Inhaltsübersicht
I. Merkmale
der logistischen Dienstleistung
II. Aufgaben
der Logistikdienstleister
III. Dienstleisterarten
IV. Markt-
und Entwicklungstendenzen
I. Merkmale der
logistischen Dienstleistung
Der Begriff der Dienstleistung und der Begriff der Logistik
besitzen einen engen Bezug zueinander. Aus praktischer Sicht werden bspw.
traditionelle Aufgabenträger der Logistik, wie Transport- und Lagerunternehmen,
in der Wirtschaftszweigsystematik des Statistischen Bundesamtes in den
tertiären Sektor und damit in den Bereich der Dienstleistungsunternehmen
eingeordnet (Engelke,
Markus 1997, S. 41). Zudem findet in der wissenschaftlichen
Literatur der Dienstleistungscharakter häufig in der Beschreibung der Aufgaben
der Logistik sowie in den Definitionen zur Logistik Verwendung. Ein möglicher
Ansatz für eine dienstleistungsorientierte Definition der Logistik beinhaltet
demzufolge die für Dienstleistungen charakteristische Immaterialität der
Leistung und begreift die Logistik als Koordinationsprozess derjenigen
Aktivitäten, die der kosten- und kundeneffektiven Erbringung von
Ordnungsleistungen (Folge der Arbeitsteiligkeit), von Raumüberwindungsleistungen
(Folge der Dislozierung) und Zeitausgleichsleistungen (Folge des
Zeitwettbewerbs) dienen (Pfohl,
Hans-Christian 2001, S. 189 ff.). Diese Aktivitäten konzentrieren
sich auf die Gebiete der Minimierung von Wartezeiten (z.B. in der
Auftragsabwicklung), dem Management der Dienstleistungskapazität (z.B. dem
Vorhalten von genügend Transportmitteln) sowie der Bereitstellung der
Dienstleistung durch einen Distributionskanal (z.B. Auslieferungslager oder
Verteilzentren) (Pfohl,
Hans-Christian 2004, S. 13). Die Immaterialität der Dienstleistung
hat zur Folge, dass das Leistungsangebot zum Kaufzeitpunkt nicht physisch
greifbar ist, wodurch eine Qualitätsprüfung durch den Kunden entweder nur
schwer durchzuführen oder gänzlich unmöglich ist. Ein Qualitätsurteil kann von
den Kunden also nur indirekt gebildet werden, indem weitere Informationen bspw.
über den Preis der Logistikleistung, das Image des Dienstleisters oder das
Verhalten der Kontaktpersonen erhoben und bewertet werden. Einen nicht zu
unterschätzenden Wert für Logistikdienstleister stellen daher die
Wiederholungskäufe dar, da dabei Erfahrungen aus bereits getätigten Käufen in
die Kundenbewertung mit einfließen können. Ein weiteres Merkmal der
logistischen Dienstleistung stellt neben der Immaterialität der Leistung die
Erbringung dieser Leistung an einem externen Faktor dar. Der externe Faktor
bewirkt, dass der Anbieter von logistischen Leistungen diese an Objekten
erbringen muss, über die dieser nicht uneingeschränkt autonom verfügen kann (Klose, Martin
1999, S. 5 ff.). Der Dienstleister ist daher auf Informationen von Seiten des
Kunden angewiesen, um sein Leistungsangebot planen und organisieren zu können.
Dies führt zu einer starken Kundenorientierung der logistischen Dienstleistung,
da sich das Leistungsangebot der Dienstleister nach den gewünschten Vorgaben
und insbesondere speziell nach den kundenspezifischen Anforderungen richten
muss. Langfristige Geschäftsbeziehungen mit einem hohen Komplexitätsgrad der zu
erbringenden Leistung führen dabei meist zu eng verzahnten Geschäftsprozessen
zwischen Dienstleister und Kunde, die einerseits die Geschäftsbeziehung
stabilisieren, andererseits aber auch das Abhängigkeitsverhältnis zwischen den
Parteien erhöhen.
Neben dieser engen Verknüpfung der Begriffe Dienstleistung
und Logistik wird in Wissenschaft und Praxis der Begriff der logistischen
Dienstleistung aber auch uneinheitlich verwendet. Gerade im Bereich der Praxis
ist häufig eine sehr enge
Begriffsdefinition anzutreffen, die sich nur auf Dienstleistungen bezieht, die
über die gewöhnlichen Transport- und Lagerleistungen hinausgehen (Bretzke,
Wolf-Rüdiger 2004, S. 339). Diese Zusatzleistungen werden dabei oft
unter der Bezeichnung Added Value geführt und erstrecken sich bspw. auf
finanzielle oder organisationale Leistungen durch den Dienstleister (siehe dazu
auch den nächsten Abschnitt). Da diese Definition den Begriff der logistischen
Dienstleistung sogar enger als den reinen Logistikbegriff fasst, erscheint es
plausibel, im Folgenden eine weiter
gefasste Konzeption zu wählen, beide Begriffe zu kombinieren und auf alle
Serviceleistungen zu beziehen. Damit bleibt die Kernaufgabe der Logistik, die
Herstellung von Verfügbarkeit zu erhalten. Zudem ermöglicht diese Definition,
die Innovationsmöglichkeiten der Logistikdienstleister zu nutzen und
weiterzuentwickeln (Pfohl,
Hans-Christian 2003, S. 5).
Die Leistungserstellung im Bereich der Logistik weist
speziell im Vergleich zu anderen Dienstleistungen einige Besonderheiten auf. Diese ergeben sich aus der Art der
Leistungserbringung in Form von Transportvorgängen zwischen Lieferanten und
Abnehmern von Waren. Dabei entstehen während der Leistungserbringung so
genannte organisatorische Kuppelprodukte, die auf den Bereitstellungsverkehr
zum Kunden sowie den Rücklaufverkehr nach Beendigung der Hauptleistung zurückzuführen
sind. Deshalb wird versucht, diese Leerfahrten als Nebenprodukte zu vermarkten,
um durch Mitnahme von Teilladungen dieses Einnahmepotenzial nicht ungenutzt zu
lassen. Diese Maßnahme wird jedoch durch die Unpaarigkeit der Verkehrsströme
begrenzt. Denn durch die unterschiedliche Wirtschaftstruktur verschiedener
Regionen unterscheiden sich die Transportaufkommen von und zu einer Region
teilweise erheblich voneinander, was zusätzlich durch die staatliche
Intervention in die nationalen und internationalen Verkehrsmärkte verstärkt
wird. Eine weitere Besonderheit weisen die Produktionsverfahren der
Logistikunternehmen auf, die zu großen Unterschieden in der Transportleistung
führen, da eine breite Anzahl an unterschiedlichen Verkehrsträgern mit jeweils
verschiedener Kostenstruktur zum Einsatz kommt. So ergeben sich beim Schienen-,
Straßengüter-, Schifffahrts- und Luftverkehr jeweils andere Verhältnisse
zwischen fixen und variablen Kosten sowie Personal- und Betriebsmittelkosten,
die für die Kalkulation einer Logistikleistung berücksichtigt werden müssen (Pfohl,
Hans-Christian 2004, S. 289 f.).
II. Aufgaben der Logistikdienstleister
Das Leistungsspektrum der Logistikdienstleister ist in den
vergangenen Jahren zunehmend weiter gewachsen, sodass sich inzwischen eine
ausgeprägte Heterogenität innerhalb der Angebotsstruktur herausgebildet hat.
Neben den klassischen logistischen Aufgaben (Hauptfunktionen) wird von den
Logistikdienstleistern eine große Bandbreite an zusätzlichen Leistungen
(Ergänzungs- und Komplementärfunktionen sowie Sonderfunktionen) erbracht, wobei
der Anteil an nicht-logistischen Leistungen stetig zunimmt (Stabenau,
Hanspeter 1994, S. 15 f.).
In die Gruppe der Hauptfunktionen
werden diejenigen Leistungen eingeordnet, die sich mit der Disposition und der
Beförderung von Gütern beschäftigen. Unter die so genannte Dispositionsfunktion
fallen dabei Leistungen wie die Beratung, Planung und Organisation, die Wahl
der Transportmittel, der Abschluss von Frachtverträgen und die Ausstellung der
Transportdokumente sowie die Frachtkontrolle. Bei der Beförderungsfunktion wird
zwischen Nah- und Fernverkehr unterschieden. Dem Nahverkehr werden Aufgaben wie
das Sammeln und Verteilen von Gütern sowie der Vortransport zum eigentlichen
Hauptlauf mit anderen Verkehrsträgern zugeordnet. Im Gegensatz dazu beschränkt
sich der Fernverkehr auf die langen nationalen und internationalen
Transportvorgänge.
Die Gruppe der Ergänzungs-
und Komplementärfunktionen beinhaltet weitere klassische Logistikaufgaben.
Diese kann man weiter unterteilen in die Umschlags-, die Lager-, die
Sammelverkehrs-, die Verpackungs-, die Manipulations- und die
Informationsfunktion. Die Umschlagsfunktion befasst sich mit der Organisation
und Durchführung des Warenumschlags in Stationen und Terminals. Alle Aufgaben,
die zum einen Lagerung und Kommissionierung von Warengütern und zum anderen den
Betrieb eines Lagers betreffen, werden unter der Lagerfunktion zusammengefasst.
Die Sammelverkehrsfunktion gilt speziell für Kleingüter, die für größere
Ladungseinheiten gesammelt und zusammengefasst werden. In den Bereich der
Verpackungsfunktion fallen die Aufgaben, die sich mit der Wahl der richtigen
Verpackungsart, dem richtigen Verpackungsmaterial sowie der Wahl der
Transporthilfsmittel befassen. Des Weiteren werden dieser Funktion die
Tätigkeiten des Verpackens der Warengüter zugerechnet. Die Funktion der
Manipulation wird weiter unterteilt in die sendungsbezogene Manipulation und
die warenbezogene Manipulation. Erstere bezieht sich bspw. auf die Stauung oder
Markierung der Waren, während sich Letztere z.B. mit speziellen
Sicherungsmaßnahmen befasst. Die letzte Funktion dieser Gruppe ist die
Informationsfunktion. Hierunter fallen diejenigen Aufgaben und Tätigkeiten, die
den Informationsfluss während des Transportablaufs und der Lagerung
sicherstellen. Dabei handelt es sich um Informationen bezüglich der Planung,
Koordinierung, Steuerung und Kontrolle der logistischen Prozesse.
Den Sonderfunktionen
werden die oben aufgeführten Zusatzleistungen zugeordnet, die als so genannte
Added-Value-Leistungen bezeichnet werden. Sie stellen keine eigentlichen
Logistikleistungen dar und sind daher ein zusätzliches Angebot der
Logistikdienstleister an die Kunden. Die Sonderfunktionen beinhalten
Leistungspakete aus den Bereichen der Beschaffung, der Produktion, des
Marketings, der Finanzierung sowie weitere administrative Serviceleistungen,
welche die logistischen Prozesse für die Kunden vereinfachen und optimieren. Im
Bereich der Beschaffung kann der Logistikdienstleister z.B. die
Qualitätskontrolle bei Lieferanten im asiatischen Raum übernehmen, in der
Produktion können bspw. einfache Montagetätigkeiten übernommen werden. Ein
Beispiel aus dem Bereich des Marketings ist die Verkaufsförderung durch den
Logistikdienstleister. Dieser kann unter anderem die Platzierung der Produkte
des Kunden in den Regalen der Handelsunternehmen übernehmen. Finanzielle
Leistungen betreffen bspw. die Finanzierung der Eingangslagerbestände des
Kunden im Rahmen des Vendor Managed Inventory oder das Angebot von
Factoring-Leistungen durch den Logistikdienstleister. Dieser Bereich, auch als
Supply Chain Finance bezeichnet, wird in Zukunft mit der zunehmenden
Wertorientierung der Logistik an Bedeutung gewinnen. Weitere Serviceleistungen
umfassen die Bereiche der Zollabfertigung (Zolldeklaration, Anmeldung und
Abfertigung), spezielle Kundendienstfunktionen (Wartung und
Ersatzteilbevorratung) sowie Transportsicherungsfunktionen (Risk-Management,
Versicherungsverträge und Abwicklung von Schadensfällen). Diese neuen
Geschäftsfelder stellen für die Logistikdienstleister zusätzliche und
vergleichsweise hohe Wertschöpfungspotenziale dar (Aberle, Gerd
2003, S. 528 ff.).
Zwar wird die Gruppe der Haupt- und Ergänzungsfunktionen
weiterhin ein wichtige Rolle im Leistungsangebot darstellen, die
nicht-logistischen Sonderfunktionen haben in den vergangenen Jahren jedoch
immer mehr an Bedeutung gewonnen und werden in Zukunft ein wichtiger
Bestandteil des Leistungsportfolios der Logistikdienstleister sein. Dieses
breite Angebot bietet den Logistikunternehmen ein wichtiges
Wettbewerbsinstrument für ihre Positionierung im Markt. Es bleibt abzuwarten,
inwieweit kleinere Unternehmen die notwendigen Ressourcen besitzen, um diese
Entwicklung mitzuvollziehen (Pfohl,
Hans-Christian 2004, S. 285).
III. Dienstleisterarten
Die Logistikdienstleister bilden keine einheitlich homogene
Gruppe. Vielmehr lassen sie sich anhand ihres angebotenen Leistungsumfangs, den
ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen, ihrer organisatorischen Ausrichtung
sowie der Form ihrer Kundenbeziehungen in verschiedene Kategorien einteilen (Gudehus, Timm
2004, S. 977 ff.).
1. Einzeldienstleister
Zum Leistungsumfang der Einzeldienstleister gehören die
klassischen Logistikfunktionen des Transportierens, Umschlagens und Lagerns.
Eine Spezialisierung der Leistungen erfolgt dabei häufig bzgl. bestimmter
Güter, Frachtarten und Branchen. Durch diese Beschränkung auf ausgesuchte
Leistungskombinationen verfügen die Einzeldienstleister über ausgeprägtes
technisches und organisatorisches Spezialwissen, das ihnen in diesem Bereich
ein gewisses Alleinstellungsmerkmal gibt. Der hohe Spezialisierungsgrad auf
bestimmte Güter und Branchen führt zu regionaler Konzentration oder festen
Relationen der Einzeldienstleister, wodurch ihr Leistungsangebot häufig auf die
regionale und nationale Ebene ausgerichtet ist. Der Kundenkreis der
Einzeldienstleiter besteht einerseits bei unspezifischen Logistikleistungen aus
einem kleinen und häufig wechselnden Kreis, während es anderseits bei sehr
spezifischen Leistungen zu langfristigen Kundenkontakten kommen kann. Häufig
arbeiten Einzeldienstleister auch als Subkontraktoren für Verbund- und
Systemdienstleister.
2. Verbunddienstleister
Verbunddienstleister unterscheiden sich von den
Einzeldienstleistern durch das Angebot von integrierten Leistungsbündeln, die
aus der Integration und Kombination von mehreren logistischen Einzelleistungen
bestehen. Das Dienstleistungsspektrum eines Verbunddienstleisters ist auf den
Bedarf eines großen, anonymen Kundenkreises ausgerichtet und besteht aus dem
Angebot von so genannten Speditions- und Frachtketten. Die Ausrichtung der
Logistikleistungen erfolgt leistungsspezifisch in Form offener Verbundsysteme,
die auf bestimmte Leistungs- und Servicebereiche des Kunden ausgerichtet sind.
Zur Erbringung dieses Leistungsangebotes stehen dem Verbunddienstleister eigene
sowie fremde Ressourcen wie bspw. Umschlags- und Logistikzentren zur Verfügung.
Diese werden im nationalen und globalen Maßstab zu einem umfassenden
Logistiknetzwerk integriert. Die Geschäftsbeziehungen zwischen
Verbunddienstleistern und ihren Kunden sind in der Regel nur kurz, es werden
jedoch Rahmenvereinbarungen getroffen, welche die Leistungspreise in jährlichen
Abständen fixieren.
3. Systemdienstleister
Die Systemdienstleister erweitern dieses
Dienstleistungsspektrum, indem sie ihr Angebot auf vollständig integrierte
Logistiksysteme ausdehnen und diese eigenverantwortlich in Bezug auf Kosten,
Leistungen und Qualität betreiben. Dies ermöglicht den Systemdienstleistern,
ganze logistische Prozessketten oder komplette funktionale Subsysteme (wie z.B.
die Beschaffung oder die Distribution) eines Kunden zu übernehmen. Der
Kundenkreis engt sich auf wenige Großkunden ein, wobei sich die vertragliche
Bindung auf mehrere Jahre erhöht und somit langfristige Geschäftsbeziehungen
entstehen. Durch diese langen Verträge (Kontrakte) werden die
Systemdienstleister häufig auch als Kontraktlogistikdienstleister bezeichnet.
Das umfangreiche Leistungsangebot kann nur von Unternehmen angeboten werden,
die über ausreichend logistisches Know-how sowie die notwendige
Ressourcenausstattung verfügen, um die notwendigen Kostenersparnisse und
Effizienzvorteile generieren zu können, die potenzielle Kunden dazu bewegen,
ihre logistischen Prozesse auszulagern. Speziell bei Systemdienstleistern ist
der Anteil an nicht-logistischen Leistungen überproportional vertreten. Wird
bspw. auch das komplette IT-Leistungsspektrum der Logistikprozesse angeboten,
spricht man von so genannten Third Party Logistics Providern (3PL). Eine
Erweiterung dazu stellt das Konzept der Fourth Party Logistics Provider (4PL)
dar, die über keine eigenen logistischen Ressourcen mehr verfügen, sondern
lediglich als Koordinatoren auftreten. Während sich die 4PLs auf die
Gestaltung, Steuerung und Kontrolle der Systeme entlang einer Supply Chain
konzentrieren, wird die Koordination mehrerer einzelner Logistikdienstleister
durch einen Lead Logistics Provider (LLP) übernommen, der damit eine
einheitliche Schnittstelle zu den Supply-Chain-Unternehmen bildet (Klaus, Peter
2003, S. 110).
IV. Markt- und
Entwicklungstendenzen
Der Markt für logistische Dienstleistungen ist ein durch die
Nachfrage der Abnehmer determinierter Markt. Man spricht aus diesem Grund auch
von einer abgeleiteten Nachfrage, da diese nie allein, sondern immer in
Verbindung mit der Nachfrage nach einem Gut auftritt (Pfohl,
Hans-Christian 2004, S. 280). Dies führt dazu, dass sich
Logistikdienstleister an den Vorgaben und Anforderungen der Auftraggeber
ausrichten müssen. Dabei ist in den letzten Jahren ein deutlicher Trend hin zu
komplexeren und zeitkritischen Leistungen zu beobachten, was dazu führt, dass
sich die Logistikdienstleister einem stärker werdenden Innovationsdruck
ausgesetzt sehen. Um im Wettbewerb weiter erfolgreich bestehen zu können, sind
diese daher gezwungen, ihr Dienstleistungsangebot stetig durch neue oder
weiterentwickelte Leistungsangebote zu erneuern.
In regelmäßigen Abständen werden Studien zu den derzeitigen
Trends und Anforderungen an Unternehmen in der Logistikbranche durchgeführt.
Eine dieser Studien identifiziert fünf wichtige Treiber für den Wandel von
Logistikdienstleistern, nämlich die Internationalisierung der Märkte, die
EU-Osterweiterung, Marktkonzentration und Wettbewerb, die Outsourcingstrategien
der Kunden und die Flexibilisierung der Unternehmen (Straube,
Frank et al. 2005, S. 15). Die Internationalisierung
der Märkte stellt die Logistikdienstleister gleich vor mehrere
Herausforderungen. Zum einen müssen sie ihr Dienstleistungsangebot an die
internationalen Gegebenheiten (z.B. Kultur, Rechtsfragen, Transportwege)
anpassen, zum anderen müssen sie sich aber auch im internationalen Wettbewerb
behaupten. Die Internationalisierung führt daher zu einem größeren
Ressourcenaufwand und zwingt dazu, mit diesen Ressourcen wettbewerbsfähige
Kernkompetenzen aufzubauen. Die EU-Osterweiterung
stellt als nächster Innovationstreiber eine regionale Ausprägung der
allgemeinen Internationalisierungsentwicklung dar. Sie betrifft vornehmlich die
west-europäischen Logistikdienstleister und bietet einerseits große Chancen und
Erfolgspotenziale, andererseits sind damit auch Risiken verbunden. Durch die
Möglichkeiten der Osterweiterung verlagern viele verladende Unternehmen Teile
ihrer Produktion in die neuen Mitgliedsstaaten oder entwickeln neue
Produktionsstandorte. Für die Logistikdienstleister bedeutet dies zum einen
neue Verkehrsströme von Waren in die neuen Absatzgebiete, zum anderen auch
zusätzliche Rücktransporte von Halb- und Fertigerzeugnissen für die
verbleibende Endmontage in den alten EU-Mitgliedsländern. Risiken bei dieser
Entwicklung entstehen durch das zusätzliche Angebot an
Logistikdienstleistungen, die von ortsansässigen Logistikunternehmen in den
neuen Mitgliedsländern angeboten werden. Dieses zusätzliche
Dienstleistungsangebot konzentriert sich hauptsächlich auf die einfachen
Logistikleistungen wie Transport und Lager, profitiert aber von deutlich
niedrigeren Kostenstrukturen.
Der in Folge des größeren Angebotes zunehmende Wettbewerb auf dem Markt der
Logistikdienstleistungen wird in Zukunft weiter anwachsen, und der bisher sehr
fragmentierte Markt zeigt bereits zunehmende Konsolidierungstendenzen in
Richtung einer Marktkonzentration. Man spricht in diesem Zuge von der
Industrialisierung der Dienstleistung. Nur die umsatzstärksten Unternehmen
besitzen die nötige Größe und Ressourcenausstattung, um internationale
Logistiknetze aufzubauen und damit erfolgreich den steigenden Anforderungen der
verladenden Unternehmen gerecht zu werden. Im internationalen Rahmen hat der
Fremdbezug von Dienstleistungen bereits eine lange Tradition. Immer mehr
Unternehmen beginnen sich zudem auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, um
dadurch unrentable Tätigkeiten und Geschäftfelder abzustoßen und Risiken zu
minimieren. Hier bietet sich für Logistikdienstleister die Gelegenheit, im
Rahmen des Outsourcings von
Logistikfunktionen, diese zu übernehmen und kostengünstiger an die Unternehmen
zurückzuverkaufen. Die Logistikdienstleister können dabei ihre Kernkompetenz
Logistik zu besseren Konditionen als die Verlader anbieten und zudem die
Logistikleistungen durch die Verbindung mit zusätzlichen Added-Value-Services
in ihrem Wert steigern (Kummer,
Sebastian/Schramm, Hans-Joachim 2004, S. 86). Dem Outsourcing werden
jedoch nicht nur positive Aspekte zugerechnet. Vielmehr können damit auch
Nachteile verbunden sein, wenn zum einen keine wirklichen Kosteneinsparungen
realisiert werden oder es zum anderen zu Kommunikationsschwierigkeiten oder
opportunistischem Verhalten von Seiten des Logistikdienstleisters kommt. Der
Trend zur Auslagerung von Logistikleistungen wird aber gerade unter dem
Eindruck der zunehmenden Flexibilisierung
der Unternehmen weiter anhalten. Die Unternehmen werden verstärkt darum
bemüht sein, ihre Organisation und Funktionen zu verschlanken, um schneller auf
neue Gegebenheiten reagieren zu können. Zusätzlich werden sie auf weitere
Innovationspotenziale durch ihre Zulieferer, aber auch Dienstleister angewiesen
sein. Hier bietet sich für die Logistikdienstleister die Möglichkeit, durch
innovative Leistungsangebote langfristige und stabile Partnerschaften mit ihren
Kunden aufzubauen.
Literatur:
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Engelke, Markus : Qualität
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Qualitätsmanagement, Umweltgerechtigkeit, Berlin 1997
Gudehus, Timm : Logistik. Grundlagen,
Strategien, Anwendungen, 2. A., Berlin et al. 2004
Klaus, Peter : Die Top 100 der
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Klose, Martin :
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Kummer, Sebastian/Schramm,
Hans-Joachim : Internationales Transport- und Logistikmanagement, Wien 2004
Pfohl, Hans-Christian :
Wertsteigerung durch Innovation in der Logistik, in: Jahrhundert der Logistik.
Customer Related, Glocal, E-Based, hrsg. v. Pfohl, Hans-Christian, Berlin 2001,
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Pfohl, Hans-Christian :
Entwicklungstendenzen auf dem Markt logistischer Dienstleistungen, in:
Güterverkehr. Eine Integrationsaufgabe für die Logistik, hrsg. v. Pfohl,
Hans-Christian, Berlin 2003, S. 1 – 44
Pfohl, Hans-Christian :
Logistiksysteme. Betriebswirtschaftliche Grundlagen, 7. A., Berlin et al. 2004
Stabenau, Hanspeter :
Verkehrsbetriebslehre. Betriebswirtschaftliche Grundlagen für eine langfristig
orientierte Unternehmenspolitik in strukturell sich ändernden Verkehrsmärkten,
3. A., Düsseldorf et al. 1994
Straube, Frank : Trends und
Strategien in der Logistik. Ein Blick auf die Agenda des Logistik-Managements
2010, Bremen 2005
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