Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Verständnis von Mikropolitik
II. Organisationale
Machtbeziehungen und Machtstrategien
III. Organisationale
Machtspiele und Machtinstitutionalisierung
IV. Kritik,
Erweiterungen und Anwendungen des mikropolitischen Ansatzes
I. Begriff und
Verständnis von Mikropolitik
Der Begriff „ Mikropolitik “ ( „ micropolitics “ ) wurde Anfang der
1960er-Jahre von Burns (Burns, Tom
1962) in die Debatte eingebracht, im deutschen Sprachraum zunächst durch
Beiträge von Bosetzky (Bosetzky,
Horst 1977) verbreitet und Mitte der 1980er-Jahre von Küpper und
Ortmann unter Bezug auf die Strategische Organisationsanalyse von Crozier und
Friedberg (Crozier,
Michel/Friedberg, Erhard 1979) zur Markierung eines umfassenden
Forschungsansatzes in die betriebswirtschaftliche Diskussion eingeführt (vgl. Küpper,
Willi/Ortmann, Günther 1986; Küpper,
Willi/Ortmann, Günther 1992; Ortmann,
Günther et al. 1990; Ortmann,
Günther 1995; vgl. auch den Überblick bei Alt, Ramona
2001 und Heinrich,
Peter/Schulz zur Wiesch, Jochen 1998).
Zur Klärung des Begriffs „ Mikropolitik “ ist es hilfreich,
zwischen einem aspektualen und einem konzeptualen Verständnis zu unterscheiden.
Beim aspektualen Verständnis wird auf einen bestimmten Typ organisationalen
Handelns fokussiert, der sich durch den Einsatz sog. mikropolitischer Techniken
auszeichnet. Beispiele für solche Techniken sind Informationsverfälschung,
Vernichtung von Unterlagen, Falschablagen, Erschweren oder Kappen von
Kommunikationsmöglichkeiten, Anschwärzen, Intrigieren, Platzierung von
Spitzeln, Geltendmachung von Besitzständen, Ausdehnung von Regeln, Bildung
verdeckter Koalitionen, Pflege von Geheimzirkeln, Bildung von Seilschaften und
Promotionsbündnissen, Selbstinszenierung, Schwejkismus, Sabotage,
Emotionalisierung, Schikanierung (vgl. Neuberger,
Oswald 1995, S. 124 ff.). Der geschickte Umgang mit solchen
„ Mikro-Techniken “ wird meist mit einem bestimmten Persönlichkeitstyp (dem Mikropolitiker)
in Verbindung gebracht, der in Organisationen auch gegen den Widerstand anderer
Organisationsmitglieder in machiavellistischer Manier „ seine Politik “ betreibt,
um in egoistischer Absicht Vorteile zu erringen (zu einer solchen Typologie
vgl. Bosetzky,
Horst 1992). Aus der Systemperspektive erscheint Mikropolitik
hiernach als eine Art konspiratives Phänomen und potenzielle Störgröße, die
z.T. die formalstrukturelle Handlungssteuerung (z.B. mittels Regeln, Plänen,
positionaler Weisungsautorität) unterläuft (vgl. Ackroyd,
Stephen/Thompson, Paul 1999).
Im konzeptualen Verständnis wird mikropolitisches Handeln
nicht als spezifische, temporäre und isolierbare Kategorie interaktiven
Handelns begriffen, sondern alles organisationale Handeln wird als
interessengeleitetes, politisches Handeln gefasst. Damit sind sowohl offizielle
unternehmenspolitische Entscheidungen als auch alle Handlungen im Gefolge der
Umsetzung der Unternehmenspolitik sowie sämtliche Aktivitäten, die auf welche
Weise auch immer dieser Politik widersprechen, als mikropolitisches Handeln zu
interpretieren. Dieses Handeln macht in dem Deutungsrahmen der jeweils
involvierten Akteure dadurch Sinn, dass keine bessere Handlungsalternative für
die Verfolgung der eigenen Interessen aktiviert werden kann. Für
organisationale Handlungssituationen sind Handlungsinterdependenzen und hieraus
folgende strategische Unsicherheiten konstitutiv, d.h. die Abhängigkeit der
Handlungsmöglichkeiten und Handlungsergebnisse eines Akteurs von den Handlungen
anderer Akteure, die zwar nicht zufällig, aber ex ante unbestimmt sind. Im
konzeptualen Verständnis von Mikropolitik wird der traditionelle Dualismus von
Handlung und Struktur zugunsten der Dualität von Strukturen aufgegeben: Strukturen
sind zugleich Ergebnis und Medium des Handelns; sie ermöglichen und beschränken
Handlungen, die ihrerseits Strukturen reproduzieren oder verändern.
Interaktives organisationales Handeln ist stets kontingent, d.h. abhängig vom
(macht-)strukturierten Kontext (den vorhandenen Möglichkeiten, Ressourcen und
Zwängen) und zugleich autonom. Strukturen werden nicht außerhalb von
Handlungskontexten gedacht; sie werden im mikropolitischen Handeln generiert,
reproduziert und modifiziert. In diesem Sinne ist der mikropolitische Ansatz
ein um die Systemperspektive erweiterter handlungstheoretischer Ansatz, der
konsequent von der Perspektive Interessen verfolgender Akteure ausgeht, um das
Organisationsgeschehen als Gesamtheit von Struktur und Handlung verknüpfender
Prozesse zu erklären. In diesen Prozessen erzeugen, nutzen und sichern Akteure
Machtquellen, um ihre Autonomiezonen aufrechtzuerhalten bzw. zu erweitern;
zugleich wird hierdurch kollektives Handeln ermöglicht und reguliert (vgl. Brüggemeier,
Martin/Felsch, Anke 1992, S. 135; Felsch,
Anke/Brüggemeier, Martin 1998, S. 348 f.; zur Umsetzung des
konzeptualen Verständnisses vgl. Brüggemeier,
Martin 1998; Hahne, Anton
1998; Haunschild,
Axel 1998).
Demgegenüber kann das aspektuale Verständnis von Mikropolitik
mit seinen eigenschaftstheoretischen Implikationen und dem Rekurs auf
informelles Handeln nicht systematisch klären, ob und wie Mikropolitik auf
formale Strukturen bzw. Steuerungsinstrumente zurückgreift und zurückwirkt. In
einem eigenständigen organisationstheoretischen Konzept von Mikropolitik müssen
jedoch die Konstitutionsverhältnisse zwischen der Mikroebene des Handelns und
der Makroebene (Gruppen, Organisationen, Netzwerke) thematisiert werden können.
Deshalb wird im Folgenden an das konzeptuale Verständnis von Mikropolitik
angeknüpft.
II. Organisationale
Machtbeziehungen und Machtstrategien
Das organisationstheoretische Konzept der Mikropolitik geht
von der Annahme aus, dass jedes Handeln von Akteuren in, für oder mit Bezug auf
Organisationen stets auch ein Handeln unter Beachtung und in Verfolgung eigener
Interessen ist. Damit tritt im Kontext organisationaler Interaktionssituationen
unweigerlich Macht als ein „ normales “ , allen zwischenmenschlichen Beziehungen
immanentes Phänomen in Erscheinung (vgl. Friedberg,
Erhard 1992, S. 40 f.). Im Sinne eines relationalen Machtbegriffes
wird Macht als soziales Konstrukt verstanden, das als Dimension sozialer
Beziehungen interessenorientierte, gegenseitig aufeinander bezogene
Handlungsbereitschaften konstituiert und deren Umsetzung in konkretes Handeln
verstehbar macht. Die Dynamik einer Machtbeziehung wird durch das
Zusammentreffen von strategischer Aufklärung und strategischer Überzeugung
bestimmt: im ersten Fall versucht ein Akteur fortlaufend zu überprüfen, ob
seine Interessen durch das Verhalten des anderen in einer Weise verwirklicht
werden, wie er es mit Bezug auf sein eigenes Verhaltensangebot ursprünglich
erwartet hatte; im zweiten Fall versucht ein Akteur den anderen durch sein
eigenes Verhalten davon zu überzeugen, dass dessen Interessen erwartungsgemäß
verwirklicht werden. Die genannten Aktivitäten (z.B. in Form von
Versprechungen, Empfehlungen, Drohungen und Warnungen), die der Entstehung,
Aufrechterhaltung oder auch Beendigung von Machtbeziehungen dienen, können als
Machtstrategien bezeichnet werden.
Die organisationale Macht von Akteuren beruht auf ihrer je
unterschiedlichen Fähigkeit, organisationale Formal-, Ressourcen- und
Informationsstrukturen zur Kontrolle der Handlungen anderer Akteure
einzusetzen. Je größer die relationale organisationale Macht eines Akteurs ist,
umso mehr kann er die auf sein eigenes Handeln bezogenen Handlungen anderer
Akteure vorherbestimmen und gleichzeitig sein eigenes Handeln für diese anderen
Akteure unbestimmt und offen halten. Machtstrategien lassen sich in diesem
Sinne stets als Bewältigung oder Handhabung (als Kontrolle) von
organisationalen Unsicherheitszonen deuten, die für die Beteiligten von
Interesse sind. Wichtige organisationale Unsicherheitszonen, an denen man sich
bei dem schwierigen Versuch der Aufdeckung organisationaler Machtverhältnisse
orientieren kann, bestehen in Bezug auf
-
den für das zufrieden stellende Funktionieren einer
Organisation erforderlichen Sachverstand in der Umgebung relevanter Experten
(Expertenmacht),
-
Kenntnisse und Fähigkeiten, die für die Gestaltung der
Beziehungen zwischen Organisation und Umwelt erforderlich sind (Sonderfall
der Expertenmacht),
-
das Verhalten der Akteure an wichtigen Knotenpunkten
der Interaktion und Kommunikation zwischen organisationalen Einheiten,
-
Vorschriften und Verfahren, die ursprünglich
geschaffen wurden, um das Verhalten von Organisationsmitgliedern vorhersehbar
zu machen.
Der letzte Punkt verdeutlicht die in jeder Machtbeziehung
verborgene Ambivalenz. Soweit durch den Dienst nach Vorschrift das normale
Funktionieren einer Organisation gefährdet ist, sind Vorgesetzte darauf
angewiesen, selektiv – manchmal fast regelmäßig – die Verletzung von Regeln und
Verfahren bzgl. der Nutzung organisationaler Ressourcen zu tolerieren (vgl. auch
Ortmann,
Günther 2003a). Zu einer der wesentlichen Aufgaben der
mikropolitischen Organisationsanalyse gehört es, derartige
Verhaltensstrukturen, d.h. die im konkreten Handlungssystem tatsächlich
wirksamen (umgesetzten oder angewandten), von den Beteiligten akzeptierten
Handlungs- und Verhaltensregeln (das operative Regelsystem) verständlich zu
machen. Dies erfordert u.a. ein sinnvolles In-Beziehung-Setzen der
Verhaltensstruktur mit der Formalstruktur, d.h. mit denjenigen Handlungs- und
Verhaltensregeln, die Akteure bei ihren Interaktionen als gültig voraussetzen
bzw. auf deren Gültigkeit sie sich berufen. Verhaltens- und Formalstrukturen
kommen nur aufgrund der Deutungsleistungen der Akteure zustande; sie existieren
also – wie Ressourcen (vgl. Ortmann,
Günther 2003b, S. 184 – 209) – durch Informationen und Kommunikationen
der Akteure.
Der dritte Punkt verdient besondere Beachtung hinsichtlich
der an den Knotenpunkten organisationaler Interaktion und Kommunikation
angesiedelten Integrator- und Maklermacht, die von Formen der Expertenmacht (s.
die Punkte 1 u. 2) zu unterscheiden ist (vgl. Küpper,
Willi/Felsch, Anke 2000, S. 160 ff.). Integratormacht kann durch die
Förderung von Gruppenbildungsprozessen an den Schnittstellen von
Kooperationsbeziehungen aufgebaut werden (Macht des Linien- und
Projektmanagements, von Organisations- und Personalabteilungen). Maklermacht
lässt sich durch Herstellung befriedigender Austauschbedingungen an den
Schnittstellen horizontaler und vertikaler Konkurrenzbeziehungen (Macht des
höheren Linien-, Produkt- und Qualitätsmanagements, von Planungs- und Controllingabteilungen
etc.) gewinnen.
III. Organisationale
Machtspiele und Machtinstitutionalisierung
Um über Macht zu verfügen, muss man zumindest teilweise die
Erwartungen der anderen erfüllen. Löst ein Organisationsmitglied keines der für
seinen Aufgabenbereich und Sachverstand spezifischen Probleme, versiegt seine
Machtquelle; löst es alle entsprechenden Probleme, wird sein Verhalten – mit
derselben Wirkung – vorhersehbar, kann dann also von anderen mit
Sicherheit einkalkuliert werden. Die in der Dynamik von Machtbeziehungen sich
wechselweise konstituierenden Abgrenzungen und Verschränkungen von
Handlungsspielräumen lassen sich als Genese von impliziten Spielregeln deuten,
die ein Spiel definieren, das die partielle und kontingente Integration der
beteiligten Akteure sicherstellt. Machtspiele sind Ausdruck aufeinander
bezogener Machtstrategien von Akteuren, in denen je nach Machtverteilung durch
Austausch von Kontrollmöglichkeiten die Handlungen der Beteiligten kanalisiert
werden (vgl. den Überblick über mikropolitische Spiele bei Mintzberg,
Henry 1983, S. 187 ff.; Mintzberg,
Henry 1991, S. 245 ff.). Spielstrukturen, also diejenigen operativen
Regeln der Verhaltensstruktur eines Handlungssystems, die sich in den Machtbeziehungen
durch Konsens der beteiligten Akteure herausgebildet haben, sind Ausdruck der
inneren Machtverhältnisse einer Organisation. Sie entscheiden darüber,
inwieweit die Verhaltensstrukturen und die sie beeinflussenden Formal-,
Ressourcen- und Informationsstrukturen im organisationalen Handeln reproduziert
und verändert werden. Organisationale Routinen als Ausdruck verfestigter
Verhaltensstrukturen können unter Bezugnahme auf organisationsübergreifende
äußere Machtverhältnisse und kumulative Prozesse der Machtinstitutionalisierung
gedeutet werden, in denen die Externalisierung von Zielen und Zwecken in den
Formal-, Ressourcen- und Informationsstrukturen von Organisationen und
hierdurch bedingte externe Effekte der Entscheidungen und Handlungen von
Akteuren eine herausragende Rolle spielen (vgl. im Einzelnen Küpper,
Willi/Felsch, Anke 2000, S. 37 ff.). Diese Prozesse sind ohne ein
Verständnis der Rekursivität zwischen Handlung und Struktur bzw. der Dualität
von Struktur (vgl. Giddens,
Anthony 1988) nicht hinreichend verstehbar; eine Dualität, die unter
bestimmten Bedingungen eine spezifische Systemrationalität zeitigt, in der sich
Interessen-, Qualifikations- und Ressourcenstrukturen wechselweise
verschränken, verstärken und verfestigen.
IV. Kritik,
Erweiterungen und Anwendungen des mikropolitischen Ansatzes
Der mikropolitische Ansatz entfaltet dort seine Stärken, wo
es um die empirisch fundierte Analyse der Organisationsdynamik im Sinne eines
spannungsgeladenen, konfliktreichen Wechselspiels von Stabilität und Wandel von
Organisationen geht. Im Unterschied zu evolutionstheoretischen Ansätzen (zu
Grundfragen institutionellen und organisationalen Wandels vgl. Küpper,
Willi/Felsch, Anke 1999; 2000, S. 332 ff.) soll hiermit eine
historisch-kontingente Analyse konkreter Handlungssysteme angeleitet werden,
die den je spezifischen Handlungs- und Interaktionsprozessen individueller und
kollektiver Akteure besondere Aufmerksamkeit widmet. Zur Interpretation dieser
Prozesse wird soweit wie möglich auf intentionale Deutungsleistungen der
involvierten Akteure zurückgegriffen, die zumindest im originären
(neo-darwinistischen) evolutionstheoretischen Paradigma eher als bedeutungslos
eingestuft werden (vgl. aber Aldrich,
Howard 1999, der seinen „ evolutionary approach “ mit interpretativen
und institutionalistischen Ansätzen verbindet).
Die auf Handlungsprozesse, Handlungsspielräume und soziale
(Macht-)Beziehungen rekurrierende interaktionstheoretische Perspektive des
mikropolitischen Ansatzes ist von der Rational-Choice-Perspektive (vgl. Petermann,
Sören 2001) institutionenökonomischer Ansätze zu unterscheiden.
Letztere Ansätze basieren auf den Annahmen des ökonomischen Verhaltensmodells,
das durch Schließung des Handlungsspielraums eine quasi-kausale Analyse des
Verhaltens erlaubt. Wie im älteren situativen Ansatz werden damit
Handlungsinterdependenzen und Interaktionen auf einfache Kausalbeziehungen
reduziert, was der potenziellen Offenheit von Organisationsentwicklungen keinen
Raum lässt. Um die damit einhergehende statische Betrachtung (vgl. etwa die
Gleichgewichtsanalysen der Spieltheorie)
zu überwinden, benötigt der mikropolitische Ansatz ein allgemeineres
Handlungsmodell, das die strukturations- oder konstitutionstheoretische
Verknüpfung zwischen Handlung und Struktur bereits auf der Mikro-Ebene des
Handelns verortet. Wie Felsch (Felsch, Anke
1999, S. 137 ff.) gezeigt hat, kann dies durch eine Verbindung des relationalen
Machtkonzepts mit sozialpsychologischen Identitätskonstrukten erreicht werden,
wobei im Rahmen einer allgemeinen pragmatistischen Handlungstheorie nicht nur
den Konstitutionsverhältnissen zwischen Handlungssituationen und
Präferenzen, sondern auch der kreativen Dimension des Handelns Rechnung
getragen werden kann (vgl. Joas, Hans
1992; Küpper,
Willi/Felsch, Anke 2000, S. 269 ff. und 299 ff.). Notwendige
Erweiterungen des mikropolitischen Ansatzes betreffen v.a. auch die
Möglichkeit, organisationale Gruppenbildungen (z.B. Arbeitsgruppen,
Abteilungen, Unternehmen und Unternehmensnetzwerke) unter der Perspektive der
Konstitution kollektiver Akteure zu betrachten (vgl. erste Überlegungen einer
Übertragung der Rationalitäts- und Identitätskonstrukte von individuellen auf
kollektive Akteure bei Felsch, Anke
2002).
Der mikropolitische Ansatz läuft stets Gefahr, durch eine
einseitige voluntaristische Betrachtung organisationalen Handelns
gesellschaftliche Strukturdimensionen und Zwänge (z.B. die Eigenlogik
kapitalistischer Marktgesellschaften; vgl. Türk, Klaus
1997) aus den Augen zu verlieren. Auch ein konzeptuales
konstitutionstheoretisches Verständnis von Mikropolitik liefert keinen Ersatz
für Gesellschaftstheorien (vgl. Stapel,
Wolfgang 2001). Es kann aber zu gesellschaftstheoretischen
Reflexionen dadurch beitragen, dass die Wirkungen struktureller Formationen auf
der Mikro-Ebene organisationalen Handelns in Form spezifischer,
gesellschaftstypischer Interessen, Qualifikationen und Rationalitäten und
hierauf basierender organisationaler Spielstrukturen sichtbar gemacht werden.
Dies ist allerdings trotz einer Zunahme der vom mikropolitischen Ansatz
geleiteten empirischen Studien selten der Fall (vgl. z.B. Birke, Martin
1992; Stegbauer,
Christian 1995; Lorson, Heiko
Nikolaus 1996; Alt, Ramona
1996; Riegraf, Birgit
1996; Zeman, Peter
2000; Berger-Klein,
Andrea 2002). Dies könnte sich ändern, wenn der mikropolitische
Ansatz ein verstärktes Interesse bei Politologen findet (vgl. Bogumil, Jörg
2001). Über die Organisationsforschung hinaus wurde die mikropolitische
Forschungsperspektive bereits für die historische Theoriebildung in Anspruch
genommen (vgl. Lauschke,
Karl/Welskopp, Thomas 1994; Moerschel,
Tobias 2002).
Unter einer engeren betriebswirtschaftlichen
Anwendungsperspektive können mikropolitische Organisationsanalysen v.a. dazu
beitragen, Praktiker zur Reflexion der eigenen Handlungspraxis anzuregen und
damit ihre Handlungs- und Interaktionsfähigkeiten zu fördern. Eine
erfahrungsgestützte Typisierung organisationaler Machtstrategien und
Machtspiele kann die Bildung von Hypothesen zur Wirkung geplanter
Strukturreformen erleichtern und durch fortlaufende qualitative Validierungen
eine Prozesstheorie der Organisationsdynamik fundieren.
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Petermann, Sören : Der
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Stegbauer, Christian : Mikropolitik
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