Inhaltsübersicht
I. Begriffsauslegung
II. Wesentliche
Unterscheidungsparameter von Wertschöpfungskonzepten
III. Anwendungsbereiche
des Wertschöpfungskonzeptes
IV. Wertschöpfungsermittlung
im Rahmen der Unternehmensberichterstattung
I. Begriffsauslegung
Das Phänomen der Wertschöpfung ist inhärenter Bestandteil
jeglicher ökonomischer Aktivität, da nur ein in Aussicht gestellter, subjektiv
empfundener Mehrwert Wirtschaftssubjekte zu wirtschaftlichen Transaktionen
veranlasst. Der Begriff „ Wertschöpfung “ findet einerseits als Beschreibung des
Prozesses Verwendung, der zu einem solchen Mehrwert führt. Viel häufiger und in
seiner traditionellen Bedeutung steht er jedoch für das Ergebnis dieses
Prozesses. Wie in den entsprechenden englischen und französischen Termini value added und valeur ajoutée deutlicher zum Ausdruck gebracht, wird demnach
„ Wertschöpfung “ als Maßgröße des von einem Unternehmen bzw. einer anderen
Wirtschaftseinheit durch dessen originäre wirtschaftliche Aktivität
geschaffenen Mehrwerts verstanden. Dieser lässt sich allgemein als die von
einer Wirtschaftseinheit geschaffenen Werte abzüglich der von ihr verzehrten
Werte interpretieren. Da die Schaffung eines ökonomischen Wertes grundsätzlich
auf einer wie auch immer gearteten (Produktions-, Verarbeitungs-, Veredelungs-
bzw. Dienst-) Leistung beruht, lässt sich die Wertschöpfung einer
Wirtschaftseinheit allgemein als die Differenz zwischen der von ihr an andere
Wirtschaftseinheiten erbrachten Gesamtleistung
und den ihrerseits von anderen Wirtschaftseinheiten übernommenen Vorleistungen (Güter oder
Dienstleistungen) definieren, was formal wie folgt zum Ausdruck gebracht werden
kann:
Die Wertschöpfung repräsentiert somit die „ Eigenleistung “
einer Wirtschaftseinheit. Dieser durch die unternehmerische Tätigkeit
geschaffene Mehrwert (erzeugtes Gütereinkommen) stellt gleichzeitig das
Einkommen dar, das zur Verteilung an die zentralen Partizipantengruppen, die an
der Leistungserstellung durch die Bereitstellung der Produktionsfaktoren
„ Arbeit “ , „ Kapital “ und „ gesamtgesellschaftliche Infrastruktur “ beteiligt
waren, zur Verfügung steht (erzeugtes Geldeinkommen). Aufgrund dieses als
Dichotomie bezeichneten Zusammenhangs (erzeugtes Gütereinkommen = erzeugtes
Geldeinkommen), lässt sich die Wertschöpfung auch durch die Addition der an die
wesentlichen Partizipantengruppen fließenden Einkommensteile definieren:
Bei der Wertschöpfung handelt es sich somit um eine deutlich
breitere periodische Erfolgsgröße als beim lediglich auf die
Unternehmenseigentümer (Eigenkapitalgeber) bezogenen Gewinn. Sie basiert auf
einem Unternehmensverständnis, das die Unternehmung primär als eine aus
unterschiedlichen Interessengruppen bestehende soziale Gemeinschaft (Koalition)
begreift, mit deren Hilfe verschiedene Personen bzw. -gruppen (sog.
Partizipanten) versuchen, ihre subjektiven, i.d.R. einkommensbezogenen
Interessen und Zielsetzungen zu verwirklichen.
Durch ihre Definition als „ Eigenleistung “ des Unternehmens
wird die Wertschöpfung makroökonomisch als Beitrag des Unternehmens zur
volkswirtschaftlichen Produktion, und damit gleichzeitig – aufgrund der
Verbindung zur Kreislauftheorie – zum Volkseinkommen, d.h. Sozialprodukt,
betrachtet. Die Wertschöpfung macht als Erfolgsmaß somit sowohl auf mikro- als
auch makroökonomischer Ebene deutlich, dass die Unternehmenstätigkeit nicht nur
Leistungseffekte, sondern im gleichen Maße auch soziale Implikationen besitzt,
die untrennbar miteinander verwoben sind.
Im Rahmen des Konzeptes des Shareholder
Value wird der Begriff „ value added “ (Wertschöpfung) – dem auf
sämtliche Stakeholder bezogenen, traditionellen Begriffsverständnis
widersprechend – nur noch auf den vom Unternehmen erzielten „ Mehrwert “ für die
Eigenkapitalgeber, unter Berücksichtigung von Opportunitätskosten des eingesetzten Kapitals, verwandt. Der Inhalt
der Wertschöpfung liegt dabei in der Mehrung des Marktwertes des Eigenkapitals
( „ market value added “ ) eines Unternehmens.
II. Wesentliche
Unterscheidungsparameter von Wertschöpfungskonzepten
Wie jede Nettoerfolgsgröße, die durch eine Gegenüberstellung
von Leistungsinput und erzeugtem Leistungsoutput ermittelt wird, hängt die Höhe
der Wertschöpfung von der mengen- und wertmäßigen Zusammensetzung der Input-
bzw. Outputkomponenten ab. Unterschiede sind hierbei bedingt durch Faktoren wie
die Wahl der Wertgrößen, die nationalen Spezifika der Konzeptionen (im
Wesentlichen britische versus kontinental-europäische Konzeption), den
Einsatzbereich der Wertschöpfungsermittlung (volkswirtschaftliche versus
betriebswirtschaftliche Konzeption) sowie das zugrunde liegende
Unternehmenskonzept (Stakeholder- versus Shareholder-Orientierung) (Haller, A.
1997, S. 47 ff.).
Im Rahmen der Unternehmensrechnung erfolgt die
Wertschöpfungsermittlung i.d.R. auf Basis von Erträgen bzw. Aufwendungen und
damit unter Verwendung historischer Werte. Je nach Ermittlungszweck ist auch
eine Berechnung auf Grundlage von Einzahlungen/Auszahlungen bzw.
Einnahmen/Ausgaben (liquiditätsorientierte Wertschöpfung) oder auf Basis von
Kosten und Leistungen (betriebliche Wertschöpfung) möglich.
Im Gegensatz zur volkswirtschaftlichen
Wertschöpfungsdefinition, wo weitgehend internationale Vergleichbarkeit besteht
(Betrachtung der Gesamtleistung, Behandlung der Abschreibungen als
Vorleistungen und Bewertung zu Zeitwerten), existieren im Rahmen der
Betriebswirtschaft Unterschiede zwischen dem anglo-amerikanischen (u.a. Output
ist lediglich marktlich erbrachte Leistung und Abschreibungen sind keine
Vorleistungen) und dem kontinental-europäischen Verständnis (u.a. Output ist
Gesamtleistung und Abschreibungen zählen zu den Vorleistungen).
Im Gegensatz zur auf dem Stakeholder-Konzept basierten,
traditionellen Wertschöpfung, wird diese im Rahmen des
Shareholder-Value-Konzeptes lediglich auf die Einkommensposition der Eigenkapitalgeber
bezogen. Somit stellen alle tatsächlichen und faktischen (Opportunitätskosten
des Kapitals) Faktorverbräuche Inputgrößen ( „ Vorleistungen “ ) dar. Zusätzlich
findet dabei auch häufig eine auf Liquiditätsgrößen basierte Betrachtung statt.
III. Anwendungsbereiche des
Wertschöpfungskonzeptes
Im Rahmen der Unternehmensrechnung und der externen
Unternehmensanalyse findet die traditionell definierte Wertschöpfung als
Maßgröße für die nachfolgenden Zwecke Verwendung (Haller, A.
1997, S. 271 ff.).
1. Wirtschaftlichkeitsmessung
National wie international (insbesondere Frankreich und
Japan) findet die Wertschöpfung als Output-Größe bei der Messung der Wirtschaftlichkeit (wertmäßige
Produktivität) von unternehmerischen Prozessen Verwendung. Insbesondere fließt
sie in die Ermittlung der Arbeitsproduktivität und der Kapitalproduktivität
ein.
Auf Basis dieser Teilproduktivitäten lässt sich der sog.
„ Totale Wertschöpfungsquotient “ (TWQ) bestimmen (ähnlich in Frankreich „ taux
d\'éfficacité économique “ ; Brodier,
P.-L. 1988, S. 44), durch den zwischen den Teilproduktivitäten
bestehende Interdependenzen berücksichtigt werden sollen (Müller-Merbach,
H. 1993, S. 31 ff.):
Die Produktivität ist wesentliche Vorsteuerungsgröße für die
Profitabilität von Unternehmen (Dellmann,
K./Pedell, K.L. 1994, S. 21; Haller, A.
1997, S. 316). Insbesondere in Japan und anderen asiatischen Ländern
kommt auf Wertschöpfungsgrößen basierten Produktivitätskennzahlensystemen für
die Unternehmensplanung und -steuerung eine wichtige Bedeutung zu (Wainai, K.
1987, S. 70).
2. Bestimmung
der vertikalen Integration
International besteht weitgehend einhellige Meinung darin,
dass die vertikale Integration (auch „ Betriebstiefe “ oder „ Fertigungstiefe “
genannt) den Anteil der „ Eigenleistung “ eines Unternehmens an seiner
Gesamtleistung zum Ausdruck bringt, und durch das Verhältnis der
Bruttowertschöpfung zur Gesamtleistung gemessen wird (deshalb auch
„ Wertschöpfungstiefe “ bzw. „ Wertschöpfungsquote “ ):
Je höher die Kennzahl, um so größer ist der Anteil der
„ Eigenleistung “ des Unternehmens an seiner Gesamtleistung. Ein Abnehmen der
Kennzahl über die Zeit ist Kennzeichen für einen Outsourcing-Prozess. Auch wenn eine hohe bzw. niedrige
Wertschöpfungstiefe sich nicht grundsätzlich als positiv bzw. negativ (oder
umgekehrt) für die Unternehmenssituation erweist, so determiniert ihre
Ausprägung in Abhängigkeit von der Branche und spezifischen
Unternehmenssituationen die Produktivität und den Erfolg eines Unternehmens.
3. Maßstab
für Unternehmensgröße und Unternehmenswachstum
Die Wertschöpfung (als Bruttowertschöpfung, d.h. ohne Abzug
der Abschreibungen) gilt als adäquaterer Maßstab zur Bestimmung der Größe eines
Unternehmens als der Umsatz. Denn:
-
die Wertschöpfung berücksichtigt sowohl die
„ Betriebstiefe “ (Grad der Eigenleistung) sowie die Betriebsbreite (Volumen
der Gesamtleistung);
-
bei der Wertschöpfung führen hohe Vorleistungen, die
über den Umsatz an den Markt weitergegeben werden, nicht zu einer Ausweitung
der Unternehmensgröße. Folglich werden z.B. materialintensive Betriebe in der
Größenbeurteilung nicht „ begünstigt “ ;
-
die Wertschöpfung wird durch Preissteigerungen der
Vorleistungen, die an die Kunden im Verkaufspreis weitergegeben werden, nicht
aufgebläht.
Die temporäre Veränderung der Unternehmensgröße gilt als
Maßstab für das Unternehmenswachstum (Küting, K.
1980).
4. Einkommensdarstellung
Differenziert man die erzielte Wertschöpfung nach ihrer
Verteilung (additive Ermittlung), so gibt dies Aufschluss über die während
einer Periode vom Unternehmen generierten Kontrakt- und Residualeinkommen für
die folgenden Stakeholdergruppen:
-
Mitarbeiter (Löhne und Gehälter, Sozialabgaben,
Altersversorgungsaufwendungen, sonstige Personalaufwendungen etc.),
-
Staat (Ertragsteuern, sonstige Steuern, Gebühren und
Abgaben, soweit nicht direkt mit Vorleistungen verbunden),
-
Fremdkapitalgeber (Zinsen und ähnliche Aufwendungen),
-
Eigenkapitalgeber (Gewinnausschüttungen).
Zur Darstellung der Struktur der Wertschöpfungsverteilung,
die den Sozialaspekt der
Wertschöpfungsgenerierung zum Ausdruck bringt, werden die einzelnen Anteile ins
Verhältnis zur Wertschöpfung gesetzt. Hierbei lässt sich die relative Bedeutung
der beiden Produktionsfaktoren „ Arbeit “ und „ Kapital “ für die Erbringung der
Wertschöpfung ermessen. Insbesondere die Betrachtung der Veränderung des
Anteils der Mitarbeitervergütung über die Zeit in Verbindung mit der Veränderung
der Arbeitsproduktivität lässt interessante Schlüsse zu. So sollte die Erstere
längerfristig nicht stärker steigen als die Letztere. Die naheliegende Frage
nach einer „ gerechten Einkommensverteilung “ kann dabei allerdings nicht
zufrieden stellend beantwortet werden.
5. Wertschöpfung
als Teil einer Grenzkosten- und Deckungsbeitragsrechnung
Das Wertschöpfungskonzept lässt sich gut in eine Grenzkosten- und eine stufenweise Deckungsbeitragsrechnung integrieren (Brodier,
P.-L. 1988, S. 47 ff.). Fasst man die Definition der
Vorleistungen eng und beschränkt sie auf die einer Produktion direkt
zurechenbaren, zugekauften Material- und Fremdleistungen, so stellen diese variable Kosten (und damit Grenzkosten)
dar. Zieht man diese „ variablen Vorleistungen “ vom Output (in diesem
Zusammenhang zumeist als Umsatz definiert) ab, so ergibt die Differenz
„ Wertschöpfung “ einen Deckungsbeitrag. Mindert man diesen um die direkt
zurechenbaren, variablen Personalkosten, erhält man einen weiteren
Deckungsbeitrag, der in der englischen Literatur als „ contribution “ bezeichnet
wird und für operative Entscheidungen sowie für die Planung und Kontrolle der
Unternehmensabläufe, insbesondere „ make
or buy “ -Entscheidungen, relevante Daten gewährt. Berücksichtigt man
stufenweise weitere Ansprüche der Partizipantengruppen und den
Selbstfinanzierungsbedarf des Unternehmens (Abschreibungen), so ergibt sich
eine detaillierte stufenweise Deckungsbeitragsrechnung, anhand derer sich eine Break-even-Analyse
durchführen lässt (Haller, A.
1997, S. 364 ff.).
6. Leistungsmaß
und Zielgröße
Als absolutes Leistungsmaß fungiert die Wertschöpfung als
Voraussetzung für die Einkommenserzielung der Stakeholder. Sie ist somit auch
Voraussetzung für die Erzielung eines den Eigentümern zurechenbaren Gewinns.
Als Erfolgsmaß besitzt die Wertschöpfung gegenüber dem Gewinn
zwei wesentliche Vorteile. Zum einen findet sie sowohl mikro- als auch
makroökonomisch gleichsam Verwendung, da die einzelwirtschaftliche
Wertschöpfung den Beitrag des Unternehmens zum Volkseinkommen darstellt. Sie
hat somit eine Brückenfunktion zwischen der einzelwirtschaftlichen und
gesamtwirtschaftlichen Erfolgsermittlung. Sie wird deshalb (nicht zuletzt im
Rahmen der Produktivitätsermittlungen) in gesamt- und einzelwirtschaftlichen Statistiken
verwandt. Deshalb ist sie in Frankreich im système
développé des Gliederungsschemas der GuV-Rechnung auch als expliziter
Posten enthalten.
Ebenso zeichnet sich die Wertschöpfung durch ihre Breite als
Erfolgsgröße aus, die von spezifischen Unternehmensparametern wie
Finanzierungsstruktur, Form und Höhe der Besteuerung sowie
Unternehmensrechtsform unbeeinflusst ist, was sie vor allem für den
länderübergreifenden Leistungsvergleich von Unternehmen prädestiniert (Haller, A.A.
1997, S. 394 ff.).
7. Anwendungsbereiche
außerhalb der Unternehmensrechnung
Über ihre Funktion bei der Bemessung der Mehrwertsteuer
hinaus wird die Wertschöpfung als adäquate Grundlage zur Quantifizierung
fiskalischer und parafiskalischer Maßnahmen diskutiert. So z.B. als
Bemessungsgrundlage für Ertragsteuern (als Ersatz für die Gewerbesteuer) (Mellwig, W.
1989, S. 297 ff.), zur Bemessung des Arbeitgeberanteils an den
Sozialversicherungsbeiträgen der Mitarbeiter (Rüdiger, D.
1992, S. 15 ff.) oder als Zielgröße für strukturfördernde, regionale
wirtschaftspolitische Maßnahmen (Felsch, U.
1985, S. 57 ff.; Franke, S.F.
1994, S. 24 ff.).
IV. Wertschöpfungsermittlung
im Rahmen der Unternehmensberichterstattung
1. Wertschöpfungsrechnung
als Berichtsinstrument
Aus der Bedeutung der Wertschöpfung als zentrale
wirtschaftliche Messgröße zur Charakterisierung der Leistungsfähigkeit von
Unternehmen (deren Nützlichkeit für unternehmensbezogene Entscheidungen auch
empirisch bestätigt wurde; vgl. Haller, A.
1997, S. 333 ff.) resultiert der national und international seit langem
unterbreitete Vorschlag, im Rahmen der Unternehmensberichterstattung die
Entstehungs- und Verteilungskomponenten der Wertschöpfung durch eine sog.
Wertschöpfungsrechnung darzustellen. Dabei bietet sich für die beiden
Teilrechnungen, nicht zuletzt auch im Hinblick auf deren internationale
Vergleichbarkeit, folgende Struktur an (detaillierter Haller, A.
1997, S. 491 ff.):
a) Entstehungsrechnung:
Die Netto-Betriebswertschöpfung umfasst die gesamte
(gewöhnliche) Leistungserstellung im Rahmen der eigentlichen betrieblichen
Tätigkeit, während die Unternehmenswertschöpfung das verteilbare, im
Unternehmen generierte Einkommen darstellt. Da es bei der
Wertschöpfungsrechnung primär um die Darstellung der nachhaltigen
Unternehmensleistung geht, sollten aperiodische Erträge bzw. Aufwendungen (z.B.
Gewinne und/oder Verluste aus dem Abgang von Vermögensgegenständen) bzw. solche
Sachverhalte, die mit der Leistungserbringung des Unternehmens nichts zu tun
haben (z.B. außerplanmäßige Ab- oder Zuschreibungen des Anlage- bzw.
Umlaufvermögens), nicht in die Entstehungsrechnung aufgenommen und
außergewöhnliche Komponenten explizit ausgewiesen werden.
b) Verteilungsrechnung:
Zur Erfüllung des Grundsatzes der Vollständigkeit muss die
Wertschöpfungsrechnung auf den gleichen Sachverhalten aufbauen, die auch den
anderen Instrumenten des Jahresabschlusses zugrunde liegen. Aufgrund der
Nichtberücksichtigung von aperiodischen Erträgen und Aufwendungen sowie nicht
leistungsbedingten Ab- bzw. Zuschreibungen in der Entstehungsrechnung, die
jedoch auch zu verteilbarem Einkommen geführt haben (sie sind Bestandteil des
Jahresüberschusses) ergibt sich die Notwendigkeit, am Ende der
Verteilungsrechnung durch einige Zu- und Abschläge zur „ verteilbaren
Wertschöpfung “ auf die in der Entstehungsrechnung ausgewiesene
„ Unternehmenswertschöpfung “ überzuleiten.
2. Ableitung
der Wertschöpfung aus Abschlussdaten
Die Wertschöpfungsberechnung lässt sich auch auf Basis von
Daten des Abschlusses im Rahmen der externen Unternehmensanalyse approximieren.
Wesentliche Voraussetzung hierfür ist, dass in der GuV-Rechnung und/oder dem
Anhang detaillierte primäre Aufwands- und Ertragsdaten enthalten sind. Somit
ist eine GuV nach dem Gesamtkostenverfahren für eine solche indirekte
Ermittlung deutlich besser geeignet als eine GuV nach dem
Umsatzkostenverfahren.
Auf Basis der Gliederungsschemata des § 275 Abs. 2 und 3
HGB sind zur approximativen Berechnung der Entstehung und Verteilung der
Wertschöpfung (als Nettobetriebswertschöpfung) die in Abb. 1 und 2 aufgeführten
Posten zu berücksichtigen (in Anlehnung an Coenenberg,
A.G. 2005, S. 1110 f.).
Abb. 1: Entstehungsrechnung – Schema zur Ermittlung der
Wertschöpfung aus HGB-Abschlussdaten
Abb. 2: Verteilungsrechnung – Schema zur Ermittlung der
Wertschöpfung aus HGB-Abschlussdaten
Literatur:
Arbeitskreis „ Das
Unternehmen in der Gesellschaft “ , : im Betriebswirtschaftlichen Ausschuss des
Verbandes der Chemischen Industrie e.V., in: DB, Jg. 28, 1975, S. 161 – 173
Brodier, Paul-Louis : La
V.A.D. – La Valeur Ajoutée Directe – Une autre approche de la gestion, Paris
1988
Coenenberg, Adolf G. :
Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, 20. A, Stuttgart 2005
Dellmann, Klaus/Pedell,
Karl L. : Controlling von Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Ergebnis,
Stuttgart 1994
Felsch, Ulrich : Die
Ableitung der Wertschöpfung aus vorhandenen steuerlich relevanten Daten – am
Beispiel der Berlin-Förderung, in: Wertschöpfung und Besteuerung – Ermittlung
und Abgrenzung, hrsg. v. Klaus-Dieter-Arndt-Stiftung, , Bonn 1985, S. 57 – 63
Franke, Siegfried F. :
Wertschöpfungspräferenz: Ein Mittel einer effizienten Industriepolitik?, in:
Wirtschaftsdienst, Jg. 74, 1994, S. 24 – 29
Gray, Sid J./Maunders,
Keeth T. : Value Added Reporting, in: Uses and Measurementants, hrsg. v. The
Association of Certified Accountants, , London 1980
Haller, Axel : Die
Wertschöpfungsrechnung – Ein Instrument zur Steigerung der Aussagefähigkeit von
Unternehmensabschlüssen, Stuttgart 1997
Haller, Axel :
Wertschöpfungsrechnung, in: DBW, Jg. 58, 1998, S. 261 – 265
Kroeber-Riel, Werner :
Die betriebliche Wertschöpfung unter besonderer Berücksichtigung des Handels,
Berlin 1963
Kroenlein, Günter : Die
Wertschöpfung der Aktiengesellschaft und des Konzerns, Berlin 1975
Küting, Karlheinz :
Unternehmerische Wachstumspolitik, Berlin 1980
Lehmann, Max R. :
Leistungsmessung durch Wertschöpfungsrechnung, Essen 1954
Maunders, Keeth T. : The
Decision Relevance of Value Added Reports, in: Frontiers of International
Accounting: An Anthology, hrsg. v. Choi, Frederic/Mueller, Gerry G., Ann Arbor
1985, S. 225 – 245
Mellwig, Winfried :
Ersatz der Gewerbesteuer durch die Wertschöpfungsteuer? – Zur Integration
einzelwirtschaftlicher Wirkungsanalyse in die Steuerreformdiskussion, in: Der
Integrationsgedanke in der Betriebswirtschaftslehre: Helmut Koch zum 70.
Geburtstag, hrsg. v. Delfmann, Walter, Wiesbaden 1989, S. 279 – 294
Meyer-Merz, Arved :
Wertschöpfungsrechnung in Theorie und Praxis, Zürich 1985
Morley, Morris H. :
Value Added Reporting, in: Developments in Financial Reporting, hrsg. v. Lee,
Thomas A., London 1981, S. 252 – 269
Müller-Merbach, Heiner :
Der „ Totale Wertschöpfungsquotient “ – Ein Maß für die wirtschaftliche
Leistungskraft, in: Technologie & Management, Jg. 42, 1993, S. 31 – 34
Pohmer, Dieter :
Betriebswirtschaftliche Bedeutung und Ermittlung der betrieblichen
Wertschöpfung, in: ZfB, Jg. 28, 1958, S. 148 – 156
Riahi-Belkaoui, Abdel :
Value Added Reporting – Lessons for the United States, New York et al. 1992
Rüdiger, Detlef : Von
bruttolohnbezogenen Arbeitgeber-Beiträgen zu wertschöpfungsbezogenen
Arbeitgeber-Abgaben, Frankfurt a.M. et al. 1992
Wainai, Kiyoshi :
Principles and Applications of Value Added Productivity Analysis, Singapur 1987
Weber, Helmut K. :
Wertschöpfungsrechnung, Stuttgart 1980
Weber, Helmut K. : Die
Wertschöpfungsrechnung auf Grundlage des Jahresabschlusses, in: HdJ, hrsg. v.
v. Wysocki, Klaus/Schulze-Osterloh, Joachim/Hennrichs, Joachim/Kuhner,
Christoph, Köln, 3. A., 1999, Abt. IV/7
|