Inhaltsübersicht
I. Der Qualitätsbegriff
II. Entwicklung
umfassender Konzepte der Qualitätsförderung
III. Bausteine
von Total Quality Management
IV. Entwicklungstendenzen
I. Der
Qualitätsbegriff
Zum Verständnis von Total Quality Management (TQM) ist es
unumgänglich, das dabei zugrunde liegende Qualitätsverständnis zu beschreiben.
Natürlich gibt es für Qualität – wie für viele Dinge – eine Norm. Qualität wird dort als Erfüllung der
geforderten (bzw. vereinbarten) Eigenschaften verstanden (DIN, 1992).
Obwohl diese Definition keine expliziten Aussagen darüber macht, wer
Anforderungen definiert, geht sie wohl implizit davon aus, dass die Erfüllung
von Kundenanforderungen der Maßstab für Qualität ist.
Betrachtet man neben den Abnehmern externer Leistungen den
gesamten Leistungserstellungsprozess sowie die vor- und nachgelagerten Bereiche
eines Unternehmens, so entsteht ein Netzwerk interner
Kunden-Lieferanten-Beziehungen (vgl. Abb.
1). Dementsprechend sollte ein Qualitätsbegriff explizit auch die
Anforderungen interner Kunden
berücksichtigen. Damit wird aber auch deutlich, dass es einer genauen
Spezifikation der Anforderungen in allen Stufen des Prozesses der
Leistungserstellung bedarf. Dies setzt voraus, dass insb. an der Schnittstelle
zum externen Kunden diese
Anforderungen so präzise wie möglich formuliert werden.
Abb. 1: System von Kunden-Lieferanten-Beziehungen (Cullen,
J./Hollingum, J. 1987)
Da jedoch die Erfüllung von Anforderungen nicht unbedingt
etwas über die »Qualität« dieser Erfüllung (z.B. im Sinne eines Kosten-Nutzen-Verhältnisses)
aussagt, muss die Zufriedenheit des Kunden als zusätzliches Kriterium für
Qualität formuliert werden (Zink, K. J.
1994a): »Qualität ist die Erfüllung von
(vereinbarten) Anforderungen zur dauerhaften Kundenzufriedenheit.«
Verfolgt man die Entwicklung eines umfassenden Verständnisses
von Qualität, so erkennt man, dass zunächst die Qualität des Produktes oder der Dienstleistung (»Qualität des
Ergebnisses«) im Vordergrund der Betrachtung stand. Mit der Erkenntnis, dass
man Qualität nicht »hereinkontrollieren«, sondern nur »produzieren« kann,
richtete sich die Aufmerksamkeit stärker auf Arbeitsabläufe und -verfahren, was
eine Ausweitung des
Qualitätsverständnisses auf die Prozesse
im Unternehmen (»Prozessqualität«) bedeutete. Dieses Verständnis spiegelt sich
– im Sinne eines Phasenkonzeptes der Qualitätssicherung – auch im so genannten
»Qualitätskreis« wider, der noch
einmal die besondere Bedeutung von internen Kunden-Lieferanten-Beziehungen
verdeutlicht (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Qualitätskreis als Phasenkonzept der
Qualitätssicherung (DIN, 1987;
Eggs,
I./Rosemann, K. 1987)
Als weiterer Bestandteil eines umfassenden Qualitätsbegriffes
ist die Qualität der Arbeit(sbedingungen)
zu integrieren. Unter dieser »Tätigkeitsorientierung« im Sinne von »Quality of
Working Life« (Davis, L.
E./Cherns, A. B. 1975) werden bspw. die Mitwirkungsmöglichkeiten der
Mitarbeiter sowie deren Chancen für eine fachliche, methodische und soziale
Qualifizierung subsumiert. Darüber hinaus wird in diesem Zusammenhang auch die
Qualität der Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Abteilungen oder die
Qualität der Arbeits- und Betriebsmittelgestaltung thematisiert (Zink, K. J.
1994a).
Werden schließlich die Umwelt- und Umfeldbeziehungen einer
Organisation in die Formulierung eines umfassenden Qualitätsbegriffes
einbezogen, so lässt sich eine »Qualität
der Außenbeziehungen« definieren, in der u.a. die gesellschaftliche
Verantwortung, z.B. im Bereich Umweltschutz, oder die Rolle eines Unternehmens
bei der Förderung des Gemeinwesens, zum Ausdruck kommt (Zink, K. J.
1994a).
II. Entwicklung
umfassender Konzepte der Qualitätsförderung
Die ersten Ansätze zur Qualitätssicherung im Zuge der
Industrialisierung sind vor allem durch eine arbeitsteilige Organisation geprägt. Die entsprechenden Konzepte
beschränkten sich daher auf die externe
Kontrolle der Qualität im Sinne einer Ergebnisprüfung.
In den 1960er-Jahren rückte in den USA das Verhalten der
Mitarbeiter im Rahmen von sog. »Zero-Defects-Programmen«
stärker in den Mittelpunkt des Interesses. Diese Programme führten
Qualitätsprobleme vorrangig auf das (falsche) Mitarbeiterverhalten (Mangel an
Konzentration, Sorgfalt und Aufmerksamkeit) zurück. Dementsprechend richteten
sie sich in erster Linie gegen diese Fehlerursachen und strebten eine
»Korrektur der Geisteshaltung« des einzelnen Mitarbeiters an (Wagner, H.
1966). Diese Einstellung spiegelte sich auch in Qualitätsprogrammen der
1970er-Jahre wider (Vocht, R. K.
1974).
Qualitätskonzepte, die in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg
entwickelt wurden, gingen einen anderen Weg: Nicht das Fehlverhalten der
Mitarbeiter stand im Vordergrund, sondern deren Kompetenz zur
Schwachstellenforschung und -beseitigung. Ein weiteres wesentliches Merkmal
dieser Konzepte war, dass Qualitätssicherung nicht ausschließlich Aufgabe des
Qualitätswesens war, sondern aller Abteilungen und Mitarbeiter. Qualität entwickelte sich damit zur unternehmensweiten (Management-)Aufgabe.
Einen wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung in Japan hatten Deming (Deming, W. E.
1982) (mit seinem 14-Punkte-Programm zur Verbesserung der Qualität und
Produktivität) und Juran, der vor
allem die Notwendigkeit einer kontinuierlichen und dauerhaften
Qualitätsverbesserung propagierte (Juran, J. M.
1986; Juran, J.
M./Gryna, F. M. 1980).
Ein solches umfassendes Qualitätskonzept beschreibt Feigenbaum (Feigenbaum,
A. V. 1961, Feigenbaum,
A. V. 1987) unter dem Namen Total
Quality Control (TQC):
-
Qualität ist keine technische Funktion oder Abteilung,
sondern ein systematischer Prozess, der das gesamte Unternehmen durchdringt.
-
Qualität braucht einen entsprechenden
organisatorischen Rahmen, der sowohl die Qualität am einzelnen Arbeitsplatz
als auch die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen sicherstellt.
-
Die Idee der Qualitätsverbesserung darf nicht nur auf
die Produktion beschränkt bleiben, sondern muss alle Bereiche einer
Organisation erfassen.
-
Die Bedürfnisse des Kunden sind Maßstab der Qualität –
nicht die Interessen des Marketings oder der Produktion.
-
Eine umfassende Qualitätsverbesserung verlangt die
Unterstützung durch neueste Technologien.
-
Umfassende Qualitätsverbesserungen sind nur durch die
Anstrengung aller – und nicht nur durch die Anstrengung ein paar weniger
Spezialisten – zu erreichen.
-
Ein Total-Quality-Konzept muss so klar aufgebaut sein,
dass die Mitarbeiter es verstehen, ihm vertrauen und daher ein Interesse an
einer Mitwirkung haben.
Zu den Autoren, die sich mit umfassenden TQC-Konzepten
auseinander setzen, gehört auch Ishikawa
(Ishikawa, K.
1985), der insb. deren partizipative Elemente betont. Als Synonym verwendet er
auch den Begriff »Company Wide Quality
Control (CWQC)«.
Die oben dargestellten Qualitätskonzepte bilden die Grundlage
für das heutige Verständnis umfassender Qualitätsmanagementkonzepte im Sinne
von TQM.
III. Bausteine von
Total Quality Management
Die Realisierung von TQM setzt ein Konzept der Einführung und
Umsetzung voraus, das auf Dauer angelegt ist und sich daher nicht in einem
»zeitlich limitierten« Programm erschöpft. Eine wesentliche Voraussetzung dafür
ist die Integration einer unternehmensspezifischen Qualitätsphilosophie in die
Unternehmensziele (Zink, K.
J./Leutner, D./Pfeifer, T. 1994).
1. Qualität als strategisches Unternehmensziel
Qualität als eine langfristige und dauerhafte Aufgabe mit
strategischer Relevanz zu verstehen, setzt eine Bündelung aller
unternehmerischen Kräfte voraus. Um dies zu erreichen, ist eine entsprechende »Vision« erforderlich, die das »Ziel der
Reise« beschreiben muss. Die Operationalisierung dieser Vision erfolgt dann in Kernaussagen (»Missions«, »Botschaften«)
zu bestimmten Handlungsfeldern. Eine dieser Aussagen könnte z.B. lauten:
Verstärkung der Kundenorientierung durch regelmäßige und systematische
Datenerhebung.
Die Grundlage dieses systematischen Veränderungsprozesses
bildet ein umfassendes
Qualitätsverständnis im Rahmen von TQM. Dieses lässt sich z.B. wie folgt
skizzieren:
-
Qualität als
wesentliches Unternehmensziel: Um Qualität als relevantes
Unternehmensziel operationalisieren zu können, bedarf es einer entsprechenden
Verankerung in der Unternehmensplanung.
-
Mehrdimensionaler
Qualitätsbegriff: Ausgangspunkt einer umfassenden Qualitätspolitik ist
ein erweiterter, mehrdimensionaler Qualitätsbegriff auf der Grundlage einer
entsprechenden Unternehmenskultur (vgl. I.).
-
Qualität als
unternehmensweite Aufgabe: Der Anspruch einer unternehmensweiten
Verankerung erfordert die Einbeziehung aller Abteilungen bzw. Mitarbeiter
eines Unternehmens.
-
Prävention:
Die betriebliche Qualitätspolitik muss präventiv orientiert sein. Wesentliche
Voraussetzungen hierfür sind in einer Kunden- und Prozessorientierung zu
sehen.
Will man eine solche Qualitätsphilosophie in die Praxis
umsetzen, so sind die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und
geeignete Methoden und Instrumente einzusetzen.
2. Strukturelle Rahmenbedingungen
Wenn man davon ausgeht, dass die Einführung umfassender
Qualitätskonzepte zu einer Änderung von Einstellungen (z.B. Denken in
Kundennutzen statt in eigenem Aufwand) und Verhalten führen soll, dann wird man
das nur dadurch erreichen können, dass man die entsprechenden strukturellen
Rahmenbedingungen schafft, um dieses Verhalten zu generieren und vor allem zu
stabilisieren. Beispielhaft seien in diesem Zusammenhang die Themenfelder
Organisation, Information bzw. Berichtswesen und Belohnung aufgegriffen.
a) Organisation
Innerhalb der Ablauforganisation
ist zunächst eine verstärkte Prozessorientierung
sicherzustellen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass viele Qualitätsprobleme Schnittstellenprobleme sind, die sich
aus der Dominanz funktionaler Arbeitsteilung ergeben (Striening,
H.-D. 1988). Eine verstärkte Ausrichtung an Prozessen erfordert
zunächst die Definition von Schlüsselprozessen
(Davenport, T.
H. 1993). Diese lassen sich aus den kritischen Erfolgsfaktoren
ableiten und bilden u.a. die Grundlage für die Erfüllung der Kundenwünsche (Conti, T.
1993).
Abb. 3: Bausteine eines TQM-Konzeptes
Beispielhafte Schlüsselprozesse sind (Sommerlatte,
T./Wedekind, E. 1990):
-
Kundennutzen-Optimierungs-Prozess,
-
Marktkommunikations-Prozess,
-
Produkt-/Leistungsbereitstellungs-Prozess,
-
Logistik- und Service-Prozess,
-
Auftragsabwicklungsprozess,
-
Rentabilitäts- und Liquiditätssicherungs-Prozess,
-
Kapazitätssicherungs-Prozess,
-
Strategieplanungs- und Umsetzungsprozess,
-
Personalschulungs- und Motivations-Prozess.
Ein zweiter Schritt in Richtung Prozessorientierung bzw.
-optimierung besteht dann in der Neugestaltung
von Prozessen durch horizontale und vertikale Integration von Aufgaben mit
dem Ziel der Reduzierung von Schnittstellen und damit Komplexität (Rommel,
G./Brück, F./Diederichs, R. et al. 1993) und der Erhöhung des
Wertschöpfungsbeitrages. Für die so optimierten Basisprozesse, die z.B. auch
Zulieferer einbeziehen können, sind die (verbleibenden) Schnittstellen im Sinne
von Kunden-Lieferanten-Vereinbarungen zu klären (Striening,
H.-D. 1988).
Darüber hinaus erfordert die Steuerung und Überwachung von
Prozessen entsprechende Maßzahlen bzw. Messgrößen. Je nach Art der Prozesse
bzw. Definition der Systemgrenzen lassen sich unterschiedliche Konzepte
einsetzen. So kann z.B. für Prozesse, die über die Unternehmensgrenzen
hinausreichen, die Methode QFD
Anwendung finden (Schöler, H.
R. 1990). Zur Sicherung unternehmensweiter Prozesse sind die Methoden
des Business Process Management geeignet. Daneben ist es erforderlich, alle
Prozesse eines Unternehmens immer wieder den sich ändernden Anforderungen
anzupassen. Dazu sind Regelkreise im Sinne von KAIZEN zu schaffen, die eine
kontinuierliche Anpassung und Verbesserung der Unternehmensprozesse
sicherstellen (Imai, M.
1992).
Neben der Ablauforganisation ist auch die Aufbauorganisation so zu gestalten, dass
sie einer verstärkten Kunden-, Prozess-
und Mitarbeiterorientierung gerecht werden kann. Dazu zählen z.B.
(a) eine
kundenorientierte Segmentierung der Fertigung (vgl. Abb. 4)
Abb. 4: Kundenorientierte Segmentierung auf der Grundlage von
JIT (Leyde, J.
1992)
(b) eine
Kompetenzverlagerung durch Neudefinition der Hierarchie und der Aufgaben von
Abteilungen (neue Arbeitsstrukturen).
Dies bedeutet »flachere« Hierarchien, in denen ganzheitliche
Arbeitsschritte an teilautonome Leistungsträger (z.B. Arbeitsgruppen) gegeben
werden. Die neuen Aufgaben von (Stabs-)Abteilungen kann man beispielhaft am
Qualitätswesen zeigen: Wenn Qualität wirklich zur Aufgabe eines jeden
Mitarbeiters in der Linie werden soll, impliziert dies u.a. Konzepte wie
Selbstprüfung. Damit wird die Qualitätsabteilung die aktive Prüfarbeit
weitgehend an die »Linie« und deren Mitarbeiter abgeben bei gleichzeitiger
Übernahme von Beratungsaufgaben, die sich nicht nur auf das Unternehmen
beschränken, sondern z.B. auch Zulieferer einschließen können.
(c) Realisierung
verschiedener Formen von Gruppenarbeit
Qualitätsförderung und -sicherung erfordern verschiedene
Konzepte einer bereichsbezogenen und bereichsübergreifenden Zusammenarbeit (Zink, K. J.
1994a) wie
-
Qualitätsgespräche,
-
Projektgruppen und
-
Qualitätszirkel.
Ferner bedarf es insb. in der Einführungsphase einer institutionellen Absicherung der praktischen
Umsetzung der TQM-Philosophie. Dazu sind u.a. folgende Ansätze sinnvoll:
-
Einrichtung eines Steuerkreises,
in dem das obere Management und der Betriebsrat alle Grundsatzentscheidungen
des TQM-Konzeptes beschließen;
-
Benennung eines oder mehrerer Qualitäts-Koordinatoren, die in der Anfangsphase die aktive
Verbreitung und die konkrete Realisierung des TQM-Konzeptes unterstützen.
Für alle »zusätzlichen« Institutionen gilt, dass sie
spätestens nach einer gewissen Einführungsphase in die Linie zu integrieren
sind, damit keine Parallelorganisation entsteht, d.h. Qualität nicht als eine
Aufgabe von Gremien oder Koordinatoren betrachtet wird. Insofern trägt eine
Integration dieser Aufgaben in die Linie wesentlich dazu bei, Qualität im
Rahmen von umfassenden Qualitätsförderungssystemen als Bestandteil der
täglichen Arbeit aller Mitarbeiter zu
verstehen.
b) Information/Berichtswesen
Ohne diesen Aspekt hier zu sehr vertiefen zu wollen, ist
darauf hinzuweisen, dass das traditionelle Rechnungs- und Berichtswesen i.A.
nicht so konzipiert ist, dass es die Anforderungen erfüllen kann, die sich aus
einem TQM-Konzept ableiten lassen (Johnson, H.
T./Kaplan, R. S. 1991).
Dies lässt sich anhand folgender beispielhaft ausgewählter
Fakten belegen:
-
Daten stehen i.A. nur dem Management zur Verfügung.
-
Kostengrößen bilden die Grundlage für Planung,
Steuerung und Kontrolle.
-
Die Art der Datenaggregation unterstützt die
funktionale Arbeitsteilung (»Kostenstellenrechnung«).
-
Mitarbeiter werden als Kostenart interpretiert
(»Kostenartenrechnung«; »Abbau von Personalkosten«).
-
»Kundenzufriedenheit« und »Prozessorientierung« sind
kein Thema bzw. es bestehen im Gegensatz dazu eher Anreize für deren
Manipulation, um Planziele zu erreichen.
Wenn Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit sowie eine entsprechende
Ausrichtung, die auch eine Prozessoptimierung beinhaltet, wesentliche
Handlungsziele sind, bedarf es eines Berichts- und Steuerungssystems, das es
erlaubt, auf der Grundlage von Fakten aus diesen Bereichen entsprechend zu
handeln – und nicht (wie z.B. bei der »Lean«-Diskussion) auf der Basis einer
ausschließlichen Kostenorientierung.
Beispielhafte Bausteine
eines neu aufzubauenden Qualitätsinformationssystems könnten sein:
(a) zum Thema Kundenorientierung
-
Ergebnisse von Zufriedenheitsmessungen im Sinne des
erzielten Beitrages zur Problemlösung beim Kunden (Problem- statt
Attributorientierung),
-
Kundenbindung als Längsschnittgröße (im Sinne von
kundenbezogenen Marktanteilen oder Umsatzentwicklung bei Altkunden im
Vergleich zu Neukunden).
(b) zum Thema Prozessorientierung
-
Wertschöpfung im Sinne von Kundennutzen,
-
Prozessvariabilität bzw. -sicherheit,
-
Zeit- und Ressourcennutzung.
Selbstverständlich sind diese Teilaspekte in einem
ganzheitlichen Informationskonzept miteinander zu verknüpfen.
c) Belohnung/Entlohnung
Wenn alle Mitglieder einer Organisation in Richtung auf
»Business Excellence« agieren sollen, bedarf dies aufeinander abgestimmter Belohnungssysteme, die zieladäquat
sind und keine Suboptima fördern. Leider gibt es nicht wenige Organisationen,
bei denen die Entlohnungssysteme eher kontraproduktiv wirken: So erhalten z.B.
die Mitarbeiter des Verkaufs eine Prämie für einen unterschriebenen Kaufvertrag
– unabhängig davon, ob Zeit- und Qualitätsrestriktionen erfüllbar sind.
Mitarbeiter des Einkaufs erhalten eine Prämie dafür, dass sie möglichst
preisgünstig einkaufen, was gelegentlich zu Qualitätsproblemen führt. Darüber
hinaus gibt es immer noch eine nicht geringe Anzahl von Firmen, die in der
Produktion ausschließlich nach Menge bezahlen.
Ein Beispiel für ein zieladäquates Entlohnungssystem lässt
sich bei der Führungskräftebezahlung von Rank Xerox finden. Der variable Anteil
der Managementvergütung ist an die Unternehmensziele:
-
Kundenzufriedenheit,
-
Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit,
-
Marktanteil,
-
Rentabilität
bzw. den quantitativen Nachweis der Verbesserung dieser
Größen geknüpft. Dies setzt selbstverständlich ein Führungskonzept voraus, das
Ziele in diesen Feldern formuliert, für den Einzelnen herunterbricht und
Erreichung oder Abweichung kommuniziert.
3. Personelle Rahmenbedingungen
Die personellen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche
Umsetzung von TQM lassen sich mindestens auf drei Ebenen festmachen:
(a) Veränderung von Einstellungen und Verhalten
Dies ist sicher die schwierigste aller Aufgaben, die nur im
Rahmen einer neuen Unternehmenskultur erreicht und vor allem stabilisiert
werden kann. Inhaltlich geht es primär um die Aspekte Kundennutzen und
kontinuierliche Verbesserung, wobei Letzteres eine »schuldfreie Atmosphäre«
voraussetzt. Auch die Frage eines veränderten Rollenverständnisses bei einer
neuen Arbeitsteilung zwischen Stab und Linie ist hier zu thematisieren.
Die Realisierung dieser Veränderungen erfordert neben einer
umfassenden Information aller Mitarbeiter über das TQM-Konzept und einer
zielgruppenspezifischen Qualifizierung (z.B. Moderations- und Problemlösungstechniken
für das untere Management) vor allem auch die Schaffung der oben diskutierten
strukturellen Rahmenbedingungen.
(b) Systematisches Human Resource Management als Grundlage
aller Veränderungsprozesse
Die tief greifenden strukturellen Veränderungen benötigen
eine entsprechende Unterstützung durch Personalführungsmaßnahmen. So sind z.B.
vorhandene Personalentwicklungskonzepte in einem Unternehmen daraufhin zu
überprüfen, inwieweit sie die erfolgreiche Umsetzung von TQM unterstützen.
(c) Kontinuierliche Messung der Verbesserung
Da TQM auch »Management by Facts« bedeutet, ist u.a. durch
eine regelmäßige Befragung der Mitarbeiter – und damit einer Gleichstellung von
internen und externen Kunden – sicherzustellen, dass die angestrebten Ziele
auch tatsächlich erreicht worden sind.
4. Technische Rahmenbedingungen
Im Bereich der Technik geht es zum einen um eher allgemeine Einflussgrößen, wie z.B.
ausgereifte Automatisierungstechnik, Beherrschbarkeit der Prozesse, vorbeugende
Instandhaltung, keine 100%-Auslastung zur Sicherung der Flexibilität oder auch
einen geeigneten Umgang mit Störungen. Zum anderen ist Qualitätstechnik i.e.S.
das Thema, also z.B. Messtechnik (Mess- und Prüfverfahren), Messdatenerfassung,
Rechnereinsatz bzw. Automatisierung, aber auch eine geeignete Arbeitsplatzgestaltung.
Schließlich spielt der Einsatz geeigneter
Informationstechnologien eine wichtige Rolle: einerseits zur Konzeption eines
umfassenden »Computer Based Quality Information System«, das weit über die im
Kontext von CAQ diskutierten Ansätze
hinausgeht, und andererseits als Grundlage für die Neustrukturierung von
Prozessen, um alte Organisationsparadigmen (z.B. entweder Zentralisation oder
Dezentralisation) zu überwinden.
5. Methoden und Instrumente
Die Methoden und Instrumente, die mit einem umfassenden
Qualitätsmanagement in Verbindung gebracht werden können, sind außerordentlich
zahlreich. Beispielhaft seien hier genannt:
-
Self Assessments als Grundlage einer
Ist-Zustands-Beschreibung und einer Fortschrittskontrolle (Selbstauditierung)
verbunden mit einem Benchmarking;
-
Policy Deployment als systematisches Herunterbrechen
der Ziele für jeden Mitarbeiter (i.V.m. einer entsprechenden
Prioritätensetzung auf der Basis von Assessment-Ergebnissen);
-
Qualitäts-Standards im Sinne von Maßzahlen und Kosten
als Grundlage einer Prozessorientierung und im Sinne der schriftlichen
Fixierung von Abläufen im Rahmen eines Qualitätssicherungs-Handbuches (z.B.
als Grundlage einer Zertifizierung);
-
Qualitätsfördernde Instrumente für die am Markt
tätigen Einheiten (z.B. QFD als
Methode zur Übersetzung von Kundenanforderungen in die Anforderungen der
Produktion; Systematisierung von Feedback-Schleifen, um alle Informationen
über den Kunden systematisch auszuwerten etc.);
-
Analyse- und Problemlösungstechniken (z.B.
Brainstorming, Pareto-Analyse, Ursache-Wirkungs-Diagramme, Multivariate
Analysen, Taguchi-Methoden;
-
Verschiedene Formen der Gruppenarbeit bzw. geeignete
Teamkonzepte, die auch bereichsübergreifend konzipiert sind;
-
Methoden zur Ermittlung der Kunden- und
Mitarbeiterzufriedenheit;
-
Rechnerunterstützung
(z.B. Computer Based Quality Information System) im Sinne der Integration
aller für ein Total Quality Konzept relevanten Daten – wie z.B. auch Kunden-
und Mitarbeiterzufriedenheit – unter Nutzung wissensbasierter Systeme zur
Sicherung der Produktqualität;
-
zeitlich begrenzte Motivationsprogramme, wie z.B.
Fehlerquellenhinweisaktionen.
IV. Entwicklungstendenzen
Für die Beurteilung der Situation hinsichtlich der
Realisierung umfassender Qualitätsmanagementkonzepte im Sinne von TQM in
deutschen Unternehmen stehen nur wenige Studien zur Verfügung. Als wesentliches
Ergebnis einer im Jahre 1993 durchgeführten Studie (Zink, K. J.
1994b) bleibt festzuhalten, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße
– gekennzeichnet durch die Anzahl der Mitarbeiter – und der Beschäftigung mit
TQM besteht. Insb. in kleineren Unternehmen (bis 100 Mitarbeiter) wird
umfassenden Qualitätsmanagementkonzepten zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
keine hohe Bedeutung beigemessen.
Weit reichende Maßnahmen zur Förderung des
Qualitätsbewusstseins in Japan und den USA, aber auch im europäischen Ausland,
führen dazu, dass umfassende Qualitätsförderungskonzepte einen immer höheren
Bekanntheitsgrad besitzen und als Grundlage für Business Excellence gesehen
werden. So zeigt bspw. der seit dem Jahre 1988 in den USA jährlich vergebene
Qualitätspreis Malcolm Baldrige National Quality Award (US Department
of Commerce, 1994) in anschaulicher Weise das Verständnis von TQM.
Das Kriterienmodell wird in vielen Unternehmen als Grundlage für ein
Self-Assessment herangezogen (Knotts, U.
S./Parrish, L.G. Jr./Evans, C. R. 1993).
Auf europäischer Ebene spiegelt sich der Gedanke einer
umfassenden Qualitätsförderung im Sinne eines TQM in der Politik der im Jahre
1988 gegründeten European Foundation for Quality Management (E.F.Q.M.) wider.
Eine besondere Rolle bei den Aktivitäten der E.F.Q.M. kommt der Schaffung des
European Quality Award zu – einem Pendant zum Malcolm Baldrige National Quality
Award – , dessen Kriterienmodell auf einem umfassenden Verständnis von Qualität
beruht.
Die wesentlichen Bausteine lassen sich wie folgt
charakterisieren (vgl. auch Abb. 5):
Abb. 5: The European Quality Award – Das Kriterienmodell der
E.F.Q.M. (European
Foundation for Quality Management, 1994)
-
die Trennung zwischen Potenzialfaktoren (»Enablers«),
also Handlungsfeldern einer umfassenden Qualitätsförderung, und Ergebnissen
(»Results«), die durch diese Qualitätsaktivitäten erreicht werden,
-
der hohe Stellenwert der Mitarbeiterorientierung, der
sich nicht nur in dem gleichnamigen Baustein widerspiegelt, sondern auch
ergebnisorientiert überprüft wird (»Mitarbeiterzufriedenheit«) und im
Führungsverhalten eine wesentliche Rolle spielt,
-
die Beherrschung der Geschäftsprozesse
(»Wertschöpfungsprozesse«) und die Vermeidung von Verschwendung durch
optimale Ressourcennutzung,
-
die Dominanz der Kundenzufriedenheit,
-
die Berücksichtigung der gesellschaftlichen
Verantwortung und
-
die Ausrichtung aller Bemühungen auf die Verbesserung
der Geschäftsergebnisse.
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