der Praxis
bisher nicht durchsetzen können. Praktische Probleme ergeben sich hier u.a. im
statistischen Bereich, wenn z.B. Erlösverbunde Multikollinearität oder
zeitliche bzw. räumliche Autokorrelation begünstigen.
c) Stück-
versus Periodenerlöse
Insbesondere die Relative
Einzelkostenrechnung differenziert Einzelerlöse danach, ob sie einer
Leistungseinheit (Stückerlös) bzw., z.B. bei Vorliegen von
Zurechnungsproblemen, lediglich einem bestimmten Zeitraum (Periodenerlös) zugeordnet
werden können. In Abhängigkeit von der Ausgestaltung der Erfolgsrechnung als
Stück- oder Periodenrechnung wird diese Differenzierung der Erlösarten auch in
konventionellen Formen der Erlösrechnung verwendet.
d) Opportunitätserlöse
Als Antonym zu Opportunitätskosten bezeichnen
Opportunitätserlöse die relative Günstigkeit einer Handlungsalternative im
Vergleich zur nächstbesten (vgl. Männel, W.
1983a). Ein Rechnen mit Opportunitätserlösen hat sich bisher jedoch weder
konzeptionell noch in der Praxis durchsetzen können.
3. Entgeltbezogene
Kategorisierung
Innerhalb der Umsatzerlöse werden entgeltbezogene
Erlöskategorien unterschieden. Der vom Unternehmen kalkulierte Angebotspreis
für eine Leistung bzw. ein Leistungsbündel stellt als Bruttoerlös den
Ausgangspunkt dar. Für die Erfolgsrechnung
ist jedoch erst der effektive Nettoerlös, d.h. der Betrag, den das liefernde
Unternehmen von seinem Marktpartner fordern kann, relevant. Die Differenz
zwischen Bruttoerlös und effektivem Nettoerlös sind verschiedene Formen von
Erlösschmälerungen, denen kein Ressourcenverzehr im Unternehmen zugrunde liegt
und die nur in direkter Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer, z.B. als
Abzüge auf Debitorenkonten, auftreten (vgl. Männel, W.
1983b):
-
Erlösschmälerungen, die bei Rechnungsstellung sofort
in Abzug gebracht werden, z.B. Sofortrabatte,
-
Erlösschmälerungen, die lediglich periodenweise in
Abzug gebracht werden, z.B. Gesamtrabatte oder Boni,
-
Erlösberichtigungen für einzelne Absatzleistungen,
z.B. aufgrund der Inanspruchnahme von Kundenskonti, aber auch aufgrund von
Rücksendungen, Debitorenausfällen sowie nachträglichen Preisnachlässen,
Konventionalstrafen aufgrund vertraglicher Mindererfüllung oder
Wechselkursänderungen, und
-
Erlösberichtigungen aufgrund von Buchungs- und
Berechnungsfehlern.
Teilweise werden auch Sondereinzelkosten des Vertriebs als
Erlösschmälerungen berücksichtigt, wenn sie auf vergleichbaren Ursachen
beruhen, so z.B. Provisionen für Handelsvertreter.
Die entgeltbezogene Erlöskategorisierung spielt eine wichtige
Rolle für die Auswahl preispolitischer Maßnahmen. Zudem sind in der
handelsrechtlichen GuV die Umsatzerlöse nach Abzug der Erlösschmälerungen
auszuweisen (§ 277 I HGB).
IV. Probleme der
Erlöserfassung
Innerhalb der Erlöserfassung sind insbesondere zwei
Problemfelder von Bedeutung: Zum einen sind für die Einordnung von Einzel- und
Gemeinerlösen die wesentlichen Erlösverbunde zu identifizieren, zum anderen ist
zu klären, welcher Rechnungsperiode die Erlöse im Einzelnen zuzuordnen sind.
1. Verbundbeziehungen
a) Verbundbeziehungen
innerhalb einer Leistungsart
Innerhalb einer Leistungsart liegen Verbundbeziehungen vor,
wenn Leistungseinheiten nur in festgelegten Mengen abgesetzt werden bzw. wenn
das Leistungsentgelt von der abgesetzten Menge abhängt. Angebotsverbunde
entstehen hier u.a. durch die verkäuferseitige Festlegung von
Mindestabnahmemengen, Mindest- oder Pauschalentgelten oder durch die Gewährung
von Rabatten. Nachfrageseitig treten Verbundbeziehungen u.a. durch Netzeffekte
auf (vgl. Wiese, H.
1990), wenn die den Erlös begründende Nachfrage eines Abnehmers positiv
mit der Nachfrage anderer Abnehmer nach dieser Leistungsart verknüpft ist.
Typische Beispiele für Netzeffekt-Leistungen sind
Telekommunikationseinrichtungen oder Internet-Plattformen.
b) Verbundbeziehungen
innerhalb mehrerer Leistungsarten
Hier liegen Verbundbeziehungen vor, wenn die betroffene
Leistung nur in Kombination mit anderen Leistungsarten angeboten wird oder wenn
das Leistungsentgelt abhängig von der Abnahme anderer Leistungsarten ist. Dies
betrifft zunächst angebotsseitige Verbunde, die offen, z.B. als Produkt- oder
Preisbündelung, oder ohne erkennbare Preiskopplung, z.B. über die vergünstigte
Beschaffung von Ersatzteilen oder die Sammlung von Rabattpunkten, auftreten
können.
Daneben sind systematische Nachfrageverbunde zu
berücksichtigen, z.B. bei komplementären Leistungsarten oder bei
Einkaufsverbunden, aber auch bei substitutiven Leistungsarten
(Kannibalisierungseffekt). Eine Identifikation solcher Nachfrageverbunde ist
über die negative oder positive Kreuzpreiselastizität der verbundenen
Leistungsarten möglich, aber auch mit Hilfe von Präferenz-, Warenkorb- oder
Produktnutzungsanalysen. Letztere sind insbesondere dann hilfreich, wenn die
verbundenen Leistungsarten zu unterschiedlichen Zeitpunkten beschafft werden, z.B.
Neuerwerb und Ersatzteilbeschaffungen. Hier spricht man auch von zeitlichen
Verbundbeziehungen.
Unsystematische oder zufällige Nachfrageverbunde werden im
Rahmen der Erlösartenrechnung dagegen nicht berücksichtigt, ebenso
Zurechnungsprobleme, die aus der „ Allverbundenheit “ (Riebel, P.
1971, S. 199) der Erlöse, z.B. aufgrund von Reputationseffekten, aber
auch aufgrund von Einkommenseffekten, entstehen.
2. Erlösrealisation
a) Zeitpunktbezogene
Erlösrealisation
Beim zeitpunktbezogenen Konzept der Erlösrealisation werden
alle Erlöse als Periodeneinzelerlöse erfasst. Die Praxis stellt hier gemeinhin
auf den handelsrechtlichen Realisationszeitpunkt ab (Realisationsprinzip). Bei
Transaktionen mit Unternehmensexternen ist dies nach herrschender Lehre der
Zeitpunkt des Übergangs der tatsächlichen Verfügungsmacht über den zu
liefernden Gegenstand vom Verkäufer auf den Käufer bzw. der Zeitpunkt, an dem
die vereinbarte Dienstleistung durchgeführt worden ist (vgl. ADS, 1998,
§ 246 Rn 188). Bei kalkulatorischen Erlösen, z.B. aus der Aktivierung
selbsterstellter Vermögensgegenstände, ist der Zeitpunkt des Verzehrs der
zugrunde liegenden Kostengüter maßgeblich.
Ein Sonderfall ist der entscheidungsorientierte Ansatz, nach
dem bereits der Zeitpunkt der Entscheidung für eine Transaktion maßgeblich für
die Erlösrealisation ist (vgl. Männel, W.
1983a). Diese Sichtweise, bei der auch zeitliche Verbundeffekte
berücksichtigt werden können, findet sich bisher vor allem in
investitionstheoretischen Sonderrechnungen des Marketingcontrolling,
z.B. bei Kundenlebenszyklusrechnungen (Customer Lifetime Value), wieder.
b) Zeitraumbezogene
Erlösrealisation
Bei dieser Sichtweise wird auf die so genannte
Realisationsphase abgestellt, die die gesamte rechtliche oder wirtschaftliche
Bindungsdauer zwischen Käufer und Verkäufer umfasst (vgl. Riebel, P.
1971, S. 159). Periodeneinzelerlöse liegen folglich nur dann vor, wenn
die Realisationsphase vollständig in die betrachtete Periode fällt.
Insbesondere im Kontext der relativen Einzelkostenrechnung machen zeitliche
Verbundeffekte, z.B. bei langfristigen Lieferverträgen und mehrperiodischen
Kontraktketten, aber auch bei dynamischen Erlöswirkungen aus dem Einsatz
absatzpolitischer Instrumente, z.B. verzögerte Werbewirkung (carry-over-Effekte),
dann eine Betrachtung entsprechend umfassender Abrechnungsperioden notwendig.
Damit wird einer Vernachlässigung solcher Effekte, wie sie bei der
zeitpunktbezogenen Erlösrealisation leicht auftreten kann, entgegenwirkt.
Literatur:
ADS, : Rechnungslegung
und Prüfung der Unternehmen, Kommentar, Teilband 6, bearbeitet von Forster,
Karl-Heinz u.a., 6. A., Stuttgart 1998
Albers, Sönke : Regeln
für die Allokation eines Marketing-Budgetes auf Produkte oder Marktsegmente,
in: ZfbF, Jg. 50, 1998, S. 211 – 235
Albers, Sönke : Ein
System zur Ist-Soll-Abweichungs-Ursachenanalyse von Erlösen, in: ZfB, Jg. 59,
1989, S. 637 – 654
Eisele, Wolfgang :
Technik des betrieblichen Rechnungswesens, München, 6. A., 1999
Engelhardt, Werner
H./Reckenfelderbäumer, Martin : Gestaltungsperspektiven für das
Erlös-Management, in: Kostenrechnung. Stand und Entwicklungsperspektiven.
Festschrift für Wolfgang Männel zum 60. Geburtstag, hrsg. v. Becker,
Wolfgang/Weber, Jürgen, Wiesbaden 1997, S. 127 – 166
Geist, Manfred :
Selektive Absatzpolitik auf der Grundlage der Absatzsegmentrechnung, Stuttgart,
2. A., 1974
Hummel,
Siegfried/Männel, Wolfgang : Kostenrechnung 1. Grundlagen, Aufbau und
Anwendung, Wiesbaden, 4. A., 1986
Kolb, Jürgen :
Industrielle Erlösrechnung – Grundlagen und Anwendung. Nachlese zu einer
wissenschaftlichen Arbeit vor dem Hintergrund praktischer Erfahrung, in: Kosten
und Erlöse. Orientierungsgrößen der Unternehmenspolitik. Festschrift für Gert
Laßmann zum 60. Geburtstag, hrsg. v. Steffen, Reiner/Wartmann, Rolf, Stuttgart
1990, S. 153 – 168
Kolb, Jürgen :
Industrielle Erlösrechnung, Wiesbaden 1978
Krafft, Manfred :
Vertriebscontrolling – Status Quo und Anforderungen an moderne Systeme, in: KRP
Sonderheft 3/2000, Jg. 44, 2000, S. 55 – 65
Laßmann, Gert : Aktuelle
Probleme der Kosten- und Erlösrechnung sowie des Jahresabschlusses bei
weitgehend automatisierter Serienfertigung, in: ZfbF, Jg. 36, 1984, S. 959 – 978
Laßmann, Gert :
Erlösrechnung und Erlösanalyse bei Großserien- und Sortenfertigung. Teil 1, in:
ZfbF, Jg. 31, 1979, S. 135 – 142
Laßmann, Gert :
Erlösrechnung und Erlösanalyse bei Großserien- und Sortenfertigung. Teil 2, in:
ZfbF, Jg. 31, 1979, S. 153 – 162
Link, Jörg/Gerth,
Norbert/Voßbeck, Eckart : Marketing-Controlling, München 2000
Männel, Wolfgang :
Bedeutung der Erlösrechnung für die Ergebnisrechnung, in: Handbuch
Kostenrechnung, hrsg. v. Männel, Wolfgang, Stuttgart 1992, S. 631 – 655
Männel, Wolfgang :
Erfassung von Kosten und Leistungen, in: Handbuch Kostenrechnung, hrsg. v.
Männel, Wolfgang, Stuttgart 1992, S. 409 – 415
Männel, Wolfgang :
Grundkonzeption einer entscheidungsorientierten Erlösrechnung, in: KRP, Jg. 27,
1983a, S. 55 – 70
Männel, Wolfgang : Zur
Gestaltung der Erlösrechnung, in: Entwicklungslinien der Kosten- und
Erlösrechnung. Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für
Betriebswirtschaft e.V., hrsg. v. Chmielewicz, Klaus, Stuttgart 1983b, S.
119 – 150
Niessen, Werner :
Erlösrechnungssysteme und deren Eignung als Planungs- und Kontrollinstrumente,
Essen 1982
Plinke, Wulff :
Erlösplanung im industriellen Anlagengeschäft, Wiesbaden 1985
Riebel, Paul :
Ertragsbildung und Ertragsverbundenheit im Spiegel der Zurechenbarkeit der
Erlöse, in: Beiträge zur betriebswirtschaftlichen Ertragslehre, hrsg. v.
Riebel, Paul, Opladen 1971, S. 147 – 200
Schmalenbach, Eugen : Kostenrechnung
und Preispolitik, Köln et al., 7. A., 1956
Schmalenbach-Gesellschaft
e.V., : Erlösplanung und Erlöskontrolle als Instrument der Absatzpolitik.
Zfbf-Sonderheft 6/1977, Opladen 1977
Weber, Jürgen :
Einführung in das Rechnungswesen I: Bilanzierung, Stuttgart, 5. A., 1996
Weber,
Jürgen/Weißenberger, Barbara E. : Relative Einzelkosten- und
Deckungsbeitragsrechnung. A Critical Evaluation of Riebel\'s Approach, in:
Management Accounting Research, Jg. 8, H. 3/1997, S. 277 – 298
Wieder, Bernhard : Die
Erlösrechnung. Ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Deckungsbeitragsrechung,
in: Jahrbuch für Controlling und Rechnungswesen \'95, hrsg. v. Seicht, Gerhard,
Wien 1996, S. 223 – 258
Wiese, Harald :
Netzeffekte und Kompatibilität. Ein theoretischer und simulationsgeleiteter
Beitrag zur Absatzpolitik für Netzeffekt-Güter, Stuttgart 1990
Witt, Frank-Jürgen :
Deckungsbeitragsmanagement, München 1991
Witt, Frank-Jürgen :
Praxisakzeptanz des Erlöscontrolling: Symptom- versus Ursachenanalyse, in: ZfB,
Jg. 60, 1990, S. 443 – 450
|