Inhaltsübersicht
I. Inhalt
und Erscheinungsformen des Kontraktmarketing
II. Erstellung
einer Konzeption für das Kontraktmarketing
III. Wahl
der Partner
IV. Stil
der Zusammenarbeit
I. Inhalt und Erscheinungsformen
des Kontraktmarketing
Kontraktmarketing
umfasst die vertragliche Festschreibung mit vor- und nachgelagerten
Marketing-Partnern.
Prototypische Beispiele sind
-
Vertragshändlersysteme, z.B. Automobilhersteller,
-
Franchisesysteme, z.B. von Textilherstellern, aber
auch
-
Handelsmarken-Management, als »Reverse-Marketing« z.B.
des Lebensmittelhandels.
Im Kontraktmarketing kann die Führerschaft sowohl der Herstellerseite als auch der Handelsseite
zufallen. Entscheidend ist lediglich, wer die Initiative ergreift und seine
Konzeption durchsetzt. Die Führerschaft lag indes in der Vergangenheit häufiger
beim Hersteller: für den Hersteller ist der Handel als »Gate Keeper«, als Pforte zum Endabnehmer, traditionell ein
strategisch wichtiger Engpass, den es (z.B. vertraglich) abzusichern gilt.
Umgekehrt ging der Handel in der Vergangenheit eher davon aus, dass ein (auch
qualitätsorientierter) Hersteller für die Produktion von Handelsmarken
vergleichsweise leicht zu finden sein wird. Deshalb maß der Handel der
»Beschaffungssicherung« i.d.R. nicht die Bedeutung zu, wie umgekehrt ein
Hersteller der Absatzsicherung.
Für die Zukunft ist aber eine zunehmende Bedeutung des
Kontraktmarketing unter Führerschaft des Handels (»Reverse-Marketing«) denkbar.
Hierfür spricht die zunehmende – auch internationale – Konzentration im Handel,
die in den einzelnen Branchen Oligopole entstehen lässt.
Aufgabe eines Handelsunternehmens im Rahmen eines Oligopols
wird es sein, sich von den Mitbewerbern zu differenzieren, auf verschiedenen
Bereichen eine Alleinstellung zu erreichen (z.B. durch Handelsmarken), wofür »Reverse-Marketing« ein probates Mittel
darstellt.
Derzeit ist aber die Praxis das Kontraktmarketing der Industrie häufiger zu beobachten, weshalb im
Folgenden schwerpunktmäßig hierauf eingegangen wird.
Das Kontraktmarketing der Industrie ist als Mittelweg zu
sehen zwischen den Polen
-
»freier« bzw. »Normal«-Vertrieb und
-
Absatz über herstellereigene Organe.
Im Kontraktmarketing selbst kann die Zusammenarbeit von eher lockeren
Kooperationen
bis hin zur (langfristig ausgerichteten) strategischen Allianz reichen (s. Abb. 1).
Abb. 1: Stellung des Kontraktmarketing in der Absatzpolitik
der Industrie
Die Intensität der Zusammenarbeit korreliert mit der
Fristigkeit: Ein auf längere Zeit angelegtes Kontraktmarketing wird i.d.R.
besonders intensiv sein. Eine Koordination einzelner Funktionsbereiche (wie
z.B. der Logistik, der Verwaltung, des Informationsaustauschs via
[kompatibler!] EDV) ist nur möglich und sinnvoll bei einem langfristigen
Zusammengehen.
Vor diesem Hintergrund haben sich in der Praxis »Typen des Kontraktmarketing« als besonders
häufig herauskristallisiert, die eher an den Endpunkten der Intensitätsskala
angesiedelt sind:
-
kurzfristig
orientiertes Kontraktmarketing von geringer Intensität,
-
langfristig
orientiertes Kontraktmarketing von hoher Intensität.
Als kurzfristiges Kontraktmarketing können (eher
»halbverbindliche«) Vereinbarungen im Rahmen der Jahresgespräche zwischen Hersteller und Handel angesehen werden.
Dabei sei daran erinnert, dass Jahresgespräche – ihrem ursprünglichen Ziel nach
– die Gemeinsamkeiten von Hersteller- und Handelsmarketing
im Rahmen von kooperativen Marketing-Plänen zusammenfassen sollten. Die derzeit
im Vordergrund stehenden Rabattverhandlungen sind nicht das eigentliche Ziel
der Jahresgespräche.
Langfristig orientiertes Kontraktmarketing mündet in strategische
Allianzen zwischen Hersteller- und Handelsunternehmen – z.B. im
Rahmen von Vertragshändlerschaften oder Franchisesystemen. Für den Hersteller
geht es dabei nicht nur um das Erreichen von Synergieeffekten sondern auch
darum, Wettbewerbsbarrieren aufzubauen.
Die Vorteile des Kontraktmarketing gegenüber dem freien
Vertrieb liegen insb. in der besseren Absicherung des Engpasses Absatzmittler
sowohl quantitativ (Mengenplanung) als auch qualitativ (effizienteres
»Durchsteuern« des Verbrauchermarketings durch den »Filter Absatzmittler«).
Gegenüber dem Direktvertrieb sind als Vorteil des
Kontraktmarketing die Flexibilität und das Engagement der selbstständigen
Händler anzuführen.
Daneben erfolgt beim Hersteller eine Schonung der Ressourcen
Management und Kapital – häufig beides Engpässe für eine weitere Expansion.
II. Erstellung einer
Konzeption für das Kontraktmarketing
1. Einflussfaktoren
Als Einflussfaktoren für die Konzeptionserstellung sollen
hier unterschieden werden:
-
die Ziele des Herstellers/Initiators,
-
die Berücksichtigung der Erwartungen des Handels,
-
der organisatorische Rahmen,
-
der juristische Rahmen.
2. Ziele des Herstellers/Initiators
Der Initiator des Kontraktmarketing (hier also der
Hersteller) wird bei der Erstellung der Konzeption für das Kontraktmarketing
zunächst von seinen eigenen Zielen ausgehen. Er wird also zunächst danach
trachten, eine Festschreibung der Aspekte durchzusetzen, die seine
unternehmensspezifischen Engpässe bzw. Erfolgsfaktoren tangieren.
a) Engpässe
Für einen Hersteller ist häufig »der Handel« Engpass, d.h.
die Distribution im Einzelhandel und
die Präsenz im Verkaufslokal bzw. Regal.
Diesen »Engpass Handel« durch Verträge längerfristig zu
binden, ist somit erstes Ziel eines Herstellers beim Kontraktmarketing. Dies
trifft insb. auf solche Hersteller zu, deren Marken über (noch) keine größere
Pull-Wirkung verfügen und die somit eher austauschbar sind.
b) Erfolgsfaktoren
Bei präferenzorientierten
Marketing-Strategien werden naturgemäß solche Aspekte zu Erfolgsfaktoren,
die eine Differenzierung von den Mitbewerbern bewirken. Eine Beispiel: Wenn ein
Automobilhersteller die Servicequalität als einen langfristigen Erfolgsfaktor
identifiziert hat, wird er im Rahmen des Kontraktmarketing Maßnahmen
festzuschreiben bemüht sein, die die Servicequalität sichern (z.B. regelmäßige
Aus- und Weiterbildung des Handelspersonals, Teilnahme des Handels an
betriebsspezifischen Verbraucherbefragungen zur Zufriedenheit mit dem Service
etc.).
Bei niedrigpreisorientierten
Systemen wird zwangsläufig besonderes Augenmerk gelegt werden müssen auf
Möglichkeiten der Kostenreduzierungen, die sich durch eine intensive
Kooperation ergeben müssen (Logistik, Einkauf, Synchronisierung der Sortimente,
etc.). Gerade hier ist eine konsequente Durchsetzung der Konzeption
erforderlich, um economies of scale auch tatsächlich erzielen zu können.
3. Berücksichtigung der Erwartungen des
Handels
Um im Handel nicht auf Akzeptanzprobleme zu stoßen, sollte
der Hersteller als Initiator eines Kontraktmarketing die Erwartungen des
Handels antizipieren und möglichst bereits bei der Erstellung der
Endabnehmerstrategie berücksichtigen.
Bei der Lösung von grundsätzlichen Zielkonflikten zwischen
Hersteller und Handel sind Kompromisse zu finden, die für beide Seiten
akzeptabel erscheinen: Da der Handel im Rahmen des Kontraktmarketing auf Teile
seiner Flexibilität (Sortimentsflexibilität ist Erfolgsfaktor) bzw.
Unabhängigkeit verzichtet, sind ihm z.B. im Gegenzug Anreize zu gewähren im
Hinblick auf andere – z.B. monetäre – Ziele. Dies geschieht z.B. durch
-
die Pull-Wirkung
der Marketing-Konzeption des Herstellers (es werden z.B. neuartige
Problemlösungen geboten) oder der Herstellermarke (Bekanntheit und Image beim
Endabnehmer – soweit es sich um eine bereits durchgesetzte Marke handelt);
-
die Leistungen des Herstellers an den Handel (wie z.B.
die Höhe der gewährten Spanne, Gebietsschutzvereinbarung) Know-how-Transfer,
Übernahme einzelner Funktionen (z.B. im Lager- bzw. Logistikbereich).
Problematisch ist dabei, dass in der Einführungsphase die
Erfolgsträchtigkeit der Konzeption der Systemzentrale vom Handel nur bedingt
bewertet werden kann. Der Initiator wird zwangsläufig sein Konzept als
interessant und gewinnbringend hinstellen. Insb. bei neuen Systemen sind die
Möglichkeiten der (potenziellen) Handelspartner begrenzt, derartige
Behauptungen zu überprüfen. Dies ist nur möglich, wenn das Konzept bereits an
anderen Standorten (zumindest als Pilotbetrieb) oder in anderen Ländern
etabliert wurde.
Aber auch dann bleiben Unwägbarkeiten, denn der Handel weiß:
»all business is local«.
Im Hinblick auf die Pull-Wirkung ist ferner zu bedenken, dass
Marken und auch Marketing-Konzepte einen Lebenszyklus durchlaufen. Hintergrund
sind die sich verändernden Erwartungen der Verbraucher – z.B. aufgrund der
Wertedynamik – , die Bemühungen der Mitbewerber (z.B. Aufkommen von
Me-too-Angeboten), die store-erosion auf der EH-Ebene etc.
Die Problematik der
nachlassenden Pull-Wirkung wird auch
dem Handel grundsätzlich bekannt sein. Unabdingbar ist somit ein gewisses
Vertrauen der Kontraktpartner in die Fähigkeit der Systemzentrale zur
permanenten Optimierung des Endabnehmermarketing bzw. zum rechtzeitigen
Relaunch.
4. Organisatorischer Rahmen
Je intensiver die Zusammenarbeit im Rahmen des
Kontraktmarketing, desto wichtiger der organisatorische Rahmen, der z.B.
beinhalten kann:
-
Management-Spielregeln,
-
Kanalisierung der Kommunikationsprozesse,
-
Installation von Gremien,
-
Erstellung der Jahreszielpläne,
-
Motivationsinstrumente, Prämiensysteme,
-
Controlling-Systeme,
-
Möglichkeit des Coaching etc.
5. Juristischer Rahmen
Beim Kommissionsvertrieb nimmt der Hersteller das Risiko des
Nichtverkaufs der Ware auf sich – insb. bei modischer Ware ein wichtiger Aspekt
für den Händler, der als Gegenleistung bereit sein muss, Vorgaben des
Herstellers zu akzeptieren. Dies gilt nicht nur hinsichtlich des
Endverbraucherpreises (Kommissionsvertrieb heißt de facto Preisbindung),
sondern auch hinsichtlich weiterer Marketing-Instrumente.
Allerdings dürfte es schwierig sein, mit Kommissionsware
einen hohen Distributionsgrad zu erzielen, da der Hersteller in diesem Fall die
Lagerhaltung bei einer Vielzahl von Kommissionären finanzieren müsste.
Fraglich erscheint ferner, ob Kommissionsware vom Händler mit
demselben Engagement betreut wird, wie solche Ware, für die er selbst das
Verkaufsrisiko trägt.
Vertragshändlerschaften und Franchisesysteme gehen in der Intensität der Kooperation
häufig weiter, da sich die Vereinbarungen über die Zusammenarbeit nicht nur auf
einzelne Sortimentbereiche beschränken, sondern mitunter das gesamte
Handelssortiment betreffen und darüber hinaus auch weitere Instrumente des Marketing-Mix.
Insb. bei Franchiseverträgen ist eine Tendenz zu rigiden
Vorgaben und Kontrollrechten zu beobachten. Vor diesem Hintergrund werden
Franchisenehmer mancher Systeme mitunter als »bessere Filialleiter«
apostrophiert – ein Trend, der kontraproduktiv wirken muss.
Aufgrund der Selektion der Vertriebspartner und der
Verhaltensabstimmung zwischen den Partnern prüfen die juristischen
Aufsichtsorgane einzelner Länder bzw. der EG, ob Systeme des Kontraktmarketing
ggf. gegen Rechtsnormen verstoßen. Zwar gewährleistet die deutsche
Wirtschaftsordnung grundsätzlich Vertagsfreiheit. Diese wird aber eingeengt
durch die Vorschriften des GWB bzw. des EG-Vertrages.
Problematisch sind nicht die Eingrenzungen durch diese
Rechtsnormen, sondern vielmehr die derzeit zu beobachtende Rechtunsicherheit hinsichtlich der Anwendung (z.B. rings um die
Gruppenfreistellungsverordnung), die das Kontraktmarketing deutlich behindern
bzw. einen Rückstau grundsätzlich anvisierter Kontrakmarketingsysteme bewirken.
III. Wahl der Partner
1. Festlegung der Anforderungsstrukturen
Der Initiator sollte sich zunächst darüber klar werden, wer
aus seiner Sicht ein »idealer Partner« für das Kontraktmarketing wäre. Hier
geht es um ein »strategic fit«, d.h. um eine Vereinbarkeit der Strukturen, der
Ziele und der Marketing-Konzeptionen der Kooperationspartner.
Selektionsebenen sind bei der Auswahl von Handelsunternehmen
als mögliche Partner eines Herstellers:
-
die Betriebsform und
-
die Unternehmen innerhalb der betreffenden
Betriebsformen.
a) Selektion der Betriebsform
Der Initiator kann auf vorhandene Betriebsformen aufbauen
oder ggf. eine völlig neue Betriebsform kreieren, die es dann zu multiplizieren
gilt. Bei einem Rückgriff auf vorhandene Betriebsformen (und Betriebe) stellt
sich die Frage nach dem gewünschten Distributionsgrad (intensiver, selektiver
oder extensiver Vertrieb?). Wird eine neue Betriebsform geschaffen, so ist über
die Anzahl der zu etablierenden Betriebe zu entscheiden.
b) Selektion der Unternehmen
Bei den Bewertungskriterien, die die Eignung eines
Absatzmittlers zur Integration in ein vertikales Konzept determinieren, können
quantitative und qualitative Aspekte unterschieden werden.
Quantitative Aspekte sind z.B.: Umsatz, Umsatzpotenzial,
betriebswirtschaftliche Leistungskennziffern (Umsatz(qm, Umsatz/Verkäufer),
finanzwirtschaftliche Kriterien (Eigenkapital, Bonität etc.) usw.
Als qualitative Kriterien können angeführt werden: das Image
des Handelsunternehmens bei den Endverbrauchern (z.B. hinsichtlich
Sortimentskompetenz, Service, Preis-Leistungsverhältnis etc.) und allgemeine
betriebliche Strukturen (welche Funktionen können mit welcher Qualität
übernommen werden, z.B. Reparaturservice, Außendiensteinsatz etc.).
Ein wichtiger qualitativer Faktor ist ferner das Management
der potenziellen Kooperationspartner.
Es ist zu prüfen, ob die Entscheidungsträger der anvisierten
Absatzmittler überhaupt bereit sind, mit dem Hersteller zusammenzuarbeiten
(d.h. zumindest seine Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen). Daneben ist zu
antizipieren, ob eine Bereitschaft
besteht, Verträge oder Absprachen mit
Leben zu erfüllen.
Die oben diskutierten Bewertungskriterien sind im Rahmen von
Selektionsverfahren zu systematisieren und zu gewichten. Typische Selektionsverfahren sind:
-
das Checklisten-Verfahren
(festgelegte Bewertungskriterien werden hinsichtlich des Erfüllungsgrades
z.B. anhand von Skalen eingestuft),
-
das Portfolio-Verfahren
(im Rahmen einer Matrix wird die Positionierung potenzieller Partner z.B.
hinsichtlich ihrer Attraktivität und hinsichtlich der Machtposition der
Systemzentrale festgelegt.
2. Akquisition von Partnern
Dass mögliche Partner für das Kontraktmarketing »Schlange
stehen«, dürfte eher die Ausnahme sein. Vor diesem Hintergrund ist eine
spezielle Akquisitionskonzeption zu entwickeln. Mitunter sind sogar keinerlei
Zielbetriebe vorhanden, die als Partner infrage kommen würden – so z.B. bei der
Erschließung von Märkten in Osteuropa. In diesem Fall muss der Initiator
zusammen mit den Partnern erst Einzelhandelsstrukturen schaffen.
Entscheidende Fragen bei der Akquisition von Partnern sind:
-
Wie sollen Kontakte zu möglichen Interessenten
hergestellt werden?
-
Wie können Kompetenzen und Partnerschaften des
Initiators glaubhaft vermittelt werden?
IV. Stil der
Zusammenarbeit
Bei der Zusammenarbeit
Hersteller/Handel kommt es nicht allein auf die Vertragsinhalte an – z.B.
dahingehend, wer die Führerschaft innehaben soll – , genauso wichtig ist
vielmehr auch, mit welchem konkreten »Leben« diese Verträge erfüllt werden,
d.h. insb., welcher Stil der Zusammenarbeit gewählt wird. Denkbar sind z.B.
-
friedlicher Stil
vertikaler Beziehungen (der Hersteller versucht, jeglichen Konflikt zu
vermeiden, es wird alles unterlassen, was den Handel in irgendeiner Weise
»herausfordern« könnte);
-
kooperativer
Stil gegenüber dem Handel (Probleme werden offen angesprochen, man
versucht »vernünftige« Lösungen zu finden, die von beiden Seiten akzeptiert
werden können, auch wenn sie mit Kompromissen verbunden sind);
-
aggressiver Stil
gegenüber dem Handel (der Hersteller ist bemüht, Handelseinfluss
zurückzudrängen bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen, der Hersteller geht
dabei in die Offensive und nimmt auch bewusst »Verärgerungen« des Handels in
Kauf);
-
konfliktärer
Stil gegen den Handel (auch »essentials« des Handels bleiben nicht
unberührt, die Herstellerseite versucht offen, eher ohne
Kooperationsbereitschaft Konflikte in ihrem Sinne zu lösen).
Selbst im Rahmen des Kontraktmarketing ist ein konfliktärer
Stil möglich – z.B. wenn der Systemführer eine Änderung des Vertrags anstrebt
oder einseitig diktieren möchte. Ein Beispiel hierfür ist die Änderung des
Rabattsystems gegenüber den Vertragshändlern durch den Hersteller.
Allerdings sind derartige Konflikte selten. Vielmehr wird die
Zusammenarbeit derzeit und auch in Zukunft durch einen kooperativen Stil
geprägt: Durch die Tendenz zur Konzentration,
sowohl auf Handels- wie auch auf der Herstellerseite, ist in zahlreichen
Branchen die Entstehung von bilateralen Oligopolen wahrscheinlich.
In dieser Situation wünscht der Hersteller starke
Handelszentralen (z.B. durchsetzungsstark gegenüber den Einzelhandelsfilialen),
wie auch der Handel einen starken Hersteller als Partner bevorzugt (z.B. mit
bekannten, imagestarken Produkten bzw. Marken).
Ein bilaterales Oligopol beinhaltet eine Patt-Situation
hinsichtlich der Machtkonstellation Hersteller/Handel. Entsprechend werden
beide Seiten nicht Konflikte, sondern eher ein konstruktives Miteinander
suchen.
Dies gilt insb. in Situationen des Gruppenwettbewerbs (d.h.
dass verschiedene aus Hersteller und Händlern bestehende Gruppen – wie z.B. im
Automobilbereich – intensiv gegeneinander konkurrieren. Durch diesen äußeren
Druck treten Konflikte innerhalb der Gruppen – z.B. zwischen Hersteller und
Handel – in den Hintergrund).
Eine derartige Ausgangssituation fördert einen eher
gleichberechtigten Umgang der Vertragspartner, das »Partnering«.
Partnering beinhaltet die Suche und Realisierung von
Synergieeffekten, die sich durch eine Intensivierung der Zusammenarbeit (wie
z.B. im Rahmen des Kontraktmarketing) ergeben können.
Dabei kommt es darauf an,
-
im Rahmen einer gemeinsamen Analyse die Stärken und
Schwächen einer Zusammenarbeit darzustellen, um darauf aufbauend
-
die Beseitigung der Schwächen (auch beim Partner)
gemeinsam anzugehen,
-
die bei den Partnern vorhandenen Stärken durch
synchronisierte Anstrengungen zu bündeln und somit in ihrer Wirkung am Markt
zu multiplizieren.
Voraussetzung für ein effizientes Partnering ist somit ein
offenes (partnerschaftliches) Vorgehen von der Analyse des Umfelds und der
beteiligten Unternehmen über die (gemeinsame) Erstellung der Konzeption bis hin
zu Controlling-Aktivitäten.
Auf diese Weise können im Rahmen des Partnering
-
Kostensenkungs- und
-
Marketing-Potenziale
erschlossen werden, die sich bei einer Führerschaft einer
Seite (d.h. entweder eines Hersteller- oder Handelsunternehmens) nicht ergeben
hätten.
Die Zukunft wird schlagkräftiges, effizientes
Kontraktmarketing honorieren. Hierfür ist »Partnering« ein wichtiger
Ansatzpunkt.
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