Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Typen
II. Ziele
und Kontext
III. Erfolg
und Erfolgsfaktoren
I. Begriff und Typen
1. Theoretische und praktische Verankerung
Institutionsformen „ jenseits von Markt und Hierarchie “
erlangten in den letzten Jahren sowohl in der Praxis als auch in der
Wissenschaft eine stark steigende Bedeutung. Obwohl zwischenbetriebliche
Kooperationen grundsätzlich nichts Neues sind und sich menschliche
Gemeinschaften seit jeher durch ein Neben- und Miteinander von Kooperation und
Wettbewerb ausgezeichnet haben, waren in den letzten Jahren doch eine besondere
Intensität und Kreativität im Einsatz unterschiedlicher Formen von Allianzen zu
verzeichnen. Dadurch entstanden zahlreiche innovative Formen der
unternehmensübergreifenden Organisation wirtschaftlicher Aktivitäten, die zum
Verschwimmen der Grenzen zwischen einzelnen Unternehmen, aber auch zwischen
Unternehmen und Markt geführt haben. Parallel zur steigenden wirtschaftlichen
Bedeutung von Allianzen und Netzwerken nahm auch die wissenschaftliche
Beschäftigung mit dieser Themenstellung zu. Die theoretischen Beschreibungs-
und Erklärungsansätze greifen auf eine Fülle unterschiedlicher sozial- und
wirtschaftswissenschaftlicher Theorien zurück, die man in drei theoretische Perspektiven gruppieren
kann: (1) Ökonomische Theorien, insb.
Institutionenökonomie,
Industrieökonomie, Spieltheorie,
Evolutionsökonomie und Politische Ökonomie; (2) Interorganisationstheorien, insb. Resource-Dependence-Theorie,
Organisationsökologische Ansätze, Neoinstitutionalistische Ansätze, Soziale
Netzwerkansätze, Interorganisationale Lerntheorie und Interorganisationale
Vertrauensforschung; (3) Theorien des
Strategischen Managements, insb. markt-, ressourcen- und wissensbasierte
Strategieansätze und Internationalisierungstheorien. Trotz der intensiven
Forschungs- und Publikationstätigkeit bestehen nach wie vor erhebliche Defizite
in der Theoriebildung und in der tiefer greifenden empirischen Aufarbeitung des
Forschungsgegenstandes (Hagedoorn,
John/Osborn, Richard 1997).
2. Begriffsbestimmung
Man versteht unter einer strategischen
Allianz eine auf den Aufbau und/oder auf die Absicherung von
Erfolgspotenzialen ausgerichtete, eher heterarchische Verbindung von rechtlich
selbstständigen Unternehmen. Strategische Allianzen ermöglichen die Kombination
von komplementären oder gleichartigen Ressourcen zur gemeinsamen Erzielung von
Wettbewerbsvorteilen. Quelle der Wettbewerbsvorteile sind Synergien durch die
Poolung gleichartiger oder die Verbindung komplementärer Ressourcen. Damit ist
die strategische Allianz sowohl von jeglichen operativen Kooperationen, als
auch von eindeutig hierarchischen Unternehmensverbindungen (Akquisitionen mit
Mehrheitsbeteiligung oder Beherrschungsvertrag und Fusionen) abgegrenzt.
Während in einigen älteren Publikationen der Begriff strategische Allianz noch
für strategische Kooperationen mit bestimmten Merkmalen (in der Regel für
Vertragskooperationen) reserviert wurde, wird Allianz heute üblicherweise als
Sammelbegriff für jede Art der verbindlichen strategischen Kooperationen
zwischen Unternehmen, aber auch Non-Profit-Organisationen (z.B.
Forschungseinrichtungen) verwendet.
Abgeleitet von dem dargestellten Begriffsverständnis können
folgende Merkmale als konstituierend
für Allianzen angesehen werden (Lewis, Jordan
1990; Bronder,
Christof/Pritzl, Rudolf 1992; Sydow, Jörg
1992):
-
einseitig aufkündbar (reversibel)
-
eher heterarchisches Verhältnis zwischen den Partnern
(keine eindeutige Über- bzw. Unterordnung)
-
auf den Aufbau und/oder die Erhaltung von
Erfolgspotenzialen und damit auf eine Stärkung der Wettbewerbsposition
gerichtet
-
Beibehaltung der rechtlichen Selbstständigkeit der
beteiligten Unternehmen bzw. Organisationen
-
Verlust der wirtschaftlichen Selbstständigkeit im
Allianzbereich und damit ein bewusster, freiwilliger Autonomieverzicht (aber
Bewahrung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit außerhalb des
Kooperationsfeldes)
-
zeitliche Begrenzung möglich, aber nicht zwingend
-
Verfolgung kompatibler, aber nicht notwendigerweise
identischer Ziele.
Strategische Allianzen stellen also eine Teilmenge von
Kooperationen dar, die sich durch den expliziten Strategiebezug, ein Mindestmaß
an Verbindlichkeit und die klare Ausrichtung der Partnerschaft auf die Erschließung
von Synergien durch die Poolung von Ressourcen, die wechselseitige
Spezialisierung oder den Informations- und Ressourcenaustausch auszeichnen.
Obwohl strategische Allianzen eine Teilmenge von
Kooperationen darstellen, darf nicht übersehen werden, dass es zwischen
Allianzpartnern nicht nur kooperatives Verhalten, sondern auch kompetitives
Verhalten geben kann. Empirische Studien belegen, dass eine immer größere Zahl
von Allianzen zwischen direkten Wettbewerbern eingegangen werden (Harbison,
John/Pekar, Peter 1998). Das Ausmaß an konkurrierendem bzw.
kooperativem Verhalten zwischen Partnern beeinflusst jedoch wesentlich die
Stabilität und Dauer von Allianzen (Gomes-Casseres,
Benjamin 1996; Park, Seung
Ho/Russo, Michael 1996).
3. Formen von strategischen Allianzen
Eine wesentliche Stärke von strategischen Allianzen besteht darin,
dass sie vielgestaltig sind und daher vielfältig eingesetzt werden können. Eine
Klassifizierung von Allianzen und
damit ein erster Überblick über ihre unterschiedlichen Ausgestaltungsformen ist
nach unterschiedlichen Kriterien möglich:
a) Klassifizierung nach der Richtung der
verknüpften Aktivitäten bzw. Ressourcen
Horizontale Allianzen werden von Unternehmen gebildet, die in
derselben Branche auf gleicher Wertschöpfungsstufe tätig sind (z.B. Lufthansa
und SAS im Passagierflugverkehr). Vertikale Allianzen bedeuten die
Zusammenarbeit von Unternehmen auf vor- bzw. nachgelagerter Wertschöpfungsstufe
– Kunden-/Lieferantenallianzen (z.B. der Automobilzulieferer Magna und
DaimlerChrysler in der Automobilproduktion). Laterale Allianzen werden von
Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen eingegangen, um dadurch in neue
Geschäfte zu diversifizieren (z.B. die Zusammenarbeit zwischen einem Verlag und
einem Telekomunternehmen, um gemeinsam in das Internetgeschäft einzusteigen).
Horizontale und vertikale Allianzen dominieren die
Kooperationsstatistiken eindeutig. Laterale Allianzen sind aufgrund häufig
fehlender Synergien eher selten.
b) Klassifizierung nach dem(n) betroffenen
betrieblichen Funktionsbereich(en)
Es existieren sowohl Allianzen, die auf einen Funktionsbereich beschränkt bleiben, wie z.B.
Beschaffungskooperationen oder F&E-Kooperationen als auch Allianzen, die mehrere Funktionsbereiche umfassen.
Beispielsweise haben Siemens und Bosch ihre gesamten Aktivitäten auf dem Gebiet
Haushaltsgeräte in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht, das alle
diesbezüglichen Funktionen von der F&E bis zur Vermarktung und der
Administration durchführt. Empirische Befunde zeigen, dass die Mehrzahl der
Allianzen mehrere betriebliche Funktionen umfasst (Hoffmann,
Werner/Scherr, Maximilian 1999). Von den auf eine betriebliche
Funktion fokussierten Allianzen haben die Vertriebs- und Produktionsallianzen
die größte praktische Bedeutung, in Technologieunternehmen kommen darüber
hinaus auch reine F&E-Allianzen häufig vor.
c) Klassifizierung nach der Bindungsintensität
und der Institutionalisierungsform
Die Bindungsintensität
einer Allianz hängt v.a. davon ab, ob eine eigene Kooperationseinheit
geschaffen wird und ob es zu einer kapitalmäßigen Verflechtung der Partner
kommt. Abbildung 1 zeigt, wie sich die einzelnen Formen von strategischen
Allianzen hinsichtlich ihrer Bindungsintensität unterscheiden.
Abb. 1: Formen von strategischen Allianzen in Abhängigkeit
ihrer Bindungsintensität
Die drei in der Praxis häufigsten Institutionalisierungstypen
sind die Vertragskooperation, das Joint Venture (Gemeinschaftsunternehmen) und
die einseitige Minderheitsbeteiligung. Diese drei Typen decken gut 90% aller in
der Realität vorkommenden Allianzen ab (Gulati,
Ranjay/Singh, Harbir 1998; Hoffmann,
Werner/Scherr, Maximilian 1999).
II. Ziele und Kontext
1. Einflussfaktoren auf die Bildung
strategischer Allianzen
Theoretische Einsichten und empirische Befunde verdeutlichen,
dass Unternehmen dann Allianzen eingehen, wenn
-
eine große Diskrepanz zwischen der aktuellen
Ressourcenausstattung und den künftigen Anforderungen des Umfeldes
(Wettbewerbs) besteht,
-
das Ressourcendefizit mit begrenztem Mitteleinsatz und
Risiko rasch beseitigt werden soll und
-
dem internen Ressourcenaufbau hohe Zeit- und
Kostenbarrieren entgegenstehen.
Hohe Umfeldunsicherheit
und der daraus resultierende Flexibilitätsbedarf
bei der Entwicklung der Ressourcenbasis des Unternehmens begünstigen also den
Einsatz von strategischen Allianzen. Die intensiven Allianzaktivitäten von
Biotechnologie- und IT-Unternehmen illustrieren diesen Zusammenhang.
In stabilen Umfeldern stellen Allianzen jedoch häufig nur die
zweitbeste Lösung dar und die Unternehmen bevorzugen Akquisitionen und Fusionen
zur Erschließung von Synergien zwischen Unternehmen (Hoffmann,
Werner/Schaper-Rinkel, Wulf 2001). Wenn aber Akquisitionen und
Fusionen hohe Barrieren entgegenstehen, werden auch Allianzen zur
Stabilisierung des Umfeldes und damit zur Absicherung der Wettbewerbsposition
eingesetzt.
Die zentrale Funktion von strategischen Allianzen liegt also
im Meistern von hoher strategischer Unsicherheit durch die flexible
Verbreiterung und Vertiefung der Ressourcenausstattung des Unternehmens. Im
Sinne des Ressourcenbasierten Ansatzes begründet die daraus resultierende
überlegene Ressourcenausstattung des Unternehmens nachhaltige
Wettbewerbsvorteile und ermöglicht dadurch die Erzielung einer
überdurchschnittlichen Rentabilität. Das Allianzportfolio des Unternehmens kann
daher selbst eine wichtige strategische Ressource des fokalen Unternehmens
darstellen (Hoffmann,
Werner 2002).
Empirische Befunde bestätigen, dass Unternehmen aus
High-Tech-Branchen (Harbison,
John/Pekar, Peter 1998) sowie aus Branchen, die einem hohen
Restrukturierungsdruck ausgesetzt sind (Hammes,
Wolfgang 1994), eine besonders hohe Kooperationsneigung
aufweisen.
Neben dem strategischen Ressourcenbedarf des Unternehmens
werden die Allianzaktivitäten auch durch die vorhandenen bzw. verfügbaren Beziehungen bestimmt (Eisenhardt,
Kathleen/Schoonhoven, Claudia Bird 1996). Zahlreiche
empirische Studien belegen, dass Unternehmen bevorzugt mit jenen Partnern neue
Allianzen eingehen, mit denen sie bereits seit längerer Zeit erfolgreich
kooperieren. Diese Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung von Vertrauen
zwischen den Allianzpartnern für den Kooperationserfolg (Gulati,
Ranjay 1995).
2. Ziele von strategischen Allianzen
Strategische Allianzen stellen Instrumente des Strategischen Managements dar, mit deren Hilfe die
Unternehmensentwicklung im Sinne der angestrebten strategischen Ziele gestaltet
werden kann. Der grundsätzliche Vorteil von strategischen Allianzen besteht
darin, die Effizienz- w>und Flexibilitätsvorteile des Marktes mit der
Stabilität und lernfördernden Atmosphäre der internen Organisation von
wirtschaftlichen Aktivitäten zu kombinieren. Durch die Verknüpfung der
Ressourcen und Aktivitäten mehrerer Unternehmen können Volumen-, Transfer- und Zeitvorteile erschlossen werden.
Im Einzelnen können Unternehmen mit Allianzen folgende Ziele
verfolgen:
-
Zeitvorteile,
z.B. Beschleunigung von F&E-Projekten durch Zusammenlegen der Kompetenzen
und Kapazitäten mehrerer Unternehmen (z.B. gemeinsame Chipentwicklung durch
IBM, Siemens und Toshiba) oder Beschleunigung der Globalisierung durch
regionale Partner (z.B. Expansion der Telekomunternehmen).
-
Wissenszugang,
insb. Zugriff auf bzw. Aneignung von Produkt- und Prozesstechnologien (z.B.
Zugriff auf das Turbinen Know-how von Pratt & Whitney durch Siemens).
-
Marktzugang,
d.h. Zugang zu neuen Vertriebskanälen oder Absatzregionen durch
Vermarktungspartner (z.B. Pharmaunternehmen, die für ihre Produkte durch Co-Marketing
zusätzliche Vertriebsschienen eröffnen).
-
Kosten
senken/Marktmacht erhöhen, bspw. durch Poolung von Einkaufsmacht in
Beschaffungskooperationen oder von Produktionskapazitäten zur Erzielung von
Skaleneffekten in Form von Produktions-Joint-Ventures.
-
Risiko
vermindern, durch Aufteilung des Investitionsrisikos auf mehrere Partner
(z.B. die gemeinsame Entwicklung des Advanced Photo Systems durch Kodak, Fuji
und Polaroid); eine weitere Möglichkeit zur Risikoreduktion besteht darin,
durch mehrere parallele Allianzen gleichzeitig unterschiedliche
Entwicklungsoptionen zu verfolgen, um nicht „ Alles auf eine Karte setzen “ zu
müssen.
-
Akzeptanz
sichern, bspw. durch lokale Partner in Schwellenländern (z.B.
China-Joint-Venture) oder strategische Partnerschaften von
erwerbswirtschaftlichen Unternehmen mit Non-Profit-Organisationen (z.B. die
strategische Allianz von Federal Express mit dem Roten Kreuz in den USA).
Die an einer Allianz beteiligten Unternehmen können durchaus
unterschiedliche (aber kompatible) Ziele verfolgen. So kann bspw. für einen
Partner das Ziel der Allianz darin bestehen, für seine Produkte einen neuen
Markt zu erschließen (Marktzugang), während der andere Partner durch die
Sortimentserweiterung eine bessere Auslastung seines Vertriebs anstrebt (Kosten
senken und Marktmacht erhöhen).
Die vorliegenden empirischen Untersuchungen weisen recht
unterschiedliche und im Zeitverlauf schwankende relative Bedeutungen der
einzelnen Ziele bzw. Zielkombinationen von Allianzen aus. Allerdings belegen
empirische Befunde die signifikante Abhängigkeit der Allianzziele von der
Stellung des zugrunde liegenden Geschäfts im Marktlebenszyklus (Hoffmann,
Werner/Scherr, Maximilian 1999): Während in der Einführungs-
und Wachstumsphase die Ziele Wissenszugang, Marktzugang und Risikoreduktion
hohe Bedeutung haben, dominiert in der Reife- und Rückgangsphase das Ziel
Kostenreduktion und Marktmacht erhöhen.
III. Erfolg und
Erfolgsfaktoren
Die vorliegenden Befunde über Erfolg bzw. Misserfolg von
Allianzen weisen Erfolgsraten aus, die von unter 50% bis über 75% reichen.
Diese divergierenden Ergebnisse sind nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass
der Erfolg von Allianzen nicht so einfach festzustellen ist: Erfolg aus Sicht
eines oder mehrerer Partner? Dauer oder Zielerreichung als Erfolgsmaßstab?
Beurteilung nach dem Beitrag zur finanziellen Performance des Unternehmens oder
zum Potenzialaufbau? Betrachtet man strategische Allianzen als Instrumente, die
Unternehmen zur Verwirklichung ihrer strategischen Ziele einsetzen, ist der
Allianzerfolg in erster Linie nach dem Zielerreichungsgrad aus Sicht jedes der
Partnerunternehmen zu beurteilen. Ungeachtet der Schwierigkeiten, den Erfolg
von Allianzen zu operationalisieren und zu messen, zeigen doch alle empirischen
Studien, dass relativ viele strategische Allianzen scheitern (Bleeke,
Joel/Ernst, David 1995) und die Instabilität von
Allianzbeziehungen relativ hoch ist (Kogut, Bruce
1988; Park, Seung
Ho/Russo, Michael 1996).
Mehrere Studien haben daher versucht, die Erfolgsfaktoren von
strategischen Allianzen herauszuarbeiten (Fontanari,
Martin 1995; Park, Seung
Ho/Ungson, Gerardo 1997; Hoffmann,
Werner/Schlosser, Roman 2001). Als wesentliche Voraussetzungen
für die erfolgreiche Anbahnung von
strategischen Allianzen wurden identifiziert: (1) übereinstimmende (kompatible)
strategische Interessen ( „ strategischer Fit “ ), (2) komplementäre oder
gleichartige Ressourcen, (3) etwa gleichwertige Leistungsbeiträge
(Anreiz-Beitrags-Gleichgewicht) und (4) Übereinstimmung grundlegender
Werthaltungen und Weltsichten (übereinstimmendes Geschäftsverständnis). Eine
etablierte Vertrauensbeziehung zwischen den handelnden Personen, die aus
früherer Zusammenarbeit gewachsen ist, fördert die Anbahnung neuer
strategischer Partnerschaften.
Das erfolgreiche
laufende Management von strategischen Allianzen wird begünstigt durch (1)
die sichtbar gelebte Unterstützung der Partnerschaft durch das Top-Management
aller Partner, (2) den intensiven und offenen Informationsaustausch zwischen
den Partnern, (3) die Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen (quantitativ
und qualitativ), (4) Institutionen und Routinen für den laufenden
Informationsaustausch und die Koordination zwischen den Partnern sowie für die
Überwachung der Allianzentwicklung, (5) ausreichende Autonomie und klare
Kompetenzen für die operativen Allianzmanager und (6) die Aufrechterhaltung des
Anreiz-Beitrags-Gleichgewichts.
In allen Entwicklungsphasen ist zu beachten, dass Allianzen
durch einen Partner nur beschränkt gestaltbar sind. Allianzen verfügen per
definitionem über mehrere Zentren der Willensbildung und -durchsetzung. Mit
steigender Zahl der Partner sinkt dadurch die Möglichkeit eines einzelnen
Unternehmens, seine Interessen zur Gänze durchzusetzen. Daraus resultieren
spezifische Anforderungen an das Management und die Aufsicht von Allianzen, die
u.a. bei der Besetzung von Führungspositionen zu beachten sind.
Nachhaltiger Allianzerfolg kommt also nicht von selbst,
sondern verlangt nach professionellem Allianzmanagement. Unternehmen, die zur
Umsetzung ihrer Strategien Allianzen einsetzen, müssen daher systematisch Allianzmanagementkompetenz aufbauen (Hoffmann,
Werner 2002). Dazu ist in großen Unternehmen die Bildung eines
Kompetenzzentrums für Allianzmanagement förderlich, das die kritische Reflexion
der Allianzmanagementerfahrungen und die Kodifizierung von
Allianzmanagementwissen unterstützt sowie wichtige Prozesse des Allianzmanagements
formalisiert.
Der direkte Einfluss von strategischen Allianzen auf den Unternehmenserfolg ist nur schwer zu
isolieren. Allerdings liegen empirische Befunde vor, die belegen, dass
Unternehmen, die sich durch eine hohe Kooperationsneigung auszeichnen, eine
überdurchschnittliche Eigenkapitalrentabilität erzielen (Harbison,
John/Pekar, Peter 1998), und dass marktführende Unternehmen im
Durchschnitt mehr Allianzen einsetzen als ihre nachrangigen Wettbewerber (Hoffmann,
Werner/Scherr, Maximilian 1999).
Literatur:
Bleeke, Joel/Ernst, David : Is your
strategic alliance really a sale?, in: HBR, Jg. 73, H. 1/1995, S. 97 – 105
Bronder, Christof/Pritzl, Rudolf :
Wegweiser für strategische Allianzen – Meilen- und Stolpersteine bei
Kooperationen, Frankfurt am Main et al. 1992
Eisenhardt, Kathleen/Schoonhoven,
Claudia Bird : Resource-based view of strategic alliance formation – Strategic
and social effects in entrepreneurial firms, in: OS, Jg. 7, 1996, S. 136 – 150
Fontanari, Martin :
Kooperationsgestaltungsprozesse in Theorie und Praxis, Berlin 1995
Gomes-Casseres, Benjamin : The
alliance revolution – The new shape of business rivalry, Cambridge 1996
Gulati, Ranjay : Does familiarity
breed trust? – The implications of repeated ties for contractual choice in
alliances, in: AMJ, Jg. 38, 1995, S. 85 – 112
Gulati, Ranjay/Singh, Harbir : The
architecture of cooperation – Managing coordination costs and appropriation
concerns in strategic alliances, in: ASQ, Jg. 43, 1998, S. 781 – 814
Hagedoorn, John/Osborn, Richard : The
institutionalization and evolutionary dynamics of interorganizational alliances
and networks, in: AMJ, Jg. 40, 1997, S. 261 – 278
Hammes, Wolfgang : Strategische
Allianzen als Instrument der strategischen Unternehmensführung, Wiesbaden 1994
Harbison, John/Pekar, Peter : Smart
alliances – A practical guide to repeatable success, San Francisco 1998
Hoffmann, Werner : Management von
Allianzportfolios – Strategien für ein erfolgreiches Unternehmensnetzwerk,
Stuttgart 2002
Hoffmann, Werner/Schaper-Rinkel, Wulf
: Acquire or ally? – A strategy framework for deciding between acquisition and
cooperation, in: MIR, Jg. 41, 2001, S. 131 – 159
Hoffmann, Werner/Scherr, Maximilian :
Strategische Allianzen österreichischer Unternehmen – Ergebnisse einer
empirischen Untersuchung, in: Journal für Betriebswirtschaft, Jg. 49,
H. 3/1999, S. 84 – 107
Hoffmann, Werner/Schlosser, Roman :
Success factors of strategic alliances in small and medium-sized enterprises –
An empirical survey, in: LRP, Jg. 34, 2001, S. 357 – 381
Kogut, Bruce : Joint ventures –
Theoretical and empirical perspectives, in: SMJ, Jg. 9, 1988, S. 319 – 332
Lewis, Jordan : Partnerships for
profits – Structuring and managing strategic alliances, New York 1990
Park, Seung Ho/Russo, Michael : When
competition eclipses cooperation – An event history analysis of joint venture
failure, in: Man.Sc., Jg. 42, 1996, S. 875 – 890
Park, Seung Ho/Ungson, Gerardo : The
effect of national culture, organizational complementarity, and economic motivation
on Joint Venture dissolution, in: AMJ, Jg. 40, 1997, S. 279 – 307
Sydow, Jörg : Strategische Netzwerke
– Evolution und Organisation, Wiesbaden 1992
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