Inhaltsübersicht
I. Problemstellung
II. Grundlagen
der Aktivitätsanalyse
III. Ergebnisse
der linearen Aktivitätsanalyse
IV. Erweiterte
Technologien ohne Verschwendung
I. Problemstellung
Gegenstand der Produktionstheorie sind die Beziehungen
zwischen Faktoreinsatz- und Ausbringungsmengen, die formal in
Produktionsfunktionen bzw. in Produktionskorrespondenzen erfasst werden.
Während die neoklassische
funktionalistische Produktionstheorie die Existenz einer zweimal stetig
differenzierbaren Produktionsfunktion mit konstanten oder abnehmenden
Skalenerträgen, abnehmender Grenzrate der Substitution und abnehmenden
Ertragszuwächsen postuliert, geht die Aktivitätsanalyse von formalen
Eigenschaften der Technologie, d.h. der Menge der technisch realisierbaren
Produktionen, aus. Sie leitete daraus Eigenschaften der Produktionsfunktion und
Empfehlungen für Produktionsentscheidungen, d.h. für die Wahl zwischen
alternativen Kombinationen von Faktoreinsatz- und Ausbringungsmengen, her.
Die Aktivitätsanalyse wurde von Koopmans (Koopmans, T.
C. 1951) konzipiert und von Debreu
(Debreu, G.
1959) in die mikroökonomische Gleichgewichtstheorie integriert. Im deutschen
Sprachbereich wurde die Aktivitätsanalyse insb. durch die Arbeiten von Beckmann (Beckmann, M.
J. 1955, Beckmann, M.
J. 1960) und Wittmann (Wittmann, W.
1966; Wittmann, W.
1968) bekannt. Neuere Ansätze zur Formulierung der bwl. Produktionstheorie auf
der Grundlage der Aktivitätsanalyse finden sich u.a. bei Kistner (Kistner,
K.-P. 1981a; Kistner,
K.-P. 1981b; Kistner,
K.-P. 1993a), Fandel (Fandel, G.
1991), Dyckhoff (Dyckhoff, H.
1993a; Dyckhoff, H.
1993b; Dyckhoff, H.
1994).
Im Folgenden werden zunächst die Grundlagen der
Aktivitätsanalyse und die Postulate der Theorie linearer Technologien
dargestellt. Im Anschluss daran werden die wichtigsten Ergebnisse der linearen
Aktivitätsanalyse, insb. die Eigenschaften der Produktionsfunktion bei linearen
Technologien, untersucht. Neben den traditionellen Ansätzen, die die
Verschwendung von Gütermengen zulassen, werden erweiterte Technologien
untersucht, bei denen unerwünschte Güter nur durch Einsatz von Faktoren
vernichtet werden können.
II. Grundlagen der
Aktivitätsanalyse
1. Allgemeines
Ausgangspunkt der Aktivitätsanalyse ist der Begriff der Aktivität, eine Kombination von
Einsatzmengen (r = (r1, ?,rn) der Faktoren i = (1, ?,n), die eine bestimmte
Kombination von Ausbringungsmengen x = (x1, ?,xm) der Produkte j = (1, ?,m)
ermöglicht. Eine Aktivität kann als ein Punkt y = (r, x)
des ℜn+m dargestellt werden; man spricht daher auch von
Produktionspunkten. Eine solche Beschreibung der Produktion setzt voraus, dass
die in der Produktion eingesetzten Produktionsfaktoren
und die erzeugten Produkte messbar sind.
Die Menge der technisch möglichen Aktivitäten T: = {y
| y ist technisch realisierbar}, über die eine Wirtschaftseinheit
verfügt, bezeichnet man als Technologie-Menge. Die Aktivitätsanalyse
postuliert, dass diese folgende Eigenschaften besitzt (vgl. Debreu, G.
1959, S. 40):
Axiome der
Aktivitätsanalyse:
Unter effizienten
Aktivitäten versteht man Produktionspunkte, bei denen keine
Produktionsfaktoren verschwendet werden, sodass es nicht möglich ist,
Einsatzmengen einzelner Faktoren zu reduzieren, ohne dass die
Ausbringungsmengen der Produkte verringert oder die Einsatzmengen anderer
Faktoren erhöht werden müssen. Sie genügen dem Effizienzkriterium:
Definition:
Effizienzkriterium
Eine Aktivität yo = (ro,xo) ∊ T
heißt effizient, falls es keine andere Aktivität y = (r,x)
∊ T gibt, sodass ro ≥ r;
xo ≤ x und rio > ri für mindestens einen Faktor i oder xoj < xj für mindestens ein Produkt j.
2. Lineare Technologien
In der bwl. Produktionstheorie betrachtet man insb. lineare Technologien, die durch folgende
Eigenschaften charakterisiert sind:
(1) Proportionalität:
Falls eine Aktivität y = (r,x) ∊ T technisch möglich
ist, dann ist auch jede Aktivität
λ · y = (λ · r1, ?,λ · rn,λ · x1, ?,λ ·
xm)
∊ T
für alle λ ≥ 0, d.h. technisch möglich.
Proportionalität impliziert die beliebige Teilbarkeit von
Produktionsfaktoren und Ausbringungsmengen. Auch wenn diese Annahme auf den
ersten Blick sehr restriktiv erscheint, gilt sie bei geeigneten
Messvorschriften zumindest näherungsweise: So sind zwar Maschinen unteilbar,
nicht jedoch deren Einsatzzeit; nicht ganzzahlige Ausbringungsmengen bedeuten,
dass die letzte Einheit während der Planungsperiode nur teilweise
fertiggestellt wird.
(2) Additivität:
Mit jedem Paar von Aktivitäten y1 = (r1,x1) ∊ T und y2 = (r2,x2) ∊ T ist auch jede Aktivität
Additivität setzt voraus, dass keine Interaktionen zwischen
Aktivitäten zu berücksichtigen sind; das ist nur dann möglich, wenn wirklich alle Faktoreinsatzmengen erhöht werden
können. Interdependenzen, die sich aus beschränkten Faktorbeständen – wie z.B.
Maschinenkapazitäten – ergeben, werden nicht als Einschränkung der
Technologiemenge berücksichtigt; sie können vielmehr als zusätzliche
Restriktionen erfasst werden, welche die Menge der technisch möglichen
Alternativen einschränken.
(3) Möglichkeit der
Verschwendung: Faktoreinsatz ohne Ausbringung ist möglich: y = (r,0)
∊ T für alle r ≥ 0. Eine solche Verschwendung von
Faktoreinsatzmengen lässt sich vielfach als Stillstand von Maschinen bzw. als
Lagerung von nicht genutzten Werkstoffbeständen interpretieren. Modifikationen
dieser Annahme sind Gegenstand des vierten Abschnitts dieses Beitrags.
Wegen der Proportionalität gehören alle Aktivitäten y,
die auf einem vom Koordinatenursprung ausgehenden Strahl durch einen
Produktionspunkt y* = (r*,x*) ∊ T liegen, ebenfalls
zur Technologiemenge. Diese Aktivitäten, die auf dem gleichen technischen
Verfahren beruhen, gehören zu einem Produktionsprozess.
Definition:
Produktionsprozess
Es sei y* = (r*,x*) ∊ T eine technisch mögliche
Aktivität. Dann heißt die Menge π: = {y | y = λ · y*,
λ ≥ 0) Produktionsprozess (zu y*).
In Abb. 1 sind drei
Produktionsprozesse πo, π1, p2 für den Fall des Produkts
zweier Produktionsfaktoren dargestellt. Auf den Koordinatenachsen sind die
Einsatzmengen der beiden Faktoren abgetragen. Die mit einer bestimmten
Kombination von Faktoreinsatzmengen erreichbare Ausbringungsmenge x¯ ist auf
den Prozessstrahlen πk abgetragen.
Abb. 1: Aktivitäten und Produktionsprozesse
Bei einem Produktionsprozess stehen die Einsatzmengen der
Faktoren und die Ausbringungsmengen der Produkte in einem festen Verhältnis
zueinander. Mit der Festlegung der Ausbringungsmenge xj > 0 eines Produkts sind sowohl die
Einsatzmengen der Faktoren als auch die Ausbringungsmengen der anderen Produkte
bestimmt. Man kann daher die Ausbringungsmenge eines Standardprodukts dazu
verwenden, das Prozessniveau z zu messen. Die auf das Niveau z eines Prozesses
π bezogenen Produktionskoeffizienten sind definiert als
Ebenso erhält man für die Koppelungskoeffizienten
Ein Produktionsprozess ist dann eindeutig durch den
(n+m)-dimensionalen Spaltenvektor a = (a1, ?,an,b1, ?,bm)T determiniert; man erhält jeden Punkt auf dem
Prozessstrahl, indem man den Vektor a mit einem beliebigen Prozessniveau
z ≥ 0 multipliziert.
Additivität und Proportionalität erlauben es,
Konvexkombinationen von Aktivitäten zu bilden:
Falls y1 = (r1,x1), y2 = (r2,x2), ?, ys = (rs,xs) ∊ T,
dann ist für alle
auch .
Durch Variation der Gewichte αk kann jeder Produktionspunkt auf der durch die
Punkte yk aufgespannten Fläche realisiert werden. Im
Fall von zwei Produktionsfaktoren liegen alle Kombinationen von zwei
Aktivitäten auf der Strecke zwischen beiden Produktionspunkten (vgl. Abb. 1).
Da auch die kombinierte Aktivität proportional variiert
werden kann, definiert jede Konvexkombination von Aktivitäten einen gemischten Produktionsprozess.
Die Technologie-Menge einer linearen Technologie ist die
Vereinigungsmenge aller reinen und gemischten Prozesse. Fasst man die
Koeffizientenvektoren spaltenweise zur Technologie-MatrixA
= (a1,a2, ? as) zusammen
und führt den Spaltenvektor z = (z1,z2, ?,zs)T ein, dann ist die Technologie-Menge gegeben
durch:
Die so definierte Technologie-Menge ist ein konvexer Kegel
mit Spitze im Koordinatenursprung.
III. Ergebnisse der
linearen Aktivitätsanalyse
Man kann zwei Entwicklungslinien
der Aktivitätsanalyse unterscheiden, die beide in der grundlegenden Arbeit von Koopmans (Koopmans, T.
C. 1951) vorgezeichnet sind: Der erste Lösungsansatz, der insb. von Debreu (Debreu, G.
1959) zur Begründung der modernen Mikroökonomie benutzt wurde, beruht auf der
Theorie konvexer Kegel. Dieser Ansatz wird im deutschen Sprachraum insb. von Wittmann (Wittmann, W.
1966, Wittmann, W.
1968), Hildenbrand/Hildenbrand (Hildenbrand,
H./Hildenbrand, W. 1975) vertreten. Wegen des engen Bezugs zur
Produktionsplanung überwiegen im bwl. Bereich Ansätze auf der Grundlage der
linearen Programmierung. In diesem Zusammenhang sind insb. die Arbeiten von Beckmann (Beckmann, M.
J. 1955, Beckmann, M.
J. 1960), Dorfman/Samuelson/Solow
(Dorfmann,
R./Samuelson, P. A./Solow, R. M. 1958), Baumol (Baumol, W. J.
1961), Albach (Albach, H.
1962) und Dano (Dano, S.
1966) zu erwähnen.
1. Lineare Aktivitätsanalyse und
Produktionsfunktionen
Im Folgenden werden die Eigenschaften linearer
Technologie-Mengen bzw. deren effizienter
Rand mithilfe der parametrischen linearen Programmierung (vgl. Dinkelbach,
W. 1969; Gal, T.
1973; Kistner, K.-P.
1993b) analysiert. Dabei wird wie folgt vorgegangen (vgl. Kistner,
K.-P. 1981a; Kistner,
K.-P. 1981b; Kistner,
K.-P. 1993): Um einen Punkt des effizienten Randes zu bestimmen,
formuliert man ein lineares Programm, in dem die Ausbringungsmenge eines
Produkts maximiert bzw. die Einsatzmenge eines Faktors minimiert wird, wobei
die Mengen aller anderen Güter konstant gehalten werden:
(LP1)
zk ≥ 0 (k = 1, ?,s)
bzw.
(LP2)
zk ≥ 0 (k = 1, ?,s)
In (LP1) und (LP2) bezeichnen die Indizes k = 1, ?,s die
Produktionsprozesse, i = 1, ?,n die Faktoren und j = 1, ?,m die Produktarten.
Die Konstanten aik symbolisieren die Produktionskoeffizienten, bik die Koppelungskoeffizienten, r¯i die verfügbaren Faktorbestände und x¯j die vorgegebenen Ausbringungsmengen. Die
Variablen zk geben die Prozessniveaus an, r1 ist gleich der Einsatzmenge des variablen
Faktors, und x1 ist gleich der Ausbringungsmenge des variablen
Produkts.
Wegen der Möglichkeit der Verschwendung können in (LP1) und
(LP2) die Restriktionen als Ungleichungen formuliert werden.
Für vorgegebene Faktorbestände und Ausbringungsmengen liefert
die optimale Lösung von (LP1) bzw. (LP2) jeweils einen Punkt des effizienten
Randes. Durch parametrische Variation der Beschränkungskonstanten kann man den
effizienten Rand der Technologiemenge, der als Produktionsfunktion zu
interpretieren ist, konstruieren. Insb. können durch parametrische Variation
jeweils einer Konstanten achsenparallele Schnitte durch die Technologiemenge
konstruiert werden, die grafisch als Konturlinien
darstellbar sind. Diese entsprechen den Konturlinien des »Ertragsgebirges« der neoklassischen
funktionalistischen Produktionstheorie.
Mithilfe allgemeiner Eigenschaften parametrischer linearer
Programme werden im Folgenden die Eigenschaften neoklassischer
Produktionsfunktionen aus den Annahmen der linearen Aktivitätsanalyse
hergeleitet.
Zunächst wird in (LP1) die Einsatzmenge ri eines Faktors i variiert. Die sich so
ergebende Konturlinie gibt die Abhängigkeit der Ausbringungsmenge x1 des variablen Produkts von der Einsatzmenge ri des zu variierenden Faktors (bei Konstanz der
übrigen Gütermengen) an. Sie entspricht damit der Produktionsfunktion bei partieller Faktorvariation der
neoklassischen Produktionstheorie. Da sie durch parametrische Variation der
Beschränkungskonstanten einer Restriktion vom Typ »kleiner oder gleich« in
einem Maximierungsproblem konstruiert wird, ist sie eine stückweise lineare,
nicht fallende konkave Funktion, deren Anstieg in einer endlichen Zahl von
kritischen Punkten sprunghaft fällt (vgl. Abb.
2a). Sieht man davon ab, dass diese Funktion in den kritischen Punkten
nicht differenzierbar ist, dann lässt sich für lineare Technologien das
Ertragsgesetz als ein Gesetz nicht
zunehmender Ertragszuwächse formulieren.
Abb. 2: Konturlinien bei linearen Technologien
Variiert man in (LP2) die Einsatzmenge ri eines Faktors i ≠ 1 parametrisch, dann
gibt die Konturlinie die Abhängigkeit der mindestens benötigten Einsatzmenge r1 des Faktors 1 von der Einsatzmenge ri des Faktors i (bei Konstanz der übrigen
Gütermengen) an. Sie entspricht damit der Isoquante
der neoklassischen Produktionstheorie. Da (LP2) ein Minimierungsproblem mit
Restriktionen vom Typ »kleiner oder gleich« ist, ist sie eine stückweise
lineare, nicht steigende konvexe Funktion (vgl. Abb. 2b). Weil die Grenzrate der Substitution gleich dem (mit – 1
multiplizierten) Anstieg der Isoquante ist, gilt für lineare Technologien – wie
bei neoklassischen Produktionsfunktionen – ein Gesetz nicht zunehmender Grenzraten der Faktor Substitution.
Zur Analyse der Austauschbeziehungen zwischen verschiedenen
Produkten kann man in (LP1) die Ausbringungsmenge xj eines Produkts j ≠ 1 parametrisch
variieren. Da es sich um ein Maximierungsproblem mit Restriktionen vom Typ
»größer oder gleich« handelt, ist die Konturlinie stückweise linear, nicht
steigend und konkav (vgl. Abb. 2c).
Sie entspricht der Transformationskurve
der neoklassischen Produktionstheorie. Aus der Konkavität der Konturlinie
ergibt sich das Gesetz von der nicht
abnehmenden Grenzrate der Produkt-Substitution.
Die Konturlinie bei parametrischer Variation der
Ausbringungsmenge xj eines Produkts j ≠
1 in (LP2) kann als Faktoreinsatzfunktion
interpretiert werden (vgl. Abb. 2d).
Sie ist gleich der Inversen der Produktionsfunktion bei partieller
Faktorvariation und damit stückweise linear, nicht fallend und konvex.
Der effiziente Rand einer linearen Technologie bzw. die
Produktionsfunktion besitzt im Wesentlichen die für neoklassische
Produktionsfunktionen vorausgesetzten Eigenschaften. Die Konturlinien sind
allerdings nicht glatt, sondern stückweise linear; an die Stelle zunehmender
bzw. abnehmender Austauschraten zwischen den einzelnen Güterarten treten nicht
abnehmende bzw. nicht zunehmende Austauschraten. Die wesentlichen
Konvexitätseigenschaften von Produktionsfunktionen bleiben jedoch erhalten.
Diese Ergebnisse lassen sich auch auf den Fall übertragen,
dass nicht nur die Mengen einzelner Güterarten variiert werden, sondern die
Einsatzmengen ganzer Güterpakete proportional variiert werden. Von besonderem
Interesse ist hierbei die Variation der Einsatzmengen aller Faktoren. Im Fall
eines einzigen Produktes führt dieses wegen der Proportionalität linearer
Technologien zu einer proportionalen Erhöhung der Ausbringungsmenge: Die
Produktionsfunktion bei totaler
Faktorvariation ist linearhomogen
bzw. besitzt konstante Skalenerträge.
Im Fall mehrerer Produkte kann man in (LP1) die
Ausbringungsmenge xj der Produkte j = 2, ?,m
konstant halten und die Einsatzmengen ri aller Faktoren i = 1, ?,n proportional
variieren. Da nicht alle Restriktionskonstanten variiert werden, kommt die
Proportionalität nicht zum Tragen, vielmehr ist dann die Produktionsfunktion
bei totaler Faktorvariation eine stückweise lineare, nicht fallende, konkave
Funktion; sie besitzt nicht zunehmende
Skalenerträge. Die Ausbringungsmenge x1 kann allerdings von einem bestimmten Punkt an
proportional mit den Einsatzmengen aller Faktoren ansteigen.
2. Effizienzpreis-Theorem
Die Beziehung zwischen dem Effizienzbegriff und der
Gewinnmaximierung wird durch das Effizienzpreis-Theorem
hergestellt.
Satz:
Effizienzpreis-Theorem von Koopmans
Eine Aktivität y˚ = (r˚,x˚) ist genau dann
effizient, wenn es mindestens ein System von positiven Faktorpreisen q˚
und Produktpreisen p˚ gibt, für das y˚ den Gewinn
maximiert, d.h.
Go = po′ · xo – qo′ · ro ≥ po′ · x – qo′ · r
für alle y = (r,x) ∊ T
Jeder effizienten Aktivität kann also ein Preissystem
zugeordnet werden, das den Gewinn maximiert; umgekehrt kann man zu jedem
Preissystem eine Aktivität angeben, die bei diesen Preisen den Gewinn
maximiert. Der Beweis wurde von Koopmans
(Koopmans, T.
C. 1951, S. 61 ff.) mithilfe der Theorie der konvexen Kegel geführt;
ein bwl. intuitiverer Beweis beruht auf dem Preistheorem der LP (vgl. Kistner,
K.-P. 1993a, S. 119).
IV. Erweiterte
Technologien ohne Verschwendung
Im Einprodukt-Fall lässt sich die Annahme der Möglichkeit der
Verschwendung durch eine geeignete Interpretation rechtfertigen: Eine
Verschwendung von Maschinenkapazitäten und Arbeitskräften bedeutet, dass diese
in der Planungsperiode nur teilweise genutzt werden; die Verschwendung von
Werkstoffen kann als Einlagern interpretiert werden. Diese Interpretation kann
jedoch nicht auf den Mehrprodukt-Fall übertragen werden: Wenn mit einem Produktionsprozess
mehrere Produkte erzeugt werden, stehen deren Ausbringungsmengen in einem
festen Verhältnis zueinander; es liegt also der Fall der Kuppelproduktion
vor. Können Kuppelprodukte nicht verkauft oder produktiv eingesetzt werden,
dann müssen sie – meist unter Einsatz von Produktionsfaktoren – entsorgt
werden, d.h. vernichtet oder in andere Stoffe umgewandelt bzw. unter
Inanspruchnahme der Dienstleistungen von Entsorgungsunternehmen beseitigt
werden.
Hieraus könnte geschlossen werden, dass die lineare
Aktivitätsanalyse wegen unerwünschter Kuppelprodukte, die nicht verschwendet
werden können, ungeeignet ist, die Bedingungen der betrieblichen Produktion
angemessen zu berücksichtigen. Bereits Koopmans
(Koopmans, T.
C. 1951) hat jedoch darauf hingewiesen, dass Kuppelprodukte in der
Aktivitätsanalyse berücksichtigt werden können, indem man das Ergebnis der
Produktion in erwünschte Güter
bzw. Produkte und unerwünschte Güter
oder Redukte (Dyckhoff, H.
1994) aufteilt. Unerwünschte Produkte müssen unter Einsatz von
Produktionsfaktoren beseitigt oder in andere, erwünschte Güter transformiert
werden. Dieser Vorgang wird durch Entsorgungsaktivitäten abgebildet, die
unerwünschte Güter unter Einsatz von positiven Faktormengen vernichten oder
auch in erwünschte Güter transformieren.
1. Die erweiterte Technologie-Menge
Um eine solche erweiterte Technologie-Menge formal
darzustellen, werden folgende Symbole
eingeführt:
t = 1, ?,τ: unerwünschte Güter; ut: deren Ausbringungsmengen. wtk:
Outputkoeffizienten für die Güter t = 1, ?,τ in den Produktionsprozessen k
= 1, ?,s. h = 1, ?,ν: Reduktionsprozesse zur Vernichtung unerwünschter
Güter. vh:
Niveau-Vektor für Reduktionsprozesse. cih: Inputkoeffizienten für Einsatz der
Faktoren i = 1, ?,n in den Reduktionsprozessen h = 1, ?,ν. gjh:
Outputkoeffizienten für die Ausbringung der erwünschen Güter j = 1, ?,m durch
die Reduktionsprozesse h = 1, ?,v. dth: Koeffizienten, die angeben in welchem Umfang
die unerwünschten Güter t = 1, ?,τ durch die Reduktionsprozesse h = 1,
?,ν vernichtet werden; da es möglich ist, dass bei der Reduktion eines
unerwünschten Gutes ein anderes unerwünschtes Gut entsteht, können einzelne
dieser Koeffizienten negativ sein.
Dann kann man die erweiterte Technologie-Menge durch
folgendes lineares Gleichungssystem beschreiben:
Alle Aktivitäten, d.h. alle Güterkombinationen y = (r,u,x),
die dem Gleichungssystem (ET) genügen, gehören zur erweiterten
Technologie-Menge.
Das Effizienzkriterium lässt sich wie folgt auf erweiterte Technologien übertragen:
Definition:
Effizienzkriterium für erweiterte Technologien
Eine Aktivität y˚ = (r˚,u˚,x˚)
∊ T heißt effizient, falls es
keine andere Aktivität y = (r,u,x) ∊ T gibt,
sodass r˚ ≥ r; u˚ ≥ u; x˚
≤ xund ri˚ > ri für mindestens einen Faktor i oder ut˚ > ut für mindestens ein unerwünschtes Gut t oder xj < xj für mindestens ein Produkt j.
2. Eigenschaften der erweiterten Technologie
Um den effizienten Rand der erweiterten Technologie mithilfe
der parametrischen linearen Programmierung analysieren zu können, wird eine
zulässige Ausgangsaktivität y¯ mit vorgegebenen Faktoreinsatzmengen r¯,
vorgegebenen Mengen u¯ der unerwünschten Güter und vorgegebenen
Ausbringungsmengen x¯ der Produkte betrachtet. Um Konturlinien für den
effizienten Rand der Technologie-Menge bzw. Austauschbeziehungen zwischen einzelnen
Gütern herzuleiten, wird dann die Menge jeweils eines Gutes maximiert bzw.
minimiert und die Menge eines anderen parametrisch variiert. Da eine
Unterschreitung der vorgegebenen Einsatzmenge eines Faktors bzw. der
Ausbringungsmenge eines unerwünschten Gutes und die Überschreitung der
Ausbringungsmenge eines Produktes erwünscht sind, können in (ET) die
Gleichungen durch Ungleichungen ersetzt werden:
Wegen der Eigenschaften parametrischer linearer Programme
treten auch bei erweiterten Technologien nur die in Abb. 2 wiedergegebenen Formen der Konturlinien auf. Es ergeben sich
daher die in Tab. 1 dargestellten
Typen.
Tab. 1: Typen von Konturlinien bei erweiterten Technologien
Für erweiterte Technologien gilt weiter:
Satz:
Effizienzpreis-Theorem für erweiterte Technologien
Eine Aktivität yo = (ro,uo,xo) ist genau dann effizient, wenn es
mindestens ein System von positiven Faktorpreisen qo,
Produktpreisen po und Bewertungen von
unerwünschten Gütern ωo gibt, für
das yo den Gewinn maximiert, d.h.
Go = po′ · xo – qo′ · ro – ωo′ · uo ≥ po′ · x – qo′ · r – ωo′ · u
für alle y = (r,x) ∊ T
Als Ergebnis ist festzuhalten, dass es möglich ist, die
wesentlichen Ergebnisse der linearen Aktivitätsanalyse auf erweiterte
Technologien mit unerwünschten Produkten und Reduktionsaktivitäten zu
übertragen.
3. Umwelteinflüsse der Produktion und
Aktivitätsanalyse
Interpretiert man unerwünschte Kuppelprodukte als
Schadstoffe, Begrenzungen der Ausbringung unerwünschter Güter als Emissionsgrenzen und Reduktionsprozesse
als Maßnahmen des betrieblichen
Umweltschutzes, dann lassen sich auch ökologische
Aspekte in der Produktionstheorie erfassen.
Die Übertragung der Theorie der Kuppelproduktion
auf die Analyse ökologischer Auswirkungen der Produktion wurde von Schmidtchen (Schmidtchen,
D. 1980) angeregt und von Kistner
(Kistner,
K.-P. 1983, Kistner,
K.-P. 1989, Kistner,
K.-P. 1993) mit der Analyse erweiterter Technologien verbunden. Ein
ähnlicher Ansatz findet sich bei Dinkelbach
(Dinkelbach,
W. 1991) und Dyckhoff (Dyckhoff, H.
1991, Dyckhoff, H.
1993, Dyckhoff, H.
1994). Dinkelbach/Piro (Dinkelbach,
W./Piro, A. 1989) beziehen das betriebliche Recycling explizit in
die Analyse ein. Eine geschlossene Theorie von Produktion und Umweltschutz, in
der u.a. das Konzept der erweiterten Technologien konsequent auf ökologische
Aspekte der Produktion angewendet wird, wurde von Steven (Steven, M.
1994) entwickelt.
Als Ergebnis ist festzustellen, dass durch das Konzept der
erweiterten Technologien ökologische Fragen in die herkömmliche
Produktionstheorie integriert werden können.
Literatur:
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Produktionstheorie und Investitionstheorie, in: Zur Theorie der Unternehmung,
hrsg. v. Koch, H., Wiesbaden 1962
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der Produktionstheorie vom Standpunkt der Aktivitätsanalyse, in:
Weltwirtschaftliches Archiv, 1955, S. 33 – 58
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Programmieren und neoklassische Theorie, in: Weltwirtschaftliches Archiv, 1960,
S. 39 – 52
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Debreu, G. : Theory of Value: An
Axiomatic Analysis of Economic Equilibrium, New York 1959
Dinkelbach, W. :
Sensitivitätsanalysen und parametrische lineare Programmierung, Berlin et al.
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Research, hrsg. v. Fandel, G./Gehring, H., Berlin et al. 1991, S. 361 – 375
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Leontief-Technologien, in: wisu, 1989, S. 399 – 405 u. 474 – 480
Dinkelbach, W./Rosenberg, O. :
Erfolgs- und umweltorientierte Produktionstheorie, Berlin et al. 1994
Dorfman, R./Samuelson, P.
A./Solow, R. M. : Linear Programming and Economic Analysis, New York 1958
Dyckhoff, H. : Berücksichtigung
des Umweltschutzes in der bwl. Produktionstheorie, in: Betriebswirtschaftslehre
und Ökonmische Theorie, hrsg. v. Ordelheide, D./Rudolph, B./Büsselmann, E.,
Stuttgart 1991, S. 275 – 309
Dyckhoff, H. :
Aktivitätsanalytische Grundlagen einer umweltorientierten
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u. Sozialwissenschaften, 1993a, S. 3 – 16
Dyckhoff, H. : Aktivitätsanalyse,
in: HWB, hrsg. v. Wittmann, W./Kern, W./Köhler, R. et al., 5. A., Stuttgart
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Dyckhoff, H. : Betriebliche
Produktion, 2. A., Berlin et al. 1994
Fandel, G. : Betriebliche
Produktion I, 3. A., Berlin et al. 1991
Gal, T. : Betriebliche Entscheidungsprobleme,
Sensitivitätsanalyse und parametrische Programmierung, Berlin 1973
Hildenbrand, H./Hildenbrand, W. :
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Koopmans, T. C. : Analysis of
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Schmidtchen, D. : Theorie der
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