Inhaltsübersicht
I. Bedeutung
des Recycling für die Volkswirtschaft und einzelne Unternehmungen
II. Der
Recyclingbegriff
III. Stoffkreisläufe
und Downcycling
IV. Voraussetzungen
für die Wirtschaftlichkeit von Recyclingprozessen
I. Bedeutung des
Recycling für die Volkswirtschaft und einzelne Unternehmungen
Die herkömmliche industriell ausgerichtete Wirtschaftsweise
führt zu einem kontinuierlichen Ressourcenabbau und sowohl zu
produktionsbegleitenden Abprodukten als auch zu einem Müllaufkommen am Ende der
Nutzungsphase der Produkte. Umweltprobleme entstehen zum einen durch die
Transferierung von Rohstoffen aus der Ökosphäre in die Technosphäre (gedankliche
Zusammenfassung der durch industrielle Betätigung entstandenen Stoffströme zu
einem System), zum anderen durch die unkontrollierte Einbringung der in der
Technosphäre entstandenen künstlichen Substanzen in die Umwelt (Immissionen).
Durch diese Aktionen werden die Fließgleichgewichte der Biosphäre und der
Atmosphäre erheblich gestört (Liesegang, D.
G. 1992).
Versucht man, sich ein Bild über das Ausmaß der
Umweltbelastung durch die Aktivitäten in der Technosphäre zu machen, erweist es
sich als sinnvoll, den gesamten
Lebenszyklus eines Produktes zu betrachten. So entstehen immense Stoff-,
Energie- und Abfallströme bei Produkten zunächst bei der Rohstoffgewinnung. Bei
der Extraktion von einem Gramm Platin müssen bspw. etwa 0,3 to Gestein bewegt
und bearbeitet werden. Geht man davon aus, dass ein Katalysator für ein Auto
(der als End-of-the-pipe-Technologie zur Schonung der Umwelt gedacht ist) zwei
bis drei Gramm Platin enthält, so beträgt der so genannte »ökologische
Rucksack« (Schmidt-Bleek,
F. 1993, S. 19), also die insgesamt für einen Bau bewegte Menge an
Material, ungefähr eine Tonne. Damit entstehen heutzutage durch die
industrielle Betätigung insgesamt gravierende, anthropogene Einschnitte in die
stoffliche Zusammensetzung der Erdoberfläche, welche bereits die natürlichen
Massebewegungen innerhalb der Geosphäre insgesamt übersteigen.
Die an die Rohstoffextraktion anschließenden Belastungen der
Umwelt durch die Produktion von Vor-, Zwischen- und Endprodukten setzen sich
bei Verpackung, Distribution, Gebrauch und bei Entsorgung dieser Produkte
weiter fort (Garbe, E.
1994). Eines der Ziele einer so genannten Reduktionswirtschaft ist es nun,
diese Gefährdungen der Biosphäre durch die Technosphäre zu vermindern, indem
die Technosphäre mit Ausnahme der Energiezufuhr zu einem näherungsweise geschlossenen Kreislaufsystem umgestaltet
werden soll. Der Einsatz von Sekundärrohstoffen als Ergebnis einer konsequenten
Stoffkreislaufwirtschaft spart Primärrohstoffe ein und verlängert damit deren
Verfügbarkeit.
Unter Sekundärrohstoffen versteht man » ? durch produktive
Arbeit aus Abfällen und Altsoffen nach entsprechender Aufbereitung gewonnene
stoffliche Substanzen, die als Rohstoffe/Material erneut der betrieblichen bzw.
volkswirtschaftlichen Produktion zugeführt werden können« (Garbe, E.
1994, S. 30).
Des Weiteren kann dabei der Energieeinsatz bei der Gewinnung von Sekundär- im Vergleich zu
Primärrohstoffen verringert werden.
So beträgt der Energieaufwand zur Herstellung von Sekundäraluminium nur
ungefähr ein Zehntel der Energie, die zur Herstellung von Primäraluminium
benötigt wird (Liesegang, D.
G. 1992). Ein weiterer volkswirtschaftlicher Aspekt des Recyclings
ist die Sicherung der Rohstoffversorgung
bei Berücksichtigung eines politischen Ausfallrisikos. So werden bis zu 100
v.H. einiger in Deutschland verarbeiteter Rohstoffe importiert, wie z.B.
Kupfer, Zinn, Mangan, Nickel etc. (Berg, C. C.
1979).
Ende der 1970er-Jahre
bestanden die Überlegungen, ob Recyclingprozesse eingeführt werden sollten, aus
reinen Kosten-Nutzen-Analysen,
innerhalb derer die Kosten des Recyclingverfahrens mit den Kosten der
Abfallbeseitigung und den Kosten der Beschaffung der durch Recycling zu
substituierenden Primärrohstoffe und Energieträger betrachtet wurden (z.B. Berg, C. C.
1979). Eine Unternehmung wird auch heutzutage bei der Klärung der Make or
Buy-Entscheidung bezüglich der Schaffung eines Recyclingprozesses eine
ausführliche Kostenanalyse aufstellen; dabei sind jedoch auch weitergehende umweltbezogene Überlegungen
einzubeziehen. So ist es ein weiteres Ziel des Recyclings, neben der Schonung
der knapper werdenden Rohstoffressourcen auch eine Verminderung des
Abfallaufkommens zu erreichen. Da durch das stetige Anwachsen der Müllberge die
Entsorgungsproblematik kontinuierlich zunimmt, ist unter der Berücksichtigung
der ansteigenden Deponierungskosten eine zukünftig wesentlich kostenintensivere
Entsorgung zu erwarten. Damit trägt die konsequente Ausnutzung der
Recyclingmöglichkeiten auch zur Minderung der Gesamtkosten bei und kann so im
Idealfall zu einer Steigerung der Wettbewerbsposition gegenüber weniger
konsequenten Konkurrenten führen. Beachtet man die durch den Gesetzgeber
vorgesehenen und z.T. bereits vollzogenen umweltpolitischen Rahmenbedingungen,
wie z.B. die Rücknahmeverordnung von Verpackungen im Rahmen der Novellierung
des Abfallgesetzes, dem sog. Kreislaufwirtschaftsgesetz, so ist eine
Unternehmung allein durch die Erfüllung dieser Auflagen und Bestimmungen
gezwungen, recyclingorientierte Überlegungen in seine strategischen Planungen
einzubeziehen.
II. Der
Recyclingbegriff
1. Allgemeine Definitionen
Das englische Wort »recycling« lässt sich zunächst mit
»Wiederverwertung« übersetzen und stammt aus dem griechischen Wort »kyklos = der Kreis«. Der sehr umfassende
Begriff des Recycling beinhaltet die Wiedergewinnung von Stoffen aus festen,
flüssigen und gasförmigen Aggregatzuständen und die Nutzung der i.d.R. als
Abwärme anfallende Abfallenergie (Berg, C. C.
1979). Unter Recycling in der Produktion i.e.S. versteht man die Rückführung
von aufgearbeiteten Abfällen in den Produktionsprozess (Heeg, F. J.
1994). Eine weitere traditionelle Definition beschreibt das Recycling als eine
»Wiederverwendung von Abfällen, Nebenprodukten oder (verbrauchten) Endprodukten
der Konsumgüterindustrie als Rohstoffe für die Herstellung neuer Produkte« (Brockhaus, 1992,
S. 165). Da in der Literatur der letzten Jahre eine ausgiebige Diskussion über
die Auslegung des Abfallbegriffs stattgefunden hat, der in der oben genannten
Definition jedoch nicht näher erläutert wird, ist die Definition von Kleinaltenkamp (Kleinaltenkamp,
M. 1985, S. 21) unproblematischer zu verwenden:
»Zum Recycling zählen all jene Prozesse, durch die ein
bislang nicht verwerteter Materie- bzw. Energieoutput des Wirtschaftssystems
diesem als Inputfaktor wieder zugeführt wird.«
2. Systematisierung der Recyclingarten
In der Literatur findet man unterschiedliche
Systematisierungen der Recyclingarten. So unterscheiden Pfeiffer/Schultheiß/Staudt (Pfeiffer,
W./Schultheiß, B./Staudt, E. 1976) das unternehmensinterne, das
Non-Abfall- und das interindustrielle Recycling. Die Klassifikation der
Recyclingarten nach Wiederverwendung, -verwertung und Weiterverwendung findet
man bei Hösel (Hösel, G.
1972), während Strebel/Görg (Strebel,
H./Görg, M. 1981) nach Produktions- und
Konsumtionsrückständerecycling differenzieren. In Anlehnung daran unterscheidet
Jahnke (Jahnke, B.
1986) inner-, intra- und extrabetriebliches Recycling.
Einen grundlegenden Beitrag zur Differenzierung des Recycling
leistet die VDI-Richtlinie 2243 (VDI, 1991),
in welcher die folgenden Einteilungsmöglichkeiten beschrieben werden (vgl. Abb. 1):
Abb. 1: Systematisierung der Recyclingarten
1.
Recycling nach Kreislaufarten,
2.
Recycling-Behandlungsprozesse,
3.
Formen des Recycling.
zu (1) Die Gliederung
nach Kreislaufarten orientiert sich am Lebenszyklus technischer Produkte –
Produktion, Produktgebraucht, Entsorgung – und damit auch an dem Zeitpunkt, zu
dem das Recycling stattfindet. Demnach unterscheidet man hier zwischen
folgenden drei Arten, die sich gegenseitig ergänzen und zu erheblich
verringerten Stoffflüssen führen (Steinhilper,
R. 1994):
-
Produktionsabfallrecycling,
-
Recycling während des Produktgebrauchs und
-
Recycling nach Produktgebrauch.
Bei dem Produktionsabfallrecycling handelt es sich um die
Verwertung aller beim Produktionsprozess anfallenden Reststoffe. Darunter
versteht man Blechverschnitt, Gussabfälle, Späne, Stanzabfälle und auch
Betriebsmittel, wie z.B. Öle, Fette, Reinigungsmittel etc. Nach Heeg/Veismann/Schnatmeyer (Heeg, F.
J./Veismann, M./Schnatmeyer, M. 1994) erreichen derartige
Einsparungspotenziale zusammen mit Abfallverminderungsmaßnahmen Größenordnungen
bis zu 20 v.H.
Das Recycling während
des Produktgebrauchs beinhaltet die Wiederverwendung oder Weiterverwendung
eines Produktes nach einem Gebrauchsstadium. Nach einer Aufarbeitung können die
Produkte dann der weiteren Verwendung zugeführt werden (z.B. Wiederverwendung
runderneuerter Reifen oder Nutzung von alten Autoreifen als Pufferschutz) (Warnecke,
H.-J. 1993).
Beim Recycling nach dem
Produktgebrauch, auch als Altstoff- oder Materialrecycling bezeichnet, wird
die ursprüngliche Produktstruktur behandelt, z.B. durch das Shreddern von
Metallen oder die Verarbeitung von Kunststoffen zu Granulat. Erhält man bei
diesen Vorgängen eine ausreichende Qualität, so können die Recyclate erneut in
dem Produktionsprozess eingesetzt werden (z.B. Glas- oder Stahlerzeugung).
Entsprechen diese Stoffe nicht den Qualitätsanforderungen für eine
Wiederverwertung, können sie auch in einem Weiterverwertungsprozess eingesetzt
werden (z.B. Parkbänke aus Kunststoffgranulaten).
zu (2) Unter dem Aspekt der Recycling-Behandlungsprozesse unterscheidet die VDI-Richtlinie
zwischen den bereits erwähnten Prozessen der Aufbereitung und der Aufarbeitung.
Im Recycling bei der Produktion und nach dem Produktgebrauch kommt zumeist der
Behandlungsprozess der Aufbereitung zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um
verfahrenstechnische Prozesse zur Rückgewinnung von Werkstoffen, die meist
einer metallurgischen oder sonstigen Verwertung vorgeschaltet sind. Beim
Recycling während des Produktgebrauchs dominiert i.d.R. der Behandlungsprozess
der Aufarbeitung. Hierbei sollen Produktgestalt und -eigenschaften für eine
neue Verwendung erhalten oder wiederhergestellt werden. Das Ziel ist in diesem
Falle die Werkstückrückgewinnung durch fertigungstechnische Prozesse (Steinhilper,
R. 1988).
zu (3) Heute bezieht sich der Begriff des Recycling i.w.S.
nicht nur auf die den Aufbereitungsprozessen folgende stoffliche Verwertung,
sondern auch auf die dem Aufarbeitungsprozess folgende erneute Nutzung der
Produktfunktionen – die Verwendung. Die Arten der Verwertung bzw. Verwendung
werden als Recyclingformen bezeichnet
und wie folgt weiter differenziert (Garbe, E.
1994):
(a)
Bei der Wiederverwendung handelt es sich um eine
wiederholte Verwendung eines Produktes für den für die Erstverwendung
vorgesehenen Verwendungszweck (Bsp.: Pfandflasche, Austauschmotor).
(b)
Unter Weiterverwendung versteht man die Nutzung eines
Produktes für eine vom Erstzweck verschiedene Verwendung, für die es
ursprünglich nicht hergestellt wurde (Bsp.: Senfglas als Trinkglas;
Quarkbecher als Gefrierdose).
(c)
Als Wiederverwertung
bezeichnet man den Wiedereinsatz von Stoffen und Produkten in bereits früher
durchlaufenen Produktionsprozessen unter teilweiser oder völliger
Formauflösung und -veränderung (Bsp.: Altglaseinsatz bei der Glasherstellung;
Stahlschrotteinsatz bei der Stahlherstellung).
(d)
Weiterverwertung
ist der Einsatz von Stoffen und Produkten in noch nicht durchlaufenen
Produktionsprozessen unter Umwandlung zu neuen Werkstoffen oder Produkten;
dabei kommt es zu einem Verlust der Materialidentität und/oder zu einer
Gestaltänderung gegenüber den eingesetzten Produkten (Bsp.: Gewinnung von
Flüssigkeitsbrennstoffen aus Kunststoffabfällen durch Pyrolyse; Herstellung
von Kartonagen aus Papierabfällen).
Eine überschneidungsfreie Abgrenzung von Kreislaufarten,
Behandlungsprozessen und Recyclingformen ist in der Praxis nur selten möglich;
i.d.R. sind die Kopplung verschiedener Kreisläufe und Prozesse sowie eine
Kombination von Verwendung und Verwertung zu beobachten (Steinhilper,
R./Hudelmaier, U. 1993).
III. Stoffkreisläufe
und Downcycling
Bei der Schaffung von wirtschaftlichen Stoffkreisläufen kann
zunächst die Natur als Vorbild
dienen. Beispiele hierfür sind der atmosphärische Wasserkreislauf, der
Stickstoffkreislauf und der Kohlenstoffkreislauf. Diese Kreisläufe sind nahezu
geschlossene ökologische Systeme, in denen die Stoffe vollständig rezykliert
werden. Allerdings ist zu beachten, dass auch diese Systeme nur funktionieren,
weil Energie in Form von Sonnenlicht eingesetzt und Abwärme an die Umgebung
abgegeben wird (Dyckhoff, H.
1994). Versucht man dieses Vorbild auf wirtschaftliche Kreisläufe zu
übertragen, so sind auch dort physikalisch vorgegebene Grenzen zu beachten.
Diese Grenzen basieren auf den Hauptsätzen der Thermodynamik,
wonach Energie zwar weder erzeugt noch vernichtet werden kann (1. Hauptsatz),
aber aufgrund des zweiten Hauptsatzes (Entropiesatz) sich die in einem
abgeschlossenen thermodynamischen System befindliche freie, verfügbare Energie
verringert und damit die nicht verfügbare Energie zunimmt (Faber,
M./Niemes, H./Stephan, G. 1983).
Berücksichtigt man diese beiden Hauptsätze, so erkennt man,
dass eine auf allen Ebenen vollständig
geschlossene Kreislaufwirtschaft ohne Material- und Energieverluste
aufgrund ihrer physikalischen und ökonomischen Unmöglichkeit eine Utopie bleiben wird. Dennoch könnte
die bestehende Lücke zur vollständigen Kreislaufwirtschaft deutlich verringert
werden, wenn der Mensch Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft als
kontinuierliche energetische Zuflüsse in größerem Umfang nutzen würde. Wenn
jedoch der Vorgang der Wiedergewinnung selbst mehr Ressourcen verbraucht, als
dadurch eingespart werden können, so ist Recycling weder wirtschaftlich noch
ökologisch sinnvoll. Bei dem Versuch, ein hundertprozentiges Recycling
anzustreben, wird i.d.R. der ökologische und ökonomische Aufwand
überproportional steigen. Daher ist es realistischer, anstatt des vollständigen
Kreises eine sog. »Entwertungs-Spirale«
anzunehmen. Mit jedem Umlauf sinkt demnach der Nutzwert der eingesetzten
Ressource, bis schließlich nur noch unbrauchbare Abfälle und Abwärme
zurückbleiben (Hockerts,
K./Petmecky, A./Hauch, S. et al. 1994). Nutzt man nun den Rohstoff
auf der jeweils qualitativ darunter liegenden Ebene, so spricht man von Downcycling. Dies ist die am häufigsten
anzutreffende Form des Recycling, die meist jedoch nicht aus weit reichenden
Überlegungen bezüglich einer kaskadenmäßigen Nutzung der Qualität der
recycelten Stoffe auf der jeweiligen Ebene der Spirale resultiert, sondern
aufgrund stofflicher Gegebenheiten hingenommen werden muss. Die hier
angesprochenen Qualitätsmängel können einerseits aus einer mangelnden
Sortenreinheit der Recyclate resultieren, welche durch die Verwertung eines
Konglomerats schlecht oder schwer zu trennender Materialien entstanden sind (Heeg, F.
J./Veismann, M./Schnatmeyer, M. 1994). Andererseits kann das
Material in der Gebrauchs- und Nutzungsphase Abnutzungserscheinungen
unterliegen. Ein Beispiel hierfür ist das Altpapier-Recycling, bei dem die
wiedereingesetzten Zellstofffasern mit jeder weiteren Nutzung brüchiger werden
und damit nur begrenzt einsetzbar sind. Nur in wenigen Prozessen führt ein
wiederholtes Recycling zu einer Qualitätsverbesserung der Substanzen, in diesem
Falle spricht man auch von Up-cycling
(Steinhilper,
R. 1994).
IV. Voraussetzungen
für die Wirtschaftlichkeit von Recyclingprozessen
Als Voraussetzung eines optimalen innerbetrieblichen
Recyclings kann man zunächst eine größtmögliche
Nutzung der Einsatzstoffe und eine Minimierung
der eingesetzten Energie festhalten. Dabei sollten bei einer ökologischen
Betrachtung die eingesetzten Rohstoffe und Energien auf den jeweiligen Umfang
der Nutzenstiftung bzw. Dienstleistung bezogen werden (Schmidt-Bleek,
F. 1993). Basis für eine Optimierung des innerbetrieblichen
Recyclings ist die Erstellung einer möglichst umfassenden Input-Output-Analyse, in der sämtliche Material-,
Energie- und Stoffströme erfasst werden. Hierbei können relevante Informationen
über Verbräuche und potenzielle Verknüpfungsmöglichkeiten für
Wiederverwendungskreisläufe gewonnen werden (Staudt, E.
1984). Das Wiedergewinnen von Einsatzstoffen kann vereinfacht und sowohl
ökonomisch als auch ökologisch sinnvoller gestaltet werden, wenn schon bei der
Planung von Neuprodukten auf eine recyclinggerechte
Konstruktion im Rahmen einer ökologieorientierten Produktgestaltung
geachtet wird.
Der erste Schritt zur erneuten Nutzung von Wertstoffen
besteht in deren physischer Erfassung. So gewährleisten nur wohl durchdachte
Erfassungs-, Sammel- und Sortiersysteme im Rahmen einer optimierten
Entsorgungslogistik eine zielgerichtete Rückgewinnung der in ausgesonderten
Erzeugnissen enthaltenen Inhaltsstoffe. Eine gut organisierte Retrodistribution
ist die Voraussetzung für eine Erzielung hoher Verarbeitungsmengen in
Betrieben, die sich auf Teilfunktionen spezialisiert haben (z.B.
Fotochemikalien-Recycler) und nur durch eine kontinuierliche Auslastung ihrer
Anlagen Economies of Scale erreichen können. Dabei können
Rückstandsvermittlungssysteme, z.B. in Form von Abfallbörsen, die Transparenz
auf den Recyclingmärkten erhöhen.
In der Demontage zur Vorbereitung des eigentlichen
Recyclingprozesses wird ein Teil der produktionswirtschaftlichen Vorgänge
rückwärts durchlaufen (Riebel, P.
1955). Die daran anschließende sortenreine Erfassung und Identifikation der
einzelnen Werkstoffgruppen wird unterstützt durch eine sorgfältige
Kennzeichnung und Dokumentation der unterschiedlichen Materialien in der
Produktentstehungsphase. Hier kann es sinnvoll sein, langfristige Kooperationen
zwischen Herstellern und Recyclern (Produzenten und Reduzenten) anzustreben, um
das Risiko einer ungewissen Produktentsorgung am Ende des Produktlebenszyklus
zu minimieren.
Berücksichtigt man zum einen die tendenziell ansteigenden
Deponierungskosten und zum anderen das von Gesetzgeberseite in absehbarer Zeit
voraussichtlich weiter verschärfte Gebot der Rückstandsnutzung, so werden
systematische Abfallvermeidungsaktivitäten an Bedeutung gewinnen (Horneber, M.
1995). Werden die nach dem Gebrauch eines Produktes verbleibenden Reststoffe
nicht als Abfall, sondern als Wirtschaftsgut angesehen, so wird die Industrie
in Verwertungstechnologien investieren, aber auch nur dann, wenn diese als
wirtschaftlich erachtet werden (Donner, P.
1993). Ein mögliches Hemmnis beim Übergang von einer
Abfallentsorgungswirtschaft zu einer Verwertungswirtschaft wird durch die
Konkurrenz zwischen Sekundär- und Primärrohstoffen hervorgerufen. Denn bei gut
funktionierenden Recyclingprozessen wird durch das folgende Überangebot an
Substitutionsstoffen ein Preisverfall auf dem jeweiligen Rohstoffmarkt
resultieren (Buekens, A.
1987). Damit bilden sich Wirtschaftszyklen mit negativen Rückkopplungen, die
den Betrieb von hochspezialisierten Sortier-, Aufbereitungs- und
Verwertungsanlagen mit einem hohen Risiko belegen, welches eher von
kapitalstarken Wirtschaftssubjekten getragen werden kann. Zudem sind die
Recycling-Märkte durch die Besonderheit gekennzeichnet, dass ihr
Geschäftsumfang zusätzlich auf der Inputseite durch den jeweiligen Pool an
recycelfähigen Altprodukten begrenzt ist.
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