Inhaltsübersicht
I. Überblick
II. Zinsswap
III. Währungsswap
IV. Asset
Swap
V. Swapstrukturen
VI. Ausblick
I. Überblick
In den letzten 15 Jahren hat die Entwicklung der Swapmärkte,
insbesondere im Zinsbereich, das weltweite Finanzsystem nachhaltig verändert.
Die zunehmende Bedeutung von Swaps ist dabei vor allem auf die Möglichkeit
zurückzuführen, Risiken bei geringen Transaktionskosten zu transferieren.
Unter einem Swap versteht man allgemein die Vereinbarung
zwischen zwei Parteien, in der Zukunft unterschiedliche Cashflows
über einen festgelegten Zeitraum zu vorab definierten Zeitpunkten zu tauschen.
Dabei ist es prinzipiell unerheblich, ob es sich um den Austausch von
Zinszahlungen, Aktien-Returns oder Zahlungen, die an andere Indizes, wie
Inflation, Rohstoffpreise etc. gekoppelt sind, handelt. Hinsichtlich
Marktvolumen spielt der Markt für Zinsswaps nach wie vor die dominante Rolle.
Seit dem Abschluss der ersten Swapgeschäfte im Währungsbereich Mitte der 1960er-Jahre und dem
Abschluss der ersten Zinsswaps in den 1980er-Jahren hat der Zins- und
Währungsswapmarkt ein rasantes Wachstum erlebt. Belief sich beispielsweise das
ausstehende Volumen 1980 noch auf ungefähr 2 Mrd. USD, liegt das ausstehende
Volumen gegenwärtig bei ca. 213 Bio. USD (Stand 31. Dezember 2005, ISDA, ).
So sind Swaps mittlerweile Commodities, die in Abhängigkeit von der Währung von den führenden
Banken für Laufzeiten bis zu 50 Jahren quotiert werden. Neben dem Einsatz im
Anschluss an die Emissionstätigkeit oder in Verbindung mit so genannten Asset-Swaps sind Swaps ein wichtiges Instrument für das Asset/Liability-
und Risikomanagement.
Die mit den deutlich gestiegenen Handelsvolumina
einhergehende Verringerung der Margen hat in der Entwicklung der
internationalen Swapmärkte zu einer abnehmenden Bedeutung von Portfolio-Hedges geführt. Demzufolge
werden Transaktionen (so z.B. Bondemissionen) zunehmend als Kombination aus
einem zugrunde liegenden Geschäft inklusive Swaptransaktion offeriert.
Abb. 1: Ausstehendes Volumen von Zins- und Währungsswaps
Abb. 2: Ausstehendes Volumen von Währungs- und Zinsswaps in
verschiedenen Währungen (Quelle: BIS, )
II. Zinsswap
Ein Zinsswap ist die vertragliche Vereinbarung über den
Austausch von unterschiedlich gestalteten Zahlungsströmen über einen bestimmten
Zeitraum auf ein festgelegtes Nominal. Dabei werden häufig feste gegen variable
Zinssätze getauscht (i.e. „ plain vanilla “ Swap) (Büschgen,
H.E. 1991). Der Festsatzzahler (Partei A) zahlt zu definierten
Zeitpunkten (häufig jährlich oder halbjährlich) einen Festsatz (Swapsatz) auf
ein Nominal an Partei B (Zahler des variablen Satzes). Zum gleichen Zeitpunkt
wird vereinbart, dass Partei B an Partei A einen Cashflows nach Maßgabe eines
variablen Referenzsatzes auf das gleiche Nominal bezahlt. Beide Zahlungen
finden in der gleichen Währung statt. Häufig wird als variabler Referenzsatz 6
Monats LIBOR (London Interbank Offered Rate) oder bei EUR-Swaps der 6 Monats
EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) verwendet. Natürlich können je nach
Bedürfnis der Vertragsparteien auch ein 3 Monats- oder 12 Monats-Satz verwendet
werden.
Da sich die Berechnung der Zinszahlungen nur auf nominelle
Kapitalbeträge in der gleichen Währung bezieht, werden in einem Zinsswap keine
Kapitalbeträge, sondern lediglich die Zinsbeträge ausgetauscht (Perridon,
/Steiner, 1999).
Abb. 3: Zinsswap
Abb. 4: Bestandteile eines EUR-Zinsswapvertrages
Der Vorteil von Zinsswaps ist, dass der Zinscharakter von
Bilanzpositionen an die aktuell angestrebte Zinsausrichtung angepasst werden
kann, ohne die zugrundeliegende Bilanzposition selbst ändern zu müssen.
Insbesondere wenn eine Umstrukturierung von Bilanzpositionen auf
konventionellem Weg mit einer Bilanzverlängerung, einer Veränderung von
Bilanzkennziffern oder mit zusätzlichen Kosten verbunden wäre, werden die
Vorteile von Swaps als bilanzneutrales Zinsmanagement-Instrument deutlich (Viermetz,
K.F./Schwicht, P.T. 1993). Folgendes Beispiel soll dies
illustrieren.
Ein Unternehmen konnte sich eine attraktive langfristige
Festsatzfinanzierung sichern. Da es jedoch keine Zinssteigerung erwartet bzw.
keine weiteren festverzinslichen Mittel benötigt, soll die Finanzierung auf
variabel umgestellt werden. Zu diesem Zweck schließt das Unternehmen einen
Zinsswap ab, bei dem es den Festsatz erhält und 6M EURIBOR bezahlt. Nach
Abschluss des Zinsswaps hat das Unternehmen auf saldierter Basis die gewünschte
variable Verbindlichkeit.
Abb. 5: Zinsswap mit Kreditgeber
Da nur selten zwei Gesellschaften mit gegensätzlichem
Interesse (Festsatz Zahler – Festsatz Empfänger) direkt aufeinandertreffen,
schließen beide Parteien das Geschäft, wie auch im Beispiel dargestellt, mit
einem Finanzintermediär bzw. einer Bank ab. In der Realität wird dieser
Intermediär nur in den seltensten Fällen zum gleichen Zeitpunkt zwei
entgegenlaufende Swapvereinbarungen abschließen, die (abgesehen vom
Kreditrisiko) eine risikolose Arbitrage ermöglichen. Vielmehr bieten die am
Swapmarkt operierenden Banken Kunden die Möglichkeit, jederzeit Swaps
abzuschließen. Die Bank wird ihrerseits die Position im Regelfall nicht offen
lassen, sondern zumindest teilweise über Financial
Futures oder Swaps mit anderen Laufzeiten absichern.
Bewertung eines Zinsswaps:
„ Golden Rule “ der „ Swapmathematik “ ist, dass bei Abschluss
des Geschäfts die Barwerte der Zahlungsströme – also der variablen und der
festen Seite – gleich sein müssen. Dementsprechend kann der Festsatz (Swapsatz)
nach Maßgabe der Terminsätze der variablen Seite wie folgt berechnet werden:
Wobei EURIBORt der
Terminsatz des variablen Satzes (hier 6M-EURIBOR) zum Zeitpunkt t, DFt der Diskontierungsfaktor zum Zeitpunkt t und
t/360 ein Faktor zur Anpassung der unterschiedlichen Zinskonventionen
(Geldmarkt- vs. Swapmarkt) ist.
III. Währungsswap
Der Währungsswap ( „ Cross Currency Swap “ ) ist ein Instrument
des Zins- und Währungsmanagements. Analog zum Zinsswap steht auch hier der
Austausch von verschiedenen Zinszahlungen im Mittelpunkt. Die gegenläufigen
Zinszahlungsströme unterscheiden sich zunächst durch die Denominierung in
verschiedenen Währungen. Weiterhin kommt es üblicherweise zu Beginn und am Ende
der Vereinbarung zum Austausch der Kapitalbeträge, die aus unterschiedlichen
Währungen bestehen (Rudolph, B.
1995). Neben Fixed/Fixed-Währungsswaps, werden Floating/Floating-Währungsswaps
(Basisswap) sowie Fix/Floating-Währungsswap gehandelt.
Ein Währungsswap lässt sich in drei Schritte gliedern:
-
Kapitalaustausch in den zugrundeliegenden Währungen
(initial exchange). Hier ist insbesondere die Festlegung des Wechselkurses
wichtig, um damit die Zinszahlungen und das Rücktauschverhältnis der
Kapitalbeträge zu definieren. Dabei liegt dieses Umtauschverhältnis i.d.R. in
der Nähe des aktuellen Wechselkurses.
-
Während der Laufzeit werden Zinsen auf die im Swap
erhaltenen Kapitalbeträge getauscht.
-
Zum Ende der Laufzeit werden die Kapitalbeträge auf
Basis des ursprünglichen Wechselkurses zurückgetauscht (final exchange).
Folgendes Beispiel soll dies und eine mögliche Anwendung
illustrieren:
Mit Blick auf die gestiegene Popularität von
Unternehmensanleihen in „ Euroland “ nach der Einführung des Euro entschließt
sich ein amerikanisches Unternehmen, die hohe Investorennachfrage in Europa
auszunutzen und eine in EURO denominierte Anleihe zu begeben. Da das
Unternehmen aber keine EURO-Liquidität benötigt und auch kein Währungsrisiko
eingehen will, schließt es gleichzeitig mit der Emission der Anleihe einen
Währungsswap ab und hat nach Abschluss des USD/EUR-Währungsswaps einen
synthetischen USD-Kredit, der im Vergleich zu einer direkten USD-Emission eine
vorteilhafte Refinanzierung bietet.
Ausgangspunkt ist die Emission einer in EUR denominierten
Anleihe und der gleichzeitige Abschluss eines Währungsswaps. Dabei wird im
ersten Schritt der Erlös aus dem Verkauf der Anleihe (Nominal in EUR) an den
Swappartner weitergegeben. Dafür erhält das Unternehmen einen entsprechenden
USD-Betrag.
Abb. 6: Währungsswap: Kapitalströme
Während der Laufzeit der Anleihe zahlt das Unternehmen den
USD-Festsatz an den Swappartner und erhält im Gegenzug einen EUR-Satz, den das
Unternehmen an den Investor weiterreicht.
Abb. 7: Währungsswap: Zinsströme
Am Laufzeitende zahlt das Unternehmen den ursprünglich
ausgetauschten USD-Betrag an den Swappartner und erhält dafür den EUR-Betrag,
den es zur Rückzahlung der Anleihe benötigt.
Abb. 8: Währungsswap: Rückzahlung
Abb. 9: Bestandteile eines Währungsswapvertrages
Devisenswap: Anders als bei einem Währungsswap findet bei
einem Devisenswap (FX-Swap) zwar am
Anfang und am Ende der Laufzeit ein Kapitalaustausch statt, es entfallen jedoch
die Zinszahlungen während der Laufzeit. Dementsprechend errechnet sich der
Swapsatz nach Maßgabe der Zinsdifferenz. So ergibt sich beispielsweise bei
einem EUR-Zins für zwei Jahre von 3,70%, einem USD-Zins von 6,20% und einem
USD/EUR-Wechselkurs von 1,05 ein Devisenswap von 0,05124 (i.e. 512 Stellen).
IV. Asset Swaps
Neben dem klassischen Einsatz im Rahmen der Bilanzsteuerung,
des Risikomanagements und der Emissionstätigkeit gewinnt der Einsatz von Swaps
im Zusammenhang mit sogenannten „ Asset Swaps “ an Bedeutung. Unter einem Asset
Swap versteht man die Kombination eines Swaps und einer Anleihe. Dabei werden
alle (Kupon-)Zahlungen sowie alle anderen in der Anleihe enthaltenen Rechte und
Pflichten in einem zeitgleich abgeschlossenen Swap gespiegelt, sodass der
Käufer des Asset Swap eine synthetische Floating Rate Note besitzt. Dabei kann
häufig aus einer festverzinslichen oder strukturierten Anleihe ein
synthetischer Floater erzeugt werden, der mit Blick auf die Kreditqualität des
Schuldners (Emittent) eine interessante Verzinsung (gemessen am „ LIBOR-Spread “ )
aufweist.
V. Swapstrukturen
Ein Swap ist in seiner einfachsten Ausgestaltung eine
Vereinbarung über den Austausch von Cashflows nach Maßgabe einer festgelegten
Formel, die von einer oder mehreren Variablen abhängt. Dementsprechend ist
prinzipiell „ alles möglich “ , um die aus Investitionsprojekten, Finanzanlagen
oder Emissionstätigkeit resultierenden Zahlungsströme genau abbilden zu können.
Ausgehend vom variablen Satz, der anders als bei einem plain vanilla Swap auch
an andere Indizes, wie z.B. T-Bills, Prime Rates, EONIA (Euro Overnight Index
Average) etc. gekoppelt werden kann, über das Nominal, das auf- oder absteigen
kann, bis zum Startzeitpunkt, der nicht zwingend bei Vertragsabschluss
beginnen, sondern auch in der Zukunft stattfinden kann (Forward Swap), können
Swaps dementsprechend an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden
( „ tailor made solutions “ ).
Bei einem Libor-in-Arrears-Swap
wird im Gegensatz zum „ plain vanilla “ Swap der variable Satz (z.B. EURIBOR)
nicht am Anfang sondern am Ende der Zinsperiode fixiert. So gilt bei einem
LIA-Swap der variable Satz, der üblicherweise für die nächste Periode angesetzt
werden würde, für die vorhergehende Periode.
Bei einem kündbaren
Swap hat eine der beiden Parteien ein Kündigungsrecht, den Swap zu einem
vorab definierten Zeitpunkt zu beenden. Kündbare Swaps können durch einen Swap
sowie eine Swaption (Option auf einen Swap) dupliziert werden.
Der EONIA-Swap
(Euro Overnight Index Average) ermöglicht die Absicherung kurzfristiger
Ausleihungen gegen einen Zinsanstieg. Der variable Satz entspricht dem täglich
aufgezinsten Durchschnitt aller während der Laufzeit festgestellten
Tagesgeldsätze. Die Laufzeit eines EONIA-Swaps beträgt i.d.R. zwischen einem
und 24 Monaten.
Ein Constant Maturity-Swap
besteht aus zwei variablen Zinssätzen: LIBOR und einem i.d.R. langfristigen
Zinssatz, wie z.B. dem 10 Jahres-Swapsatz oder einem der täglich von der
Deutschen Börse AG veröffentlichten REX-Indizes, die die Verzinsung von
Öffentlichen Bundesanleihen wiederspiegeln. Constant Maturity Swaps bieten
Marktteilnehmern die Chance, an der Veränderung der Zinsstrukturkurve zu
partizipieren.
VI. Ausblick
Nach dem rasanten Anstieg der Handelsvolumina in der
Entstehungsphase der internationalen Swapmärkte lässt die mittlerweile
vorhandene Produktreife verlangsamte Wachstumsraten im Hinblick auf die
Handelsvolumina erwarten. Insbesondere in den letzten zwei Jahren war die
Zunahme der Handelsaktivitäten auch auf die im Zusammenhang mit großen
Finanzkrisen stehende erhöhte Volatilität der Kapitalmärkte zurückzuführen
(Asienkrise, Zahlungsschwierigkeiten der Russlandanleihen etc.). Dennoch
erscheint ein weiteres Wachstum der internationalen Swapmärkte vor dem
Hintergrund der Einführung des Euro einerseits sowie der Globalisierung der
Finanz-, Handels- und Dienstleistungsmärkte andererseits gewährleistet zu sein.
Durch eine weiterhin zunehmende Standardisierung der
Handelskontrakte (z.B. im Hinblick auf Dokumentation) und die Einführung von
Clearingstellen oder Futures auf Swaps ist von einer weiteren Verringerung der
Transaktionskosten auszugehen. Die auch von regulatorischer Seite zunehmende
Beachtung des Kontrahentenrisikos wird zukünftig zu einer stärkeren
Berücksichtigung der Kontrahentenbonität führen.
Nach wie vor werden die internationalen Swapmärkte ihre
führende Rolle als Absicherungsinstrument für Marktrisiken oder Benchmark für
die relative Werthaltigkeit von Finanzprodukten auf den Finanzmärkten ausbauen.
Literatur:
Büschgen, H.E. : Bankbetriebslehre: Bankgeschäfte
und Bankmanagement, 3. A., Wiesbaden, 1991
Bank for International
Settlements, : OTC derivatives market activity in the second half of 2005,
Basel 2006
ISDA, : Press Release-06.10.1999: „ ISDA
Reports Swaps Growth Slowed To 3,4% In First Half “
ISDA, : Summaries of Market Survey
Results (http://www.isda.org)
Perridon, L./Steiner, M. :
Finanzwirtschaft der Unternehmung, 10. A., München, 1999
Rudolph, B. : Derivative
Finanzinstrumente, 1995, S. 144 – 145
Viermetz, K.F./Schwicht, P.T. : Derivate Finanzprodukte
in: Geld-, Bank-, und Börsenwesen: ein Handbuch, hrsg. von Kloten, N./Stein,
J.H. von, urspr. hrsg. von Obst/Hintner, 39. A., Stuttgart, 1993, S. 699 – 702
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