Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Aufgaben
II. Anforderungen
III. Allgemeine
Prämissen zur Begründung von Produktionsfunktionstypen
IV. Produktionsfunktionen
vom Typ A bis D
V. Kritik
und Weiterentwicklung
I. Begriff und
Aufgaben
1. Grundbegriff
Die funktionalistische Produktionstheorie der BWL umfasst in
mathematischer Funktionenschreibweise dargestellte Musteraussagen zur empirisch
fundierten qualitativen und quantitativen Erfassung, Beschreibung und Erklärung
von Wirkungszusammenhängen zwischen Einsatzgütern und den Produkten sowie
verschiedenen Einflussgrößen bzw. Vollzugsbedingungen der Produktion. Außerdem
sollen die vorgeschlagenen Aussagen auch Anregungen zur Bildung konkreter
Annahmen (Hypothesen) zur Simulation und Prognose der Wirkungen und damit zur
Beurteilung geplanter und realisierter Maßnahmen im Rahmen des
Produktionscontrolling, speziell der Produktions- und Absatzprogrammplanung und
der Simulationen in der Produktion geben. Dabei werden die Mustersysteme
(Modelle) der Produktionstheorie im Wege des Operations Research für die
Produktion um produktionswirtschaftliche
Ziele und Entscheidungsregeln der PPS
angereichert, d.h. Überführung der produktionstheoretisch basierten
Produktionsanalyse in eine Produktionssynthese, die als Basis einer allgemeinen
Prozessanalyse, -rechnung und -synthese dienen kann.
2. Darstellungsinstrument
Die zur Darstellung verwendeten reellen Funktionsgleichungen
unterstellen weitgehend eindeutige Abbildungen als Zuordnungen bzw. eindeutig
festgelegte Mengen geordneter Paare (Tupel) von Produktionselementen
(Faktorverbrauchsmengen, Produktmengen, Einflussgrößen wie
Leistungsintensitäten und -zeiten, Kapazitäten u.a.m.). Eine
Produktionsfunktion mit dem Funktor
f, dem Argument- bzw. Definitionsbereich
D(f) = M und dem Bild- bzw. Wertbereich
W(f) = N, (M und N als Menge der nicht negativen reellen Zahlen) ist
prinzipiell eine Menge von geordneten Paaren (x, y), bei der jedem Element x
∊ D(f) bzw. x ∊ M genau ein Element y ∊ W(f) bzw. y ∊ N
nach einer festgelegten Vorschrift zugeordnet wird, sodass f ⊆ MxN bzw.
die Funktion eine Abbildung aus der Menge der nicht negativen reellen Zahlen in
sich selbst darstellt (f:x→y). Die abhängige
Variable y wird in den verschiedenen Typen von Produktionsfunktionen häufig
als Faktorverbrauchsmenge oder als Leistungsgröße insb. Produktmenge, die unabhängige Variable (Argument) x als
Produktmenge bzw. Faktorverbrauchsmenge oder sonstige Einflussgröße
interpretiert. Die Zuordnungen basieren auf empirisch prüfbaren Vorschriften
bzw. Funktoren, dem Kernelement jeder funktionalistischen Produktionstheorie.
Einer Erweiterung der reellwertigen Abbildungen auf allgemeine mengenwertige
Abbildungen dienen Produktionskorrespondenzen (Eichhorn, W.
1993).
3. Allgemeine Funktionstypen
Dementsprechend werden Produktionsfunktionen zur allgemeinen
Darstellung von Wirkungszusammenhängen zwischen Produktmengen xi der Art i (i = 1, ?, m) und eingesetzten
Produktionsfaktormengen rj der Art j (j = 1, ?, n)
mit bestimmten Zuordnungsvorschriften F, f bzw. g in folgenden Funktionstypen formuliert:
Produktionsfunktionen sind eindeutig bestimmt, wenn ihre
Definitionsbereiche und Zuordnungsvorschriften gegeben sind. Die
Zuordnungsvorschrift kann verschiedenartig fixiert sein, es muss lediglich
eindeutig festgelegt sein, welche geordneten Paare (Tupel) zur Funktion
gehören. Die inversen Abbildungen bzw. Funktionen f-1 brauchen dabei selbst nicht eindeutig zu sein,
Eindeutigkeit stellt einen
Spezialfall einer Produktionsfunktion dar.
Die funktionalistische Produktionstheorie entwickelt ihre
Aussagen in Form allgemeiner unmittelbarer
Produkt- und Faktor-Funktionen der Typen (2) bzw. (3) als einfache
eindeutige Abbildungen, unter Berücksichtigung anderer
Produktionseinflussgrößen (ins. Leistungsintensitäten, -zeiten, -kapazitäten
als Variablen ek),
aber auch in Form mittelbarer Funktionen
als mehrfach verknüpfte Abbildungen, insb. wie folgt:
(4) unmittelbare Faktorverbrauchsfunktionen
rj = fj (ek), verknüpft
mit Leistungsfunktionen ek = gk (xi) ergeben mittelbare Verbrauchsfunktionen rj = fj [gk (xi)] mit möglicher mehrdeutiger Abbildungsstruktur.
4. Aufgabenspektrum
Die Funktionstypen des funktionalistischen Ansatzes der
Produktionstheorie wollen Grundmodelle quantitativer und qualitativer
Wirkungsanalysen betrieblicher Prozesse unter möglichst allgemein gültigen
Bedingungen entwickeln, die schrittweise der realen Komplexität von Produktionssystemen angenähert werden.
Produktionsfunktionen unterstellen grundsätzlich empirische
Beobachtbarkeit der Zuordnungen und Qualitäten sowie Messbarkeit der Quanten
ihrer Variablen, sodass diese Aussagesysteme als Muster für empirisch fundierte Hypothesen bzw. Kernbestandteile von
Realtheorien gelten können, die unter
spezifischen Anwendungsbedingungen jeweils in Form numerisch konkretisierter
Faktor- und Produktfunktionen als überprüfbare Regelmäßigkeiten bzw.
nomologische Hypothesen gebildet werden müssen. Die allgemeine
Produktionstheorie behauptet nur grundsätzliche
Möglichkeiten der regelmäßigen Zuordnung klassifizierter Produktionselemente und erläutert diese
Aussagemuster häufig durch Beispiele konkreter Funktionen. In den Anwendungsbedingungen einer konkreten
Produktionsfunktion sind dann insb. Programm-, Verfahrens- und andere
Umfeldstrukturen mit ihren personalen, temporalen und lokalen
Vollzugsbedingungen zu spezifizieren.
5. Anwendungsklassen
Die Produktionsfunktionstypen können auf unterschiedliche Anwendungsebenen bzw. lokale
Vollzugsbedingungen bzw. die dort existierenden Verfahren (Produktionsstellen
bzw. ihre Prozesse bezogen werden: auf unterster Ebene die einzelnen Prozesse
individueller Arbeitsplätze (Produktionsstellen),
auf höherer, mittlerer Ebene die entsprechend integrierten Prozesse gruppierter
Produktionsstellen (Abteilungen, Werkstätten, Werkbereiche) und auf
höchster Ebene die entsprechend aggregierten Prozesse eines Betriebes (Betriebssystem) bzw. einer Unternehmung.
Eine empirisch konkretisierte Produktionsfunktion
bzw. Transformationsfunktion einer Produktionsstelle (eines
Betriebsbereiches) stellt entsprechend eine regelmäßige Zuordnung von Faktor-
und Produktquanten oder Einsatz- und Ergebnismengen, die von bzw. zu anderen
Produktionsstellen (-bereichen) in die bzw. aus der Produktionsstelle fließen,
unter spezifischen Prozessbedingungen dar. Eine entsprechend aggregativ
entwickelte Produktionsfunktion einer
gesamten Unternehmung bildet die Zuordnung von Faktor- und Produktmengen
ab, die unter den gesamten spezifischen Arbeitsbedingungen der Unternehmung aus
den Faktor- bzw. Beschaffungsmärkten in Produkt- bzw. Absatzmärkte fließen.
6. Zeitbezogene Betrachtungsweise
Außer nach den genannten räumlichen Vollzugskomponenten
können konkrete Produktionsfunktionen auch nach ihren zeitlichen
Vollzugskomponenten in kurz- und
langfristige bzw. operative und
strategische Produktionsfunktionen klassifiziert werden, die sich
prinzipiell durch die unterschiedliche Variabilität von Verfahren, Kapazitäten
und anderen Randbedingungen unterscheiden.
Die funktionalistische Produktionstheorie entwickelte
zunächst ihre Aussagentypen für einzelne Produktionsstellen bzw. deren homogene
Prozesse ohne differenzierte Datierung der Variablen als einperiodige bzw. statische Transformations- bzw. Produktionsfunktionen (statische
funktionalistische Produktionstheorie mit den Produktionsfunktionen von Typ A
bis D; vgl. 4). Darauf aufbauend wurden mit differenzierten Datierungen der
Produkt- und Faktorvariablen und anderer Einflussgrößen bzw. mit expliziten
terminierten Prozessabbildungen Aussagetypen über zeitbezogene
Wirkungszusammenhänge als mehrperiodige oder dynamische Transformations- bzw. Produktionsfunktionen
vorgeschlagen (Produktionsfunktionen von Typ E, F und G; Küpper, 1980;
Matthes, 1991,
2001.).
Alle diese Ansätze setzen im Analysezeitpunkt bekannte
Randbedingungen voraus und behaupten entsprechend für den Vollzugszeitraum des
betrachteten Funktionssystems fixierte Funktionalitäten im Rahmen stationärer
Systeme bzw. einer stationären Umwelt. Dispositionen, insb. Adaptionen und
Innovationen der Randbedingungen und Wirkungszusammenhänge im Rahmen
evolutionärer Systeme werden in diesen Ansätzen nicht erfasst.
II. Anforderungen
Um nach den Mustern der Ansätze der funktionalistischen
Produktionstheorie konkrete Hypothesen über Produktionswirkungen bilden und
prüfen zu können, sind verschiedene Anforderungen zu erfüllen, die die
spezifischen Axiome konkreter
Produktionsfunktionen und der auf ihnen aufbauenden Aussagen über Kosten und Kosteneinflussgrößen, Kostenfunktionen
und -verhalten charakterisieren:
1) Beschreibung der
Prozesse (Entwicklung der Prozessaxiome) hinsichtlich ihrer
(a)
Stellung im
Realgüterbereich (Umsatzphase) und in Technologie-Lebenszyklen bzw. in
der Produkt-
und Prozessentwicklung;
(b)
Art von
Produktionstechnik und -verfahren sowie Produktionstypologie;
(c)
Art der
eingesetzten Produktionsfaktoren
mit den Möglichkeiten der quantitativen und qualitativen Messung ihrer
Verbrauchsmengen bzw. Einsatzleistungen und der erstellten Produkte und ihren
Messmöglichkeiten;
(d)
Stellung in der
Prozessorganisation mit ihren faktor-
und auftragsbezogenen Zeitkomponenten und Verknüpfungen;
2) Beschreibung der
Prozesssteuerung (Entwicklung der Steuerungsaxiome), die mit ihren
dispositiven Arbeitsleistungen ebenfalls wesentliche Prozesswirkungen bestimmt,
insb.:
(a)
Art der
zuständigen Steuerungsinstitution (Institutionenaxiome über Eigen-
und/oder Fremdsteuerung) und ihres
Führungs- und Unterstützungssystems bzw. der organisatorischen Steuerungsumgebung;
(b)
Art der
Steuerungsziele (Zielaxiome);
(c)
Art der
Informationsstruktur (Informationsaxiome über scharfe und unscharfe
Datensysteme und die den Prozess unterstützenden und umgebenden Informations- und Kommunikationssysteme
mit der Dokumentation von
Produktionsdaten, gestützt durch Daten(fern)übertragung
und Kommunikationsprotokolle und verbunden mit Lernen in der industriellen Produktion und Informationsproduktion;
(d)
Art der
Steuerungsregeln (Regelaxiome);
(e)
Art des
Steuerungsumfeldes (Kontextaxiome) unter Berücksichtigung von Produkt- und Prozessentwicklung,
Personalentwicklung, Forschung und Entwicklung, sowie allg. der erkenn-
und gestaltbaren Flexibilität,
Elastizität und Reagibilität der Produktion
und Reduktion.
Die nach diesen Aspekten für konkrete Analyse- und
Gestaltungssituationen derart festgelegten Prämissen/Axiome bilden reale
Randbedingungen der in konkreten Produktionsfunktionen gefassten
Wirkungshypothesen. Die praktisch gegebene und realitätsnah denkbare Vielfalt
dieser Bedingungen und ihr möglicher komplexer Einfluss auf die
Wirkungszusammenhänge eines Produktionsprozesses erlauben keine allgemein
gültigen numerisch spezifizierten Produktionshypothesen. Die in der BWL
entwickelten Typen von Produktionsfunktionen beanspruchen dementsprechend nur
jeweils für bestimmte einfache Anwendungsklassen Geltung, wobei auf jede
numerische Spezifikation von Funktionstypen verzichtet wird. Die Prämissen der
Produktionsfunktionstypen enthalten weitgehend Prozessaxiome der o.g. Arten, jedoch
weitgehend in aggregierter allgemeiner Form, wie sie nachfolgen in III.
skizziert werden.
III. Allgemeine
Prämissen zur Begründung von Produktionsfunktionstypen
Effizienzkriterien, die Art der Faktoreinsatzbedingungen und
der Ergebnisvariation werden bisher als primäre
Prämissen zur Begründung von Produktionsfunktionen verwendet.
1. Produktionseffizienz
Das Merkmal der eindeutigen Zuordnung der unabhängigen zu den
abhängigen Produktionsvariablen wird in der funktonalistischen
Produktionstheorie mit der Hypothese der technischen Ergebnis- bzw.
Produktmengenmaximierung für gegebene Faktorkombinationen
bzw. der Einsatzmengenminimierung (maximalen Sparsamkeit) für gegebene
Produktmengen begründet (Effizienzprinzip
oder technisches Wirtschaftlichkeitsprinzip).
Eine entsprechend entwickelte Produktionsfunktion bildet die extremen Wirkungen
der Menge aller möglichen Technologien, die effizienten
Technologien, eines Produktionsprozesses ab (Förstner, K.
1962; Wittmann, W.
1968; Krelle, W.
1969; Fandel, G.
1991; Dyckhoff, H.
1992). Diese Prämisse unterstellt eine Vorselektion von Technologien und
zugehöriger Vollzugsbedingungen, die insoweit zu Verschwendung führen würden,
ein entsprechendes monovalentes
Zielsystem, ein sukzessives
Planungsverfahren bzw. eine bestimmte hierarchische
Produktionsplanung und die zielgemäße vollständige
Erfassung aller Produkt- sowie Verbrauchsfaktoren und ihrer Wirkungszusammenhänge
für den betrachteten Prozess in jeweils einer eindeutigen Produktionsfunktion.
Im Fall eines anderen mono- oder polyvalenten Zielsystems (inklusive diverser
Kapazitätsrestriktionen), anderer Planungs- und Entscheidungsorganisationen und
der zumeist gegebenen nicht vollständigen Zurechenbarkeit von Faktorverbräuchen
zu Produkten können auch andere Technologien bzw. Faktorkombinationen als
akzeptabel selektiert werden (K-Effizienz
bzw. kompromissbedingte Akzeptanz von Produktionsalternativen; vgl. Matthes, W.
1970, 1991, 2001; Viefhues, D.
1982).
2. Formen der Faktoreinsatzbedingungen
Erzwingt die Technologie eines Prozesses i zur Erstellung
seiner Produktmengen xi jeweils ein festes
Einsatzverhältnis der Produktionsfaktoren
j (j = 1, ?, n) bzw. jeweils eine einzige effiziente Faktorkombination
mit den Faktormengen rij, so liegt Limitationalität der Faktoreinsatzbedingungen bzw.
der Technologie des Prozesses vor; die Produktionsfaktoren sind vollständig
komplementär, und es existieren für jede Produktmenge xi jeweils bestimmte Produktionskoeffizienten aij:
(5) ,
sodass als Produktionsfunktion ein System simultaner
Faktoreinsatzfunktionen, auch: Transformationsfunktionen,
(6) rij = aij(xi) · xi (j = 1, ?, n)
formuliert werden kann (Frisch, R.
1965). Limitationalität kann bei konstantem bzw. variablem
Faktoreinsatzmengenverhältnis in Abhängigkeit von den Produktmengen bestehen
und entsprechend zu linearen und nicht linearen homogenen bzw. inhomogenen
Produktionsfunktionen führen.
Substitutionalität der Faktoreinsatzbedingungen ergibt sich
bei Austauschbarkeit von Technologien bzw. ihrer Vollzugsbedingungen zur
Erzeugung identischer Produktmengen. Bei effizienten Austauschbeziehungen wird
der Mehreinsatz eines Faktors durch einen Mindereinsatz eines anderen Faktors
kompensiert. Derartige empirisch nachweisbare Faktorsubstitutionen können
partiell bzw. begrenzt (periphere
Faktorsubstitution) oder total bzw. unbegrenzt (alternative Faktorsubstitution) auftreten. Entsprechend begründen
sie linear oder konvex gekrümmte fallende Substitutionsfunktionen
(Isoquanten).
3. Formen der Produktmengenvariation
In Verbindung mit den Faktoreinsatzbedingungen werden
Produktionsfunktionen insb. durch unterschiedliche Formen der Variation der
Produktmengen (Outputvariation) in Abhängigkeit von der Art der Faktorvariation
(Inputvariation) begründet bzw. charakterisiert (Frisch, R.
1965; Ellinger,
Th./Haupt, R. 1990):
(a) Produktmengenvariation
bei totaler Faktorvariation (als Variation aller eingesetzten
Produktionsfaktoren) mit proportionalen (bzw. linearen) oder nicht
proportionalen (bzw. degressiven oder progressiven) Produktmengenvariationen
(Fälle der Größenproportionalität, -degression oder -progression; vgl. Frisch, R.
1965), entweder unter homogenen
Funktionalitätsbedingungen, sodass eine homogene Produktionsfunktion des
Grades r ≥≤ 1, mit dem Produktionsfunktionalitätsfaktor
λ,
(7) xi = fi(λr1, ?,λrn) = λα · fi(r1, ?,rn) gilt
oder unter inhomogenen
Funktionalitätsbedingungen, sodass eine inhomogene Produktionsfunktion des
Grades α (xi)
mit dem Proportionalitätsfaktor λ gilt:
(8) xi = fi(λr1, ?,λrn) = λα(xi) · fi(r1, ?,rn),
(b) Produktmengenvariation
bei partieller Faktorvariation (als Variation eines Teiles der eingesetzten
Produktionsfaktoren j = 1, ?, k bei konstanten Einsatzmengen r¯j der übrigen Faktoren j = k + 1, ?, n) mit
Produktmengenvariationen, dargestellt durch Produktionsfunktionen des Typs
(9) xi = fi(r1, ?,rk,r¯k+1, ?,r¯n).
IV. Produktionsfunktionen
vom Typ A bis D
Die zunächst entwickelten Typen (A, B, C und D) von
Produktionsfunktionen berücksichtigen keine differenzierte Datierung ihrer
Variablen und Bedingungen und stellen daher statische
Modelle dar. Sie unterscheiden sich durch die berücksichtigen Arten der
Variablen, Faktoreinsatzbedingungen und Produktmengenvariation.
1. Produktionsfunktion vom Typ A
Als ältester Ansatz einer Produktionsfunktion (Turgot, A.R.
J. 1768) ist sie für landwirtschaftliche Produktionsverhältnisse empirisch
begründet worden. Als klassisches Ertragsgesetz
behauptet sie einen (alternativ) zunächst über-, dann unterproportionalen
Ertragszuwachs, danach einen absolut abnehmenden Ertrag bei (alternativ)
zunehmendem Arbeitseinsatz und fixer Bodenfläche (mit zugehörigen gegebenen
landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen (vgl. Abb. 1).
Abb. 1: Klassisches Ertragsgesetz
In einer neoklassischen
Variante behaupten v. Thünen
(Thünen, J.H. v. 1842) und D. Ricardo
das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs, das nur einen unterproportionalen
(degressiven) Wirkungszusammenhang zwischen Arbeitseinsatz und Ertrag
postuliert (Abb. 2).
Abb. 2: Neoklassisches Ertragsgesetz
Das klassische Ertragsgesetz wurde später (Stackelberg,
H. v. 1932) aus als allgemeines Produktionsmodell interpretiert. Von
Gutenberg (Gutenberg, E.
1983) als Produktionsfunktion vom Typ A
bezeichnet, wurde es hinsichtlich seiner Anwendbarkeit auf industrielle
Produktionsprozesse wegen der dort vorherrschenden limitationalen
Faktoreinsatzbedingungen falsifiziert.
Beide Formen des Ertragsgesetzes unterstellen dagegen
Substitutionalität der Einsatzfaktoren bei ihrer partiellen Variation. Die vom
neoklassischen Ertragsgesetz behauptete Ertragsdegression kann unter diesen
Prämissen als eine linear-homogene Produktionsfunktion und damit als
Spezialfall einer Cobb-Douglas-Produktionsfunktion interpretiert werden, für
die allg. gilt (vgl. Krelle, W.
1969):
(10)
Für das klassische Ertragsgesetz lässt sich Linearhomogenität
als mögliches Merkmal ebenfalls postulieren (Frisch, R.
1965; Danø, S.
1966; Eichhorn, W.
1970; Ellinger,
Th./Haupt, R. 1990). Allerdings dürfte dieser
Produktionsfunktionstyp eher in langfristiger Betrachtungsweise unter den
Bedingungen der multiplen Betriebsgrößenvariation (Gutenberg, E.
1983) praktische Plausibilität aufweisen (Ellinger,
Th./Haupt, R. 1990).
Substitutionale Produktionsverhältnisse in allerdings
langfristiger Sicht unterstellt ebenfalls der Ansatz der Engineering Production
Function (Chenery, H.
B. 1949; Ferguson, A.
R. 1950), die naturwissenschaftlich-ingenieurtechnische
Gesetzmäßigkeiten, Randbedingungen und Einflussgrößen als Grundlage der
Beschreibung, Erklärung und auch Prognose von Ertrags- und Verbrauchwirkungen
verwenden. Als partiell substituierbare Einsatzfaktoren werden physikalisch-
oder chemisch-technisch dimensionierte Parameter von Produktionsaggregaten,
nicht jedoch menschlicher Arbeit berücksichtigt. Damit beschreiben diese
Funktionen prinzipiell Handlungsspielräume der Verfahrenswahl und Kapazitätsgestaltung
und -optimierung, wobei für die alternativen Verfahren
Limitationalität vorausgesetzt wird. Mit der Beschreibung langfristig
relevanter technischer Substitutionsmöglichkeiten stellt eine Engineering
Production Function (vgl. Smith, V. L.
1966; Zschocke, D.
1974; Kistner,
K.-P. 1981) eine besondere Klasse der Produktionsfunktionen von Typ
A dar.
2. Produktionsfunktion vom Typ B
Limitationalität
der Faktoreinsatzbedingungen sowie Mittelbarkeit
der Wirkungsrelationen (Input-Output-Beziehungen) zwischen Produkt- und Faktorverbrauchsmengen sind
Basisaxiome der Produktionsfunktion vom
Typ B (Gutenberg, E.
1983), wobei für ein Aggregat bzw. System homogene Prozesse i,
Leistungsintensitäten (Arbeitsgeschwindigkeiten vi) und Leistungs- bzw. Arbeitszeiten ti bei gegebenen Technologien (beschrieben durch
z-Parameter) sowohl Verbrauchsmengen rij wie Produkt- bzw. Leistungsmengen xi beeinflussende Größen sind. Eine
Produktionsfunktion vom Typ B eines Aggregates i besteht aus Verbrauchsfunktionen
(11) rij = fij(vi,ti) (j = 1, ?,
n)
und einer Leistungsfunktion
(12) xi = gi(vi,ti) bzw.
aus Faktoreinsatzfunktionen
(13) rij = fij[gi(vi,ti)] (j = 1, ?,
n)
Der Gesamtverbrauch an
Produktionsfaktoren
eines Aggregatsystems wird entsprechend beschrieben durch
(14)
Die einzelnen Verbrauchfunktionen (11) können bei gegebener
Technologie unterschiedliche diskrete und stetige lineare und nicht lineare
Formen aufweisen. Häufig exemplarisch genannte und planerisch verwendete
proportionale Verbrauchsrelationen bei konstanten Leistungszeiten bzw.
konstanten Leistungsintensitäten stellen Spezialfälle dar.
Die Faktoreinsatzfunktionen (13) sind allg. Ausdruck einer
mehrdeutigen Zuordnung von Faktoreinsatz- zu Produktmengen. Bei gegebenem
Sparziel »Verbrauchsminimierung«, aber auch bei anderen Zielsetzungen und
Randbedingungen (z.B. Kapazitätsrestriktionen) können aus ihr direkt bzw. aus
dem Gesamtkomplex von Verbrauchsfunktionen eines Aggregatsystems für einzelne
oder komplexe Produktionsprozesse effiziente Verbrauchsfunktionen – wie in Abb. 3 – durch Wirkungsvergleich oder –
je nach Restriktions- und Zielstruktur – unter Einsatz von
Optimierungsalgorithmen pro Produktmengenalternative abgeleitet werden (vgl. Gutenberg, E.
1983; Pack, L.
1966; Matthes, W.
1970; Knolmayer, G.
1983; Ellinger,
Th./Haupt, R. 1990).
Abb. 3: Generelle Faktoreinsatzfunktion und K-effiziente
(hier: verbrauchsminimale) Produktionsfunktion
Einen Spezialfall der Produktionsfunktion Typ B bei gegebener
Leistungsintensität stellt die Leontief-Produktionsfunktion dar (Leontief, W.
1951), die nur unmittelbare lineare Abhängigkeiten des Faktorverbrauchs von der
Produktmenge eines Produktionsprozesses erfasst. Sie wird vielfach
Entscheidungsmodellen der Produktions-
und Absatzprogrammplanung bzw. generell der betrieblichen
Input-Output-Analyse zugrunde gelegt.
Intensivierungen und Ergänzungen des Gutenbergschen Ansatzes finden sich vielfältig in den Konzeptionen
der Produktionsfunktion Typ C und D sowie in dynamischen Produktionsfunktionen.
3. Produktionsfunktion vom Typ C
Neben limitationalen werden in der Produktionsfunktion vom Typ
C auch substitutionale Faktoreinsatzbedingungen, wie sie vor allem in chemisch-
und biologisch-technischen Prozessen auftreten, berücksichtigt (Heinen, E.
1983). Basis der Analyse sind die Elementarkombinationen bzw. -prozesse der
betrachteten Aggregate (Potenzialgüter), für die eindeutige Verbrauchs- und
Leistungsbeziehungen bestimmt werden können. Als Einflussgrößen eines
Elementarprozesses j in einer Produktionsstufe k werden betrachtet:
-
seine Dauer tjk unter Berücksichtigung der
Intensitätsänderungen des Aggregats während des Prozessvollzugs,
-
seine Leistungsmenge λjk bei einmaligem Vollzug,
-
die Intensitätsverläufe anderer eingesetzter Aggregate
u über im
Falle substitutionaler Faktoreinsatzbedingungen,
-
der Ausschusskoeffizient cjk,
-
der Arbeitsverteilungskoeffizient vjk (Anteil an der Produktmenge der Stufe k),
-
die Produktmenge rk der Stufe k sowie die Endproduktmenge x1).
Ausgehend von dem ökonomisch disponierten Intensitätsverlauf
(Zeitbelastungsbild) des Aggregats j
bzw. den zeitabhängigen
Momentanbelastungen
(15) mit
0 ≤ t ≤ tjk, und der Gesamtbelastung bjn
(16) ,
sowie den technischen Verbrauchsfunktionen für den
Momentanverbrauch der eingesetzten Faktoren i
(17)
ergibt sich für einen Elementarprozess der Gesamtverbrauch
des Faktors i mit
(18)
Bei Variation der Prozessdauer tjk ergeben sich entsprechend geänderte
Belastungsfunktionen (15) und Faktorverbrauchsmengen (18). Dieser Zusammenhang
wird für eine Elementarkombination in einer ökonomischen Verbrauchsfunktion des
Typs
(19) bei
gegebenen cjk,
vjk und rk erfasst.
Die Gesamtverbrauchsfunktion eines Faktors i am Aggregat j
wird unter Berücksichtigung variabler Ausschuss- und Verteilungskoeffizienten
sowie der Produktmenge rk der Produktionsstufe k
beschrieben mit
(20)
Das Funktionskonzept (20) lässt sich für unterschiedliche
Fälle limitationaler und substitutionaler Faktoreinsatzbedingungen, fixierter
oder variabler Ergebnismengen und Wiederholungstypen der Elementarkombinationen
(Bearbeitungs- und spezielle und allgemeine Rüst- bzw. Vorbereitungsprozesse
als primäre, sekundäre und tertiäre Prozesse) variieren.
Unter Berücksichtigung der Verflechtungen der
Produktionsprozesse, ausgedrückt durch eine Programmfunktion
(21)
als Leistungsmenge der Produktionsstufe k pro
Endprodukteinheit l (l = 1, ?, m), lässt sich (20) als programmbezogene Produktionsfunktion des Typs C für eine
Mehrproduktunternehmung bezeichnen. Sie weist gegenüber Produktionsfunktionen
vom Typ A und B erheblich mehr explizite realitätsbezogene
Entscheidungsparameter des Produktionsprozesses auf, verzichtet jedoch – von
der kinetischen Analyse des Faktorverbrauchs der Elementarkombination abgesehen
– noch auf deren dynamische Verflechtung bzw. die differenzierte Datierung ihre
Einflussgrößen. Sie kann auch die aufgrund der realiter oft vorhandenen
Vielzahl von Einflussgrößenkombinationen gegebenen mehrdeutigen Zuordnungen von
Verbrauchswirkungen zu alternativen Produktmengen unter limitationalen und
substitutionalen Faktoreinsatzbedingungen erfassen. Sie synthetisiert und
erweitert damit die Anwendungsbereiche der Produktionsfunktionen vom Typ A und
B allerdings noch in statischer Sichtweise.
4. Produktionsfunktion vom Typ D
Die Produktionsfunktion vom Typ D (Kloock, J.
1969) berücksichtigt die technologischen Verflechtungen der Leistungen von
Produktions-, Vorrats- bzw. Beschaffungsstellen (inklusive Personalbüros) in
mehrstufigen Prozesssystemen nach dem Muster des makroökonomischen
Input-Output-Modells von Leontief mittels
Transformationsfunktionen. Sie verallgemeinert damit die Konzeptionen der
Produktionsfunktion vom Typ B und C und erfasst sowohl zyklische wie nicht
zyklische Transformationen, allerdings noch in statischer (einperiodiger) Sicht
wie folgt: Der Faktorverbrauch rij der Art i als von der Stelle i bezogene
Gütermenge in der Stelle j bestimmt sich generell nach
(22)
für alle Güterarten i, j, = 1, ?, n, wobei
(22) wird spezifiziert nach der Art des Gütereinsatzes
(Werk-, Hilfs- und Betriebstoffe gemessen in Verbrauchsmengen; materielle
Potenzialgüter und Arbeitskräfte jeweils gemessen in Bestandsmengen).
Dieser Ansatz stellt das umfassendste Modell einer
deterministischen statischen Produktionsfunktion, und zwar für mehrstufige
Mehrproduktunternehmen mit vollständig determinierten, konjunkten Prozessfolgen
bei sicheren, einwertigen Informationen über alle berücksichtigten Parameter,
dar.
V. Kritik und
Weiterentwicklung
Die statischen (einperiodigen) Produktionsfunktionen
explizieren trotz ihres gewachsenen Geltungsanspruchs keine ablaufbedingten
(nur dynamisch zu fassende) Interdependenzen ihrer Einflussgrößen und
berücksichtigen keine finanzwirtschaftlichen Phänomene (Kapitalbindung und
-freisetzung über produktionsbezogene Zahlungen). Auch erfassen sie prinzipiell
nur Bearbeitungsprozesse und externalisieren
damit und mit der vorausgesetzten deterministischen Datenstruktur jeden Produktionsentscheidungsprozess.
Ausdruck vollständig vorgegebener Prozessabläufe ist dabei insb. der zunehmend
zur Darstellung angewandte, auf Gütermengen bezogene Matrizenkalkül, der in
dieser Verwendung nur konjunkte, keine disjunkten Produktionsstufen zu
berücksichtigen erlaubt. Entsprechend fundieren diese Produktionsfunktionen die
Ansätze der traditionellen statischen Kostenfunktionen und Kostenrechnung mit
erheblichen Anwendungsdefiziten. Der bereits in der frühen Entwicklung von
Produktionsfunktionen und -modellen erhobenen Forderung nach expliziter
Berücksichtigung von Entscheidungsprozessen und -zusammenhängen (Henzel, F.
1967), sowie Datenunschärfen wie sie auch in der oben skizzierten Struktur
einer notwendigen Axiomatik zur Steuerungsumgebung der Produktion
zusammengefasst wurden, kommen die unter IV. skizzierten Ansätze der
funktionalistischen Produktionstheorie nicht nach. Diese bei der Modellierung
realer produktionswirtschaftlicher Steuerungssituationen relevanten Aspekte
werden schrittweise in den Ansätzen der dynamischen Produktionstheorie, neueren
Entwicklungen der Input-Output-Analyse, modular aufgebauten PPS-Systemen und vor allem in
Produktionsmodellen mit integrierten Entscheidungsnetzen (z.B. SLAM-Modelle auf
der Basis der Produktionsfunktion Typ G (Matthes, 2001))
reduziert.
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