Inhaltsübersicht
I. Shareholder
Value: Begriff
II. Shareholder
Value-Ansatz
III. Stakeholder-Ansatz
IV. Integration
von Shareholder- und Stakeholder-Ansatz
I. Shareholder Value:
Begriff
Als Shareholder Value wird der finanzielle Wert der
Eigentumsrechte an einem Unternehmen bezeichnet. Dieser Eigentümerwert ist
typischerweise subjektiv, also insb. von den individuellen Präferenzen,
Erwartungen und Möglichkeiten jeweils betrachteter tatsächlicher oder potenzieller
zukünftiger Eigentümer abhängig. Im Fall börsennotierter Unternehmen existiert
zwar ein objektiv beobachtbarer und allgemein gültiger Marktpreis für einzelne
Anteile, jedoch nicht für größere Aktienpakete oder für ganze Unternehmen.
Ausgelöst durch entsprechende Publikationen von Rappaport (Rappaport,
Alfred 1981; Rappaport,
Alfred 1986) werden seit Beginn der 1980er-Jahre unterschiedliche
Methoden diskutiert, mit deren Hilfe eine an Marktwerten orientierte Berechnung
des Shareholder Value und daraus abgeleiteter Erfolgsgrößen versucht wird. Das
Ziel ist dabei, die Auswirkungen (strategischer) unternehmerischer
Entscheidungen auf den Shareholder Value zu quantifizieren. Die Bestimmung des
Shareholder Value muss dazu möglichst mit Hilfe von Größen erfolgen, die auf
Unternehmensebene ermittelbar und durch Managemententscheidungen beeinflussbar
sind. Systeme von Werttreibern sollen die unternehmensinternen Prozesse, durch
die Shareholder Value generiert wird, abbilden und eine Steuerung der
Wertschaffung auf Unternehmensebene (Value
Based Management, Wertorientierte
Unternehmensführung) ermöglichen (vgl. dazu z.B. Copeland,
Thomas E./Koller, Tim/Murrin, Jack 2000; Young, David
S./O\'Byrne, Stephen F. 2000; Spremann,
Klaus/Pfeil, Oliver P./Weckbach, Stefan 2001).
Die zur kapitalmarktorientierten Berechnung des Shareholder
Value entwickelten Methoden werden in der Literatur aus theoretischer und aus
empirischer Sicht diskutiert. Aus theoretischer Sicht interessieren vor allem
die Anwendungsbedingungen der jeweiligen Methode, d.h. es wird analysiert,
unter welchen Bedingungen mit Hilfe der vorgeschlagenen Beurteilungsgrößen
tatsächlich Entscheidungen im Sinne aller Eigentümer möglich sind. Dabei zeigt
sich, dass marktwertorientierte Beurteilungsgrößen hohe, in der Praxis nicht
erfüllte Anforderungen an die relevanten Märkte, insb. hinsichtlich der
gehandelten Ansprüche, der Wettbewerbsbedingungen und der Informationsstrukturen
stellen (vgl. Kürsten,
Wolfgang 2000). Aus empirischer Sicht ist die Frage zu untersuchen,
inwiefern mit den vorgeschlagenen Beurteilungsgrößen eine Prognose zukünftiger
Börsenkurse möglich ist. Die Korrelation einer Beurteilungsgröße mit
zukünftigen Kursen wird dabei als Indikator für die Eignung als Beurteilungs-
und Steuergröße gesehen (als Überblick vgl. Ittner,
Christopher D./Larcker, David F. 2001).
II. Shareholder
Value-Ansatz
Der Shareholder (Value)-Ansatz beruht einerseits auf einer
normativen Forderung bezüglich der Maxime der Unternehmenspolitik und
andererseits auf einer Reihe von Methoden und Instrumenten, die eine
kapitalmarktorientierte Erfolgsmessung und -steuerung ermöglichen sollen (vgl. Speckbacher,
Gerhard 1997).
Als normative Forderung verstanden, verlangt der Shareholder
Value-Ansatz die ausschließliche Ausrichtung der Unternehmensführung an den
(finanziellen) Zielen der Unternehmenseigentümer. Unternehmenserfolg ist dann
definiert als der Grad der Realisation der Eigentümerziele. Häufig wird diese
normative Forderung damit begründet, dass die bestmögliche Realisation
finanzieller Eigentümerziele zumindest unter stark idealisierenden Annahmen
über die Funktionsweise der relevanten Märkte und über die Funktionsweise von
Unternehmen auch für alle anderen Anspruchsgruppen im Unternehmen und sogar für
die gesamte Gesellschaft vorteilhaft sei (z.B. Jensen,
Michael 2001, S. 11 f.). Allerdings ist der Shareholder-Ansatz
hinsichtlich seiner normativen Dimension, insb. hinsichtlich seiner
gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen umstritten. Theoretische und empirische
Analysen zur vergleichenden (ökonomischen) Bewertung einer „ Shareholder
Economy “ und einer „ Stakeholder Society “ existieren bisher lediglich in ersten
Ansätzen (vgl. Tirole, Jean
2001, S. 3 ff.; sowie zur betriebswirtschaftlichen Diskussion v.Werder, Axel
v. 1998).
In einer zweiten Interpretation wird der Shareholder-Ansatz
als modernes Konzept der Erfolgsmessung und Erfolgssteuerung gesehen.
Schwerpunkt ist die methodenbezogene Kritik traditioneller
buchhaltungsorientierter Konzepte der Erfolgsmessung und -steuerung. Zwar
verstehen auch traditionelle, buchhaltungsorientierte Konzepte Erfolg
grundsätzlich im Sinne der Wertsteigerung der Eigentumsrechte, allerdings wird
im Rahmen des Shareholder-Ansatzes kritisiert, dass die Art der Wertansätze im
Rahmen traditioneller Konzepte zu einer Fehlsteuerung führe. Im traditionellen
Rechnungswesen beruht die Ermittlung von Erfolgsgrößen auf der Bewertung zu
historischen Kosten (Anschaffungs-/Herstellungskosten), auf dem Prinzip der
summativen Einzelbewertung, und „ selbsterstellte “ immaterielle Vermögenswerte
bleiben unberücksichtigt. Vor allem die zunehmende Bedeutung immaterieller
Vermögenswerte und die Bedeutung von Verbundbeziehungen in modernen
wissensbasierten Unternehmen werden neben der in einem zunehmend dynamischen
Umfeld sinkenden Bedeutung historischer Kosten als wesentliche Gründe für die
zunehmende Inadäquanz des traditionellen Rechnungswesen-Modells ( „ Accounting
Model of the Firm “ ) für die erfolgsorientierte Steuerung gesehen. Dies wird
durch den Befund erheblicher Diskrepanzen zwischen Markt- und Buchwerten von
Unternehmen unterstrichen (z.B. Lev, Baruch
2001). Als Antwort hierauf wurden im Rahmen des Shareholder Value-Ansatzes in
den vergangenen zwei Jahrzehnten verschiedene moderne Erfolgsmaße und Systeme
von Erfolgstreibern, d.h. Modelle der Erfolgsentstehung, entwickelt ( „ Economic
Model of the Firm “ ), die den Anspruch erheben, besser als traditionelle Größen
für Zwecke der Entscheidungsfindung und der Verhaltenssteuerung geeignet zu
sein (Copeland,
Thomas E./Koller, Tim/Murrin, Jack 2000; Young, David
S./O\'Byrne, Stephen F. 2000; Spremann,
Klaus/Pfeil, Oliver P./Weckbach, Stefan 2001).
In Discounted Cash Flow-Ansätzen erfolgt eine
zukunftsorientierte Gesamtbewertung von Projekten bzw. Unternehmen im Sinne der
Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung (Kapitalwertmethode),
Residualgewinnkonzepte liefern hingegen periodisierte Erfolgsgrößen, die sich
stärker an Periodenerfolgsgrößen des traditionellen Rechnungswesens anlehnen,
deren Schwächen zum Teil jedoch vermeiden und insb. im Sinne einer
Gesamtbetrachtung Kompatibilität mit Discounted Cash Flow-Methoden aufweisen
(als Überblick mit entsprechenden Literaturquellen vgl. Ballwieser,
Wolfgang 2002). Die im Rahmen des Shareholder-Ansatzes entwickelten
Konzepte sind insofern als kapitalmarktorientiert zu bezeichnen, als sie davon
ausgehen, dass Wert für die Eigentümer erst dann geschaffen wird, wenn mit dem
eingesetzten Kapital eine Rendite erzielt wird, die über der am Kapitalmarkt
für ein (insb. hinsichtlich des Risikos) vergleichbares Investment erzielbaren
Rendite liegt. Damit unterstellen diese Ansätze die Existenz von (eindeutigen)
Marktpreisen für die Bewertung zukünftiger, risikobehafteter Zahlungen. Eine
wichtige Gemeinsamkeit der Shareholder-Ansätze mit traditionellen Rechnungswesen-Modellen
ist die Annahme, dass Erfolg grundsätzlich als Residualgröße ermittelbar ist,
die sich aus der Veräußerung der Outputs und nach Abzug aller vertraglich
gesicherten Zahlungen an bevorrechtigte Anspruchsgruppen ergibt. Aufgrund
dieser Annahme weisen die zugrunde liegenden Erfolgsentstehungsmodelle
(Werttreibermodelle) – ähnlich dem traditionellen Rechnungswesenmodell – eine
letztlich an (periodisierten) Zahlungsvorgängen orientierte additiv-lineare
Struktur auf.
III. Stakeholder-Ansatz
Unter der Bezeichnung Stakeholder-Ansatz wurde Mitte der
1980er-Jahre im englischen Sprachraum ein konzeptioneller Rahmen zur Analyse
von Fragen des Strategischen Managements bekannt, der bereits durch die
Begriffswahl als Gegenentwurf zum Stockholder- bzw. Shareholder-Ansatz
erkennbar ist. Seine Wurzeln liegen in entsprechenden, seit den 1960er-Jahren
am Stanford Research Institute (SRI) durchgeführten Forschungsarbeiten, er war
aber von Anfang an hauptsächlich durch Erfahrungswissen aus der
Unternehmenspraxis und eine stark praktische Orientierung geprägt. Die
wesentliche Leitidee der frühen Arbeiten zum Stakeholder-Ansatz besteht in der
Überzeugung, dass das Top
Management (Vorstand) neben den Ansprüchen von Eigentümern auch die
Interessen von Fremdkapitalgebern, Kunden und Zulieferern, aber auch
gesellschaftliche Ansprüche genau kennen muss, um Unternehmensziele entwickeln
und formulieren zu können, die von allen diesen Anspruchsgruppen hinreichend
unterstützt werden. Diese Unterstützung wird als Voraussetzung für den
langfristigen Erfolg und die Überlebensfähigkeit von Unternehmen gesehen (zur
geschichtlichen Entwicklung vgl. Freeman,
Edward R. 1984 und Freeman,
Edward R./McVea, John 2001).
Während der Stakeholder-Ansatz im angelsächsischen Raum aus
einer Kritik bzw. einer Relativierung des dort vorherrschenden
Shareholder-Ansatzes entstanden ist, hat die Sichtweise vom Unternehmen als
zweckgerichtete Koalition unterschiedlicher Interessengruppen im
deutschsprachigen Raum sowohl in der Betriebswirtschaftslehre als auch im
Gesellschaftsrecht eine lange Tradition (dazu Speckbacher,
Gerhard 1997). Insb. kann das traditionelle Prinzip der
Kapitalerhaltung als in einen Shareholder-Ansatz konsistent integrierbare
Zusatzanforderung zur Sicherung der Ansprüche von Stakeholdern gesehen werden
(vgl. Hellwig,
Klaus/Speckbacher, Gerhard/Wentges,
Paul 2000).
Neben seiner Verbreitung als Managementkonzept in der
Unternehmenspraxis (vgl. z.B. Wheeler,
David/Sillanpää, Maria 1997) gewann der Stakeholder-Ansatz in den
vergangenen Jahren auch zunehmend an Bedeutung als Theoriekonzept der Unternehmensführung
(Management). Einfluss hatte der Stakeholder-Ansatz insb. auf die
Literatur in den Bereichen Unternehmensstrategie und Planung,
Systemtheorie und Organisationstheorie,
aber auch als Theoriekonzept für Arbeiten zur „ Corporate Social Responsibility “
und „ Corporate Social Performance “ (als Übersicht: Freeman,
Edward R./McVea, John 2001).
Im Hinblick auf Stakeholder-Theorien ist die Unterscheidung in
deskriptive, instrumentelle und normative Theorien wichtig, da eine Vermischung
dieser drei grundlegenden Ansätze häufig zu Fehlinterpretationen des
Stakeholder-Ansatzes geführt hat (vgl. hierzu Donaldson,
Thomas/Preston, Lee E. 1995, S. 65 ff.). Deskriptive
Stakeholder-Theorien der Organisation beschreiben, inwiefern Organisationen
Interessen von Stakeholdern berücksichtigen. Unternehmen werden im Rahmen
deskriptiver Stakeholder-Theorien als Netzwerke
zwischen teilweise kooperierenden, teilweise auch konkurrierenden
Interessengruppen charakterisiert. Instrumentelle Stakeholder-Theorien
analysieren hingegen, ob und inwiefern vorgegebene Organisationsziele durch
bestimmte Ausprägungen eines Stakeholder-Managements besser erreicht werden
können. Insb. wird theoretisch und empirisch untersucht, inwiefern die
finanzielle Performance von Unternehmen durch geeignetes Stakeholder-Management
gesteigert werden kann. Schließlich gehen normative Stakeholder-Theorien im
Unterschied zu instrumentellen Ansätzen davon aus, dass Interessen von
Stakeholdern um ihrer selbst willen (und nicht nur zur besseren Erfüllung
übergeordneter Ziele) in der Unternehmensführung Berücksichtigung finden
sollten. Während instrumentelle Ansätze also den instrumentellen Wert der
Interessen von Stakeholdern untersuchen, betonen normative Ansätze deren
intrinsischen Wert.
Von entscheidender Bedeutung für die Einordnung und
Entwicklung von Stakeholder-Theorien ist die Frage, was unter einem Stakeholder
zu verstehen ist. Die klassische Definition von Freeman lautet „ A stakeholder
in an organisation is (by definition) any group or individual who can affect or
is affected by the achievement of the organization\'s objectives “ (Freeman,
Edward R. 1984, S. 46). Diese und vergleichbar weite Definitionen
finden häufig in deskriptiven und auch normativen Ansätzen Verwendung, werden
aber insb. aus Sicht instrumenteller Ansätze aufgrund ihrer Beliebigkeit oft
als unbrauchbar kritisiert (vgl. z.B. Jensen,
Michael 2001, S. 9). Mitchell, Agle und Wood versuchen, einen für
das Management von Stakeholder-Beziehungen praktikablen Ansatz zur
Priorisierung von Stakeholdern zu entwickeln. Ihre Systematik kategorisiert
Ansprüche von Stakeholdern anhand der Kriterien „ Macht “ , „ Dringlichkeit “ und
„ Legitimität “ (vgl. Mitchell,
Ronald K./Agle, Bradley R./Wood, Donna J. 1997). Aufgrund der sich
wandelnden Bedeutung von Stakeholdern im Lebenszyklus von Organisationen ist
bei der Priorisierung von Stakeholdern und der Entwicklung darauf abgestimmter
Strategien für das Stakeholder-Management eine dynamische Betrachtung sinnvoll
(vgl. Jawahar, I.
M./McLaughlin, Gary L. 2001).
IV. Integration von
Shareholder- und Stakeholder-Ansatz
Aus deskriptiver Sicht ist der Stakeholder-Ansatz zweifellos
die umfassendere und realistischere Sichtweise, da in realen Unternehmen
Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer in aller Regel faktischen Einfluss auf die
Unternehmensführung haben. Aus normativer Sicht ist die Wahl eines Shareholder-
oder Stakeholder-Ansatzes letztlich durch nicht weiter begründbare Werturteile
determiniert. Davon abgesehen wurden die gesamtwirtschaftlichen
Wohlfahrtswirkungen einer Shareholder- bzw. einer Stakeholder-Ökonomie bisher –
wie erwähnt – noch nicht im Rahmen geeigneter Modelle analysiert.
Neben der Bedeutung deskriptiver Ansätze bei der Erklärung
der betrieblichen Realität erscheint im Sinne der praktisch-normativen
Tradition der Betriebswirtschaftslehre vor allem der instrumentelle
Stakeholder-Ansatz im Hinblick auf die Ableitung von Gestaltungsempfehlungen
fruchtbar. Während instrumentelle Stakeholder-Ansätze auch als Basis für die
Ableitung von Gestaltungsempfehlungen für das Management von
Non-Profit-Organisationen geeignet sind (vgl. Speckbacher,
Gerhard 2003), soll im Folgenden deren Integrationsmöglichkeit mit
dem Shareholder-Ansatz in erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen
beleuchtet werden. Da der Shareholder-Ansatz auf ökonomischen
Unternehmensmodellen basiert, ist es aus Gründen der Konsistenz sinnvoll,
hierzu auf Stakeholder-Ansätze im Rahmen ökonomischer Theorien der Unternehmung
zurückzugreifen.
Der Shareholder-Ansatz unterstellt ein ökonomisches
Unternehmensmodell, in dem die Beziehung des Unternehmens zu Kunden,
Mitarbeitern, Zulieferern und anderen „ bevorrechtigten Stakeholdern “ durch
vertragliche Regelungen vollständig determiniert (kontraktbestimmt) ist,
während sich der Anspruch der Shareholder als Residualgröße ergibt (vgl. z.B. Tirole, Jean
2001, S. 4; zum Folgenden genauer: Speckbacher,
Gerhard 1997). Damit ergibt sich der Shareholder Value letztlich aus
einem additiv-linearen Modell, und er lässt sich über die zu Marktpreisen
abgewickelten Zahlungsvorgänge im Verhältnis zu den bevorrechtigten
Stakeholdern steuern. Ökonomische Stakeholder-Ansätze verdeutlichen allerdings,
dass die Vertragsbeziehungen zu Stakeholdern in der Realität keineswegs durch
vollständige Verträge geregelt sind, wodurch Ansprüche von Stakeholdern nicht
zu Marktpreisen bewertet werden können und schließlich die Ermittlung einer
durch Marktpreise determinierten Residualgröße (Shareholder Value) scheitert.
Vielmehr tätigen nicht nur Shareholder, sondern auch andere Stakeholder
spezifische Investitionen (d.h. Investitionen die im Rahmen der
Kooperationsbeziehung wesentlich höheren Wert haben als außerhalb), wobei die
Rendite aus diesen Investitionen aufgrund der Unvollständigkeit der
vertraglichen Regelungen unbestimmt ist. Dies bedeutet, dass die Wertschöpfung
von Unternehmen im Rahmen von „ Nachverhandlungen “ zwischen den einzelnen
Stakeholdern verteilt wird. Die Möglichkeiten von Stakeholdern, sich Renten
(aus dem Kooperationsergebnis) anzueignen, werden insb. durch deren
Verhandlungsmacht bestimmt. Hierbei spielt die Corporate
Governance (Unternehmensverfassung) eine wichtige Rolle. Ein
Shareholder Value-Management muss also nicht nur die durch Wettbewerbsvorteile
generierten Renten steuern, sondern auch die Mechanismen, durch die sich
Stakeholder Renten aneignen können (vgl. Coff, Russel
W. 1999). Andererseits resultieren gerade in modernen,
wissensbasierten Unternehmen Wettbewerbsvorteile immer weniger aus
einzigartigen physischen Ressourcen (d.h. aus Investitionen der Eigentümer),
sondern in immer größeren Umfang aus (immateriellen) Ressourcen, die aus
Investitionen von Stakeholdern entstehen (vgl. z.B. Post, James
E./Preston, Lee E./Sachs, Sybille 2002). Stakeholder haben aber nur
dann einen Anreiz, derartige wertschaffende Investitionen zu tätigen, wenn sie
in Nachverhandlungen Möglichkeiten der Wertaneignung haben. Damit wird klar,
dass ein modernes Wertmanagement sowohl den Prozess der Wertgenerierung über
strategiekonforme spezifische Investitionen der Stakeholder steuern muss als
auch den damit zusammenhängenden Prozess der Wertverteilung zwischen den
Stakeholdern. Insb. erweist sich die Abbildung der Erfolgsentstehung über ein
mechanistisches, additiv-lineares Modell (wie im Rahmen von Werttreibermodellen
üblich) als nicht adäquat. Die Balanced Scorecard kann als erster Versuch der
Erweiterung wertorientierter Managementsysteme in Richtung eines
instrumentellen (am Shareholder Value als Zielgröße orientierten) Stakeholder-Ansatzes
interpretiert werden (Speckbacher,
Gerhard/Bischof, Jürgen 2000).
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