Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Bedeutung des Auslandseinsatzes
II. Ziele
eines Auslandseinsatzes
III. Kritische
Erfahrungen ins Ausland entsandter Mitarbeiter und ihre Bewältigung
IV. Management
von Auslandseinsätzen
V. Ausblick
I. Begriff und Bedeutung
des Auslandseinsatzes
Der Auslandseinsatz von Mitarbeitern ist eine Kernaufgabe der
Personalarbeit international tätiger Unternehmen. Der Begriff „ Auslandseinsatz “
soll hier präzisiert werden als der zeitliche befristete Wechsel von Fach- und
Führungskräften eines Unternehmens auf eine Position im Ausland, verbunden mit
dem Auftrag, dort für den Entsender tätig zu werden. Die Dauer des Aufenthaltes
ist in der Praxis meist auf drei bis sechs Jahre befristet. Der Auslandseinsatz
umfasst sowohl die Tätigkeit heimischer Mitarbeiter im Ausland als auch den
Einsatz ausländischer Mitarbeiter im Stammland des Unternehmens oder in einem
weiteren Land, das nicht mit deren Herkunftsland identisch ist. Mit dieser
Begriffsbestimmung ist es möglich, den Auslandseinsatz von weiteren Formen der
grenzüberschreitenden Mobilität (Auslandsstudium, Tourismus, Emigration,
Geschäftsreise, Wanderarbeit) abzugrenzen. Den in der Personalpraxis
verbreiteten Unterscheidungen des Auslandseinsatzes in „ Abordnungen “ ,
„ Delegationen “ , „ Versetzungen “ oder „ Entsendungen “ wird hier nicht gefolgt.
Diese Differenzierungen spiegeln in erster Linie arbeits-, steuer- und
versicherungsrechtliche Überlegungen (Arbeits- und Sozialrecht, europäisches; Sozialversicherung;
Sozialrecht).
In deutschen Großunternehmen liegt der Anteil im Ausland eingesetzter
Mitarbeiter bei 0,8% der Gesamtbelegschaft. Berücksichtigt man nur die 100
größten deutschen Unternehmen, dann ergibt sich aus der genannten
Entsendungsquote, dass zur Zeit etwa 60.000 deutsche Mitarbeiter als
Auslandsentsandte tätig sind. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass die
Häufigkeit und die Bedeutung von Auslandseinsätzen ansteigen werden (PriceWaterhouseCoopers,
2001).
II. Ziele eines
Auslandseinsatzes
Unternehmen verfolgen mit Auslandsentsendungen verschiedene,
sich nicht wechselseitig ausschließende Ziele, die im Wesentlichen in drei
Kategorien fallen: (1) Koordination der Unternehmenstätigkeit im In- und
Ausland: Mitarbeiter werden etwa entsandt, um den Informationsaustausch
zwischen den in- und ausländischen Unternehmensbereichen zu gewährleisten; (2)
Wissenstransfer an ausländische Mitarbeiter: Entsandte werden mit der Aufgabe
betraut, Technikwissen und Managementpraktiken zu vermitteln; (3) Personalentwicklung
der Entsandten: Entsandte sollen während der Entsendung Kompetenzen erwerben,
die sie für internationale Arbeitsaufgaben qualifizieren.
Wichtige und verbreitete Beweggründe, die aus der
Mitarbeitersicht für einen Auslandsaufenthalt sprechen, sind die größere
Verantwortung/Selbständigkeit bei der Aufgabenbearbeitung, die Erweiterung der
Berufsqualifikation durch internationale Erfahrung, die Verbesserung der
Karrierechancen sowie die Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung. Einen
bedeutsamen Hinderungsgrund stellt dagegen die familiäre Situation des
Entsendungskandidaten dar (Berufstätigkeit des Ehepartners; schulpflichtige
Kinder). Auch Sorgen, während des Einsatzes bei Beförderungen übergangen zu
werden oder bei Rückkehr aus dem Ausland keine angemessene Position besetzen zu
können, werden insbesondere von deutschen Entsandten häufig geäußert (Stahl, 1998).
III. Kritische
Erfahrungen ins Ausland entsandter Mitarbeiter und ihre Bewältigung
Der Einsatz im Ausland stellt den Mitarbeiter und die ihn
evtl. begleitenden Personen (Partner, Kinder) vor besondere Herausforderungen:
Ausländische Interaktionspartner agieren anders als vom Entsandten erwartet;
bewährte Verhaltensroutinen erweisen sich im Ausland als unzureichend; der
Entsandte muss auf vertraute Annehmlichkeiten verzichten und ungewohnte
Belastungen ertragen (Kühlmann,
/Stahl, 2001). In der Auseinandersetzung mit diesen
Herausforderungen verändern sich Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Verhalten des
ins Ausland entsandten Mitarbeiters. Insgesamt zielen diese Veränderungen auf
eine verbesserte Passung zwischen Entsandten und den im Ausland angetroffenen
Lebens- und Arbeitsbedingungen – kurz auf An-Passung. Verschiedene
Phasenmodelle identifizieren idealtypisch charakteristische Erfahrungen und
Verhaltensweisen im Verlauf einer Entsendung (vgl. etwa das Kulturschock-Modell
von Oberg, 1960).
Zwischen möglichen Strategien der Anpassung unterscheidet die Typologie von
Berry (Berry, 1994).
In Abhängigkeit vom Ausmaß der Wertschätzung der eigenen Kultur und der
subjektiven Bedeutsamkeit von Beziehungen zu Mitgliedern der Gastkultur
entscheidet sich der Auslandsentsandte für die Strategie der Assimilierung,
Integrierung, Marginalisierung oder Separierung während seines Aufenthaltes.
Wie „ erfolgreich “ eine Anpassung bei Auslandsentsandten
verläuft, lässt sich umfassend nur über einen Satz von Kriterien bestimmen.
Eingebürgert hat sich ein Kriterientripel bestehend aus „ Aufgabenerfüllung “ ,
„ Umgang mit und Akzeptanz bei ausländischen Partnern “ und „ Zufriedenheit mit
den Lebens- und Arbeitsbedingungen im Gastland “ (Stahl, 1998).
Ein in der Literatur immer wieder genanntes Indiz für den Misserfolg der
Anpassungsbemühungen des entsandten Mitarbeiters und/oder seiner Familie ist
der vorzeitige Abbruch des Auslandseinsatzes. Zwar dürften die in der
Literatur berichteten Abbrecherquoten von 20 – 40% eher Ausnahmefälle
beschreiben (Harzing, 1995),
doch auch niedrigere Quoten ziehen hohe Kosten für die Wiederbesetzung der
Position, ein verschlechtertes Arbeitsklima in der Auslandsniederlassung und
die Vergrößerung der Skepsis gegenüber einer Auslandsentsendung nach sich.
IV. Management von Auslandseinsätzen
Die Aufgaben des internationalen Personalmanagements im
Rahmen eines Auslandseinsatzes können idealtypisch vier Feldern zugeordnet
werden: Beschaffung und Auswahl – Vorbereitung – Einsatz und Betreuung –
Wiedereingliederung. Ausgelöst und gesteuert werden die Aktivitäten in den
genannten Aufgabenfeldern von personalpolitischen Entscheidungen über die
Besetzung offener Positionen im Ausland, die mit der
Internationalisierungsstrategie des Unternehmens abzustimmen sind.
1. Beschaffung und Auswahl von Mitarbeitern
für einen Auslandseinsatz
Die Basis einer erfolgsversprechenden Beschaffung und Auswahl
für eine Auslandsposition bildet die Identifizierung ihrer
Anforderungsmerkmale. Aus den Forschungsergebnissen zum Anpassungsprozess eines
entsandten Mitarbeiters ist abzuleiten, dass sich die Anforderungsanalyse nicht
nur mit den der Position zugeordneten Fachaufgaben, sondern auch mit den
personellen, organisatorischen, kulturellen und weiteren lokalen
Rahmenbedingungen der Aufgabenerfüllung zu beschäftigen hat. Ebensowenig wie
für die fachlichen Anforderungen an den Auslandsentsandten gibt es für die
außerfachlichen Anforderungen ein Einheitsprofil. Entsprechend vielfältig sind
die Merkmalskataloge, die zur Vorhersage des Entsendungserfolgs vorgeschlagen
werden. Ausgehend von den inhaltlichen Übereinstimmungen der Merkmalskataloge
haben verschiedene Autoren versucht, den „ Prototyp “ des erfolgreichen
Auslandsentsandten zu beschreiben (Kühlmann,
/Stahl, 1998). Persönlichkeitsmerkmale, die sich in
verschiedenen Untersuchungen positions- und länderübergreifend als
voraussagekräftig für den Erfolg eines Mitarbeiters im Auslandseinsatz erwiesen
haben, sind etwa: Einfühlungsvermögen, Verhaltensflexibilität,
Stressbelastbarkeit, Kontaktbereitschaft oder Offenheit gegenüber fremden
Normen und Werten. Derartige Merkmalslisten eignen sich aus mehreren Gründen
nur bedingt für die Bestimmung eines Anforderungsprofils: (1) Die Merkmale
repräsentieren nur eine Mindestausstattung, die je nach Auslandsposition um
weitere Eignungsmerkmale zu ergänzen ist; (2) Angaben zu den Erfolgsmerkmalen
von Auslandsentsandten gehen zum größeren Teil auf Umfragen bei
Personalverantwortlichen und Auslandsentsandten zurück. Ihre Aussagen spiegeln
– zu einem nicht exakt bestimmbaren Teil – auch die impliziten Eignungstheorien
der Befragten wider; (3) Der Zusammenhang zwischen Erfolgsfaktoren und Erfolg
wurde bislang meist im Rahmen von Querschnittuntersuchungen analysiert, die
keine Angabe von Kausalrichtungen zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und den
Erfolgsgrößen gestatten.
Bei der Beschaffung von Entsendungskandidaten suchen
Unternehmen vornehmlich auf dem internen und kaum auf dem externen Arbeitsmarkt
nach Bewerbern für eine Auslandsentsendung. Die Präferenz für die
unternehmensinterne Rekrutierung wird mit unternehmensspezifischen
Qualifikationen und Erfahrungen begründet, die bei der Verfolgung der Mehrheit
der Entsendungsziele benötigt werden.
In der Personalpraxis berücksichtigt die Auswahlentscheidung
vornehmlich die Eignung des Bewerbers für die Bewältigung der Fachaufgabe.
Sofern außerfachliche Merkmale in Entscheidungen berücksichtigt werden, handelt
es sich um Kriterien der sozialen Kompetenz, wie sie auch bei der Besetzung von
Inlandspositionen verwendet werden. Kaum eine Rolle für die Auswahlpraxis
spielt die Familiensituation des Bewerbers, obwohl verschiedene Studien belegen,
dass die Anpassungsschwierigkeiten des (Ehe-)Partners maßgeblich den Erfolg der
Auslandsentsendung beeinträchtigen können.
Um die Eignung eines Entsendungskandidaten zu bestimmen, sind
verschiedene Verfahren, die sich bei der Besetzung von Inlandspositionen
bewährt haben, weiterentwickelt und auf die Besonderheiten der
Entsendungsentscheidung abgestimmt worden. Hierbei handelt es sich um
Strukturierte Interviews (Stahl, 1995),
Persönlichkeitstests (Black,
/Gregersen, /Mendenhall, et al.1999) und Assessment
Center (Kühlmann,
/Stahl, 1998). Angaben zu ihrer Prognosegüte und damit zur
Verbesserung der Auswahlentscheidung stehen noch aus. Die Personalpraxis greift
bei der Eignungsdiagnose bislang vornehmlich auf unstrukturierte
Auswahlgespräche und vorliegende Leistungsbeurteilungen zurück, d.h. auf
Verfahren, deren Validität bereits für die Voraussage von Arbeitsleistungen auf
zu besetzende Inlandspositionen gering ist.
2. Vorbereitung auf den Auslandseinsatz
Ist der zu entsendende Mitarbeiter bestimmt, konzentrieren
sich die Aktivitäten des internationalen Personalmanagements darauf, den
Wechsel der Arbeits- und Lebensbedingungen für den ausgewählten Mitarbeiter und
die ihn evtl. begleitende Familie im Vorfeld abzusichern und zu unterstützen.
In diesen Aufgabenbereich fallen eine Fülle von Dienstleistungen, wie
Abschluss/Modifizierung eines Arbeitsvertrages, Beratung zu steuer- und
versicherungsrechtlichen Fragen, Hilfestellung beim Umzug oder Weiterbildungsmaßnahmen.
Im Zentrum der Forschung steht die Vorbereitung durch
außerfachliche/interkulturelle Weiterbildung. Zu den wichtigen Lernzielen
zählen (1) die Sensibilisierung für den Einfluss von Kultur auf unser Handeln,
(2) das Kennen- und Verstehenlernen unterschiedlicher Kulturen mit spezifischen
Normen, Werten und Handlungsmustern und (3) der Erwerb von Handlungsroutinen im
Umgang mit fremdkulturellen Partnern. Jedem dieser Ziele lässt sich eine
Vielzahl von didaktischen Methoden zuordnen: Rollenspiele, Kulturassimilatoren,
Simulationen des Lebens in einer fiktiven Kultur, Fallstudien, Vorträge,
Coaching durch Landeskundige usw. Eine Kombination wissens-, verstehens- und
handlungsorientierter Verfahren ist vor allem dann erforderlich, wenn neuartige
Arbeitsaufgaben in ständiger Zusammenarbeit mit Partnern aus einem sehr
kulturdistanten Gastland zu bewältigen sind. Die Wirksamkeit interkultureller
Weiterbildung ist am besten für die Wissensebene und am wenigsten für die Ebene
des Handelns im Arbeitsalltag belegt (Kealey,
/Protheroe, 1996). Umfragen zur Weiterbildungspraxis im
Vorfeld eines Auslandseinsatzes zeigen, dass der Schwerpunkt bei fachlicher
Weiterbildung, Kurzreisen in das Gastland und bei Sprachkursen liegt (Marx, 1996;
Stahl, 1998).
Die den entsandten Mitarbeiter begleitende Familie wird nur in Ausnahmefällen
in das Weiterbildungsangebot einbezogen. Zu diesem weitgehenden Verzicht auf
interkulturelle Weiterbildungsmaßnahmen tragen verbreitete Zweifel an der
Wirksamkeit dieser Maßnahmen bei, die Annahme weltweit konvergierender
(Wirtschafts-)Kulturen und nicht zuletzt der knappe zeitliche Vorlauf zwischen
Auswahlentscheidung und Entsendung des Mitarbeiters.
3. Betreuung vor Ort
Nach Ankunft des Mitarbeiters am ausländischen Einsatzort
setzen Maßnahmen ein, die auf die Erfüllung der Fachaufgabe, die Anpassung an
die Lebensbedingungen vor Ort sowie die Aufrechterhaltung des Kontakts zum
entsendenden Unternehmensteil zielen.
Wichtige Maßnahmen, die eine rasche Arbeitsfähigkeit am
ausländischen Arbeitsplatz sicherstellen sollen, sind die Einweisung am
ausländischen Arbeitsplatz, die Benennung eines Fachbetreuers im Gastland sowie
Leistungsbeurteilungen. Die letztgenannte Maßnahme ist nicht allein für die
Leistungsverbesserung während des Aufenthalts, sondern auch für
Laufbahnentscheidungen nach der Rückkehr von Bedeutung. Die existierenden
Beurteilungssysteme für Auslandsentsandte weisen eine Reihe von Schwächen auf.
Hierzu zählen insbesondere die Ausblendung des situativen Kontexts im
Beurteilungsprozess, die ungeprüfte Äquivalenz von Beurteilungswerten im Ländervergleich
oder die mangelhafte Berücksichtigung von Beurteilungszweck und Entsendungsziel
in den Bewertungskriterien.
Eine zweite Gruppe von Betreuungsaktivitäten soll die
Integration des Auslandsentsandten und seiner Familie im Gastland fördern. Als
wichtiges Mittel hat sich die Förderung sozialer Beziehungen zu Landsleuten und
Gastlandsangehörigen am Aufenthaltsort erwiesen. Ein besonderer
Betreuungsbedarf besteht für die begleitenden (Ehe-)Partner. Sie sind bei der
Bewältigung des Alltags häufiger und dichter mit den neuen Lebensbedingungen im
Ausland konfrontiert als der Entsandte, der zumindest am Arbeitsplatz vertraute
Aufgaben und Kollegenunterstützung vorfindet. Verschärft wird die Situation der
(Ehe-)Partner noch durch den Mangel an geeigneten Arbeitsmöglichkeiten im
Ausland, d.h. den Wegfall beruflicher Weiterentwicklung.
Eine dritte Gruppe von Betreuungsaktivitäten dient der
Aufrechterhaltung des Kontakts mit dem Unternehmen im Heimatland. Beispiele
sind die Finanzierung von Heimflügen, die Teilnahme an
Weiterbildungsveranstaltungen oder regelmäßige Unternehmensinformationen. Eine
Schlüsselrolle für die weitere Karriere des Entsandten spielen „ Mentoren “ , d.h.
hierarchisch höhere Ansprechpartner im Heimatland, die stellvertretend die
Interessen des Entsandten bei Stellenbesetzungen und
Personalentwicklungsmaßnahmen wahren.
In der Praxis konzentrieren sich die Betreuungsaktivitäten
internationaler Unternehmen auf den Kontakt mit den Entsandten per
Informationsmaterial und Treffen im Gast-/Heimatland. Besonders vernachlässigt
wird die Unterstützung der (Ehe-)Partner des Entsandten sowie die Einführung
eines Mentorensystems (Marx, 1996).
4. Wiedereingliederung
Auch die Rückkehr stellt den Auslandsentsandten vor hohe und
meist unerwartete Anpassungsforderungen. Sorgen um die Wiedereingliederung im
Unternehmen/im Heimatland gehören zu den besonders verbreiteten und intensiv
erlebten Belastungen des Auslandsentsandten. Untersuchungen belegen
insbesondere die Nichtentsprechung von Karriereansprüchen entsandter
Mitarbeiter und der nach Rückkehr eingenommenen Position. Der von vielen
Entsandten erhoffte Karriereschub bleibt häufig aus. Eine Kumulierung dieser
und weiterer enttäuschter Erwartungen kann in einen Rückkehrerschock münden.
Die Förderung der Wiedereingliederung durch die
Personalarbeit beginnt bereits im Vorfeld der Auslandsentsendung (z.B.
Karrieregespräch; Beschränkung der Einsatzdauer), begleitet den Auslandseinsatz
(z.B. Betreuung durch Mentoren; Finanzierung von Heimataufenthalten) und endet
erst nach der Rückkehr (z.B. Wiedereingliederungsseminar; Unterstützung des
Partners bei Stellensuche) (Kühlmann,
/Stahl, 1995). In der Personalpraxis dominiert als Instrument
der Wiedereingliederung die Garantie einer Weiterbeschäftigung im entsendenden
Unternehmen nach der Rückkehr. Mit knapp 90% liegt der Anteil von deutschen
Unternehmen, die diese Zusage abgeben, im internationalen Vergleich besonders
hoch (Marx, 1996;
Tung, 1998).
Dennoch kann häufig eine den Qualifikationen und Erwartungen des Rückkehrers
angemessene Stelle nicht oder nicht sofort bereitgestellt werden. Weitere
Maßnahmen, die zur Wiedereingliederung vergleichsweise häufig ergriffen werden,
sind die Unterstützung beim Umzug, kontinuierliche Informationen zur
Stellensituation im entsendenden Unternehmen sowie Hilfe bei der Stellensuche
im wiederaufnehmenden Unternehmen. Angesichts des fragmentarischen Charakters
von Wiedereingliederungsmaßnahmen fällt die Zufriedenheit hiermit bei
Rückkehrern niedrig aus (Tung, 1998).
V. Ausblick
Die vorherrschende Praxis der Handhabung von
Auslandsentsendungen beschränkt sich auf Einzelmaßnahmen, die weder
untereinander noch mit der Personal-/Unternehmensstrategie abgestimmt sind. Den
Schwächen der Praxis steht eine Personalmanagementlehre gegenüber, die bislang
kaum theoretisch und empirisch fundierte Antworten auf die Probleme der
praktischen Ausgestaltung einer Auslandsentsendung erarbeitet hat. Hieraus
leitet sich für die künftige Forschung eine Reihe von Aufgaben ab:
-
Auf theoretischer Ebene fehlen nach wie vor
forschungsleitende Rahmentheorien des Auslandseinsatzes. Einzelne Vorstöße,
Theorien „ großer Reichweite “ wie etwa die Handlungstheorie (Hagemann, 1985)
oder die Transaktionskostentheorie (Festing, 1996)
als Analyseinstrumente zu nutzen, erscheinen vielversprechend, bedürfen aber
zur Beurteilung ihres wissenschaftlichen und praktischen Potenzials noch
weiterer Forschungsbemühungen.
-
Ein vernachlässigtes Thema ist die Passung von
Auslandseinsätzen mit der Internationalisierungsstrategie und mit dem
Unternehmenskontext (Cieri, de,
/Dowling, 1999). Unter bestimmten Bedingungen sind
Auslandseinsätze substituierbar. Als Alternativen zum Auslandseinsatz werden
zunehmend Kurzzeitaufenthalte, „ virtuelle “ Entsendungen und Videokonferenzen
genutzt (PriceWaterhouseCoopers,
2001).
-
Geläufige Kriterien zur Beurteilung des Erfolgs einer
Auslandsentsendung – z.B. Erfüllen der Arbeitsaufgabe, Zufriedenheit mit den
Gastlandbedingungen, Akzeptanz bei den Partnern im Gastland – reflektieren
nur partiell die Ziele eines Auslandseinsatzes. Eine breiter angelegte
Evaluation hätte auch zu erfassen, inwieweit das gewonnene Auslandswissen im
Unternehmen genutzt wird oder welchen Verlauf die Karriere entsandter
Mitarbeiter nimmt.
-
Die in der Praxis verbreiteten oder von der Forschung
vorgeschlagenen Instrumente zur Gestaltung der verschiedenen Phasen einer
Auslandsentsendung sind in ihrer Wirksamkeit weithin ungeprüft. Ihre
Anwendung basiert auf Plausibilitätsüberlegungen. Erforderlich sind etwa
Erfolgskontrollen verschiedener Auswahlinstrumente oder Trainingsmaßnahmen.
Literatur:
Berry, J. W. : Acculturative stress,
in: Pschology and culture, hrsg. v. Lonner, W. J./Malpass, R. S., Boston 1994
Black, J. S./Gregersen, H. B./Mendenhall,
M. E. : Globalizing people through international assignments, New York 1999
Cieri, H. de/Dowling, P. J. :
Strategic human resource management in multinational enterprises: Theoretical
and empiricial developments, in: Research in personnel and human resources
management: Strategic human resource management in the twenty-first century,
hrsg. v. Wright, P. M./Dyer, L. D./Boudreau, J. W., Stamford 1999
Dowling, P. J./Welch, D. E./Schuler,
R. S. : International human resource management. Managing people in a
multinational context, Cincinnati 1999
Festing, M. : Strategisches
Internationales Personalmanagement. Eine transaktionskostentheoretische
fundierte empirische Analyse, München 1996
Hagemann, K. : Psychologische
Handlungstheorien und ihr Nutzen für die Austauschforschung, in:
Interkultureller Austausch als interkulturelles Handeln, hrsg. v. Thomas, A.,
Saarbrücken 1985, S. 11 – 54
Harzing, A. K. : The persistent myth
of high expatriate failure rates, in: International Journal of Human Resource
Management, Bd. 6/1995, S. 457 – 474
Kealey, D. J./Protheroe, D. R. : The
effectiveness of cross-cultural training of expatriates: An assessment of the
literature on the issue, in: International Journal of Intercultural Relations,
Bd. 20/1996, S. 141 – 165
Kühlmann, T. M./Stahl, G. K. : Die
Wiedereingliederung von Mitarbeitern nach einem Auslandseinsatz:
Wissenschaftliche Grundlagen, in: Mitarbeiterentsendung ins Ausland, hrsg. v.
Kühlmann, T. M., Göttingen 1995
Kühlmann, T. M./Stahl, G. K. :
Diagnose interkultureller Kompetenz: Entwicklung und Evaluierung eines
Assessment Centers, in: Interkulturelle Personalorganisation, hrsg. v.
Barmeyer, C./Bolten, J., Sternenfels 1998
Kühlmann, T. M./Stahl, G. K. :
Problemfelder des internationalen Personaleinsatzes, in: Lehrbuch der
Personalpsychologie, hrsg. v. Schuler, H., Göttingen et al. 2006 (2.
überarbeitete und erweiterte Auflage)
Marx, E. : International human
resource practices in Britain and Germany, London 1996
Oberg, K. : Cultural shock:
Adjustment to new cultural environments, in: Practical Anthropology, Bd.
7/1960, S. 177 – 182
PriceWaterhouseCoopers, :
International assignments: European policy and practice 1999/2000, London 2001
Stahl, G. K. : Ein strukturiertes
Auswahlinterview für den Auslandseinsatz, in: Zeitschrift für Arbeits- und
Organisationspsychologie, Bd. 39/1995, S. 84 – 90
Stahl, G. K. : Internationaler
Einsatz von Führungskräften, Diss., München 1998
Tung, R. L. : American expatriates
abroad: From neophytes to cosmopolitans, in: Journal of World Business, Bd.
33/1998, S. 125 – 144
|