Inhaltsübersicht
I. Einführung
II. Mathematische
Informationstheorie und statistischer Informationsgehalt
III. Ökonomische
Ansätze
I. Einführung
Im Folgenden wird zwischen der mathematischen und der
ökonomischen Informationstheorie unterschieden. Die beiden Ausrichtungen lassen
sich mit Hilfe der Semiotik (Sprachtheorie), die drei Ebenen einer Nachricht
differenziert, abgrenzen:
-
die Zeichenfolge (syntaktische
Ebene),
-
die Bedeutung der Zeichen bzw. der Nachricht (semantische Ebene),
-
die Verwendung der Nachricht durch Sender und
Empfänger (pragmatische Ebene).
Die mathematische
Informationstheorie beschränkt sich auf die syntaktische Ebene, d.h. sie abstrahiert
von der Bedeutung und der Verwendung einer Nachricht. Sie ist ein Teilgebiet
der mathematischen Statistik und beschäftigt sich vornehmlich mit
technisch-statistischen Problemen, wie z.B. der Übertragung, Speicherung und
Kompression von Zeichenfolgen sowie der Messung des statistischen Informationsgehaltes von Nachrichten (z.B. Maasoumi, E.
1987).
Die ökonomische
Informationstheorie bezieht sich vornehmlich auf die pragmatische Ebene, d.h.
die Verwendung einer Nachricht. Daher versteht man unter Information i.d.R. zweckorientiertes Wissen, wobei der
Zweck die Vorbereitung von Entscheidungen und Handlungen ist (z.B. Wittmann, W.
1959). Information kann daher auch als entscheidungsorientiertes Wissen definiert werden (z.B. Mag, W.
1977). Ob eine Nachricht auch eine Information darstellt, hängt aber
nicht nur von ihrer Verwendung, sondern auch vom Vorwissen des Entscheiders ab.
Eine Nachricht muss neu ( „ news “ ) sein, d.h. nur der nicht redundante Teil der
Nachricht stellt Information dar. Unter Kommunikation
versteht man i. Allg. die (intersubjektive) Übermittlung von Informationen.
Innerhalb der ökonomischen Informationstheorie wird zum einen
das Problem analysiert, ob für eine Entscheidung zusätzliche Informationen
eingeholt werden sollen. Hierzu ist der ökonomische
Wert der Information aus Sicht des Entscheiders zu bestimmen. Zum anderen
werden Informationsprobleme und ihre Konsequenzen auf Märkten und in
Vertragsbeziehungen, also bei Interaktion mehrerer Personen, behandelt.
II. Mathematische
Informationstheorie und statistischer Informationsgehalt
Der Informationsgehalt einer Nachricht bezüglich eines
unsicheren Ereignisses wird i. Allg. über die Verringerung der Unsicherheit
durch den Erhalt der Nachricht gemessen. Man benötigt also ein Maß für die
Unsicherheit, welche i.d.R. über Wahrscheinlichkeitsverteilungen ausgedrückt
wird. Als ein solches Maß liefert die mathematische Informationstheorie die
Entropie einer Wahrscheinlichkeitsverteilung (Shannon,
C./Weaver, W. 1949), die auch als Shannon\'sche Information
bezeichnet wird. Sie wird mit Hilfe von Informationsfunktionen ermittelt, die
axiomatisch abgeleitet sind. Im Allgemeinen wird verlangt, dass die
Informationsfunktion kontinuierlich, additiv für unabhängige Ereignisse sowie
monoton abnehmend in der Wahrscheinlichkeit des Ereignisses ist. Es lässt sich
zeigen, dass diese Axiome die Funktion – log(·) eindeutig identifizieren, wobei
die Basis des Logarithmus die Maß- oder Informationseinheit festlegt (z.B. Maasoumi, E.
1987). Wählt man z.B. den dyadischen Logarithmus (log2), so wird
der Informationsgehalt in bits, also
in binären Einheiten, gemessen.
Gewichtet man die Informationsfunktion mit den
Eintrittswahrscheinlichkeiten der Ereignisse, erhält man die Entropie einer
(diskreten) Wahrscheinlichkeitsverteilung:
wobei p(xi) für die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses xi ∊ X und n für die Anzahl der möglichen
Ereignisse stehen. Die Entropie (oder Unsicherheit) ist maximal, wenn jedes
Ereignis gleich wahrscheinlich ist, d.h. eine Gleichverteilung vorliegt. In
diesem Fall vereinfacht sich der Ausdruck zu: H(X) = log n. Folglich spielt
neben der Verteilung auch die Anzahl der möglichen Ereignisse eine
entscheidende Rolle.
Betrachten wir dazu ein Beispiel: Das Ereignis xi sei die Seitenzahl der aufgeschlagenen Seite
eines Lexikons. Sofern diese zufällig aufgeschlagen wurde, sind alle
Seitenzahlen gleich wahrscheinlich. Die Unsicherheit über die aufgeschlagene
Seite nimmt mit der Anzahl der Seiten des Lexikons zu und entspricht ihrem
Logarithmus. Was genau gibt uns diese Zahl aber an? Stellen wir uns vor, dass
eine andere Person die Seitenzahl erfragen soll, aber nur Fragen stellen darf, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind.
H(X) gibt dann an, wie viele Ja-Nein Fragen diese Person bei optimaler Fragestrategie mindestens stellen müsste, um die
Seitenzahl herauszufinden. Für ein Buch mit 1024 Seiten wären somit mindestens
log2(1024)
= 10 Fragen zu stellen, wobei die Basis 2 verwendet wird, weil die Antwort
binär ist. Wurde die Seite dagegen nicht zufällig aufgeschlagen und kann die
fragende Person ungefähr einschätzen, ob die gewählte Seite eher am Anfang oder
Ende des Lexikons liegt, dann ist es möglich, mit weniger als 10 Fragen
auszukommen. In diesem Fall gibt H(X) an, wie viele Fragen im Durchschnitt zu
stellen sind, wenn man die (ungleiche) Wahrscheinlichkeitsverteilung der Seitenzahlen
optimal ausnutzt.
Der statistische Informationsgehalt einer Nachricht yi bezüglich einer Zufallsvariablen X lässt sich
nun als Differenz der Entropie vor und nach Erhalt der Nachricht messen, wobei
Letztere für die bedingte Verteilung
zu ermitteln ist (z.B. van der
Lubbe, J.C. 1997). Der Informationsgehalt ist maximal, wenn
wir vor Erhalt der Nachricht yi ∊ Y
alle Umweltzustände für gleich
wahrscheinlich halten und danach das Ereignis xi ∊ X mit Sicherheit kennen. Er ist null,
wenn die Nachricht und das Ereignis stochastisch unabhängig sind. Der Informationsgehalt ist also entscheidend vom
(stochastischen) Zusammenhang von Nachricht und Ereignis, welcher durch die
gemeinsame Verteilung p(x,y) beschrieben wird, abhängig. Diesen Zusammenhang
und das Set möglicher Nachrichten bezeichnet man als die Informationsstruktur einer Nachrichtenquelle: {Y, p(x,y)}.
Ein Ranking von Nachrichtenquellen bzw.
Informationsstrukturen nach ihrem Informationsgehalt ist unabhängig von ihrer Verwendung mithilfe von Dominanzkriterien
möglich. Ein solches Kriterium formuliert das Blackwell-Theorem, wonach – etwas
vereinfacht – eine Informationsstruktur I einer anderen I′ vorzuziehen
ist, wenn I′ für jede Nachricht von I lediglich eine Verteilung von
Nachrichten liefert (Blackwell, D.
1953). Lässt sich also eine Struktur I′ aus einer anderen Struktur
I durch Aggregation des Nachrichtenraums erzeugen, dann ist I die feinere Struktur und zu bevorzugen: z.B.
I = {y1,
y2, y3, y4} und
I′={y′1,
y′2}={(y1, y4), (y2, y3)}. Ferner
gilt, dass eine nach dem Blackwell-Kriterium bevorzugte Struktur zu einer
größeren (erwarteten) Verringerung der Entropie führt (vgl. Lawrence,
D.B. 1999, S. 203).
In vielen Fällen sind die Informationsstrukturen jedoch nicht
mithilfe des Blackwell-Kriteriums vergleichbar. Ein Ranking erfordert dann eine
Bewertung der Informationsstrukturen,
was i.d.R. nur für die konkrete Entscheidungssituation, also auf der
pragmatischen Ebene, möglich ist. Dieses Problem wird im nächsten Abschnitt
behandelt. Der Informationsgehalt ist daher im Regelfall nicht mit dem
Informationswert gleichzusetzen.
Allerdings lässt sich in einigen Fällen über die Mengenebene eine Beziehung zu
den Informationskosten herstellen. So kann der Informationsgehalt (bzw. die
Shannon\'sche Information) auch als Informationsmenge interpretiert und zur Bestimmung der Informationskosten (z.B.
durch Multiplikation mit dem Kostensatz pro übertragene Informationseinheit)
herangezogen werden (Mag, W.
1977, S. 154 ff.).
III. Ökonomische Ansätze
1. Informationsakquisition
für Individualentscheidungen und Informationswert
Informationen sind ein wesentlicher Input für Entscheidungen.
Da sie aber nicht in beliebigem Umfang zur Verfügung stehen, stellt sich das
Problem, ob vor einer Entscheidung zusätzliche Informationen beschafft werden
sollen. Die Akquisition von
Informationen ist i.d.R. nicht kostenlos, wobei sowohl Ausgaben als auch
Opportunitätskosten (z.B. in Form von Zeit) entstehen können. Die Entscheidung
über eine Informationsakquisition erfordert daher ein Abwägen der Kosten und
des Wertes der Informationen (z.B. Laux, H.
1982). Da aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststeht, zu welchem
Ergebnis eine Informationsbeschaffung führt, handelt es sich um ein
Entscheidungsproblem bei Risiko, welches mithilfe des Grundmodells der Entscheidungstheorie
analysiert werden kann.
Informationen haben Wert, weil sie zumindest potenziell die
Entscheidungen und damit die Handlungen des Entscheiders beeinflussen können.
So können Informationen z.B. zu einer Revision des (a priori) Wahrscheinlichkeitsurteils und mithin zu einer
veränderten Bewertung der Handlungsalternativen führen. Der Wert solcher Revisionen und damit der
Informationen hängt vom konkreten Entscheidungsproblem, also u.a. den
Handlungsalternativen und der Nutzenfunktion des Entscheiders, ab.
Konzeptionell ist der Informationswert für einen risikoneutralen Entscheider gleich der
Differenz zwischen dem Erwartungswert des Erfolgs bei Entscheidung mit Information und dem Erwartungswert
des Erfolgs bei Entscheidung ohne
Information. Letzerer lässt sich wie folgt berechnen:
wobei π(·) für den Erfolg des Entscheiders, x für den
Umweltzustand und a für die Handlungsalternative stehen. Die optimale
Handlungsalternative nach Zugang der
Information y ergibt sich bei Verwendung der a posteriori Wahrscheinlichkeitsverteilung der Umweltzustände
p(x|y), die dem Theorem von Bayes folgend ermittelt wird:
Da vor der Informationsbeschaffung noch nicht feststeht,
welche Information der Entscheider erhält, ist E[π(x,a)|y] für alle
möglichen Informationsergebnisse zu berechnen, wobei gemäß dem Prinzip der
flexiblen Planung für jedes y die optimale Handlungsalternative gewählt wird.
Anschließend ist E[π(x,a)|y] mit den Eintrittswahrscheinlichkeiten der
Informationsergebnisse zu gewichten, um den Erwartungswert des Erfolgs mit Information zu berechnen. Der
ökonomische Informationswert (vor Abzug von Informationskosten) ist dann die
Differenz der beiden Erwartungswerte (Marschak, J.
1954):
Der Informationswert kann als der Betrag interpretiert
werden, den der (risikoneutrale) Entscheider maximal bereit ist, für eine
Informationsquelle zu bezahlen (Grenzpreis). Er kann nicht negativ sein, weil
der Entscheider stets auf die Verwendung der Informationen verzichten und damit
E[π(x,a)] realisieren kann. Die Obergrenze für den Informationswert ist
dagegen der Wert perfekter
Information (Marschak, J.
1974). Die Beschaffung einer Information ist also nur dann vorteilhaft,
wenn der Informationswert die Informationskosten übersteigt. Prinzipiell sind
so lange neue Informationen einzuholen, bis die Grenzkosten neuer Informationen
gleich ihrem Grenznutzen, d.h. ihrem Grenzinformationswert sind (Stigler, G.J.
1961).
Die explizite Berechnung des Informationswertes ist i.d.R.
sehr komplex, weil das Informations- und das Entscheidungsproblem nur simultan
gelöst werden können. Die Entscheidung über die Informationsbeschaffung stellt
daher ein Metaproblem dar. Fragt man nun, ob für diese Entscheidung ebenfalls
Informationen (z.B. über mögliche Quellen) eingeholt werden sollen, führt dies
zu einem Meta-Metaproblem und letztlich zum infiniten Regress. Die explizite
Berechnung des Informationswertes dürfte daher in der Praxis selten möglich
sein. Vielmehr zeigt die Entscheidungstheorie
Determinanten des Informationswertes auf, die in praxi eine grobe Abschätzung
des Informationswertes erlauben oder Hilfestellung beim Design von
Informationssystemen geben.
Neben dieser eher normativen Analyse gibt es auch eine Reihe
von empirischen Untersuchungen zum Informationsverhalten, auf die jedoch nicht
eingegangen werden soll (vgl. hierzu Witte, E.
1972; Gemünden,
H.-G. 1992; Lawrence,
D.B. 1999, Kap. 9).
2. Informationsökonomie
(Economics of Information)
Neben der soeben vorgestellten Theorie zum
Informationsbeschaffungsproblem eines
Entscheiders gibt es eine Reihe von Ansätzen, die sich mit den Konsequenzen unvollkommener Information auf Märkten
und in Vertragsbeziehungen beschäftigen. Im Mittelpunkt der Analyse stehen also
Informationsprobleme bei Interaktion mehrerer Personen. Die Theorie, die diese
Probleme behandelt, wird häufig als Informationsökonomie bezeichnet. Man sollte
mit diesem Begriff jedoch nicht die Vorstellung verbinden, es handele sich um
ein spezielles Teilgebiet der ökonomischen Theorie, wie z.B. die Agrar- oder
Industrieökonomie, weil die Auseinandersetzung mit Informationsproblemen zu
einem zentralen Element der ökonomischen Analyse geworden ist. Im Folgenden
werden drei wichtige Ansätze und ihre Problemstellungen vorgestellt (vgl. auch Stiglitz, J.
1985).
a) Preis-
und Qualitätssuche auf Märkten
Ausgangspunkt der Preissuchmodelle ist die Beobachtung, dass
auf realen Märkten die Preise auch für homogene Güter i. Allg. von Anbieter zu
Anbieter differieren. Nachfrager werden daher die Preise verschiedener Anbieter
vergleichen wollen. Ein solcher Preisvergleich verursacht jedoch Kosten. Man
kann daher fragen, wie dieser Suchprozess optimal zu gestalten ist. Er gilt,
dass der optimale Stichprobenumfang mit der Streuung der Preise zu- und mit der
Höhe der Suchkosten abnimmt (Stigler, G.J.
1961). Ferner kann man zeigen, dass ein sequenzieller Suchprozess mit
Reservationspreis einer Suche mit optimalem Stichprobenumfang i.d.R. überlegen
ist. Dies gilt auch dann, wenn der Nachfrager die Verteilung der Preise nicht
genau kennt.
Man kann ferner fragen, welche Konsequenzen sich aus der Preissuche für das Marktgleichgewicht
ergeben. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die optimale Suchstrategie der
Nachfrager und die optimalen Angebotspreise der Anbieter simultan festzulegen
sind. Im Allgemeinen eliminiert die Preissuche der Nachfrager die ursprüngliche
Preisdispersion. Der sich im Gleichgewicht einstellende Preis ist i.d.R. der
Monopol- und nur in Ausnahmefällen der Wettbewerbspreis (z.B. Nermuth, M.
1982, m.w.N.).
Die Überlegungen zur Preissuche lassen sich ohne große
Schwierigkeiten auch auf die Qualitätssuche
übertragen, sofern die Qualität des Gutes im Kaufzeitpunkt überprüft werden
kann. In diesem Fall verursacht die Qualitätssuche lediglich Suchkosten.
b) Informationsproduktion,
-akquisition und Offenlegung auf Märkten
Eine Reihe von Ansätzen beschäftigt sich mit der
Informationsproduktion bzw. Informationsakquisition
auf Märkten (Hirshleifer, J./Riley,
J.G. 1992, Kap. 7, m.w.N.). Sie thematisieren, dass einmal
geschaffenes Wissen ein „ public good “ ist: Es kann quasi beliebig kopiert und
damit verwendet werden, ohne dass andere von der Verwendung ausgeschlossen
wären. Die Anreize zur Informationsproduktion (z.B. Forschung) hängen daher
entscheidend davon ab, wie die Verfügungsrechte an der Information (z.B. durch
Patente) verteilt sind. Unvollkommene Verfügungsrechte erlauben anderen, die
Information zu nutzen, und verringern somit den Anreiz, in die Generierung von
Informationen zu investieren. Ein solcher positiver
externer Effekt führt zu einer Informationsunterproduktion aus Sicht des sozialen Optimums (Arrow, K.
1962; Externe
Effekte).
Ist der Informationsproduzent durch Verfügungsrechte gut
geschützt, der Zugang zur Informationsquelle jedoch unbeschränkt, kommt es zur
Informationsüberproduktion, wenn der
private Wert der Information größer ist als ihr sozialer. Ein solcher negativer externer Effekt tritt auf,
wenn die Informationsakquisition primär distributive Effekte hat. In
Finanzmärkten z.B. verschafft die Informationsakquisition einem Investor primär
Informationsvorteile gegenüber anderen uninformierten Investoren; der soziale
Wert der Information ist dagegen (nahezu) null. Die private
Informationsbeschaffung ist daher – sofern sie Kosten verursacht – sozial
unerwünscht.
Die beschriebenen Effekte stehen in engem Zusammenhang mit
der Offenlegung der Informationen. Positive externe Effekte bestehen, weil
nicht verhindert werden kann, dass private Informationen öffentlich werden.
Negative Externalitäten bestehen nur, wenn die Informationen zunächst privat
bleiben. In beiden Fällen wirkt sich ein Zwang zur Offenlegung negativ auf die
Anreize zur Informationsakquisition aus. Allerdings ist dies im ersten Fall aus
sozialer Sicht negativ und im zweiten Fall positiv zu beurteilen.
In vielen Fällen ist eine (zumindest partielle) Offenlegung
von Informationen unvermeidlich. So muss z.B. beim Handel von Informationen ein
Teil vor dem Verkauf preisgegeben werden, um den Käufer vom Nutzen der
Informationen zu überzeugen. Legt man aber zu viel offen, wird der Käufer nicht
mehr bereit sein, die Information zum geforderten Preis zu erwerben. Der Handel
von Informationen ist daher notwendig von Informationsasymmetrie geprägt.
Ebenso führt der Versuch, private Informationsvorteile
auszunutzen, auf Märkten häufig dazu, dass ein Teil der Informationen
preisgegeben wird. Die Kaufabsicht treibt den Preis nach oben; die
Verkaufsabsicht nach unten. Preise aggregieren Informationen und erlauben daher
den uninformierten Marktteilnehmern, die private Information der informierten
Teilnehmer zu nutzen. Dies reduziert die Anreize, Kosten für die
Informationsakquisition aufzubringen. Auf einem Markt, dessen Preise
Informationen perfekt widerspiegeln,
bestehen deshalb keine Anreize, Informationen zu beschaffen (Grossman,
S./Stiglitz, J. 1976).
c) Asymmetrische
Informationsverteilung
Marktteilnehmer sind nicht nur unvollkommen, sondern häufig
auch unterschiedlich gut informiert. Man spricht dann von einer asymmetrischen
Informationsverteilung. Ferner ist zu berücksichtigen, dass sie i.d.R.
unterschiedliche Interessen verfolgen und mithin Anreize haben, private
Informationen zurückzuhalten und Informationsdefizite anderer Teilnehmer
auszunutzen.
So wird der Verkäufer eines Gebrauchtwagens besser über die
Qualität informiert sein als ein potenzieller Käufer und gleichzeitig Anreize
haben, eventuelle Mängel des Wagens zu verschweigen. Ein Versicherungsnehmer
wird besser über seine Schadensvorsorge informiert sein als das Versicherungsunternehmen
sowie Anreize haben, die Unterlassung von solchen Maßnahmen zu verheimlichen.
In beiden Fällen besteht das Problem darin, dass ein Angebot, das aufgrund des
Informationsdefizits der einen Partei nur die durchschnittliche Qualität bzw. Schadensvorsorge
widerspiegelt, Verhaltensanreize zur Folge hat. Ein Kaufangebot, welches sich
an der durchschnittlichen Qualität am Markt orientiert, werden nur Verkäufer
mit Gebrauchtwagen unterdurchschnittlicher Qualität annehmen. Dieses Problem
wird als „ adverse selection “ bezeichnet. Eine Versicherungsprämie, die sich an
der durchschnittlichen und nicht der tatsächlichen Schadensvorsorge orientiert,
gibt Anreize, Vorsorgemaßnahmen zu unterlassen, wenn die Versicherung für alle
Schäden aufkommt. Dieses Problem bezeichnet man als „ moral hazard “ . Beide
Probleme sowie institutionelle Arrangements zur Verringerung der
Reibungsverluste aufgrund asymmetrischer Information werden in den Beiträgen Agency-Theorie und Transaktionskosten ausführlich behandelt.
Literatur:
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Economic Welfare and the Allocation of Resources for Invention, in: The Rate
and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, hrsg. v.
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Jg. 24, 1953, S. 265 – 272
Gemünden, Hans Georg :
Informationsverhalten, in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, Stuttgart, 3. A., 1992,
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Sanford/Stiglitz, Joseph : Information and Competitive Price System, in:
American Economic Review, Jg. 66, 1976, S. 246 – 253
Hirshleifer, Jack/Riley,
John G. : The Analytics of Uncertainty and Information, Cambridge et al. 1992
Laux, Helmut :
Entscheidungstheorie, Berlin et al. 1982
Lawrence, David B. : The
Economic Value of Information, New York et al. 1999
Maasoumi, Esfandiar :
Information Theory, in: The New Palgrave: A Dictionary of Economics, hrsg. v.
Eatwell, John/Milgate, Murray/Newman, Peter, London et al. 1987, S. 846 – 850
Mag, Wolfgang :
Entscheidung und Information, München 1977
Marschak, Jacob :
Economic Information, Decision, Precision, Boston 1974
Marschak, Jacob :
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al. 1954, S. 187 – 220
Nermuth, Manfred :
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Shannon, Claude/Weaver,
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Stigler, George J. : The
Economics of Information, in: Journal of Political Economy, Jg. 69, 1961, S.
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Stiglitz, Joseph :
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van der Lubbe, Jan C. :
Information Theory, Cambridge 1997
Witte, Eberhard : Das
Informationsverhalten in Entscheidungsprozessen, in: Das Informationsverhalten
in Entscheidungsprozessen, hrsg. v. Witte, Eberhard, Tübingen 1972, S. 1 – 88
Wittmann, Waldemar :
Unternehmung und unvollkommene Information, Köln et al. 1959
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