Inhaltsübersicht
I. Begriffliche
Abgrenzung und Charakteristika
II. Zentralbereiche
bei unterschiedlichen Formen der Aufbauorganisation
III. Funktionen
von Zentralbereichen
IV. Grundlegende
Gestaltungsformen von Zentralbereichen
V. Bewertung
und Gestaltungsoptionen von Zentralbereichskonzepten
VI. Fazit
und Ausblick
I. Begriffliche
Abgrenzung und Charakteristika
Der Zentralbereichsbegriff wird in der Literatur nicht
eindeutig verwendet (Kreisel,
Henning 1995, S. 8 ff.). Grundsätzlich kann davon ausgegangen
werden, dass Zentralbereiche immer dann entstehen, wenn bestimmte Verrichtungen ganz oder teilweise aus
den übrigen Organisationseinheiten herausgelöst und in spezialisierten
Bereichen direkt unterhalb der Unternehmungsleitung zusammengefasst werden (Frese,
Erich/v. Werder, Axel v. 1993, S. 3). Insofern sind Zentralbereiche
das Ergebnis einer Spezialisierung durch Zentralisation
von Aufgaben (Kreikebaum,
Hartmut 1992, Sp. 2603). Diese Aufgabenzentralisation ist nicht
zwingend mit einer Zentralisation der Entscheidungskompetenzen verknüpft).
Zentralbereiche können in einer Unternehmung als Einheitsgesellschaft
angesiedelt sein, finden sich aber häufig auch als Konzernzentralbereiche.
Da Zentralbereiche i.d.R. Aufgaben mit dem Charakter interner
Dienstleistungen (i.w.S.) übernehmen, können sie als „ zentrale
Dienstleistungsbereiche “ eingeordnet werden (Reckenfelderbäumer,
Martin 2001, S. 70 ff.). Eine exakte Abgrenzung gegenüber anderen
Formen interner Dienstleistungsbereiche fällt aufgrund der Heterogenität der
Erscheinungsformen von Zentralbereichen allerdings schwer (Schuster,
Hermann 1998, S. 7 ff.). Eng verwandt mit dem Begriff des
Zentralbereichs ist derjenige der Stabsstelle:
Beide Termini werden nicht selten synonym verwendet. Angebrachter erscheint es,
den Begriff der Zentralbereiche weiter zu fassen und das Stabskonzept als eine
mögliche Form ihrer Ausgestaltung einzuordnen (Frese,
Erich/v. Werder, Axel v. 1993, S. 39 ff.). In der
anglo-amerikanischen Literatur findet sich mit dem Corporate Staff (Eisenstat,
Russell A. 1990) ein dem der Zentralbereiche vergleichbares Konzept
(Kreisel,
Henning 1995, S. 41).
II. Zentralbereiche bei
unterschiedlichen Formen der Aufbauorganisation
Grundsätzlich sind Zentralbereiche bei jeder Form der
Aufbauorganisation möglich. Allerdings kommt den Zentralbereichen bei der
Divisional- bzw. Spartenorganisation
regelmäßig die größte Bedeutung zu (Kreisel,
Henning 1995, S. 111 ff.).
Bei der Funktionalorganisation werden Zentralbereiche vor
allem eingerichtet, um die typischen Nachteile dieser Organisationsform
auszugleichen: Sie haben die Aufgabe, die Unternehmungsleitung bei der
Koordination der verschiedenen Funktionsbereiche zu unterstützen, auftretende
Ressortegoismen einzudämmen und Schnittstellenprobleme zu überwinden (Kreikebaum,
Hartmut 1992, Sp. 2605). Typische Fälle derartiger Zentralbereiche
sind zentrale Personalabteilungen, EDV-Abteilungen oder ein zentrales
Rechnungswesen. Z.T. haben Zentralbereiche in der Funktionalorganisation aber
auch objektbezogene Aufgaben (z.B. Produktmanagement, Kundengruppenmanagement)
(Braun,
Günther E./Beckert, Joachim 1992, Sp. 652).
Die Spartenorganisation ist dadurch gekennzeichnet, dass die
einzelnen Funktionen (u.a. Beschaffung, Produktion, Absatz) nach dem Objektprinzip
aufgegliedert und in z.B. produkt- oder kundengruppenbezogenen Geschäftsbereichen angesiedelt sind.
Damit geht eine Delegation von
Entscheidungskompetenzen an die Geschäftsbereichsleitungen einher, die
diesen ein relativ eigenständiges Arbeiten erlaubt. Zentralbereiche können vor
diesem Hintergrund prinzipiell zwei in der Praxis häufig ineinander übergehende
Arten von Aufgaben erfüllen (Frese,
Erich/v. Werder, Axel v. 1993, S. 3):
-
Übernahme sekundärer
Aufgaben der Unternehmungsleitung zu deren Entlastung, wobei die
Entscheidungskompetenzen in der Sphäre der Unternehmungsleitung bleiben (bei
der Unternehmungsleitung selbst oder bei den Zentralbereichen);
-
Übertragung sekundärer
Aufgaben der Geschäftsbereiche auf die Zentralbereiche, indem
Teilfunktionen ganz oder teilweise aus den Sparten ausgegliedert und den
Zentralbereichen zugeordnet werden, die Verteilung der
Entscheidungskompetenzen erfolgt einzelfallabhängig unterschiedlich.
Zentralbereiche sind schließlich auch bei einer Matrix-Organisation
denkbar (Kreikebaum,
Hartmut 1992, Sp. 2607). Sie dienen dort insbesondere zur
Wahrnehmung bereichsübergreifender Querschnittsaufgaben im Sinne von
Stabsstellen (Kreikebaum,
Hartmut 1992, Sp. 2607).
Angesichts ihrer empirischen
Relevanz beziehen sich die weiteren Ausführungen vor allem auf
Zentralbereiche im Rahmen der Spartenorganisation, sie sind jedoch weitgehend
auf andere Formen der Aufbauorganisation übertragbar.
III. Funktionen von
Zentralbereichen
1. Überblick
Zusammenfassend lassen sich die folgenden Tätigkeitsfelder von Zentralbereichen
definieren (Eisenführ,
Franz 1992, Sp. 559; Kreikebaum,
Hartmut 1992, Sp. 2606; ähnlich Bühner, Rolf
1992, Sp. 2276 f.):
-
Unterstützung
der Geschäftsbereiche durch Dienstleistungen, die von diesen nicht so
wirtschaftlich oder in der erforderlichen Qualität zu erbringen sind;
-
Unterstützung
der Unternehmungsleitung bei der Wahrnehmung ihrer Führungsfunktionen;
-
Übernahme von
Steuerungs-, Koordinations- und Kontrollaufgaben gegenüber den
Geschäftsbereichen im Auftrag der Unternehmungsleitung.
Im Rahmen der Entwicklung stärker markt- und kundenorientierter Organisationskonzepte hat sich der
Anforderungskatalog gegenüber Zentralbereichen deutlich gewandelt (Bühner, Rolf
1996, S. 15): Die Schaffung von Mehrwert für die Unternehmung sowie die
Behauptung gegenüber externen Anbietern vergleichbarer Leistungen sind dabei
zwei zentrale Ansprüche, die gestellt werden. Derartige Anforderungen lassen
sich schwer im Hinblick auf alle genannten Aufgaben erfüllen: Sie gelten mehr
für diejenigen mit einem ausgeprägten Dienstleitungscharakter,
weniger für Führungsaufgaben. Daher
erscheint idealtypisch eine Zweiteilung der Funktionen von Zentralbereichen in
eine Steuerungs- und eine Servicefunktion sinnvoll, die in der
Praxis in vielfacher Weise miteinander kombiniert werden können (Kreisel,
Henning 1995, S. 118 ff.; Reckenfelderbäumer,
Martin 2001, S. 73 f.).
2. Steuerungsfunktion
Zenralbereiche mit Steuerungsfunktionen dienen vor allem der
Abstimmung der einer bestimmten Verrichtungsart zuzurechnenden Aktivitäten. Die
damit verfolgten Steuerungszwecke können z.B. in der Auslastung vorhandener
Programmierkapazitäten, der Vermeidung von Doppelarbeiten oder der Erzielung
günstiger Konditionen im Einkauf liegen (Kreisel,
Henning 1995, S. 119). Werden derartige Steuerungsaufgaben durch
Zentralbereiche wahrgenommen, schränkt dies zwangsläufig die Autonomie der
Geschäftsbereiche ein. Daher erbringen Zentralbereiche mit Steuerungsfunktion
vor allem prüfende und überwachende
Dienstleistungen (evaluation/audit services; Stauss, Bernd
1995, S. 66), wie es etwa bei einem Zentralbereich „ Controlling “ oder
„ Unternehmensplanung “ der Fall ist. Neben die obligatorische Tendenz zur
Aufgaben- bzw. Verrichtungszentralisation tritt bei der Wahrnehmung der
Steuerungsfunktion insofern eine weitgehende Entscheidungszentralisation.
3. Servicefunktion
Im Rahmen der Servicefunktion kommt den Zentralbereichen die
Aufgabe der Entlastung der Geschäftsbereiche oder der Unternehmungsleitung
durch Übernahme bestimmter Sekundäraufgaben zu, die vor allem unterstützenden und beratenden Charakter
haben (support/advice services; Stauss, Bernd
1995, S. 66). Angestrebt werden vor allem wirtschaftliche Formen der
Leistungserstellung durch die Ausnutzung von Synergieffekten, speziell Größen-
und Lerneffekten, teilweise aber auch bedingt durch einen Know-how-Vorsprung
qualitativ höherwertige Leistungen. Beispiele sind Schulungsabteilungen oder
die Marktforschungsabteilung.
Eine Wahrnehmung der Servicefunktion muss nicht mit einer
Entscheidungszentralisation verbunden sein. Es gibt viele Zentralbereiche, die
ohne eine Steuerungsfunktion auskommen und damit dem oben angesprochenen
„ neueren “ Verständnis der Zentralbereiche entsprechen: Zentralbereiche sollen
vor diesem Hintergund als Anbieter auf „ internen Märkten “ agieren.
IV. Grundlegende
Gestaltungsformen von Zentralbereichen
1. Einführung
Eine wichtige Grundlagenstudie zur Systematisierung von
Zentralbereichen lieferte der Arbeitskreis
Dr. Krähe der Schmalenbach-Gesellschaft bereits vor über 50 Jahren mit der
auf die Hauptverwaltung von Konzernen bezogenen Einteilung in Zentralstellen,
Führungsstellen, Schaltstellen und Eigenstellen (Arbeitskreis
Dr. Krähe der Schmalenbach-Gesellschaft, 1952, S. 26 ff.). In den
1990er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Thema durch den Arbeitskreis „ Organisation “ der
Schmalenbach-Gesellschaft aufgegriffen und weitergeführt (Frese,
Erich/v. Werder, Axel v./Maly, Werner 1993): Mit dem Kernbereichs-,
dem Richtlinien-, dem Matrix-, dem Service- und dem Stabsmodell wurden auf
Basis empirischer Untersuchungen fünf Idealtypen von Zentralbereichen
herausgearbeitet, die sich anhand der unterschiedlichen Kompetenzverteilung und
Aufgabenzuweisung kennzeichnen lassen (Frese, Erich
2000, S. 493). Darauf aufbauend wurde eine Systematik entwickelt, die auf einer
grundlegenden Unterscheidung in Service-
und Steuerungsmodelle beruht und damit an der Fragestellung anknüpft, in
welchem Umfang in bestimmten Zentralbereichen jeweils die Steuerungs- und/oder
die Servicefunktion ausgeprägt ist (Kreisel,
Henning 1995, S. 116 ff.). Einen Überblick bezüglich des jeweiligen
Grades der Verrichtungs- sowie der Entscheidungszentralisation der fünf
identifizierten Modelle vermittelt Tab. 1 (Reckenfelderbäumer,
Martin 2001, S. 136 ff.).
Tab. 1: Einordnung der verschiedenen Zentralbereichstypen in
Abhängigkeit der Ausprägung von Entscheidungs- und Verrichtungszentralisation
2. Steuerungsmodelle
Weisungsmodell, Matrixmodell und Stabsmodell als
Steuerungsmodelle (Kreisel,
Henning 1995, S. 128 ff.) weisen die Gemeinsamkeit auf, dass sie
nicht unmittelbar mit der Durchführung, sondern mit der Koordination bestimmter
Tätigkeiten befasst sind (mittelmäßig ausgeprägte Verrichtungszentralisation).
Folgende Unterschiede bestehen:
-
Beim Weisungsmodell werden die Spielräume der
Geschäftsbereiche erheblich eingeschränkt: Der Zentralbereich trifft für die
betroffenen Aufgabenfelder die Grundsatzentscheidungen und erteilt Weisungen.
Die Umsetzung und Ausführung der Aufgaben obliegt dann den
Geschäftsbereichen. Die Verankerung der Steuerungsfunktion ist daher bei
Weisungsbereichen besonders ausgeprägt, während die Servicefunktion extrem in
den Hintergrund tritt. Praktisch bedeutsam ist diese Organisationsform z.B.
in bestimmten Bereichen des Controlling, etwa bei der Schaffung der Controlling-Infrastruktur.
Im Rahmen der empirischen Analysen des Arbeitskreises
„ Organisation “ waren Weisungsbereiche auch in der Werbung und
Verkaufsförderung vergleichsweise häufig anzutreffen (Krüger,
Wilfried/v. Werder, Axel v. 1993, S. 271).
-
Beim Einsatz des Matrixmodells sind Zentral- und
Geschäftsbereiche bezüglich der betreffenden Aufgaben nur gemeinsam
entscheidungsbefugt, sodass der Einfluss der Geschäftsbereiche größer ist als
beim Weisungsmodell. Der Grad der Entscheidungszentralisation ist somit
geringer, und es bedarf der Bildung von Entscheidungsausschüssen. Die
gemeinsam getroffenen Entscheidungen sind für die Geschäftsbereiche
hinsichtlich der Umsetzung in konkrete Maßnahmen bindend. Entsprechende
Modelle konnten empirisch z.B. ebenfalls für die Werbung und
Verkaufsförderung sowie im Bereich der Informationsverarbeitung
(Anwendungsplanung) identifiziert werden (Krüger,
Wilfried/v. Werder, Axel v. 1993, S. 271).
-
Das Stabsmodell hat sich im Rahmen der Untersuchung
des Arbeitskreises „ Organisation “
als nahezu bedeutungslos erwiesen (Krüger,
Wilfried/v. Werder, Axel v. 1993, S. 271), wobei festgehalten
werden muss, dass die Ursache dafür u.a. in der Ausgestaltung der Studie
gelegen haben dürfte, die primär auf das Zusammenwirken von
Geschäftsbereichen und Zentralbereichen gerichtet war (Frese,
Erich/v. Werder, Axel v. 1993, S. 5). Die
Entscheidungszentralisation ist beim Stabsmodell in diesem Fall relativ
schwach ausgeprägt, da die Entscheidungskompetenzen bei den
Geschäftsbereichen liegen. Im Hinblick auf die Entscheidungsunterstützung für
die Unternehmungsleitung hat das Stabsmodell sicherlich eine erheblich
größere Bedeutung.
3. Servicemodelle
Servicemodelle sind typisch für Zentralbereiche, die vor
allem mit der Durchführung bestimmter
(Dienstleistungs-)Aufgaben befasst sind und zu diesem Zweck über einen
eigenen Ressourcenpool verfügen (Kreisel,
Henning 1995, S. 121 ff.). Zu den Servicemodellen zählen das
Wettbewerbs- sowie das Kernbereichsmodell:
-
Beim Wettbewerbsmodell wird das Aufgabenspektrum des
Zentralbereichs eindeutig durch die Servicefunktion dominiert. Insofern
können die Geschäftsbereiche über das „ ob “ und „ was “ der durch die
Zentralbereiche zu erbringenden Leistungen entscheiden und entsprechende
Aufträge erteilen. Die Zentralbereiche selbst bestimmen dann das „ wie “ der
Erfüllung der Aufgaben. Außerdem haben die Geschäftsbereiche häufig die
Option, die benötigten Dienstleistungen extern zu beziehen. Der Grad der
Entscheidungszentralisation ist somit vergleichsweise gering, marktähnliche Koordinationsmechanismen
dominieren. Als empirisch bedeutsame Anwendungsfelder dieses Modells haben
sich z.B. die Marktforschung sowie im Bereich der Informationsverarbeitung
Rechenzentrum und Benutzerservice erwiesen (Krüger,
Wilfried/v. Werder, Axel v. 1993, S. 271).
-
Das Kernbereichsmodell weist neben einer ausgeprägten
Service- eine gleichermaßen starke Steuerungsfunktion auf, wird aber aufgrund
der Tatsache, dass die betreffenden Dienstleistungsaufgaben durch den
Zentralbereich ausgeführt werden, zu den Servicemodellen gezählt. Im
Unterschied zum Wettbewerbsmodell ist es durch eine starke Entscheidungszentralisation
gekennzeichnet. Bei derartigen Zentralbereichen werden die betreffenden
internen Dienstleistungen vollständig aus den Geschäftsbereichen ausgelagert
und in nur einer zentralen organisatorischen Einheit verankert. Das
Kernbereichsmodell schränkt die Gestaltungsspielräume der Geschäftsbereiche
stärker ein als alle anderen Zentralbereichsformen, da Kernbereiche
selbstständig über die durchzuführenden Aktivitäten entscheiden und die
Durchführung mit Hilfe der vorhandenen Ressourcen auch selbst übernehmen.
Praktische Relevanz besitzt das Kernbereichsmodell z.B. häufig für die
Personalverwaltung und -ausbildung, aber auch in der Informationsverarbeitung
(u.a. Datenmanagement sowie Netzwerk- und Kommunikationsmanagement) (Krüger,
Wilfried/v. Werder, Axel v. 1993, S. 271).
In der Praxis lassen sich vielfältige Mischformen der fünf Grundmodelle bilden und finden, die konkrete
Ausgestaltung bleibt dem Einzelfall vorbehalten.
V. Bewertung und
Gestaltungsoptionen von Zentralbereichskonzepten
Zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Organisationsstrukturen einschließlich
ihrer Elemente (u.a. Zentralbereiche) werden vornehmlich die organisatorische Effektivität und Effizienz
herangezogen (Ahn,
Heinz/Dyckhoff, Harald 1997, S. 2). Dabei ist es strittig, was unter
Effektivität und Effizienz zu verstehen ist und wie diese Größen
operationalisiert werden können (Reckenfelderbäumer,
Martin 2001, S. 106 ff.). Diese Diskussion kann an dieser Stelle
nicht aufgegriffen werden. Daher werden lediglich einige grundlegende Aspekte
der Bewertung und zielgerichteten Gestaltung der Modelltypen angesprochen. Zu
differenzierteren Ansätzen sei auf die entsprechende Spezialliteratur verwiesen
(Frese,
Erich/v. Werder, Axel v. 1993, S. 24 ff.; Kreisel,
Henning 1995, S. 145 ff.; Reckenfelderbäumer,
Martin 2001, S. 289 ff.).
1. Ansatzpunkte für Steuerungsmodelle
Zentralbereiche mit Steuerungsfunktion sollen u.a. für eine
im Vergleich zu alternativen Formen der Verteilung von Entscheidungskompetenzen
höhere Koordinationseffizienz sorgen: Es ist nach einer Lösung zu suchen, bei
der in Abhängigkeit von der Koordinationsintensität die Summe aus Autonomie- und Abstimmungskosten ihr
Minimum erreicht (Frese, Erich
2000, S. 258 ff.). Autonomie- und Abstimmungskosten verhalten sich
grundsätzlich gegenläufig: Während die Autonomiekosten bei zunehmender
Entscheidungsdezentralisation tendenziell steigen, da es zu Problemen infolge
eingeschränkter Koordinierbarkeit der Einzelpläne kommt, steigen die
Abstimmungskosten bei zunehmender Entscheidungszentralisation, da vor der
Entscheidungsfindung die zentrale Instanz ein entsprechend großes Maß an
Informationen beschaffen, aufbereiten und in Entscheidungsgrundlagen umsetzen
muss. Autonomie- und Abstimmungskosten können allerdings nicht rechnerisch
exakt ermittelt, sondern nur der Tendenz nach abgeschätzt werden. Dennoch kann
die Analyse der Koordinationseffizienz, die sich mit Hilfe
organisationstheoretischer Konzepte weiter differenzieren lässt (Frese, Erich
2000, S. 264 ff.), der Unternehmungsleitung wertvolle Impulse für die
Gestaltung der Zentralbereiche geben.
2. Leitlinien für Servicemodelle
Für Zentralbereiche mit Servicefunktion, insbesondere in Form
des Wettbewerbsmodells, geht es vor allem darum, den internen Abnehmern effektive und effiziente Dienstleistungen
anzubieten und sich damit auf den „ internen Märkten “ zu behaupten. Dies können
sie nur, wenn sie durch die Unternehmungsleitung die für ein derartiges
Verhalten erforderlichen Kompetenzen bekommen. Derartige Bereiche sollten daher
nach dem Service-Center-Konzept (Eversmann,
Moritz 1994) gestaltet werden. Service-Center stellen
innerbetriebliche Äquivalente (oft auch eine Vorstufe) zu den auf externen
Märkten agierenden Profit-Centern dar und gehen insofern über die heute für Zentralbereiche
noch weit verbreiteten Cost-Center-Ansätze deutlich hinaus: Bereiche, die
keinen direkten Zugang zum externen Absatzmarkt haben, können an ihrem
wirtschaftlichen Erfolg gemessen werden, indem Kosten- und (interne)
Erlösgrößen einander gegenübergestellt werden. Da die internen Kunden keiner
Abnahmepflicht unterliegen und die betreffenden Leistungen i.d.R. auch extern
beziehen können, muss ergänzend sichergestellt werden, dass die zentralen
Dienstleister ihre eigene Kosten- und Erlössituation in wesentlichen Bereichen
selbst beeinflussen können, denn nur dann können sie anhand entsprechender
ökonomischer Größen beurteilt werden.
VI. Fazit und Ausblick
Zentralbereiche sind in der Praxis vielfältiger Kritik ausgesetzt, die vom Vorwurf
unverhältnismäßig hoher Kosten, denen keine entsprechenden Leistungen
gegenüberstehen, über die Unterstellung einer mangelhaften Markt-, Kunden- und
Wettbewerbsorientierung, niedriger Produktivität und schlechter Qualität bis
hin zur Bemängelung fehlender Fähigkeit und Bereitschaft zur Kooperation
reichen. Diese Kritik wird oft pauschal geäußert und nicht differenziert auf
unterschiedliche Formen von Zentralbereichen bezogen: Je nach Art der
Ausgestaltung kann sich durchaus ein differenziertes Bild ergeben, denn z.B. das
Wettbewerbsmodell weicht als marktorientierte Organisationsform von dem
kritisierten Verständnis der Zentralbereiche deutlich ab. Wenn auch empirische
Studien belegen, dass in den letzten Jahren die Tendenz zu einem Abbau von Zentralbereichen geht (Bühner, Rolf
1996, S. 17 ff.), werden diese auch zukünftig nicht komplett verzichtbar sein.
Dies gilt trotz aller Dezentralisationsbestrebungen auch für Steuerungsmodelle
(Picot,
Arnold/Reichwald, Ralf/Wigand, Rolf T. 1996, S. 215 f.), wenngleich
sie insbesondere gegenüber dem Wettbewerbsmodell an Bedeutung verlieren
dürften.
Literatur:
Ahn, Heinz/Dyckhoff, Harald :
Organisatorische Effektivität und Effizienz, in: WiSt, Jg. 26, 1997, S. 2 – 6
Arbeitskreis Dr. Krähe der
Schmalenbach-Gesellschaft, : Konzern-Organisation, Köln et al. 1952
Braun, Günther E./Beckert, Joachim :
Funktionalorganisation, in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992,
Sp. 640 – 655
Bühner, Rolf : Gestaltung von
Konzernzentralen, Wiesbaden 1996
Bühner, Rolf : Spartenorganisation,
in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp. 2274 – 2287
Eisenführ, Franz : Divisionale
Organisation, in: HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, 2. A., Stuttgart 1992, Sp.
558 – 568
Eisenstat, Russell A. : Corporate
Staff Work in Divisionalized Corporations, Working Paper, Harvard Business
School, Boston, MA 1990
Eversmann, Moritz : Service-Center,
in: Controller Magazin, Jg. 19, 1994, S. 347 – 350
Frese, Erich : Grundlagen der
Organisation, 8. A., Wiesbaden 2000
Frese, Erich/Werder, Axel v. :
Zentralbereiche – Organisatorische Formen und Effizienzbeurteilung, in:
Zentralbereiche, hrsg. v. Frese, Erich/Werder, Axel v./Maly, Werner, Stuttgart
1993, S. 1 – 50
Frese, Erich/Werder, Axel v./Maly,
Werner : Zentralbereiche, Stuttgart 1993
Kreikebaum, Hartmut :
Zentralbereiche, in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp.
2603 – 2610
Kreisel, Henning : Zentralbereiche,
Wiesbaden 1995
Krüger, Wilfried/Werder, Axel v. :
Zentralbereiche – Gestaltungsmuster und Entwicklungstrends in der
Unternehmungspraxis, in: Zentralbereiche, hrsg. v. Frese, Erich/Werder, Axel
v./Maly, Werner, Stuttgart 1993, S. 235 – 285
Picot, Arnold/Reichwald, Ralf/Wigand,
Rolf T. : Die grenzenlose Unternehmung, 2. A., Wiesbaden 1996
Reckenfelderbäumer, Martin : Zentrale
Dienstleistungsbereiche und Wettbewerbsfähigkeit, Wiesbaden 2001
Schuster, Hermann : Kooperation
zwischen internen Service-Bereichen, Wiesbaden 1998
Stauss, Bernd : Internal Services:
Classification and Quality Management, in: International Journal of Service
Industry Management, Jg. 6, H. 2/1995, S. 62 – 78
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