Inhaltsübersicht
I. Der
Investitionsgüter-Bereich
II. Investitionsgüter-Marktstrukturen
III. Investitionsgüter-Marktprozesse
IV. Investitionsgütermarketing-Planung
I. Der
Investitionsgüter-Bereich
Im Gegensatz zu Konsumgütern stellen Investitionsgüter
Vermarktungsobjekte dar, die von Organisationen beschafft werden, um mit ihrem
Einsatz (Ge- oder Verbrauch) weitere Güter für die Fremdbedarfsdeckung zu
erstellen oder um sie unverändert an andere Organisationen weiterzuveräußern,
die diese Leistungserstellung vornehmen (Engelhardt,
W. H./Günter, B. 1981). Somit werden Investitionsgüter von
Konsumgütern verwendungs- bzw. nachfragerbezogen unterschieden. Andere
Möglichkeiten der Abgrenzung – z.B. anhand von anbieter- oder produktbezogenen
Merkmalen – haben sich als nicht brauchbar erwiesen. Folgt man diesem
Begriffsverständnis, so wird die derivative Nachfrage zum gemeinsamen Merkmal
aller Investitionsgüter. Man gelangt zur weitesten Auffassung von
Investitionsgütern, die sich inhaltlich mit dem Begriff Produktivgüter deckt.
Zählt man dementsprechend den gesamten nicht-konsumtiven Bereich zu den
Investitionsgütern, so ergibt sich, dass diese ungefähr zwei Drittel des
deutschen BSP auf sich vereinigen (Plinke, W.
1991).
Zu den Akteuren im
Investitionsgüter-Marketing zählen neben den Herstellern und Nachfragern
insbesondere unterschiedliche Formen von Beschaffungs- bzw. Absatzhelfern (z.B.
Speditionen, Lagerhäuser, logistische Spezialdienstleister,
Informationsdienste, Agenturen, aber im weiteren Sinne auch Ingenieurbüros oder
Consulting-Unternehmen), marktordnende Institutionen (z.B.
Marktveranstaltungen, Verbände) und der Produktionsverbindungshandel als
Absatzmittler. Zu Letzterem gehören »alle Unternehmen, die schwerpunktmäßig
Güter beschaffen, um sie unverändert bzw. nach sog. handelsüblichen
Manipulationen an Organisationen weiterzuveräußern, die damit ihrerseits Güter
für die Fremdbedarfsdeckung erstellen oder die sie selbst wiederum unverändert
bzw. nach handelsüblichen Manipulationen an solche Organisationen verkaufen.
Dies gilt unabhängig davon, ob die Aufgaben im Rahmen eines direkten oder
indirekten Distributionssystems wahrgenommen werden« (Engelhardt,
W. H./Kleinaltenkamp, M. 1988, S. 5).
Im Gegensatz zu den viel beachteten Konsumgütern blieben
Investitionsgüter im absatzwirtschaftlichen Bereich lange Zeit vernachlässigt,
wenngleich die Anfänge der wissenschaftlichen Aufarbeitung des
Investitionsgütermarketing zumindest bis in die Zwanzigerjahre des vorigen
Jahrhunderts zurückreichen. Hier ist es insbesondere Copeland zu verdanken, dass die Besonderheiten von
Investitionsgütern einer wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen wurden (Copeland, M.
T. 1925). Er ist zu den Mitbegründern des Industrial Marketing (auch
Business-to-Business-Marketing), dem anglo-amerikanischen Zweig des
Investitionsgütermarketing, zu zählen. Seine Arbeiten blieben vergleichsweise
lange Zeit nur wenig beachtet. Erst in den 1960er- und 1970er-Jahren nahm das
Interesse an Fragen der Vermarktung von Investitionsgütern erneut zu – nicht
zuletzt aufgrund schwieriger werdender Absatzbedingungen. Heute gehört das
Investitionsgütermarketing zu den anerkannten eigenständigen Teildisziplinen
des Marketing.
Die theoretische Forschung zum Investitionsgütermarketing konzentriert sich
neben dem nordamerikanischen Raum in Europa vor allem auf Deutschland, Großbritannien
sowie die skandinavischen Länder (vgl. z.B. Chisnall, P.
M. 1985; Hutt, M.
D./Speh, T. W. 1989; Backhaus,
K./Wilson, D. T. 1986; Webster, F.
E. 1984). Tendenzen einer länderübergreifenden
Investitionsgütermarketing-Forschung – z.B. innerhalb der Industrial Marketing
und Purchasing (IMP) Group – sind deutlich erkennbar.
Ein Blick auf die potenziellen Austauschobjekte und
Austauschprozesse des Investitionsgüter-Bereichs zeigt eine große Heterogenität der konkreten
Erscheinungsformen. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich die
wissenschaftliche Literatur intensiv um eine Strukturierung des Bereichs
bemüht, da sich erst auf der Basis homogenerer Betrachtungsgebiete gezielte
Aussagen zur Ausgestaltung des Marketing ableiten lassen. Darüber hinaus sind
die jeweiligen Strukturierungsansätze mit einer spezifischen Sichtweise des
Investitionsgütermarketing verknüpft, die auf die Ausgestaltung der
Marketingpolitik prägenden Einfluss ausübt. Die Ansätze unterscheiden sich im
Hinblick auf die Art der verwendeten Merkmale und die damit verbundenen
Konsequenzen zum Teil erheblich:
(1) Setzt die Unterscheidung am Leistungsergebnis an, so lassen sich nach Copeland installations, accessory equipment, operating supplies,
fabricating materials, parts und primary materials unterscheiden (Copeland, M.
T. 1925). Dieser Ansatz (Commodity
Approach) führt zu einer Bildung von weitgehend homogenen Teilgebieten, hat
aber den Nachteil, auf Gütereigenschaften und damit auf ein wenig
vermarktungsrelevantes Kriterium zurückzugreifen.
(2) An dieser Kritik ansetzend, ist es vorzuziehen, der
Unterscheidung kauf- bzw. verwendungsbezogene Merkmale zugrunde zu
legen (Engelhardt,
W. H./Günter, B. 1981). Diese Einteilung basiert auf dem Gedanken,
dass sich das Verhalten beim Kauf von Anlagen, Einzelaggregaten, Teilen, Roh-
und Einsatzstoffen sowie Energieträgern jeweils deutlich voneinander
unterscheiden lässt. Eine derartige das Kaufverhalten und daraus abgeleitet
gleichzeitig Verarbeitungsstufen reflektierende Kategorisierung weist neben der
größeren Operationalität den Vorteil auf, güter- und verhaltensorientierte
Aspekte miteinander zu verbinden. Da nachfragebezogene Merkmale der Einteilung
zugrunde liegen, ist es nicht ohne weiteres möglich, allein anhand von
Gütereigenschaften eine Zuordnung zu den einzelnen Kategorien vorzunehmen. So
kann z.B. ein Aggregat sowohl als Einzelaggregat als auch als Teil für eine
Anlage vermarktet werden. Das Kaufverhalten innerhalb der einzelnen Typen ist –
sieht man von der in jüngster Zeit immer deutlicher werdenden Polarisierung
zwischen Commodities und Spezialitäten, insbesondere im Bereich der
Einsatzstoffe, Teile und Einzelaggregate, einmal ab – weitgehend homogen. Nimmt
man zusätzlich zu den gebildeten Kategorien die Systemtechnologien als neueren
Typus hinzu, so besteht die Möglichkeit, die realen Marktsituationen durch
diesen investitionsgüterspezifischen Ansatz erfassen zu können. Gleichwohl
konkurriert die Unterscheidung mit einer Reihe von anderen
Strukturierungsansätzen.
(3) Hierzu gehören solche Ansätze, die der Einteilung prozessbezogene Merkmale zugrunde legen.
Eine auf Marquard zurückgehende
Unterscheidung zweier Extremtypen wurde von Backhaus
aufgegriffen, der zwischen Individual- und Routinetransaktionen differenziert (Marquard, J.
1981; Backhaus, K.
1982). Es stellte sich allerdings heraus, dass eine Trennung der beiden
Komplexe nicht geeignet ist, der Heterogenität des Investitionsgüter-Bereichs
gerecht zu werden. Ein die Kritik aufgreifender und heute weit verbreiteter
Ansatz findet sich bei Backhaus (Backhaus, K.
1990; Backhaus, K.
1992), der zwischen dem Produktgeschäft,
dem Anlagengeschäft und dem Systemgeschäft trennt. Dieser
Geschäftstypen-Ansatz stellt auf die Besonderheiten des Transaktionsprozesses
zwischen Anbieter und Nachfrager und somit des Geschäftsablaufs ab und
ermöglicht im Vergleich zu den beiden Extremtypen
Individual-/Routinetransaktionen eine wesentlich leichtere Zuordnung von
Austauschprozessen zu den einzelnen Kategorien. Bestimmte technisch abgrenzbare
Leistungsangebote können grundsätzlich über alle drei Geschäftstypen vermarktet
werden (z.B. Telefon oder Personal Computer). Allerdings trägt auch diese
Unterteilung der Heterogenität des Investitionsgüter-Bereichs nur bedingt
Rechnung, was sich z.B. darin dokumentiert, dass Backhaus innerhalb des Produktgeschäfts weitere Unterscheidungen
treffen muss (Komponenten, Einzelaggregate). Ferner stellen die drei
Geschäftstypen nur die Typen dar, die im Investitionsgütermarketing am
weitesten verbreitet sind. Daneben gibt es aber auch eine Reihe von Geschäften,
die keinem dieser Typen eindeutig zuzuordnen sind.
(4) Im Rahmen einer Analyse der Transaktionssituation identifiziert Plinke unterschiedliche Austauscharenen (Transaction-,
Relationship-, Key Account- sowie Projekt-Marketing, vgl. Plinke, W.
1992). Der situative Kontext einer Transaktion wird danach durch die Bedeutung
von Wiederholungskäufen sowie den Grad der Ausrichtung auf Segmente oder
Einzelkunden ausgedrückt. Eine derartige, nicht immer trennscharfe
Unterscheidung berücksichtigt zwar bestimmte, durchaus wichtige Spezifika von
Investitionsgüter-Märkten, erfasst aber nicht den Gesamtkomplex.
(5) Ein institutioneller Schnitt durch das
Investitionsgütermarketing erfasst die unterschiedlichen Unternehmenstypen von
Herstellern, Absatzhelfern und Absatzmittlern, ist aber viel zu grob angelegt,
um auf dieser Basis spezifische Aussagen zuzulassen.
Es zeigt sich somit, dass eine allseits befriedigende
Strukturierung noch nicht gefunden worden ist und weiterer Forschungsbedarf
besteht. Es wäre wünschenswert, wenn ein integrativer Ansatz gefunden werden
könnte, der die Vorteile der genannten investitionsgüterspezifischen
Strukturierungen miteinander verbindet.
II. Investitionsgüter-Marktstrukturen
Investitionsgüter-Märkte sind im Regelfall wesentlich enger
als Konsumgüter-Märkte. Insbesondere auf der Nachfragerseite
(privatwirtschaftliche bzw. öffentliche Organisationen) ist die Anzahl der Kunden
pro Markt bzw. pro Marktsegment deutlich geringer als im Konsumgüter-Sektor.
Eine – auch im Hinblick auf Marktprozesse – wichtige Konsequenz daraus ist die
zum Teil wesentlich größere Markttransparenz vieler, wenn auch nicht aller
Investitionsgüter-Märkte. Die Übersichtlichkeit der Marktstrukturen findet
allerdings infolge einer nicht selten internationalen, oft sogar globalen
Geschäftsausrichtung der Marktbeteiligten sowie durch wechselnde Koalitionen
auf Anbieter- und Nachfragerseite Einschränkungen. Je komplizierter und
unübersichtlicher die Marktstrukturen sind, umso eher bestehen für den
Produktionsverbindungshandel Möglichkeiten, sein insbesondere auf der Marktnähe
beruhendes Know-how zu nutzen und Aufgaben im Vertriebskanal zu übernehmen.
Aufgrund der überwiegend engen Marktstrukturen ist die
Interdependenz zwischen Anbieter und Abnehmer groß. Die dabei auftretenden
Abhängigkeitsverhältnisse stellen einen wichtigen situativen Faktor für das
Marketing dar.
Ein besonders wichtiges strukturelles Unterscheidungsmerkmal
zwischen Konsumgüter- und Investitionsgüter-Märkten stellt die Mehrstufigkeit
dar. Investitionsgüter-Anbieter stehen durchgängig vor dem Problem, dass dem
unmittelbaren Abnehmer weitere Marktstufen folgen, die über den Markterfolg des
betreffenden Investitionsgüter-Anbieters (mit)entscheiden. Dieses strukturelle
Merkmal kann erhebliche Auswirkungen auf die Marktstrategie des
Investitionsgüter-Anbieters haben, der die Frage einer etwaigen mehrstufigen
Marktbearbeitung (Rudolph, M.
1988) zu prüfen hat.
III. Investitionsgüter-Marktprozesse
Das Organisationale
Kaufverhalten weist einige grundlegende Unterschiede zum Konsumentenverhalten
auf. In Verbindung mit dem Phänomen engerer Märkte kommt der Interaktion
zwischen Anbieter und Nachfrager, die sich insgesamt stärker aufeinander
ausrichten, besondere Bedeutung zu. Marktprozesse werden daher selten über
anonyme, sondern über personalisierte Märkte koordiniert. Die Einflussnahme des
Nachfragers auf die Leistungserstellung des Anbieters (Integrativität) kann im
Einzelfall extreme Ausmaße annehmen. Die Integration externer Faktoren (vgl. Engelhardt,
W. H./Kleinaltenkamp, M./Reckenfelderbäumer, M. 1993) wird somit zu
einer zentralen Herausforderung für das Marketing der Anbieter.
Die genannten Besonderheiten führen innerhalb der
Marktprozesse zu einem Einsatz des Marketing-Instrumentariums, der sich von dem
auf Konsumgütermärkten zum Teil deutlich unterscheidet (Dichtl,
E./Engelhardt, W. H. 1980; Plinke, W.
1991). Während die Werbung
sowie der indirekte Absatz oft deutlich hinter dem Stellenwert im
Konsumgüter-Bereich zurückbleiben, kommen z.B. die Produktpolitik,
die Preispolitik und Konditionenpolitik
sowie das Personal Selling in vielen Investitionsgüter-Geschäften in wesentlich
vielfältigerer Form zum Einsatz und haben einen höheren Stellenwert im
Marketingprozess. Die Vermarktungsrelevanz anderer Instrumente, wie z.B. der Verkaufsförderung,
ist im Vergleich von Konsumgüter- und Investitionsgüter-Bereich ähnlich,
wenngleich sie in unterschiedlicher Form zum Einsatz gelangen.
Innerhalb der Produktpolitik
i.w.S. ist vor allem auf den oft hohen Vermarktungsstellenwert von
Dienstleistungen zu verweisen. Insbesondere vor dem Hintergrund einer
zunehmenden Austauschbarkeit der »Hardware« eines Leistungsbündels kommt den
produktbegleitenden Dienstleistungen immer öfter kaufentscheidende Bedeutung
zu. Angesichts eines wachsenden qualitativen sowie quantitativen Stellenwerts
von Serviceleistungen im Investitionsgüter-Bereich werden aus vielen
klassischen Sachleistern mehr und mehr Dienstleister, die bemüht sind, ihren
Kunden individuelle Systemlösungen aus unterschiedlichen materiellen und
immateriellen Komponenten anzubieten.
Darüber hinaus zeigt sich, dass das traditionelle
Marketing-Instrumentarium des Konsumgüterbereichs (Produkt-, Preis-,
Distributions- und Kommunikationspolitik)
die Optionen von Investitionsgüter-Anbietern nur unvollständig abdeckt. Die
große Bedeutung vor allem der Kontrahierungs- und Finanzierungspolitik
rechtfertigt zumindest eine Ergänzung, wenn nicht sogar eine Neuordnung des
absatzpolitischen Instrumentariums.
Der Einfluss des Staates auf Investitionsgüter-Marktprozesse
– sei es als Nachfrager oder als rahmensetzende Institution – stellt zwar kein
durchgängiges Kriterium des Investitionsgüter-Bereichs dar, beeinflusst eine
Reihe von Geschäften aber fundamental.
IV. Investitionsgütermarketing-Planung
Die Besonderheiten von Investitionsgütern betreffen im
Bereich der Marketing-Planung insbesondere die Marktforschung
sowie die Marktsegmentierung.
Die Marktforschung
(Hammann, P.
1977; Backhaus,
K./Wilson, D. T. 1986; Engelhardt,
W. H./Günter, B. 1981; Hammann, P.
1992) sieht sich folgenden Problemstellungen gegenüber:
-
Mehrstufige Marktstrukturen erschweren die Erhebung
von Marketing-Informationen, und zwar sowohl nach der Absatz- als auch nach
der Beschaffungsseite. Während der abgeleitete Bedarf der direkten Nachfrager
oft noch gut erfassbar ist, ist es zum Teil kaum noch möglich, gesicherte
Informationen über den Ursprungsbedarf auf nachgelagerten Märkten zu erheben.
-
Erschwerend kommt hinzu, dass Anbieter selten nur
Kunden eines Wirtschaftszweiges bedienen. Auf nachgeordneten Marktstufen
tritt dieses Problem der Verzweigung alternativer Verarbeitungswege verstärkt
auf, sodass vor allem Anbieter auf frühen Verarbeitungsstufen zum Teil nicht
mehr nachvollziehen können, in welche Folgeprodukte ihre Leistungen Eingang
gefunden haben.
-
Der Einfluss rechtlicher Rahmenbedingungen auf den
Vermarktungsprozess kann von der Marktforschung oft nur näherungsweise
erfasst werden.
-
Internationale Geschäfte erfordern eine international
ausgerichtete Marktforschung sowohl der Absatz- als auch der
Beschaffungsmärkte.
Angesichts dieser Konstellation ergeben sich einige
Besonderheiten der Investitionsgüter-Marktforschung. Zur Ermittlung des
Marktpotenzials als zentraler Größe der Forschungsbemühungen kann insbesondere bei
der Schätzung des Bedarfs nachgelagerter Märkte auf die Sekundärforschung (z.B.
Stahlprognose, Energie-Szenarien) zurückgegriffen werden. Da die
Primärforschung auf nachgeordneten Marktstufen oft zunehmend schwieriger wird,
beschränkt sie sich nicht selten auf die direkten Abnehmer. Wenn wichtige
Informationen aus dem Umfeld (z.B. Substitutionstendenzen, Änderungen des
Rechtsrahmens) über die Sekundärforschung nicht zuverlässig erhoben werden
können, ist es erforderlich, fallweise Primärdaten zu erheben. Aufgrund der
engen Anbieter-Nachfrager-Interdependenzen dominieren persönliche Befragungen
andere Erhebungsformen. Ferner bieten die engen Märkte und die oft höhere
Markttransparenz im Vergleich zum Konsumgüter-Bereich bessere Möglichkeiten der
Vollerhebung.
Die Marktsegmentierung
steht vor der Aufgabe, aus der Vielzahl der in Abb. 1 systematisierten Einflussfaktoren diejenigen herauszusuchen,
die Gemeinsamkeiten im organisationalen Kaufverhalten bewirken, bzw. solche zu
identifizieren, die zu Unterschieden führen. Aufgrund der heterogenen Merkmale
und Bedarfssituationen von Kunden ist es im Rahmen der Investitionsgüter-Marktsegmentierung
nur selten möglich, tragfähige Segmente anhand eines einzigen Kriteriums zu
bilden. Folglich sind im Investitionsgütermarketing mehrdimensionale und vor
allem mehrstufige Segmentierungsansätze entwickelt worden. Zu den bekanntesten
mehrstufigen Ansätzen gehört die zweistufige Makro-/Mikro-Segmentierung von Wind/Cardozo
(Abb. 2) sowie der ähnlich aufgebaute
fünfstufige »Schalenansatz« von Bonoma
und Shapiro (Wind, Y.
J./Cardozo, R. N. 1974; Bonoma, T.
V./Shapiro, B. P. 1983).
Abb. 1: Marktsegmentierungskriterien im IG-Bereich
Abb. 2: Ablaufschema der zweistufigen Marktsegmentierung
(Quelle: Engelhardt,
W. H./Günter, B. 1981, S. 91; Übersetzung des Originals: Wind,
/Cardozo, 1974, S. 156)
Obligatorisch wird bei diesen Ansätzen nur die Stufe der
Segmentierung anhand von Makrokriterien durchlaufen. Ergeben sich daraus
homogene Segmente, ist die Segmentierung abgeschlossen. Andernfalls werden auf
der/den nachfolgende(n) Stufe(n) weitere Kriterien zur Segmentierung
herangezogen, bis schließlich brauchbare Segmente gefunden worden sind, die
hinsichtlich ihres Kaufverhaltens ähnliche Verhaltensweisen zusammenfassen,
aber auch noch tragfähig sind. Im Investitionsgüter-Sektor ist aufgrund der
Unterschiedlichkeit des Bedarfs die Zahl der Nachfrager in einem Segment nicht
selten sehr klein. Die anschließende Marktbearbeitung kann dann in ein Key
Account Management münden.
Literatur:
Backhaus, K. :
Investitionsgütermarketing, 3. A., München 1992
Backhaus, K./Wilson, D. T. :
Industrial Marketing: A German-American Perspective, Berlin et al. 1986
Bonoma, T./Shapiro, B. P. : Segmenting
the Industrial Market, Lexington et al. 1983
Chisnall, P. M. : Strategic Industrial
Marketing, Englewood Cliffs/N.J. et al. 1985
Copeland, M. T. : Principles of
Merchandising, 3. A., Chicago et al. 1925
Dichtl, E./Engelhardt, W. H. :
Investitionsgütermarketing, in: WiSt, 1980, S. 145 – 153
Engelhardt, W. H./Günter, B. :
Investitionsgüter-Marketing, Stuttgart et al. 1981
Engelhardt, W. H./Kleinaltenkamp, M. :
Marketing-Strategien des Produktionsverbindungshandels, Arbeitspapiere zum
Marketing Nr. 23, Bochum 1988
Engelhardt, W. H./Kleinaltenkamp,
M./Reckenfelderbäumer, M. : Leistungsbündel als Absatzobjekte, in: ZfbF, 1993,
S. 395 – 426
Hammann, P. : Marktforschung für
Investitionsgüter, in: Anlagen-Marketing, hrsg. v. Engelhardt, W. H./Laßmann,
G., Opladen 1977, S. 87 – 102
Hammann, P. :
Investitionsgütermarktforschung, in: VGM, hrsg. v. Diller, H., München 1992, S.
486 – 487
Hutt, M. D./Speh, T. W. : Business
Marketing Management, 3. A., Chicago et al. 1989
Marquard, J. : Der Commodity Approach
im Investitionsgütermarketing, Arbeitspapiere zum Marketing Nr. 10, Bochum 1981
Plinke, W. : Investitionsgütermarketing,
in: Marketing-ZFP, 1991, S. 172 – 177
Plinke, W. : Ausprägungen der
Marktorientierung im Investitionsgütermarketing, in: ZfbF, 1992, S. 830 – 846
Rudolph, M. : Mehrstufiges Marketing
für Einsatzstoffe, Frankfurt a.M. 1989
Webster, F. E. : Industrial Marketing
Strategy, New York et al. 1984
Wind, Y. J./Cardozo, R. N. :
Industrial Market Segmentation, in: IMM, 1974, S. 153 – 166
|