Inhaltsübersicht
I. Problemstellung
II. Zielsetzung
III. Typologie
IV. Hauptaufgaben
V. Organisation
VI. Erfolgsaussichten
und -faktoren
I. Problemstellung
Das europäische Bank- und Finanzwesen wird von einer
anhaltenden Akquisitions- und Fusionswelle geprägt. Pro Jahr sind derzeit über
1.900 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von über 180 Mrd. Euro zu
verzeichnen. Vor diesem Hintergrund wird das Fusionsmanagement als Prozess der
Zusammenführung von Unternehmen durch Akquisitionen bzw. Fusionen zunehmend
entscheidend, um dem Unternehmen eine nachhaltig verteidigbare
Wettbewerbsposition in einem sich konsolidierenden Konkurrenzumfeld zu sichern.
Das Fusionsmanagement ist ein komplexer und kostenintensiver
Prozess. Früher nahm er nicht selten mehrere Jahre in Anspruch. Heute muss er
auf Grund der Erwartungen des Kapitalmarktes oft in maximal zwei Jahren
weitgehend abgeschlossen sein. Die zunehmenden Transaktions-,
Restrukturierungs- und Integrationskosten übersteigen in der Anfangsphase nicht
selten die jährlichen Synergievorteile um das Zwei- bis Dreifache. Außerdem
sind mehr als 80% der Manager im europäischen Bank- und Versicherungswesen
derzeit noch nicht mit den speziellen Aufgaben des Fusionsmanagements vertraut.
Die Erfolgsrate von Fusionen liegt daher weit unter den
Erwartungen – nicht einmal jede zweite Unternehmenszusammenführung erreicht die
gesteckten Ziele. Ist das Fusionsmanagement hingegen erfolgreich, kann das
Unternehmen die Markt- und Ergebnisgrenzen organischen Wachstums deutlich
überschreiten und den Eigentümern oft um 5 bis 10% höhere Renditen als
vergleichbare Wettbewerber bieten.
II. Zielsetzung
Fusionen dienen in erster Linie dazu, Synergien zu
erschließen. In einzelnen Fällen können auch eine günstige Akquisitionsgelegenheit
oder die persönlichen Ambitionen des Managements den Ausschlag für eine
Fusionsentscheidung geben. Die angestrebten Synergien ergeben sich durch die
Effizienzsteigerung im bestehenden Geschäft ( „ operative Synergien “ ), das Erschließen neuer Wachstums- und
Ertragsoptionen ( „ strategische Synergien “ )
oder die bessere Nutzung des Eigenkapitals bzw. Realisierung von
Refinanzierungs- oder Steuervorteilen ( „ finanzwirtschaftliche
Synergien “ ).
Gleichzeitig versucht das Fusionsmanagement, negative Effekte
der Fusion ( „ Dissynergien “ ) zu
vermeiden und die meist beträchtlichen Umsetzungskosten zu begrenzen.
1. Operative Synergien
Operative Synergien entstehen primär durch die Konsolidierung
gleichartiger Geschäftsaktivitäten – etwa im Vertriebsnetz, in den Abwicklungs-
bzw. Serviceeinheiten oder in EDV-Entwicklung und -Betrieb. Teilweise ergeben
sie sich auch aus der Nutzung komplementärer Ressourcen wie etwa der
wechselseitigen Ergänzung der Produktpalette. Auf Grund bestehender Benchmarks
für wesentliche Einzelfunktionen sind sie im Normalfall gut planbar.
Insgesamt erreichen operative Synergien bei Fusionen zwischen
Banken oder zwischen Versicherungen innerhalb eines Landes barwertmäßig 25 bis
50% des Marktwerts des übernommenen Instituts. Bei Fusionen zwischen Banken und
Versicherungen beträgt der entsprechende Erfahrungswert 20 bis 40%. Bei
internationalen Fusionen sinkt dieser Wert auf Grund der geringeren
Überschneidungen auf 10 bis 20% bzw. 0 bis 5% (Leichtfuß,
R./de Ploey, W. et al. 1998).
Durch die Finanzierungslast des Kaufpreises und den erhöhten
Leistungsdruck auf Grund der gesteckten Ziele steigt aber auch die
Bereitschaft, radikale Veränderungen in Angriff zu nehmen. Daher werden im
Rahmen des Fusionsmanagements häufig auch überkommene Unternehmensstrukturen in
Frage gestellt oder frei werdende Management- bzw. Expertenkapazitäten für
bislang vernachlässigte oder neue Aufgaben eingesetzt. Bis zu einem Drittel der
operativen Synergien sind auf diesen Effekt zurückzuführen.
2. Strategische Synergien
Strategische Synergien erschließen dem Unternehmen neue
Wachstums- und Ertragsoptionen – etwa durch die Öffnung neuer regionaler
Absatzmärkte oder Kundensegmente sowie die Nutzung einer starken Marke. Weitere
Synergien ergeben sich aus komplementären Fähigkeiten, wie der Nutzung der
Platzierungskraft einer Retail-Bank durch eine Wholesale-Bank mit einem kompetenten
Research und ausgebautem Emissionsgeschäft. Zudem erschließt die oft größere
Attraktivität des fusionierten Unternehmens für potenzielle Leistungsträger
mittelfristig neue Wachstumsoptionen.
Der Ergebniseffekt strategischer Synergien ist schwerer
planbar als der von operativen Synergien. Er tritt oft zeitverzögert ein, da
das derzeitige Geschäftssystem nicht selten deutlich angepasst werden muss.
Obwohl vom Kapitalmarkt daher sehr unterschiedlich bewertet, ist ein
wesentlicher Teil der bezahlten Akquisitionsprämie heute oft nur durch
strategische Synergien erklärbar.
3. Finanzwirtschaftliche Synergien
Finanzwirtschaftliche Synergien entstehen durch eine bessere
Nutzung des Eigenkapitals sowie fusionsbedingte Refinanzierungs- bzw.
Steuervorteile. Refinanzierungsvorteile ergeben sich, wenn es gelingt, das
bessere Rating eines Instituts auf das fusionierte Unternehmen auszuweiten oder
effizientere Refinanzierungsinstrumente (z.B. Jumboanleihen) einzusetzen.
Steuervorteile spielen bei Akquisitionen bzw. Fusionen eine große Rolle. Hierzu
zählen die Aufrechnung von Verlustvorträgen, die Abschreibung des Goodwill
sowie die Nutzung der unterschiedlichen Besteuerung der beteiligten Unternehmen
(steuerliche Standort- oder Rechtsformvorteile – Endres,
D./Eckstein, H.M. 1998).
4. Fusionsbedingte Dissynergien
Fusionsbedingte Dissynergien können die realisierten
Fusionssynergien reduzieren und sogar überkompensieren. Ein effektives
Fusionsmanagement muss daher die wichtigsten Quellen solcher Dissynergien wie
Kundenverluste, den Abgang von Leistungsträgern oder eine Schwächung des
Marktauftritts auf Grund der fusionsbedingten „ Innenorientierung “ frühzeitig identifizieren und aktiv managen. So
lassen sich etwa durch eine gezielte Überleitung der bestehenden Kunden die
fusionsbedingten Kundenabgänge um bis zu 75% reduzieren. Ähnliche Effekte
ergeben sich aus der frühzeitigen Bindung der Leistungsträger an das neue
Unternehmen.
III. Typologie
Fusionen lassen sich nach verschiedenen Kriterien
unterscheiden – etwa der Anzahl, der Größe, der Herkunft oder der
Branchenzugehörigkeit der beteiligten Unternehmen. Im europäischen Finanzwesen
dominieren Fusionen, an denen Unternehmen aus nur einem Land und einer Branche
(Bank/Bank oder Versicherung/Versicherung) beteiligt sind. Diese nationalen,
intrasektoralen Fusionen machen 60 bis 80% des Akquisitionsvolumens aus.
Länder- oder branchenübergreifende Fusionen belaufen sich auf jeweils ein
Fünftel des Akquisitionsvolumens. Mittlerweile ist auch in Deutschland die
Unterscheidung zwischen Fusionen mit Zustimmung des Managements des
übernommenen Unternehmens und so genannten „ feindlichen “
Übernahmen relevant.
Für das Fusionsmanagement sind Fusionstypen insoweit von
Bedeutung, als sie Inhalte und Ablauf der Fusion bestimmen. Hierbei sind die Komplementarität
der Geschäftsaktivitäten und der Führungsanspruch der beteiligten Unternehmen
ausschlaggebend.
1. Komplementarität der Geschäftsaktivitäten
Das Fusionsmanagement zwischen Finanzinstituten mit stark
überlappenden Geschäftsaktivitäten zielt besonders auf die Realisierung
operativer Synergien und ist daher kosten- und prozessorientiert. Bei
komplementären Geschäftsaktivitäten treten dagegen strategische Synergien in
den Vordergrund. Die Kostensynergien sind in diesem Fall weitgehend auf Zentral-
und Abwicklungsfunktionen beschränkt. In einem Fusionsfall können – etwa in
unterschiedlichen Teilfunktionen oder Geschäften – auch beide Typen gegeben
sein, sodass ein differenziertes Vorgehen erforderlich ist.
2. Führungsanspruch der Partner
Entscheidend für das Fusionsmanagement ist auch, ob die
Fusion als „ Fusion gleichberechtigter Partner “ verstanden wird oder aber ein
Institut das andere einseitig eingliedert und die eigenen Geschäftsstrategien,
-systeme und -kultur überträgt. Letzteres ist umso wahrscheinlicher je kleiner
und weniger erfolgreich das übernommene Institut im Vergleich zum übernehmenden
ist und je deckungsgleicher die Geschäftsaktivitäten beider Institute sind. Es
kommt jedoch auch vor, dass das Management des übernommenen Unternehmens nach
der Fusion Teile des oder sogar das gesamte übernehmende Unternehmen
kontrolliert (sog. „ reverse
takeover “ ).
Eingliederungen sind auf Grund der klaren Vorgaben deutlich
weniger komplex und in der Regel rascher zu realisieren. Allerdings sind in
diesem Fall besondere Maßnahmen zum Erhalt der Motivation der Führungskräfte
und Mitarbeiter im übernommenen Institut erforderlich – etwa gezielte
Beförderungen oder Sonderprämien (sog.
„ golden handcuffs “ ).
IV. Hauptaufgaben
Das Fusionsmanagement umfasst eine Reihe von
Managementaufgaben, die sich in die Phasen vor der Akquisition ( „ Pre-Merger-Management “ ), der
Vorbereitung und Durchführung der Transaktion sowie der eigentlichen
Integration danach ( „ Post-Merger-Management “ )
gliedern lassen.
1. Pre-Merger-Management
Im Rahmen des Pre-Merger-Managements
sollten die Ziele der Fusion festgelegt, passende Akquisitionskandidaten
identifiziert und die Realisierbarkeit der geplanten Fusion bzw. Akquisition
abgeklärt werden.
Dazu werden zunächst die angestrebten Beiträge der Fusion zur
Unternehmensstrategie möglichst konkret festgelegt. Gleichzeitig gilt es,
kritische Rahmenbedingungen der Fusion, etwa einzuhaltende maximale
Transaktionsgrößen oder Ergebniskennzahlen sowie die für das Fusionsmanagement
verfügbaren Managementkapazitäten eindeutig zu bestimmen.
Auf dieser Basis kann eine Vorauswahl des
Akquisitionskandidaten hinsichtlich seiner potenziellen strategischen Beiträge
( „ strategischer Fit “ ), einer ersten Abschätzung möglicher Akquisitionspreise
und Fusionssynergien sowie der operativen Umsetzungsrisiken getroffen werden.
Ein Vergleich des grob abgeschätzten Unternehmenswerts im Fusionsfall mit der
derzeitigen Marktkapitalisierung und den darin impliziten Wachstums- und
Profitabilitätsannahmen erlaubt eine frühzeitige Beurteilung der ökonomischen
Attraktivität einer möglichen Fusion.
Durch die Prüfung der Realisierbarkeit werden schließlich
potenzielle Stolpersteine – (meist) gemeinsam mit dem Zielkandidaten –
frühzeitig identifiziert. Außer dem Verkaufsinteresse der derzeitigen
Eigentümer ist dazu auch die Unterstützung wesentlicher Leistungsträger im
Management sowie die rechtliche Zulässigkeit abzuklären.
In der Praxis wird das Pre-Merger-Management oft drastisch
verkürzt, wenn es gilt, rasch auf eine besondere Akquisitionsgelegenheit zu
reagieren. In Ermangelung eines soliden Orientierungsrahmens steigt dadurch das
Risiko einer Fehlakquisition erheblich, das Fusionsmanagement in den
Folgephasen wird erschwert.
2. Vorbereitung und Durchführung der
Transaktion
Nach der Feststellung einer attraktiven Fusions- bzw.
Akquisitionsgelegenheit gilt es, diese im Detail zu bewerten und die Form und
Konditionen der Transaktion zu erarbeiten und zu vereinbaren. Deutlich mehr als
die Hälfte der potenziellen Akquisitionen scheitert in dieser Phase, weil die
Kaufpreisforderungen bzw. Akquisitionsprämien zu hoch sind und es nicht
gelingt, eine (qualifizierte) Mehrheit der Aktien zu erwerben oder das
Management bzw. die Regulatoren (zum Beispiel die Kartellbehörde) die
Akquisition ablehnen. Ebenso kann auch der potenzielle Käufer nach einer
intensiveren Prüfung des Akquisitionskandidaten die Übernahme ablehnen.
Grundlegend für diese Phase ist eine umfassende
Due-Diligence-Prüfung. In dieser werden mithilfe von Wirtschaftsprüfern die wesentlichen
Unternehmensdaten validiert und (regelmäßig anhand von Checklisten) die
Leistungsfähigkeit wesentlicher Funktionsbereiche bewertet. Ferner werden
potenzielle Synergien erhärtet und kaufpreisrelevante Unternehmens- und
Transaktionsrisiken identifiziert. Das Kreditportfolio und die
EDV-Infrastruktur sind dabei besonders genau zu untersuchen, da kritische
Leistungsdefizite hier den Wert eines Finanzinstituts oft drastisch reduzieren.
Im Zuge der Due-Diligence-Prüfung erhält der potenzielle
Käufer regelmäßig Einblick in Funktionsbereiche des Zielinstituts und damit –
unabhängig vom Ausgang des Akquisitionsprozesses – Zugang zu
wettbewerbsrelevanten Informationen. Um Missbräuche auszuschließen, werden
deshalb regelmäßig Vertraulichkeitserklärungen abgeschlossen.
Auf der Basis der Due Diligence wird meist mithilfe einer
Investmentbank die vorläufige Unternehmensbewertung
überarbeitet, ein neuer maximaler Kaufpreis für die Verhandlungen definiert und
eine konkrete Struktur der Transaktion sowie die Konditionen der Übernahme
verhandelt bzw. ein öffentliches Übernahmeangebot an die Aktionäre gestellt.
Die eigentliche Durchführung der Transaktion bindet auf Grund der intensiven
Kommunikation der Fusionsziele sowie gegebenenfalls preislicher Nachbesserungen
oder der Beachtung kartellrechtlicher Auflagen sehr viel Managementkapazität.
Sie erfordert deshalb eine entsprechende Projektorganisation. Der Aufwand ist
besonders groß bei feindlichen Übernahmen, bei denen das Management des
Zielinstituts versucht, die Eigentümer von eigenen Alternativlösungen zu
überzeugen.
3. Post-Merger-Management
Ziel des Post-Merger-Managements
ist es, die beiden Unternehmen zu integrieren und die angestrebten Synergien zu
realisieren. Obwohl das Post-Merger-Management ex definitione die Phase nach
Durchführung der Transaktion umfasst, sollte das Fusionsmanagement bereits drei
bis sechs Monate vor Durchführung der Transaktion beginnen, den anschließenden
Prozess zu definieren und zu strukturieren. In dieser Zeit werden auch wichtige
Struktur- und Personalfragen für die erste Führungsebene vorentschieden.
Außerdem können in dieser Phase durch die Klärung kritischer Eckparameter, etwa
der Auswahl des zukünftigen EDV-Systems oder der Festlegung des zukünftigen
Markenauftritts, mehrmonatige Verzögerungen in der Post-Merger-Phase vermieden
werden.
Nach Durchführung der Transaktion steht für einen Zeitraum
von ca. 100 Tagen die kurzfristige Sicherung des Tagesgeschäfts und
Stabilisierung der Organisation im Vordergrund ( „ Sofortprogramm “ ). Hierfür sind rasch klare Entscheidungsstrukturen
zu etablieren und wesentliche Führungspositionen zu besetzen. Die wichtigsten
Leistungsträger sind an das fusionierte Unternehmen zu binden. Ferner muss
zügig eine Migrationsbilanz
erarbeitet und umgesetzt werden, die die Mitarbeiter den neuen
Organisationsstrukturen zuordnet. Außerdem gilt es, eine Reihe pragmatischer
Übergangsregelungen auf Grund nicht vereinheitlichter Steuerungssysteme,
Geschäfts- und Abwicklungsprozesse zu etablieren. In dieser Phase sollte das
Top Management die Kommunikation gezielt über parallele Kanäle (insb.
Rundschreiben an Kunden und Mitarbeiter, spezifische
Informationsveranstaltungen, eine Telefon-Hotline) ausbauen, um dem erheblichen
Informationsbedarf der Geschäftspartner und Mitarbeiter zu entsprechen.
Im gleichen Zeitraum gilt es, zur Realisierung der
Fusionsziele ein umfassendes Integrationsprogramm aufzusetzen. Dieses
beinhaltet meist mehr als ein Dutzend parallel durchzuführender Einzelprojekte,
von denen sich einige über mehrere Jahre erstrecken werden. Auf der
Vertriebsseite gehören zu diesen Projekten regelmäßig die Einführung eines einheitlichen
Marktauftritts, die Zusammenführung der Vertriebsnetze oder die Harmonisierung
des Leistungsangebots. Auf der Betriebsseite ist das Back Office zu integrieren
sowie die Zentralfunktionen zu bündeln. Von übergreifender Bedeutung ist bei
allen diesen Projekten die Vereinheitlichung der EDV-Systeme. Von dieser hängen
typischerweise unmittelbar 30 bis 50% der Fusionssynergien ab.
V. Organisation
Das Fusionsmanagement kann wegen der Vielzahl an
Einzelaufgaben und Schnittstellen nicht direkt von der Linienorganisation
gesteuert werden. In der Regel wird daher eine Projektorganisation
eingerichtet, die die wesentlichen fusionsspezifischen Aufgaben plant und
koordiniert. Häufig wird sie dabei durch verschiedene externe Berater wie
Investment Banker, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater
unterstützt.
Für die „ Pre-Merger “ -Aufgaben reicht ein einzelnes
Projektteam aus, das meist als Stabsstelle (etwa in der
Unternehmensplanung/-entwicklung) unter direkter Führung des Vorstands steht.
In der Post-Merger-Phase muss demgegenüber eine umfassendere
Projektorganisation eingerichtet werden. Die zentrale Rolle der Gesamtplanung
und Koordination sowie der Kontrolle der Einzelprojekte und kritischer
Aktivitäten über einen integrierten Gesamtplan ( „ Masterplan “ ) stellt hier regelmäßig ein „ Zentrales Projektbüro “ sicher. Zu dessen Aufgaben gehört es auch,
das Fusionsbudget aufzustellen und zu verwalten. Je nach Breite der Fusion bzw.
Akquisition und Führungsstruktur im Unternehmen wird dieses Projektbüro
entweder vom Gesamtvorstand, einem engeren Vorstandsausschuss oder einem
einzelnen „ Integrationsvorstand “
geleitet.
Letztendlich sollte das Fusionsmanagement auch
organisatorisch sicherstellen, dass die bereits bei früheren Akquisitionen
gemachte Fusionserfahrung wieder genutzt werden kann. Mitarbeiter mit
entsprechender Erfahrung sollten für das Projektbüro freigestellt werden.
VI. Erfolgsaussichten und
-faktoren
Der Erfolg des Fusionsmanagements ist oft nicht direkt
messbar. Häufig werden die Fusionsziele nicht ausreichend operationalisiert
bzw. sind die angestrebten Fusionseffekte aufgrund des längeren
Umsetzungszeitraums schwer isolierbar. Nur ca. 10 bis 20% der geplanten
Synergien werden im ersten, ca. 80 bis 90% erst im vierten Jahr nach der Fusion
realisiert.
In der Praxis wird der Fusionserfolg entweder anhand der
Veränderung des Aktienkurses relativ zum Marktdurchschnitt bzw. vergleichbaren
Wettbewerbern oder anhand einer qualitativen Ex-Post-Bewertung durch das
Management beurteilt. Nach beiden Verfahren sind weniger als die Hälfte der
Fusionen bzw. Akquisitionen im Finanzwesen erfolgreich.
Nachweislich kommen signifikante Kurssteigerungen dann vor,
wenn das akquirierende Unternehmen überdurchschnttlich profitabel ist, die
Akquisition in der gleichen Branche erfolgt, die Kaufpreisprämie unter 10%
gehalten werden kann und nur Teile eines Unternehmens übernommen werden. Die
Größe des akquirierten Unternehmens bestimmt zwar nicht die Erfolgsaussichten,
doch erreichen Banken und Versicherungen, die regelmäßig große Akquisitionen
durchführen, überdurchschnittliche Aktienkurssteigerungen (James,
M./Mendonca, L./Peters, J. et al. 1997).
Für das Gelingen von Fusionen werden dutzende, oft
situationsspezifische und daher zum Teil widersprüchliche „ Erfolgsregeln “
angeführt (Duncan, A.
2000; Tetenbaum, T.
2000; Mani, D.
1998). Hinter diesen Regeln stehen letztlich zwei zentrale Ziele: Erstens muss
die Komplexität der Fusion möglichst rasch reduziert werden, um die
Managementaufgabe handhabbar zu machen. Zweitens muss auch die fusionsbedingte
Unsicherheit der Mitarbeiter sofort adressiert und stufenweise abgebaut werden,
um eine Innenorientierung der Organisation zu vermeiden.
Dem Fusionsmanagement stehen fünf wesentliche
Erfolgsstellhebel zur Verfügung, um diese Ziele zu erreichen:
|
-
|
die Fokussierung auf wenige zentrale Fusionsziele,
|
|
-
|
die frühzeitige Entscheidung wesentlicher Eckparameter
in den Bereichen Strategie, Führung, Struktur und EDV,
|
|
-
|
die Mobilisierung kompetenter interner
Managementkapazität und externer Unterstützung mit entsprechender
Fusionserfahrung,
|
|
-
|
die Etablierung eines transparenten
Integrationsprozesses mit Meilensteinen und eindeutigen Spielregeln sowie
|
|
-
|
eine intensive, regelmäßige interne und externe
Kommunikation.
|
Die Fusionspraxis zeigt, dass eine konsequente Konzentration
auf diese Erfolgsstellhebel die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich verbessert
und insbesondere für Manager ohne eigene Fusionserfahrung eine wichtige
Orientierungshilfe darstellt.
Literatur:
Duncan, A. : Implementing successful post
acquisition management 2000
Endres, D./Eckstein, H.M. : Die
steuerliche Gestaltung von Übernahmen 1998
James, M./Mendonca, L./Peters, J. :
Playing to the endgame in financial services, in The McKinsey Quarterly 1997
Number 4, S. 170 ff
Leichtfuß, R./de Ploey, W. : Integration
Management in Financial Institutions, 1998
Mani, D. : Zielgerichtete Integration bei
Akquisitionen und Fusionen 1998
Tetenbaum, T. : Beating the odds of merger
& acquisition failure: seven key practices that improve the chance for
expected integration and synergies 2000
|