Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Funktionen
II. Historische
Entwicklung
III. Ideal-
und Realtypen
IV. Kritische
Würdigung
V. Personalwirtschaftliche
Implikationen
VI. Ausblick
I. Begriff und
Funktionen
Die Betriebswirtschaftslehre als angewandte
Sozialwissenschaft ist nicht primär eine technische, sondern eine menschliche „ Angelegenheit “ .
Dies gilt im Besonderen für die Personalwirtschaftslehre, deren
Betrachtungsobjekt der Mensch in seiner Funktion als Mitarbeiter von
Unternehmungen ist. Jeder Theorie und jedem Modell in der
Betriebswirtschaftslehre liegt explizit bzw. zumindest implizit eine
Vorstellung vom handelnden Individuum in Betrieben zu Grunde, ein Menschenbild.
Eine Definition des schillernden Begriffes „ Menschenbild “ im
betriebswirtschaftlichen Kontext ist essenziell notwendig und schwierig
zugleich. Allgemein geht es um die „ Natur “ bzw. das „ Wesen “ des Menschen in
erwerbswirtschaftlichen Organisationen. Gerade der Begriffsteil „ Mensch “ vermag
dabei eine diffizile werteorientierte Grundsatzdebatte im Rahmen der
Betriebswirtschaftslehre auszulösen. Die Personalwirtschaftslehre geht bewusst
vom Objekt „ Personal “ aus, mit dessen Vermögen (also nicht den Menschen an
sich) im Sinne von Qualifikations- und Motivationspotenzialen es zu
wirtschaften gilt. Aufgrund der Wertezentrierung des Begriffes „ Menschen “ wäre
zu überlegen, ob nicht treffender von Mitarbeiterbildern
gesprochen werden sollte, um damit den spezifischen Blickwinkel zu
akzentuieren. Der Begriff Mitarbeiter würde auch besser zur näheren Deutung des
Begriffes Menschenbilder als „ ? Grundannahmen, Einstellungen und
Erwartungen von Führungskräften gegenüber den Zielen, Fähigkeiten, Motiven und
Werten von Mitarbeitern ? “ (Weinert, 1998,
S. 672) passen, wobei die Eingrenzung auf Führungskräfte
als Ausgangspunkt der Betrachtung disponibel erscheint. Es handelt sich bei
Menschenbildern insofern um idealtypische, aber dennoch auf die Realität in
Betrieben bezogene kumulierte Mitarbeiterwahrnehmungen durch interessierte
Einzelne oder Kollektive in und außerhalb von Unternehmungen, die bei ihnen als
„ subjektive Hinterkopftheorie “ (Weibler, 2001,
S. 15) handlungsleitend wirken.
Bezogen auf die Funktion von Menschenbildern ist die
„ Komplexitätsreduktion “ mit den Zielen leichterer Überschaubarkeit,
Vereinfachung und Ordnung von zentraler Bedeutung. Eine solche Vereinfachung
ist einerseits zwingend erforderlich, andererseits auch immer mit Gefahren der
Übervereinfachung verbunden, wie sie zwangsläufig den populären dualistischen
Menschenbildern anhaftet. Jede Theorie über Menschen in Organisationen steht
vor dem Dilemma, eine an sich nicht reduzierbare Vielfalt an Aussagen über
menschliche Motive, Verhaltensweisen etc. (vgl hierzu Steinle, 2005,
S. 577 ff.) reduzieren zu müssen, um zu überschaubaren und damit praktikablen
Aussagensystemen zu gelangen. Weniger die Notwendigkeit an sich als das
Bewusstsein für diesen Schritt (mit den damit verbundenen Einschränkungen)
sollte eine entsprechende Sensibilität erzeugen, wenn es um die Gestaltung
personalwirtschaftlicher Systeme geht.
II. Historische
Entwicklung
Annahmen über die „ Natur “ des Menschen sind seit jeher (also
seit Anbeginn der Menschheit) Gegenstand von Betrachtungen und Spekulationen.
Auch die ökonomische Diskussion ist schon von den Grundanfängen her durch
Menschenbilder, und hier insbesondere durch den „ homo oeconomicus “ , geprägt.
Der „ homo oeconomicus “ als rational handelnder Nutzenmaximierer ist eine
zentrale Prämisse für speziell volkswirtschaftliche Modellvorstellungen.
Allerdings ist er eine „ Kunstfigur “ (Schanz, 2000,
S. 57), die den realen Kontexten nicht unmittelbar verpflichtet ist.
Realphänomennähere Menschenbilder sind Ausdruck einer bestimmten
Wirtschaftsepoche und insofern immer auch aus ihrer speziellen Historie heraus
zu interpretieren; sie sind jeweils „ ein Kind ihrer Zeit “ (vgl. Müller, 1989,
S. 70). Sofern sie nicht primär einer originär ethisch motivierten Perspektive
entspringen, stellen sie ein Spiegelbild der durch Markt- und
Produktionsverhältnisse vorgegebenen Erfordernisse dar. Sie sind damit in hohem
Maße historisch und interessengeleitet, entspringen dem Notwendigen in der
jeweiligen Zeit. Sie spiegeln den in einer konkreten historischen Situation
geforderten Menschen wider (vgl. Neuberger, 1995,
S. 27). Mit der Abkehr von der industriellen Massenproduktion und dem dort
vorherrschenden mechanistischen Menschenbild entstand in einem dynamischen,
durch Differenzierungen geprägten Wettbewerbsumfeld auch ein post-tayloristisches
Menschenbild, wo es um die Ausschöpfung subjektiv gebundener
Mitarbeiterpotenziale (Ideenvorschläge, Flexibilität etc.) geht (vgl. Kuhn, 1997,
S. 202). Oder noch plastischer formuliert: „ Genügte es im tayloristisch
organisierten Arbeitsprozeß, das Silber in den Muskeln der Arbeitenden zu
erschließen, geht es jetzt um das Gold in ihren Köpfen. Der Unternehmer
erwartet vom Arbeitnehmer Unternehmergeist “ (Kissler, 1994,
S. 314).
Menschenbilder mit Chance auf Verwirklichung sind damit
intendiert, betriebswirtschaftlichen Zielsystemen verpflichtet und
interessengeleitet entwickelt. Das Humane bzw. zumindest Humanere konnte sich
durch das Wirtschaftliche mitentwickeln (aber eben nicht umgekehrt). Allein
ethisch motivierte Menschenbilder ohne markante Anknüpfungspunkte zu den
dominanten Unternehmungszielen haben es in der realen Welt der
Betriebswirtschaften schwer.
III. Ideal- und
Realtypen
Markanter Kristallisationspunkt der Menschenbild-Diskussion
in der einschlägigen Literatur sind Typologien von Menschenbildern. Die
Typologien unterliegen wiederum unterschiedlichen Systematisierungsmustern. So
werden z.B. speziell im nordamerikanischen Raum pessimistische und
optimistische Menschenbilder unterschieden (vgl. z.B. Knowles,
/Saxberg, 1967). Tragfähiger (da objektiver darstellbar) ist
die Unterteilung in Ideal- und Realtheorien, sofern eine vorhandene bzw.
fehlende empirische Basis als Unterscheidungsmerkmal akzeptiert wird.
Zu den bekanntesten Idealtypen (wobei der Begriff „ Ideal “
nicht den Realitätsgehalt an sich in Frage stellt, sondern auf deren
idealtypische – rein gedankliche – Rekonstruktionsgrundlage rekurriert)
zählen die dualistische Einteilung von McGregor, / und die darauf aufbauende
Vierer-Systematisierung von Schein, (vgl. Abb. 1). Wie kaum in einem anderen
theoretischen Bereich prägen diese beiden Denkgebäude bis heute die
Menschenbilddiskussion, ja sie machen sie zu großen Teilen aus. Die mit Abstand
am bekanntesten gewordene und bis heute äußerst populäre Menschenbildtypologie
stammt vom amerikanischen Sozialpsychologen Douglas McGregor. Er entwarf das
sehr eingängige (damit allerdings auch sehr simplifizierende) dualistische
Menschenbild Theorie X/Theorie Y. Durch seine 1960 erstmals erschienene
Veröffentlichung „ The Human Side of Enterprise “ (deutsche Übersetzung „ Der
Mensch im Unternehmen “ – vgl. McGregor, 1960;
McGregor, 1986)
machte er seine Überlegungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die
Überlegungen von McGregor tragen starke normative Züge, da er eine eindeutige
Präferenz zugunsten der Theorie Y setzt. Worum es im Kern bei der Theorie Y
geht, wird schon durch die Überschrift zum entsprechenden Kapitel im Buch deutlich:
„ Verschmelzen der individuellen Ziele mit den Belangen des Unternehmens “ (McGregor, 1986,
S. 35). Angestrebt wird, die Mitarbeiter „ ? zur Mitarbeit an den Zielen des
Unternehmens zu begeistern “ (McGregor, 1986,
S. 43). Auch die dazu empfohlenen Instrumente wie Selbstkontrolle und
kooperative Führung sind von erstaunlicher Aktualität und lassen den Betrachter
fast vergessen, ein Buch mit nun fast 50jähriger Entstehungsgeschichte in den
Händen zu halten, was im ansonsten schnelllebigen Managementbereich eine
Ausnahme darstellt.
In der Tradition der Überlegungen von McGregor, steht die
weiter ausdifferenzierte und nicht minder bekannte Menschenbildtypologie des
amerikanischen Organisationspsychologen Edgar H. Schein. In seinem erstmals
1965 erschienenen Buch „ Organizational Psychology “ (deutsche Übersetzung
„ Organisationspsychologie “ – vgl. Schein, 1965;
Schein, 1980)
setzt er sich auch ausführlich mit den „ Annahmen des Managements über die Natur
des Menschen “ (Schein, 1980,
S. 77) auseinander. Die vier von ihm herausgearbeiteten Menschenbilder (vgl.
Abb. 1) sollen in der Reihenfolge der Nennung eine historische Abfolge
widerspiegeln (vgl. Schein, 1980,
S. 77). Die Reihung der Menschenbilder lässt schon vermuten, dass Schein dem
Bild des komplexen Menschen zuneigt, das er vor dem Hintergrund des ihm
inhärenten Komplexitäts- und Differenzierungsverständnisses und im Anklang mit
den eher engen Blickwinkeln der anderen Menschenbilder als „ ausgewogenen
Ansatz “ (Schein, 1980,
S. 102) bezeichnet.
Abb. 1: Ausgewählte Idealtypologien von Menschenbildern
(Quellen: McGregor, 1960;
McGregor, 1986;
Schein, 1965;
Schein, 1980;
Staehle, 1999,
S. 192 ff.)
Die vorgestellten Menschenbilder von McGregor, / und Schein,
werden aufgrund ihrer fehlenden empirischen Basis als „ idealtypische
Polarisierungen “ oder noch direkter als „ reine Gedankenprodukte “ (Weinert, 1984,
S. 32) eingestuft. Um den Vorstellungen von Menschenbildern das spekulative
Moment zu nehmen und im Gegensatz zu den Idealtypen bewusst Realtypen
herauszuarbeiten, sind im deutschsprachigen Raum erste empirische
Untersuchungen durchgeführt worden (vgl. Weinert, 1984;
Weinert,
/Langer, 1995; Steyrer, 1988;
Bögel,
/Rosenstiel, von, 1993). Weinert/Langer (Weinert,
/Langer, 1995, S. 85 ff.) gelangen bei ihrer clusterbezogenen
Einordnung der Manager eines Energiekonzerns im Rahmen ihrer empirischen
Feldstudie zu einer Taxonomie von neun (real vorfindbaren) Menschentypen, die
sich noch weiter zu fünf Hauptgruppen verdichten lassen. Beispielhaft wird ein
„ Idealistischer Typ “ identifiziert, dessen Grundeinstellung unterstützend und
auf das Positive im Menschen gerichtet ist (vgl. Weinert, 1998,
S. 675). Als Quintessenz seiner Untersuchungen hält Weinert fest, „ ? daß
Menschenbilder nicht nur theoretische Gedankengebäude sind, sondern sich in der
Praxis des Arbeitsalltags empirisch und sinnvoll aufweisen lassen, allerdings
nicht in der \'reinen\' Form, wie sie die Literatur anbietet “ (Weinert, 1998,
S. 677). Die Existenz von „ Mischtypen “ als reale Erscheinungsbilder von
Menschen in Betrieben wird auch durch die Untersuchung von Steyrer bestätigt
(vgl. Steyrer, 1988,
S. 116). Menschenbilder sind damit real in den Köpfen eines jeden
Unternehmungsmitgliedes existent und wirken dort handlungsleitend, wenn sie
auch in ihrer persönlichkeitsbedingten Vielfalt nicht durch noch so
differenzierte Typologien hinreichend genau abgebildet werden können.
IV. Kritische Würdigung
Menschenbilder können aus verschiedenen Blickwinkeln einer
kritischen Betrachtung unterzogen werden, die ihre Bedeutung aber nicht
grundsätzlich in Frage stellen.
Die inhaltliche Kritik richtet sich speziell gegen die
normativen Festlegungen. Von kritischen Einlassungen ist insbesondere das Bild
des komplexen Menschen von Schein, / betroffen, das als politisch motiviertes
Zwangsideal (vgl. Müller, 1989,
S. 62) oder als „ gefügige(s) Produkt seiner Umwelt “ (Neuberger, 1995,
S. 26) gedeutet wird, wobei allerdings diese Kritik selbst wieder kritischen
Reflexionen zugänglich ist. Entgegen der historischen Zuordnung von Schein,
wäre auch das Bild des „ self-actualizing man “ wieder stärker ins Blickfeld zu
rücken, da es sich dabei um ein von den Inhalten her „ ? bislang unüberholt
gebliebene[s] Menschenbild ? “ (Kleinfeld, 1998,
S. 209) handelt, das auch viele Berührungspunkte zu aktuellen personalwirtschaftlichen
Themenbereichen wie z.B. selbstorganisierende Gruppen aufweist. Menschenbilder
bergen generell die latente Gefahr in sich, als Rechtfertigung bzw. Apologien
im Sinne von „ geglaubten “ oder „ benutzten “ Menschenbildern insbesondere von Führungskräften
interessenorientiert instrumentalisiert bzw. vereinnahmt zu werden.
Die vorliegenden empirischen Untersuchungen haben bestätigt,
dass Menschenbilder nicht fiktiv, sondern durchaus real sind, wenn auch nicht
in Form von Idealbildern. Allein dies rechtfertigt schon ihre Existenz. Wie den
Idealtypen aber ihre fehlende empirische Grundlage entgegengehalten werden
kann, sind auch die vorhandenen Untersuchungen aufgrund von methodischen
Problemen (z.B. schwierige Messbarkeit von Menschenbildern und Interpretationsprobleme
aufgrund der Abgabe sozial erwünschter Antworten) nur als bedingt aussagefähig
einzustufen (vgl. Ridder, 1999,
S. 468 f.; Bögel,
/Rosenstiel, von, 1993, S. 255, 272). Ridder (Ridder, 1999,
S. 468) resümiert daher ernüchternd: „ Ob und in welcher Weise Menschenbilder
bei Führungskräften verankert sind und in welcher Weise sie die
personalwirtschaftlichen Instrumente beeinflussen, wird wohl weiterhin auf der
Basis von Alltagstheorien, Erfahrungen und Spekulationen entschieden werden. “
Als Fundamentalkritik kann die aus einer ethischen Motivation
heraus vorgetragene Überlegung eingestuft werden, wonach „ ? Menschenbilder in
der BWL dem Menschen nicht gerecht werden “ (Matthiesen, 1995,
S. 103), da sie eher von Nützlichkeitserwägungen als von echter Humanität
bestimmt seien (vgl. Matthiesen, 1995,
S. 103). In der Tat kann dem Menschen als Individuum durch ein typologisiertes
Bild nicht hinreichend Rechnung getragen werden, was auch unstrittig ist. So
stellt z.B. auch Kappler fest, dass „ ? der Mensch nicht hinreichend effizient
auf ein Menschenbild reduziert werden kann, weil er Individuum ist ? “ (Kappler , 1992,
Sp. 1338). Im Rahmen der Menschenbilddiskussion formulierte Postulate wie
„ echte Humanität “ , wie dies von Matthiesen (Matthiesen, 1995)
mit dem Entwurf einer sozialökonomischen Betriebswirtschaftslehre geäußert
wurde, sind sehr „ bedenkenswert “ . Davon unberührt muss aber festgestellt
werden, dass die reale Welt der Betriebswirtschaften (zu) oft eine andere ist.
Mit Ridder ist hier zu konstatieren, dass sich eine auf Mensch und Natur
bezogene Betriebswirtschaftslehre nicht gegen die herrschende
Betriebswirtschaftslehre durchsetzen kann, solange sich nicht die Praxis ändert
(vgl. Ridder, 1990,
S. 285).
V. Personalwirtschaftliche
Implikationen
Personalwirtschaft, theoretisch wie praktisch, ist ohne
Menschenbilder nicht denkbar. „ Im Bereich personalwirtschaftlichen Gestaltens
und Handelns haben Menschenbilder außerordentlich weitreichende Konsequenzen “ (Schanz, 2000,
S. 58). Dies manifestiert sich schon in den unterschiedlichen Grundströmungen
der Personalwirtschaftslehre. Verhaltenswissenschaftlich geprägte Beiträge
akzentuieren das motivierbare Individuum und fokussieren z.B. die Idee der
personalwirtschaftlichen Individualisierung mit praktischen Anknüpfungspunkten
wie Cafeteria-Systeme
etc. Stärker durch ein personalökonomisches Grundverständnis geprägte Beiträge
stellen den kalkuliert (rational, ökonomisch bis hin zu opportunistisch)
handelnden Mitarbeiter in den Vordergrund mit entsprechenden Implikationen für
ihr Forschungsprogramm. Damit lassen sich in Personalwirtschaftslehren nicht
nur Spurenelemente von Menschenbildern nachweisen, sondern sie tragen für sie
konstitutiven Charakter.
Menschenbilder bleiben aber nicht nur auf die theoriebezogene
Personalwirtschaftslehre beschränkt, sondern weisen auch nachhaltige
praxisrelevante Implikationen auf. Unmittelbar offenbar wird dies im Feld der
Personalführung. Welcher Führungsstil praktiziert wird, welches Führungsmodell
in der jeweiligen Unternehmung gewählt wird, ist nicht zu einem geringen Grad
vom Menschenbild der Entscheidungsträger abhängig. Das in der Praxis
mittlerweile weit verbreitete Führungsmodell „ Management by Objectives “ geht
z.B. in seiner kooperativen Variante von ganz bestimmten Prämissen menschlichen
Verhaltens wie etwa einer ausgeprägten Eigenmotivation und -initiative der
Mitarbeiter bei Zielfindungs- und -erreichungsprozessen aus.
Die Personalauswahl
wird von den Menschenbildern der Auswählenden mittelbar und unmittelbar
bestimmt. Eine alleinige „ objektive “ Personalauswahl anhand festgelegter
Anforderungskriterien ist eine Fiktion. Die in der Praxis geäußerten
Vorstellungen „ der neue Mitarbeiter muss zu uns passen “ oder „ die Chemie muss
stimmen “ , sind ein Beleg dafür. Mit Menschen sind per se auch Menschenbilder
präsent. Dies wirkt sich auch in nachhaltiger Form bei der Personalbeurteilung
aus und führt zu unterschiedlichen Beurteilungsmaßstäben mit nur bedingter
Vergleichbarkeit. Die Anreizsystemgestaltung von Unternehmungen und z.B.
konkret die Bedeutungszumessung immaterieller Komponenten ist Ausdruck des
Bildes eines in bestimmter Weise motivierbaren Mitarbeiters. Auch die
Grundannahmen der Personalentwicklung
und Organisationsentwicklung
sind stark von Menschenbildern beeinflusst, z.B. des entwicklungsfähigen und
-bereiten Mitarbeiters.
Menschenbilder sind auch vor einem übergeordneten kulturellen
Kontext zu betrachten: Die vorgestellten idealtypischen Menschenbilder werden
in verschiedenen Kulturräumen/Nationen unterschiedlich interpretiert und
ausgelegt, erfahren durch die jeweilige unternehmungskulturell überformte
Deutung eine weitere Konkretisierung und Spezifizierung und weisen zuletzt auch
noch einen höchst individuellen Charakter auf. Ihre Kalkulierbarkeit als
handlungsleitende „ Hinterkopftheorie “ für personalwirtschaftliche
Gestaltungsakte ist damit begrenzt, trotz aller Bemühungen um den
„ Organisationsmenschen “ mit einem möglichst hohen Grad an Commitment.
VI. Ausblick
Die Menschenbilddiskussion sollte in der Zukunft nicht nur
auf eine empirische Bestätigung ausgerichtet sein, da diese schnell in die
Sackgasse empiristischer Datengläubigkeit führen kann. Sie sollte vielmehr auch
inhaltlich-theoretisch vor dem Hintergrund zukunftsweisender Denkrichtungen im
Management- und Personalbereich (z.B. vertrauensorientierte Führung)
fortgeführt werden. Theoretisch wie empirisch ist damit die Diskussion über
Menschenbilder noch nicht „ ausgereizt “ , sie wird es angesichts der permanenten
Wandlungstendenzen auch nie sein.
Menschenbilder sind keine Dogmen. Sie sind – zumindest in
ihrer idealisierten Ausprägung – keinesfalls unverrückbare und omnipotente
Orientierungspunkte personalwirtschaftlicher Gestaltungs- und Handlungsakte.
Ein Stück weit – wenn nicht noch mehr – werden sich Manager immer ihre Welt
selber zurechtlegen (vgl. Ridder, 1999,
S. 469), orientiert an Menschenbildern oder nicht.
Literatur:
Bögel, R./Rosenstiel, L. von : Bilder
von Menschen in den Köpfen der Macher: Der Einfluß von Menschenbildern auf die
personale und materiale Gestaltung der Arbeitssituation, in: Innovation und
Beharrung in der Arbeitspolitik, hrsg. v. Strümpel, B./Dierkes, M., Stuttgart
1993, S. 243 – 276
Kappler, E. : Menschenbilder, in:
Handwörterbuch des Personalwesens, hrsg. v. Gaugler, E./Weber, W., 2. A.,
Stuttgart 1992, Sp. 1324 – 1342
Kissler, L. : Partizipation als
Ethikproblem. Eine Annäherung auf der Grundlage der Beteiligungspraxis in der
deutschen und französischen Automobilindustrie, in: Markt und Moral. Die
Diskussion um die Unternehmensethik, hrsg. v. Forum für Philosophie, , Bern et
al. 1994, S. 309 – 350
Kleinfeld, A. : Persona Oeconomica:
Personalität als Ansatz der Unternehmensethik, Heidelberg 1998
Knowles, H. P./Saxberg, B. O. : Human
Relations and the Nature of Man, in: HBR, Jg. 45, H. 2/1967, S. 22 – 40, 172 – 178
Kuhn, T. : Vom Arbeitnehmer zum
Mitunternehmer. Anmerkungen zur Intention, Begründung und Umsetzung eines
Transformationsvorhabens, in: ZfP, Jg. 11, H. 2/1997, S. 195 – 220
Matthiesen, K. H. : Kritik des
Menschenbildes in der Betriebswirtschaftslehre, Bern et al. 1995
McGregor, D. : The Human Side of
Enterprise, New York 1960
McGregor, D. : Der Mensch im
Unternehmen, Hamburg 1986
Müller, G. F. : Menschenbilder in der
Organisationspsychologie: Kritik und Perspektiven, in: Psychologie &
Gesellschaftskritik, Jg. 13, H. 3/1989, S. 61 – 71
Neuberger, O. : Führen und geführt
werden, 5. A., Stuttgart 1995
Ridder, H. G. : Technologische
Entwicklungen und Kontinuität der Betriebswirtschaftslehre, Bern et al. 1990
Ridder, H. G. :
Personalwirtschaftslehre, Stuttgart et al. 1999
Schanz, G. :
Personalwirtschaftslehre, 3. A., München 2000
Schein, E. H. : Organizational
Psychology, Englewood Cliffs 1965
Schein, E. H. :
Organisationspsychologie, Wiesbaden 1980
Staehle, W. H. : Management, 8. A.,
München et al. 1999
Steinle, C. : Ganzheitliches
Management. Eine mehrdimensionale Sichtweise integrierter Unternehmensführung,
Wiesbaden 2005
Steyrer, J. : Menschenbilder bei
Führungskräften im Zusammenhang mit organisatorischen Werthaltungen und
psychosozialen Faktoren – Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, in:
Journal für Betriebswirtschaft, Jg. 38, H. 3/1988, S. 96 – 118
Weibler, J. : Personalführung,
München 2001
Weinert, A. B. : Menschenbilder in
Organisations- und Führungstheorien: Erste Ergebnisse einer empirischen
Überprüfung, in: ZfB, Jg. 54, H. 1/1984, S. 30 – 62
Weinert, A. B. : Organisationspsychologie,
4. A., Weinheim et al. 1998
Weinert, A. B./Langer, C. :
Menschenbilder: Empirische Feldstudie unter Führungskräften eines
internationalen Energiekonzerns, in: Die Unternehmung, Jg. 49, H. 2/1995, S.
75 – 90
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