Inhaltsübersicht
I. Unvermindert
hohe Relevanz einer sorgfältigen Abstimmung von Strategie und
Organisationsstruktur
II. Notwendigkeit
einer sorgfältigen Konzeptualisierung der Konstrukte „ Strategie “ und
„ Organisationsstruktur “ im Zusammenhang von Strategie-Struktur-Untersuchungen
III. Zusammenhänge
zwischen einzelnen Strategieelementen und der Organisationsstruktur
IV. Auswirkungen
von Strategie-Struktur-Entsprechungen auf den Unternehmenserfolg
V. Zur
Kausalitätsrichtung von Strategie und Organisationsstruktur
VI. Kritische
Würdigung und forschungsprogrammatische Perspektiven
I. Unvermindert hohe
Relevanz einer sorgfältigen Abstimmung von Strategie und Organisationsstruktur
Die Beziehung zwischen der Strategie und der
Organisationsstruktur von Unternehmen (bzw. anderen Institutionstypen) gehört
zu den klassischen Erkenntnisfeldern der Betriebswirtschaftslehre. Ausgehend
von Chandlers wegweisender Untersuchung (Chandler,
Alfred Dupont 1962) wurden zahlreiche theoretische und empirische
Untersuchungen hierauf ausgerichtet. Nachdem das Untersuchungsinteresse in den
1980er-Jahren aufgrund der verstärkten Hinwendung zu prozessualen, insb.
personenorientierten Koordinationsformen vorübergehend etwas zurückgegangen
war, ist das Ausmaß der auf die Strategie-Struktur-Beziehung ausgerichteten
Forschungsbemühungen seither wieder stark angestiegen (Schewe,
Gerhard 1998; Wolf, Joachim
2000).
Diese erneute Hinwendung zur Strategie-Struktur-Beziehung
erscheint insofern plausibel,
-
als zahlreiche Unternehmen im Verlauf der letzten
Jahrzehnte Strategien eingesetzt haben, die durch die traditionelle Strategie-Struktur-Forschung
so noch nicht abgedeckt worden sind (z.B. die Wahl von Wettbewerbsstrategien
oder die Strategie der Internationalisierung der F&E),
-
als die Organisationstheorie nach wie vor
argumentiert, dass die prozessuale (d.h. technokratische und
personenorientierte) Koordination nicht mehr darstellt als eine Ergänzung zur
strukturellen Koordination und
-
als die Mehrzahl der Unternehmen in den letzten beiden
Jahrzehnten die Zahl ihrer Reorganisationen signifikant erhöht hat (vgl. Wolf,
Joachim 2000). Wenn der Faktor „ Organisationsstruktur “ unwichtig
wäre, hätten die Unternehmen nicht so viel in aufwendige
Reorganisationsprojekte investiert (Wolf,
Joachim/Egelhoff, William G. 2002).
Daher und aufgrund weiterer, anderswo (Wolf, Joachim
2000) genannter Gründe wird der Strategie-Struktur-Zusammenhang auch in den
nächsten Jahrzehnten im Mittelpunkt der Unternehmensführungs- und
Organisationsforschung stehen.
II. Notwendigkeit einer
sorgfältigen Konzeptualisierung der Konstrukte „ Strategie “ und
„ Organisationsstruktur “ im Zusammenhang von Strategie-Struktur-Untersuchungen
Formal gesehen, lassen sich Strategien als grundlegende, von
Unternehmen einzuschlagende Ziele und Wege der Zielerreichung begreifen.
Gleichwohl ist das Konstrukt „ Strategie “ multidimensional und somit gefährdet,
mehrdeutig bzw. missverständlich interpretiert zu werden. Es umfasst
unterschiedlichste Strategieelemente wie Wachstumsstrategien,
Diversifikationsstrategien, Wettbewerbsstrategien, F&E-Strategien,
Akquisitionsstrategien, Kooperationsstrategien oder
Internationalisierungsstrategien. Diese Multidimensionalität des
Strategiekonstrukts dürfte auch wesentlich dafür verantwortlich sein, dass die
unzähligen Versuche, eine universell gültige Kausalitätsrichtung zwischen
Strategie und Organisationsstruktur zu identifizieren, letztlich fehlgeschlagen
sind (Schewe,
Gerhard 1999). Je nach betrachtetem Strategieelement variiert
nämlich die Richtung der Wirkungsstruktur.
Ähnlich große Interpretationsspielräume umgeben den Begriff
„ Organisationsstruktur “ . Vielfach wird auf eine explizite Definition gänzlich
verzichtet. Gemeint ist dabei jedoch fast durchweg die formale Gliederung der
betrachteten Einheit. Organisationsstrukturen finden sich somit nicht nur auf
der Gesamtunternehmens- und Geschäftsbereichsebene, sondern ebenso auf
nachgelagerten Hierarchieebenen wie Abteilungen oder Arbeitsgruppen. Wenn die
Strategie-Struktur-Forschung den Begriff „ Organisationsstruktur “ verwendet,
dann meint sie damit jedoch die Makrostruktur, also die grundsätzliche, auf den
höheren Hierarchieebenen bestehende Form der Unternehmensgliederung. Auch dies
bedarf freilich insofern einer weiteren Spezifikation, als das Aggregationsniveau
des Organisationsstrukturkonzepts stets mit dem Aggregationsniveau des
gewählten Strategieelements abzustimmen ist. Werden bspw.
Unternehmenswachstums- oder Diversifikationsstrategien betrachtet, dann ist
diesen die Gesamtunternehmensstruktur gegenüberzustellen. Werden
Wettbewerbsstrategien oder internationale strategische Orientierungen
thematisiert, dann sind diese mit Geschäftsbereichsstrukturen zu konfrontieren.
III. Zusammenhänge
zwischen einzelnen Strategieelementen und der Organisationsstruktur
Im Rahmen der zahlreichen verfügbaren Untersuchungen zum
Strategie-Struktur-Zusammenhang sind vielfältige Beziehungen zwischen
Strategieelementen und Organisationsstrukturen hypothetisiert und empirisch
getestet worden. Die verfügbaren Untersuchungen lassen sich in zwei Gruppen
einteilen:
-
Die der ersten Gruppe zuzuordnenden Untersuchungen
(z.B. Chandler,
Alfred Dupont 1962; Fligstein,
Neil 1985) sind rein deskriptiv angelegt. Es wird geprüft, ob die
als vernünftig angenommenen Zuordnungen bestimmter Ausprägungen von
Strategieelementen und Organisationsstrukturen in der Realität tatsächlich
vorherrschen. Ob Unternehmen, welche die als zweckmäßig erachteten
Strategie-Struktur-Zuordnungen realisiert haben, auch wirklich erfolgreicher
sind als diejenigen mit anderen Zuordnungen, wird nicht explizit geprüft.
-
Die in die zweite Gruppe einzureihenden Untersuchungen
(z.B. Rumelt,
Richard P. 1974; Armour,
Henry O./Teece, David J. 1978; Markides,
Constantinos C./Williamson, Peter J. 1996) vollziehen die
letztgenannte explizite Güteprüfung des Strategie-Struktur-Fits. Diese
Untersuchungen bemühen sich um eine valide Messung des Unternehmenserfolgs.
Die zweitgenannten Untersuchungen erscheinen zunächst
überlegen, weil sie sich nicht ausschließlich auf eine zwingende Logik
verlassen, sondern überdies den Bewährungsgrad der elaborierten Fits explizit
testen. Gleichwohl ist anzumerken, dass diese Untersuchungen aufgrund der immer
bestehenden Probleme bei der Messung von Unternehmenserfolg (Wolf, Joachim
2003) ebenfalls nicht unproblematisch sind.
Da ein großer Teil der konzeptualisierten
Strategie-Struktur-Entsprechungen eine empirische Fundierung erfahren hat, ist
es im Rahmen dieses Überblicksbeitrags nicht möglich, die Gesamtmenge der
bestätigten Fits wiederzugeben. Stattdessen ist eine Beschränkung auf die
wichtigsten der „ klassischen “ und neuen Strategie-Struktur-Fits erforderlich.
Die klassischen Strategie-Struktur-Fits beziehen sich auf die Strategieelemente
„ Diversifikation “ und „ Unternehmenswachstum “ .
Im Mittelpunkt der Diskussion um den Zusammenhang zwischen
dem Strategieelement „ Diversifikation “ und der Organisationsstruktur steht der
Befund, dass schwach diversifizierte Unternehmen zur Funktionalstruktur, stark
diversifizierte hingegen zur Produktspartenstruktur neigen (Chandler,
Alfred Dupont 1962; Rumelt,
Richard P. 1974; Whittington,
Richard/Mayer, Michael/Curto, Francisco 1998). Dies erscheint
insofern plausibel, als mit zunehmender Diversifikation die Heterogenität der vom
Unternehmen zu gestaltenden externen und internen Kontexte zunimmt (Galbraith,
Jay R./Kazanjian, Robert K. 1986). In stark diversifizierten, jedoch
funktional gegliederten Unternehmen wird die Bewältigung der Leitungsaufgabe
zunehmend zum Problem; die Produktspartenstruktur ist hier günstiger, weil sie
den Informationsfluss zwischen jenen Unternehmenseinheiten, deren Aufgaben
nunmehr die größte Ähnlichkeit aufweisen, akzentuiert und damit klare
Verantwortlichkeiten schafft. Für den Übergang zur Produktspartenstruktur im
Zuge des Diversifikationsprozesses spricht aber auch, dass die
Leistungsprogrammdiversifikation eine Absenkung des Ausmaßes
teilbereichsübergreifender Interdependenzen bewirkt. Somit ist eine
ausgeprägte, von der Hierarchiespitze ausgehende Koordination weder möglich
noch erforderlich (Donaldson,
Lex 1982). Weiterhin hat sich gezeigt, dass stark diversifizierte
Unternehmen überzufällig zur Matrixstruktur und unterzufällig zur
Regionalspartenstruktur neigen (Habib,
Mohammed/Victor, Bart 1991; Wolf, Joachim
2000). Die Neigung zur Matrixstruktur erscheint angesichts deren hoher
Informationsverarbeitungskapazität plausibel, die im Falle einer starken
Leistungsprogrammdiversifikation besonders vorteilhaft ist. Eine ausgeprägte
Diversifikation und die Regionalspartenstruktur sind deshalb „ unverträglich “ ,
weil bei dieser Organisationsstruktur die produktbezogenen
Informationsverarbeitungskapazitäten gering ausgeprägt sind.
Im Hinblick auf das Strategieelement „ Unternehmenswachstum “
hält die Strategie-Struktur-Forschung die empirisch wiederholt (Fligstein,
Neil 1985; Schmitz,
Rudolf 1988) erhärtete Hypothese bereit, dass kleinere Unternehmen zur
Funktionalstruktur, größere hingegen zur Produktsparten- und Matrixstruktur
tendieren. Erklärt wird der Übergang von der Funktionalstruktur zur
Produktsparten- bzw. Matrixstruktur im Laufe des unternehmerischen
Wachstumsprozesses v.a. mit dem von Williamson (Williamson,
Oliver E. 1975) identifizierten „ cumulative loss effect “ der
Funktionalstruktur. Hierunter wird verstanden, dass in funktional gegliederten
Großunternehmen die Tätigkeiten vieler der in den Funktionsbereichen tätigen
mittleren Manager keinen direkten Erfolgsbezug hätten, dass sie daher
Drückebergerei betreiben könnten, zumal es dem Top Management aufgrund seiner
begrenzten Rationalität kaum möglich sei, opportunistisch handelnde Untergebene
verlässlich zu kontrollieren. Nach Williamson hilft hier insb. die
Produktspartenstruktur ( „ M-Form “ ) weiter, weil hier das Unternehmen in mehrere
überschaubare, unternehmerisch geführte Teilsysteme aufgegliedert wird. Die
Einrichtung der Produktspartenstruktur kann demnach als Reaktion auf die
Leitungsprobleme gesehen werden, die sich infolge des Wachstums von Unternehmen
ergeben. Die Matrixstruktur dürfte v.a. deshalb gehäuft bei größeren
Unternehmen auftreten, weil eine Doppelunterstellung die Verfügbarkeit einer
hinreichenden Zahl an höheren Führungskräften voraussetzt. Trotz dieser an und
für sich plausiblen Gedankenfolge ist im Schrifttum bis heute umstritten, ob
mit dem Unternehmenswachstum ein originärer „ Strukturtreiber “ gegeben ist oder
ob empirisch festgestellte Assoziationen der Unternehmensgröße und
organisationalen Grundstrukturen lediglich die Tatsache zum Ausdruck bringen,
dass die Variablen „ Unternehmensgröße “ und „ Diversifikation “ in vielen Samples
stark miteinander korrelieren (Donaldson,
Lex 1986).
Als neuere, noch nicht allzu lange diskutierte
Strategie-Struktur-Fits sind u.a. (weitere werden in Wolf, Joachim
2000 diskutiert) die Zusammenhänge der Strategieelemente „ Wettbewerbsstrategie “
und „ F&E-Strategie “ mit der Organisationsstruktur anzusprechen.
Werden „ Wettbewerbsstrategien “ auf der Basis von Porters (Porter,
Michael E. 1980) Trilogie konzeptualisiert, dann ist zu vermuten,
dass Unternehmen mit einer Kostenführerschaftsstrategie zur Funktionalstruktur
und solche mit einer Differenzierungsstrategie zur Produktspartenstruktur
neigen. Erstere suchen nämlich in einer Minimierung von Stückkosten ihren
kompetitiven Vorteil. Die Funktionalstruktur erweist sich hier deshalb als
passend, weil sie im Unternehmen nicht an vielen Stellen (nämlich den Sparten)
gleichartige Funktionsbereiche vorhält, sondern für eine effizienzsteigernde
Bündelung der verfügbaren Ressourcen sorgt (Miller, Danny
1988). Demgegenüber versuchen sich Differenzierer mit einzigartigen
Marktleistungen von ihren Wettbewerbern abzuheben. Hierzu streben sie nach
häufigen und signifikanten Produktinnovationen sowie nach einer intensiven
Betreuung ihrer Kunden. Dies macht eine Organisationsstruktur erforderlich, bei
der produkt- und marktorientierte Informationsverarbeitungskapazitäten
gleichermaßen zumindest recht stark ausgeprägt sind. Diese Bedingung erfüllt
die Produktspartenstruktur besser als alle anderen Organisationsstrukturen. In
diesem Strukturkonzept ist der Unternehmenskorpus hinreichend komplex und
dezentral angelegt, um den differenzierungstypischen
Economies-of-Scope-Erfordernissen gerecht zu werden.
F&E-Aktivitäten erfolgen nicht nur im Unternehmensbereich
gleichen Namens, sondern auch in vielen anderen Unternehmenseinheiten. Daher
ist es vernünftig, Fits zwischen der F&E-Strategie, namentlich der
F&E-Intensität, und der Organisationsstruktur zu elaborieren. Für
F&E-intensive Unternehmen erscheinen die Produktsparten- und die
Matrixstruktur, weniger die Funktionalstruktur passend. Die
Produktspartenstruktur erscheint opportun, weil ihr Schwerpunkt der
Informationsverarbeitung direktional den F&E-seitig gestellten
produktzentrierten Informationsverarbeitungserfordernissen entspricht.
Andererseits geht eine hohe F&E-Intensität mit einer hohen Dynamik und
Varietät und demzufolge mit einer geringen Analysierbarkeit der
unternehmerischen Transaktionsprozesse einher. Derartige variable und schlecht
analysierbare Transaktionsprozesse sind nur auf dem Wege intensiver und medial
reichhaltiger Informationstransfers, wie sie im Rahmen der Matrixstruktur
erfolgen, zu bewältigen.
Die zuvor dargelegten Strategie-Struktur-Entsprechungen haben
sich insb. in der Untersuchung von Wolf (Wolf, Joachim
2000), in deren Rahmen 156 deutsche nationale und internationale Unternehmen
über den Zeitraum von 40 Jahren hinweg studiert worden sind, gezeigt. Überdies
führte diese Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der Zusammenhang zwischen den
Strategieelementen und der Organisationsstruktur im Zeitablauf eher stärker als
schwächer geworden ist. Auch dies unterstreicht die hohe Relevanz des Themas
„ Strategie und Struktur “ .
Im Hinblick auf die relative Bedeutung der einzelnen
Strategie-Struktur-Entsprechungen hinsichtlich der Wahl von
Organisationsstrukturen ist festzuhalten, dass die klassischen Fits nach wie
vor den größten Anteil der Varianz der Strukturwahl erklären können.
IV. Auswirkungen von
Strategie-Struktur-Entsprechungen auf den Unternehmenserfolg
Wie bereits erwähnt, haben sich zahlreiche Forscher bemüht,
die Auswirkungen von Strategie-Struktur-Entsprechungen hinsichtlich des
Unternehmenserfolgs explizit zu prüfen. Aufgrund der begrifflichen Vagheit des
Begriffes „ Unternehmenserfolg “ ist dieser dabei in unterschiedlichster Weise
operationalisiert worden. Verwendet werden Erfolgsindikatoren wie Gewinn (vor
oder nach Steuern), Gewinnwachstum, Gewinnschwankung (gemessen an der
Standardabweichung der Variationseffekte zwischen den Beobachtungsjahren),
(Veränderung der) Eigenkapitalrentabilität, (Veränderung der)
Gesamtkapitalrentabilität, (Veränderung der) Umsatzrentabilität, (Veränderung
des) Gewinn(s) je Aktie, Kursgewinn der Aktie, Umsatzwachstum, Wachstum des
Auslandsumsatzes, Marktwert des neu gebildeten Eigenkapitals im Verhältnis zum
Gewinn nach Steuern, Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital, Wachstum des
(Eigen-)Kapitals, Veränderung der Mitarbeiterzahl, Gesamtvermögen je Aktie,
Vermögenswachstum, Wachstum des Anlagevermögens sowie Risiko (Wolf, Joachim
2000).
Angesichts dieser Heterogenität bei der Operationalisierung
des Erfolgskonstrukts verwundert es nicht, dass die
Strategie-Struktur-Erfolgs-Forschung noch zu wesentlich uneinheitlicheren
Ergebnissen geführt hat als die Strategie-Struktur-Forschung. Nichtsdestotrotz
bleibt festzuhalten, dass die oben dargelegten und erläuterten
Strategie-Struktur-Zuordnungen in der Tendenz durch die
Strategie-Struktur-Erfolgs-Forschung bestätigt worden sind.
V. Zur
Kausalitätsrichtung von Strategie und Organisationsstruktur
Die Strategy-follows-Structure-These ist nicht zuletzt
deshalb entfaltet worden, weil es nicht immer gelungen ist, die
Structure-follows-Strategy-These empirisch nachzuvollziehen. Die
Strategy-follows-Structure-These erscheint aber auch aufgrund der dargelegten
Multidimensionalität des Strategiekonzepts angemessen. So dürften in vielen
Unternehmen Strategieelemente wie „ Diversifikation “ und „ Unternehmenswachstum “
die Wahl der organisationalen Grundstruktur diktieren, während andere Strategieelemente
wie die „ Wettbewerbsstrategie “ von dieser eher geleitet sein dürften.
Inhaltlich wird die Strategy-follows-Structure-Sichtweise mit
der Erkenntnis begründet, dass die Organisationsstruktur bestimmt, welche der
immer in einem gewissen Konkurrenzverhältnis stehenden Unternehmensziele von
den Entscheidungsträgern in den Vordergrund gestellt werden. Überdies
kanalisiere die Organisationsstruktur den strategieleitenden Informationsfluss
des Unternehmens. Sie präge die kognitiven Raster, Schemata und damit
Wahrnehmungsprozesse der für die Strategieformulierung verantwortlichen
Personen. Auch das in Strategieformulierungsprozessen stets eine Rolle
spielende Machtgefüge sowie Führungskräfte-Anreizsysteme würden durch die
Organisationsstruktur beeinflusst, was sich wiederum in der
Strategieformulierung niederschlage. Aber auch in der Phase der
Strategieimplementierung wirkt die Organisationsstruktur auf die Strategie ein.
Diesbezüglich ist davon auszugehen, dass die Organisationsstruktur nur jenen
Teil der formulierten, aber noch nicht implementierten Strategien „ zur
Realisation freigibt “ , der zu ihrer eigenen Grundausrichtung passt. Aufgrund
der Stichhaltigkeit derartiger Überlegungen hat Schewe (Schewe,
Gerhard 1999) mehrere in die Richtung einer umgekehrten bzw.
wechselseitigen Beziehung zwischen Strategie und Struktur weisende Hypothesen
entfaltet.
VI. Kritische Würdigung
und forschungsprogrammatische Perspektiven
Die Strategie-Struktur-Forschung sollte zukünftig in
mehrerlei Hinsicht modifiziert werden, um noch gehaltvollere Erkenntnisse
gewinnen zu können. Drei forschungsprogrammatische Hinweise sind dabei in den
Mittelpunkt zu stellen. Erstens sollten weitere neue Strategiekonzepte wie das
Kernkompetenzdenken in die Strategie-Struktur-Forschung eingebunden werden.
Zweitens sollte noch stärker als bislang darauf geachtet werden, dass den
Forschungsbemühungen eine solide theoretische Fundierung zugrunde gelegt wird.
Genauso wie bei anderen situativ ausgerichteten empirischen
Untersuchungsvorhaben finden sich nämlich auch im Strategie-Struktur-Bereich
zahlreiche Studien, in deren Rahmen Untersuchungsvariablen ohne hinreichende
Vorab-Konzeptualisierung miteinander korreliert werden. Manche
Strategie-Struktur-Studien leiden also unter einem nicht zu rechtfertigenden
„ Dataismus “ (Schreyögg,
Georg 1995). Und drittens sollte die Zahl der Längsschnittstudien
gesteigert werden, um zumindest auf der Ebene einzelner Strategieelemente die
Kausalitätsrichtungsfrage hinreichend beantworten zu können.
Literatur:
Armour, Henry O./Teece, David J. :
Organizational Structure and Economic Performance: A Test of the
Multidivisional Hypothesis, in: Bell Journal of Economics, Jg. 9, 1978, S.
106 – 122
Chandler, Alfred Dupont : Strategy and
Structure: Chapters in the History of the Industrial Enterprise, Cambridge 1962
Donaldson, Lex : The Interaction of
Size and Diversification as a Determinant of Divisionalisation: Grinyer
Revisited, in: OS, Jg. 7, 1986, S. 367 – 379
Donaldson, Lex : Divisionalzation and
Size: A Theoretical and an Empirical Critique, in: OS, Jg. 3, 1982, S. 321 – 337
Fligstein, Neil : The Spread of the
Multidivisional Form Among Large Firms, in: ASR, Jg. 50, 1985, S. 377 – 391
Galbraith, Jay R./Kazanjian, Robert K.
: Organizing to Implement Strategies of Diversity and Globalization: The Role
of Matrix Designs, in: Human Ressource Management, Jg. 25, 1986, S. 37 – 54
Habib, Mohammed/Victor, Bart :
Strategy, Structure, and Performance of US Manufacturing and Service MNCs, in:
SMJ, Jg. 12, 1991, S. 589 – 606
Markides, Constantinos C./Williamson,
Peter J. : Corporate Diversification and Organizational Structure: A Resource
Based View, in: AMJ, Jg. 39, 1996, S. 340 – 367
Miller, Danny : Relating Porter\'s
Business Strategies to Environment and Structure: Analysis and Performance
Implications, in: AMJ, Jg. 31, 1988, S. 280 – 308
Porter, Michael E. : Competitive
Strategy: Techniques for Analyzing Industries and Competitors, New York et al.
1980
Rumelt, Richard P. : Strategy,
Structure, and Economic Performance, Boston 1974
Schewe, Gerhard :
Unternehmensstrategie und Organisationsstruktur, in: DBW, Jg. 59, 1999, S.
61 – 75
Schewe, Gerhard : Strategie und
Struktur: Eine Re-Analyse empirischer Befunde und Nicht-Befunde, Tübingen 1998
Schmitz, Rudolf : Kapitaleigentum,
Unternehmensführung und interne Organisation, Wiesbaden 1988
Schreyögg, Georg : Umwelt,
Technologie und Organisationsstruktur: Eine Analyse des kontingenztheoretischen
Ansatzes, 3. A., Bern et al. 1995
Whittington, Richard/Mayer, Michael/Curto,
Francisco : Economics, Politics and Nations: The Multidivisional Structure in
France, Germany and the UK, 1983 – 1993. Arbeitspapier präsentiert anläßlich der
Jahrestagung der Academy of Management, San Diego 1998
Williamson, Oliver E. : Markets and
Hierarchies, New York 1975
Wolf, Joachim : Organisation,
Management, Unternehmensführung: Theorien und Kritik, Wiesbaden 2003
Wolf, Joachim : Strategie und
Struktur 1955 – 1995: Ein Kapitel der Geschichte deutscher nationaler und
internationaler Unternehmen, Wiesbaden 2000
Wolf, Joachim/Egelhoff, William G. :
A Reexamination and Extension of International Strategy-Structure Theory, in:
SMJ, Jg. 23, 2002, S. 181 – 189
|