Inhaltsübersicht
I. Terminologische
Grundlagen und konzeptioneller Hintergrund
II. Ausgestaltung
des Personaleinsatzes
III. Kritische
Würdigung
I. Terminologische
Grundlagen und konzeptioneller Hintergrund
Unternehmen sind dann am Markt erfolgreich, wenn die von
ihnen erstellten Leistungen (Produkte, Dienstleistungen) von Kunden zu
kostendeckenden Preisen (inkl. Gewinnmarge) nachgefragt werden. Vereinfacht
formuliert haben damit Unternehmen ihr Leistungsvermögen (ihre Performance) an
Kundenbedürfnissen auszurichten. Zunächst ist zu analysieren, welche
Performance der Markt vom Unternehmen erwartet bzw. welche Soll-Performance das
Unternehmen aufbieten müsste, um am Markt erfolgreich agieren zu können. An
diesen Ergebnissen ist dann das aktuelle Leistungsvermögen der Unternehmung zu
spiegeln. Meist resultiert aus diesem Vergleich eine Lücke: Die vom Markt
erwartete Performance ist etwa höher als das aktuelle Leistungsvermögen der
Unternehmung. Die Lücke definiert einen Handlungsbedarf. Das Leistungsvermögen
der Unternehmung ist anzupassen. Die Frage ist nur: Wie?
Wenn man als Verantwortlicher oder als Berater für Human
Resource Management über Interventionen zur Leistungsverbesserung nachdenkt,
ist neben den Personen immer auch deren Umfeld zu berücksichtigen. Es ist also
mit Blick auf die ganze Organisation zu analysieren, wie die Prozesse der
Leistungserstellung verlaufen und wie sie verlaufen müssten, um den
Anforderungen des Marktes/der Kunden zu entsprechen. Die Analyse der Lücke
zwischen Soll und Ist liefert dann die Ansatzpunkte zur Intervention (s. Abb.
1).
Abb. 1: Der Prozess zur Leistungsbeeinflussung
Die Performance – das Leistungsvermögen – einer Organisation,
einer Abteilung ist also immer das Ergebnis komplexer, systemischer Abläufe.
Damit sind Problem- ebenso wie Lösungsbeschreibungen
Systembeschreibungen. Diese wiederum sind immer Abstraktionen der
Wirklichkeit, d.h. Modelle. Die Güte eines Modells bestimmt sich dabei aus dem
Zweck, dem es dient. Dieser Zweck (als Beschreibung eines Ergebnisses) steht am
Anfang jeder Intervention. Bevor also über Interventionsmöglichkeiten
nachgedacht werden kann, braucht es die Entscheidung für geeignete
Analyse-Modelle.
Im Folgenden wird zunächst der Begriff „ Personaleinsatz “
näher beleuchtet. Anschließend erfolgt die Entwicklung eines generischen
Analyse-Modells, auf dessen Basis die leistungswirtschaftliche Bedeutung des
Personaleinsatzes verdeutlicht werden soll, um dann vor diesem Hintergrund die
Ausgestaltung des Personaleinsatzes zu diskutieren.
1. Personaleinsatz – eine managementorientierte
Abgrenzung
Unter dem Begriff „ Personaleinsatz “ wird der qualitative,
quantitative, zeitliche sowie örtliche Ausgleich von Personalbestand und
Personalbedarf verstanden. Personaleinsatz bezeichnet somit den
Zuordnungsprozess von Mitarbeitern zu Aufgaben bzw. Stellen mit dem Ziel, den
betrieblichen Leistungsprozess aufrecht zu erhalten bzw. zu optimieren. Dieser
Zuordnungsprozess ist derart gestaltet, dass Personen – unter Berücksichtigung
von temporären und lokalen Gegebenheiten sowie leistungsspezifischen
Erfordernissen – Stellen zugeordnet werden. Entscheidend ist dabei, dass das
Qualifikationsniveau der Mitarbeiter den stellenbezogenen Anforderungen
entspricht. Es ist zu berücksichtigen, dass alle personalwirtschaftlichen
Maßnahmen den sozialen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen der
jeweiligen Organisation Rechnung tragen müssen. Restriktionen etwa in Form von
Budget- und Rentabilitätsvorgaben (Finanzkonzept), oder auch ethische
Wertvorstellungen und Denkhaltungen (Sozialkonzept) sind bei der Performance
orientierten Ausgestaltung des Personaleinsatzes (Leistungskonzept) zu
beachten. Im Zentrum der nachfolgenden Überlegungen steht ein leistungs- und
systemorientiertes Personaleinsatzkonzept, dessen Ausgestaltung prinzipiell an
den Markterfordernissen ausgerichtet ist. Es wird ein Modell vorgestellt, das
individuelle Leistungspotenziale im Kontext organisationaler Zusammenhänge
bewertet. Es handelt sich hierbei um ein Modell, das sich in der Praxis der
Organisations- und Personalentwicklungsberatung als Analyseinstrument bewährt
hat.
2. Leistungswirtschaftliche Bedeutung
Unternehmen richten ihre personelle Performance (das
Leistungsvermögen der Mitarbeiter) prinzipiell an den Kundenbedürfnissen bzw.
Markterfordernissen aus. Der Personaleinsatz ist also eine Art Residualgröße
bestehender Markterwartungen. Im Regelfall sind rechtzeitige personalwirtschaftliche
Anpassungsprozesse an die Rahmenbedingungen des Marktes unabdingbar. Ein
Beispiel soll dies verdeutlichen: Die Vertriebsmitarbeiter in der Niederlassung
eines Unternehmens sind sowohl für den direkten Kundenkontakt als auch für
telefonische Kundenanfragen zuständig. Eine Kundenbefragung ergibt, dass 90%
aller Telefonkunden mit dem Telefonservice unzufrieden sind. Der Grund: Anrufe
werden durchschnittlich erst nach achtmaligem Klingeln entgegen genommen.
Erwartet wird die Annahme von Telefonanrufen bis zum vierten Klingelton.
Zunächst wird deutlich, dass das aktuelle Leistungsverhalten nicht der
gewünschten Performance entspricht. Die identifizierte Lücke (entgegen den
Erwartungen der Kunden ist die Annahmezeit von Telefongesprächen durchschnittlich
mehr als doppelt so hoch) verlangt nach Interventionen. Doch wie sich diese
gestalten können, ist offen. Es drängt sich zunächst die Vermutung auf, dass es
sich im vorliegenden Fall um ein klassisches Personaleinsatzproblem handeln
könnte. Das personelle Leistungsverhalten erscheint nicht adäquat. Auf Basis
der bisherigen Informationen lässt sich jedoch nicht entscheiden, welche
Interventionen geeignet sind, die zuvor identifizierte Lücke zwischen
erwarteter Marktperformance und aktuellem Leistungsverhalten zu schließen. Von
Nöten ist ein Analysemodell, das hilft, die Ursachen der Leistungslücke zu
verstehen. Sind diese verstanden, ist es ein Leichtes, adäquate Problemlösungen
zu entwickeln. Also: Eine umfassende Ursachenanalyse ist Voraussetzung für die
Auswahl geeigneter Personaleinsatzmaßnahmen. Diese Analyse hat auf drei Ebenen
zu erfolgen – denn in jeder Organisation lassen sich drei Ebenen beschreiben,
auf denen in spezifischer Art und Weise das Leistungsvermögen beeinflusst wird.
Diesbezüglich gilt das Argument, dass häufig eine
Verbesserung auf nur einer dieser Ebenen nicht ausreicht, um die erwartete
Marktperformance zu erzielen. Vielmehr sind die Ebenen in ihrem
Systemzusammenhang, sprich in ihrem Gesamtkontext zu betrachten.
a) Die Organisationsebene
Eine Organisation sollte so aufgebaut sein, dass sie das
Erbringen der geforderten Leistungen so leicht wie möglich macht. Die
Organisationsstruktur – das Skelett des Gesamtunternehmens bzw. einer Abteilung
– sollte unterstützend wirken und nicht behindernd. Bezogen auf oben genanntes
Beispiel könnte der Grund für eine zuvor analysierte unzureichende Performance
darin liegen, dass die Vertriebsabteilung Defizite in ihrer
Organisationsstruktur aufweist. Beispielsweise hat die Vertriebsabteilung in
hohem Umfang persönlichen Kundenkontakt (viele Kunden holen Waren persönlich in
der Vertriebsabteilung ab), sodass für typische Innendiensttätigkeiten (wie
z.B. Telefonservice) wenig Zeit verbleibt. Aufgrund dessen wäre die Einführung
eines separaten Call-Centers, das sich auf die Telefonanfragen von Kunden
spezialisiert, ein wesentlicher Schritt zur Anpassung der Performance an das
vom Markt erwartete Leistungsverhalten. Maßnahmen, die auf der
Organisationsebene ansetzen, können dazu beitragen, Leistungen auf der
Mitarbeiterebene zu verbessern oder generell Leistungsprobleme zu lösen.
b) Die Prozessebene
Kann die Ebene der Organisation als Skelett beschrieben
werden, so bilden die Informationsflüsse in den Nervenbahnen die Prozesse im
Unternehmen. Die Leistungsprozesse sind so zu beschreiben, zu gestalten oder zu
verändern, dass optimales personelles Leistungsverhalten (gemessen an den
Markt-/Kundenanforderungen) ermöglicht wird. In Bezug auf unser
Eingangsbeispiel wäre denkbar, dass ineffiziente Prozessabläufe dazu beitragen,
dass die erwartete Marktperformance nicht erzielt wird. Werden eingehende
Telefongespräche etwa nach einem starren Schema von einem Apparat an den
nächsten weitergeleitet, bis irgend jemand das Gespräch entgegennimmt, darf es
bei dieser Prozessgestaltung nicht verwundern, dass Kunden lange warten müssen,
bis sie einen kompetenten Gesprächspartner erreichen. Anders sieht es aus, wenn
der Prozess derart gestaltet ist, dass er Gespräche über eine Telefonanlage
automatisch an einen freien Telefonarbeitsplatz der Serviceabteilung
weiterleitet. Hier hilft eine Reorganisation des bisherigen Prozesses, um die
geforderte Marktperformance und das erwünschte Mitarbeiterverhalten zu
erreichen.
c) Die Aufgabenebene
Um das oben genutzte Bild wieder aufzugreifen: Die Arbeit in
den Nervenbahnen wird von Zellen gemacht, die an unterschiedlichen Stellen ganz
unterschiedliche Aufgaben bewältigen. In Organisationen sind es die
Mitarbeiter, die in bestimmten Stellen und Positionen Leistungen erbringen und
damit auch für ganz spezifische Leistungserfordernisse verantwortlich sind.
Über die Personaleinsatzplanung soll dafür gesorgt werden, dass der richtige
Mitarbeiter zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist. Im vorliegenden Beispiel
gilt es nun, das Leistungsverhalten der Mitarbeiter auf der Aufgabenebene zu
analysieren. Denn die Leistung (Produkt, Dienstleistung), die ein Unternehmen
erstellt, wird primär auf der Aufgabenebene und somit von den hier handelnden
Menschen erbracht. Dazu bedarf es einerseits bestimmter Fertigkeiten und
Fähigkeiten (Fachwissen, Berufsausbildung,
Erfahrung etc.), andererseits der notwendigen körperlichen und geistigen
Leistungsfähigkeit und ausreichender Motivation, sich für eine Aufgabe
einzusetzen.
Wenn es um Fertigkeiten und Fähigkeiten geht, dann ist u.a.
Qualifizierung die angemessene Lösung. Körperliche und geistige Voraussetzungen
lassen sich hingegen nur begrenzt durch (kurzfristige) Schulungen verbessern.
Und für eine unzureichende Motivation stehen Motivationsveranstaltungen bereit,
über deren langanhaltende Wirkung jedoch geteilte Ansichten vorherrschen.
Letztlich geht es in unserem Zusammenhang um die konkrete
leistungswirtschaftliche Ausgestaltung des Personaleinsatzes auf der
Aufgabenebene. Ziel ist, diesen Personaleinsatz den Markterfordernissen unter
Berücksichtigung von unternehmensindividuellen finanzwirtschaftlichen und sozialen
Erwartungen bzw. Vorgaben permanent anzupassen.
Abb. 2: Das Performance System auf der Aufgabenebene
Aus den bisherigen Überlegungen kann zusammenfassend
abgeleitet werden: Will man in Organisationen den Personaleinsatz zielgerichtet
gestalten, muss das zuvor beschriebene Modell (Performance System) als Ganzes
betrachtet werden. Die einzelnen Leistungsebenen sind so aufeinander
abzustimmen, dass sie sich gegenseitig verstärken und gemeinsam zum
erforderlichen Leistungsvermögen beitragen. Nicht nur die Ziele auf der
Aufgabenebene sind auf die Ziele der Prozess- bzw. Organisationsebene
auszurichten. Auch die Ziele der Prozessebene müssen mit den Zielen der
Organisationsebene (und vice versa) konform sein (vertikales Alignment).
Darüber hinaus ist zur Anpassung der personellen Performance an die
Markterwartung eine Abstimmung der zentralen Faktoren innerhalb der jeweiligen
Ebene unabdingbar (horizontales Alignment). Die horizontale Gestaltung auf der
Aufgabenebene wird im nachfolgenden Abschnitt „ Ausgestaltung des
Personaleinsatzes “ näher beleuchtet.
II. Ausgestaltung des
Personaleinsatzes
1. Dimensionen des Personaleinsatzes
Die bisherige Betrachtung der Leistungsebenen in
Organisationen liefert die Grundlage für die weitere Vorgehensweise. Bei der
Analyse der drei Ebenen wird deutlich, dass die Anknüpfungspunkte für die
Überlegungen zum Personaleinsatz auf der Aufgabenebene liegen. Von den in Abb.
2 dargestellten Bestimmungsfaktoren der Aufgabenebene sind bei der Erörterung
der Dimensionen des Personaleinsatzes vor allen Dingen die Ausgestaltung der
Ressourcen (z.B. Arbeitszeit) und des Designs (Arbeitsplatz und Arbeitsinhalte)
sowie die Potentiale der Performer (Mitarbeiter) relevant.
Die Leistung eines Mitarbeiters ist also u.a. abhängig von
seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten, der Gestaltung seines Arbeitsplatzes, der
Arbeitsinhalte und den zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Arbeitszeit oder
Arbeitsmittel. Daher geht es bei der Frage nach dem optimalen Personaleinsatz
darum, einerseits die Mitarbeiter den Stellen zuzuordnen (s. Abb. 3,
Prozess A), die ihren Qualifikation, Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechen.
Andererseits ist eine leistungsfördernde Arbeitsumgebung zu gestalten.
Abb. 3: Systemische Beschreibung des Personaleinsatzes
Beim leistungsorientierten Personaleinsatz setzen wir voraus,
dass der arbeitsorganisatorische Bedarf an Mitarbeitern zur Aufrechterhaltung
des betrieblichen Leistungsprozesses zu jeder Zeit gedeckt sein soll.
Personalverantwortliche haben bei der Ausgestaltung des Personaleinsatzes zu
berücksichtigen, dass der quantitative Personalbestand (wie viele Mitarbeiter
sind verfügbar?) dem quantitativen Personalbedarf (wie viele Mitarbeiter werden
zur Leistungserstellung benötigt?) entspricht. Bei einer Ausweitung des Beschäftigungsgrades
sind personalwirtschaftliche Maßnahmen (z.B. in Form von
Personalbeschaffungsmaßnahmen) notwendig, um den (temporär) erweiterten
Leistungsprozess aufrecht zu erhalten. Es genügt jedoch nicht, lediglich für
einen mengenmäßigen Ausgleich von Personalbedarf und Personalbestand zu sorgen.
Auch der qualitative Personalbedarf ist zu berücksichtigen. Die Basis für den
Einsatz der richtigen Mitarbeiter stellt eine qualifikationsorientierte Personalauswahl
dar (s. Abb. 3, Prozess A). Mit Hilfe von Anforderungsprofilen werden
Mindestanforderungen an den zukünftigen Stelleninhaber definiert.
Potenzialfeststellungsverfahren wie Assessment
Center oder Eignungstests in Kombination mit Vorstellungsgesprächen
sollen die Entscheidungsfindung erleichtern und valide Auswahlergebnisse
sicherstellen. Der Mitarbeiter darf für die zu besetzende Position weder über-
noch unterqualifiziert sein. Beispielsweise wird ein Hilfsarbeiter nicht in der
Lage sein, die Funktion eines Meisters zur vollsten Zufriedenheit des
Unternehmens auszuüben. Die qualitativen Fähigkeiten entsprechen hier nicht den
stellenbezogenen Anforderungen. Aufgrund der fachlichen Überforderung wird die
Fehlerquote während der Ausübung seiner Tätigkeit steigen. Infolgedessen wird
mittelfristig die Kritik an seiner Person anwachsen, sodass u.a.
motivationsbedingt weitere Leistungsminderungen zu erwarten sind.
Zum leistungsorientierten Personaleinsatz gehört auch, die
neuen Mitarbeiter so ins Unternehmen einzuführen, dass sie möglichst bald in
der Lage sind, die von ihnen erwartete Leistung bestmöglich zu erbringen. Die
erste Zeit in einem neuen Umfeld ist aus Sicht des Arbeitnehmers mit viel
Unsicherheit verbunden. Diese Anspannung kann durch sorgfältige Einarbeitung
dem Mitarbeiter zumindest teilweise genommen werden. Die Einarbeitung ist
gleichzeitig Grundlage für den Mitarbeiter, die Aufgabe und ihren Stellenwert
verstehen zu können. In dieser Phase kommt außerdem der Integration eines neuen
Mitarbeiters erhebliche Bedeutung zu. Während die Einarbeitung auf die rein
fachliche Seite und damit die Vermittlung stellenspezifischen Wissens abzielt,
fokussiert die Integration den sozial-emotionalen Bereich. Es ist wichtig, dass
der Mitarbeiter ein Zugehörigkeitsgefühl sowohl zu seinen Arbeitskollegen als
auch zum Unternehmen entwickelt. Paten-, Mentoren- und Coaching-Programme
unterstützen sowohl die Einarbeitung als auch die Integration. Die Integration
endet jedoch nicht zeitgleich mit der Einarbeitungsphase, sondern stellt einen
kontinuierlichen Bestandteil verantwortungsvoller Führungs- und Personalarbeit
dar.
Wird der Personaleinsatz als Residualgröße der Markt- und
Kundenerwartungen betrachtet, so ist mit einer veränderten Markterwartung auch
eine Änderung des Personaleinsatzes erforderlich. Personalentwicklung
mit den dazu gehörigen Maßnahmen ist eine denkbare Interventionsmöglichkeit,
wenn es darum geht, die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Mitarbeiter zu
verbessern und zu erweitern, um somit den steigenden Markterwartungen gerecht
zu werden. Das kontinuierliche Fördern und Fordern der Mitarbeiter steht im
Vordergrund einer zielorientierten Personalarbeit, um die Potenziale der
Mitarbeiter zu entfalten und zu entwickeln. In Aussicht gestellte
Karrierechancen können die Mitarbeiter zusätzlich motivieren (s. Abb. 3,
Prozess B). Wenn auch nicht für jeden Mitarbeiter die Option des Aufstiegs
besteht, so kann die Versetzung in einen anderen Unternehmensbereich oder eine
neue Abteilung eine interessante Alternative sein. Hierfür sind ebenfalls
Personalentwicklungs- und Schulungsmaßnahmen erforderlich, damit in der neuen
Stelle eine optimale Leistung erbracht werden kann. Mitarbeiter, die für sich
keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen mehr sehen, werden
entweder in die „ innere Emigration “ gehen oder versuchen, auf mittlere Sicht
einen anderen Arbeitgeber zu finden. Umgekehrt wird sich ein Arbeitgeber von
einem Mitarbeiter trennen, wenn er diesem kein adäquates Aufgabengebiet mehr
zuordnen kann (s. Abb. 3, Prozess C). Die Option der Personalfreisetzung wird
auch dann gewählt, wenn personelle Überkapazitäten bestehen.
2. Einflussfaktoren des Personaleinsatzes
Um eine optimale Personalleistung sicherzustellen, sind
gewisse Einflussfaktoren des Personaleinsatzes zu beachten. Diese
Einflussfaktoren lassen sich einerseits als soziale und motivationale und
andererseits als rechtliche Rahmenbedingungen bezeichnen. Bei den sozialen und
motivationalen Einflussfaktoren geht es um die Frage, inwieweit das Design des
Arbeitsplatzes und der Arbeitsinhalte die Mitarbeiter zum geforderten
Leistungsverhalten motivieren kann. Motivationsbedingte personelle Leistungssteigerungen
können insb. dann erreicht werden, wenn etwa für die Mitarbeiter einer
Produktionsabteilung die Bedeutung und der Stellenwert der Arbeitsaufgabe klar
ersichtlich wird, die Mitarbeiter ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und
Fertigkeiten zur Bewältigung der Arbeitsaufgabe einsetzen können, und ihnen der
Sinn der Tätigkeit deutlich wird (vgl. Hackman, /Oldham,
1980). Arbeitsformen wie job rotation, job enlargement und job
enrichment tragen dazu bei, Aufgaben abwechslungsreich und leistungsfördernd zu
gestalten.
Auch die direkte und indirekte Gestaltung des Arbeitsplatzes
hat Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft und das Leistungsvermögen von
Mitarbeitern. So ist der Arbeitsplatz eines Mitarbeiters ergonomisch zu
gestalten, um Krankheits- oder Ermüdungserscheinungen vorzubeugen und um die
Arbeitsabläufe zu erleichtern. Dazu gehört die Sauberkeit und der Geräuschpegel
am Arbeitsplatz ebenso wie die anwenderfreundliche Gestaltung von Bedienteilen
wie Pedale, Griffe oder Hebel.
Weiterhin beeinflusst die Betriebs- resp. Arbeitszeit die Zufriedenheit der
Mitarbeiter und damit deren Leistungsverhalten, wenn neben den Kunden- und
Unternehmensbedürfnissen auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter bei deren
konkreten Ausgestaltung berücksichtigt werden. Möglich ist das bspw. durch
Teilzeitarbeit oder flexible Arbeitszeitmodelle.
Bei der Ausgestaltung des Personaleinsatzes spielen auch
rechtliche Rahmenbedingungen eine Rolle. Im Bereich des kollektiven
Arbeitsrechts hat der Betriebsrat
zum einen verschiedene Mitsprache-, Mitbestimmungs- und Durchführungsrechte. Er
kann u.a. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit mitbestimmen (§ 87
Abs. 2 BetrVG). Es stehen ihm ebenso Mitbestimmungsrechte bei Kündigungen (§
102 BetrVG) zu. Nach § 90 BetrVG ist der Betriebsrat etwa von geplanten
Änderungen der Arbeitsplätze, von Arbeitsverfahren und -abläufen zu
unterrichten. Beim individuellen Arbeitsrecht sind u.a. die Regelungen des
Arbeitszeit-, des Bundesurlaubs-, des Beschäftigungsförderungs- und des
Teilzeit- und Befristungsgesetzes zu berücksichtigen.
3. Personaleinsatzplanung
Ein leistungsorientierter Personaleinsatz wird durch die
zuvor skizzierten quantitativen, qualitativen, sozialen bzw. motivationalen
sowie rechtlichen Faktoren bestimmt. Infolgedessen sind diese Größen
aufeinander abzustimmen, sodass die vom Markt erwartete Performance erzielt
wird.
Dieser Abgleich von Personaleinsatz-Performance und
erwarteter Marktperformance hat jedoch nicht nur aktuell, sondern auch im
Ausblick auf die Zukunft zu erfolgen. Insbesondere für eine rechtzeitige
Anpassung des Personaleinsatzes an zukünftig prognostizierte Markt- bzw.
Kundenerwartungen ist eine vorausschauende Personaleinsatzplanung notwendig (s.
Abb. 4).
Abb. 4: Planung des Personaleinsatzes
Die Aufgabe der Personaleinsatzplanung
besteht darin, den ermittelten Personalbestand mit der Personalbedarfsplanung
zum Stichtag zu vergleichen und eventuellen Handlungsbedarf abzuleiten.
Ausgangspunkt einer erfolgreichen Personaleinsatzplanung ist somit die
Bestimmung des zukünftigen Personalbestandes. Aufgabe der
Personalbestandsplanung ist zu ermitteln, wie viele Mitarbeiter mit welcher
Qualifikation an welchem Ort unter Beachtung sozialer bzw. motivationaler
Rahmenbedingungen sowie rechtlicher Restriktionen dem Unternehmen (zukünftig)
zur Leistungserstellung zur Verfügung stehen. Auf der Personalbestandsplanung
baut die Bestimmung des prognostizierten Personalbedarfs auf. Aufgabe der
Personalbedarfsplanung ist die Ermittlung, wann wie viele Mitarbeiter mit
welcher Qualifikation an welchem Ort unter Berücksichtigung motivationaler,
sozialer und rechtlicher Rahmenbedingungen benötigt werden, um den zukünftigen
Markterwartungen gerecht zu werden. Entspricht der geplante Personalbestand den
prognostizierten, marktspezifischen Erfordernissen, so scheint ein
Personalbestand gegeben, dessen Performance voraussichtlich der erwarteten
Marktperformance entspricht. Aus der Gegenüberstellung von geplantem
Personalbestand (Personaleinsatz) und Personalbedarf (Anforderung des Marktes)
resultiert jedoch i.d.R. eine Lücke. Der zukünftige Personaleinsatz wäre somit
nicht marktkonform sichergestellt. Die Folge: Es besteht Handlungsbedarf. Wie
oben schon angeführt, ist jedoch die ermittelte Lücke zu analysieren und der
Handlungsbedarf zu konkretisieren.
III. Kritische Würdigung
Die obigen Ausführungen fokussieren auf die
leistungswirtschaftliche Ausgestaltung des Personaleinsatzes.
Unternehmenskultur, Unternehmensphilosophie sowie Unternehmenszielsysteme
setzen den Rahmen, innerhalb dessen Personalverantwortliche die
Bestimmungsgrößen des Personaleinsatzes auszurichten bzw. mittels
entsprechender Interventionen anzupassen haben. Dabei ist beim Personaleinsatz
anzustreben, dass das personelle Leistungsvermögen eines Unternehmens den
marktspezifischen Leistungsanforderungen entspricht. Das Leistungsverhalten der
Mitarbeiter hängt dabei von diesen selbst und der Gestaltung ihrer
Arbeitsumgebung ab.
Beim Personaleinsatz geht es primär um die horizontale
Abstimmung von Systemelementen auf der Aufgabenebene (vgl. Abb. 2). Es stehen
die Elemente Ressourcen, Design und Performer im Vordergrund. Es geht im
Wesentlichen darum, ein System zu schaffen, das die Mitarbeiter motiviert und
leistungsfördernd wirkt. Das Performance-System auf der Aufgabenebene enthält
neben den Elementen, die in der Diskussion zum Personaleinsatz im Vordergrund
stehen, noch weitere, wie Ziele, Feedback oder Konsequenzen. Ein
leistungsfördernder Personaleinsatz hängt also auch von der Ausgestaltung der
übrigen Systemelemente ab. So ist es etwa erforderlich, dass das
Zielvereinbarungs- und Entlohnungssystem zu den gewählten
Personaleinsatzinstrumenten passt. Um eine der Markterwartung entsprechende
Leistung zu erzielen, ist weiterhin eine Abstimmung aller Leistungsebenen
(Organisationsstruktur, Prozesse, Aufgabenebene) untereinander notwendig. Die
Maßnahmen und Ziele der einzelnen Ebenen sind aufeinander abzustimmen, sodass
sie sich gegenseitig ergänzen und verstärken.
Die Motivation der Mitarbeiter ist aus Sicht der oben
skizzierten leistungswirtschaftlichen Perspektive eine Systemresultante. Sie
stellt sich quasi von selbst ein, wenn die einzelnen Systemelemente gut
aufeinander abgestimmt sind. Insofern werden hier grundsätzliche Fragen zur Arbeitszufriedenheit
und die Motivation der Mitarbeiter nur eingeschränkt behandelt.
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