Inhaltsübersicht
I. Grundsätzliche
Elemente der Beratung
II. Coaching
III. Moderation
IV.
Coaching und Moderation im Umfeld affiner Beratungsformen
V. Integration
interdisziplinärer Ansätze
I. Grundsätzliche Elemente
der Beratung
Die Beratungsbranche verzeichnete in den letzten Jahren
Wachstumsraten von 10 – 15%; vergleichbare Raten werden auch für die kommenden
Jahre erwartet.
Als Erweiterung der klassischen Unternehmens-Beratung sind in
den 1970er- und 1980er-Jahren neue personen- und entwicklungsorientierte Formen
entstanden, welche speziell auf die Wünsche der Klienten nach Hilfeleistung bei
der Entwicklung ihrer Unternehmenskultur, ihrer Organisationsstruktur sowie der
sozialen und persönlichen Kompetenz ihrer Mitarbeiter eingehen. Um klassische
und neuere Beratungsangebote besser beurteilen zu können, sei hier auf drei
grundsätzliche Elemente der Beratung eingegangen.
1. Rolle
Berater/Klient im Beratungsprozess
Schein, Mitbegründer der Organisations-Psychologie und
-Entwicklung, unterscheidet in seinem Beratungs-Konzept drei Grundmodelle (vgl.
Schein, E.H.
2000, S. 23 ff.), welche das Beratungsgeschehen auf der Sach- und
Beziehungsebene regeln:
-
Expertenmodell: Der Klient erwirbt vom Berater
Informationen und Expertendienstleistung.
-
Arzt-Patient-Modell:
Der Berater „ checkt “ die Organisation, „ diagnostiziert “ die Probleme, schlägt
Lösungen vor und führt die Umsetzung ( „ Therapie “ ) durch.
-
Prozessberatung: Der Berater baut mit dem Klienten
eine „ hilfreiche Beziehung “ auf, die es diesem erlaubt, seine Prozesse
wahrzunehmen, zu verstehen und die bestehende Situation positiv zu verändern.
Für alle drei Modelle gilt, dass Hilfe die primäre Beratungsfunktion
darstellt, trotzdem weisen sie grundlegende konzeptionelle Unterschiede aus in
Bezug auf die Beratungsfunktion und auf das Verständnis, was die Hilfeleistung
für den Klienten beinhaltet.
2. „ Integrativer “
Ansatz im methodischen Bereich
Der „ integrative “ Ansatz erstellt aus der Vielzahl
beratungsrelevanter Theorien, Methoden und Instrumente ein in sich konsistentes
Modell (vgl. Schreyögg, A.
1991, S. 75 ff.).
3. Ganzheitliches
BeratungsKonzept
Demgegenüber verbindet das ganzheitliche Beratungskonzept
beziehungsorientierte, methodisch-instrumentelle und ethisch-konzeptive
Komponenten (vgl. v. Sassen,
H./Vogelauer, W. 1998, S. 11 ff.).
Zur Beurteilung eines Beratungsangebotes sind Vorhandensein
und Ausprägung dieser drei grundsätzlichen Elemente kritisch zu hinterfragen.
II. Coaching
Der Begriff „ Coach “ bezeichnet sowohl eine Kutsche, als auch
den Kutscher, der die Pferde lenkt und betreut. In den USA und in
Großbritannien wurde der Begriff ab 1960 verstärkt auf den Trainer im Sport
angewendet und auch sehr früh eine Analogie im Management erkannt. Als
„ Ur “ -Form des Coaching kann somit jene Tätigkeit gesehen werden, die ein
Vorgesetzter im Rahmen seiner Führungsarbeit an seinen Mitarbeitern leistet
(vgl. Brinkmann,
R.D. 2000, S. 6; Looss, W.
1993, S. 39). Ab etwa 1980 wird Coaching in der deutschen
Managementfortbildung eingesetzt und hat seit damals eine breite Entwicklung
erfahren.
Der Begriff „ Coach “ wurde im angloamerikanischen Raum schon
vor mehr als 100 Jahren an Universitäten verwendet. Es wurden damit diejenigen
bezeichnet, welche andere auf Prüfungen vorbereiten (vgl. Rückle, H.
2000, S. 19).
Abb. 1: Matrix der Coaching-Anlässe (Quelle: vgl. Schreyögg, A.
1999, S. 72 ff.)
1. Definitionen
von Coaching
Aus der umfangreichen Coaching-Literatur seien dazu einige
Definitionen angeführt:
-
„ Coaching ist personenbezogene Einzelberatung von
Menschen in der Arbeitswelt “ , „ ein Coach ist ein (externer) Einzelberater für
die personzentrierte Arbeit mit Führungskräften in Bezug auf die Frage, wie
die Managerrolle von der Person bewältigt wird. “ (Looss, W.
1993, S. 13, 15).
-
„ Coaching setzt das Potenzial eines Menschen frei,
seine eigene Leistung zu maximieren. Es hilft ihm, eher zu lernen, als dass
es ihn etwas lehrt. “ (Whitmore,
J. 1997, S. 14).
-
„ Coaching ist Anregung zur persönlichen Bestleistung
in Balance mit der beruflichen und privaten Umwelt. “ (Maaß,
E./Ritschl, K. 1997, S. 16).
-
Coaching ist in seiner Doppelfunktion „ exklusive
Maßnahme der Personalentwicklung von Führungskräften und Dialogform über
Freud und Leid im Beruf. “ (Schreyögg,
A. 1999, S. 147).
Grundsätzlich ist Coaching ein freiwilliger, zeitlich
limitierter und thematisch definierter Prozess; Dauer und Ziele werden
vertraglich geregelt.
2. Coaching-Formen
Man unterscheidet folgende Formen:
-
Einzel-Coaching:
klassische Anordnung, speziell für intime Themen und intensive Krisen; es
bildet einen besonderen Rahmen für die Unterstützung hochrangiger
Führungskräfte.
-
Gruppen-Coaching:
Setting mit gewisser Öffentlichkeit, für intensive Krisenarbeit weniger
geeignet. Mitglieder einer Gruppe sind funktionsgleiche Personen aus einem
organisatorischen System oder aus unterschiedlichen Systemen.
-
Team-Coaching
(fallweise System-Coaching genannt): bei diesem
nimmt eine kooperierende Arbeitsgruppe oder ein kooperierender Führungskader
am Coaching teil. Teams sind institutionalisierte Gruppen, die gemeinsame
Aufgaben erfüllen oder gemeinsam an einem Projekt arbeiten.
Obwohl Coaching ursprünglich mit Einzelpersonen
(Zweier-Beziehung) stattfand, erfreut sich in den letzten Jahren das Coaching
von Gruppen und Teams wachsender Beliebtheit (vgl. Schreyögg, A.
1999, S. 207).
Als besondere Coachingformen werden genannt:
-
Vorgesetzten-Coaching:
spezialisierte Beratung für Einzelne oder Kleingruppen durch den
Linienvorgesetzten. Sie wird von einigen Autoren als reguläre Führungsaufgabe
und nicht als Coaching im eigentlichen Sinn (vgl. Schreyögg,
A. 1999, S. 199; Looss, W.
1993, S. 149 ff.) gesehen, von anderen als wichtiges Instrument der
Mitarbeiterführung (vgl. Brinkmann,
R.D. 2000, S. 25 ff.; Niermeyer,
R. 2000, S. 12 ff.; Whitmore,
J. 1997, S. 19 ff.). Hier schließt sich der Kreis zu den
Wurzeln des Coaching, wo unter Coaching ganz explizit Anleitung, Förderung
und Entwicklung der Mitarbeiter durch den Vorgesetzten verstanden wird (vgl. Looss, W.
1993, S. 79).
-
Selbst-Coaching
(vgl. Whitmore,
J. 1997, S. 11; Rückle, H.
2000, S. 37 ff.): Sonderform, bei der der Ausübende ohne Coach
Verfahren anwendet, die grundsätzlich im Coaching nützlich sind.
3. Anlässe
für Coaching
Coaching-Anlässe können danach strukturiert werden, ob sie
sich auf ein Individuum bzw. auf ein Kollektiv (Gruppe, Team, System etc.)
beziehen oder ob es sich um berufliche Situationen wie Krisen bzw. um nicht
krisenhafte Stadien handelt (vgl. Schreyögg, A.
1999, S. 72 ff.). Daraus ergibt sich die in Abbildung 1 dargestellte
Matrix mit beispielhaften Themen und Anwendungen.
4. Rollenkonstellationen
Folgende Rollenkonstellationen werden in der Literatur
genannt:
Abb. 2: Rollenkonstellationen
Die Abdeckung von Beratungsbedarfen muss nicht grundsätzlich
durch externe Berater erfolgen, wenngleich in bestimmten Fällen externe Berater
Vorteile gegenüber internen aufweisen. Für externe Berater spricht, dass sie
nicht ins System integriert und kulturneutral sind sowie über entsprechende
Erfahrungen verfügen. Als Nachteile sind fehlendes Wissen über das
Klienten-System und wesentlich höhere Kosten anzusehen. Da
Personalentwicklungsmaßnahmen und damit auch Coaching einem
Bildungs-Controlling unterzogen werden sollten (vgl. Friedrichs,
P. 1997, S. 322), könnte die Kostenseite zu einer
Weichenstellung in Richtung interner Coach führen.
Vor- und Nachteile externer und interner Coachs werden in der
Literatur ausführlich diskutiert (vgl. Schreyögg, A.
1991, S. 190 ff.; Maaß,
E./Ritschl, K. 1997, S. 43 ff.; Wrede, B.A.
2000, S. 105 f.).
5.
Coaching-Prozess
Auf Basis verschiedener Prozessbeschreibungen (vgl. Looss, W.
1993, S. 87 ff.; Rauen, C.
2000; Rauen, C.
2001; Vogelauer, W.
2000, S. 14 ff.) wurde ein idealtypischer Coaching-Prozess definiert:
1.
Entscheidung für Coaching
2.
Eröffnungsphase
3.
Prozessphase Zieldefinition
4.
Prozessphase Zielarbeit
5.
Abschluss.
In die Eröffnungsphase fallen Kontaktaufnahme, Erstgespräch
zur Grobabklärung der Ziele, Kontrakt (formaler Vertragsabschluss), Setting
(Einzelne, Gruppe oder Team), Zeitrahmen und voraussichtliche Kosten.
In der Phase der Zieldefinition erfolgt die Klärung der
Ausgangssituation (Istzustand), Zielsuche und Zielvereinbarung (Festlegung von
Aufgaben, Definition Sollzustand). Hier wird auch der „ psychologische Vertrag “
geschlossen, der die Spielregeln der Beziehung Coach/Coachee definiert.
In der Zielarbeit werden gemeinsam alternative Sichtweisen
und Strategien entwickelt, Lösungswege erarbeitet sowie neue Muster und
Verhaltensweisen trainiert, wobei der Coach den Prozess durch Einsatz
entsprechender Methoden, Interventionen und Instrumente unterstützt.
Den formalen Abschluss bilden die Feststellung des Erreichten
sowie die Festlegung, ob und wie das Ergebnis zu einem späteren Zeitpunkt
evaluiert werden soll.
III. Moderation
Die Begriffe Moderation/Moderator leiten sich aus dem
Lateinischen ab. Als „ Moderator “ wird in der Reaktortechnik ein Stoff
bezeichnet, der schnelle Neutronen abbremst, damit langsamere zur weiteren
Spaltung fähig sind. Im ursprünglichen Sinn bedeutet Moderation somit,
„ Schnelle/Übereifrige zu bremsen und Langsame/Vorsichtige zu aktivieren “ (Koch, G.
1992, S. 13).
Auslöser für die Entstehung von Moderationsmethoden waren zum
einen die Wünsche nach effizienter und produktiver Gestaltung von Besprechungen
und Teamarbeit (vgl. Lehmann, G.
1998, S. 111), zum anderen die Unzufriedenheit mit autoritären
Gesprächsstrukturen und die Forderung nach mehr Beteiligung in
Entscheidungsprozessen (vgl. Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1987, S. 7). Zeitlich fällt die
Entstehung der Moderation etwa in die zweite Hälfte der 1960er-Jahre.
Die Moderation hat sich in verschiedene Richtungen
entwickelt, wobei auf das gleiche methodische Basis-Instrumentarium
zurückgegriffen wird.
1. Definitionen
von Moderation
Auch hier seien zum breiteren Verständnis einige Definitionen
aus der Literatur angegeben:
-
„ Moderation ist die Art und Weise der Diskussion in
Gruppen, bei der es darum geht, alle Teilnehmer möglichst aktiv und
zielorientiert zu beteiligen. “ (Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1991, S. 160)
-
„ Moderation ist eine Methode zur Steuerung der Kommunikation
in Arbeitsgruppen, um diese gemeinschaftlich zu einem definierten Ziel zu
führen. “ (Lehmann, G.
1998, S. 119)
-
„ Moderation bedeutet, den Teilnehmern durch Fragen zu
helfen, ein/das Ziel zu erreichen. “ (Koch, G.
1992, S. 195)
-
„ Moderation ist ein Handwerk. Wissen und Theorie
spielen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle gegenüber Geschicklichkeit
und Erfahrung. “ (Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1991, S. 1)
2. Formen
der Moderation
Moderation findet im Gruppen-
bzw. Team-Setting statt, wobei hier
zwischen der Arbeit in Gruppen und in Kleingruppen
unterschieden wird. Als methodischer Ansatz ist auch ein Wechsel zur
Einzelarbeit vorgesehen.
Moderation sollte grundsätzlich von zwei Personen
durchgeführt werden, da die Technik der Moderation und die Beziehungssituation
in der Moderation diese Zusammenarbeit notwendig erscheinen lassen. Nur in
Ausnahmefällen (z.B. Kurzmoderation) sollte ein Einzelner moderieren (vgl. Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1987, S. 118).
3. Anlässe
zur Moderation
Grundsätzlich kann man vier Anlässe zur Moderation
unterscheiden:
a) Gesprächsmoderation
Gesprächsmoderation ist ein Instrument der geführten Gesprächsbegleitung
unter Einsatz instrumenteller Mittel. Sie bildet die wohl bekannteste und am
breitesten eingesetzte Form der Moderation. Da Gespräche und Besprechungen
leicht entgleiten und ausufern, bietet professionelle Gesprächsführung durch
eigens dafür geschulte Moderatoren evidente Vorteile.
b) Prozessmoderation
Die Prozessmoderation ist eine Planungs- und Arbeitstechnik
zur Gestaltung von Meinungs- und Willensbildungsprozessen in Gruppen. Der
Einsatz von Moderationstechniken reicht von der Sammlung von Problemen bis zur
Umsetzung von Ergebnissen (vgl. Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1991, S. 67 f.). Die Prozessgestaltung
beschränkt sich dabei nicht nur auf die Sachebene, sondern bezieht auch die
zwischenmenschliche Ebene mit ein.
Gesprächs- und Prozessmoderation eignen sich für betriebliche
Besprechungen, Diskussionen, Gremien- und Ausschussarbeit, Großveranstaltungen
etc. (vgl. Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1991, S. 175; Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1987, S. 5; Koch, G.
1992, S. 21 ff.) mit Aufgabenstellungen wie Information über ein Thema,
Präsentationen, Analyse von Problemen und Sachverhalten, Produktion und Sammlung
von Ideen, Definition von Aufgaben, Erarbeiten von Lösungen, Vorbereiten von
Entscheidungen, Fassung kooperativer Beschlüsse etc. (vgl. Tosch, M.
1999, S. 18 f.; Lehmann, G.
1998, S. 115 f.).
c) Konfliktmoderation
Eine spezielle Form der Moderation zur Erarbeitung von
Verhandlungs-Ergebnissen, welche von allen Konfliktparteien getragen werden,
ist die Konfliktmoderation. Sie arbeitet wie die Prozessmoderation sowohl an
der Lösung von Sachproblemen als auch mit innerpsychischen und
zwischenmenschlichen Konflikten (vgl. Redlich, A.
1997, S. 30).
Konflikte tauchen bei der Moderation von Gesprächen und
Prozessen immer wieder auf und müssen dann bewältigt werden. Aus einer
Gesprächs- oder Prozessmoderation kann somit durchaus eine Konfliktmoderation
werden (vgl. Redlich, A.
1997, S. 9 f.).
Wenn Moderation in Richtung Prozessgestaltung und
Konfliktbearbeitung geht, ergeben sich Überschneidungen mit anderen
Beratungsformen wie Coaching, Supervision oder Organisationsentwicklung.
d) Mediation
Eine Sonderform der Konfliktmoderation, wird speziell im
englischen Sprachraum als Mediation bezeichnet (vgl. Redlich, A.
1997, S. 8). Sie ist eine freiwillige, moderierte Verhandlung zur
Erarbeitung tragfähiger Kompromisse unter Mitwirkung neutraler Dritter ohne
Entscheidungsgewalt.
Die Einsatzfelder für Mediation sind sehr breit gestreut, sie
reichen von der Familien- und Scheidungsmediation über Mediation in der Schule,
bei Straftaten (außergerichtlicher Tatausgleich) bis hin zur Wirtschafts- oder
Umweltmediation.
4.
Rollenkonstellationen
Analog zum Coaching gibt es externe und interne
Moderatoren; auch die Argumente für und gegen externe bzw. interne
Moderatoren sind prinzipiell gleich gelagert.
5.
Moderations-Prozess
Der Moderations-Prozess kann analog zum Coaching in die
Phasen Entscheidung zur Moderation,
Eröffnung, Prozess und Abschluss
untergliedert werden.
Speziell in der Mediation ist eine besondere Form des
Abschlusses erforderlich, in dem es um die rechtliche Überprüfung der
schriftlichen Vereinbarungen und die Verfahrensbeendigung geht, letztlich auch
darum, dass der Vollzug der Vereinbarung abgesichert wird (Prokop-Zischka,
A./Langer, B. 2000, S. 47 ff.).
6. Moderationstechniken
Zu den Moderationstechniken gehören die Vereinbarung von
Abläufen und Spielregeln, spezielle Frage-, Antwort- und Bewertungstechniken,
Visualisierungstechniken, Klein- und Kleinstgruppenszenarien etc.
Wichtig für die Moderation sind die organisatorische
Vorbereitung, die Gestaltung der Raum-Atmosphäre sowie die Bereitstellung der
technischen Hilfsmittel (vgl. Koch, G.
1992, S. 51 ff.).
IV. Coaching und Moderation
im Umfeld affiner Beratungsformen
Coaching und Moderation stehen in unmittelbarer Konkurrenz zu
anderen person- und entwicklungsorientierten Beratungsformen, wobei hier
speziell auf Supervision sowie Organisations- und Personalentwicklung
eingegangen wird.
1.
Supervision
Supervision ist ein Begriff aus der amerikanischen
Sozialarbeit und bedeutet „ Aufsicht “ . Entstehung und erste professionelle
Anwendungen gab es bereits um 1900 und davor, Professionalisierung ab etwa
1960.
a) Definition
„ Supervision ist systematische Reflexion des beruflichen
Handelns mit dem Ziel einer erweiterten beruflichen Kompetenz des
Supervisanden “ (Sauer, J.
1991, S. 84).
b) Supervisionsformen
Als wichtige Ausprägungen lassen sich Einzel-, Gruppen- und Teamsupervision
unterscheiden, dazu die Sonderform Intervision
(Supervision unter Peers ohne eigenen Supervisor).
c) Anlässe
zur Supervision
Supervision wird als Ausbildungssupervision, Supervision im
Rahmen von Organisations-Entwicklungs-Prozessen und berufsbegleitendende
Supervision durchgeführt (vgl. Rappe-Giesecke,
K. 1999, S. 45 ff.). Berufsbegleitende Supervision sollte von
allen in der Beratung tätigen Personen in Anspruch genommen werden.
Themenschwerpunkte sind Fallarbeit, Selbstthematisierung und
Institutionsanalyse. Die Vollform der Supervision beinhaltet alle drei
Themenschwerpunkte.
d) Rollenkonstellationen
Externe und interne Supervisoren nehmen Rollen
analog dem Coaching wahr (vgl. Schreyögg, A.
1991, S. 33 ff.).
Die konzeptionelle Nähe von Coaching und Supervision ist
nicht zu übersehen. So vertritt Looss die Meinung, dass die Bezeichnung
Management-Supervision anstelle von Coaching näherliegender wäre, „ weil
Supervision als Handlungskonzept in den helfenden Berufen praktisch alles
abdeckt, was auch im Coaching betrieben wird “ (Looss, W.
1993, S. 42).
Supervision als systematische Reflexion beruflichen Handelns
zielt auf das Wahrnehmen und Verstehen innerpsychischer und interpersoneller
Prozesse, Probleme und Konflikte ab; sie ist vorwiegend prozessorientiert.
Coaching dagegen ist aufgrund der Forderungen von Unternehmungen und Managern
vor allem lösungsorientiert; schnelle Erfolge bei vertretbaren Kosten haben
oberste Priorität.
Damit ergibt sich folgende Differenzierung:
Supervision ist ein längerfristiger, auch über Jahre gehender
Prozess, in dem die Reflexion und daraus gewonnene Erkenntnisse im Vordergrund
stehen. Ihr Einsatz liegt derzeit vor allem im Sozialbereich. Coaching hingegen
ist stärker ergebnis- und lösungsorientiert, exakte Zielvereinbarung und
kurzfristige Zeithorizonte (Richtwert 10 Sitzungen) entsprechen eher den
Gepflogenheiten der Wirtschaft.
Da in letzter Zeit immer mehr Personen mit therapeutischer
Ausbildung von der Supervision in den Coaching-Bereich wechseln, wird wohl eine
weitere Annäherung von Coaching und Supervision zu erwarten sein. Ausdruck
dessen sind bereits gemeinsame Curricula.
2. Organisations-
und Personalentwicklung
Ziel von Organisations- und Personalentwicklung ist ein
geplanter und systematischer Wandel von Unternehmungen, der durch Beeinflussung
von Organisationsstruktur, Unternehmenskultur, individuellem Verhalten und
Qualifikation der Mitarbeiter zustande kommt. Im Gegensatz zur klassischen
Unternehmensberatung geschieht der Veränderungsprozess jedoch unter
größtmöglicher Beteiligung der betroffenen Individuen und Gruppen (vgl. Gablers
Wirtschaftslexikon, 1997, S. 2897 f. und S. 2959 f.).
Coaching, Supervision und (Prozess-)Moderation sind als
wichtige Instrumente der Organisations- und Personalentwicklung zu sehen, sie
leisten wesentliche, in der konkreten Ausformung aber durchaus unterschiedliche
Beiträge. Dabei werden Coach, Supervisor und Moderator nicht unmittelbar
Einfluss auf organisatorische Änderungen nehmen, dies bleibt den Organisatoren
vorbehalten.
V. Integration
interdisziplinärer Ansätze
Ganzheitlich-integrative Beratung hat die Arbeit mit
Individuen, Kollektiven sowie Systemen und ihren wechselseitigen Beziehungen
zum Inhalt. Es liegt daher nahe, aus angrenzenden Disziplinen Ansätze und
Methoden zu übernehmen, welche in die eigene Arbeit passen bzw. in diese
integriert werden können.
Sowohl in Coaching, Moderation und Supervision finden sich
methodische Ansätze, welche aus der humanistischen Psychologie, der
Psychotherapie, der Kommunikationstheorie, dem Konstruktivismus, der
Organisationstheorie, der Soziologie etc. (vgl. Klebert,
K./Schrader, E./Straub, W.G. 1991, S. 8) stammen. Speziell aus dem
psychologisch-therapeutischen Bereich (vgl. Brinkmann,
R.D. 2000, S. 55 ff.; Maaß,
E./Ritschel, K. 1997, S. 33 ff.; Schreyögg, A.
1999, S. 255 ff.) sei auf Ansätze aus Gesprächspsychotherapie,
Gestalttherapie, Gruppendynamik, Neurolinguistischem Programmieren (NLP),
Psychoanalyse, Psychodrama und Transaktionsanalyse hingewiesen.
Literatur:
Brinkmann, Ralf D. :
Mitarbeiter-Coaching: Der Vorgesetzte als Coach seiner Mitarbeiter, Heidelberg,
3. A., 2000
Friedrichs, Peter :
Train the Boss, in: Report Psychologie, Jg. 22, H. 4/1997, S. 320 – 322
Gablers
Wirtschaftslexikon, : 14. Aufl. Wiesbaden 1997
Klebert, Karin/Schrader,
Einhard/Straub, Walter G. : ModerationsMethode, Hamburg, 5. A., 1991
Klebert, Karin/Schrader,
Einhard/Straub, Walter G. : KurzModeration, Hamburg, 2. A., 1987
Koch, Gerd : Die
erfolgreiche Moderation von Lern- und Arbeitsgruppen, Landsberg/Lech, 3. A.,
1992
Lehmann, Günter : Die
Moderation, in: Gestalten kommunikativer Situationen. Bd. 2, hrsg. v. Lehmann,
Günter/Reinert, Gerd-Bodo, Frankfurt/Main et al. 1998, S. 111 – 211
Looss, Wolfgang :
Coaching für Manager: Problembewältigung unter vier Augen, Landsberg/Lech, 3.
A., 1993
Maaß, Evelyne/Ritschl,
Karsten : Coaching mit NLP, Paderborn 1997
Niermeyer, Rainer :
Coaching – sich und andere zum Erfolg führen, Freiburg 2000
Prokop-Zischka,
Andrea/Langer, Bärbel : Konzepte der Mediation, in: Mediation in Österreich,
hrsg. v. Töpel, Elisabeth/Pritz, Alfred, Wien 2000, S. 47 – 64
Rappe-Giesecke, Kornelia
: Supervision: Veränderung durch soziale Reflexion, in: Qualität und Leistung
von Beratung: Supervision, Coaching, Organisationsentwicklung, hrsg. v. Fatzer,
Gerhard/Rappe-Giesecke, Kornelia/Looss, Wolfgang, Köln 1999, S. 27 – 103
Rauen, Christopher :
Ablauf des Coachings in: Coaching-Report 2001, im Internet unter
www.rauen.de/ablauf_des_coachings, 20012001
Rauen, Christopher :
Handbuch Coaching, Göttingen 2000
Redlich, Alexander :
Konflikt-Moderation, Hamburg 1997
Rückle, Horst :
Coaching, Landsberg/Lech 2000
Sauer, Joachim :
Supervision und Beratung – Versuch einer Abgrenzung, in: Personzentriert,
Jg. 8, H. 1/1991, S. 80 – 94
Schein, Edgar H. :
Prozessberatung für die Organisation der Zukunft, Köln 2000
Schreyögg, Astrid :
Coaching: eine Einführung für Praxis und Ausbildung, Frankfurt et al., 4. A.,
1999
Schreyögg, Astrid :
Coaching – Fitting für Führungskräfte, in: Report Psychologie, Jg. 22, H.
4/1997, S. 316 – 319
Schreyögg, Astrid :
Supervision – ein integratives Modell. Lehrbuch zu Theorie und Praxis,
Paderborn 1991
Tosch, Michael :
Besprechungen moderieren, Künzell, 2. A., 1999
v. Sassen,
Hans/Vogelauer, Werner : Coaching – ganzheitlich gesehen, in: Coaching-Praxis,
hrsg. v. Vogelauer, Werner, Wien 1998, S. 9 – 40
Vogelauer, Werner :
Methoden-ABC im Coaching, Wien 2000
Whitmore, John :
Coaching für die Praxis, Frankfurt 1997
Wrede, Britt A. : So
finden Sie den richtigen Coach, Frankfurt et al. 2000
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