Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Abgrenzung
II. Arten
von Teams und ihre Einbindung in Organisationen
III. Anlässe
zur Bildung von Teamorganisationen
IV. Gestaltung
und Führung von Teams
V. Kritische
Würdigung
I. Begriff und
Abgrenzung
Ein Team sei in Anlehnung an Hackman, J.
Richard 1987 wie folgt definiert: (1) Eine soziale Einheit von drei
oder mehr Personen, (2) deren Mitglieder von außen als solche erkannt werden
und sich selbst als Mitglieder wahrnehmen (Identität), (3) die eingegliedert in
eine Organisation
(Kontext) (4) durch unmittelbare Zusammenarbeit gemeinsame Aufgaben erledigt.
Als Teamorganisation sei der Zusammenschluss von Mitarbeitern in einem Team
oder mehreren Teams bezeichnet.
Mit dieser Definition werden Dyaden nicht als Teams
betrachtet, da wesentliche Teamprozesse wie das Bilden von Koalitionen, das
Vermitteln und Schlichten sowie komplexere Status- und Kommunikationsstrukturen
bei zwei Personen nicht möglich sind. Eine Begrenzung der Teamgröße nach oben
ist nicht explizit enthalten, wird jedoch durch den Zusatz \'unmittelbare
Zusammenarbeit\' erreicht. Daraus ergibt sich insb., dass mit dem Wachsen der
Mitgliederzahl einerseits die Wahrscheinlichkeit für eine unmittelbare
Zusammenarbeit der Teammitglieder sinkt und andererseits die Wahrscheinlichkeit
der Bildung von Subteams steigt. Diese Subteams wären dann als Teams im Sinne
der obigen Definition zu verstehen und bilden gemeinschaftlich eine
Teamorganisation wie sie z.B. bei einem Multi-Team-Projekt zu finden ist (Wurst,
Katharina 2001). Es wird als wenig sinnvoll erachtet, an dieser
Stelle eine formale Obergrenze der Teamgröße festzulegen. Allerdings erscheint
es im Allgemeinen aufgrund der überproportional steigenden Komplexität der
Kommunikationsstruktur als sehr schwierig, Teams nach obiger Definition mit
mehr als zehn Mitgliedern zu unterhalten (Bühner,
Rolf/Pharao, Iris 1993, S. 49).
Aus dem definitorischen Merkmal von Teams, in einen
organisatorischen Kontext eingebunden zu sein, ergeben sich im Wesentlichen
zwei Konsequenzen: Zum einen sind Teams eingebunden in das Zielsystem der sie
umgebenden Organisation, was bedingt, dass Teams Leistungen erbringen, die der
Zielerreichung der Gesamtorganisation dienen. Zum anderen verdeutlicht dies,
dass Teams nicht in einem Vakuum existieren, sondern ihre Aufgaben im
Zusammenspiel mit anderen Personen und Gruppen innerhalb einer Organisation
verrichten und somit wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den Teams und ihrer
unternehmensinternen Umwelt bestehen, die von den Teams aktiv zu gestalten und
zu pflegen sind (Ancona,
Deborah/Caldwell, David 1992).
Der vierte Aspekt der Definition bezieht sich auf den
Arbeitsstil von Teams, die Teamarbeit (Högl,
Martin/Gemünden, Hans Georg 2001). Ein Team bearbeitet eine Aufgabe,
indem Einzelpersonen kooperativ interagieren, d.h. zusammenarbeiten. Die
Teamarbeit ist dabei als Modus zu verstehen, mit dem versucht wird, dem durch
die Art der Aufgabe begründeten Kooperationsbedarf zu begegnen. Die Mitglieder
eines Teams sind für die Aufgabenbearbeitung (Zielerreichung) aufeinander
angewiesen; es bestehen aufgabenbedingte Interdependenzen zwischen den
Teammitgliedern (Mankin,
Don/Cohen, Susan/Bikson, Tora 1996, S. 24).
II. Arten von Teams und
ihre Einbindung in Organisationen
Ob der Vielfalt verschiedener Teams in Organisationen betonen
viele Teamforscher die Notwendigkeit einer Fokussierung auf bestimmte Arten von
Teams (bzw. Teamaufgaben) hinsichtlich der Formulierung und empirischen Prüfung
von Erklärungsmodellen der Teameffektivität und anderer Teamphänomene (Sundstrom,
Eric/De Meuse, Kenneth/Futrell, David 1990, S. 125). Mankin,
Don/Cohen, Susan/Bikson, Tora 1996, S. 24 ff. bieten deshalb eine
Unterteilung in fünf Bereiche an: (1) Work Teams, (2) Project and Development
Teams, (3) Parallel Teams, (4) Management Teams, (5) Ad hoc Networks. Dabei
beschreiben diese fünf Typen ein Kontinuum von formalen, kontinuierlich
arbeitenden Teams mit gleichbleibender Mitgliedschaft (Work Teams), über Teams
die, parallel zur primären Organisation koordinierende und beratende Aufgaben
erfüllen (Parallel Teams), bis hin zu relativ losen und informellen Kollektiven
(Ad hoc Networks), bei denen Mitgliedschaft und Zeitdauer fließender und
unschärfer werden. Bei den von Mankin,
Don/Cohen, Susan/Bikson, Tora 1996 beschriebenen Ad hoc Networks
bleibt jedoch fraglich, ob diese in Hinblick auf eine gemeinsame Identität
Teams im Sinne obiger Definition darstellen.
Darüber hinaus gilt, gerade in jüngerer Zeit, großes
Forschungsinteresse sog. virtuellen Teams, d.h. Teams, deren Mitglieder
geographisch verstreut weitgehend über Kommunikationsmedien zusammenarbeiten (Schmidt,
Jeffrey/Montoya-Weiss, Mitzi/Massey, Anne 2001). Virtuelle Teams
weisen häufig weitere Merkmale auf, die besondere Anforderungen an die
Teamarbeit stellen, wie z.B. kulturelle Unterschiede der Teammitglieder,
verschiedene Kenntnis der für das Projekt gewählten Sprache, und nicht zuletzt
das Überbrücken von verschiedenen Zeitzonen, in denen sich die Teammitglieder
befinden (Jarvenpaa,
Sirkka/Leidner, Dorothy 1999; Montoya-Weiss,
Mitzi/Massey, Anne/Song, Michael 2001). Dennoch stellen virtuelle
Teams keine eigene Teamkategorie dar, sondern können grundsätzlich in allen von
Mankin,
Don/Cohen, Susan/Bikson, Tora 1996 unterschiedenen Teams vorkommen.
Allerdings gilt es, bei der Gestaltung und Führung von Teams gezielt auf die
durch die Virtualität bedingten spezifischen Anforderungen einzugehen, etwa
durch face-to-face Kick-off Meetings (Maznevski,
Martha/Chudoba, Kathrine 2000).
Die Einbindung der verschiedenen Arten von Teams in die
Organisation kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Innerhalb teambasierter
funktionaler Organisationseinheiten, wie z.B. der Produktion, stellen Teams die
prinzipiellen Arbeitseinheiten dar. So werden einzelne Produktionsaufträge von
Teams bearbeitet, die ihre Aufgabe oft weitgehend selbstständig planen und
ausführen (sog. Workshop Organisation), anstatt einer auf Arbeitsteilung
und Spezialisierung beruhenden Organisation. Bei
bereichsübergreifenden Projektteams, wie z.B. Teams in der Produktentwicklung,
unterscheiden Clark,
Kim/Wheelwright, Steven 1992 zwischen \'lighweight\', \'heavyweight\'
und \'autonomen\' Teamorganisationen. Dabei gehen die Autoren vom Vorhandensein
einer funktionalen Organisationsstruktur aus und differenzieren nach dem Grad
der Produkt- oder Projektorientierung (also dem Einfluss des Teams bzw. des
Teamleiters) gegenüber den funktionalen Organisationseinheiten. Hier findet
sich eine deutliche Überschneidung zur Matrix-Organisation.
III. Anlässe zur
Bildung von Teamorganisationen
Es können grundsätzlich zwei verschiedene Motive zur Bildung
von Teamorganisationen führen (Mohrman,
Susan/Cohen, Susan/Mohrman, Allan 1995, S. 6 ff.). So werden aus
einer sozio-technischen Betrachtungsweise heraus Routineaufgaben (z.B.
Produktion, Kundenservice), die bisher hierarchisch organisiert waren, sog.
teilautonomen Arbeitsgruppen (engl. Self-Managing Teams) übertragen (Cohen,
Susan/Ledford, Gerald 1994, S. 13; Hierarchie).
Ausgangspunkt sind hierbei Überlegungen zum Job Design (Oldham, Greg
1996), um Arbeit so zu organisieren, dass sie intrinsisch motivierend ist. Ziel
ist es, den Autonomiegrad und den Tätigkeitsbereich von Mitarbeitern durch
kollektive Verantwortung im Team zu erweitern und somit Motivation,
Zufriedenheit und schließlich Mitarbeiterproduktivität zu verbessern und
zugleich Kosten durch den Wegfall von Hierarchiestufen (z.B. Teamleiter) zu
sparen (Wall, Toby
et al. 1986, S. 280).
Die zweite Betrachtungsweise führt zur Bildung von Teams aus
den Merkmalen und Anforderungen der Aufgabe heraus. Anders als beim Job Design
ist die Aufgabe nicht Werkzeug, sondern Ursprung des organisatorischen
Gestaltens. Aufgaben wie z.B. Produkt- oder Prozessentwicklung erfordern die
Verarbeitung hoher Komplexität und Unsicherheit und bedingen so eine möglichst
direkte Zusammenarbeit verschiedener Individuen mit ihren unterschiedlichen
Fähigkeiten und Erfahrungen (Hauschildt,
Jürgen 1997). Für solche Problemstellungen ist es günstig, diese mit
verschiedenen Expertisen ausgestatteten Mitarbeiter in einem Team
zusammenzufassen, damit sie in direkter Zusammenarbeit an der Lösung des
gemeinsamen Problems arbeiten können.
IV. Gestaltung und
Führung von Teams
Umfassende Modelle der Teameffektivität, wie z.B. von Gladstein,
Deborah 1984; Hackman, J.
Richard 1987 und Tannenbaum,
Scott/Beard, Rebecca/Salas, Eduardo 1992, bieten einen Überblick
über die Vielzahl potenziell relevanter Faktoren der Teamgestaltung und
Teamführung und zeigen darüber hinaus auch, dass der Teamerfolg neben einer
aufgabenbezogenen Komponente (Effektivität und Effizienz) auch personenbezogene
Elemente beinhaltet (Arbeitszufriedenheit, Lernerfolg, etc.). Ziel des
Gestaltens und Führens von Teams ist es, zum einen die für die optimale
Aufgabenbearbeitung notwendige teaminterne (Högl,
Martin/Gemünden, Hans Georg 2001) und teamexterne (Ancona,
Deborah/Caldwell, David 1992; Wurst,
Katharina 2001) Zusammenarbeit zu gewährleisten, und zum anderen
dysfunktionale Tendenzen in Teams, wie Social Loafing (Latané,
Bibb/Williams, Kipling/Harkins, Stephen 1979), Groupthink (Janis,
Irving/Mann, Leon 1977) und Konflikte (Jehn, Karen
1995) zu meiden oder zu minimieren. Aus der Fülle der in der Literatur diskutierten
Einflussgrößen der Teameffektivität seien an dieser Stelle Gestaltungselemente
hervorgehoben, die sich in wissenschaftlichen Studien als besonders kritisch
erwiesen haben.
1. Soziale und methodische Kompetenz
Im Hinblick auf die Teamarbeit ist es von Bedeutung, dass die
Teammitglieder soziale Fähigkeiten (Faix,
Werner/Laier, Angelika 1996) einbringen, die sie in die Lage
versetzen, im Rahmen der Aufgabenerfüllung aufeinander zuzugehen, Dinge offen
anzusprechen und sich in die Sichtweisen anderer hineinzuversetzen (Sundstrom,
Eric/De Meuse, Kenneth/Futrell, David 1990, S. 126). Neben der
sozialen Kompetenz sind auch Fähigkeiten hinsichtlich methodischer Aspekte der
Teamarbeit von Bedeutung. Stevens,
Michael/Campion, Michael 1994 prägen hierzu den Begriff
\'Self-Management-Kompetenz\' und subsumieren darunter Fähigkeiten, Teilprojektziele
zu setzen und deren Erreichen zu steuern sowie Fähigkeiten zur Aufgabenplanung
und -koordination.
2. Teamgröße
Die Teamgröße beeinflusst die Teamarbeit auf mehrere Weisen.
Die teaminterne direkte Kommunikation wird mit steigender Mitgliederzahl
zunehmend aufwändig, da die Komplexität der Kommunikationsstruktur
überproportional ansteigt. Auch bedingt eine steigende Teamgröße erhöhten
teaminternen Koordinationsbedarf zur Abstimmung einzelner Beiträge zur
Teamleistung (Ziller,
Robert 1957, S. 171; Steiner, Ivan
1966, S. 274 f.). Darüber hinaus ist die Teamgröße eine Determinante des Social
Loafing-Phänomens (Latané,
Bibb/Williams, Kipling/Harkins, Stephen 1979), wonach sich bei
zunehmender Teamgröße das Engagement der einzelnen Mitglieder tendenziell
verringert.
3. Führungs- und Entscheidungsstruktur im Team
Wo in traditionellen Organisationen dyadische Beziehungen
zwischen Führer und Geführten deutlich erkennbar sind, ist diese Rollenteilung
in Teamorganisationen unschärfer (Manz,
Charles/Sims, Henry 1987). So werden diverse Führungsaktivitäten
(z.B. Ziele setzen, Ressourcen planen, Feedback geben etc.) gemeinschaftlich
oder je nach Qualifikation von verschiedenen Teammitgliedern wahrgenommen (Högl,
Martin/Parboteeah, K. Praveen 2003). Durch dieses partizipative
Führungsmodell werden die Teammitglieder in Entscheidungsprozesse einbezogen,
was wiederum das Maß an praktizierter Teamarbeit sowie die
Entscheidungsqualität positiv beeinflusst (Watson,
Warren/Michaelsen, Larry/Sharp, Walt 1991; Partizipation).
Gemeinsame Entscheidungsfindung führt auch zu höherer Identifikation der
Teammitglieder mit der (kollektiven) Entscheidung, sodass diese auch
engagierter umgesetzt wird (Vroom, Victor
1987, S. 371).
V. Kritische Würdigung
Der Einsatz von Teamorganisationen ist ohne Zweifel sehr weit
verbreitet, und zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen positive Effekte
auf verschiedene Ergebnisgrößen wie die Aufgabenerfüllung und die
Mitarbeiterzufriedenheit. Teams finden sich in verschiedensten funktionalen
Bereichen, von F&E (Högl,
Martin/Gemünden, Hans Georg 2001) und Marketing (Helfert,
Gabriele/Gemünden, Hans Georg 2001) bis zur Produktion (Wall, Toby
et al. 1986). Jedoch bleibt auch festzuhalten, dass die Teamorganisation neben
ihren Vorteilen, wie z.B. direkte Zusammenarbeit und höhere
Entscheidungsqualität, auch die Gefahr von leistungshemmenden Tendenzen, wie
z.B. Social Loafing und Groupthink, birgt. Darüber hinaus stellt die Teamorganisation
ob ihres geringen Grades an festgelegten internen Strukturen eine komplexe und
potenziell konfliktreiche Form der Arbeitsorganisation
dar. Auch bleibt anzumerken, dass der interaktive Arbeitsstil von Teams
(Teamarbeit), verglichen mit hierarchischeren Organisationsformen,
grundsätzlich zeit- und kostenintensiver ist. Es liegt deshalb nahe, dass die
Teamorganisation als eine Form der organisatorischen Gestaltung nicht
notwendigerweise, wie oftmals in Praxis und Wissenschaft zum Ausdruck gebracht,
positive Ergebnisse in jedem Kontext erzielt. Es kommt darauf an, dass Teams
ein den Anforderungen der jeweiligen Aufgabe und des jeweiligen
organisatorischen Kontextes entsprechendes Maß an interner und externer
Zusammenarbeit finden (Olson,
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