Inhaltsübersicht
I. Grundlagen
II. Personalpolitische
Entscheidungstechniken
III. Personalpolitiken
I. Grundlagen
Das personalpolitische Instrumentarium ist die Summe aller
Maßnahmenbündel und Techniken, welche die Träger der Personalpolitik
zur Erreichung der beiden Grundziele Leistungs- und Herrschaftssicherung
einsetzen können (Conrad, 1991,
S. 426 ff.). Diese Leitlinien, Maximen und Handlungsgrundsätze sind dadurch
charakterisiert, dass die Entscheidungssituation schlecht strukturiert ist,
unterschiedliche Werte und Interessen abgestimmt werden müssen und die
Entscheidungsergebnisse nur schwer korrigierbar sind und langfristige Wirkungen
entfalten (Festing,
/Groening, /Weber, 1998, S. 410 f.). Im Folgenden werden zwei
Gruppen von personalpolitischen Instrumenten unterschieden: (a) Techniken zur
Unterstützung der Entscheidungsfindung und (b) Personalpolitiken
(Maßnahmenbündel) als Ergebnisse des personalpolitischen
Entscheidungsprozesses.
II. Personalpolitische
Entscheidungstechniken
1. Personal-Portfolio (PPF)
Ursprünglich wurde die Portfolioanalyse in der
Finanzwirtschaft entwickelt, um ein Wertpapier-Portefeuille in Bezug auf
Rendite- und Risikoerwartungen optimal zusammenzusetzen. Dieser Grundgedanke
wurde in der Unternehmensführung aufgegriffen, statt Wertpapiere werden dort
Produkte oder strategische Geschäftseinheiten analysiert. Betrachtet man die
Humanressourcen als Vermögenswerte eines Unternehmens, so lässt sich der
Portfolio-Gedanke auf den Personalbereich übertragen (Odiorne, 1984,
S. 3 ff.; vgl. Abb. 1).
Abb. 1: Personal-Portfolio (Odiorne, 1984,
S. 66)
Mit PPF werden unterschiedliche Ziele verfolgt, wie z.B.
Identifikation von Stärken und Schwächen der Mitarbeiterstruktur oder
Hilfestellung bei der Entwicklung von Personalstrategien. Planungseinheiten im
PPF können strategische Geschäftseinheiten, Abteilungen, betriebliche
Funktionen, Mitarbeitergruppen, Führungskräfte
oder personalpolitische Instrumente sein. Als Dimensionen der PPF-Matrix kommen
z.B. tatsächliche Leistung/Potenzial, strategische Bedeutung/Personal-Qualität
der Geschäftsbereiche oder Motivation/Qualifikation in Betracht.
Im Prozeß der PPF-Analyse müssen zunächst Analyseeinheit und
Dimensionen ausgewählt werden. Dann wird der aktuelle Zustand in einem
Ist-Portfolio dargestellt. Danach wird auf Basis der Anforderungen der
Unternehmensstrategie an den Personalbereich ein Zielportfolio erstellt.
Schließlich werden Personalstrategien zur Erreichung des Sollzustands
entwickelt. Dabei kann man sich an Normstrategien orientieren. So sollen
Spitzenkräfte (Stars) gehegt und gepflegt werden (z.B. durch formal und
informal engen Kontakt mit den höheren Führungskräften), die soliden Leistungsträger
(Arbeitspferde) sollen soviel Qualifizierung erhalten, dass sie ihr
Leistungsniveau halten, ohne unerwünschte Erwartungen auf weitere
Karriereschritte auszubilden, Leistungsschwache sollen je nach Potenzial und
Leistungsbereitschaft entweder besonders gefördert oder abgebaut werden (Jacobs,
/Thiess, /Söhnholz, 1987).
2. Benchmarking (BM)
Die allgemeinste Definition bezeichnet BM als einen
systematischen Vergleich mit einer Vorgabe (wie ein Werkstück mit einer auf der
Werkbank angebrachten Markierung). Vergleichsobjekte können Produkte,
Praktiken, Prozesse u.ä. sein. Diese können sowohl intern oder bei anderen
Unternehmen innerhalb oder außerhalb der eigenen Branche gefunden werden (Schmeisser,
/Paul, 1999, S. 256 ff.).
Personal-BM kann zumindest vier Zwecken dienen. Es ermöglicht
eine Überprüfung der eigenen Personalpraktiken (z.B. El?ik,
/Entzmann, 1999). Es regt dazu an, die eigene Vorgangsweise in
Frage zu stellen und von anderen zu lernen. Es wird eine
Argumentationsgrundlage für Veränderungen und die dafür erforderlichen
Ressourcenzuteilung geschaffen, denn wenn erfolgreiche Praktiken auch im
eigenen Unternehmen eingesetzt werden sollen, sind die Bereitschaft zum Wandel
und die Verfügbarkeit der nötigen Ressourcen erforderlich. Schließlich kann BM
der Personalabteilung dabei helfen, eine Orientierung für die weitere
Personalarbeit zu finden und Prioritäten zu setzen. Im Personal-BM werden auf
der Ebene des Gesamtunternehmens globale Produktivitätsmaße wie Umsatz, Gewinn,
Fehlzeiten, Ausschuss etc. pro Mitarbeiter erhoben. Auf der Ebene der
Personalfunktion werden Personalpraktiken wie z.B. Rekrutierung oder Vergütung
betrachtet. Auf der Ebene der Personalfachleute stehen deren Qualifikationen
auf dem Prüfstand (Glanz,
/Dailey, 1992, S. 9 ff.).
3. Balanced Scorecard (BSC)
Die BSC dient der Darstellung strategischer Zielsetzungen und
unterstützt die Strategieumsetzung durch die Ableitung konkreter operativer
Maßnahmen. Die Ziele sollen ausgewogen in dem Sinn sein, dass neben den
traditionell dominanten finanzwirtschaftlichen Zielen auch andere wichtige
Perspektiven systematisch berücksichtigt werden. Neben der zentralen Stellung
der Unternehmensvision und -strategie sieht die BSC vier Perspektiven vor, bei
denen jeweils strategische Ziele, operative Messgrößen, Sollwerte und Maßnahmen
zu formulieren sind (Kaplan,
/Norton, 1996, S. 9): die finanzielle Perspektive ( „ Um
finanziell erfolgreich zu sein: Wie sollten wir gegenüber unseren Aktionären
auftreten? “ ), die interne Prozessperspektive ( „ Um unsere Aktionäre und Kunden
zufrieden zu stellen: In welchen Geschäftsprozessen müssen wir herausragend
sein? “ ), die Lern- und Entwicklungsperspektive ( „ Um unsere Vision zu
verwirklichen: Wie werden wir unsere Fähigkeit zu Wandel und Verbesserung
aufrechterhalten? “ ) und die Kundenperspektive ( „ Um unsere Vision zu
verwirklichen: Wie sollten wir gegenüber unseren Kunden auftreten? “ ).
Aus personalpolitischer Sicht kann die BSC auf zwei Arten
eingesetzt werden (Wunderer,
/Jaritz, 1999, S. 343 ff.). Auf Unternehmensebene leistet die
Personalfunktion einen Beitrag zur Identifizierung von Größen in den einzelnen
Zielfeldern, insbesondere in der Lern- und Entwicklungsperspektive und
demonstriert so ihren Beitrag zum finanziellen Unternehmenserfolg.
Personalfachleute können das BSC-Projektteam mit personalbezogenen
Informationen versorgen, oder sie können als Mitglied des BSC-Teams an der
BSC-Erstellung direkt mitwirken und ggf. auch eine Moderationsfunktion
übernehmen (Ackermann, 2000,
S. 41 f.). Auf der Ebene der Personalfunktion wird eine eigenständige HR-BSC
entwickelt, um die Humanressourcen strategisch managen zu können.
In der BSC von Kaplan, /Norton, wird das Personalmanagement
nur wenig berücksichtigt, dies schlägt sich auch in einem Mangel an geeigneten Kennzahlen
und Maßgrößen nieder. Becker/Huselid/Ulrich (Becker,
/Huselid, /Ulrich, 2001, S. 66, 71) schlagen einen Katalog von
52 Effizienzmaßen für das Personalmanagement ohne direkten strategischen Bezug
(wie z.B. Kosten pro Trainingsstunde oder Zeit zur Beseitigung von Vakanzen)
und weitere 52 Maßgrößen für sog. HR Performance Drivers vor, denen direkte
Unterstützung bei der Strategieumsetzung zugeschrieben wird (z.B. das Ausmaß,
in dem die benötigten Mitarbeiterkompetenzen bei Rekrutierung, Einsatz und
Beurteilung berücksichtigt werden), wobei die Zuordnungen nicht immer schlüssig
sind.
4. Verhandlungen
Ein wichtiger Träger der betrieblichen Personalpolitik
ist der Betriebsrat,
der sich zunehmend „ mit eigenen Konzepten in den Prozess der Personalpolitik
einmischt und so zu einem wichtigeren Faktor in der Strategieentwicklung und
-implementation wird “ (Wächter, 1992,
S. 336). Daher ist es zweckmäßig, auch über die mitbestimmungspflichtigen
Angelegenheiten hinaus den Konsens mit der Belegschaftsvertretung in
personalpolitischen Fragen durch Verhandlungen zu suchen (Macharzina, 1992,
Sp. 1788).
Ob und wie solche Verhandlungen geführt werden, hängt nicht
zuletzt von der Beziehung zwischen Management und Betriebsrat
ab: Im Co-Management ergreifen sowohl
Management als auch Betriebsrat Initiativen, bringen Verständnis für die
Perspektive des Verhandlungspartners auf und streben gemeinsam nach
pragmatischen, bisweilen auch unkonventionellen Lösungen. Im Expertenmodell wird die Verhandlung
(Lohn)Experten übertragen, die mit starker Methodenorientierung elaborierte,
aber in der Tendenz konservative Konzepte ausarbeiten. Im Zwei-Parteien-Modell herrscht eine klare Rollenteilung: das
(Personal)Management entwickelt und präsentiert Vorschläge, die von der
Arbeitnehmerseite geprüft und ggf. abgelehnt werden, ohne jedoch
Verbesserungsvorschläge zu machen (Eckardstein,
von, 1997).
Den Verhandlungspartnern stehen fünf Grundverhandlungsstile
zur Verfügung. Vermeiden bedeutet ein
Umgehen eines Konfliktpunktes oder das Nichtweiterverfolgen einer Lösung. Bei Durchsetzen ( „ take it or leave it “ ) wird
Zwang ausgeübt, Forderungen werden hartnäckig erhoben und als „ nicht verhandelbar “
bezeichnet, Zugeständnisse sind selten oder peripher. Anpassen heißt, sich den Interessen des Verhandlungspartners zu
fügen. Kompromissfindung birgt zwar
die Gefahr der beiderseitigen Unzufriedenheit, ist aber dann angebracht, wenn
die Partner voneinander abhängig sind und ein Scheitern der Verhandlungen zu
einer noch unbefriedigenderen Situation für beide Seiten führen würde. Zusammenarbeit ist ein problemlösender
Stil, der auf die Herstellung einer Win-Win-Situation abzielt (Hill, 1995,
Sp. 2141 ff.).
Empfehlungen für sachlich und beziehungsmäßig erfolgreiches
Verhandeln beziehen sich u.a. darauf, Sach- und Beziehungsfragen nicht zu
vermischen, Menschen und Probleme zu trennen, sich auf Interessen und nicht auf
Verhandlungspositionen zu konzentrieren, Optionen zum beiderseitigen Vorteil zu
entwickeln und möglichst objektive Bewertungskriterien anzuwenden (Fisher, /Ury,
/Patton, 1995, S. 37 ff.).
III. Personalpolitiken
Personalpolitische Entscheider sind nie auf eine einzige
Alternative festgelegt, sondern haben immer die (Qual der) Wahl. Dieser
Entscheidungsspielraum bleibt auch nach noch so genauer Analyse bestehen und
muss durch werthaltige Entscheidungen gefüllt werden. Daher sind die
Gestaltungsoptionen in den einzelnen Politikfeldern, ebenso wie die
verschiedenen Beschäftigungssysteme (oder andere personalpolitische Muster),
Möglichkeiten und keine alternativenlosen Sachzwänge.
1. Optionen in den einzelnen Politikfeldern
Die Teilbereiche der Personalpolitik
werden unterschiedlich abgegrenzt und benannt, die Kataloge weisen inhaltlich
jedoch große Überschneidungen auf (Beer, et
al. 1985; Eckardstein,
von, /Schnellinger, 1978; Schuler,
/Jackson, 1987). Auf dieser Basis werden im folgenden fünf
personalpolitische Entscheidungsfelder unterschieden und (ohne Anspruch auf
Vollständigkeit) jeweils die zentralen Optionen genannt, die den Trägern der Personalpolitik
zur Verfügung stehen.
In der Politik der Arbeitsbeziehungen geht es nicht nur um
die Beziehung zum Betriebsrat,
sondern in einem weiteren Sinn um die Frage, wie die Beziehung zwischen
Organisation und Mitarbeitern grundsätzlich gestaltet werden soll: Wie viel
Partizipationsmöglichkeiten sollen den Mitarbeitern eingeräumt werden? In
welchen Bereichen? Wie stark soll diese Einbindung erfolgen? Worüber und wie
sollen die Mitarbeiter informiert werden? Soll eher autoritär oder kooperativ
geführt werden? Wie soll das Verhältnis zum Betriebsrat aussehen,
antagonistisch, kooperativ oder ignorant (Kotthoff, 1981)?
Soll Beschäftigungssicherheit versprochen werden, der gesamten Belegschaft,
oder soll es ein Stamm- und ein Randsegment geben? Wie sieht das
zugrundeliegende Menschenbild aus, wie viel Vertrauen wird als möglich, wie
viel Kontrolle als notwendig angesehen (Eckardstein,
von, /Greife, 1988, S. 26)? Wie wichtig ist Chancengleichheit
(Riedl, 1998)?
Mit der Politik der Arbeitsorganisation werden grundlegende
Merkmale von Arbeitsinhalt und -bedingungen festgelegt: Soll die Stellenbildung
nach dem Objekt- oder dem Verrichtungsprinzip erfolgen? Wie spezialisiert
sollen die Aufgaben an den einzelnen Arbeitsplätzen sein (enge vs. weite
Aufgabenzuschnitte)? Wie groß ist der zugestandene Handlungsspielraum? Welche
Art der Fertigungstechnologie soll eingesetzt werden? Wie wichtig werden
angenehme Arbeitsbedingungen
(Temperatur, Licht, Lärm, Geräumigkeit) betrachtet? Soll Arbeitszeit
flexibilisiert werden, in welcher Form?
Mit der Personalbeschaffungspolitik werden die Grundlagen für
die Art und Weise geschaffen, wie Personal rekrutiert, d.h. angeworben und
ausgewählt wird: Welche Beschaffungskanäle sollen verwendet werden? Wie
selektiv sollen Anforderungsprofile spezifiziert werden? Wie rigoros sollen die
Auswahlverfahren (Assessment
Center; Personalauswahl)
sein? Wer ist in die Auswahlentscheidung eingebunden, wer trifft die endgültige
Entscheidung? An welchen Einstiegspforten werden externe Bewerber bevorzugt
aufgenommen (untere Ebene vs. Quereinsteiger)? Ist der Einstieg prinzipiell für
alle möglich, oder gibt es Zugangsbeschränkungen (z.B. durch informelle
Netzwerke)?
Die Personalentwicklungspolitik bezieht sich auf
Weiterbildung und Karrieremöglichkeiten: sollen enge, spezielle Fähigkeiten
oder breite (Meta)Qualifikationen vermittelt werden? Wer sind die Adressaten
systematischer Qualifizierungsangebote (alle oder vornehmlich einzelne Gruppen
wie z.B. Führungsnachwuchskräfte)? Wer stellt den Bildungs- und
Entwicklungsbedarf fest (der Vorgesetze, der Mitarbeiter selbst,
Personalfachleute)? Gibt es im Unternehmen vorgezeichnete Laufbahnen i.S.v.
Positionsabfolgen, die zu durchlaufen sind? Wie durchlässig sind die
Laufbahnen? Soll es ein oder mehrere, parallele Laufbahnsysteme geben? Sollen
Laufbahnen in einem Unternehmensbereich bleiben oder über mehrere Bereiche
hinwegführen? Sind systematisch Auslandseinsätze vorgesehen, welchem Zweck dienen
sie (zur ethnozentrischen Kontrolle und Steuerung von Niederlassungen, zur
Vorbereitung auf eine Top-Management Position, zur Schulung und zum Aufbau
eines sozialen Netzwerkes oder als Abstellgleis für fachlich und/oder politisch
unerwünschte Mitarbeiter, bei denen eine formelle Trennung nicht opportun
erscheint; vgl. Mayrhofer, 1996,
S. 342 ff.)?
Mit Kompensationspolitik werden alle Grundsatzentscheidungen
bezeichnet, die sich auf den materiellen Ausgleich der Arbeitsleistung der
Mitarbeiter beziehen, wie Entlohnung, Erfolgsbeteiligung und betriebliche Sozialleistungen,
betriebliche und Sozialeinrichtungen: Soll im, über oder unter dem
Branchendurchschnitt gezahlt werden? Gibt es variable Entgeltbestandteile, in
welchem Ausmaß, für alle oder nur für bestimmte Mitarbeitergruppen (z.B.
Verkauf oder Führungskräfte)? Soll es nur Einzel- oder auch Gruppenentlohnung
geben? Gibt es ein System der Erfolgsbeteiligung? Werden Sozialleistungen
gewährt, in welchem Ausmaß und für wen? Werden die Sozialleistungen fix
vergeben, oder bestehen für die Mitarbeiter Wahlmöglichkeiten im Rahmen eines
Cafeteria-Systems?
Die Entscheidungen in den einzelnen Teilpolitiken können
sinnvollerweise nicht unabhängig voneinander getroffen werden. So macht es z.B.
wenig Sinn, teamorientierte Arbeitsstrukturen einzuführen und gleichzeitig
Individualleistung zu be- und entlohnen. Deshalb werden im nächsten Abschnitt
Kombinationen einzelner Personalteilpolitiken angesprochen.
2. Beschäftigungssysteme
Beschäftigungssysteme sind Bündel von Personalpolitiken die
aufeinander abgestimmt eine einheitliche Stoßrichtung aufweisen (Wächter, 2002).
Exemplarisch wird im Folgenden die Typologie von Hendry (Hendry, 2000)
dargestellt, die sieben Beschäftigungssysteme umfasst.
Diese Systeme sind Kombinationen von personalpolitischen
Entscheidungen in den Bereichen Rekrutierung, Arbeitsorganisation, Laufbahnen,
Beförderungsregeln, Weiterbildungsmöglichkeiten, Beschäftigungssicherheit, Vergütung
und Partizipation. Die Zielsetzung jedes Beschäftigungssystems besteht darin,
die erforderlichen Qualifikationen möglichst kostengünstig zu sichern, d.h.
„ Menschen mit den erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnissen solange zu
bekommen, wie sie die Organisation benötigt, und sicherzustellen, dass ihre
Kenntnisse und Fähigkeiten effektiv und vollständig eingesetzt und wenn nötig
weiterentwickelt werden “ (Hendry, 2000,
S. 43). Je nach Höhe der Qualifikationen (hoch oder gering) und Art der
Kontrolle zur Absicherung ihrer Verfügbarkeit (Markt, Organisation, persönlich)
können fünf Grundtypen und zwei Hybride unterschieden werden (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Beschäftigungssysteme (Hendry, 2000,
S. 44; modifiziert)
Das Laufbahn-System (career system) entspricht dem Konzept
des internen Arbeitsmarktes. Die Einstiegspositionen befinden sich an der Basis
und sind für Absolventen gedacht. Es gibt klar vorgezeichnete Karrierepfade,
Beförderung und Vergütung erfolgen nach dem Senioritätsprinzip.
Beschäftigungssicherheit und Verweildauer in der Organisation sind hoch, die Fluktuation
gering. Dies fördert die Entwicklung firmenspezifischer Qualifikationen der
Mitarbeiter und mindert mit zunehmender Zugehörigkeit deren
Wettbewerbsfähigkeit am externen Arbeitsmarkt. Die große Vertrautheit mit der Organisations-/Unternehmenskultur
senkt den Bedarf an direkter Führung. Schriftlich fixierte Verfahren sollen den
einzelnen schützen und Fairness gewährleisten. Nachteile des Laufbahnsystems
(Veralterung von Qualifikationen, mangelnde Leistungsorientierung, Trägheit)
haben zur Ausbildung des Performance Management-Systems geführt. Es ist durch
eine Verschiebung in Richtung Markt charakterisiert und soll die Flexibilität erhöhen:
Beschäftigungssicherheit wird vermindert, leistungsorientierte Bezahlung
eingeführt, Qualifizierung zur Bringschuld der Mitarbeiter erklärt, von denen
erwartet wird, dass sie ihre Attraktivität am externen Arbeitsmarkt
(employability) erhalten, Quereinsteiger vermindern Karrierechancen.
Das Fabrik/Büro-System (industrial/clerical system) ist
tayloristisch: hochspezialisierte Aufgabenzuschnitte, viele
Verfahrensvorschriften und enge Überwachung, maschinengesteuertes Arbeitstempo,
geringes Qualifikationsniveau, mengenabhängige Entlohnung und geringe
Beschäftigungssicherheit führen zu antagonistischen Arbeitsbeziehungen. Die
demotivierenden Effekte sinnentleerter, repetitiver Arbeit und das hohe Maß an
Fremdsteuerung behindern eine Anpassung der Organisation an veränderte
Bedingungen. Dies hat zur Entwicklung des Commitment-Systems geführt. Um das
Engagement der Beschäftigten zu erlangen, werden die Arbeitstätigkeiten
angereichert, Qualitätszirkel eingeführt, verstärkt Qualifizierungsmaßnahmen
ergriffen, die Einbindung der Mitarbeiter durch Partizipationsangebote und
Erfolgsbeteiligungssysteme erhöht und Statusbarrieren zwischen Arbeitern und
Angestellten abgebaut. Diese Maßnahmen bedeuten eine Verlagerung in Richtung
höhere Qualifikationen im Vergleich zum Fabrik/Bürosystem.
Im Markt-System (market system) versorgt die Institution
Arbeitsmarkt die Organisation mit genau jener Menge und Qualität an
Qualifikationen, die sie nach der jeweiligen Auftragslage benötigt.
Personalleerkosten sollen so vermieden werden. Dies setzt ein entsprechendes
Angebot am Arbeitsmarkt voraus, wie bei geringen oder nicht (mehr) gebrauchten
Qualifikationen. Waren es früher Dockarbeiter, die jeden Morgen um
Beschäftigung konkurrierten, sind die gegenwärtigen Beispiele alle Formen sog.
prekärer Beschäftigungsverhältnisse (Teilzeitbeschäftigung,
Werkverträge, Scheinselbstständigkeit). Die Entwicklung von der Produktions-
zur Dienstleistungswirtschaft fördert das Markt-System und lässt seine Grenzen
zum Fabrik/Büro-System zunehmend verschwimmen.
Das Professions-System (occupational system) wird von einem
hochregulierten, externen Arbeitsmarkt kontrolliert. Professionen wie Juristen,
Wirtschaftstreuhänder, Mediziner etc. sind in Kammern und Verbänden
organisiert, die Zugangsbarrieren, Curricula, Honorarsätze und Akkreditierungen
nach oftmals langer Ausbildungsdauer kontrollieren. In dieser Zeit sollen die
Anwärter nicht nur ausgebildet, sondern im Hinblick auf Standesregeln
sozialisiert werden. Daher ist bei ihnen nicht selten eine höhere Loyalität
gegenüber der eigenen Profession als gegenüber ihrem aktuellen Arbeitgeber zu
beobachten.
Das Familien-System (family/political system) fällt aus der
Kategorisierung Markt vs. Hierarchie heraus und stellt eine „ vormoderne “ Form
der Beschäftigung dar. Der typische Fall ist das Kleinunternehmen, in dem der
Eigentümer seine Kontrolle direkt und persönlich ausübt und seine Mitarbeiter
in paternalistischer Weise als „ Teil der Familie “ betrachtet und behandelt. Die
Beschäftigungsdauer ist eher langfristig. Die Rekrutierung erfolgt über das
soziale Netzwerk, formale Regelungen sind wegen der Überschaubarkeit und direkten
Kommunikation selten. Handlungsspielraum und Aufgabenverteilung sind formal
nicht strikt abgegrenzt. Das Qualifikationsniveau ist tendenziell niedrig. Bei
Unternehmenswachstum tendiert das Familien-System in Richtung
Fabrik/Büro-System, bei anspruchsvollerer Unternehmenstätigkeit (z.B. high-tech
start-ups) in Richtung Professions- oder Laufbahn-System.
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Beschäftigungsmuster – einfältige Personalwirtschaftslehre?, in: Zeitschrift
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