Inhaltsübersicht
I. Bedeutung
und Charakterisierung von Kosteneinflussgrößen
II. Modellansätze
in der Kostenanalyse
III. Kosteneinflussgrößen
nach Gutenberg
I. Bedeutung und
Charakterisierung von Kosteneinflussgrößen
Zu den wichtigsten Aufgaben der Kostenrechnung zählen die Kostenplanung
und die Kostenkontrolle.
Während Erstere für geplante bzw. prognostizierte Beschäftigungen Sollkosten
auf der Basis geplanter Faktorpreise und kostenminimaler
Faktoreinsatzkombinationen vorgibt, obliegt der Kostenkontrolle die
nachträgliche Beurteilung, inwieweit Leistungserstellungsprozesse
wirtschaftlich koordiniert und durchgeführt wurden. Um diesen Aufgaben gerecht
werden zu können, müssen zunächst alle wesentlichen Kosteneinflussgrößen
aufgedeckt und systematisiert werden.
Kosteneinflussgrößen lassen sich zum einen nach dem Ort ihres
Entstehens gegeneinander abgrenzen. Kosten können in ihrer Höhe sowohl durch
dispositive oder ausführende Tätigkeiten im Produktionsbereich sowie in anderen
Unternehmensbereichen als auch durch externe Umweltbedingungen beeinflusst
werden. Mithin schließt sich die Frage an, von wem bzw. welcher
Organisationseinheit intern zu verantwortende Kostenentwicklungen zu
rechtfertigen sind. Dieses Problem versucht man unter anderem durch eine
geeignete Kostenstellenbildung organisatorisch in den Griff zu bekommen.
Kosteneinflussgrößen können zum anderen auch nach der Fristigkeit ihres Wirkens
unterschieden werden. Für einen gegebenen Planungshorizont ist dann zu klären,
welche Bestimmungsfaktoren disponibel und welche als Rahmenbedingungen
vorgegeben sind. Weiterhin ist zu prüfen, welche Kosteneinflussgrößen
mengen- und welche wertbezogen sind und inwieweit Interdependenzen zwischen den
Kosteneinflussgrößen bestehen können (vgl. Fandel, G.
1996, S. 221 f.).
II. Modellansätze in der
Kostenanalyse
Synthetisch orientierte
Denkansätze bedienen sich des Prinzips
der generalisierenden Abstraktion. Zum einen bezieht sich die Modellanalyse
auf das Gesamtunternehmen; zum anderen werden die komplexen Kostenwirkungen
lediglich über die als dominant eingestufte Beschäftigung erklärt. Andere Kosteneinflussgrößen
erfahren weder eine systematische Darstellung noch werden ihre Beziehungen zur
Beschäftigung analysiert (vgl. Heinen, E.
1981, S. 262 f.). Ein Vertreter dieses Denkansatzes ist Schmalenbach, der
hauptsächlich die formale Abhängigkeit der Kosten von der Beschäftigung
untersucht, andere Bestimmungsfaktoren aber als weniger bedeutend einstuft
(vgl. Schmalenbach,
E. 1925).
Analytisch orientierte
Denkansätze wenden das Prinzip der
isolierenden Abstraktion in zweifacher Hinsicht an. Einerseits beziehen
sich Kostenaussagen jeweils auf Teilbereiche des Gesamtunternehmens;
andererseits werden ausgewählte Einflussgrößen jeweils ceteris paribus
analysiert und vom Grundsatz her als gleich wichtig für das Kostenniveau
eingestuft (vgl. Heinen, E.
1981, S. 263 f.). Die wichtigsten Vertreter dieser Denkrichtung sind
Gutenberg und Kilger (vgl. Gutenberg, E.
1983, S. 344 ff.; Kilger, W.
1993, S. 133 ff.). Ihr Ziel besteht darin, die Vielzahl denkbarer
Kostenwirkungen durch eine Analyse wesentlicher Kostenbestimmungsfaktoren
überschaubar zu strukturieren.
Da in aller Regel nur die analytische Vorgehensweise eine
wirksame Kostenplanung und -kontrolle ermöglicht, wird den weiteren
Ausführungen das System der Kosteneinflussgrößen nach Gutenberg zugrunde gelegt
und die Kostenanalyse damit weitgehend auf den Produktionsbereich
eingeschränkt.
III. Kosteneinflussgrößen
nach Gutenberg
1. Betriebsgröße
Die Betriebsgröße eines Unternehmens beschreibt die
Gesamtheit der Produktionskapazitäten, die sich aus dem Umfang und der
qualitativen Beschaffenheit des verfügbaren Potenzialfaktorbestandes ergeben
(vgl. Fandel, G.
1996, S. 222). Deshalb sind Entscheidungen über eine Betriebsgröße
aufgrund ihrer langfristigen Ausrichtung und in der Planperiode schwankender
Beschäftigungen der Investitionsplanung
zuzurechnen. Aspekte einer investitionstheoretischen Kostenrechnung bleiben
hier unberücksichtigt (vgl. Schweitzer,
M./Küpper, H.-U. 1998, S. 211 ff.). Es wird eine für jede
Planperiode des Planungshorizonts gleich bleibende Beschäftigung unterstellt
und von Zeitpräferenzen abstrahiert.
a) Arten
von Betriebsgrößenänderungen
Unter einer multiplen
Betriebsgrößenänderung versteht man eine Veränderung eines gegebenen
Bestandes verfahrensgleicher Anlagen. Eine kapazitive Vergrößerung ist somit
ausschließlich auf die Erweiterung der Betriebseinheiten auf „ ein zusätzliches
Vielfaches “ (Gutenberg, E.
1983, S. 423) des ursprünglichen Anlagenbestandes zurückzuführen. Die
kapazitätsabhängigen Kosten steigen somit für jedes neu angeschaffte Aggregat
um einen sprungfixen Betrag in jeweils gleicher Höhe, während sich die
beschäftigungsabhängigen Kosten pro Stück nicht verändern. Bei einer Demontage
verfahrensgleicher Aggregate werden beschäftigungsabhängige Kosten sofort
abgebaut, während sich kapazitätsabhängige Kosten häufig nur mit zeitlichen
Verzögerungen an abnehmende Ausbringungsmengen anpassen lassen. Das bezeichnet
man auch als Kostenremanenz (vgl. (Fandel, G.
et al. 1999, S. 22). Entscheidungen über Betriebsgrößenanpassungen müssen hier
nur auf der Grundlage von Informationen über die verfügbaren Kapazitäten und
die erwarteten Beschäftigungen getroffen werden, da kein Auswahlproblem
besteht. Durch die nicht beliebige Teilbarkeit von Produktionsanlagen lassen
sich aber die bereitgestellten Kapazitäten meistens nicht vollständig mit den
nachgefragten Kapazitäten abstimmen.
Bei einer mutierenden
Betriebsgrößenänderung werden andere als die bisher verwendeten
Produktionstechniken eingesetzt. Neuere Verfahren besitzen naturgemäß ein
besseres Leistungsvermögen bei im Regelfall höheren kapazitätsabhängigen und
niedrigeren beschäftigungsabhängigen Kosten. Deshalb sind zusätzlich die
Kostenstrukturen und Kapazitäten der zur Auswahl stehenden Verfahren entscheidungsrelevant.
Dagegen sind bei der Demontage von Produktionsanlagen die variablen Kosten und
nur die innerhalb des Planungshorizonts abbaufähigen kapazitätsabhängigen
Kosten in die Überlegungen mit einzubeziehen. Auswahlentscheidungen werden durch
die nicht beliebige Teilbarkeit von Produktionsanlagen erschwert, weil man nur
bei beliebiger Teilbarkeit in einem gewissen Umfang unter ausschließlicher
Berücksichtigung beschäftigungsabhängiger Kosten entsprechend dimensionierte
Kapazitätseinheiten zukaufen bzw. demontieren kann (vgl. Gutenberg, E.
1983, S. 430).
b) Problembereiche
bei Betriebsgrößenänderungen
-
Kostenstrukturwirkungen:
Erst ab einer bestimmten Größe können kapitalintensive
Produktionsanlagen wirtschaftlich eingesetzt werden. Deshalb zeichnen sich
große Betriebseinheiten im Regelfall durch einen hohen Anteil
kapazitätsabhängiger Kosten aus. Da diese kurzfristig nicht abgebaut werden
können, verändern sich bei Beschäftigungsschwankungen die totalen Stückkosten
großer Betriebseinheiten stärker als die kleiner Betriebseinheiten.
Kapitalintensive Produktionen bergen also einerseits ein höheres Risiko in
sich, andererseits können die mit einer Beschäftigungsdegression verbundenen
Chancen besser genutzt werden. Auf die Absatzmarktentwicklung kann ein
Unternehmen bestenfalls begrenzt Einfluss nehmen.
-
Harmonisierung der Betriebsmittel:
Wegen der nicht beliebigen Teilbarkeit von Produktionsanlagen
entsteht bei mehrstufiger Fertigung das Problem der Harmonisierung von
Teilkapazitäten, die selbst mit Blick auf ein gegebenes Produktionsprogramm in
aller Regel nicht möglich sein wird. Die Erweiterung von Engpasskapazitäten
kommt demzufolge einer disharmonischen Betriebsgrößenanpassung gleich. Der Grad
der Harmonisierung bestimmt maßgeblich den Auslastungsgrad der
Produktionsstufen (vgl. Gutenberg, E.
1983, S. 427 f.).
2. Beschäftigung
Die Beschäftigung ist eine kurzfristige Einflussgröße, da man
von einer gegebenen kapazitiven Ausstattung ausgeht. Als Maßgröße verwendet man
die in einer Planperiode ausgebrachten Produktionsmengen, die in aller Regel
wegen der Vielzahl unterschiedlicher Leistungen über geeignete Bezugsgrößen
gleichnamig gemacht werden müssen (vgl. (Fandel, G.
et al. 1999, S. 137 ff.; Kilger, W.
1976, S. 163 ff.). Von diesem Problem wird im Folgenden abstrahiert.
Grundsätzlich entfaltet die Beschäftigung Kostenwirkungen bei den Gebrauchs-
und den Verbrauchsfaktoren.
Gebrauchsfaktoren stellen Nutzungspotenziale dar, die über
einen längeren Zeitraum in der Leistungserstellung aufgezehrt werden und im
Wesentlichen einem Zeit- und Gebrauchsverschleiß unterliegen können. Nur
Letzterer ist beschäftigungsabhängig und führt zudem zu höheren Reparatur- und
Wartungskosten bei verstärkter Inanspruchnahme. Darüber hinaus ist die
Beschäftigung bei flexibel disponierbaren Potentialfaktoren ein bedeutender
Kostenbestimmungsfaktor, weil nur dann jederzeit ein zweckgerichteter Einsatz
möglich ist. Das aber hängt von Eigenschaften der Potenzialfaktoren wie ihrer
Teilbarkeit, universellen Einsetzbarkeit oder Abbaubarkeit innerhalb des
Planungshorizontes ab (vgl. Kilger, W.
1993, S. 138 f.).
Verbrauchsfaktoren gehen dagegen durch einmaligen Einsatz in
der Produktion unter. Unabhängig von den produktiven Gesetzmäßigkeiten zwischen
Input- und Outputmengen werden die Verbrauchsfaktoren entweder in festen oder
in variablen Mengenrelationen in der Produktion eingesetzt.
Sofern Verbrauchsfaktoren fester Bestandteil eines Produktes
sind, kann man – der Denktradition von Leontief, W.W. folgend – feste
Einsatzrelationen unterstellen. Selbst bei Existenz mehrerer effizienter
Prozesse verläuft die Kostenfunktion immer linear (vgl. Fandel, G.
1996, S. 272 f.). Wenn dagegen Verbrauchsfaktoren lediglich der
Aufrechterhaltung eines Produktionsprozesses dienen, dann besteht auch über die
Intensität und die Einsatzzeit einer Maschine ein indirekter Zusammenhang
zwischen Ausbringungsmengen und Faktorverbräuchen an dieser Maschine. Das hat
Gutenberg mit seiner Theorie der Verbrauchsfunktionen eingehend begründet (vgl.
Gutenberg, E.
1983, S. 326 ff.). Mithin lässt sich sowohl ein direkter Mengeneffekt als
auch ein indirekter Verfahrensänderungseffekt zwischen Beschäftigung und
bewerteten Faktoreinsatzmengen herstellen. Einerseits beeinflusst die
Beschäftigung die bewerteten Faktoreinsatzmengen über ihre
Faktoreinsatzrelationen; andererseits lassen sich für gegebene Beschäftigungen
kostenminimale Anpassungsstrategien der Betriebsmittel mit den daraus
resultierenden bekannten Kostenverläufen bestimmen. Einen Überblick über die
bisher entwickelten methodischen Ansätze zur Lösung dieses
Verfahrenswahlproblems bietet Fandel (vgl. Fandel, G.
1996, S. 289 ff.).
Bei substitutionalen Produktionsbeziehungen können abhängig
von den Eigenschaften der zugrunde liegenden Produktionsfunktion sowohl lineare
als auch nicht-lineare Kostenfunktionen auftreten. Ein Überblick findet sich
bei Schumann (vgl. Schumann, J.
1992, S. 161 ff.).
3. Fertigungsprogramm
Das Fertigungsprogramm eines Unternehmens umfasst die in
einer Planperiode herzustellenden Produktarten und -mengen innerhalb
langfristig festgelegter Produktfelder. Es ist eine originäre
Kosteneinflussgröße, da ein marktgerechtes Fertigungsprogramm die Anforderungen
an Produktionsprozesse definiert. Wenngleich nur eine simultane Koordination
aller Teilbereiche des Unternehmens sowie der Produktionsplanung theoretisch
ideal ist (vgl. Gutenberg, E.
1983, S. 445 f.), wird aufgrund der Problemkomplexität in aller Regel
sukzessiv geplant. Neben den oben erläuterten Auswirkungen auf die bewerteten
Faktoreinsatzmengen entfaltet die Zusammensetzung und technische Beschaffenheit
eines Fertigungsprogramms weitere Kostenwirkungen, die im Folgenden erläutert
werden.
a) Auftragsgrößenplanung
Die Notwendigkeit zur Bestimmung von Auftragsgrößen ist
insbesondere bei Serien- und Sortenfertigung gegeben (zur Typologisierung von
Produktionen vgl. Zäpfel, G.
1982, S. 15 ff.). Es ist darüber zu entscheiden, wie viele
Mengeneinheiten der einzelnen Aufträge die Produktionsanlagen jeweils ohne
Unterbrechung durchlaufen (vgl. Fandel,
G./Francois, P./Gubitz, K.-M. 1997, S. 310). Durch die
Festlegung von Losgrößen und die daraus resultierende Anzahl von Losen werden
folgende Kosten beeinflusst (vgl. Adam, D.
1998, S. 477 f.):
-
Auflagenfixe Kosten umfassen einerseits bewertete
Faktorverbräuche bei den Umrüstungen der Produktionsanlagen. Die Höhe der
dabei entstehenden Lohn-, Material-, Werkzeug- und Energiekosten wird
maßgeblich von der konstruktiven Beschaffenheit der aufeinanderfolgenden
Produkte und den technischen Eigenschaften der Maschinen bestimmt.
Andererseits können auch noch Anlaufkosten durch erhöhte Faktorverbräuche
direkt nach einer Umstellung entstehen. Letztere sind allerdings nur dann
auflagenfix, wenn das Los nicht innerhalb der Anlaufzeit fertiggestellt
werden kann.
-
Lagerkosten hängen im Wesentlichen von den
durchschnittlichen Lagerbeständen während einer Planperiode, den Lagerzeiten
und den Lagerkostensätzen ab. Letztere werden durch den Wert eines
(End-)Produkts und die Art der Lagerung bestimmt (vgl. Kilger, W.
1993, S. 545 f.). Dagegen hängen die durchschnittlichen Lagerbestände
außer von den Losgrößen auch noch von den Lagerzugangs- und
Lagerabgangsgeschwindigkeiten sowie dem jeweiligen Produktions- und
Absatzbeginn ab.
b) Zeitliche
Verteilung des Fertigungsprogramms
Insbesondere bei dynamischer Betrachtungsweise stellt sich
gegebenenfalls die Frage, inwieweit Produktionen an Nachfrageschwankungen
innerhalb einer Planperiode angepasst werden sollten. Eine Emanzipation der
Fertigung ist tendenziell mit höheren Lagerkosten bei gleichzeitig niedrigeren
Produktionskosten verbunden, während sich bei synchronisierter Fertigung die
Verhältnisse umdrehen (vgl. Zäpfel, G.
1982, S. 140 ff.). Die Produktionskosten sind im Hinblick auf die
zeitliche Verteilung eines Fertigungsprogramms nur dann entscheidungsrelevant,
wenn sich ein Unternehmen entweder zeitlich und intensitätsmäßig oder mit
kostenverschiedenen Maschinen lediglich zeitlich und quantitativ an
unterschiedliche Kapazitätsnachfragen anpassen kann; zudem müssen die
verfügbaren Kapazitäten zur Deckung von Spitzenbedarfen ausreichen (vgl. Adam, D.
1998, S. 525).
c) Zeitliche
Ablaufplanung
In der Ablaufplanung entstehen zum einen Zwischenlagerkosten,
die insbesondere von der Höhe des in den (Zwischen-)Produkten gebundenen
Kapitals beeinflusst werden. Zum anderen können reihenfolgeabhängige Rüstkosten
anfallen, die bereits oben erläutert wurden. Darüber hinaus vereinbart man
häufig Konventionalstrafen für Terminüberschreitungen. Die Höhe der
vorgenannten Kostenarten wird auch
von der Art und den Eigenschaften eines Fertigungsprogramms beeinflusst. Die
Zwischenlager- und die reihenfolgeabhängigen Rüstkosten sind meistens nicht
quantifizierbar. Deshalb stehen in der Ablaufplanung technische Ersatzziele,
wie z.B. die Minimierung von Auftragsdurchlaufzeiten und Maschinenleerzeiten,
im Vordergrund (vgl. Fandel,
G./Francois, P./Gubitz, K.-M. 1997, S. 315 f.).
4. Faktorpreise
Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die
Beschaffungsseite; Absatzmarktpreise und Beschäftigung sind vorgegeben. Auf der
Beschaffungsseite sind idealtypisch unter anderem folgende Verhältnisse
denkbar: Zum einen fungiert ein Nachfrager aufgrund seines geringen Anteils an
der Gesamtnachfrage lediglich als Mengenanpasser an einen gegebenen
Faktorpreis. Zum anderen entspricht die Faktorpreisfunktion eines
Nachfragemonopolisten der gesamtwirtschaftlichen Angebotsfunktion und verläuft
streng monoton steigend (vgl. Gutenberg, G.
1983, S. 418; Schumann, J.
1992, S. 296 f.). Weiterhin kann sich in einem bilateralen Monopol beispielsweise
aufgrund ausgehandelter Mengenrabatte eine streng monoton fallende
Faktorpreisfunktion einstellen. Das ist allerdings nicht zwangsläufig, weil ein
Verhandlungsergebnis von der relativen Machtposition und vom strategischen
Verhalten der Partner abhängt (vgl. Schumann, J.
1992, S. 300 ff. Spieltheorie).
Die Kosten werden nun von einem Faktorpreissystem in
zweifacher Hinsicht beeinflusst (vgl. Fandel, G.
1996, S. 225 f.):
1) Der direkte Preiseffekt bei sich ändernden Faktorpreisen
und gleich bleibenden Faktoreinsatzmengen ist offensichtlich.
2) Darüber hinaus besteht ein indirekter Kosteneffekt über
das Mengensystem, weil erst in Kenntnis eines Faktorpreissystems die
kostenminimalen Faktoreinsatzmengen bestimmt werden können.
Bei Linear-Limitationalität
kann eine Endproduktmenge nur in einem durch den Fertigungsprozess fest
vorgegebenen Verhältnis der Inputmengen effizient hergestellt werden (vgl. Fandel, G.
1996, S. 90). Mithin ist bei monoton steigenden Faktorpreisfunktionen die
effiziente Faktorkombination immer kostenminimal. Sofern aber mindestens eine
Faktorpreisfunktion streng monoton fallend verläuft, kann auch eine
ineffiziente Produktion kostenminimal sein. Das ist immer dann der Fall, wenn
der kostensteigernde Mengeneffekt aufgrund ineffizienter Faktoreinsätze durch den
kostensenkenden Preiseffekt infolge niedrigerer durchschnittlicher Faktorpreise
überkompensiert wird. Bei Substitutionalität
kann durch die ausschließliche Veränderung einer Faktoreinsatzmenge das
Produktionsvolumen beeinflusst werden. Also sind die zur Herstellung einer
bestimmten Endproduktmenge benötigten Produktionsfaktoren in gewissem Umfang
gegeneinander austauschbar (vgl. Adam, D.
1998, S. 291). Wenn die Produktionsfaktoren 1, ?, J kostenminimal
eingesetzt werden sollen, lassen sich über die Amoroso-Robinson-Formel folgende Bedingungen herleiten (vgl. Schumann, J.
1992, S. 370 f.):
Mit dem Faktorpreissystem (q1(r1), ..., qJ(rJ)) können die Preiselastizitäten berechnet
werden. Damit greifen die Faktorpreise „ als Regulativ in den an sich
technischen Kombinationsprozess ein [?] “ (Gutenberg, E.
1983, S. 315 f.). Wie man leicht sieht, stimmen bei Mengenanpassern im
Falle einer kostenminimalen Faktorallokation die Verhältnisse der
Grenzproduktivitäten mit denen der Faktorpreise überein, weil sie mit unendlich
hohen Angebotselastizitäten auf ihren Faktormärkten konfrontiert werden.
Bisher wurde von Interdependenzen zwischen Faktorpreisen und
-qualitäten abstrahiert. Im Folgenden wird diese Prämisse aufgehoben.
5. Faktorqualitäten
Die Faktorqualität lässt sich durch die Eignung eines Produktionsfaktors
hinsichtlich seiner Verwendbarkeit in der Leistungserstellung beschreiben. Als
Eignungskriterium wird die Faktorproduktivität herangezogen, wenngleich diese
auch von anderen Produktionsfaktoren beeinflusst und dadurch die
Aussagefähigkeit eingeschränkt wird. Dispositive Faktoren spielen hierbei eine
bedeutende Rolle, weil sie die gesamte Koordination der Elementarfaktoren
durchführen und auf deren zweckgebundene Eignung einwirken. Der Einfluss von
Faktorqualitäten auf das Kostenniveau lässt sich nur dadurch herausarbeiten,
dass man nach der Dauer und Intensität von Veränderungen differenziert. Dabei
kann man im Wesentlichen wie folgt unterscheiden (vgl. Gutenberg, E.
1983, S. 394 ff.):
-
Faktorqualitäten können im Zeitablauf oszillativen Schwankungen unterliegen.
Diese sind nicht bewusst herbeigeführt und treten bei Produktionsfaktoren mit
der gleichen Zweckbestimmung eher zufällig auf. Beispielsweise sind bei
Arbeitskräften mit der gleichen nominellen Qualifikation Leistungsfähigkeit
und -wille tagesformabhängig ausgeprägt; artgleiche Rohstoffe können in ihrer
physikalischen Beschaffenheit voneinander abweichen. Kosten werden hierdurch
kaum beeinflusst, weil sich derartige Produktivitätsschwankungen im
Zeitablauf ausgleichen (vgl. Gutenberg,
E. 1983, S. 397).
-
Dagegen werden stetige
Anpassungen der Faktorqualitäten unternehmensseitig über einen längeren
Zeitraum hinweg zielgerichtet vorgenommen. Beispielsweise können mit wachsender
Fertigungsstückzahl Lerneffekte bei den Arbeitskräften auftreten, die zu
höheren Arbeitsgeschwindigkeiten bei gleichzeitig sinkenden
Materialverbräuchen führen. Dieser induzierte technische Fortschritt wird
allgemein als „ Lerngesetz der Produktion “ bezeichnet (vgl. Fandel, G.
1996, S. 166 ff.) und kann
eine Ursache für empirisch ermittelte Erfahrungskurven sein. Ferner liegen
bei Betriebsmitteln stetige Veränderungen immer dann vor, wenn durch
Ersatzinvestitionen ein Maschinenpark allmählich verbessert, aber in seiner
technischen Beschaffenheit nicht grundlegend umstrukturiert wird. Insgesamt
ist bei stetigen Qualitätsveränderungen von einem bedeutenden Einfluss auf
die Höhe der (Produktions-)Kosten auszugehen (vgl. Gutenberg,
E. 1983, S. 401).
-
Mutative
Veränderungen der Faktorqualitäten liegen immer dann vor, wenn eine
Leistungserstellung von Grund auf neu ausgerichtet wird. Das kann durch
geänderte Markterfordernisse infolge autonomen technischen Fortschritts
motiviert sein. Ein Beispiel sind Leichtmetalle, die aufgrund ihrer
physikalischen Eigenschaften herkömmliche Werkstoffe in vielen Bereichen der
Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie verdrängt haben. Weitere Beispiele
finden sich im Bereich der Fertigungsreorganisation zur Erhöhung der
Einsatzflexibilität (z.B. Erweiterung der Betriebsmittel um flexible
Fertigungssysteme). Auch mutative Veränderungen sind häufig mit großen
Auswirkungen auf die gesamten Kosten verbunden (vgl. Gutenberg,
E. 1983, S. 401).
Aus produktionstheoretischer Sicht definieren veränderte
Faktorqualitäten unterschiedliche Produktionsprozesse, weil die
Faktorproduktivitäten variieren. Unabhängig davon beeinflussen spürbare und
dauerhafte Qualitätsänderungen auch die Faktorpreise. Da sich Faktorqualitäten
im Mengen- sowie im Wertgerüst normalerweise in entgegengesetzter Richtung
auswirken, lässt sich im Allgemeinen nicht sagen, in welche Richtung sich die
Kosten entwickeln.
Literatur:
Adam, Dietrich :
Produktionsmanagement, Wiesbaden, 9. A., 1998
Fandel, Günter :
Produktion I – Produktions- und Kostentheorie, Berlin et al., 5. A., 1996
Fandel, Günter/Francois,
Peter/Gubitz, Klaus-Martin : PPS – und integrierte betriebliche Softwaresysteme,
Berlin et al., 2. A., 1997
Fandel, Günter/Heuft,
Birgit/Paff, Andrea/Pitz, Thomas : Kostenrechnung, Berlin et al. 1999
Gutenberg, Erich :
Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Bd. 1, Berlin et al., 24. A.,
1983
Heinen, Edmund :
Produktions- und Kostentheorie, in: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, hrsg.
v. Jacob, Herbert, Wiesbaden, 4. A., 1981, S. 205 – 295
Kilger, Wolfgang :
Flexible Plankostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung, Wiesbaden, 10. A.,
1993
Kilger, Wolfgang :
Einführung in die Kostenrechnung, Opladen 1976
Schmalenbach, Eugen :
Grundlagen der Selbstkostenrechnung und Preispolitik, Leipzig 1925
Schumann, Jochen :
Grundzüge der mikroökonomischen Theorie, Berlin et al., 6. A., 1992
Schweitzer,
Marcell/Küpper, Hans-Ulrich : Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, München,
7. A., 1998
Zäpfel, Günther :
Produktionswirtschaft – Operatives Produktionsmanagement, Berlin, New York 1982
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