Inhaltsübersicht
I. Bedeutung,
Definition und Aufgaben
II. Aperiodisches
Gemeinkostenmanagement
III. Periodisches
Gemeinkostenmanagement im Rahmen von Systemen der Kostenrechnung
IV. Strategisch
orientiertes Gemeinkostenmanagement
V. Zusammenfassung
und Beurteilung
I. Bedeutung, Definition und
Aufgaben
Das Unternehmensumfeld ist in den letzten Jahren durch
zunehmende Komplexität und Dynamik gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund haben
sich signifikante Veränderungen der Kostenstruktur der Unternehmen ergeben, die
zu einem steigenden Anteil der Gemeinkosten, insbes. auch in den indirekten
(Leistungs-)Bereichen, wie z.B. Forschung und Entwicklung, Logistik,
Verwaltung, führen.
Gemeinkosten (GK) werden verstanden als Kosten, die sich
nicht direkt auf Bezugsobjekte, insbes. Kostenträger, zurechnen lassen. Sie
können hinsichtlich ihrer Beschäftigungsabhängigkeit in variable und fixe GK
unterschieden werden, wobei sie zum großen Teil Fixkosten darstellen.
Gemeinkostenmanagement (GKM) beinhaltet somit immer auch ein
Fixkostenmanagement. Das GKM lässt sich definieren
als die Steuerung von GK zur
Erreichung kurzfristiger Rentabilitätsziele (operatives GKM) sowie zur
Sicherung langfristiger Wettbewerbsvorteile, insbes. mit dem Ziel der
Kostenführerschaft (strategisches GKM). Hierzu sind die GK insbes. kostenstellen-
oder prozessbezogen zu planen und zu kontrollieren. In diesem Zusammenhang
werden auch Principal-Agent-Ansätze diskutiert. Sie stellen zwar keine
Verfahren zur Planung und Kontrolle (PuK) von GK dar; mit ihnen kann jedoch die
Anreizwirkung von Kostenrechnungsinformationen analysiert und zur Erhöhung des
Zielerreichungsgrades des GKM optimiert werden. Aufgaben des GKM sind die Erhöhung der Transparenz der
gemeinkostenverursachenden Aktivitäten, die Optimierung von Strukturen und
Abläufen sowie damit die Beeinflussung der kostenbestimmenden Faktoren. GKM ist
allerdings mehr als die reine Senkung von GK im Rahmen gegebener Strukturen; es
umfasst ebenfalls die unternehmenszielkonforme (Um-)Gestaltung von Potenzialen
und Prozessen.
GKM kann sowohl im Rahmen der traditionellen, überwiegend
operativ ausgerichteten, periodischen Kostenrechnungssysteme
als auch des sog. strategischen Kostenmanagements erfolgen. Darüber hinaus
kommen vor allem im Verwaltungsbereich von Unternehmen, aber z.B. auch in
öffentlichen Einrichtungen, die Gemeinkostenwertanalyse und das
Zero-Base-Budgeting als aperiodische Methoden des GKM zum Einsatz.
II. Aperiodisches
Gemeinkostenmanagement
1. Gemeinkostenwertanalyse
(GWA)
Ziel der GWA (Overhead-Value-Analysis) ist die Optimierung
indirekter Bereiche in Unternehmen durch die Eliminierung nicht notwendiger
Leistungen und die kostengünstigere Erstellung erhaltenswerter Leistungen.
Dabei basiert die GWA – wie auch die allein auf den Verwaltungsbereich
abstellende administrative Wertanalyse – auf dem Gedankengut der
(produktbezogenen) Wertanalyse.
Der wertanalytische Aspekt besteht in der systematischen Untersuchung des
Kosten-/Nutzenverhältnisses sämtlicher Leistungen der betrachteten indirekten
Bereiche.
Der Ablauf eines GWA-Projektes lässt sich in drei Phasen
untergliedern: Vorbereitungsphase
(Bestimmung der zu untersuchenden Einheiten, Bildung des GWA-Teams, Planung des
Projektablaufs), Analysephase und Realisationsphase (Entscheidung und
Umsetzung der genehmigten Maßnahmen). Die zentrale Analysephase besteht aus vier Schritten:
-
Erfassung und
Strukturierung von Kosten und Leistungen: Durch Befragung der
Entscheidungsträger der zu untersuchenden Einheiten (i.d.R.
Kostenstellenleiter des betreffenden GK-Bereiches) werden die dort erstellten
Leistungen ermittelt und hierarchisch in Haupt- und Nebenfunktionen
gegliedert. Anschließend wird versucht, die gesamten Kostenstellenkosten auf
die einzelnen Leistungen nach Maßgabe der für sie eingesetzten Zeit zu verteilen.
-
Entwicklung von
Einsparungsideen: Auf Basis der so ermittelten
Kosten-Leistungs-Aufstellung führen Kostenstellenleiter und
Leistungsempfänger eine Kosten-Nutzen-Analyse
der einzelnen Leistungen durch. Vor allem für Leistungen mit schlechtem
Kosten-/Nutzenverhältnis sind Einsparungsideen zu entwickeln, die eine
Reduktion des aktuellen Budgets um bis zu 40 % ermöglichen sollen. Die
Vorgabe einer derart hohen Kostensenkung soll die Kreativität fördern und
sicherstellen, dass auch unkonventionelle Einsparungsideen entwickelt werden.
Neben einer wirtschaftlicheren Erstellung erhaltenswerter Leistungen können
sich die Ideen auch auf die teilweise oder vollständige Eliminierung von
Leistungen beziehen.
-
Bewertung der
Ideen: Die entwickelten Einsparungsideen werden im Team durch
Leistungsersteller und -empfänger, ggf. unter Hinzuziehung externer
Koordinatoren, hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit klassifiziert und unter
Berücksichtigung der Folgewirkungen auf das Gesamtunternehmen bewertet.
-
Dokumentation
der Ergebnisse und Vorschlag konkreter Maßnahmen: Für die als vorteilhaft
beurteilten Ideen werden Aktionsprogramme formuliert, die neben einer
Beschreibung der Maßnahmen auch Zeitpläne beinhalten. Die Unternehmensleitung
trifft die endgültige Entscheidung über die Umsetzung der vom GWA-Team
vorgeschlagenen Maßnahmen, aus der eine entsprechende Anpassung der
GK-Budgets resultieren kann.
2. Zero-Base-Budgeting
(ZBB)
Wie bei der GWA stehen beim ZBB die Identifikation nicht
notwendiger Leistungen und deren Eliminierung sowie die Rationalisierung
erhaltenswerter Leistungen im Mittelpunkt. Ziel des – im Vergleich zur GWA
wesentlich komplexeren – ZBB ist es, Bereichsziele aus dem Zielsystem des
Unternehmens abzuleiten und so zu einer effizienten Verteilung der
GK-Ressourcen zu gelangen. Dazu werden sämtliche Leistungen des zu
untersuchenden administrativen Bereiches, ausgehend von der Basis Null (Zero),
d.h. unter Infragestellung der Budgets aus Vorperioden, neu geplant. Ein
ZBB-Projekt vollzieht sich i.d.R. in folgenden Schritten:
-
Bildung von
Entscheidungseinheiten: Sie dient der Strukturierung des zu
untersuchenden Bereiches und setzt eine eindeutige Abgrenzbarkeit der
Leistungen und Kosten voraus. Hierbei müssen die in den
Entscheidungseinheiten erbrachten Leistungen aus den Unternehmenszielen
ableitbar, d.h. zur Erfüllung der Unternehmenspläne erforderlich sein.
Vielfach bietet sich eine Orientierung an der bestehenden Organisationsstruktur
an.
-
Definition
alternativer Leistungsniveaus: Quantität und Qualität der einzelnen
Leistungen bestimmen das Leistungsniveau der Entscheidungseinheiten. Drei
alternative Leistungsniveaus werden definiert, wobei das niedrigste Niveau
die Mindestleistung zur Erreichung des gesetzten Ziels darstellt. Die beiden
anderen Niveaus beinhalten jeweils mögliche zusätzliche Leistungen. Für die
(alternativen) Niveaus der Zielerreichung sind die entsprechenden Kosten bei
wirtschaftlicher Erstellung zu ermitteln.
-
Erarbeitung von
„ Entscheidungspaketen “ : Für die Entscheidungsträger werden sog.
Entscheidungspakete gebildet, die alle entscheidungsrelevanten Daten, wie
zusätzlicher Nutzen, zusätzliche
Kosten durch zusätzliche Beanspruchung von GK-Ressourcen, des betreffenden
Leistungsniveaus im Vergleich zum jeweils niedrigeren Leistungsniveau,
umfassen.
-
Bestimmung einer
Rangordnung und „ Budgetschnitt “ : Da aufgrund der Vielzahl der
Entscheidungspakete sowie unterschiedlicher Rangordnungskriterien die Bildung
einer vollständigen Rangordnung i.d.R. wirtschaftlich nicht möglich ist, wird
ein Ranking mittels eines Bottom-up-Ansatzes
vorgeschlagen: Die Reihungskompetenz wird hierarchisch an Abteilungsleiter,
Hauptabteilungsleiter und Unternehmensleitung vergeben. Die
Entscheidungspakete werden je Entscheidungseinheit sog. Anforderungskörben,
die zwischen unbedingt und bedingt zu genehmigenden Paketen differenzieren,
zugeteilt, wobei Letztere nach abnehmender Dringlichkeit angeordnet werden.
Abschließend entscheidet die Unternehmensleitung über die endgültige
Rangordnung und genehmigt die Entscheidungspakete, bis das vorgegebene Budget
ausgeschöpft ist (Budgetschnitt).
III. Periodisches
Gemeinkostenmanagement im Rahmen von Systemen der Kostenrechnung
Im Gegensatz zu den aperiodisch zur Anwendung kommenden
Methoden unterstützen Systeme der überwiegend operativ ausgerichteten
Kostenrechnung (KR) das periodische
GKM. Die in GWA- oder ZBB-Projekten verabschiedeten Budgets können jedoch als
Planungsgrößen für die untersuchten (Kostenstellen-)Bereiche in die KR
eingehen.
1. Grenzplankosten-
und Deckungsbeitragsrechnung
In der Grenzplankostenrechnung
(GPKR) (vgl. Kilger, W.
2002) erfolgt die PuK der GK-Arten – wie auch in Plankostenrechnungssystemen
auf Vollkostenbasis – vor allem in den Kostenstellen. Dabei werden die fixen GK als kurzfristig nicht
entscheidungsrelevant angesehen. Die variablen
GK werden hingegen über ein System von direkten und indirekten Bezugsgrößen,
die als Maßgrößen der Kostenverursachung für die Kostenstellen und/oder
Kostenträger fungieren, gesteuert. Insbes. in den Fertigungsbereichen können
variable GK in Abhängigkeit direkter Bezugsgrößen (z.B. Fertigungs-,
Rüststunden) exakt geplant werden;
grundsätzlich gilt dies auch für die indirekten Bereiche. Fehlen direkte
Bezugsgrößen, wird versucht, die variablen GK über indirekte Bezugsgrößen (z.B.
proportionale Herstellkosten) näherungsweise zuzurechnen. Auf Basis von
Soll-Ist-Vergleichen wird die Kontrolle
der variablen GK durchgeführt. Die so ermittelten Verbrauchsabweichungen können
(in der mehrfach-flexiblen GPKR) durch Aufspaltung nach Einflussgrößen, z.B. in
Intensitäts- oder Losgrößenabweichungen, eine genauere Analyse der Ursachen
ermöglichen. Aus Kontrollen resultiert zudem eine Steigerung des
Kostenbewusstseins (Verhaltenssteuerungsaufgabe der KR), die den
Zielerreichungsgrad des GKM verbessern kann.
Der bedeutende Anteil der fixen GK kann mit diesem System
jedoch nur unzureichend geplant und kontrolliert werden. Daher wird eine
Dynamisierung der GPKR (dynamische GPKR) vorgeschlagen, mit der insbes. die
Abbaufähigkeit von Fixkostenpotenzialen in ihrer sachlichen und zeitlichen
Struktur erfasst werden soll. Diese Informationen können zur Erhöhung der Fixkostenflexibilität
des Unternehmens, z.B. im Rahmen von Outsourcing-Entscheidungen, genutzt
werden. Weiterhin kann die Problematik der GK-Schlüsselungen insbes. in den
indirekten Bereichen durch – auch in der Prozesskostenrechnung zum Einsatz
kommende – Prozessanalysen und damit identifizierte genauere Bezugsgrößen
verbessert werden. Ein System, das die Vorteile der (dynamischen) GPKR und der
Prozesskostenrechnung verbindet, stellt die sog.
„ Fixkostenmanagementorientierte Plankostenrechnung “ (vgl. Reichmann, T.
2001, S. 180) dar. Auf Basis dieser Erweiterungen ermöglicht die GPKR ein
leistungsfähiges GKM i.S.d. einleitend definierten Aufgaben und erhält dadurch
tendenziell auch eine strategische Ausrichtung.
2. Relative
Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung
Ein Teil der Erweiterungen der GPKR wurde bereits in der
Relativen Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung (REKR, Relative
Einzelkostenrechnung) (vgl. Riebel, P.
1994) vorgedacht. Die Systeme wurden anfangs parallel entwickelt, erst
später ist das Gedankengut z.T. integriert worden. Anhand ihrer jeweiligen
Zurechenbarkeit ordnet die REKR sämtliche Kosten einer Hierarchie von
sachlichen und zeitlichen (ggf. mehrdimensionalen) Bezugsobjekten (z.B.
Produkte, Produktgruppen, Sparten, Gesamtunternehmen) als Einzelkosten zu.
Dadurch soll – im Gegensatz zur GPKR – ein (mit Ausnahme der unechten GK)
vollständiger Verzicht einer Schlüsselung von GK erreicht werden. Die Kosten,
Erlöse und Potenziale (Eigentums- und Vertragspotenziale) werden in
Grundrechnungen erfasst, deren Daten für unterschiedliche Planungs-, Kontroll-
und Auswertungsrechnungen herangezogen werden können. So können z.B. die in der
Grundrechnung erfassten Bindungsdauern von Fixkostenpotenzialen zur
Entscheidungsfundierung im Rahmen des GKM genutzt werden. Jedoch ist die REKR
„ kein vorgefertigtes System ?, sondern in erster Linie eine bestimmte
Denkweise “ (vgl. Riebel, P.
1983, S. 45); sie ist somit nicht als ein spezifischer Ansatz zur
periodischen PuK von GK anzusehen.
IV. Strategisch
orientiertes Gemeinkostenmanagement
Es hat sich gezeigt, dass die PuK der GK mit Hilfe der
traditionellen, überwiegend operativ ausgerichteten KR-Systeme nicht
ausreichend ist. Die Höhe der GK wird vor allem durch (strategische)
Entscheidungen über Aufbau, Veränderung und Abbau von Potenzialen, Prozessen
und Produkten determiniert. Daher wird der Einsatz von Methoden des sog.
strategischen Kostenmanagements auch hinsichtlich einer Verbesserung des GKM
diskutiert.
1. Prozesskostenrechnung
Die Prozesskostenrechnung
(ProKR) versucht, dem zunehmenden Kostenanfall in den indirekten Bereichen und
der damit verbundenen Gefahr einer nicht verursachungsgerechten GK-Verrechnung
durch eine Fokussierung auf Prozesse und eine detaillierte Analyse der
Kostentreiber Rechnung zu tragen. Kennzeichnend für die ProKR ist, dass sie
insbes. die in den indirekten Bereichen durchgeführten repetitiven Aktivitäten zu Teilprozessen zusammenfasst, um diese
ggf. über mehrere Kostenstellen hinweg zu Hauptprozessen zu aggregieren
(Prozessanalyse). Durch eine exakte Analyse der Tätigkeiten werden i.d.R.
mengenorientierte Kostentreiber (z.B. Anzahl Bestellungen, Anzahl
Reklamationen) für jeden Teilprozess identifiziert, auf deren Basis die GK
geplant und kontrolliert werden. Die prozessorientierte Sichtweise erhöht die
Kostentransparenz und führt damit zu einer besseren Beeinflussbarkeit der GK.
Bei nicht-repetitiven Tätigkeiten ist
die ProKR hingegen nicht einsetzbar.
Unabhängig davon, ob die Kontrolle kostenstellen- oder
gesamtprozessbezogen durchgeführt wird, kann aufgrund des Vollkostencharakters
der ProKR immer nur eine Gesamtabweichung zwischen geplanten und angefallenen
Kosten aufgezeigt werden. Im Rahmen des GKM können die ermittelten
Soll-Ist-Abweichungen über die kapazitative Auslastung der Bereiche Auskunft
geben und somit Hinweise liefern, wo ggf. Kapazitäten, z.B. durch Abbau von
Fixkostenpotenzialen, angepasst werden müssen. Weiterhin wird angestrebt, die
Prozesskosten durch Veränderung oder Eliminierung der ihnen zugrunde liegenden,
GK-Ressourcen in Anspruch nehmenden Aktivitäten (Business Process
Reengineering) zu senken. Damit liefert die ProKR geeignete Informationen zur
strategischen Planung und Kontrolle insbes. der GK in den indirekten Bereichen.
2. Target
Costing und Lebenszykluskostenrechnung
Durch die Markt- bzw. Lebenszyklusorientierung können das Target
Costing (TC) und die Lebenszykluskostenrechnung den Blickwinkel des
GKM erweitern.
Das TC dient der Unterstützung des (Gemein-)
Kostenmanagements im Hinblick auf die kostenoptimale Gestaltung von Produkten,
die bereits in der Phase der Produktentwicklung ansetzt und sich als
kontinuierlicher Verbesserungsprozess auf alle Phasen des Produktlebenszyklus
bezieht. Ausgangspunkt ist hierbei der am Markt
erzielbare Preis, der im Rahmen eines retrograden Vorgehens die erlaubten
Kosten determiniert, die den – auf Basis der geplanten Strukturen (insbes. Produktkonzeption, Fertigungstechnologie)
– zurzeit realisierbaren (minimalen) Kosten gegenübergestellt werden. Die mit
diesem Ansatz intendierte Verlagerung der Kostenbetrachtung in die
Produktentwicklungsphase unterstützt neben der marktbezogenen Planung der
Produktkosten auch die frühzeitige Anpassung
der geplanten Strukturen sowie der aus ihnen resultierenden GK, z.B. durch
die Vorgabe von Zielkostenbudgets für
Kostenstellen.
Die auch dem TC inhärente Lebenszyklusorientierung entspricht
dem Grundgedanken der Lebenszykluskostenrechnung. Hierbei handelt es sich um
eine Methode zur PuK der Kosten eines Produktes (oder Projektes) während der
gesamten Lebensdauer. Die Kosten werden dabei nach den Phasen des
Produktlebenszyklus strukturiert, um die aus Entscheidungen über die Gestaltung
eines Produktes resultierenden Konsequenzen sowie mögliche
Interdependenzbeziehungen (trade offs) zwischen Vorlaufkosten, begleitenden
Kosten und Folgekosten (bzw. den entspechenden Auszahlungen) transparent zu
machen. Durch zeitliche Verschiebungen insbes. des Kostenanfalls soll eine
frühzeitige Optimierung des Produkterfolges ermöglicht werden. Der Einsatz der
Lebenszykluskostenrechnung zwingt zu einer systematischen
Planung auch der GK-Ressourcen in den einzelnen
Phasen und unterstützt somit ein lebenszyklusumfassendes GKM.
V. Zusammenfassung und
Beurteilung
GWA und insbes. ZBB werden aufgrund des hohen Aufwands bei
ihrem Einsatz i.d.R. nur in größeren zeitlichen Abständen durchgeführt. Sie
eignen sich somit nicht zur laufenden PuK von GK. Bei der GWA dominiert das
Ziel der kurzfristigen Kostensenkung, das möglicherweise nur mit negativen Konsequenzen
für die Gesamtorganisation realisierbar ist. Die Notwendigkeit zur Durchführung
einer analytischen Planung auf Basis von Organisationszielen sowie die
erforderliche Rechtfertigung beantragter Ressourcen lassen das ZBB geeigneter
erscheinen. Die Quantifizierung des Nutzens der zur Senkung der GK
vorgeschlagenen Maßnahmen bleibt jedoch – wie auch bei der GWA – unklar.
Das GKM im Rahmen der GPKR ermöglicht die periodische,
insbes. kostenstellenbezogene PuK der variablen GK vor allem in den Fertigungsbereichen.
Aufgrund des häufig hohen Anteils kurzfristig nicht veränderbarer fixer GK muss
die GPKR erweitert (dynamisiert) werden, um auch diese GK zielorientiert planen
und kontrollieren zu können. Außerdem kann das periodische GKM indirekter Bereiche
durch Prozessanalysen verbessert werden. Zum einen können durch sie genauere
Kostentreiber ermittelt, zum anderen nicht notwendige Aktivitäten identifiziert
und eliminiert werden. Eine Integration von GPKR und ProKR liegt somit nahe.
Die Lebenszykluskostenrechnung verbessert – trotz
Unsicherheit der künftigen (mehrwertigen) Auszahlungen – durch die
Notwendigkeit einer strukturierten Planung die Transparenz des erforderlichen
GK-Ressourceneinsatzes. Diese Informationen können zudem im TC-Prozess zur Steuerung
der GK herangezogen werden, wobei durch Prozessanalysen die Realisierung der
abgeleiteten Kostenziele unterstützt werden kann. Das GKM sollte daher – mit
dem Ziel eines GK-optimierenden Business Process Reengineering – je nach
Aufgabenstellung und Untersuchungsbereich eine kombinierte Anwendung der analysierten Ansätze umfassen. Zudem
empfiehlt sich, das GKM aufgrund der meist nur längerfristig veränderbaren
Strukturen auch mit der Investitionsplanungs- und -kontrollrechnung zu
verknüpfen.
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