Inhaltsübersicht
I. Gutachterliche
Unternehmensberatung
II. Die
Expertenberatung
III. Organisationsentwicklung
und Systemische Beratung
IV. Schluss
I. Gutachterliche
Unternehmensberatung
Als klassische Form der Beratung gilt die gutachterliche
Beratungstätigkeit. Gutachterliche Unternehmensberatung besteht in der
Vorbereitung von Entscheidungen im Unternehmen, z.B. für technische Prüfungen
im Rahmen einer Produktentwicklung, bei Marktforschungen zur Entscheidung über
einen Markteintritt, in der Beurteilung von alternativen Organisationskonzepten
zur Neuaufstellung des Unternehmens, etc. Der Gutachter versteht sich als
neutraler Sachverständiger, der unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden und
Erkenntnisse zu dem Entscheidungsproblem des Unternehmens objektiv Stellung
bezieht, um der Unternehmensführung eine Grundlage für eine fundierte
Entscheidung zu schaffen (Walger, Gerd
1999b, S. 2 ff.; Miethe, Claus
2000, S. 17 ff.; Zuschlag,
Berndt 1992, S. 1 ff.). Der Gutachter beantwortet die Fragestellung
seines Auftraggebers durch die Beurteilung des Sachverhalts auf der Grundlage
seiner fachlichen Kompetenz. Mit seinem Urteil soll der Gutachter dem
Auftraggeber helfen, sich in für ihn unklaren Situationen zu orientieren, um zu
einer sachgerechten Entscheidung zu gelangen. So geht es z.B. im Hinblick auf
ein Ziel um die Wahl zwischen verschiedenen Alternativen zur Zielerreichung.
Dem Auftraggeber fehlen Informationen über die zur Entscheidung stehenden
Alternativen und die damit verbundenen Konsequenzen. Aufgabe des Gutachters ist
dann die objektive Beurteilung der verschiedenen Alternativen in Bezug auf das
Ziel. Die Entscheidung selbst, also die Auswahl der strategischen Alternative,
die realisiert wird, verbleibt beim Auftraggeber. Der Gutachter ist also mit
der Entscheidung selbst und ihrer Umsetzung nicht befasst.
Das wesentliche Moment der gutachterlichen Beratungsleistung
ist es, ein objektives Urteil zu fällen, das dem zu beurteilenden Sachverhalt
angemessen ist. Um diese Objektivität des Gutachtens herstellen zu können,
bedarf es einer besonderen Qualifikation, die durch eine intensive fachliche,
meist wissenschaftlich fundierte Ausbildung erlangt wird. Z.B. sind
Wissenschaftler neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit an einer Hochschule
oftmals als selbstständige, gutachterliche Berater tätig oder
Forschungsinstitute von Hochschulen entwickeln sich häufig zu gutachterlich
tätigen Beratungsinstituten. Jeder Sachverhalt muss in seiner konkreten
Spezifität untersucht werden und die Objektivität kann insofern nicht mit Hilfe
eines standardisierten Prozesses oder wie ein qualitativ bestimmbares Produkt
in vervielfältigbarer Weise hergestellt werden. Deshalb sind die
Wachstumsmöglichkeiten gutachterlicher Consultingunternehmen begrenzt und die
Anbieter dieser Form der Beratungstätigkeit sind entweder selbstständige
Freiberufler oder wissenschaftliche bzw. technische Institute. Eine wichtige
Gruppe gutachterlicher Berater sind neben den wissenschaftlichen oder
technischen Beratern bzw. Instituten auch Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und
Rechtsanwälte.
Gutachterliche qualifizierte Berater schließen sich oftmals
partnerschaftlich zusammen. Dies ist beispielsweise häufig der Fall bei
Rechtsanwälten, die unterschiedliche Spezialisierungen ausgebildet haben, oder
Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer verbinden sich miteinander
zu einer Partnerschaft. Jede der daran beteiligten Personen versteht sich als
Freiberufler, der gemäß seiner Profession in seinem Fachgebiet unabhängig und
ohne Weisungsgebundenheit von einem fachfremden Vorgesetzten tätig sein will.
Die Führung solcher Unternehmungen erfordert eine kontinuierlich stattfindende,
gemeinsame Willensbildung, da auseinander driftende Interessen ein hohes Risiko
für Konflikte bergen, die den Bestand der Partnerschaft gefährden können.
Für gutachterliche Berater ist es ökonomisch interessant,
ihre gutachterliche Leistung einer Zweitverwertung zuzuführen. Beispielsweise
lösen Marktforschungsinstitute Marktforschungen, die sie im Auftrag eines
bestimmten Auftraggebers erstellt haben, von dem spezifischen Kontext ab,
verallgemeinern die Inhalte und bieten sie als fertige Marktanalyse einer
breiteren Zielgruppe an. Indem solche Analysen die Qualität eines Produktes
annehmen und vielfach vermarktbar werden, entsteht auch für die gutachterlichen
Consultingunternehmen die Chance, neue Vermarktungsmöglichkeiten der eigenen
Kompetenz zu entwickeln und über die Grenze, die durch die Auftragsorientierung
der Gutachten gegeben ist, hinaus zu wachsen.
1. Die
Expertenberatung
Consultingunternehmen, die ihre Leistungen quasi wie ein
industrielles Produkt herstellen und anbieten, werden hier als
Expertenberatungen verstanden. Sie sind die heute am weitesten verbreitete Form
der Unternehmensberatung. Alle großen Beratungsgesellschaften von McKinsey, The
Boston Consulting Group bis Droege & Comp. und Roland Berger bieten ihren
Kunden solche Beratungsprodukte an. Diese ermöglichen die Umgestaltung von
Unternehmen entlang vorgefertigter, funktional differenzierter
Organisationskonzepte (Walger, Gerd
1999a, S. 5 ff.).
Expertenberatung zeichnet sich dadurch aus, dass sie
standardisierte Gestaltungsempfehlungen für Unternehmen im Hinblick auf die
Lösung von allgemeinen Problemen in Unternehmen entwickelt und realisiert. Die
Ablösung der Beratungsleistung von der Person des Beraters und ihre
Standardisierung zu vorgefertigten Produkten erlaubt es, sie in großer Zahl zu
vervielfältigen und Hochschulabsolventen als Berater in Einsatz zu bringen.
Dadurch können sehr große Beratungsunternehmen entstehen (Dichtl,
Markus 1998; Niedereichholz,
Christel 1997).
In den Beratungsprodukten der Expertenberatung ist das
empfohlene Organisationskonzept in seinen wesentlichen Eigenschaften und
Merkmalen gedanklich bereits vollständig entwickelt. Die Produktentwicklung der
Beratungsgesellschaften erfolgt, indem zurückliegende Erfahrungen von
Unternehmen gezielt ausgewertet werden im Hinblick auf Probleme und Lösungen,
die sich für eine Verallgemeinerung für einen besonders großen Kreis
potenzieller Klientenunternehmen eignen. Um diese Auswertungen systematisch
leisten zu können, betreiben alle großen Expertenberatungs-Unternehmen ein
informationstechnisch unterstütztes Wissensmanagement. In diesen
Wissensmanagementsystemen werden möglichst umfassend Informationen, die in
Zusammenhang mit Beratungsprojekten gewonnen wurden, gespeichert. Die
Auswertung und Selektion dieser Informationen erfolgt anhand bestimmter
Kriterien, Kategorien und Verfahren. Damit kommt der Konzipierung des
Wissensmanagements entscheidende Bedeutung dafür zu, welche Probleme und
Lösungen verallgemeinert werden und was als Produkt entwickelt wird (Walger, Gerd
2000, S. 81 ff.).
In einem zweiten Schritt werden die verallgemeinerten
Erfahrungen konzeptionell soweit ausgearbeitet, bis schließlich eigenständige
Organisationskonzepte für die Gestaltung von Unternehmen vorliegen. In Form des
marktreifen Beratungsprodukts ist die Beratungsleistung nicht länger an die
Person des Beraters gebunden, der die Ausarbeitung vorgenommen hat, sondern
allgemein verfügbar. Jedes Beratungsunternehmen kann auf diese Weise ein
Sortiment an Beratungsprodukten entwickeln, die unabhängig von dem einzelnen
Berater angeboten werden können. Beispiele für solche Beratungsprodukte sind
die Portfolioanalyse, das Reengineering, das Shareholder-Value-Konzept oder
Angebote zur Corporate Governance.
Um eine möglichst große Verbreitung der Beratungsleistungen
zu gewährleisten, bedürfen diese Consultingunternehmen einer aktiven
Recruiting- und Personalstrategie. Diese soll die Verfügbarkeit über eine
ausreichende Anzahl von geeigneten Beratern sicherstellen, die die operative
Beratungsleistung gemäß der durch die Beratungsprodukte vorgegebenen
Verfahrensweisen erbringen können. Dies ist der Hintergrund dafür, dass
Unternehmensberater besonders aktiv bereits im Studium um Hochschulabsolventen
werben und vergleichsweise hohe Eintrittsgehälter für Hochschulabsolventen
zahlen. Die Herstellung der Beratungsleistung der Expertenberatung beinhaltet
im Wesentlichen, auf Seiten des Unternehmens die Bedingungen dafür
herzustellen, dass das vorgefertigte Beratungsprodukt im Klientenunternehmen
realisiert werden kann. Um die mit der Akquisition des Beratungsprojektes
abgegebenen Produktversprechen einhalten zu können, bedeutet dies, anders als
bei der Arbeit des Gutachters, der gemäß seinem Selbstverständnis eine seinem
Gegenstand angemessene Lösung entwickeln muss, vornehmlich die Adaption der
bisherigen Unternehmensorganisation an die vorgefertigte Organisationslösung.
Da die damit einhergehenden Veränderungen in vielen Fällen den Widerstand der
bestehenden Organisation auslösen, geht es für die Expertenberatung wesentlich
darum, immer wieder die Realisierung des Projektes durch das Topmanagement
abgesichert zu bekommen.
Die Organisation der Experten-Consultingunternehmen lehnt
sich an die industrieller Produktionsunternehmen an (Kubr, Milan
1986, S. 337 ff.). Die Aufträge werden i.d.R. von den Partnern der
Beratungsunternehmen akquiriert und von diesen wird während der Durchführung
der Beratung die Beziehung zum Kunden gepflegt. Partner zu sein bedeutet in den
großen Beratungsgesellschaften jedoch nicht notwendig, Mitglied der
Unternehmensleitung zu sein. Zwar sind die Partner i.d.R. an der Gesellschaft
mitbeteiligt. Dadurch soll ihre Bindung an das Consultingunternehmen gefestigt
werden. Da aber große Beratungsgesellschaften über mehrere Dutzend Partner
verfügen können, wählen diese jeweils eine Geschäftsführung, die sie vertritt.
Die Erbringung der Beratungsleistung, das Projektmanagement,
und die damit verbundene Abarbeitung der einzelnen Teilaufgaben übernehmen
Projektleiter, unterstützt durch operativ tätige Berater. Diese Projektteams
beinhalten die notwendigen Kompetenzen zur Realisierung des Auftrages,
insbesondere produktspezifische und branchenspezifische Kompetenzen. Kritisch
für den betriebswirtschaftlichen Erfolg des Experten-Consultingunternehmens ist
die Auslastung der eigenen Kapazität. An diesem Problem wird jeder Berater in
der Weise beteiligt, dass er mitverantwortlich für seine eigene Auslastung ist
und die Höhe dieser Auslastung seine Vergütung mitbestimmt. Insoweit ist es für
den einzelnen Berater wichtig, vielfältig verwendbar zu sein, d.h. über
substanzielle und möglichst mehrere Produkt- und Branchenkompetenzen zu
verfügen und gute Beziehungen zu Projektleitern und Partnern zu haben, um bei
der Zusammenstellung der Projektteams berücksichtigt zu werden. Die
zahlenmäßige Relation zwischen Berater und Projektleiter sowie Partner hängt
sehr von dem Gegenstand der Beratung ab: Während in Beratungsprojekten der
Informationstechnik ein Partner bis zu 100 Berater führt, kann die Relation bei
Strategieprojekten auf ein Verhältnis von 1:7 sinken (Lechner,
Christoph/Gesing, Nicola/Kreutzer, Markus et al. 2005, S. 180). In
Zusammenhang damit steht die Personalpolitik dieser Consultingunternehmen.
Insbesondere in Strategieberatungen gilt das „ up or out “ - bzw. das „ grow or
go “ -Prinzip, das besagt, dass derjenige, der nach jeweils etwa vier Jahren den
Sprung auf die nächste Ebene nicht geschafft hat, das Unternehmen verlassen
muss. Mit dieser Politik haben diese Beratungsunternehmen über Jahre ihr
starkes Wachstum organisatorisch abgesichert und eine spezifische, auf
Einsatzbereitschaft, Leistung und Erfolg ausgerichtete Unternehmenskultur
etabliert.
Durch das Problem, die eigenen Kapazitäten möglichst gut
auslasten zu müssen, ist der Vertrieb der Beratungsprodukte und die
Vertriebsstrategie des Beratungsunternehmens zu den kritischen Erfolgsfaktoren
dieser Unternehmen geworden. Neben der Pflege der Marke, die bei vergleichbaren
Produkten ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung der Kunden ist,
kommt dem eigenen Anteil am Markt in dieser Hinsicht besondere Bedeutung zu.
Für Experten-Consultingunternehmen ist es daher wichtig, permanent zu wachsen,
den eigenen Marktanteil zu vergrößern und im Markt bzw. in bestimmten Marktsegmenten
Marktführer zu sein.
Insbesondere die großen Expertenberatungs-Unternehmen sind in
der jüngsten Zeit in die Kritik geraten. Thematisiert wurden ihre Verwicklung
in Unternehmenskrisen, zu hohe Honorare insbesondere bei öffentlichen
Aufträgen, der Einsatz von unerfahrenen Consultants statt erfahrener Partner in
der Projektdurchführung und ihr Umgang mit Interessenskonflikten, die
insbesondere im Zuge von Kapitalbeteiligungen entstanden (Kirsch,
Werner/Seidl, David/Linder, Martin 2005; Wimmer,
Rudolf 2003). Es stellt sich auch die Frage, ob die Vorfertigung der
Beratungsprodukte nicht dem Anspruch professionalisierter Beratung
entgegensteht (Walger,
Gerd/Neise, Ralf 2005, S. 103 ff.).
2. Organisationsentwicklung
und Systemische Beratung
Im Beratungskonzept der Organisationsentwicklung (OE) gilt
der Berater als Experte für Lernprozesse und Change Management in Unternehmen.
Er unterstützt durch seine Interventionen den Prozess, der für die Entwicklung
des Unternehmens notwendig ist. Der Anspruch des OE-Beraters ist es nicht, dass
er selbst den Entwurf für die Unternehmensentwicklung liefert. Es geht ihm
vielmehr darum, dem Klienten zu helfen, sich selbstständig und selbstbestimmt
zu entwickeln. „ Nur der, der das Problem hat, kann es lösen “ und „ Betroffene zu
Beteiligten machen “ sind die zentralen Losungen der OE. Sie will damit ein
möglichst großes Potenzial für die Lösung der Probleme nutzen und Widerstände
in der Organisation gar nicht erst entstehen lassen (Bartölke,
Klaus 1980, Sp. 1471 ff.; Schein, Edgar
1990, S. 60; French, Wendell
L./Bell, Cecile H. 1994; Argyris,
Chris 1970, S. 19).
Die OE-Beratung hat mit dem Widerspruch umzugehen, dass jede
ihrer Interventionen während des Beratungsprozesses der selbstständigen und
selbstbestimmten Entwicklung des Klienten entgegensteht. Diesen Widerspruch
sucht die OE-Beratung aufzulösen, indem der OE-Berater durch sein persönliches
Verhalten die Selbstverantwortlichkeit des Klienten hervorhebt. Beispielsweise
vermittelt er dem Klienten, dass er, der Berater, das Problem des Klienten
nicht lösen werde und mutet ihm zu, sich selbst um eine Lösung zu bemühen. Er
erklärt ihm, dass er als Berater über kein Rezept zur Entwicklung des
Unternehmens verfüge, sondern vielmehr ihn, den Klienten, bei seiner
Entwicklung durch Spiegelung seines Verhaltens und Reflexion unterstützen
werde. Dieses Vorgehen des OE-Beraters bedarf einer besonderen persönlichen
Qualifikation des Beraters, die durch eine intensive Ausbildung und Trainings
sowie die Supervision von eigenverantwortlich durchgeführten Beratungsprojekten
erworben werden muss.
In der Vergangenheit wurde Kritik an der OE-Beratung
geäußert. Insbesondere wurde kritisiert, dass OE-Berater eigene Werte
verfolgten, wie Unternehmen sein sollen, und beispielsweise Forderungen nach
dem Abbau von Hierarchien in Unternehmen formulierten. Darüber hinaus wurde
kritisiert, dass die Maßgabe der OE-Beratung, Betroffene zu Beteiligten zu
machen, strukturellen Veränderungen der Organisation entgegensteht und sie
daher mit der Neuausrichtung ganzer Unternehmen überfordert ist (Trebesch,
Karsten 1984; ders. 1999; Wächter,
Hartmut 1983, S. 64 ff.). Einige dieser Defizite der OE-Beratung hat
die Systemische Beratung zu heilen versucht. Die Differenzierung gegenüber der
OE erfolgt dabei sowohl auf konzeptioneller Ebene als auch durch den Versuch,
„ Systemische Beratung “ als eigenständige Marke zu etablieren (Wimmer,
Rudolf 1991, S. 45 ff.; Miethe, Claus
2000, S. 164 ff.). Die inhaltliche Veränderung besteht in der Fundierung der
Organisationsentwicklungsberatung durch die neuere Systemtheorie, die im
Bereich der Sozialwissenschaften maßgeblich durch Luhmann, Niklas geprägt
worden ist. Diese betont stärker die funktionalen Zusammenhänge innerhalb der
Organisation. Allerdings bleibt fraglich, ob der Systembegriff für
Organisationen angemessen ist und ob dem betriebswirtschaftlichen
Grundzusammenhang von Unternehmen hinreichend Rechnung getragen wird (Walger,
Gerd/Neise, Ralf 2005, S. 87 ff. und S. 119 ff.).
Ähnlich wie bei der gutachterlichen Beratung wird die
Beratung der OE bzw. der Systemischen Beratung in auftragsorientierter
Einzelfertigung erstellt. OE-Berater bzw. Systemische Berater sind daher ebenso
wie Gutachter i.d.R. selbstständige Freiberufler oder gründen Netzwerke oder
Institute.
Auch für die Systemische Beratung sind eigene Ausbildungs-
und Qualifikationsprogramme entstanden, die die Qualität der Beratung und die
Professionalität der Berater sicherstellen sollen. Diese Ausbildungsprogramme
werden nicht von den Hochschulen durchgeführt, sondern erfolgen im Anschluss an
das Studium durch private Weiterbildungsanbieter. In deren Kontexten sind auch
Verbände entstanden, in denen sich die ausgebildeten Berater organisieren.
Diese Verbände sollen die Qualität der Beratung und Beraterausbildung sichern,
den fachlichen Austausch untereinander fördern und die Vermarktung ihrer
Beratungsangebote unterstützen, z.B. durch eine geeignete
Öffentlichkeitsarbeit, die Herausgabe von Zeitschriften und Publikationen sowie
die Durchführung von Kongressen und Weiterbildungen.
3. Schluss
Empirische Erhebungen und Analysen zu Consultingunternehmen
liegen, wenn überhaupt, fast ausschließlich für die großen
Expertenberatungsunternehmen oder von Seiten fachlicher Verbände, wie z.B. für
Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte oder Personalberater vor. Der
Bundesverband der Unternehmensberater (BDU) publiziert in seinem Jahresbericht
regelmäßig Daten über die Entwicklung der von ihm repräsentierten
Beratungsbranche. Diese weist nach Rückgängen in 2002 ( – 4,5%) und 2003 ( – 0,5%)
erstmals wieder ein Wachstum auf 12,3 Mrd. Euro im Jahr 2004 (+1%) aus. Dieser
Umsatz wurde von ca. 67.000 Unternehmens- und Personalberatern in rund 14.300
Gesellschaften erwirtschaftet (BDU, 2004,
S. 3). Allerdings profitierten von diesem Wachstum nur die mittelgroßen
Consultingunternehmen (+3%; Gesellschaften von 0,5 – 20 Mio. Euro Jahresumsatz)
und kleinere Beratungsunternehmen (+1%), während die großen Top 40 Unternehmen
durchschnittlich 2% Umsatz verloren. Der Gesamtumsatz der Beratungsbranche
beinhaltete nach Angaben des BDU einen Anteil von gut 7,4 Mrd. Euro für
Managementberatung, davon wiederum fielen 3,02 Mrd. auf die Strategieberatung
und 4,38 Mrd. Euro auf die Organisationsberatung. Die IT Beratung belief sich
3,52 Mrd. Euro, Human Resource Angebote auf 1,41 Mrd. Euro und
Outsourcing-Dienstleistungen auf 1 Mrd. Euro. Lünendonk publiziert jährlich
eine Liste der größten 25 Consultingunternehmen, ihrer Umsätze und
Mitarbeiterzahlen. Danach ist McKinsey Deutschland (540 Mio. Euro Umsatz, 1.750
Mitarbeiter) vor Roland Berger (530/ 1.630) und The Boston Consulting Group
(246/ 1.050) das größte Consultingunternehmen in Deutschland.
Eine differenzierte Erhebung des Beratungsmarktes von
Walger/Scheller berücksichtigt erstmals auch die unterschiedlichen
Beratungsansätze (Walger,
Gerd/Scheller, Christian 2000, S. 1 ff.). Danach sind – ohne
Einbeziehung von Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern – 84,7%
der Befragten Expertenberatungs-Unternehmen, 11,4% Organisationsentwickler,
2,2% Systemische und 1,7% gutachterliche Consultingunternehmen. In dieser
Studie wird auch deutlich, dass ein Großteil der Consultingunternehmen
Kleinstunternehmen sind (13% Einzelberater, 60% mit zwei bis neun
Mitarbeitern). Auf Seiten der Klientenunternehmen zeigt diese Studie, dass der
große Teil des Umsatzes der Consultingunternehmen sich auf größere Unternehmen
und Konzerne konzentriert, und dass sich eine Korrelation ausmachen lässt
zwischen Größe der Beratungsunternehmen und der ihrer Klientenunternehmen.
Literatur:
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Walger, Gerd : Chancen und Folgen der
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Walger, Gerd/Neise, Ralf : Die
Grenzen der Strategieberatung liegen innen, in: Grenzen der Strategieberatung.
Eine Gegenüberstellung der Perspektiven von Wissenschaft, Beratung und
Klienten, hrsg. v. Kirsch, Werner/Seidl, David/Linder, Martin, Bern, Stuttgart,
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Walger, Gerd/Scheller, Christian :
Der Markt der Unternehmensberatung in Deutschland, Österreich und der Schweiz,
in: Perspektiven der Unternehmensberatung für kleine und mittlere Betriebe.
Probleme – Perspektiven – Empirische Analysen, hrsg. v. Kailer, Norbert/Walger,
Gerd, Wien 2000, S. 1 – 40
Wimmer, Rudolf :
Organisationsberatung. Eine Wachstumsbranche ohne professionelles
Selbstverständnis, in: Theorie und Praxis der Unternehmensberatung, hrsg. v.
Hofmann, Michael, Heidelberg 1991, S. 45 – 136
Zuschlag, Berndt : Das Gutachten des
Sachverständigen. Rechtsgrundlagen, Gliederung, Rationalisierung, Göttingen,
Stuttgart 1992
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