Inhaltsübersicht
I. Grundbegriffe
und Gegenstand
II. Vorkommen
und Entwicklungstendenzen
III. Erscheinungsformen
IV. Kosten-
und Erfolgsrechnung
V. Produktionsplanung
VI. Absatzprobleme
I. Grundbegriffe und
Gegenstand
Produktionsprozesse, bei denen naturgesetzlich oder
technologisch bedingt zwangsläufig zwei oder mehr Produktarten hervorgehen,
werden gewöhnlich als Kuppel- oder Koppelproduktion, daneben auch als
primär verbundene Produktion bezeichnet. Die bei strenger Betrachtung gegebene
Gleichzeitigkeit des Anfalls kann nach außen als ein zeitliches Nacheinander
erscheinen, so der Abraum beim Tagebergbau vor den zu gewinnenden Mineralien,
die Eierproduktion vor dem Anfall einer Schlachthenne.
Die Gesamtheit der zwangsläufig entstehenden Produkte bildet
das (Kuppel-)Produktbündel oder Produktkombinat, die einzelnen Produkte werden
(Teil-)Kuppelprodukte, Spaltprodukte, Zwangsanfallprodukte oder primär
verbundene Produkte genannt. Teils im gleichen Sinne, teils umfassender
(und dann die sekundär verbundene Produktion einschließend) werden die
Ausdrücke Verbundprodukte, verbundene
Produkte, joint products gebraucht. Oft beschränkt man sich darauf, von »Nebenprodukten« (by-products,
sous-produits) und »Abfällen«
(wastes, déchets) zu sprechen, die – neben dem oft nicht besonders benannten »Hauptprodukt« als eigentlichem Ziel der
Produktion – in Kauf genommen werden müssen.
In Praxis und Theorie (z.B. Dyckhoff, H.
1992) wird Kuppelproduktion oft im engsten Sinne aufgefasst, wobei Abfälle,
Abenergien, Fehlfabrikate usw. ausgeklammert werden. Das führt zwar zu einer
Vereinfachung, doch entgehen dabei wesentliche Ansatzpunkte für eine
Ökonomisierung und Ökologisierung.
Aus der Diskrepanz, dass die Zusammensetzung der
Kuppelproduktbündel grundsätzlich nicht den Nachfrageverhältnissen entspricht,
leiten sich die ökonomischen Kernprobleme der Kuppelproduktion ab. Da die
einzelnen Teilprodukte eines Bündels i.d.R. nicht auf den gleichen Märkten
angeboten werden, sollte man nicht mit Marshall
(Marshall, A.
1905) davon sprechen, dass sie ein verbundenes
Angebot (joint supply) auslösen, zumal bei gekoppelten Angeboten häufig
Güter zusammengefasst werden, die unabhängig voneinander entstehen (Riebel, P.
1972).
Von der Kuppelproduktion streng zu trennen ist die freiwillig
oder sekundär verbundene Produktion, bei der gleichzeitig nebeneinander oder
sukzessive wechselnd unterschiedliche Leistungsarten hervorgebracht werden, um
vorhandene Kapazitäten und sonstige Potenziale ergiebiger zu nutzen. Zwar kann
man auch auf die wirtschaftliche Nutzung eines Teils der Kuppelprodukte
verzichten, doch muss der unerwünschte Anfall beseitigt werden, was
grundsätzlich mit Umweltbelastungen und zusätzlichen internen oder externen
Kosten verbunden ist.
Mehr oder weniger eng mit der Kuppelproduktion verwandt, ihr
im strengen Sinne aber nicht zugehörig, sind (Riebel, P.
1955; Riebel, P.
1979; Riebel, P.
1993): (1) die gekoppelte Entstehung unterschiedlicher Nutzungsmöglichkeiten (Potenzialkopplung) und (2) die Kopplung
heterogener (Teil-)Kapazitäten (Kapazitätskopplung).
II. Vorkommen und
Entwicklungstendenzen
Die Kuppelproduktion ist kein kurioser Sonderfall, sondern
kommt in allen Wirtschaftszweigen und Konsumbereichen vor. Wie schon Jevons (Jevons, W. S. 1881; Jevons, W. S.
1924) erkannt hat, dürfte es nur mit großer Mühe gelingen, Ausnahmen zu finden
(s.a. Riebel, P.
1955 und Riebel, P.
1993, Dyckhoff, H.
1992).
Wenig beachtet sind der Zwangsanfall vorübergehend
eingesetzter Hilfsstoffe, lange Zeit auch von Packmitteln beim Auspacken sowie
die Kuppelproduktion beim Aussortieren heterogener Qualitäten in Handel und
Industrie, das Vorkommen im Erd- und Tiefbau (Riebel, P.
1979). Besonders wichtig sind die Kopplung von Anlagennutzung bzw. -vorhaltung
mit dem Zwangsanfall reduzierter Restkapazitäten und schließlich ausgemusterter
Anlagen, die – soweit sich keine Sekundärverwendungen finden lassen – beseitigt
werden müssen (Riebel, P.
1955). Kaum untersucht sind kuppelproduktionsartige Phänomene in Banken und
Versicherungen (Jacob, A.-F.
1977, Albrecht, P.
1987) sowie anderen Dienstleistungsbereichen.
III. Erscheinungsformen
1. Zweck- und stoffverwertungsorientierte
Kuppelproduktion
Historisch gesehen ist oft nur eines der Spaltprodukte produktionswirtschaftliches Ziel. Neben
diesem Zweckprodukt gibt es nur unerwünschte Abfälle oder »Missgüter« (Lehmann, M.
R. 1956), die – soweit sie nicht von selbst entweichen – weggeworfen
oder auf billigste Art und Weise vernichtet werden. Die Produktkopplung ist
ökonomisch noch kaum wirksam. Das Bemühen, die Abfallquote möglichst klein zu
halten, braucht jedoch nicht zur wirtschaftlich optimalen Ausbeute zu führen (Riebel, P.
1957). Das Gewinnstreben, der Wettbewerb mit moderneren Verfahren oder die
Gesetzgebung lösen früher oder später Bemühungen aus, die Abfälle nicht nur
gelegentlich, sondern planmäßig zu verwerten. Nach der wirtschaftlichen
Bedeutung unterscheidet man dann oft zwischen dem Hauptprodukt als dem
ursprünglichen Ziel der Produktion und Nebenprodukten, die einen zunehmenden
Einfluss auf die Produktions- und Absatzpolitik erlangen können, regelmäßig und
gelegentlich verwertbaren Abfällen, sich selbst beseitigenden und schließlich
zu vernichtenden Abfällen.
Schließlich ist das Produktionsziel darauf ausgerichtet, den
eingesetzten Rohstoff so günstig wie möglich zu verwerten, wobei es letztlich
gleichgültig ist, welche Produkte entstehen und für welche Zwecke sie verwendet
werden. Oft gibt es dann mehr oder weniger gleichrangige Koprodukte, von denen
– mit der Marktlage wechselnd – eines die Rolle eines Leitprodukts übernehmen kann, wenngleich bei allen
Wirtschaftlichkeitsüberlegungen stets auf die Gesamtheit der Kuppelprodukte
abzustellen ist. Das Streben nach optimaler Stoffverwertung
führt häufig zur Angliederung von Weiterverarbeitungsbetrieben; es setzt eine
intensive Verwendungsforschung, die
Erschließung heterogener Absatzmärkte sowie eine vielgestaltige
Absatzorganisation voraus.
2. Ein- und mehrstufige Kuppelproduktion
Die einstufige oder einfache
Kuppelproduktion ist relativ selten. Häufig folgen mehrere
Kuppelproduktionen aufeinander (Abb. 1,
Typen D und H), insbes. zur Trennung von Vielstoffgemischen sowie bei der
Weiterverarbeitung einzelner Kuppelprodukte mithilfe analytischer oder austauschender
Stoffverwertung (Riebel, P.
1963; Schäfer, E.
1978). Die aufeinander folgenden Stufen können verfahrensmäßig und räumlich oft
so eng verknüpft sein, dass sie als ein einheitlicher Prozess erscheinen, wie
die Destillation von Erdöl. Bei mehrstufiger Kuppelproduktion ist weiter zu
unterscheiden, ob zur Gewinnung eines bestimmten Kuppelprodukts eine ganz
bestimmte Reihenfolge von Aufspaltungsprozessen durchlaufen werden muss oder ob
das gewünschte Produkt – ohne eine solche Bindung – selektiv gewonnen werden
kann, wie bei selektiver Extraktion (Riebel, P.
1955).
Abb. 1: Grundtypen der Weiterverarbeitung von Kuppelprodukten
Wird eines der Kuppelprodukte in denselben Prozess oder eine
vorgelagerte Stufe zurückgeführt (Abb. 1,
Typ H), spricht man von Kreislaufprozessen oder Stoffkreisläufen. In diesem Sinne unterscheidet Kilger (Kilger, W.
1973) zyklische Kuppelproduktionen von linearen ohne Stoffkreislauf. Um die
mengenmäßigen Beziehungen zwischen Stoffeinsatz und Ausbringung bei
mehrstufiger Kuppelproduktion überschaubar zu machen, hat Pichler (Pichler, O.
1953) die Matrizenrechnung eingeführt.
3. Unmittelbare und mittelbare Produktkopplung
Die Zwangsverhältnisse der Kuppelproduktion wirken sich nicht
nur auf die aus dem Aufspaltungsprozess hervorgehenden »unmittelbaren«
Kuppelprodukte aus, sondern auch auf deren »Abkömmlinge« oder
Weiterverarbeitungsprodukte (mittelbare Kuppelprodukte). Daher müssen diese in
Wirtschaftlichkeitsüberlegungen grundsätzlich einbezogen werden. Beschaffungs-
und absatzwirtschaftlich kann die mittelbare Produktkopplung sogar über das
einzelne Unternehmen hinaus wirksam werden. Z.B. sind die verfügbaren
Rindledermengen mittelbar an die Rindfleisch- und Milchproduktion gekoppelt. Je
nach Art der Weiterverwertung können die mittelbaren Kuppelprodukte noch
untereinander unterschiedlich verbunden sein: Bei synthetischer Stoffverwertung (Abb.
1, Typen E, F, G) – vor allem von Kuppelprodukten aus unterschiedlichen
Aufspaltungsprozessen (verflochtene
Kuppelproduktion, Abb. 1, Typ G)
– wird mit zunehmender Zahl von Kombinationsmöglichkeiten die Bildung von
Produktpäckchen oder -bündeln komplizierter, weil auch noch der Verwendungsverbund berücksichtigt werden
muss und die verschiedenen Verwertungsmöglichkeiten der Spaltprodukte gleichzeitig in einem konkurrierenden und
komplementären Verhältnis stehen können – ebenso wie im Falle einer verbundenen
Nachfrage (Riebel, P.
1955; Sundhoff, E.
1968).
4. Die Lenkbarkeit von Produktkopplung
Die Zwangsverhältnisse der Produktkopplung und ihre
ökonomischen Auswirkungen sind besonders gravierend, wenn die Zusammensetzung
des Kuppelproduktbündels unbeeinflussbar hingenommen werden muss. Der
Extremfall: Ein absolut starres, auch langfristig unveränderliches
Mengenverhältnis ist wohl nur beim Zerlegen einfacher chemischer Verbindungen
anzutreffen. Auf einer anderen Ebene liegt das bewusste Konstanthalten an sich
flexibler Mengenverhältnisse. Hinzuzunehmen sind auch stochastische Änderungen
der Bündelstruktur infolge unkontrollierbarer Schwankungen der
Rohstoffzusammensetzung oder mangelhafter Beherrschung der Produktionsbedingungen.
Langfristig kann die Zusammensetzung des Produktbündels durch
Übergang auf andere Verfahren und Produktionsapparaturen verändert werden, in
der biologischen Produktion auch durch Züchtung und Genmanipulation.
Kurzfristige Änderungen der Mengenverhältnisse, die auch mit einer Änderung der
Güte oder Art aller oder eines Teils der gekoppelten Produkte verbunden sein
können, sind durch mannigfaltige, prozessspezifische Maßnahmen möglich.
So sind chemische, physikalische und biologische Prozesse nur
im Rahmen bestimmter, naturgesetzlich vorgegebener Bahnen lenkbar, z.B. durch
Rohstoffauswahl und die Variation der Verfahrensparameter (Riebel, P.
1955; Riebel, P.
1963; Riebel, P.
1979). Bei mechanischen Formgebungs- und Zerlegungsverfahren (z.B. Sägewerk,
Schlachthaus) ist der Anpassungsspielraum relativ groß, doch liegt auch hier
nur eine »begrenzt willkürlich lenkbare Produktkopplung« vor.
Oft lässt auch der Markt eine begrenzte Anpassung der
Mengenverhältnisse durch Verschiebung von
Qualitätsgrenzen zwischen Stoffgemischen (z.B. den Erdölfraktionen) oder
bei der Sortenauslese zu.
Bei elastischer Kopplung sind die benötigten Kapazitäten der
Produktionsmittel und ihre Ausnutzungsmöglichkeiten von den jeweils gewählten
Rohstoffen und Verfahrensbedingungen und damit von der Zusammensetzung des
Kuppelproduktbündels abhängig (Riebel, P.
1955; Riebel, P.
1957). Das erschwert die Abstimmung der Teilkapazitäten und führt oft zu einer
Einschränkung der an sich möglichen Anpassungsspielräume, wenn man in der Weiterverarbeitung
keine Kapazitätsreserven hält. Um die Flexibilität (Elastizität und
Reagibilität) zu erhöhen, werden oft mehrere Produktionsverfahren nebeneinander
angewandt, in denen die vorzugsweise gewollten Produkte an unterschiedliche
Nebenprodukte und Abfälle gekoppelt entstehen oder indem man Prozesse mit
gekoppelten und (angenähert) isoliertem Produktanfall nebeneinander betreibt.
5. Speicherbarkeit und Transportierbarkeit
Unterscheiden sich die gekoppelten Produkte erheblich in
ihrer Speicherbarkeit und Transportierbarkeit,
werden die Spannungen zwischen Produktions- und Nachfrageverhältnissen
erheblich verschärft. Das am wenigsten speicherbare Kuppelprodukt hat oft einen
stärkeren Einfluss auf die Programmplanung, als es seiner wirtschaftlichen Bedeutung
entspricht. Schlechte Speicher- und Transportierbarkeit sind oft der Grund für
eine Standortwahl am Ort der Verwendung dieser Produkte oder für die
Angliederung von Betrieben zur Weiterverarbeitung in speicher- und
transportierbare Produkte.
IV. Kosten- und
Erfolgsrechnung
Sämtliche Kosten bis zum Spaltpunkt – und zwar auch die
leistungsabhängigen – entstehen für alle Kuppelprodukte gemeinsam und sind als echte Gemeinkosten oder Verbundkosten für die einzelnen
Produktarten weder getrennt erfassbar noch ihnen ohne Willkür zurechenbar.
Die nach dem Spaltpunkt anfallenden Kosten sind zwar
spezifisch für die Verwertungsweise, aber den einzelnen Kuppelprodukten nur
bedingt zurechenbar (Riebel, P.
1970; Riebel, P.
1983). Soweit nämlich diese Kosten durch die Erlöse nicht gedeckt werden,
müssen sie wie Vernichtungskosten mit den Kosten bis zum Spaltpunkt
zusammengefasst von den übrigen Kuppelprodukten gemeinsam getragen werden.
Zudem kann jede Veränderung der Zusammensetzung des unmittelbaren
Kuppelproduktbündels die Anpassungsmöglichkeiten in den einzelnen
Weiterverarbeitungs-»zweigen« unterschiedlich beeinflussen, sodass auch Höhe
und Verlauf der leistungsabhängigen Verwertungskosten mittelbar verbunden sein
können.
Obgleich die Verrechnung der Verbundkosten auf die einzelnen
Kuppelprodukte willkürlich und für Planungs-
sowie Kontrollzwecke überflüssig ist,
ja schädlich sein kann, verzichtet die Praxis nur selten darauf. Auch in der
Theorie wird versucht, unter Missachtung der sachlogischen Gegebenheiten
mithilfe mathematischer Ansätze das Verbundenheitsproblem zu überlisten (Moriarity, S.
1981).
Bei der Restwertrechnung gilt das Haupt-(Leit-)produkt als
eigentlicher Träger der Gesamtkosten, die einerseits um die Erlöse bzw. die
Überschüsse der Nebenprodukt- und Abfallverwertung zu vermindern und andererseits
um etwa auftretende Unterdeckungen oder Beseitigungskosten zu erhöhen sind.
Demgemäß wird von Subtraktions- bzw. Additionsmethode gesprochen.
Richtig interpretiert gibt die Restwertrechnung lediglich an,
welche der angesetzten Gesamtkosten – bei gegebener Nebenproduktsituation –
durch das Hauptprodukt hereingeholt werden müssten. Auf die zusätzlichen Kosten
begrenzt ist sie geeignet, die Preisuntergrenze
des Haupt- oder Leitprodukts zu ermitteln.
Die Verteilungsverfahren belasten dagegen alle Kuppelprodukte
gemäß den jeweiligen Schlüsseln oder Äquivalenzziffern. Beruhen diese auf
technischen Merkmalen (z.B. Heizwert, Molekulargewicht), sind die anteiligen
Kosten ohne Aussagewert, weil sie weder der Kostenentstehung noch der
Verwertbarkeit der Kuppelprodukte entsprechen (Riebel, P.
1970; Riebel, P.
1983). Für die Programmplanung und die Betriebslenkung sind die
Verteilungsverfahren auch dann ungeeignet, wenn sie auf ökonomischen Größen
beruhen (z.B. Marktpreisen, Verwertungsüberschüssen, Opportunitätskosten,
Alternativkosten bei isolierter Herstellung mittels anderer Verfahren,
Marktpreisen von Substitutionsgütern unter Berücksichtigung von Ersparnissen
oder Zusatzkosten) und wenn auf die Schlüsselung fixer Kosten verzichtet wird (Riebel,
P./Paudtke, H./Zscherlich, W. 1973). Auch die Schlüsselung nach
partiellen Grenzkosten (und deren Ermittlung) bei variabler Kopplung (Tillmann,
K.-H. 1954) sowie nach Dualwerten linearer Programme (Wenke, K.
1961) sind fragwürdig (Brink, H.-J.
1967).
Unter bestimmten Voraussetzungen eignen sich die Gewinn- und Programmplanung sowie die Betriebslenkung,
die Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung und die Rest-Proportionalkostenrechnung, die
sich als verkürzte Totalrechnung erweisen, sowie der Ansatz von berichtigten
Marktpreisen für Zwischenprodukte (Riebel,
P./Paudtke, H./Zscherlich, W. 1973). Für die Erfolgsquellenanalyse –
auch bei mehrstufiger Kopplung und alternativen Verwertungsmöglichkeiten – sind
die Einzelkosten- und
Deckungsbeitragsrechnung in Verbindung mit der Päckchenrechnung sowie die Rest-Proportionalkostenrechnung
nützlich. Unabhängig vom Rechnungssystem sind die Differenzierungsmöglichkeiten
bei nachfolgender synthetischer Verarbeitung der Kuppelprodukte zwangsläufig
begrenzt.
Für die bilanzielle Bewertung
von Beständen sind die Restwertrechnung
und die Verteilung nach dem Tragfähigkeitsprinzip
– etwa unter Anlehnung an die (reduzierten) Marktpreise der Kuppelprodukte oder
»Verwertungsüberschüsse am Spaltpunkt« – brauchbar, weil hier die
unterschiedliche Ertragskraft der Kuppelprodukte zum Ausdruck kommt (Riebel, P.
1970; Riebel, P.
1983). Grenzen für die Bewertung nach Verwertungsüberschüssen ergeben sich
jedoch bei Kuppelproduktion mit nachfolgender synthetischer Weiterverarbeitung
(Weblus, B.
1958; Wurl, H.-J.
1975). Generell sollte auf die Aktivierung anteiliger Fixkosten verzichtet
werden; zudem ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Bewertung mit null
vorzuziehen (Brink, H.-J.
1967; Layer, M.
1969; Riebel, P.
1976).
V. Produktionsplanung
Auf Kuppelproduktion mit konstantem Mengenverhältnis lässt
sich nach von Stackelberg (Stackelberg,
H. v. 1932) die Theorie des Einproduktbetriebs anwenden, wenn man
für die Messung der Kapazität und der Ausbringung als fiktive
Leistungseinheiten »Päckchen« bildet, die alle Kuppelprodukte im Verhältnis
ihres Anfalls enthalten.
Bestehen alternative
Verarbeitungs-(Verwertungs-)möglichkeiten, können diese formal wie
verschiedenartige mittelbare Kuppelprodukte in der Päckchenrechnung behandelt werden (Riebel, P.
1971a).
Statt hierbei von Produktpäckchen auszugehen, ist es
zweckmäßig, die technologischen Bedingungen des Stoffflusses in
Nebenbedingungen auszudrücken und die Spaltrohstoffe und Produkte nach
Bereitstellungs- und Verwertungsvarianten differenziert als Variable
einzusetzen (insb. Kruschwitz,
L. 1974; s.a. Brink, H.-J.
1969; Kilger, W.
1973). Der Vorteil dieser Vorgehensweise zeigt sich bei komplexen und
unübersichtlichen Fertigungsstrukturen, weil bei der Programmformulierung alle
Verzweigungen des Produktionsflusses sukzessive berücksichtigt werden können
und die Anzahl der Variablen des mathematischen Programms von der Anzahl der
Erzeugnisvarianten nur linear abhängt. Zwar werden meist konstante Preise und
Absatzhöchstmengen angenommen, doch können auch Preis-Absatz-Funktionen
einbezogen werden (Kilger, W.
1973).
Bei lenkbarer Kopplung ist es zweckmäßig, von den (meist
nicht linearen) konkreten technischen Verbrauchs- und Ausbringungsfunktionen in
Abhängigkeit von den Prozessparametern auszugehen (Riebel, P.
1957) und di erwarteten Preis-Absatzmengen-Kombinationen einzubeziehen.
VI. Absatzprobleme
Die Märkte der gekoppelten Produkte sind in der Regel
heterogen und durch unterschiedliche Entwicklungstendenzen,
Wettbewerbsverhältnisse, Nachfrageschwankungen und Elastizitäten
gekennzeichnet. Je unflexibler die Kopplung und je geringer die Bedeutung des
einzelnen Produkts im Kuppelproduktbündel, desto geringer ist sein Einfluss auf
das Produktionsvolumen und desto stärker sind die zu beobachtenden
Preisschwankungen. So kann bei starrer Kopplung auch eine erhebliche
Preissteigerung für ein Nebenprodukt allenfalls eine geringe Erhöhung des
Angebotes auslösen. Umgekehrt wird auch ein extremer Preisverfall das Angebot
kaum reduzieren, weil die Preisuntergrenze einzelner Kuppelprodukte unter den
zusätzlichen Verwertungskosten liegen kann, im Extremfalle bei den alternativ
entstehenden Vernichtungskosten, also im Negativen.
Diese Verhältnisse werden teils verschärft, teils gemildert,
wenn Prozesskonkurrenz vorliegt, d.h. völlig gleichartige Erzeugnisse oder
Substitute mithilfe anderer Rohstoffe und/oder Prozesse im Rahmen anders
zusammengesetzter Kuppelproduktbündel oder gar (angenähert) ungekoppelt erzeugt
werden können, wie häufig in der chemischen Industrie. Infolge der geringen
Angebotselastizität überschüssig anfallender Kuppelprodukte niedrigen Ranges
können daher »hochrangige« Produkte anderer Prozesse vorübergehend oder
endgültig vom Markt verdrängt werden. Andererseits bietet sich die Möglichkeit,
durch inner- und überbetriebliche Kombination konkurrierender Prozesse einen
besseren Marktausgleich zu erreichen, etwa indem unelastische Kuppelprozesse
zur Deckung des Grundbedarfs und elastische für den Spitzenbedarf herangezogen
werden (Kreps, T. J.
1938; Riebel, P.
1955).
Je geringer die Spielräume für die Lenkung der
Kuppelproduktion sind, desto stärker muss ein Ausgleich im Verwertungs- und
Absatzbereich gesucht werden. Die Erschließung neuer Märkte, vor allem durch
Entwicklung neuer
Verwendungsmöglichkeiten, spielt eine vorrangige Rolle. Sie lassen sich oft
nur über anwendungstechnische Forschung und Beratung, die Angliederung von
Weiterverarbeitungskapazitäten und Ausweitung des Sortiments um
bedarfsverbundene Produkte und Dienstleistungen erreichen. Auch eine an den
Nutzenunterschieden ausgerichtete Preisdifferenzierung bei Kuppelprodukten mit
mehreren Verwendungszwecken lässt sich meist nur über eine Produktmodifikation
und die Einordnung in unterschiedliche Teilsortimente sowie eine nach
Verwendungszwecken und Abnehmergruppen differenzierte Absatzorganisation
verwirklichen.
Da die gekoppelten Produkte einander nur selten substituieren
oder in denselben Bedarfskomplex eingehen, zwingt ihre Verschiedenartigkeit und
die ihrer Verwendungszwecke dazu, sich mit sehr vielen Märkten auseinander zu
setzen. Diese absatzwirtschaftliche Divergenz erfordert daher eine weit
stärkere Differenzierung der absatzpolitischen Maßnahmen und der
Absatzorganisation als bei bedarfsorientierten Produktionsprogrammen. Um eine
Zersplitterung zu vermeiden, konzentriert man seine Absatzaktivität oft nur auf
einen Ausschnitt der Produktbündels (und/oder der Verwendungszwecke und
Abnehmergruppen); die übrigen Teilmärkte werden nur »nebenher« oder über fremde
Absatzorgane beliefert. Zum Teil wird dafür die Form des »Anschlussabsatzes«
über andere Industriebetriebe gewählt, deren Absatzapparat auf die
interessierenden Märkte ausgerichtet ist. Falls gleichartige Kuppelprodukte in
mehreren Unternehmen anfallen, werden oft für den Absatz und z.T. auch für die
Weiterverarbeitung Gemeinschaftsorgane
gebildet (Riebel, P.
1956).
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