Inhaltsübersicht
I. Bedeutung
von Lägern in der Produktionswirtschaft
II. Funktionen
von Lägern in der Wertschöpfungskette
III. Systematisierungs-
und Ausgestaltungsmöglichkeiten von Lägern
IV. Planungs-
und Entscheidungsbedarfe in der industriellen Lagerwirtschaft
I. Bedeutung von
Lägern in der Produktionswirtschaft
1. Von der beständeoptimierenden
Betriebswirtschaftslehre zur Vision einer lagerlosen Wirtschaft
Läger und Bestände als Objekte betriebswirtschaftlichen
Denkens und Handelns haben eine wechselvolle Geschichte durchlaufen: In der Frühzeit
des wissenschaftlichen Managements und der Betriebswirtschaftslehre fanden sie
wenig systematische Aufmerksamkeit. Sie wurden als eher peripheres Element
industrieller Systeme und sekundäres Problem der industriellen Wirtschaft nur
gelegentlich betrachtet (vgl. z.B. Findeisen, F.
1923, Findeisen, F.
1925; Andler, K.
1929).
Erst in den 1950er- und 1960er-Jahren fanden Bestände
breiteres Interesse: als potenziell bedeutsame makroökonomische Größen (z.B. im
Zusammenhang mit der These von »beständeinduzierten Rezessionen« (Stockton, R.
S. 1965, S. 1) und – aus betriebswirtschaftlicher Sicht – als
erfolgskritische, kontroll- und optimierungsbedürftige Vermögenswerte in
Unternehmen (vgl. Magee, J. F.
1958; Holt,
C./Muth, J./Modigliani, F. et al. 1960). Besonders das erwachende
Interesse dieser Zeit am Einsatz quantitativer analytischer Methoden zur
Unterstützung unternehmerischer und wirtschaftspolitischer Entscheidungen
dürfte dazu beigetragen haben, dass seitdem die rechnerischen Lösungsansätze
zur Optimierung von Beständen zum elementaren Wissensbestand der
Betriebswirtschaftslehre zählen. Vgl. die Beachtung, die die Arbeiten von Andler, Arrow/Harris/Marschak, Whitin und
Hadley/Whitin (Andler, K.
1929; Arrow, K.
J./Harris, T./Marschak, J. 1951; Whitin, T. M.
1953; Hadley,
G./Whitin, T. M. 1953 seitdem in den Lehrbüchern und Curricula der
Betriebswirtschaftslehre gefunden haben; vgl. auch die zahlreichen bei Kupsch (Kupsch, P. U.
1979) zitierten deutschsprachigen Quellen aus dieser Zeit).
Mit der zunächst allmählichen, seit den 1980er-Jahren sich
rapide beschleunigenden Verbreitung logistischen Denkens (vgl. Klaus, P.
1993) stellte sich dann erneuter Wandel der Bedeutung von Beständen und Lägern
ein. Seitdem werden sie zunehmend als Symptome schwachen, ungenügend
koordinierten Managements gewertet. Die absolute Reduzierung von Beständen gilt
als eine der zentralen Aufgabenstellungen erfolgreichen Managements.
2. Zentrale Begriffe
»Unter Lager ist ein Raum oder eine Fläche zum Aufbewahren
von Stück- und/oder Schüttgut« zu verstehen, »das mengen- und/oder wertmäßig
erfasst wird« (Jünemann, R.
1989, S. 143). Die Aktivität des Lagerns
ist nach der Norm des Vereins Deutscher Ingenieure VDI 2411 (VDI, 1970)
»jedes geplante Liegen von Arbeitsgegenständen im Materialfluss«. Die Aktivität
des Lagerns, wie sie sich in typischen industriellen Lägern vollzieht, kann in
eine Sequenz von Unteraktivitäten
zerlegt werden, wie »Warenannahme, Wareneingangsprüfung, Einlagerung, Liegen,
Auslagern, Bereitstellen für Fertigung bzw. Auslieferung, Beständeverwaltung,
Beständekontrolle und -Inventur und Wartung der Einrichtungen« (Bichler, K.
1990, S. 181 ff.). Bestände sind die
jeweiligen Mengen an Materialien und Gütern (nachstehend auch als Objekte bezeichnet), die sich im Lager
befinden.
Zum Verständnis der aktuellen Diskussionen in der
Betriebswirtschaftslehre um beständearmes Produzieren bzw. um die Vision
lagerloser Produktionssysteme ist es notwendig, auf die Unterscheidung von
Lägern im engeren Sinne als
physisch abgrenzbaren Lagerräumen bzw. Lagerflächen- und Einrichtungen hinzuweisen und auf die Möglichkeit »funktionaler Äquivalente von
Lägern«: Funktionale Äquivalente von Lägern können in physischen Beständen
bestehen, die sich nicht in
abgrenzbaren Räumen und Flächen (d.h. nicht in Lägern im engeren Sinne)
befinden, sondern in Bewegung, z.B. auf mobilen Transport- und Fördermitteln
und in Produktionsprozessen. Die Funktion von Lägern kann in vielen
betrieblichen Situationen auch durch systematische, erweiterte Bereitstellung von (nicht physischen)
Informationen erfüllt werden.
3. Zentrale Fragestellungen
Die zentralen Fragen und Aufgaben der Lagerbewirtschaftung
ergeben sich aus der Unterschiedlichkeit möglicher Perspektiven – Läger und
Bestände als Vermögensgegenstände und Ressourcen oder als Indizien mangelhafter
Koordination – und aus der Vielfalt der Platzierungs-, Dimensionierungs- und
Ausgestaltungsalternativen von Lägern in industriellen Systemen:
-
Wann und in welcher Weise tragen Läger zur
industriellen Wertschöpfung (vgl. Porter, M.
E. 1986) und zum unternehmerischen Erfolg bei, und wie ist dieser
Beitrag potenziell zu steigern?
-
Welche Läger tragen nicht zur Wertschöpfung bei, wie
sind solche Läger gegebenenfalls zu reduzieren, durch funktionale Äquivalente
zu substituieren oder zu eliminieren?
-
Wie sind als notwendig befundene Läger zu
rationalisieren?
Um diese Fragen prinzipiell zu beantworten, sind die
Funktionen von Lägern in industriellen Wertschöpfungsketten zu beschreiben, die
Gestaltungsmöglichkeiten von Lägern und deren Äquivalenten zu systematisieren
und die für das Management erreichbaren Hebel der Lagerrationalisierung zu
identifizieren.
Abb. 1: Von der Logistik als Funktionsspezialisierung zu
beherrschende material- und warenflussbezogene Interdependenzen
Abb. 2: Logistik als material- und warenflussbezogene
Steuerungsfunktion
II. Funktionen von
Lägern in der Wertschöpfungskette
1. Unmittelbar Wert schöpfende Funktionen
Die Produktion industrieller Güter muss der Vermehrung des
Reichtums der Menschen dienen – nämlich durch Schaffung von »Nutzen« und »Wert«
(Marshall, A. 1890, S. 116 ff.):
-
durch Produktion
von Gütern – der planmäßigen Transformation
von Materie durch Zusammenfügen, Zerlegen oder Gestaltveränderung, die die
Bedürfnisse von Menschen besser befriedigt als Materie im natürlichen
Zustand,
-
durch Transport
– planmäßigen Transfer von Objekten im
Raum von Orten, wo diese weniger Nutzen stiften, zu Orten, wo sie relativ
mehr Nutzen stiften,
-
durch Sortierung
und Portionierung – planmäßige Veränderung
der Ordnung bzw. Anordnung durch Umschlag und Kommissionierung sowie durch
Verpackung von Gütern in einer Art und Weise, die sie für die Menschen
besser konsumierbar oder gebrauchbar macht, oder
-
durch Lagerung – planmäßige Überbrückung von Zeitunterschieden zwischen Zeitpunkten der
Produktion, die von Natur, durch technische oder organisatorische Bedingungen
vorgegeben sind, und von den Menschen präferierten Zeitpunkten der
Konsumption oder des Gebrauchs.
Die Systematik von vier primären Nutzen industrieller
Aktivitäten geht auf Marshall
(Marshall, A. 1890) und Weld (Weld, L.D. H.
1919) zurück. Weld sprach von »form
utility«, »place utility«, »possession utility« und »time utility« als
prinzipielle Quellen wirtschaftlicher Wertschöpfung. Die Systematik findet sich
aktuell bei Ihde (Ihde, G. B.
1991) wieder, der mit ihrer Hilfe die Bedeutung logistischer Leistungen in
arbeitsteiligen Wirtschaftssystemen erläutert. Es lassen sich mit dieser
Systematik die prinzipiellen Funktionen von Lägern und Lageraktivitäten in
Wertschöpfungsprozessen ordnen und bewerten:
(1) Die augenscheinlichste Funktion von Lägern, die sich
unmittelbar aus dem Alltagsgebrauch des Wortes herleitet, liegt in der Überbrückung von Zeitunterschieden zwischen
Produktions- und Konsumptions- bzw. Gebrauchszeitpunkten. Offensichtlich ist
z.B. die Notwendigkeit, Produkte der Natur zu lagern, die nur zu einer
bestimmten Jahreszeit geerntet werden können, die aber ganzjährig gebraucht
werden. Je begrenzter und zeitlich entfernter voneinander die Ernte- und
Konsumptionsperioden eines Produktes sind, umso höher wird tendenziell der
Wertzuwachs für die Menschen sein, der durch das Lagern erzeugt wird. Je
sensibler das Produkt gegenüber Einflüssen im Zeitverlauf, d.h. je
verderblicher es ist, umso höher werden die Anforderungen an die Ausgestaltung
des Lagers und die mit der Lagerung verbundenen Aktivitäten sein, umso höher
ist tendenziell wiederum der Wertzuwachs. In sehr vielen Fällen erfüllen Läger
also eine den Wert der Lagerobjekte erhöhende Ausgleichsfunktion zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten, die zu
unterschiedlichen Zeiten ablaufen (Kupsch, P. U.
1979). Die Notwendigkeit der Überbrückung von Zeitunterschieden durch Läger
kann auch aus stochastischen Fluktuationen
der Verfügbarkeit und/oder der Preise von Gütern motiviert sein. Bestände
werden zu einem Zeitpunkt angelegt, wenn anzunehmen ist, dass sie zu späterem
Zeitpunkt höheren Wert haben werden als zum Zeitpunkt der Beschaffung. Das
Lager übernimmt in diesem Fall eine Spekulationsfunktion
(Kupsch, P. U.
1979) bzw. Arbitrage-Funktion in der Zeit.
(2) Läger und Lagerung von Gütern können aber auch andere
Wert schöpfende Funktionen wahrnehmen. Lagerung als Veredelungsprozess ist
notwendiger Teil der werterhöhenden
Transformation von Produkten, wie im Falle des reifenden Camemberts, des
alternden Cognacs oder des abzulagernden Bieres. Das Lager übernimmt damit die Funktion eines Produktionsmittels.
(3) Lager können Transferaktivitäten
im Raum, also Förder- und Transportfunktionen wahrnehmen, wenn sie mobil
ausgebildet sind, wie moderne Systeme dynamischer Lagerung in der Industrie:
Produkte werden z.B. auf geneigten Rollenbahnen von einem Vorfertigungsort zu
einem Montageort bewegt, die zugleich raumüberwindende
innerbetriebliche Transportfunktionen, wie zeitüberbrückende Pufferfunktion
übernehmen (vgl. Jünemann, R.
1989).
(4) Läger sind schließlich in vielen Fällen Ort der Veränderung der Ordnung von Beständen bzw.
Anordnung von Gütern für bedarfsbedingte Zwecke. Beim Handel werden z.B.
artikelorientiert, gebündelt von Herstellern angelieferte Waren zum Zwecke der
kundenorientierten Sortimentsbildung in Lägern kommissioniert und portioniert.
In industriellen Materiallägern werden Sätze aus verschiedenartigen Teilen
montagefertig zusammengestellt, sodass diese einen höheren Wert als Input für
einen Folgeprozess erlangen als unsortierte, nicht bedarfsgerecht portioniert
bereitgestellte Materialien. Das Lager übernimmt in diesen Fällen die Funktion
der planmäßigen Assortierung von
Gütern (vgl. Kupsch, P. U.
1979).
2. Mittelbar wertsteigernde Funktionen
industrieller Läger
Die vier oben benannten direkt Wert schöpfenden Funktionen
von Lägern können um eine Reihe spezifischerer Funktionen von Lägern ergänzt
werden, die mittelbar der Steigerung
von wirtschaftlichem Nutzen bzw. von Wertzuwächsen durch Rationalisierung industrieller Aktivitäten dienen.
(1) Wenn »Economies of
Scale« in der industriellen Produktion angestrebt werden, ist Bündelung
bzw. Losbildung der Güter und Materialien, die in den betrachteten
Produktionsprozess eingehen, notwendig. Läger haben in diesem Falle die Funktion, Objekte für nachgelagerte
Aktivitäten in ökonomisch optimalen Mengen anzusammeln. Solche
nachgelagerten Aktivitäten können neben der Produktion auch Transporte (Transportlosbildung, um Transportmittel
mit fixen Kapazitäten optimal zu nutzen), Verpackung
(Verpackungs-, Versand-, Ladeeinheitenbildung zur Optimierung von
Verpackungsmaterialbedarfen und/oder Handlingsaktivitäten) oder administrative
Vorgänge (z.B. bei Bildung von
Sammelbestellungen) sein.
(2) Wenn einem Produktionsschritt
mit begrenzter Durchsatzkapazität Aktivitäten vorgelagert sind, die in
größeren Mengeneinheiten durchgeführt wurden, entstehen Bestände aus
»Anbrüchen« bzw. dem allmählichen Abbau großer Vorratslose. Läger haben dann die Funktion der Entbündelung von Objekten.
(3) Die Schaffung
möglichst gleichmäßiger Produktionsflüsse ist als eine der wichtigsten
Voraussetzungen verschwendungsarmer industrieller Prozesse erkannt worden (vgl.
das Konzept des »Levelling« bei Ohno, T.
1988). Daraus kann sich die wirtschaftliche Notwendigkeit ergeben, bei
fluktuierenden Flüssen von Objekten durch Pufferung von temporären
Mengenspitzen bzw. Warteschlangenbildung deren Beruhigung zu erreichen. Läger
übernehmen die Funktion der Flussglättung.
Die bis hierher beschriebenen rationalisierungsorientierten,
potenziell Kosten vermindernden Lagerfunktionen (1) bis (3) können auch als Mengen-Ausgleichfunktionen
zusammengefasst werden (Kupsch, P. U.
1979).
(4) Eine weitere Möglichkeit der Rationalisierung in der
industriellen Praxis, die zu Beständebildung und notwendigen Einrichtung von
Lägern führt, besteht in der Optimierung
von Reihenfolgen der Bearbeitung, um z.B. häufige Werkzeugwechsel und/oder
Reinigungsaufwendungen von Lackieranlagen zu vermeiden. Wenn Aufträge in
stochastischer Reihenfolge oder durch technisch bedingte Reihenfolgen, die aus
vorangegangenen Produktionsschritten entstanden sind, in einen
reihenfolge-sensiblen Prozess einfließen, dann müssen die umzuordnenden Objekte
in Lägern kurzzeitig angesammelt werden, die die Funktion von Sortierpuffern wahrnehmen.
(5) in vielgliedrigen industriellen Prozessen werden Bestände
und Läger schließlich dadurch notwendig, dass stochastische Ereignisse es unmöglich machen, die Fertigstellung
von Produkten einer Produktionsstufe exakt auf den zeitlichen Start und den
Mengenbedarf der nächstfolgenden Produktionsstufe abzustimmen. Um Abrisse des
Güterflusses in Wertschöpfungsketten zu vermeiden bzw. definierte
Verfügbarkeits- und Servicegrade einzuhalten, müssen deshalb Puffer- bzw. Sicherheitsbestände zur Überbrückung von
potenziellen Verzögerungen und Mindermengen angelegt werden. Die Läger erfüllen
in diesem Fall eine Sicherungsfunktion
(Koch,
R./Krampe, H. 1993).
III. Systematisierungs-
und Ausgestaltungs- möglichkeiten von Lägern
1. Prinzipielle Systematisierungsoptionen
Aus der vorangegangenen Diskussion und aus der Auswertung betriebswirtschaftlicher
und ingenieurwissenschaftlicher Literatur ergibt sich eine große Zahl von
prinzipiellen Systematisierungsmöglichkeiten von Beständen und Lägern. In Abb. 1 ist eine Auswahl solcher
Möglichkeiten in der Art eines morphologischen Kastens dargestellt.
Abb. 1: Arten von Lägern – Prinzipielle
Systematisierungsmöglichkeiten
2. Konkrete Ausprägungen und Typen von Lägern
Konkrete Ausprägungen und Typen von Lägern ergeben sich aus
der Dominanz bestimmter Ausprägung bzw. typischen Kombinationen solcher
Ausprägungen:
(1) Wenn bestimmte Funktionen
dominieren und den Zweck eines Lagers beschreiben, ist z.B. von Puffer-,
Kommissionier- bzw. Transshipment- oder Veredelungslägern zu sprechen (vgl. Stock, J.
R./Lambert, D. M. 1987; Bichler, K.
1990).
(2) Wenn die Läger einer spezifischen Position im industriellen Wertschöpfungsprozess zugeordnet werden
können, dann ist von Rohmaterial-, Vormaterial-, Fertigungs-Zwischenlägern,
Fertigprodukte-Lägern oder Distributionslägern zu sprechen (vgl. Kroeber-Riel,
W. 1966).
(3) Mit der Systematisierung von Lägern nach Standortbezügen (zentral, regional,
lokal) ist häufig eine bestimmte Ausprägung
der Sortimentierung verknüpft (Vollsortiment oder Teilsortiment).
(4) Die Technologie
der Lagerbauweise, -einrichtung und Lagermittel – vgl. für eine Übersicht Jünemann (Jünemann, R.
1989); Koether (Koether, R.
1993) – führt zu einer Klassifizierung z.B. nach Silo-, Flach- und Hochlägern,
Boden- und Regallägern, statischen und dynamischen Lägern etc.
(5) Wenn die Lagerobjekte
den Charakter bestimmen, dann spannt sich ein Spektrum güterartenspezifischer
Lagerarten, z.B. nach ihrer Gestalt und Konsistenz als Flüssig-, Schütt- und
Stückgütern, darunter »anonymen«, nur nach Artikelnummern zu identifizierenden
und nach Aufträgen/Kunden spezifizierten Neo-Bulk-Stückgutlägern (z.B. von
Markenartikeln und Normteilen) sowie von spezifizierten, nicht austauschbaren
Stückgütern (wie z.B. industriellen Werkzeugen oder auftragsgefertigten
Produkten) oder nach ihrer Funktion in der Fertigung definierten Gütern, z.B.
industrielle Werkstoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe – für eine geläufige
Güterartensystematik vgl. Riebel (Riebel, P.
1987).
(6) Diese Systematik ist noch weiter aufzufächern nach den Organisationsprinzipien der
Lagerplatzordnung (systematisch oder chaotisch), der der Wegeführung, der
Auffüll- und Entnahmeprinzipien (FIFO oder LIFO) (Pfohl,
H.-Chr. 1990 sowie der Stufigkeiten der Kommissionieraktivitäten.
(7) Schließlich können Läger nach der rechtlichen Zuordnung des Lagers zum Nutzer oder mehreren Nutzern,
z.B. als Eigenlager oder Fremdlager, im letzteren Fall als dediziertes oder als
»multi-user« Lager, oder der Lagerobjekte geordnet werden.
IV. Planungs- und
Entscheidungsbedarfe in der industriellen Lagerwirtschaft
1. Strategische Aufgabenstellungen
Aus den eingangs gestellten Fragen und der Vielfalt der
Gestaltungsmöglichkeiten der industriellen Lagerwirtschaft ergeben sich die
prinzipiellen strategischen Planungs- und Entscheidungsbedarfe:
(1) Die strategischen Aufgabenstellungen von Lägern und die
Rahmenbedingungen für deren Notwendigkeit und Ausgestaltung in spezifischen
Produktionsprozessen ergeben sich aus deren Funktionen im industriellen
Prozess. Sind diese direkt und eindeutig Wert schöpfend, so stellt sich die
Frage nach Möglichkeiten der weiteren Steigerung des Wertschöpfungsbeitrages,
z.B. durch Anreicherung der Zeitüberbrückungsfunktion des Lagers mit weiteren
Wert schöpfenden Funktionen des Transports, der Assortierung und der Veredelung
sowie auch der Anreicherung mit Kosten senkenden, mittelbar wertsteigernden
Funktionen. Optimierte Läger in industriellen logistischen Prozessen zeichnen
sich häufig durch intelligente Verknüpfungen, »Mixe« bzw. Funktionsprogramme Wert schöpfender und Kosten senkender Funktionen
aus; vgl. z.B. die Empfehlungen zum »Reengineering« logistischer Ketten im
Rahmen der Umsetzung von »Just-in-Time« und »Efficient Customer Response«
Systemen in: (Ohno, T.
1988; Shingo, S.
1988; Hammer, M.
1990; Majima, I.
1994).
(2) Nach der Bestimmung des Funktionsprogrammes eines Lagers sind dann die weiteren strategischen Entscheidungen der Einbindung in übergreifende
Beschaffungs- oder Distributionsnetze, der Standortwahl, der Dimensionierung, der Wahl des Automatisierungsgrades und sonstigen Struktur gebenden Parameter der
technischen und organisatorischen Lagergestaltung zu treffen (vgl. Teller, K. J.
1981; Rupper,
P./Scheuchzer, R. H. 1990).
2. Taktische Aufgabenstellungen
(1) Die Möglichkeiten der eventuellen Abbaubarkeit von
Beständen, der Substituierbarkeit oder Eliminierbarkeit von traditionellen
Lägern als taktische Mittel der
Realisierung der Vision von der lagerlosen Produktion ergeben sich aus einer
erweiterten Analyse der Funktionen. Jeder Lagerbestand lässt sich prinzipiell
in direkt wertsteigernde Funktionselemente und Kosten senkende Funktionselemente,
wie Losbildung, Entbündelung, Glättung, Sortierung und Sicherung dekomponieren.
Ein typischer industrieller Produktionsmaterialvorrat von 100 Einheiten wird
sich z.B. in 20 Einheiten Sicherheitsbestand, 50 Einheiten Anbruchmengen aus
den gegebenen Einkaufslosen, 5 Einheiten Assortierungsbestände für die
Kommissionierung von Montage-Teilesätzen und 25 Einheiten Glättungsreserve für
saisonale Schwankungen zerlegen lassen. Erst aus der differenzierten
Betrachtung dieser funktionsbezogenen Teilbestände ergeben sich realistische
Bestandsreduzierungspotenziale, wie z.B. durch den Abbau der Anbruchmengen
durch eine strikt auftragsmengenorientierte fertigungssynchrone Beschaffungslogistik
oder den Abbau der Sicherheitsbestände durch Qualitätssicherung der
vorgelagerten Prozesse.
(2) Darüber hinaus sind in einem kontinuierlichen
Abstimmungsprozess die Lagerbauweise, Lagereinrichtungen
und -technologie, die optimale interne
Organisation und die rechtliche und
organisatorische Einbindung des Lagers in unternehmensübergreifende
Beziehungsketten zueinander in eine optimale Beziehung zu setzen.
3. Operative Entscheidungen
Schließlich sind im operativen
Alltag des Lagermanagements die Zu-
und Abflüsse der Objekte, damit die laufenden Bestände an Lagerobjekten zu regeln, das Sortiment zu pflegen, der
Einsatz der Mitarbeiter- und Betriebmittel zu steuern sowie die notwendigen Inventur-,
Controlling- und sonstigen Administrations- und Instandhaltungsaktivitäten zu
sichern.
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