Inhaltsübersicht
I. Konzeptionen
der Planungsebenen
II. Strategische,
taktische und operative Planung
III. Merkmalskriterien
und Bedeutung der Planungsebenen
IV. Koordination
der Planungsebenen
I. Konzeptionen der
Planungsebenen
In der Literatur finden sich mehrere Konzeptionen einer
Mehrebenenplanung:
-
Einteilung nach dem Kriterium der Fristigkeit: Je nach
der Fristigkeit wird die Planung in langfristige (in der Regel über 5 Jahre),
mittelfristige (3 – 5 Jahre) und kurzfristige Planung eingeteilt. Obwohl der
hierarchische Gedanke auch im Zusammenhang mit der Einteilung nach dem
Kriterium der Fristigkeit gilt, wird er bei ihr nicht systematisch
angesprochen.
-
Zielplanung und Ausführungsplanung: Die Zielplanung
hat die Aufgabe, aus mehreren in einem Auswahlprozess herausgearbeiteten, als
realisierbar erscheinenden Zielen bzw. Zielbündeln jenes oder jene Ziele
auszuwählen, welche das bestmögliche Ergebnis für das Unternehmen
versprechen. Die Ausführungsplanung (Maßnahmenplanung) untersucht alle zur
Erreichung des ausgewählten Zieles vorhandenen Handlungsmöglichkeiten,
gewichtet diese und wählt schließlich die als am geeignetsten für die
Realisierung erscheinende aus (vgl. Egger,
A./Winterheller, M. 2001, S. 20 f.).
-
Gesamtplanung und sparten- bzw. funktionsbezogene
Teilplanung.
-
Strategische Planung, taktische Planung und operative
Planung.
II. Strategische, taktische
und operative Planung
Die strategische, taktische und operative Planung stehen in
einer streng hierarchischen Ordnung, bei der die strategische Planung die
oberste, die taktische Planung die mittlere und die operative Planung die
unterste Planungsebene bildet. Die strategische Planung bezieht sich auf die
Systemgestaltung und -steuerung des Gesamtunternehmens. Die taktische Planung
konkretisiert die strategische Planung in Form der Ressourcenplanung, während
die operative Planung die laufenden konkreten Aktivitäten bestimmt (vgl. Zahn, E.
, 1989, Sp. 1086; Horváth, P.
, 1989, Sp. 641).
1. Die
strategische Planung
Strategische Planungsentscheidungen legen die Unternehmenspolitik
auf weite Sicht fest und binden das Unternehmen in der Regel langfristig. Durch
die Strategische
Planung sollen jene Erfolgspotenziale
geschaffen werden, die langfristig den Unternehmenserhalt und das
Unternehmenswachstum sichern. Diese Erfolgspotenziale sind der Aufbau von
Marktpositionen, die Schaffung eines qualifizierten Führungspersonals und Mitarbeiterstammes,
die Wahl der geeigneten Rechtsform und des Unternehmenssitzes, die örtliche
Festlegung der Betriebsstätten, die Produkt-, Absatz- und Investitionspolitik.
Strategische Planungsentscheidungen entziehen sich in weiten Bereichen einer
quantitativen Messung, weswegen man in ihr vielfach mit qualitativen Größen
arbeitet (vgl. Küpper, H.-U.
1995, S. 65).
Die strategische Planung stellt die oberste hierarchische
Ebene des betrieblichen Planungssystems dar. Wegen der Bedeutung der im Rahmen
der strategischen Planung getroffenen Entscheidungen für das Unternehmen gehört
sie zu den originären, nicht delegierbaren Führungsentscheidungen und ist somit
ausschließlich der obersten Führungsebene vorbehalten.
Sie ist damit auch die Basis für alle Entscheidungen auf der
taktischen und operativen Planungsebene.
Die strategische Planung ist im Gegensatz zur taktischen und
operativen Planung nicht an einen systematisch wiederkehrenden
organisatorischen Ablauf und keinen bestimmten Planungshorizont gebunden.
Strategische Planungsentscheidungen können jederzeit von der
Unternehmensführung getroffen werden.
2. Die
taktische Planung
Im Gegensatz zur strategischen Planung werden die taktische
und operative Planung in institutionalisierter Form jährlich zu bestimmten
Zeiten durchgeführt, wobei die taktische Planung beispielsweise im
August/September für die kommenden 3 – 5 Jahre und die operative Planung im
November/Dezember für das kommende Jahr durchgeführt wird.
Die taktische Planung hat die Aufgabe, die sich aus der
strategischen Planung ergebende Ausrichtung des Unternehmens in eine
mehrperiodige Programm-, Kapazitäts- und Finanzplanung
umzusetzen. Sie ist im Gegensatz zur strategischen Planung bereits weitgehend
quantitativ ausgerichtet, wobei allerdings zu beachten ist, dass mit wachsender
Entfernung vom Planungszeitpunkt der Detaillierungsgrad der Planzahlen abnimmt.
Wegen der zunehmenden Bereichsbezogenheit ist auf die horizontale und vertikale
Koordination zu achten.
3. Die
operative Planung
Die operative Planung ist auf eine lückenlose Planung der
Betriebsabläufe des Planjahres ausgerichtet. Ihr Ergebnis schlägt sich in der
Planerfolgsrechnung, der Planbilanz und dem Finanzplan nieder.
Zielgrößen der operativen Planung sind vor allem die
Erreichung der geplanten Jahresziele wie Beschaffung, Produktion und Absatz bei
Einhaltung der geplanten Kosten und Erlöse, die sich letzten Endes in der
Erreichung des geplanten Deckungsbeitrages und des geplanten Unternehmensgewinnes
niederschlagen. Eine Nebenbedingung der operativen Planung ist die jederzeit
einzuhaltende Bedingung der planmäßigen Deckung eines eventuellen
Finanzbedarfes. Daher ist die Liquiditätsplanung als Teil der Finanzplanung ein
wesentlicher Bestandteil der operativen Planung.
In gleicher Weise wie die taktische Planung ist die operative
Planung an die Vorgaben der strategischen Planung gebunden. Wie weit die
operative Planung flexibel agieren kann, hängt von der Art des Unternehmens ab.
In der Regel ist die Flexibilität im Industriebetrieb in der operativen Planung
stark eingeschränkt, da ein Großteil der Kapazität des Unternehmens bzw. der
einzelnen Bereiche bereits vorhanden und für einen längeren Zeitraum gebunden
ist. Dies gilt sowohl für die technische als auch für die personelle Kapazität
und für bereits abgeschlossene Verträge.
Die operative Planung wird vorzugsweise als integriertes
Unternehmensbudget gestaltet. Darunter versteht man eine aufgrund der
formulierten Zielsetzung des Unternehmens geplante, auf Vorgaben beruhende
Gewinn- und Verlustrechnung (Leistungsbudget), Finanzplanung sowie die daraus
abgeleitete Planbilanz für das Ende des Planungszeitraumes.
Die Kontrolle des Zielerreichungsgrades spielt bei der
operativen Planung insbesondere in Form des Budgets eine wesentliche Rolle. Die
Jahresplanung ist daher in Teilperioden (Quartal, Monat) zu zerlegen und am
Ende einer jeden Teilperiode durch Vergleich mit den Istwerten zu
kontrollieren, um bei aufgetretenen Abweichungen rechtzeitig reagieren zu
können. Die Kontrolle wird daher zu einem wesentlichen Bestandteil der
operativen Planung.
Die im Rahmen der taktischen und operativen Planung
getroffenen Entscheidungen sind im Sinne der Unternehmensführung derivative
Entscheidungen, die von den mittleren und unteren Führungsebenen getroffen
werden. Treten allerdings im Zuge der taktischen oder operativen Planung
Probleme auf, die möglicherweise eine Änderung der Unternehmensstrategie zur
Folge haben, hat die Unternehmensführung darüber zu bestimmen.
Anzumerken ist, dass die Begriffe operative und taktische
Planung in der Literatur basierend auf deren klassischer Verwendung auch in
umgekehrter Reihenfolge verwendet werden (vgl. Koch, H.
1993, Sp. 3257).
III. Merkmalskriterien und
Bedeutung der Planungsebenen
Abb. 1 gibt einen Überblick über die wichtigsten
Merkmalkriterien und die Bedeutung der Planungsebenen.
Abb. 1: Merkmalskriterien und Bedeutung der Planungsebenen
(vgl. Küpper, H.-U.
1995, S. 64; Egger,
A./Winterheller, M. 2001, S. 50)
1. Koordination der
Planungsebenen
Koordinationsprobleme treten zwischen den Planungsebenen,
aber auch innerhalb der Planungsebenen auf.
Ein schwieriges Problem besteht in der Verknüpfung der
strategischen Planung mit der taktischen und der operativen Planung. Da die
strategische Planung in erster Linie qualitative Ziele und die taktische sowie
die operative Planung vor allem quantitative Ziele verfolgen, finden sich für
eine systematische Verknüpfung kaum Anhaltspunkte. Es müssen daher aus der
strategischen Planung Eckdaten für die laufende Planungsperiode abgeleitet
werden, die den Rahmen für die taktische und operationale Planung bilden. Die
Ableitung dieser Eckdaten ist noch immer Bestandteil der strategischen Planung
und somit der Führungsentscheidungen. Solche Eckdaten können in der Vorgabe eines
zu erzielenden absoluten oder relativen Mindestertrages (z.B. ROI oder
Shareholder Value) bestehen, können aber auch eine Vorgabe bestimmter
Leistungen, etwa im Forschungsbereich, sein.
Im Rahmen der taktischen und operativen Planung sind die
nachfolgenden Koordinationsaufgaben wahrzunehmen.
a) Zeitliche
Koordination
Für die zeitliche Koordination zwischen taktischer und
operativer Planung haben sich in der Praxis vor allem zwei Modelle einer
roulierenden Planung herausgebildet.
Die taktische Planung für die kommenden 3 – 5 Jahre erfolgt
jährlich zu einer bestimmten Zeit (z.B. Oktober). Anschließend an die taktische
Planung erfolgt die operative Planung in Form eines Budgets als Vorgaberechnung
für das folgende Jahr (November, Dezember). Damit wird das jüngste Jahr der
taktischen Planung zum Budgetjahr, wobei es durchaus der Fall sein kann, dass
die Budgetierung infolge neuer Erkenntnisse von der taktischen Planung
abweicht.
Der Vorteil dieser Art der Koordination besteht vor allem
darin, dass jedes Planjahr so oft dem Planungsprozess unterzogen wird, wie die
taktische Planung Jahre umfasst, weil jeweils das letzte (Budget)jahr wegfällt
und ein neues Jahr hinzukommt.
Die zweite, jedoch kaum angewendete Form einer roulierenden
Planung besteht in der Überlappung der Budgetjahre durch Wegfall jeweils des
ältesten Quartals und Hinzufügung eines neuen Quartals.
b) Vertikale
Koordination
Die Pläne aller nachgeordneten Unternehmensbereiche sind in
den Gesamtplan einzuordnen. Durch die vertikale Koordination sollen die Pläne
der einzelnen Unternehmensbereiche sowohl nach oben als auch untereinander so
verknüpft werden, dass sich daraus ein integrierter Gesamtplan ergibt. Im
Rahmen der vertikalen Koordination gilt es, vom Gesamtunternehmensziel
abweichende Interessen auszuschalten, die bestmögliche Zielerreichung nicht
nach den Teiloptima, sondern nach dem Gesamtoptimum auszurichten und
schließlich den Minimumsektor zu berücksichtigen. Der Begriff des
Minimumsektors geht auf Gutenberg, E. zurück, der die These aufgestellt hat,
dass bei Kurzfristplanung der Engpasssektor die Gesamtplanung auf sich
einreguliert. Er bezeichnet dieses „ Ausgleichsgesetz
der Planung “ als „ Dominanz des
Minimumsektors “ (Gutenberg, E.
1983).
c) Horizontale
Koordination
Die horizontale Koordination erfolgt zwischen den gleich
gelagerten Teilplänen insbesondere im Rahmen der operativen Planung, etwa
zwischen den Plänen der Leistungserstellung, der Leistungsverwertung und der
Finanzierung. Planerfolgsrechnung, Planbilanz und Finanzplan als die jeweiligen
aggregierten Spitzenpläne müssen voll aufeinander abgestimmt sein.
Die horizontale und vertikale Koordination gelten in gleicher
Weise für die taktische und operative Planung.
In der Literatur werden seit Jahrzehnten unter Bezugnahme auf
Systemtheorie und Kybernetik Totalmodelle für die Unternehmensplanung
entwickelt, die eine simultane Planung aller Entscheidungsparameter erlauben
sollen, ohne dass diese allerdings wegen ihrer Komplexität praktische Relevanz
erreicht hätten (vgl. Beer, S.
1967; Baetge, J.
1974, S. 240).
Nach wie vor wird die Unternehmensplanung in Form der
sukzessiven Planung durchgeführt, bei der die Teilpläne bzw. Teilplanungen in
einen die übergeordnete Zielsetzung erfüllenden Gesamtplan zu integrieren sind
(vgl. Frese, E.
1989, Sp. 921). Damit allerdings die sukzessive Planung den Anforderungen
an ein integriertes System entspricht, sind alle Beziehungen zwischen den
einzelnen Teilplänen in die Planungsüberlegungen einzubeziehen und zu
berücksichtigen. So hat beispielsweise die Erhöhung des Bankkredites
Auswirkungen auf die Zinsen, das Unternehmensergebnis, die Finanzplanung und
die Kapitalstruktur. Durch die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit moderner
EDV-Anlagen entsteht für den Benutzer bei Veränderung eines Parameters, welche
sich unmittelbar auf andere Bereiche auswirkt, der Eindruck der
Gleichzeitigkeit (vgl. Egger,
A./Winterheller, M. 2001, S. 53), womit sich
Simultanplanungsmodelle erübrigen.
d) Koordination
zwischen Planungs- und Istrechnung
Diese gilt vornehmlich für die operative Planung, weil diese
als einzige der drei Planungsebenen als Unternehmensbudget in all ihren Teilen
Vorgabecharakter hat und somit laufend auf ihre Realisierung überprüft werden
muss. Die Koordination kann aber nur dann erfolgen, wenn Plan- und Istrechnung
materiell und formal nach den gleichen Grundsätzen aufgebaut sind. Während sich
der formale Aufbau auf die Gliederung bezieht, richtet sich der materielle
Aufbau nach dem Inhalt. Eine Koordination ist nicht möglich, wenn etwa die
Planerfolgsbilanz nach dem Grenzplankostenprinzip und die Istrechnung nach dem
Vollkostenprinzip aufgebaut ist, ohne dass zumindest eine Überleitung besteht.
Ähnliches gilt für den Inhalt einzelner Posten, etwa bei den Löhnen, wenn diese
in der Planung nach Fertigungslöhnen, Hilfslöhnen und Nichtleistungslöhnen, in
der Istrechnung aber gar nicht strukturiert sind.
Literatur:
Ansoff, H. Igor :
Management Strategie, München 1966
Baetge, Jörg :
Betriebswirtschaftliche Systemtheorie, Opladen 1974
Beer, Stafford :
Cybernetics and Management, London, 2. A., 1967
Bircher, Bruno :
Langfristige Unternehmensplanung, Bern 1976
Brink, Hans Josef : Die
Koordination funktionaler Teilbereiche der Unternehmung, Stuttgart 1981
Egger,
Anton/Winterheller, Manfred : Kurzfristige Unternehmensplanung, Wien, 11. A.,
2001
Frese, Erich :
Koordinationskonzepte, in: Handwörterbuch der Planung, hrsg. v. Szyperski,
Norbert/Winand, Udo, Stuttgart 1989, Sp. 913 – 923
Gälweiler, Aloys :
Strategische Unternehmensführung, Frankfurt et al., 2. A., 1990
Gutenberg, Erich :
Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Band I, Berlin et al., 24. A., 1983
Hahn, Dietger : PUK –
Planungs- und Kontrollrechnung, Wiesbaden, 3. A., 1985
Hoffmann, Jörg :
Integration strategischer und operativer Planung, in: Handwörterbuch der
Planung, hrsg. v. Szyperski, Norbert/Winand, Udo, Stuttgart 1989, Sp. 763 – 770
Horváth, Péter :
Hierarchiedynamik, in: Handwörterbuch der Planung, hrsg. v. Szyperski,
Norbert/Winand, Udo, Stuttgart 1989, Sp. 640 – 648
Koch, Helmut :
Planungssysteme, in: Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, hrsg. v. Wittmann,
Waldemar et al., Stuttgart, 5. A., 1993, Sp. 3251 – 3262
Koch, Helmut :
Integrierte Unternehmensplanung, Wiesbaden 1982
Kreikebaum, Hartmut :
Strategische Unternehmensplanung, Stuttgart et al., 5. A., 1993
Küpper, Hans-Ulrich :
Controlling, Stuttgart 1995
Liermann, Felix :
Koordinationsentscheidungen bei Unsicherheit. Ein entscheidungstheoretischer
Beitrag, Würzburg et al. 1982
Pfohl, Hans-Christian :
Planung, in: Handwörterbuch des Rechnungswesens, hrsg. v. Chmielewicz,
Klaus/Schweitzer, Marcel, Stuttgart, 3. A., 1993, Sp. 1568 – 1583
Pfohl, Hans-Christian :
Planung und Kontrolle, Stuttgart 1981
Steiner, George A. : Top
Management Planung, München 1971
Steinmann, Horst/Schreyögg,
Georg : Management, Wiesbaden, 3. A., 1993
Zahn, Erich :
Mehrebenenansatz, in: Handwörterbuch der Planung, hrsg. v. Szyperski,
Norbert/Winand, Udo, Stuttgart 1989, Sp. 1080 – 1090
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