Inhaltsübersicht
I. Zur
Terminologie
II. Zur
Bedeutung des Beschaffungsmarketing
III. Zum
Planungsprozess
IV. Der
Prozess des Beschaffungsmarketing
I. Zur Terminologie
Marketing
konzentriert sich »? als Ausdruck eines marktorientierten unternehmerischen
Denkstils ?« (Nieschlag,
R./Dichtl, E./Hörschgen, H. 1991, S. 8) auf die Outputprozesse von Unternehmen. Fasst man jedoch Marketing als eine
Sozialtechnik auf,
-
die sich auf die Beeinflussung von Austauschprozessen zwischen
Personen/Institutionen und Institutionen/Institutionen konzentriert,
-
wobei die Beeinflussung der anderen zur eigenen Zielerfüllung dient
-
und die Zielerfüllung umso besser gelingt, je mehr man
die Wünsche/Ansprüche des anderen in den Mittelpunkt der eigenen Tätigkeit
stellt
dann erweitert sich das Tätigkeitsfeld beträchtlich.
Austauschprozesse finden zusätzlich auf dem Beschaffungsmarkt
und auch bei der Abstimmung im Rahmen von Transformationsprozessen
statt (vgl. Abb. 1).
Abb. 1: Beschaffung als Inputprozess (Quelle: Koppelmann,
U. 1993, S. 4)
Den Versorgungsprozess
beschreibt man in der Betriebswirtschaftslehre herkömmlich mit Beschaffung,
sodass wir dem bekannten Absatzmarketing – meist kurz als Marketing betitelt –
das Beschaffungsmarketing an die
Seite stellen könnten. Damit erfasst man die Realität aber nur teilweise, denn
in diese Versorgung ist auch die Logistik als Beschaffungslogistik einbezogen.
So sind die Bezeichnungen der Vorstandsressorts durchaus unterschiedlich: Mal
ist Einkauf oder Beschaffung, mal Logistik die umfassendere Umschreibung. So
wie sich im Absatzmarketing die Distributionslogistik zunehmend verselbstständigt,
wird man auch bei der Beschaffungslogistik
damit rechnen müssen, dass sich hier die zentrale logistische Steuerung der
Güterprozesse in einer gebündelten Verantwortung durchsetzen wird. Darauf
könnte sich beispielsweise die folgende Aufgabentrennung
ergeben (vgl. Abb. 2).
II. Zur Bedeutung des
Beschaffungsmarketing
Insb. bei schlechten ökonomischen Umfeldbedingungen sind alle
Funktionsbereiche eines Unternehmens gefordert, Beiträge zur Erfolgspotenzialsteigerung zu leisten.
Leistungssynergien sind nur bei gemeinsamen Anstrengungen und weniger bei
Funktionsbereichsdominanzen erzielbar. Wenn man im Zeit- und Kostenwettbewerb
bestehen will, setzt dies nicht nur gleichberechtigtes, sondern auch
gleichzeitiges Handeln voraus. Alle jüngeren Schlagworte, die das moderne
unternehmerische Verhalten bestimmen sollen (z.B. Lean Management,
Just-in-time-planning, Modular Sourcing, Advanced Purchasing) gehen davon aus,
dass funktionsbereichsübergreifend um
die insgesamt bestmögliche Lösung gerungen wird. Dabei verlässt man die Grenzen
des eigenen Unternehmens. Die eigene Produktion muss sich dann dem Kosten- und
Leistungswettbewerb konkurrierender Anbieter stellen. Es wird nur noch das
hergestellt werden können, was andere nicht besser oder billiger herstellen könnten.
Dies führt zur bekannten Make-or-Buy-Entscheidung
(zu den Analysekriterien Endler, D.
1992). Inzwischen neigt sich die Waagschale stark zugunsten der
Buy-Entscheidungen. Die eigene Wertschöpfung nimmt ab, der Beschaffungsanteil
am Umsatz wächst beträchtlich, um die Spezialisierungsvorteile
auf den Weltmärkten nutzen zu können. Hinzu kommt der unmittelbare Gewinneinfluss. Senkt man z.B. die
Beschaffungskosten um lediglich 1% beim Beschaffungsanteil am Umsatz von 60%
und einer bisherigen Umsatzrendite von 3%, entspricht das einem Gewinnwachstum
von 20%. Durch neue, integrative Beschaffungskonzepte sind deutlich höhere Kostenreduktionen möglich, ohne dass
dabei die Fairness des Austausches auf der Strecke bleiben müsste.
Abb. 2: Zur Struktur und Abgrenzung von Beschaffungsmarketing
und Logistik
Neben der Kosten-/Leistungsperspektive spielen bei den Globalisierungsüberlegungen auch die
Fragen der Marktschaffung und
-erhaltung sowie der Ausgleich des Währungsrisikos eine zunehmende Rolle.
Vielfach sind Lieferanten gleichzeitig Kunden. Dann kann man vernetzen. Und das
Währungsrisiko lässt sich vermindern,
wenn die jeweiligen Zahlungsströme ausgeglichen sind. Diese höhere
Bedeutsamkeit der Beschaffung erzwingt andere Anforderungsprofile für die
Mitarbeiter. Die Akademisierung wächst. Mehrere Großunternehmen stellen nur
noch Hochschulabgänger im Beschaffungsbereich ein.
III. Zum Planungsprozess
Neben der bekannten Struktur betriebswirtschaftlichen
Handelns mit den Phasen Planung, Realisation und Kontrolle (Kosiol, E.
1966) interessieren hier die Aspekte der funktionsbereichsinternen
und der vernetzenden Planungsstruktur.
Der Prozess als Folge strukturierter Planungsschritte erleichtert das Denken in
Zusammenhängen. Der beschaffungsinternen Planungsstruktur wenden wir uns im
nächsten Abschnitt zu, sodass wir uns hier auf die übergreifenden Aspekte
konzentrieren wollen.
Entsprechend dem Ausgleichsgesetz
der Planung (Gutenberg, E.
1983) wird die unternehmerische Planung im Wettbewerbssystem i.d.R. mit
Überlegungen beginnen, die am Engpass des Absatzes orientiert sind. In
Boomsituationen können das auch andere Bereiche sein. Es wäre allerdings
falsch, die jeweils anderen Funktionsbereiche auf die reine Aufgabenerfüllung
zu reduzieren. Im Lean Management
werden die Überlegungen des Projektmanagements aktualisiert. Um im Zeit- und
Kostenwettbewerb zu bestehen, müssen die Problementdeckungs- und
Problemlösungsaufgaben gemeinsam
angegangen werden. Das führt zu internen
Funktionskooperationen. Sie werden im Unternehmen nur akzeptiert, wenn alle
Beteiligten professionelle Lösungen beisteuern.
Neben die interne wird die externe Funktionskooperation treten müssen. Man wird den
unternehmensübergreifenden Optimierungsüberlegungen unabhängig von der
Machtsituation dadurch näher kommen, dass man dem Buying Team ein
gleichqualifiziertes Selling Team gegenüberstellt.
Nimmt man den Gedanken des Modular (System) Sourcing ernst, dann können sich diese
Vernetzungen auf mehrere Unternehmen der Lieferkette erstrecken. Diese vertikalen Kooperationen können durch horizontale ergänzt werden. Neben den
bekannten Produktionskooperationen (der Pkw-Hersteller A stellt gleichzeitig
auch Motoren für B her) sind auch Beschaffungskooperationen denkbar. Hier hat
der Handel Maßstäbe gesetzt. Bei Normprodukten, Commodities usw. sind durch
Mengenbündelungen eventuell Kostendegressionseffekte realisierbar. Horizontale
Beschaffungskooperationen stellen in der Industrie noch eher die Ausnahme dar.
Einen Strukturüberblick gibt Abb. 3.
Abb. 3: Zur Prozessstruktur der Beschaffung
IV. Der Prozess des
Beschaffungsmarketing
1. Theoretische Bezüge
Ein Prozessmodell
muss, soll es alltagstauglich sein, spezifischen Anforderungen genügen. Dies
gelingt umso besser, je geschlossener die theoretischen Bezugspunkte sind. Als Modellanforderungen seien hervorgehoben:
-
Die Modellvalidität
erfasst die Konzentration des Modells auf die entscheidungsrelevanten
Parameter in den entscheidungsrelevanten Zusammenhängen. Das Modell muss in
der Lage sein, die Mehrzahl der in der Praxis anfallenden Beschaffungsentscheidungen
unterstützend zu fällen. Darunter leidet die Modelleleganz; statt einiger
weniger müssen vielfältige Wenn-Dann-Beziehungen geprüft werden.
-
Die Modellverständlichkeit
soll dafür Sorge tragen, dass möglichst viele Entscheidungsträger die Struktur
des Prozessmodells ohne Schwierigkeiten nachvollziehen können.
-
Die Modellreliabilität
soll sicherstellen, dass die modellinduzierten Entscheidungen bei gleichen
Bedingungen zu gleichen Ergebnissen führen. Zumindest soll das Modell für
Entscheidungstransparenz sorgen.
-
Die Problemlösungsorientierung
des Modells soll dem allgemeinen Problemlösungsdenken nahe kommen, um die
Modellbenutzung zu erleichtern.
Die Austauschprozesse in und zwischen Unternehmen ermöglichen
mehrere theoretische Bezugspunkte. Aus der behavioristischen Theorie der
Unternehmung (Simon, H. A.
1955; March, J.
G./Simon, H. A. 1958; Cyert, R.
M./March, J. G. 1963) hat sich die Koalitionstheorie mit der
Einbindung des Unternehmens in die Umwelt (Pfeffer,
J./Salancik, G. 1978) entwickelt. Sie bildet die Grundlage der
Anreiz-Beitrags-Theorie. Eine Austauschbeziehung wird nur so lange für beide
Seiten befriedigende Ergebnisse bringen, wie die jeweiligen Anreize den
gewünschten Beiträgen entsprechen. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass die
jeweils gestellten Forderungen entsprechend dem ökonomischen Prinzip dem
anderen mit möglichst wenig kostenden Anreizen schmackhaft gemacht werden
müssen. Wer nur in den Preisen Anreize sieht, begibt sich vielfältiger weiterer
Möglichkeiten. Diese Anreiz-Beitrags-Theorie wird in jüngerer Zeit unter dem
Stichwort Unternehmensnetzwerke (Siebert, H.
1991) aufgegriffen. Es werden die Vorteile koordinierter Zusammenarbeit
zwischen mehreren rechtlich selbstständigen und formal unabhängigen Unternehmen
untersucht. Auf diese Aspekte haben wir bereits in III. hingewiesen. Aus der
Verhaltenstheorie lassen sich weitere Theoriebezüge nutzen. Die
Gratifikationstheorie (Schanz, G.
1977) trägt zur Klärung von Austauscherfolgen über Belohnungen und Bestrafungen
bei. Die Interaktionstheorie (Homans, G. C.
1968) begründet, warum Partnerbeziehungen erfolgreich sind. Die Konflikttheorie
zeigt Probleme der Konfliktbewältigung, die gerade im Beschaffungsmarketing
wegen der internen und externen Konfliktsituationen so bedeutsam ist.
2. Zur Modellstruktur
Das folgende Prozess- und Strukturmodell (vgl. Abb. 4), hat sich bisher in der
industriellen Praxis bewährt; für den Handel sieht es anders aus (Koppelmann,
U. 1993).
Abb. 4: Ein Prozessmodell der Beschaffung (Quelle: Koppelmann,
U. 1993, S. 47)
Die Prozessstruktur orientiert sich am allgemeinen
Problemlösungsprozess; sie beginnt mit der Analyse der Ausgangssituation und
schließt, bezogen auf ein Beschaffungsobjekt, mit der Kontrolle. Fasst man dies
als einen iterativen Prozess auf, müssen Stufenrückschritte unterstellt werden.
Für die jeweiligen Phasen (Prozessstufen) müssen Instrumente und Methoden entwickelt werden, welche zum Vollzug des ökonomischen
Prinzips beitragen. In der Bedarfsanalyse stehen Methoden, in der
Lieferantenverhandlung eher Instrumente im Vordergrund. Bezogen auf den
jeweiligen Arbeitsschritt muss geprüft werden, welche Erkenntnisse zu welchem
Instrumental- bzw. Methodeneinsatz führen. Vergleicht man die Möglichkeiten mit
den in der Praxis realisierten, so fällt eine Konzentration auf wenige
Instrumente und Methoden auf. Das liegt weniger daran, dass bestimmte
Instrumente und Methoden nichts taugen, sondern eher daran, dass sie unbekannt
sind. Das phasenweise Prüfen dient der Vorbereitung von Entscheidungen. Beschaffungsentscheidungen können merkmalgeleitet
erfolgen. Merkmale als Wenn-Bedingungen
legen die Auswahl von Dann-Handlungen
fest. Folgt man dem im Absatzmarketing bekannten Commodity Approach (Koppelmann,
U. 2003), dann sind spezifische Bedingungen auch im
Beschaffungsbereich denkbar. Ausgehend von sehr viel umfangreicheren Merkmalen
(Scherer, J.
1991) hat sich in weiteren Praxistests die folgende Struktur als ausreichend
erwiesen (vgl. Abb. 5).
Abb. 5: Entscheidungsmerkmale
In den jeweiligen Unternehmen wird man aus diesem Pool die
Merkmale auswählen, die man für unternehmenscharakteristisch hält. Die
ausgewählten Merkmale bilden den Bedingungsrahmen,
der dann als Entscheidungsmatrix das Handeln in der jeweiligen Phase bestimmt.
Um über die relevanten Entscheidungsgrundlagen zu verfügen,
sind Informationen notwendig. Es kann
sich um unternehmensinterne (z.B. aus dem Rechnungswesen) oder um
unternehmensexterne Informationsquellen handeln. Der externe Bereich lässt sich
auch mit Beschaffungsmarktforschung beschreiben. In der gebotenen Kürze sollen
nun einige Phaseninhalte angedeutet werden.
3. Situationsanalyse
Beschaffungsüberlegungen beginnen meist mit der
Bedarfsfeststellung. Dass die Bedarfsermittlung vor einem unternehmensspezifischen
Hintergrund erfolgt, wird häufig übersehen.
a) Beschaffungskonstellationen
Wie bereits die Planungsaussagen zeigten, folgen isolierte
Tätigkeitsüberlegungen eines Funktionsbereichs nicht unbedingt dem ökonomischen
Prinzip. Somit liegt es nahe, mit übergreifenden Überlegungen zu beginnen.
Konstellationen können planungserleichternde
oder -erschwerende Umfeldbedingungen
für die Beschaffungsentscheidungen bilden. Sie können plötzlich oder langsam
eintreten. Ökonomisches Planen sollte dazu beitragen, dass überraschende
Beschaffungsbindungen, die den Planungsfluss stören, vermieden werden. Somit
ist eine Konstellationsprognose
unumgänglich. Beschaffungsrelevant
sind absatzmarkt-, beschaffungsmarkt-, umfeld- und unternehmensbedingte
Konstellationen. In den meisten Fällen kann nur reagiert werden. Besonders
interessant sind die Konstellationen, die durch adäquates Beschaffungshandeln
eine Vermeidung unerwünschter Bedingungen ermöglichen.
Konstellationsauswirkungen
können Leistungs-, Mengen-, Preis-, Zeit- und Ortsänderungen sein. Um sie zu
vermeiden (proaktiv) oder zu bewältigen (reaktiv), kann man eine Ziel- und
Strategieanpassung oder/und eine Bedarfsanpassung oder/und einen Märkte- und
Lieferantenwechsel oder/und eine Anpassung der beschaffungspolitischen
Instrumente vornehmen.
b) Ziel- und Strategieüberlegungen
Vor dem Hintergrund der unternehmensrelevanten
Konstellationen muss entschieden werden, welche Ziele und Strategien für
die nächste Planperiode gelten sollen. Als Beschaffungsziele kommen insb. vor:
-
Beschaffungskosten senken;
-
Beschaffungsqualität (-leistungen) steigern;
-
Beschaffungssicherheit erhöhen;
-
Beschaffungsflexibilität steigern.
Da sich die Ziele konfliktär
zueinander verhalten, wird man Zieldominanzen für die nächste Planperiode
festlegen müssen – weitere Ziele können dann als Nebenbedingungen
berücksichtigt werden. Aus den Zielen als geplanten Endzuständen pro
Zeitintervall lassen sich Strategien
als pro Zeitintervall konstante, durch eine gemeinsame Idee zusammengefügte
Maßnahmenbündel ableiten. Diese Strategien bieten vielfach den Aufhänger für
die neuere Erfolgspotenzialdiskussion. Anhaltspunkte für mögliche Strategien
können Abb. 6 entnommen werden.
Abb. 6: Bedeutsame Beschaffungsstrategien (in Anlehnung an Koppelmann,
U. 1993)
Die Strategien sind einzeln oder kombiniert wählbar (zu den
verschiedenen Strategien vgl. Koppelmann,
U. 2004). So findet die Entwicklungskooperation als eine Variante
des Forward Sourcing statt. System Sourcing wird im Regelfalle mit Single
Sourcing verbunden usw.
c) Potenzialanalyse
Bevor gehandelt wird, muss geklärt sein, in welchen Handlungsgrenzen man sich bewegt. Dazu
muss das Potenzial-Ist (z.B. Personal-, Organisations-, Sach-, Finanz-, Image-,
marktbezogenes Planungspotenzial) gemessen werden. Im Regelfall ist diese
Messung kontinuierlich zu wiederholen. Dem Ist wird das
entscheidungsspezifische Soll gegenübergestellt; bei Potenzialdefiziten muss
geprüft werden, ob es sich lohnt, eine Potenzialerweiterung vorzunehmen.
4. Bedarfsanalyse
Ein zentraler Punkt des Beschaffungsmarketing ist die
Bedarfsanalyse. Noch so gute Verhandlungen können keine Fehler in dieser
Prozessstufe ausgleichen. Gemeinsam mit allen am Entscheidungsprozess für ein
neues Produkt Beteiligten muss geklärt werden, wie eine Bedarfsoptimierung
erzielt werden kann. Und im Rahmen der Strategie des Forward Sourcing (Advanced Purchasing) kann man sich dann
auch noch um eine Optimierung mit den Lieferanten und beim System Sourcing
sogar noch mit den Vorlieferanten kümmern. Dieses wertkettenorientierte
Optimierungsverhalten kann durch Formen des Projektmanagements,
durch Gruppen- oder Teamarbeit gelöst
werden. Für die effektive Teamarbeit wurde ein entscheidungsunterstützendes Handlungssystem entwickelt, das
computerfähig ist. Ausgehend von einem umfangreichen Bedarfsanforderungspool
wird in dem jeweiligen Unternehmen geprüft, mit welchen Bedarfsanforderungen
dort im Regelfall zu rechnen ist. Dies wird mit allen beteiligten Abteilungen
geklärt. Die einzelnen Anforderungen lassen sich abteilungsspezifisch
differenzieren. Sie werden in der konkreten Situation gespiegelt am erwarteten
Leistungsvermögen des Lieferanten. Im Prinzip stellen die für wichtig
gehaltenen Anforderungen ein KO-Kriterium für die Lieferantenauswahl dar. Abb. 7 zeigt, welchen Einfluss einige
Wenn-Bedingungen auf das Zutreffen und die Intensität der Bedarfsanforderungen
haben (x1 = sehr wichtig; x2 = bedeutsam; x3 = wünschenswert).
Abb. 7: Zur Abhängigkeit von Bedarfsanforderungen (in
Anlehnung an Koppelmann,
U. 1993)
5. Beschaffungsmarktanalyse
Wer von Global Sourcing spricht und nicht gleichzeitig ein
Analyseinstrumentarium für die Marktanalyse entwickelt, wird Probleme bekommen.
Hier fließen Aktivitäten der Marktfeldbestimmung
und Methoden der Marktforschung
zusammen. Die Beschaffungsmärkte lassen sich durch Leistungsmerkmale (Arbeits-, Management-, Logistik-,
Kommunikations-, Kapital- und Staatsleistungen sowie Technologie), durch Kostenmerkmale (Arbeits-,
Produktionsmittel-, Logistik-, Kapital-, Umweltschutz- und Staatskosten) und
durch Risikomerkmale (z.B. politische
und ökonomische Instabilität) charakterisieren. Hinzu kommt die jeweilige Marktstellung des Beschaffers und des
Lieferanten.
Neben diesen allgemeinen Märkteinformationen geht es bei der
Beschaffungsmarktforschung auch um die Gewinnung von Informationen über die
Leistungen und Anforderungen des Lieferanten
sowie um Informationen über Lieferer- und
Beschafferkonkurrenten. Die jeweiligen Informationsblöcke erfordern
unterschiedliche Methodenschwerpunkte.
6. Lieferantenanalyse
Lieferanten und Märkte sind eng verzahnt; aus den Märkten
ergeben sich potenzielle Lieferanten. Sie sind in diese Märkte als Datenkranz
eingebunden. Die Lieferantenauswahl lässt sich in einem Trichtermodell abbilden
(Abb. 8).
Abb. 8: Trichtermodell bei der Lieferantenauswahl
Der Auswahlprozess beginnt mit der Identifikation möglicher Lieferanten.
Die interessantesten werden um eine strukturierte Selbstauskunft gebeten. Die
Analyse führt zu einer weiteren Eingrenzung. Die verbliebenen Lieferanten
werden im Einzelnen daraufhin geprüft, ob sie die gestellten
Bedarfsanforderungen erfüllen können. Ebenfalls wird eruiert, welche
Anforderungen der Lieferant stellen könnte, um dann zu überlegen, ob und wie
man sie in den späteren Lieferantenverhandlungen erfüllen könnte.
Diese eher statische Betrachtung wird ergänzt um eine
dynamische Bewertung. Heute noch ungeeignete Lieferanten können durch
Entwicklungsmaßnahmen befähigt werden, morgen geeignet zu sein. Dies ist eine
Teilaufgabe des Supplier-Relationship-Management (SRM).
7. Lieferantenverhandlung
Wenn sich das Buying Team mit dem Selling Team trifft, werden
die absatzpolitischen Instrumente mit den beschaffungspolitischen gekreuzt. Man
kann von den in Abb. 9 genannten
beschaffungspolitischen Instrumenten ausgehen.
Abb. 9: Zur Struktur der Beschaffungspolitischen Instrumente
Die Instrumente (Produktpolitik
usw.) werden von Variablen (z.B.
Produktentwicklungspolitik) getragen. Auf der darunter liegenden Abstraktionsebene
befinden sich die Variablenausprägungen
(z.B. Eigen-, Lieferanten-, Partner-, Dritt-, Neu-, Weiterentwicklung). Auf der
Ebene der hier nicht näher dargestellten Variablenausprägungen finden die
Lieferantenverhandlungen aus Beschaffersicht statt. Das Beschaffungsmix wird
von der Ambivalenz des Forderungs-Anreiz-Charakters
der Variablenausprägungen beeinflusst. Wir greifen auf die geschilderte Anreiz-Beitrags-Theorie zurück. So kann
die Lieferantenentwicklung sowohl eine Forderung sein, wenn z.B. die eigenen
Kapazitäten ausgelastet sind oder der Lieferant über eine bessere Kapazität
verfügt. Sie kann ein Anreiz sein, wenn die Lieferantenkapazität nicht
ausgelastet ist und wenn sich der Lieferant eine auf seine
Produktionsmöglichkeiten zugeschnittene Entwicklung verspricht.
Wie in allen anderen Phasen, so ist auch hier wieder die
Möglichkeit gegeben, eine Variablenauswahl nach entscheidungsrelevanten Bedingungen vorzunehmen. Dieses
computergestützte Entscheidungsprotokoll
schafft Transparenz und führt zu mehr Personenunabhängigkeit. In kurzer Zeit
sind systematische Entscheidungen hoher Reliabilität erzielbar.
8. Beschaffungskontrolle
Kontrolle ist zur
Steuerung notwendig. Kontrollergebnisse können dazu beitragen, dass Handlungen
beibehalten werden (Soll-Ist-Gleichheit) oder verändert werden müssen
(Soll-Ist-Differenz). Das führt über Lerneffekte zur Handlungsoptimierung und
zur Tätigkeitsmotivation. Für die Beschaffungskontrolle eignen sich insb. Kennzahlen. Wichtig ist, dass die zu
ermittelnden Kennzahlen vor dem Beschaffungshandeln festgelegt werden – die
Testbedingungen müssen jedem bekannt sein – und dass durch Datenreduktion die
steuernde Nutzung sichergestellt wird. Ansatzpunkte für Kontrollkennzahlen können sich aus dem Bedarf, den Zielen und den
Instrumenten ergeben.
9. Beschaffungsinformation
Tragfähige Entscheidungen basieren auf
entscheidungsrelevanten Informationen. Die Beschaffungsmarktforschung liefert
vorrangig Ist-Informationen über Märkte, Lieferanten und Konkurrenten. Die
strategische Früherkennung konzentriert sich auf die Früherkennung.
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Koppelmann, U. :
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Rational Choice, in: QJE, 1955, S. 99 – 118
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Managementforschung, Bd. 1, Berlin et al. 1991 –
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