Inhaltsübersicht
I. Vom
Arbeitsschutz zum betrieblichen Gesundheitsmanagement
II. Arbeitsschutz
und Prävention
III. Gesundheitsförderung
IV. Betriebliches
Gesundheitsmanagement
I. Vom Arbeitsschutz zum
betrieblichen Gesundheitsmanagement
Durch die Ottawa-Charter der Weltgesundheitsorganisation,
(WHO) von 1986 wurde nicht nur „ Gesundheit für Alle “ zu einem weltweiten Ziel
erklärt. Mit Aussagen wie „ Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen
Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu
ermöglichen und damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen “
(www.euro.who.int/About WHO/Policy/20010827_2) wird ein positives
Gesundheitsverständnis in den Vordergrund gerückt. Deutlich betont wurde damit,
dass zur Stärkung der physischen, psychischen und sozialen Ressourcen sowohl
günstige ökologische Voraussetzungen wie auch Kompetenzen notwendig sind, um
auf Faktoren, welche die Gesundheit beeinflussen, (selbst) einwirken zu können.
Dieses umfassende Konzept der Gesundheitsförderung (WHO Ljubljana Charta zur
Reform des Gesundheitswesens 1996) beinhaltet somit die:
-
gezielte Stärkung gesundheitlicher Ressourcen
(Salutogenese), verbunden mit Vermeidung oder Verminderung gesundheitlicher
Risiken (Risikofaktorenmodell) und wirkungsvollen Coping-Strategien bei
Beschwerden (Bewältigungsmodell),
-
Befähigung der Bevölkerung, selbst Kontrolle über die
Gesundheit auszuüben und sich gesundheitsbewusst zu verhalten
(Bindungsmodell, Lebensstilmodell) sowie
-
Schaffung gesundheitsförderlicher Verhältnisse in
Natur (ökologische Modelle) und Gesellschaft.
Eine so verstandene Gesundheitsförderung geht weit über den
klassischen Ansatz der Prävention hinaus. Dieser war vor allem auf
Krankheitsverhütung und Verminderung von Risikofaktoren ausgerichtet. Bei der
Gesundheitsförderung kommt der Aspekt Förderung individueller gesundheitlicher
Ressourcen hinzu. Unter betrieblicher Gesundheitsförderung – einem
Vorläufer des heutigen Betrieblichen Gesundheitsmanagements – versteht man die
Schaffung gesundheitsförderlicher Strukturen in Unternehmen.
Gesundheitsmanagement bedeutet, dass Gesundheitsaspekte grundsätzlich in
Personal- und Managemententscheidungen einfließen und zu einer eigenständigen
Größe im Zielsystem des Unternehmens werden. Die Entwicklungen vom
Arbeitsschutz und Prävention hin zu einem modernen Gesundheitsmanagement sollen
im Folgenden erläutert werden.
II. Arbeitsschutz und
Prävention
Prävention hat sich in der Arbeitswelt unter den Begriffen
„ Arbeitsschutz “ und „ Arbeitsmedizin “ seit langem etabliert und ist in ganz
unterschiedlichen Zusammenhängen vom Gesetzgeber gefordert (Griefahn, 1998).
Arbeitsschutz bezeichnet ein umfassendes Konzept zum Schutze der Beschäftigten
vor gesundheitsgefährdenden Belastungen am Arbeitsplatz. Ziel des
Arbeitsschutzes ist es, durch geeignete Präventivmaßnahmen Unfallgefahren und
langfristig pathogen wirkende Beanspruchungen am Arbeitsplatz zu reduzieren.
Grundlagen des Arbeitsschutzes sind
Belastungs-Beanspruchungs-Modelle. Mit deren Hilfe wird eine Harmonisierung
zwischen Mensch und Arbeit gesucht. Im Vordergrund stehen die Anpassung der
Arbeit an den Menschen durch funktionsgerechte, ergonomische Gestaltung von
Maschinen, Arbeitsmitteln, Arbeitsräumen und der Arbeitsorganisation. Diese
Maßnahmen haben Vorrang vor dem medizinischen Arbeitsschutz, dessen Ziel die
Anpassung des Menschen an die Arbeit ist (z.B. durch gezielte Ausbildung und
Training, Personalselektion oder Vorsorgeuntersuchungen; Arbeitsmedizin).
Der Gesetzgeber versucht, mittels geeigneter Maßnahmen
spezielle Risiken wie schädliche Umwelteinwirkungen (Immissionsschutzgesetz
(BlumschG), Strahlenschutzverordnung (StrSchv), Röntgenschutzverordnung (RÖV))
und gefährliche Stoffe (Chemikaliengesetz (ChemG)) oder unsichere Geräte
(Gerätesicherheitsgesetz (GSG)) zu reduzieren und so die Allgemeinheit, aber
auch die Erwerbstätigen zu schützen. Weitere spezielle Schutzbestimmungen
gelten für die Erwerbstätigen (Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), Sozialgesetzbuch
VII (SGB), Arbeitszeitgesetz (ArbZG), Gewerbeordnung (GewO)). Geschützt werden
seit langem schon besondere Arbeitnehmergruppen
wie Jugendliche, Mütter, Frauen und Behinderte (Jugendarbeitsschutzgesetz
(JArbSchG), Mutterschutzgesetz (MuSchG), Schwerbehindertengesetz (SchwbG) (Griefahn, 1998;
Arbeitsschutzrecht).
Der Vollzug der Arbeitsschutzbestimmungen liegt bei den
Unternehmern. Staatliche und öffentlich-rechtliche Institutionen sind an der
Beratung der Unternehmen und an der Überwachung der Umsetzung beteiligt. Die
Unternehmen in Deutschland müssen für die Durchführung des technischen und
medizinischen Arbeitsschutzes, mit Zustimmung des Betriebsrates, Fachkräfte für
Arbeitssicherheit und Betriebsärzte einstellen sowie einen
Arbeitsschutzausschuss bilden. Die Gewerbeaufsichtsämter beraten und
kontrollieren die Umsetzung der Vorschriften zum technischen Arbeitsschutz.
Ähnliche Aufgaben und Kompetenzen haben auch die gewerblichen und
landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Staatliche (bzw. Landes-)
Gewerbeärzte beraten und überwachen den medizinischen Arbeitsschutz.
Die Ansätze des Arbeitsschutzes lassen sich auf die oft
problematischen Arbeitsbedingungen zu Beginn der Industriegesellschaft
zurückführen. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich in der Arbeitswelt
jedoch ein deutlicher Belastungsstrukturwandel ergeben (Griefahn, 1998).
Die direkte körperliche Schädigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hat
an Gewicht verloren, jene der psychischen und sozialen Beeinträchtigungen und
deren somatischen Folgen jedoch zugenommen. Allerdings ist es nicht so, dass
die körperlichen Belastungen heute bedeutungslos wären. Hinzu gekommen sind
jedoch Veränderungen auf Grund technischer Neuerungen, zunehmendem Termindruck
und ein Mehr an Stress und Hektik. Geändert haben sich sicher auch die
Einstellungen gegenüber Arbeit, Beruf, Karriere, Familie und Freizeit. Aufgrund
dieses Wertewandels hat die Arbeit als zentraler Wert für die
Bedürfnisbefriedigung verloren. Immaterielle und geistige Ansprüche an die
Arbeit wie Sinnstiftungen, persönliche Entfaltung, Partizipation, Anerkennung
etc. hingegen sind bedeutend wichtiger geworden. Bei diesen Aspekten versagen
die klassischen Belastungs-Beanspruchungs-Modelle und Präventionsansätze.
Gesundheitsförderung nach dem Verständnis der WHO versucht dieser neuen
Situation gerecht zu werden. Gesundheitsförderung setzt bei der Analyse und
Stärkung von Gesundheitsressourcen und -potenzialen an. Sie umfasst Maßnahmen,
die auf Veränderung und Förderung des individuellen und kollektiven
Gesundheitsverhaltens sowie der Lebens- und Arbeitsverhältnisse abzielen.
Wesentlich dabei ist, dass die Frage im Zentrum steht „ Wie und wo wird
Gesundheit hergestellt? “
III. Gesundheitsförderung
Gesundheitsförderung geht von folgenden Leitvorstellungen aus
(Hurrelmann, 2000):
-
Gesundheit ist die gelungene, Krankheit die nicht
gelungene Bewältigung von inneren und äußeren Anforderungen.
-
Gesundheit ist das Stadium des Gleichgewichtes von
Risiko- und Schutzfaktoren auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene.
-
Es existieren Stadien von relativer Gesundheit und
relativer Krankheit, wobei objektive und subjektive Kriterien in die
Definition eingehen.
-
Gesundheit und Krankheit sind auch Reaktionen auf
gesellschaftliche Gegebenheiten, insbesondere im wirtschaftlichen,
ökologischen und bildungsbezogenen Bereich.
Gesundheitsförderung muss neben den primär- (Vermeidung
exogener Schädigungen), sekundär- (Früherkennung) und tertiärpräventiven
(Vermeiden bzw. Mildern von Folgeschäden) Präventionsstrategien auch die
Kompetenzen der Individuen und Organisationen verbessern, um die
Selbstorganisation des Gesundheitsverhaltens und die Gestaltung
gesundheitsrelevanter Umweltbedingungen zu ermöglichen. Eine wesentliche
Strategie ist dabei die Stärkung der individuellen Kompetenzen durch
Gesundheitserziehung bzw. -bildung. Diese umfassen alle Strategien, die der
Stärkung der Persönlichkeit durch Wissen und Kompetenzvermittlung im
Zusammenhang mit Gesundheitsverhalten und gesundheitsrelevanten
Umweltbedingungen stehen.
In den 1970er-Jahren entstanden Konzepte der
Gesundheitserziehung, die darauf ausgerichtet waren, Menschen bewusst und
zielorientiert zu bestimmten Verhaltensweisen zu führen. Dazu gehörten insbesondere
die Vermeidung von gesundheitsgefährdendem Verhalten, schlechte Körperpflege,
Fehlernährung, Bewegungsmangel, Suchtmittelmissbrauch usw. Diese Anstrengungen
dieser Gesundheitserziehung können wegen ihrer traditionellen Orientierung an
der Autorität wissenschaftlicher Erkenntnisse als autoritativ bezeichnet
werden.
Seit den 1980er-Jahren wird diese Konzeption der
Gesundheitserziehung zunehmend kritisiert. Insbesondere die Ausrichtung auf
einfache Risikomodelle und auf Indivduen erwies sich als unzureichend und
didaktisch problematisch. An ihre Stelle tritt das Konzept einer partizipativen
Gesundheitserziehung. Im Unterschied zum autoritativen Konzept geht es nicht
darum, bestimmte Verhaltensänderungen einzuüben, um Krankheiten vorzubeugen,
sondern um die Suche nach einer Balance von Gesundheit und Krankheit.
Grundlagen sind umfassende Konzepte der Stress- und Bewältigungstheorie und der
Sozialisationstheorie. Typisch ist auch, dass nicht auf die Krankheitsymptome
bzw. auf gesundheitliche Risiken abgestellt wird, sondern auf deren Ursachen
und Ausgangspunkte. Beispiele einer partizipativen Gesundheitserziehung sind
etwa „ soziale Immunisierung “ oder der „ Live-Skill-Ansatz “ (Hurrelmann, 2000).
Bei der sozialen Immunisierung geht
es darum, konkrete Verhaltensempfehlungen zu vermitteln, um beispielsweise
Gegenstrategien auf den Druck von Peer-Groups zu gesundheitsschädigendem
Verhalten (z.B. Alkohol- oder Tabakkonsum) entwickeln zu können. Der Live-Skill-Ansatz konzentriert sich auf
die Entwicklung von Bewältigungskompetenzen, die über den Gesundheitsbereich
hinaus von Bedeutung sind, d.h. insbesondere um persönliche und soziale
Kompetenz zur Auseinandersetzung von Alltagsanforderungen. Damit wird
Gesundheitsbildung zu einer Intervention zur Stärkung der Kompetenzen, um zu
einer gesundheitlichen Selbststeuerung zu gelangen. Gesundheitsförderung wird
daher in mehreren Ländern auf verschiedenen Schulstufen als Unterrichtsfach
verankert.
Weitere Strategien gehen in die Richtung „ Stärkung der
Kompetenz zur Krankheitsbewältigung “ , z.B. im Rahmen von Patientenschulungen.
In der Praxis sind diese Maßnahmen vor allem bei chronischen Erkrankungen
erfolgreich. Über neue Kommunikationsmedien können sich Patienten heute sehr
gezielt informieren und damit zu einer Stärkung ihrer Kompetenz in der
Beziehung zu den Health Professionals beitragen.
Die Entwicklung der Gesundheitsförderung wurde durch
verschiedene Faktoren unterstützt. Einerseits hatte die in den 1970er-Jahren
erfolgte Kritik am vorherrschenden bio-medizinischen Paradigma der Schulmedizin
zur Folge, dass nach ganzheitlichen Konzepten für die Betrachtung von Krankheit
und Gesundheit gesucht wurde. Ergebnisse großer Präventionsstudien in den
1970er- und 80er-Jahren haben vor allem im Bereich der
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu einem Überdenken der Präventionsansätze geführt.
Auch tragen die unterschiedlich ausgeprägten Fitness- und Wellness-Bewegungen
auf breiter Basis zu einem verstärkten Gesundheitsbewusstsein bei.
Maßgeblich für die methodische Weiterentwicklung der
Gesundheitsförderung war auch der Setting-Ansatz
(Brößkamp-Stone,
/Kickbusch, /Walter, 1998, S. 145 f.). Dieser ist seit 1985
eine Kernstrategie in den meisten WHO-Programmen. Er baut darauf auf, dass
gesundheitsfördernde Maßnahmen immer auf konkrete Lebensbereiche ausgerichtet
sind, in welchen die Menschen große Teile ihrer Zeit verbringen und die von
ihrer Struktur her die Gesundheit maßgeblich beeinflussen. Die WHO hat in den
letzten zehn Jahren zahlreiche Netzwerke nach dem Setting-Ansatz initiiert, so
u.a. gesundheitsfördernde Städte, gesundheitsfördernde Krankenhäuser,
gesundheitsfördernde Universitäten oder auch gesundheitsfördernde Unternehmen.
IV. Betriebliches
Gesundheitsmanagement
Nach der Schule verbringen die meisten Erwachsenen einen
Großteil ihrer Zeit an ihrem Arbeitsplatz. Diese sozialen Beziehungen und die
sozialen Strukturen in den Unternehmen bilden eine ideale Voraussetzung, um
Gesundheitsförderung bei Erwachsenen anzugehen. Der Arbeitsplatz ist zudem ein
viel konkreteres Sozialgefüge als etwa die Kommune, die heute sehr häufig nur
noch abstrakt und in einem lockeren Bezug wahrgenommen wird. Unternehmen sind
daher ideal für Gesundheitsbildung und Gesundheitsförderung (Grossmann,
/Scala, 1994). Soziale Organisationen haben feste Mitglieder,
formale und informelle Strukturen und gemeinsame Werte. Mit ihren damit
reglementierten Erwartungen und Normen üben sie einen großen Einfluss auf das
Verhalten der Mitglieder aus. Diese unterwerfen sich bis zu einem gewissen Grad
Organisationszielen und sind meist auch durch Arbeitsverträge zu bestimmten
Verhaltensweisen verpflichtet. Unternehmen sind aber auch nicht starr, sondern
befinden sich in einer ständigen Veränderung. Mit Bezug auf die
Gesundheitsförderung zeigt sich, dass dieses in diesen Veränderungsprozessen
nur Bestand haben kann, wenn Gesundheit einen festen Platz im Zielsystem der
Unternehmung hat.
Auch wenn im Management von Unternehmungen Gesundheit der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis vor Kurzem kaum über das Maß des
Arbeitsschutzes hinaus thematisiert worden ist, so zeichnet sich heute eine
deutliche Wende ab. Gesundheit als Organisationsprinzip in Unternehmungen
aufzunehmen ist kein Widerspruch zu den traditionellen Organisationszielen, da
der Wert der Beschäftigten heute anders eingeschätzt (Human-Kapital) wird als
noch vor wenigen Jahren.
Heute ist man sich im Management der Zusammenhänge zwischen
Arbeitsverhalten (wie Leistungsbereitschaft, Flexibilität und Innovationskraft)
der Menschen und deren Gesundheitszustand, körperlicher Gesundheit und
seelischem Wohlbefinden sowie der Arbeitsinhalte, Arbeitsgestaltung
und der Belastungen durchaus bewusst (vgl. Abb.1). In vielen Settings sind die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einer wichtigen Ressource geworden. Dies
nicht nur wegen der zunehmend teuren und spezialisierten Aus- und
Weiterbildung, sondern auch wegen den für die Leistungserfüllung wichtigen
Erfahrungen und Skills. Gerade im Zusammenhang mit Wissensmanagement
und der Konzeption der lernenden Organisation steigt die Bedeutung der
Mitarbeiter. Sie vollziehen nicht nur Aufgaben im Produktionsprozess, sondern
sind viel mehr tragendes Element der Entwicklungsprozesse in der Unternehmung.
Abb. 1: Zusammenhänge zwischen Rahmenbedingungen,
Arbeitsorganisation, Gesundheit und Arbeitsverhalten (nach Schroda,
/Ishig, /Riemer, et al. 2001; Badura,
/Ritter, /Scherf, 1999).
Eine erweiterte Bedeutung kommt den Mitarbeitern – auch jenen
auf „ unterer Hierarchiestufe “ – in Dienstleistungsunternehmen zu. Zumindest bei
personalen Dienstleistungen spielen neben dem Fachwissen und der Erfahrung auch
weitere Fähigkeiten, etwa das Kommunikations- und Sozialverhalten, eine
entscheidende Rolle, fallen doch Produktion und Marketing der Leistung
zusammen. Gerade Kommunikation und damit auch die Qualität der Leistung werden
aber direkt durch Gesundheit und Wohlbefinden beeinflusst. Indirekt spielt auch
die erlebte Wertschätzung der Mitarbeiter durch die Unternehmensleitung eine
große Rolle. Pflege und Förderung dieser wichtigsten Ressource im Prozess der
Leistungserstellung erhalten somit einen hohen Stellenwert – wie etwa
verschiedene Anstrengungen im Bereich von Krankenhäusern (vgl. u.a. Pfaff, 2004)
und Heimen (vgl. u.a. Wolke, 2004)
zeigen – und müssen sich sowohl auf der normativen wie auch der
strategischen und operativen Ebene des Managements von Organisationen
wiederfinden (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Das „ St. Galler Gesundheits-Management-Konzept “ (nach
Bleicher, 1999).
Die in der Literatur zusammengetragenen Erfolgsfaktoren für
das betriebliche Gesundheitsmanagement (vgl. u.a. Badura, 2000)
zeigen, dass Förderung der Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein
integraler Bestandteil des Leitbildes und der Führungsgrundsätze sein muss.
Diese Selbstverpflichtung beeinflusst in der Regel auch die Unternehmenskultur
und damit den Umgang mit Wohlbefinden und Gesundheit, aber auch mit
Kommunikation, Sozialverhalten sowie das Betriebsklima. Die normative Vorgabe,
Gesundheit und Wohlbefinden im Betrieb zu fördern, muss auf der strategischen
und operativen Managementebene umgesetzt werden. Bei strategischen
Entscheidungen müssen Gesundheitsaspekte (z.B.
Gesundheitsverträglichkeitsprüfung) ebenso berücksichtigt werden wie etwa die
finanziellen oder Marktaspekte. Die Organisationsstrukturen müssen Vernetzung
zulassen. Gesundheitsmanagement ist eine komplexe Aufgabenstellung, die ein
interdisziplinäres Vorgehen in Teamarbeit und Projektgruppen erfordert.
Experten des betriebsärztlichen Dienstes, der Sicherheitsabteilung, aber auch
der sozialen Dienste sowie der Personal- und Organisationsentwicklung müssen in
Projektgruppen und Qualitätszirkeln vertreten sein. Im Entscheidungsverhalten
sind Gesundheitsaspekte wie andere Constraints zu behandeln. Auf der operativen
Managementebene geht es darum, konkrete Arbeitsabläufe nicht nur entsprechend
den Bestimmungen des Arbeitsschutzes, sondern auch unter Berücksichtigung der
Sinngebung zu gestalten. Das Führungsverhalten auf allen Ebenen muss ein
glaubwürdiges Interesse an Zielen und Maßnahmen des Gesundheitsmanagements
entwickeln und dessen Evaluation unterstützen. Die Bedeutung der Führung wird
auch in der neuesten Diskussion um den Einfluss des Sozialkapitals auf die
Gesundheit (vgl. u.a. Badura, 2005)
deutlich. Ein hohes Niveau an Sozialkapital bedeutet Vertrauen, gegenseitige
Unterstützung, Kommunikation und soziale Kontakte, Arbeitszufriedenheit und
psychisches Wohlbefinden. Damit werden nicht nur psychische Belastungen
abgebaut, sondern auch gesundheitsschädliches Verhalten (Suchtverhalten)
reduziert.
Maßgebend für ein erfolgreiches betriebliches
Gesundheitsmanagement ist, dass es nicht als Reparaturmaßnahme verstanden und
auch nicht als ein zeitlich begrenztes Projekt betrieben wird. Erfolgreich wird
es erst, wenn es dauerhaft institutionalisiert, fest in der normativen Ebene
und in der Unternehmenskultur verankert und als Lernzyklus (vgl. Abb. 3)
ausgestaltet wird.
Abb. 3: Gesundheitsmanagement als Lernzyklus (nach Badura,
/Ritter, /Scherf, 1999).
Die Bedeutung des Gesundheitsmanagements wird heute sowohl
von gewerkschaftlicher wie auch von unternehmerischer Seite zunehmend erkannt.
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung aber auch die Bertelsmann-Stiftung
(vgl. u.a. Badura,
/Ritter, /Scherf, 1999; Badura, 2000)
haben wichtige Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet unterstützt und Erfahrungen
systematisch zusammentragen lassen. Aber auch Krankenversicherungen sind an der
Thematik immer stärker interessiert, beteiligen sich an Forschungsprojekten
(vgl. u.a. Kreis, /Bödeker,
2004, Barmer, 2004)
und bieten entsprechende Leistungs- und Beratungsangebote an. Dies sicher auch,
weil inzwischen die ökonomische Evidenz des betrieblichen
Gesundheitsmanagements bewiesen ist (vgl. u.a. WIG, 2004).Damit
wird die Diskussion gefördert und die Einführung erleichtert. Im Rahmen dieser
Projekte ist entlang des Lernzyklus (vgl. Abb. 3) ein Instrument zur
Selbstbewertung der Unternehmung hinsichtlich des Standes des
Gesundheitsmanagements ausgearbeitet (Badura, /Ritter,
/Scherf, 1999). Dieses kann auch für die Evaluation und
periodische Überprüfung verwendet werden. Zur Überprüfung des betrieblichen
Gesundheitsmanagements ist jedoch auch der Aufbau einer betrieblichen
Gesundheitsberichterstattung notwendig. Dieses muss über eine detaillierte
Fehlzeitenanalyse hinausgehen (Lierse, 1999)
und neben biopsychosozialen Kennziffern zu Salutogenese und Pathogenese
(Zielgrößen) zur Ressourcen- und Belastungssituation (Einflussgrößen) (Pfaff, 1999;
Siewerts,
/Badura, 2004) auch organisationsdiagnostische Indikatoren umfassen.
Diese Indikatoren können für neue Konzepte der betrieblichen Berichterstattung
(z.B. Balanced Scorecard, (vgl. u.a. Ackermann, 2000))
bzw. des Qualitätsmanagements (z.B. EFQM-Modell) ohnehin schon verwendet
werden.
Die Mitarbeiterperspektive lässt sich im Ansatz der Balanced Scorecard mit
gesundheitsrelevanten Kennzahlen wie Investitionen in Arbeitsschutz-,
Gesundheitsbildungsmaßnahmen wie Mitarbeiterzufriedenheit, Fehlzeiten aufgrund
von Krankheit, prozentualer Anteil Versetzungsanträge u.a. einsetzen. Ähnliches
kann mit dem EFQM-Ansatz realisiert
werden, enthält das Modell doch in den Kriterien 2 „ Mitarbeiter “ , 5 „ Prozesse “ ,
6 „ mitarbeiterbezogene Ergebnisse “ und 9 „ Schlüsselergebnisse “ die
Mitarbeiterbelange (vgl. u.a. Brandt, 2001).
Mit Hilfe derartiger Indikatoren sind Gesundheitszustände von Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern messbar und können über Zeiträume dokumentiert und evaluiert
werden. Nach zielgerechter Intervention des betrieblichen Gesundheitsmanagement
sind damit Veränderungen in der Organisation diagnostizierbar.
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Badura, B. : Einleitung, in: Erfolgreich
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Badura, B./Ritter, W./Scherf, M. :
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Bleicher, K. : Das Konzept
Integriertes Management, Frankfurt/Main 1999
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Brößkamp-Stone, U./Kickbusch,
I./Walter, U. : Gesundheitsförderung, in: Das Public Health Buch, hrsg. v.
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K./Laaser, U., Weinheim et al. 1998, S. 443 – 466
Grossmann, R./Scala, K. : Gesundheit
durch Projekte fördern, Weinheim et al. 1994
Hurrelmann, K. :
Gesundheitssoziologie, Grundlagentexte Soziologie, Weinheim et al. 2000
Kreis, J./Bödecker, W. : Indicators
for work-related health monitoring in Europe, BKK Bundesverband, Essen 2004
Lierse, M. : Betriebliche Fehlzeiten,
in: Betriebliches Gesundheitsmanagement, hrsg. v. Badura, B. et al., Berlin
1999, S. 140 – 144
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Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, in: Betriebliches
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das strategische Krankenhausmanagement, Bern 2004
Schroda, F./Ishig, A./Riemer, S. :
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gesundheitsförderlichen Gestaltung von Arbeitsprozessen, in: Zeitschrift für
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Siewerts, D./Badura, B. :
Gesundheitsmanagement als Beispiel für die Anwendung von biopsychosozialen
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Krankenhausmanagement, Bern 2004, S. 187 – 208
WIG, : Winterthurer Institut für
Gesundheitsökonomie: Ökonomische Beurteilung von Gesundheitsförderung und
Prävention, Winterthur 2004
Wolke, R. : Gesündere und
leistungsfähigere Mitarbeiter in der Pflege, Lage 2004
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