Inhaltsübersicht
I. Formen
von Unternehmenszusammenschlüssen
II. Richtung
von Unternehmenszusammenschlüssen
III. Motive
für Unternehmenszusammenschlüsse
IV. Fazit
I. Formen von
Unternehmenszusammenschlüssen
Der Begriff Unternehmenszusammenschluss wird breit ausgelegt
und umfasst neben Übernahmen und Fusionen sämtliche Arten der Zusammenarbeit
verschiedener Unternehmen, wie vertragliche Kooperationen, strategische
Allianzen, dynamische Netzwerke, virtuelle Unternehmen, Kartelle, Konzerne oder
Keiretsu. In jeder Form eines Zusammenschlusses binden sich die beteiligten
Unternehmen aneinander und nehmen damit eine mehr oder weniger starke
Einschränkung ihrer Selbstständigkeit in Kauf. Vereinfacht führt das zu den
zwei Ausprägungen der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit: Einschränkung und
Beseitigung. Während die Unternehmenskooperation als Zusammenschluss unter
Einschränkung der Selbstständigkeit bezeichnet werden kann, handelt es sich bei
Unternehmensvereinigungen um Zusammenschlüsse unter Beseitigung der
Selbstständigkeit (vgl. Pausenberger,
E. 1989, S. 623 ff.).
II. Richtung von
Unternehmenszusammenschlüssen
Hinsichtlich der Richtung unterscheidet man horizontale,
vertikale und konglomerate Unternehmenszusammenschlüsse. Im Rahmen eines
horizontalen Zusammenschlusses verbinden sich Unternehmen derselben Branche auf
der gleichen Produktionsstufe (z.B. strategische Allianzen, Konsortien,
Kartelle oder Wirtschaftsverbände). In vertikalen Unternehmenszusammenschlüssen
verbinden sich Unternehmen auf nacheinander gelagerten Produktionsstufen
miteinander. Schließt sich ein Unternehmen mit einem Unternehmen einer
nachgelagerten Produktionsstufe zusammen, spricht man von Vorwärtsintegration.
Stammt das Partnerunternehmen von einer vorgelagerten Produktionsstufe, handelt
es sich um eine Rückwärtsintegration. Vertikale Unternehmenszusammenschlüsse
können beispielsweise in der vertraglichen Kooperation zwischen Produzenten und
ihren Zulieferern liegen oder in Form von Akquisitionen von Zulieferern oder
Abnehmern auftreten. Im Rahmen eines konglomeraten Zusammenschlusses arbeiten
Unternehmen zusammen, die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind, d.h. es
handelt sich um Zusammenschlüsse, die nicht als vertikal oder horizontal
einzuordnen sind (z.B. Akquisitionen, die den Eintritt in neue Geschäftsfelder
zum Ziel haben).
III. Motive für
Unternehmenszusammenschlüsse
Hinsichtlich der Motive für einen Unternehmenszusammenschluss
kann zwischen Effizienz- und Marktmachtorientierung unterschieden werden.
Marktmachtorientierte Zusammenschlüsse führen zu gesamtwirtschaftlichen
Effizienzeinbußen. Gleichzeitig profitiert von diesen Zusammenschlüssen jedoch
eine kleine Gruppe von Akteuren. Für die profitierenden Akteure bestehen
Anreize, sich opportunistisch gegenüber der Mehrheit zu verhalten und den
Zusammenschluss zum eigenen Vorteil durchzuführen. Effizienzsteigernde
Unternehmenszusammenschlüsse sind hingegen gesamtwirtschaftlich wünschenswert.
1. Marktmachtorientierung
Marktmachtorientierte Motive können in dem Ausbau der
Machtposition der Manager gegenüber den Eigentümern, in Mengen- oder
Preisabsprachen sowie im Marktausschluss von Wettbewerbern liegen.
a) Macht
der Manager vs. Macht der Eigentümer
Jensen und Ruback (Jensen,
M.C./Ruback, R.S. 1983) gelangen in einer empirischen
Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Übernahmen tendenziell positive Effekte
zeigen, weil die Aktionäre des übernommenen Unternehmens profitieren, während
die Aktionäre des übernehmenden Unternehmens zumindest im Mittel nichts
verlieren. Diesen Ergebnissen wird allerdings in anderen Studien widersprochen.
Eine Reihe von Studien zeigt, dass es im Mittel zwar weder zu Verlusten noch zu
Gewinnen bei den Aktionären der aufkaufenden Unternehmen kommt, die Aktionäre
von ungefähr der Hälfte der untersuchten Unternehmen allerdings Verluste
verzeichnen (vgl. z.B. Bradley,
M./Desai, A./Kim, E.H. 1988). Andere Untersuchungen kommen gar
zu dem Ergebnis, dass es auch im Mittel zu bedeutenden Verlusten für die
Aktionäre der aufkaufenden Unternehmen kommt (vgl. z.B. Malatesta,
P.H. 1983; Sudarsanam, S./Holl,
P./Salami, A. 1996).
Eine Analyse des Institutes für Mergers & Acquisitions an
der Universität Witten-Herdecke führte zu dem Ergebnis, dass nur 21,5 % der
untersuchten Käuferunternehmen den Börsenwert und 44 % den Umsatz im Vergleich
zur Branche steigern konnten. Für das gekaufte Unternehmen wurde
durchschnittlich eine Kurssteigerung von knapp 20 % erzielt. Die Eigentümer der
Käuferunternehmen hingegen mussten, einer Analyse aller US-amerikanischen
börsennotierten Unternehmen für den Zeitraum von 1995 bis 2000 zufolge, bereits
in den ersten sechs Monaten nach dem Zusammenschluss bzw. der Fusion etwa 7 %,
in einem Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 10,26 % Wertverlust hinnehmen (vgl.
Jansen,
S.A./Müller-Stewens, G. 2000). Diese Ergebnisse lassen Raum
für die Interpretation, dass der Wunsch des Managements nach Ausdehnung des
persönlichen Machtbereichs ein Motiv für Unternehmenszusammenschlüsse im Sinne
von Fusionen und Übernahmen darstellen kann, das mit Einbußen für die Aktionäre
einhergeht und damit nicht effizient ist.
Im Rahmen der Prinzipal-Agent-Theorie wird davon ausgegangen,
dass das Management eines Unternehmens eigene Ziele verfolgt, die nicht immer
im Interesse der Eigentümer liegen (vgl. Jensen,
M.C./Meckling, W.H. 1976). Auf dieser Annahme gründet die so
genannte Hypothese der \'Agency Costs of Free Cashflow\' von Jensen (Jensen, M.C.
1986). Als freien Cashflow bezeichnet man denjenigen Cashflow, der übrig
bleibt, nachdem alle marktwertsteigernden Investitionen getätigt wurden.
Manager können den freien Cashflow opportunistisch einsetzen und z.B. ihren
Machtbereich ausdehnen, indem sie andere Unternehmen aufkaufen.
b) Mengen-
und Preisabsprachen
Mengen- und Preisabsprachen zielen darauf, den Preis für ein
Produkt (oder eine Dienstleistung) über den Wettbewerbspreis zu erhöhen. Durch
Unternehmensvereinigungen vermindert sich die Anzahl der Wettbewerber in der
Branche. Hierdurch werden Mengen- und Preisabsprachen erleichtert. Kooperieren
rechtlich selbstständige Unternehmen, um den Wettbewerb durch Mengen- bzw.
Preisabsprachen zu beschränken, bezeichnet man dies als Kartell. Eines der
bekanntesten Kartelle ist die OPEC. Mengen- und Preisabsprachen führen dazu,
dass zu geringe Mengen zu einem zu hohen Preis abgesetzt werden. Hierdurch
kommt es zu (gesamtwirtschaftlichen) Wohlfahrtsverlusten, da die
Konsumentenrente um mehr verringert wird, als die Produzentenrente steigt.
Allerdings sind die Kartellabsprachen instabil, da es für jedes Kartellmitglied
unabhängig vom Verhalten der anderen Kartellmitglieder immer vorteilhaft ist, die
Mengen- oder Preisabsprachen nicht einzuhalten.
c) Erschaffung
von Markteintrittsbarrieren und Marktausschluss
Markteintrittsbarrieren stellen ein wesentliches Merkmal der
Marktstruktur dar (vgl. Bain, J.S.
1965). Hohe Markteintrittsbarrieren verhindern den Eintritt neuer
Wettbewerber, die neue Kapazitäten, den Wunsch nach einem hohen Marktanteil sowie
häufig bedeutende Ressourcen in eine Branche einbringen. Bestehen hohe
Eintrittsbarrieren (wie z.B. Economies of Scale oder ein beschränkter Zugang zu
Distributionskanälen) werden potenzielle neue Wettbewerber davon abgeschreckt,
in eine Branche einzutreten (vgl. Porter, M.E.
1980, S. 7 ff.). Hohe Markteintrittsbarrieren machen eine Branche für die
bereits ansässigen Unternehmen attraktiv, weil kurzfristige Preissteigerungen
möglich werden, ohne dass neue Wettbewerber in die Branche drängen.
Deshalb haben marktmachtorientierte Zusammenschlüsse häufig das Ziel, die
Markteintrittsbarrieren zu erhöhen. Die Wettbewerbsposition
zusammengeschlossener Unternehmen kann sich nach der Strukturveränderung
verbessern. Hamilton/Lee (Hamilton,
J.L./Lee, S.B. 1986) haben gezeigt, dass eine vertikale
Integration, die Markteintrittsbarrieren erschafft oder Absprachen vereinfacht,
die soziale Wohlfahrt mindert. Werden im Rahmen horizontaler Zusammenschlüsse (ohne
Produktionsausweitung) direkte Konkurrenten übernommen, entspricht dies einem
Zukauf von Marktanteilen. Die Marktstellung des zusammengeschlossenen
Unternehmens verbessert sich. Eine Absprache mit den übrigen Anbietern
bezüglich einer Preiserhöhung wird möglich. Gleichzeitig erhöhen sich die
Markteintrittsbarrieren, denn potenzielle Wettbewerber zögern, in den
Wettbewerb mit einem großen Unternehmen einzutreten (vgl. Bühner, R.
1990, S. 9).
Unter Marktausschluss oder \'market foreclosure\' versteht man
Geschäftspraktiken, die den Zugang zu vorgelagerten (upstream foreclosure) oder
nachgelagerten Märkten (downstream foreclosure) beschränken. Durch den
Zusammenschluss mit einem Zulieferer oder Abnehmer kann ein Unternehmen
Wettbewerber aus dem Markt ausschließen, indem z.B. überhöhte Preise gefordert
oder Exklusivverträge abgeschlossen werden (vgl. Tirole, J.
1988, S. 193). Die Marktmacht in einer Branche kann dadurch in eine vor-
bzw. nachgelagerte Branche übertragen werden. Exklusive Lieferverträge zwischen
einem Zulieferer und Abnehmern, können in der Zulieferbranche neue Wettbewerber
von einem Markteintritt abhalten. Langfristig kommt es dadurch zu Ineffizienzen
für die Abnehmer, weil ihr Zulieferer Monopolmacht aufbaut (vgl. Aghion,
P./Bolton, P. 1987).
2. Effizienzorientierung
Im Folgenden werden Größen- und Verbundvorteile, die
Verringerung von Überschusskapazitäten, Disziplinierung der
Unternehmensleitung, die Risikominimierung im Standardisierungswettbewerb,
Transaktionskosten- und Messkostenreduzierung sowie Lerneffekte als effizienzorientierte
Motive für Zusammenschlüsse aufgezeigt.
a) Größenvorteile
Unter der optimalen Betriebsgröße versteht man diejenige
Produktionskapazität, bei der die Durchschnittskosten ein Minimum erreichen.
Größenvorteile (Economies of Scale) werden realisiert, solange die Grenzkosten
geringer als die Durchschnittskosten sind. Kostet die zuletzt produzierte
Einheit weniger als der Durchschnitt, können die Durchschnittskosten gesenkt
werden, indem mehr produziert wird. Entsteht durch einen Zusammenschluss ein
Unternehmen optimaler Betriebsgröße, lassen sich Größenvorteile realisieren.
Größenvorteile können nicht nur in der Produktion realisiert werden, sondern
z.B. auch in der Forschung- und Entwicklung oder im Marketing. Das Ausnutzen
von Größenvorteilen im Zuge von Zusammenschlüssen vereinigt im Gegensatz zu
Monopolisierungsmotiven private und gesellschaftliche Interessen miteinander
(vgl. Meeks, G.
1996, S. 450).
b) Verbundvorteile
Unternehmen aus unterschiedlichen, aber komplementären
Bereichen können im Rahmen eines Zusammenschlusses Verbundvorteile realisieren.
Durch einen Zusammenschluss ist es dann kostengünstiger für ein
Gesamtunternehmen, zwei Aktivitäten auszuführen, als in zwei spezialisierten
Unternehmen die Aktivitäten getrennt voneinander auszuführen. Seien K die
Kosten und X und Y zwei unterschiedliche Produkte und stehe 0 dafür, dass ein
Gut nicht hergestellt wird, dann ergibt sich formal: K(X,Y) < K(X,0) +
K(0,Y), d.h. es ist kostengünstiger, zwei Produkte gemeinsam zu produzieren als
die Produkte jeweils getrennt herzustellen. Anders formuliert: K(X,Y) – K(0,Y)
< K(X,0) – K(0,0), d.h. ein Unternehmen, das Y produziert, kann X
kostengünstiger herstellen als ein Unternehmen, das nur X produziert (vgl. Baumol,
W.J./Panzar, J.C./Willig, R.D. 1982).
c) Verringerung
überschüssiger Kapazitäten
Durch Größen- und Verbundvorteile kommt es im Zusammenhang
mit Zusammenschlüssen zu Kosteneinsparungen, die wiederum ineffizienten
Unternehmen geringere Marktanteile in der Branche bescheren. Dadurch können
extrem ineffiziente Unternehmen untergehen. Somit können Zusammenschlüsse überschüssige
Kapazitäten in einer Branche eliminieren. Dieser Aspekt ist insbesondere für
Branchen mit sinkender Nachfrage relevant (vgl. Martin, S.
1988, S. 228). Unternehmensübernahmen können in diesem Zusammenhang als
Antwort des Marktes auf das Versagen interner Kontrollmechanismen interpretiert
werden (vgl. Jensen, M.C.
1993, S. 851 f.).
d) Disziplinierung
der Unternehmensleitung
Feindliche Unternehmensübernahmen sind ein wirksames
Instrument zur Disziplinierung opportunistischer Manager (vgl. Manne, H.
1965; als Überblick vgl. Shleifer,
A./Vishny, R. 1997). Da Kleinaktionäre keine Kontrollanreize
haben – sie müssten die gesamten Kontrollkosten selbst tragen, wären am
Kontrollnutzen aber nur minimal beteiligt – besteht in Unternehmen, deren
Anteile sich im Streubesitz befinden, ein Kontrollvakuum (vgl. z.B. Demsetz,
H./Lehn, K. 1985, Shleifer,
A./Vishny, R. 1986). Wenn die Manager dieses Kontrollvakuum
opportunistisch ausnützen, so kommt es zu Ineffizienzen, die sich wiederum in
fallenden Aktienkursen niederschlagen. Unternehmen mit hohen Ineffizienzen und
einer niedrigen Marktkapitalisierung sind ein interessanter Übernahmekandidat
für Investoren, die sich darauf spezialisiert haben, ineffiziente Unternehmen
aufzuspüren, günstig zu erwerben, zu restrukturieren und anschließend wieder zu
verkaufen. Da die Manager im Falle einer feindlichen Übernahme zusammen mit
ihrem Arbeitsplatz ihr unternehmensspezifisches Humankapital und ihre
Reputation verlieren, werden sie versuchen, eine feindliche Übernahme zu
verhindern. Das wirksamste Mittel gegen feindliche Übernahmen ist aber eine
hohe Marktkapitalisierung, die sich wiederum am leichtesten durch effizientes
Management erreichen lässt.
e) Risikominimierung
im Standardisierungswettbewerb
Unternehmenszusammenschlüsse stellen häufig eine effiziente
Reaktion auf die Risiken eines Standardisierungswettbewerbs dar. Märkte mit
hohen Netzwerkeffekten werden häufig von einem Standard dominiert (vgl. zu
Netzwerkeffekten und Standardisierung Economides/Siow (Economides,
N./Siow, A. 1988), Farrell/Saloner (Farrell,
J./Saloner, G. 1987) sowie Katz/Shapiro (Katz,
M.L./Shapiro, C. 1986). Entwickeln verschiedene Unternehmen
konkurrierende Standards, dann entstehen zwangsläufig Investitionsruinen.
Dieses Risiko kann durch eine zwischenbetriebliche Kooperation und Koordination
erheblich verringert werden. Die zwischenbetrieblichen Kooperationsbemühungen
verringern nicht nur das Investitionsrisiko, sie erhöhen zugleich die
Kundenakzeptanz, da den Kunden durch die Bildung von Allianzen glaubhaft
signalisiert werden kann, dass die Standardisierungsbemühungen erfolgreich
verlaufen werden. Diese Signale fördern dann wiederum die tatsächliche
Durchsetzung des Standards. Beispielsweise hat JVC durch die Bildung von
Allianzen glaubwürdigere Signale für die Durchsetzung des Standards VHS für
Videorecorder gesetzt, als es Sony im Alleingang für das konkurrierende
Beta-System gelang (vgl. z.B. Grindley, P.
1995).
f) Transaktionskostenreduzierung
Die von Coase (Coase, R.H.
1937) begründete und von Williamson (Williamson,
O.E. 1975; Williamson,
O.E. 1990; Williamson,
O.E. 1996) weiterentwickelte Transaktionskostentheorie
erklärt, unter welchen Bedingungen vertikale Unternehmenszusammenschlüsse
Effizienzvorteile aufweisen. Im Mittelpunkt der Argumentation steht dabei die
Transaktion. Hierunter versteht man den Übergang eines Vor- oder
Zwischenproduktes von einer vor- auf eine nachgelagerte Produktionsstufe. Die
hierbei anfallenden Koordinationskosten bezeichnet man als Transaktionskosten.
Die Höhe der anfallenden Transaktionskosten hängt zum einen von den Eigenschaften
der zugrunde liegenden Transaktion und zum anderen von der gewählten
Koordinationsform ab. Spezifität, Unsicherheit und Häufigkeit sind die
wichtigsten Transaktionseigenschaften. Eine Transaktionsbeziehung ist um so
spezifischer, je größer die mit ihr verbundene Quasi-Rente ist. Unter der
Quasi-Rente versteht man den Wertverlust, der eintritt, wenn die
Transaktionsbeziehung beendet wird und das für die Durchführung der Transaktion
erworbene Human- und Sachkapital anderweitig verwendet werden muss (vgl. Klein,
B./Crawford, R.G./Alchian, A.A. 1978). Bei hochspezifischen
Transaktionsbeziehungen führt eine Beendigung der Transaktionsbeziehung zu
einer völligen Entwertung der zugrunde liegenden Investitionen. Innerhalb
spezifischer Transaktionsbeziehungen lassen sich Streitfälle wegen des hohen
Wertverlustes nicht durch einen Wechsel des Transaktionspartners lösen. Ist
eine Transaktion nicht nur spezifisch, sondern zudem noch unsicher, können
Streitigkeiten auch nicht mehr durch umfassende Verträge verhindert werden.
Infolge der Unsicherheit bleiben die Verträge zwangsläufig unvollständig. Damit
eröffnen sich jedoch opportunistische Verhaltensspielräume. Insbesondere
besteht die Gefahr, dass eine Transaktionspartei das Abhängigkeitsverhältnis
der anderen Transaktionspartei opportunistisch ausnutzt und versucht, sich
einen möglichst hohen Anteil der Quasi-Rente anzueignen. Dieses so genannte
Hold-up-Problem lässt sich bewältigen, indem die Transaktionsbeziehung nicht
mehr über den Markt, sondern unternehmensintern koordiniert wird (vgl. Goldberg,
V.P. 1976; Grossman,
S.J./Hart, O.D. 1986 sowie Hart,
O.D./Moore, J. 1990). Allerdings ist eine vertikale
Integration nur dann vorteilhaft, wenn die Transaktion neben hohen Spezifitäts-
und Unsicherheitsgraden auch einen hohen Häufigkeitsgrad aufweist. Zwischen
rein marktlicher und rein unternehmensinterner Koordination liegende
Hybridformen (z.B. Kapitalverflechtungen, Franchising) führen demgegenüber bei
Transaktionen mit mittleren Spezifitäts-, Unsicherheits- und Häufigkeitsgraden
zu den geringstmöglichen Transaktionskosten.
g) Messkostensenkung
Barzel (Barzel, Y.
1982) zufolge liegt der Effizienzvorteil vertikaler
Unternehmenszusammenschlüsse in der Reduktion von Mess- und Kontrollkosten.
Seine Argumentation basiert auf der Unterscheidung zwischen output- und
inputkontrollierten Produktionsstufen. Als outputkontrolliert
(inputkontrolliert) bezeichnet er Produktionsstufen, bei denen es
kostengünstiger ist, den Produktionsprozess anhand des Output (Input) zu
messen. Outputkontrolliert (inputkontrolliert) sind beispielsweise
Produktionsprozesse, deren Output ein Inspektionsprodukt (Erfahrungs- oder
Vertrauensprodukt) darstellt. Um eine Mehrfachkontrolle des Input zu vermeiden,
ist es effizient, aufeinander folgende inputkontrollierte Produktionsstufen
vertikal zu integrieren.
h) Lerneffekte
Durch Zusammenschlüsse wird es möglich, Wissen zu bündeln, um
es gemeinsam effizienter zu nutzen. Das gilt insbesondere für implizites
Wissen. Implizites Wissen umfasst alle (bewussten und unbewussten) Kenntnisse
und Fähigkeiten, die sich Individuen durch Übung und Erfahrung aneignen, jedoch
nicht äußern können (vgl. Polany, M.
1985, S. 13 ff.). Spezialkenntnisse anderer Wirtschaftsteilnehmer, die in
Form von Produkten und Diensten zugänglich sind und zu deren Gebrauch das (implizite)
Fachwissen nicht mehr erforderlich ist, besitzen wissensökonomische Reife (vgl.
Dietl, H.M.
1993, S. 171 ff.). Daraus lässt sich folgern, dass Investitionen in
spezifisches Human- und Sachvermögen solange unter einheitliche
Entscheidungshoheit gestellt, d.h. unternehmensintern koordiniert werden
sollten, wie der zugrunde liegende Leistungsinhalt keine wissensökonomische
Reife erlangt hat. Der Grad wissensökonomischer Reife liefert auch
Anhaltspunkte zur Beurteilung horizontaler Unternehmensvereinigungen:
Unternehmen sollten die Entscheidungsrechte an denjenigen Ressourcen erwerben,
bei deren Verwendung vorhandenes implizites Spezialwissen genutzt werden kann.
IV. Fazit
Im vorliegenden Beitrag wurden marktmachtorientierte und
effizienzorientierte Zusammenschlussmotive gedanklich voneinander getrennt. Es
ist nicht immer leicht möglich, effizienzorientierte und marktmachtorientierte
Zusammenschlüsse auch empirisch trennscharf voneinander abzugrenzen. Welche
Motive überwiegen, kann aufgrund der Komplexität von
Unternehmenszusammenschlüssen nur im Einzelfall entschieden werden. Es bleibt
die Frage, ob Zusammenschlüsse gesamtwirtschaftlich eher von Vor- oder Nachteil
sind. Offensichtlich bringen sie Vorteile mit sich, wenn sie zu
Effizienzvorteilen (z.B. Größen- oder Transaktionskostenvorteilen) führen.
Effizienzerklärungen haben in vielen Bereichen der Unternehmenszusammenschlüsse
an Bedeutung gegenüber Monopolerklärungen gewonnen – so werden bei der
Bewertung vertikaler Integrationen zunehmend die Effizienzmotive in den
Vordergrund gestellt (vgl. z.B. Williamson,
O.E. 1990, S. 96). Dass sich der Konzentrationsgrad in den
letzten Jahren nicht erhöht hat, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Mehrzahl
der Unternehmenszusammenschlüsse eher effizienzorientiert als
marktmachtorientiert zu sein scheint (vgl. z.B. Banerjee,
A./Eckard, E.W. 1998).
Literatur:
Aghion, Phillipe/Bolton,
Patrick : Contracts as Entry Barriers to Entry, in: American Economic Review,
Jg. 77, 1987, S. 388 – 401
Bain, Joe S. : Barriers
to New Competition, Cambridge 1965
Banerjee, Ajeyo/Eckard,
E. Woodrow : Are mega-mergers anti-competitive? Evidence from the first great
merger wave, in: Rand Journal of Economics, Jg. 29, 1998, S. 803 – 827
Barzel, Yoram :
Measurement Cost and the Organization of Markets, in: Journal of Law and Economics,
Jg. 25, 1982, S. 27 – 48
Baumol, William
J./Panzar, John C./Willig, Robert D. : Contestable Markets and Theory of
Industry Structure, New York 1982
Bradley, Michael/Desai,
Anand/Kim, E. Han : Synergistic gains from corporate acquisitions and their division
between the stockholders of target and acquiring firm, in: Journal of Financial
Economics, H. 21/1988, S. 3 – 40
Bühner, Rolf : Erfolg
von Unternehmenszusammenschlüssen in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart
1990
Coase, Ronald H. : The
Nature of the Firm, in: Economica, H. 4/1937, S. 386 – 405
Demsetz, Harold/Lehn, K.
: The Structure of Corporate Ownership: Causes and Consequences, in: Journal of
Political Economy, Jg. 93, H. 6/1985, S. 1155 – 1177
Dietl, Helmut M. :
Institutionen und Zeit, Tübingen 1993
Economides,
Nicholas/Siow, Aloysius : The Division of Markets is Limited by the Extent of
Liquidity: Spatial Competition with Externalities, in: American Economic
Review, Jg. 78, H. 1/1988, S. 108 – 121
Farrell, Joseph/Saloner,
Garth : Competition, Compatibility and Standards: The Economics of Horses,
Penguins and Lemmings, in: Product Standardization and Competitive Strategy,
hrsg. v. Gabel, H. Landis, Amsterdam 1987, S. 1 – 21
Goldberg, Victor P. :
Regulation and Administered Contracts, in: Bell Journal of Economics, H.
7/1976, S. 426 – 448
Grindley, Peter : Video
Cassette Recorder: The Value of Cooperation, in: Standards, Strategy and
Policy, hrsg. v. Grindley, P., New York 1995, S. 75 – 98
Grossman, Sanford
J./Hart, Oliver D. : The Costs and Benefits of Ownership: A Theory of Vertical
and Lateral Integration, in: Journal of Political Economics, Jg. 94, 1986, S.
691 – 719
Hamilton, James L./Lee,
Soo Bock : The paradox of vertical integration, in: Southern Economic Journal,
H. 1/1986, S. 110 – 126
Hart, Oliver D./Moore,
John : Property Rights and the Nature of the Firm, in: Journal of Political
Economics, Jg. 98, 1990, S. 1119 – 1158
Jansen, Stefan
A./Müller-Stewens, Günter : Endet die fünfte Welle auf dem Markt für
Unternehmensübernahmen in einer neuen Rezession?, in: FAZ, H. 4.10. 2000, S.
49 – 50
Jensen, Michael C. : The
Modern Industrial Revolution, Exit, and the Failure of Internal Control
Systems, in: JF, Jg. 48, 1993, S. 831 – 879
Jensen, Michael C. : The
Agency Costs of Free Cashflow. Corporate Finance and Takeovers, in: American
Economic Review, Jg. 76, H. 2/1986, S. 1 – 21
Jensen, Michael
C./Meckling, William H. : Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs
and Owndership Structure, in: Journal of Financial Economics, H. 3/1976, S.
305 – 360
Jensen, Michael
C./Ruback, Richard S. : The market for corporate control: The scientific
evidence, in: Journal of Financial Economics, H. 11/1983, S. 5 – 50
Katz, Michael
L./Shapiro, Carl : Technology Adoption in the Presence of Network
Externalities, in: Journal of Political Economy, Jg. 94, H. 4/1986, S. 822 – 841
Klein,
Benjamin/Crawford, Robert G./Alchian, Armen A. : Vertical Integration,
Appropriable Rents, and the Competitive Contracting Process, in: Journal of Law
and Economics, H. 21/1978, S. 297 – 326
Malatesta, Paul H. : The
wealth effect of merger activity and the objective functions of merging firms,
in: Journal of Financial Economics, H. 11/1983, S. 155 – 181
Manne, Henry : Mergers
and the Market for Corporate Control, in: Journal of Political Economics, Jg.
73, 1965, S. 110 – 120
Martin, Stephen :
Industrial Economics: Economic Analysis and Public Policy, New York 1988
Meeks, Geoffry :
Mergers, in: The New Palgrave – A Dictionary of Economics, hrsg. v. Eatwell,
John/Milgate, Murray/Newman, Peter, London, New York, Tokio et al., 5. A. 1996,
S. 450 – 452
Pausenberger, Ehrenfried
: Zur Systematik von Unternehmenszusammenschlüssen, in:
Wirtschaftswissenschaftliches Studium, H. 11/1989, S. 621 – 626
Polany, Michael :
Implizites Wissen, Frankfurt 1985
Porter, Michael E. : Competitive
Advantage. Techniques for Analyzing Industries and Competitors, New York 1980
Shleifer, Andrei/Vishny,
Robert : Large Shareholders and Corporate Control, in: Journal of Political
Economy, Jg. 94, 1986, S. 461 – 488
Shleifer, Andrei/Vishny,
Robert : A Survey of Corporate Governance, in: JF, Jg. 52, 1997, S. 737 – 783
Sudarsanam, Sudi/Holl,
Peter/Salami, Ayo : Shareholder wealth gains in mergers: effect of synergy and
ownership structure, in: JBFA, H. 23/1996, S. 673 – 678
Tirole, Jean : The
Theory of Industrial Organization, Cambridge, Massachussets, London et al. 1988
Williamson, Oliver E. :
The Mechanisms of Governance, New York 1996
Williamson, Oliver E. :
Die ökonomischen Institutionen des Kapitalismus: Unternehmen, Märkte,
Kooperationen, Tübingen 1990
Williamson, Oliver E. :
Markets and Hierarchies: Analysis and Antitrust Implications, New York 1975
|